Bordeaux: Zu Gast auf Château Lafite in Pauillac

•Juli 1, 2014 • 2 Kommentare

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Als Charles Chevalier, Direktor der Domaines Barons de Rothschild, uns auf der Terrasse des Anwesens empfängt, kommt sowohl eine entspannte, als auch fröhliche Stimmung auf. Chevalier  zeichnet verantwortlich für vier Châteaux des Imperiums: Lafite und Duhart-Milon in Pauillac, Rieussec in Sauternes und L’Evangile in Pomerol.

Der gebürtige Franzose im hellrosanen Karohemd, besitzt Humor und ist überraschend unprätentiös. Nie versucht er mit leeren Marketingphrasen vom Weinbau zu sprechen, sondern agiert überraschend offen, wenn es um Detailfragen geht. Charles Chevalier hat keine wirklichen Gehemnisse.

Schaut man sich das Château genauer an, wird man auch keinerlei unbekannten Gerätschaften oder ausgefallene Methoden feststellen. Im Gegenteil. Die Vinifikation auf Lafite ist minimalistisch und der Keller entsprechend leer. Die Hauptarbeit geschieht in den 112 Hektar Weinanlagen. Auf Lafite besitzen die Reben im Schnitt ein Alter von 41 Jahren. Wobei für den Erstwein keine Trauben von Rebanlagen verwendet werden, die jünger als 10 Jahre sind. Alljährlich werden 1-2% erneuert. Während der 8 bis 9 Tage der Lese sind mehrere hunderte Lesehelfer vor Ort. Die Lese geschieht äußerst schnell, die Helfer werden aufgefordert, sämtliches Material zu lesen. Erst am Sortiertisch werden die Vollzeitmitarbeiter eingesetzt, die mit ihrem Know-How das erwünschte Material selektionieren.

Chevalier erzählt auch, dass wie für ein Spitzenchâteau diesen Kalibers und mit entsprechender finanzieller Unabhängigkeit üblich, auch eine optische Selektierung eingesetzt werden kann. Komplett überzeugt von der Technik zeigt er sich jedoch noch nicht. So war der Versuch im schwierigen Jahr 2013 wenig erfolgreich, wie er berichtet. Damit eignet sich für ihn dieses Tool eher für “sorgenfreie” Jahre.

Chevalier zeigt zwar großen Respekt vor der Tradition. Doch Lafite, wie auch die anderen Projekte der Domaines Barons de Rothschild, verfolgen einen sehr technischen Ansatz. Eric Kohler, der Direktor der Domaine d’Aussières, erzählt, Rothschild-Lafite würde nichts machen, bei dem man sich nicht sicher sei, wie es funktioniert und es begreifen würde. Somit ist man auch technischen Neuerungen durchaus aufgeschlossen, sofern sie vollständig erforscht und vorteilhaft sind.

Beim Spaziergang durch die imposanten Kelleranlagen, bleiben wir auch vor den großen Bottichen aus Eichenholz stehen. Hier mazerieren die Moste zwischen 18 und 25 Tagen. Es folgt ein Keller mit Zementtank, der für die Merlots reserviert ist und eine Keller mit Stahltanks, für die malolaktische Gärung. Die Barriques stammen aus der eigenen Küferei. Weniger wichtig als die Herkunft des Holzes, ist für Chevalier der Prozess des Toastings. Für den Erstwein werden ausschließlich neue Fässer verwendet, die mittel getoastet sind. Die Besonderheit liegt hier in der verhältnismäßg kühleren und längeren Röstung der Fässer. Für den Carruades de Lafite, dem Zweitwein des Hauses, wird auch ein Anteil gebrauchter Barriques verwendet.

Besonders beeindruckend ist der Gang durch die Barriquekeller, die tausende Barriques hintereinandergereiht vorfinden lassen. Im vom Architekten Ricardo Bofill kreierten Gewölbekeller, sind die Fässer kreisrund ausgerichtet. In der Mitte befinden sich 16 Säulen, die die immens hohe Halle tragen und auf rund 2200 Fässer blicken lassen. Die Kellerräume wirken riesig und beim Gang durch das mit Kerzen beleuchtete Flaschenlager, kann man etwas vom Geist und der Geschichte des Hauses mittragen, die Lafite so geprägt hat.

Das 1855 zum Premier Cru Classé erhobene Château gehört von außen nicht unbedingt zu den imposantesten im Bordelais. Es sind die Innenräumlichkeiten und der riesige Barriquekeller, der imponiert.

Der heiß diskutierte Jahrgang 2013 ist auch in Pauillac schwierig ausgefallen. Es war kein einfaches Jahr für Lafite. Das Jahr startete mit einem sehr nassen und kalten Winter, der die Blüte etwa um drei Wochen nach hinten raus verschob. Die potentiellen Erträge wurden bereits im Vorfeld durch Verrieselung und ungleichmäßige Trauben bedingt. Ende des Junimonats gab es einen harten Kontrast und es wurde rasch warm. Mitte des Septembermonats war es sowohl regnerisch als auch warm, die Trauben waren jedoch noch nicht voll ausgereift. Zum Ende des Monats gab es vor allem Probleme ob der Botrytis und die Lese musste schnell beginnen, um den Pilzbefall einzudämmen. Ich hatte nicht die Möglichkeit, Bordeaux in seiner ganzen Bandbreite auf der Primeurverkostung genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch wie man den Winzern vor Ort und vielen Kommentaren entnehmen kann, spricht man relativ offen über den herausfordernden und im Schnitt doch kleineren Jahrgang.

Während die kleineren Weine für mich teilweise etwas hart erschienen, war ich überrascht von der Eleganz der beiden Lafiteweine, die sehr dicht und ausgewogen daherkommen und keine grünlichen Noten erkennen ließen. Entspannter sieht die Situation im Sauternes aus. Auf Rieussec hat man in 2013 einen herrlich klaren und erfrischenden Süßwein abgefüllt, wie ich finde. Der Wein ist sehr verspielt und präzise am Gaumen. Es gab übrigens einige nette Anekdoten von Charles Chevalier bezüglich der Speisenkombinationen mit Sauternes. Für ihn, eignet sich der edelsüße Vertreter zu nahezu allen Speisen. Außerdem trinkt er ihn gerne in jedem Stadium, jung wie alt.

Verkostungsnotizen:

2013 Blason de L’Evangile

  • 92% Merlot/ 8% Cabernet Franc: Dunkelviolett mit leichtem Wasserrand, in der Nase viel Brombeere, etwas Kirsche und ein Anflug Kakao, sehr sämiges Tannin, minimaler Überhang im Alkohol.

2013 Château L’Evangile

  • 87% Merlot/ 13% Cabernet Franc: Dichtes dunkelviolett, ebenfalls leichter Wasserrand, etwas präsenteres Tannin, insgesamt strenger in der Art, komplexer. Aktuell noch sehr harsch. Klare Steigerung in der Komplexität.

2013 Moulin de Duhart

  • 67% Merlot/ 33% Cabernet Sauvignon: Eingelegte Paprika, fleischiger Geruch, am Gaumen anfangs samtig, dann zupackendes Tannin, mittellanger Ausklang. Noch sehr hart.

2013 Château Duhart-Milon

  • 80% Cabernet Sauvignon/ 20% Merlot: In der Nase gerade komplett verschlossen, ein wenig Paprikapulver, am Gaumen schön mollig, trotzdem elegant. Ein echter Charmeur. Gut im Kontext zum Preis!

2013 Carruades de Lafite

  • 64% Cabernet Sauvignon/ 29% Merlot/ 4% Cabernet Franc/ 3% Petit Verdot: Ebenfalls verschlossen aktuell, etwas Zedernholz und dunkle Beeren, am Gaumen viel weicher und fülliger als alle bisherigen Weine, frische rotbeerige Frucht, gute Länge. Keine grüne Aromatik. Sehr zugänglich.

2013 Château Lafite

  • 98% Cabernet Sauvignon/ 2% Merlot: Dunkelviolett, violetter Rand mit minimalem Wasserrand, in der Nase zugenagelt, verwobene Frucht in Form von Sauerkirschen und Johannisbeere, mit etwas Luft kommt allenfalls noch zart das Holz durch, am Gaumen keinerlei grüne Aromatik, samtiges Tannin, enorme Dichte, große Eleganz. Im Vergleich zum Carruade aus 2013 etwas strenger, vermutlich durch den geringen Merlotanteil. Gelungene Abfüllung des Jahrgangs!

2013 Carmes de Rieussec

  • 83% Semillon/ 9% Muscadelle/ 8% Sauvignon: Vollgold und klar, reduktives Bukett, fruchtig-klar, wenig UHU, am Gaumen mittelsüß, mittlere Viskosität. Easy Drinking und frühe Zugänglichkeit!

2013 Château Rieussec

  • 95,5% Semillon/ 4,5% Sauvignon: In der Nase verschlossen, etwas herberes Bukett, weniger vordergründige Frucht, am Gaumen sehr klar, präzise und nur leicht dick, ausgesprochen gute Länge. Gebirgsbachklarer und floraler Sauternes!

In den nächsten Wochen geht es thematisch weiter ins Languedoc. Hier habe ich mir auf Einladung der Domaines Barons de Rothschild einen Überblick zum aktuellen Stand der Domaines d’Aussières verschaffen können. Diese wird seit 1999 quasi mit dem Anspruch wiederaufgebaut, sich als einen der führenden Betriebe der Region Languedoc-Roussillon zu etablieren.

Berlin Gutsrieslingcup 2014

•Juni 24, 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

Alljährlich veranstaltet Martin Zwick den Gutsriesling-Cup in Berlin sowie einen Spätburgunder-Cup. Bei letzterem war ich 2013 dabei und habe darüber berichtet (Berlin-Spätburgunder-Cup 2013). Dieses Jahr habe ich nicht an der Blindverkostung teilgenommen. Dafür hatte ich die Ehre, die Reihenfolge der Flights für die insgesamt 33 Gutsrieslinge zusammenzustellen. Anbei die Ergebnisse und Hintergrundinfos zur Veranstaltung:

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“Einig waren sich die Teilnehmer des Cups, dass sich der Jahrgang 2013 im Gutsweinbereich durch eine hohe Säure auszeichnet und heterogene Qualitäten aufweist. Um die persönlichen Präferenzen zu treffen, ist vorheriges Probieren durchaus ratsam. Beeindruckend war das Abschneiden der rheinhessischen Winzer, die insgesamt 8 der 10 vordersten Plätze belegten. Hier scheint auch im Gutswein-Bereich am meisten Musik zu sein.

 

Hier die Ergebnisliste der besten 10 Gutswein-Rieslinge aus 2013:

  1. Weingut Wechsler (Rheinhessen) 88
  2. Weingut Emrich-Schönleber (Nahe) 88
  3. Weingut Max Pfannebecker (Rheinhessen) 88
  4. Weingut Eller, Juliane Eller (Rheinhessen) 87
  5. Weingut Wittmann (Rheinhessen) 87
  6. Weingut Keller (Rheinhessen) 86
  7. Weingut Wagner-Stempel (Rheinhessen) 86
  8. Weingut Schäfer-Fröhlich (Nahe) 86
  9. Weingut Uwe Spies (Rheinhessen) 86
  10. Weingut F.E. Huff (Rheinhessen) 86

 

Die Jury des Berlin-Gutsriesling-Cups besteht aus Weinprofis und Weinliebhabern. 2014 nahmen folgende Personen teil:

Barbara Adam (Winzerin von der Mosel)

Katharina Hänel (Einkäuferin für “Wine in Black” in Berlin)

Paula Redes Sidore (Journalistin, Berlin)

Sascha Freitag (Händler in Berlin)

Felix Bodmann (Wein-Blogger, Berlin)

Wolf Albin (Riesling-Liebhaber, Berlin)

Jürgen Klucken (Riesling-Liebhaber, Berlin)

Nikolai Laßmann (Riesling-Liebhaber, Berlin)

Frank Ebbinghaus (Riesling-Liebhaber, Berlin)

Michael Rauscher (Riesling-Liebhaber, Berlin)

HaJo Fredrich (Riesling-Liebhaber, Berlin)

Olivier Schnurr (Riesling-Liebhaber, Berlin)

 

Ausrichter der Probe war Martin Zwick, der nicht mitbewertet. Die Reihenfolge der Weine wurde von Markus Budai/Wine&Food Blogger zusammengestellt.

Zum Berlin Riesling Cup:

Im Jahr 2007 begann der Privatier Martin Zwick, seinen Traum von einem Berliner Weinsalon zu realisieren. Menschen mit einer Leidenschaft für Wein sollten in seinem Berliner Domizil zusammenkommen und ihre Meinungen austauschen. Wichtig war Martin Zwick, dass es eine wirklich “bunte” Mischung aus Aficionados sein sollte: Journalisten, Sommeliers, Weinliebhaber, Winzer, Händler. Der Berlin-Riesling-Cup versammelt sich auf seine Einladung hin einmal im Jahr, um die besten Rieslinge aus Deutschland zu probieren. Auch bei den Weinen ist eine bunte Mischung angesagt: vom jungen aufstrebenden Winzer über das renommierte Grosse Gewächs bis hin zum raren Versteigerungswein soll alles vertreten sein. Der Berlin-Riesling- Cup wurde 2013 durch den Berlin-Gutswein-Cup erweitert. Für alle Berlin-Cups gilt: die Weine werden grundsätzlich von Martin Zwick ausgesucht und ein renommierter Weinkenner bestimmt die Probenreihenfolge. Alle Weine werden in 2er- Flights aus Zalto-Gläsern blind verkostet. Nach jeweils 10 Weinen werden die Bewertungen im 100-Punkte-Schema notiert und schließlich die Weine aufgedeckt. Das Ergebnis setzt sich aus einem Punktedurchschnitt aller Verkoster zusammen, wobei die jeweils beste und schlechteste Wertung gestrichen werden. Der Einfachheit halber wird die Siegerliste auf volle Punkte auf- bzw. abgewertet.”

Text: V.i.S.d.P Markus Vahlefeld – WeinMediendienst Köln

Gegenbauer – Wiener Bier vom Essigmeister?

•Juni 13, 2014 • 2 Kommentare

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Erwin Gegenbauer.

In der Spitzenastronomie ist das ein Name, mit dem jeder etwas anfangen kann und verbindet. Essig.

In seiner Wiener Essigbrauerei feilt Gegenbauer seit gut zwei Jahrzehnten an den feinsten Essigen. Rund 60 sind es an der Zahl. Sie alle haben eine neues Qualitätsverständnis für hochwertigen Essig und dessen Geschmacksvielfalt definiert. Wer sich das nicht vorstellen kann, soll einfach mal einen Trinkessig aus dem Hause wie ein Glas Wein verkosten oder einen Salat mit Tomatenfruchtessig verfeinern und dagegen einen handelsüblichen stellen.

Umso neugieriger war ich, als ich erfuhr, dass Gegenbauer seit diesem Jahr ein eigenes Bier erzeugt.

Das “Wiener Bier” wird aus bio-zertifizierten Zutaten gebraut. Ganz nach dem Qualitätsverständnis des Hauses, bezieht man das Getreide direkt aus Wien. Neben Malz, Hefe und Wasser, beinhaltet das Bier nämlich Emmer und Einkorn, zwei eigens angebaute Urkorn-Getreidesorten aus dem 10. Gemeindebezirk. Frisch gezapft, soll man es auf dem Naschmarkt erhalten. Oder in 1-Liter-Flaschen gefüllt.

Die imposante Flasche kostet knapp 17€ pro Liter. Damit positioniert Gegenbauer das Bier ganz klar an der Spitze und stellt es durchaus einem anspruchsvollen Wein gleich.

Wie schmeckts also, das Premiumbier?

Das Bier hat 5,4 % Alk. und eine Stammwürze von 14°. Es ist kastanienbraun und hat orangene Reflexe. Die Schaumkrone ist dicht, feinporig und bleibt minutenlang stehen. Ein bisschen riecht das Bier wie das belgische Bier”Kriek”. Das heißt, es hat eine leicht rauchige Komponente, die an Feuerwerkskörper erinnert und eine feine Note von Sauerkirschen. Ein klein wenig Banane ist auch dabei.

Am Gaumen ist das Wiener Bier sehr füllig, hocharomatisch und besitzt eine feinherbe Note. Es ist nicht wirklich malzig-süßlich, erinnert aber ein wenig von der Kraft und Fülle an Bockbier. Dabei besitzt es keine schokoladigen Aromen. Der Ausklang ist lang und hinterlässt eine feine Bitternote.

Das Bier hat ordentlich Trinkfluss trotz der aromatischen Fülle.

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Es handelt sich um ein in der Tat einzigartiges Bier. Ob es den exklusiven Preis wert ist, bleibt jedem selbst überlassen. In jedem Fall gibt es ein klares Statement ab: Bier kann komplex sein wie Wein und soll deshalb auch enstprechend bepreist werden, wenn es ähnlich aufwändig hergestellt wird. Besonders gefällt mir am Bier, dass es nur in der großen Flasche abgefüllt wird. Denn damit landet es -wie der Wein- in guter Gesellschaft.

 

Rheinhessen: Der Jahrgang 2013 im Weingut Keller

•Juni 4, 2014 • 4 Kommentare

Vergangene Woche waren wieder die “Keller Open” in Flörsheim-Dalsheim. Alljährlich laden Julia und Klaus Peter Keller zur Jahrgangspräsentation ins Weingut ein und präsentieren dort die komplette Sortimentsbreite des aktuellen Jahres.

Warum ich genau über die Kollektion der Kellers schreibe?

Weil diese mir mal wieder vor Augen geführt hat, wie schwierig doch Jahrgangsprognosen im Allgemeinen sind und wie weit in solchen Jahren wie 2013 die Spitze von der Basis auseinander gehen kann.

Keine Frage, 2013 wird, wenn man den Jahrgang in Deutschland anhand der Basis beurteilt, ein sehr schwieriges und kleines Jahr. Geringe Mengen, unreife und dünne Weine, Weine mit wenig Extrakt und solche die zwar Säure besitzen, ansonsten aber mager wirken sowie zu Tode entsäuerte und leblos gewordene Abfüllungen wird man in 2013 finden können. Stark eingreifende Methoden wie das Doppelsalzverfahren mussten teilweise angewandt werden. Kellertechniken, die nicht jedes Jahr angewandt werden und um so mehr Erfahrung bedürfen. Dann gibt es da, wie in fast jedem Jahr wieder Winzer, die auf Nummer sicher gehen wollten und damit kein exzellentes Material eingefahren haben. Das Jahr hat – so ausgelutscht der Spruch klingen mag – den Winzern alles abverlangt. Die Mengen sind klein und blickt man zum Beispiel auf die Saar, schaut es auch nicht besser aus. Der Scharzhof beispielsweise verzeichnet die kleinste Ernte seit 1945 mit 11hl/ha und wird keine Le-Gallais-Abfüllungen auf den Markt bringen können, Dönnhoffs an der Nahe können in manchen Lagen nur ein Drittel der durchschnittlichen Menge abfüllen.

Sollte man 2013 deshalb abschreiben?

Definitiv nicht! Denn damit ist das Jahr gerade dazu prädestiniert, aus den talentiertesten und ambitioniertesten Winzern exzellente Weine herauszuquetschen. Weine die begeistern. Weine die nach Jahren der Lagerung doch beweisen, dass manch Jahrgang sich in der Spitze als größer herausgestellt hat, als vermutet. Denn ganz ehrlich: Greift man zu einer gereiften Flasche aus einem Spitzenjahrgang von einem großartigen Winzer, so mag man vielleicht einen ebenso großartigen Wein im Glas haben, eine Bestätigung. Doch am Ende faszinieren ja doch die vermeintlich kleinen Jahre, wenn sie sich dann als groß erweisen. Überraschungen.

In der Spitze nämlich, da zeigen einige Winzer meiner Meinung nach verblüffend vibrierende Weine, wie zum Beispiel Christian Hermann, an der Mosel, die Kühns im Rheingau oder Emrich-Schönleber an der Nahe. Das hat sich auch schon auf der Weinbörse in Mainz herausgestellt. Wir finden hier Weine, die eine lebendige Säure aufweisen, die jedoch gegenüber 2010 reifer erscheint und besser eingebunden. Es gibt Weine, denen steht ein guter Extrakt entgegen. Und ja: Ich finde, die mineralische Seite kommt in der Spitze im Jahrgang 2013 insbesondere beim Riesling besonders gut zur Geltung. Wenn man den Jahrgang mit den etwas kräftigeren und fruchtigeren 2011ern vergleicht, wird das schnell klar.

Als ich vergangene Woche bei Keller ins Flörsheim-Dalsheim die aktuelle Kollektion verkostet habe, wurde mir auch erneut klar, dass man in nahezu jedem Jahrgang fantastische Weine erzeugen kann. Weine, die sich eben im Typ je nach Jahrgang unterscheiden. Wer auf Rezept arbeitet, wird dies nie schaffen. Und wer einen immer gleichen Weintyp erzeugen will, wird sich schwer tun. Gute Winzer arbeiten mit dem Jahrgang und gehen auf ihn ein. Aus journalistischer Seite und als Sommelier erschwert dies natürlich das Verständnis und die Kommunikation der Arbeitsweisen der Topbetriebe. Feste Maischestandzeiten, die Dauer des Barriqueausbaus und die Frage der Filtration kann eben nicht in jedem Jahr gleich beantwortet werden, können nicht auswendig gelernt werden. Es bedarf jedes Jahr eines genauen Hinschauens und des Dialogs mit den Winzern.

Vor einigen Monaten probierte ich ein Großes Gewächs von Kellers aus 2008. Der Wein war ganz anders als aus 2009 und obwohl ein Jahr älter, um Welten verschlossener als der jetzt schon durchaus erquickende Riesling aus 2009. 2013 schmeckt in Ansätzen nochmals ganz anders, wenngleich ähnliche Nuancen in der gleichen Lage zu finden sind. In 2008 hat Klaus Peter Keller ganz im Koehler-Ruprecht-Style beim unentrappten Riesling lange Standzeiten auf der Maische gemacht. Denn wer an 2008 zurückdenkt, dem fallen gleich die hohen Säurewerte ein. Damit sind diese Weine nun viel verschlossener geworden, werden vermutlich langlebiger sein, sind aber von einer ganz anderen Machart. Weil das Jahr 2008 es so verlangte.

Das ist nur eines vieler Beispiele, die erklären, wie eigenständige und große Weine entstehen!

 

Der Jahrgang 2013 hat den Kellers besonders in die Karten gespielt. Andersherum gesagt, muss man auch sagen, die Kellers haben aus 2013 alles herausgeholt. Denn 2013 liefert hier eine Kollektion, die vor allem in der Bandbreite überzeugt. Mich überrascht vor allem, wie präzise und großartig die trockenen GGs hier  gelungen sind, während diesen ebensolch strahlende edelsüße Weine gegenüberstehen. Als absoluter Freund von restsüßen Moselrieslingen und mit der fast konservativen Einstellung, dass diese genau dort hingehören und anderswo nicht gebraucht werden, muss ich meine Meinung doch ein wenig überdenken, wenn ich an die beiden herrlichen Kabinette vom Hipping und Pettenthal denke. Ich bin mir sicher, dass diese nicht nur jetzt, sondern auch in einigen Jahren mit einer Vielzahl gelungener Kabinette von Mosel, Saar und Ruwer konkurrieren können.

Wie in jedem Jahr überzeugt mich der so verbraucherfreundliche Riesling “Von der Fels”. Hierbei handelt es sich quasi um die Warteposition auf die zukünftigen GGs. In den Wein fließen aus allen GG-Rieslinglagen die jüngeren Reben ein. So lauten zumindest seit Jahren die einschlägigen Beschreibungen zum Riesling. Doch mittlerweile muss gesagt werden, dass diese ebenfalls doch auch teilweise gut 30 Jahre auf dem Buckel haben. Ein Alter, bei dem durchaus viele Winzer schon stolz “Alte Reben” aufs Etikett schreiben. Der “Von der Fels” liegt preislich fast bei der Hälfte eines Großen Gewäches. Trotzdem strahlt der Wein. Wie ich lesen konnte, hat sich auf einer 2004er-GG-Nachverkostung eine Flasche aus selbigem Jahr als Pirat tapfer geschlagen. Damit ist klar, dass der Wein auch reifen kann, sofern man es aushält, Flaschen zurückzulegen.

Tribut zolle ich auch dem 2013er Silvaner “Feuervogel”. Diese feinkräuterige und kräftige aber doch so präzise Definition einer Silvaners konkurriert meiner Meinung nach problemlos mit den brillantesten Silvanern aus Franken. Hier würde es mich sehr interessieren, wie sich der “Feuervogel” mit den Jahren entwickeln wird.

Sehr angetan bin ich auch von den letzten beiden Jahrgängen des “Bürgel”-Spätburgunders (2012 und 2011). 2011 konnte ich blind auf dem Berlin Spätburgundercup 2013 verkosten un empfand den Wein als sehr ansprechend. Klaus Peter Keller arbeitet in 2012 die typische Feinfruchtigkeit des Pinots sehr gekonnt heraus und behält dabei eine kühle Frucht und beeindruckende Präzision. Kürzlich habe ich aus Neugier eine alte Flasche aus 2001 vom Bürgel (ehemals Felix) geöffnet. Das waren die Anfänge und der Wein war für mich ein wenig drüber und deutlich einfach gestrickter als die letzten Jahrgänge. Was sich da über die Jahre getan hat, ist enorm. Die Weine sind quasi qualitativ nicht mehr miteinander gleichzusetzen. Das liegt sicherlich auch daran, dass mitllerweile eine ganz andere Vinifikation stattfindet, deutlich bessere Fässer in Verwendung sind und die Rebanlagen wohl kontinuierlich dichtere und vielschichtigere Weine erzeugen lassen.

Bei den Großen Gewächsen vom Riesling tue ich mich in der Beurteilung verdammt schwer. Denn seit Jahren kann hier die Präzision der Weine nochmals gesteigert werden. Zudem erscheint es mir so, als ob die Weine feiner und geschliffener werden. In 2013 kann ich mich tatsächlich kaum entscheiden, welches GG mir mehr zusagt. Jede Lage hat ihren Charakter! Definitiv an der Spitze sind aber AbtsE und Morstein. Wie oben bereits erwähnt, steht der Säure ein super Extrakt entgegen. Die Weine haben Substanz und sind spannungsgeladen bis zum Ausklang. Mir gefallen sie in diesem Jahr so gut wie noch nie, da sie dank des Jahrgangs extrem niedrig im Alkohol ausfallen. Die GGs sind alle im Schnitt bei 12,0-13 Vol.-% – was kann man sich da mehr wünschen?

Für Schnäppchenjäger bietet in diesem Jahr die Basis hochqualitative Weine zu fairen Preisen. Denn während die GG-Lagen größtenteils verschont geblieben sind, hat es vor allem die Rebanlagen der Basisweine getroffen. Hier sind die Erträge deutlich geringer als sonst. Bei einer solch strengen Auslese, bedeutet das dann folglich eine hohe Qualität im Glas.

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Anbei findet ihr noch ein paar verkürzte Verkostungsnotizen und Infos zu den Weinen, die ich verkostet habe:

 

Basis und Mittelsegment:

  • Grauer Burgunder trocken 2013graugolden, florale Nase aber auch etwas vom Hefekontakt geprägt, Pampelmuse und Honigmelone am Gaumen, gute Länge.

 

  • Grüner Silvaner trocken 2013 - in der Nase noch verschlossen mit leichter Zitronenzestenätherik, am Gaumen kristallin, wieder schöne Grapefruitaromatik und insgesamt angenehme Saftigkeit, sensorisch ganz leichte Süße.

 

  • Silvaner Feuervogel 2013 - in gebrauchtem Holz ausgebaut. In der Nase noch mehr von der Hefe geprägt als der einfache Silvaner, fülligeres und rauchiges Bukett, am Gaumen vibrierend und ausgewogen, komplex und kräftig, mit vibrierendem Abgang. Große Klasse!

 

  • Scheurebe trocken 2013 - schließt an die geniale 2011er Scheurebe nahtlos an, hat aber eine andere und nicht so exotisch-fruchtige Stilistik wie in 2012 und 2011. Johannisbeere, Blüten und eine leicht grüne Note in der Nase. Am Gaumen klar und geradlinig ob der Säure, mit kräutriger Aromatik, mehr von den Pyrazinen geprägt ohne kitschig zu sein, sehr langer Abgang. Mehr als gelungen.

 

  • Riesling feinherb 2012 - leicht rauchige Nase, ausgewogen und geradlinig. Hohes Niveau für einen Literriesling.

 

  • Riesling trocken 2013 - aus Zukauf. Helle Farbe, klar, in der Nase Birne, Apfel und etwas Steinobst, am Gaumen knackig und ausgewogen. Schöner Trinkfluss.

 

  • Riesling Von der Fels 2013 -  schon lange kein Geheimtipp mehr. Jedes Jahr strahlend und höchst fair bepreist. John Gilman gibt dem Von der Fels gar 93 Punkte. Ich notiere mir starke 90+ und kaufe anschließend wieder eine Flasche davon. In 2013 wundervoll, da nur 12 Vol.-%. In der Nase leichte Radieschenschärfe, Kräuter und zarte Pfirsicharomatik. Am Gaumen rassig, puristisch und voller Spannung. Toller Riesling!

 

  • Riesling S trocken 2013 - noch leicht reduktiv in der Nase, am Gamen gut ausbalanciert aber nicht ganz so lang wie der Von der Fels. Für mich etwas unter dem VdF anzusiedeln.

 

  • Riesling RR 2013 - der RR ist quasi eine Selektion aus dem Kirchspiel vom roten Kalk. Da Klaus Peter Keller im Kirchspiel ausschließlich Lesematerial vom gelben Kalk haben möchte, dürfen wir uns über diesen schönen Riesling freuen. In der Nase sehr zart, spürt man die Cremigkeit des Weines, der etwa 11-12 g/L Restzucker aufweist. Die kalkige Aromatik kommt schön heraus, der Wein ist saftig und lebendig. Ein sehr femininer Riesling. Toll!

 

  • Weißburgunder -S- 2012  - Schöner Holzeinsatz, stoffig am Gaumen. Für mich in etwa vergleichbar mit Fürsts Weißburgunder 2012 vom Centgrafenberg, den ich ebenfalls sehr schätze. Keller -S- 2013 besitzt für mich etwas mehr Röstung und fällt ebenfalls fein aus. Ich ziehe ihm aber dem Vorgängerjahrgang (aktuell) vor.

 

 

Große Gewächse:

  • Riesling Kirchspiel 2013 –  aus fast 50-jährigen Reben. In der Nase zart und sehr klar. Leicht floral, mit Orangen- und Zitruszesten und einer rauchigen Komponente. Am Gaumen von einer Mineralität geprägt, die an feinsten Chablis erinnert, trotzdem von saftiger Frucht begleitet. Das lebendigste Riesling-GG und die femininste Lage.

 

  • Riesling Hubacker 2013 - der Hubacker wirkt dagegen kräftiger, gar ein wenig cremiger, obwohl er trotzdem glasklar und von einer fantastischen Säure geleitet wird, die ihm seinen beeindruckend langen Abgang beschert. Hinten raus erscheint der Hubacker etwas stoffiger als das Kirchspiel.

 

  • Riesling Morstein 2013 - Morstein ist eine Klasse für sich! Ich weiß nicht ob ich die rauchig-präzise Nase mehr schätzen soll oder die kräftige und imposante Aromatik am Gaumen. Etwas Orangenschale, ein saftiger Fruchtmix, muskulöse Säure und fein nuancierte Ananas im Ausklang. Beim Morstein tue ich mich schwer, nicht in schwärmerischer Begeisterung zu baden. Ein Monument!

 

  • Riesling  AbtsE 2013 - Aus einer Parzelle im Brunnenhäuschen. Die AbtsE, die eine schön rauchig-kalkige Nase besitzt, empfinde ich fast als noch nachhaltiger am Gaumen als den Morstein. Die Frucht fällt hier etwas saftiger aus, wirkt gar etwas süßlich. Große Fülle am Gaumen und magische Balance. Dabei wirkt der Wein nie fett, was wohl auch dem geringen Alkoholgehalt zuzuschreiben ist. Spitze!

 

  • Riesling Hipping 2013 - aus der beeindruckenden Niersteiner Lage, die ich vor der Verkostung besucht habe. Hipping wirkt in der Nase offener als die bisherigen GGs und besitzt eine schöne Würze in der Nase. Am Gaumen zeigt sich auch dieser Riesling griffig aber doch ein wenig fetter als das Pendant aus dem Pettenthal. Beeindruckend, wie nahtlos dieser Wein nach wenigen Jahren bereits an die bisherigen GG-Klassiker aus dem Haus anschließt.

 

  • Riesling  Pettenthal 2013 - das GG aus dem Pettenthal verkörpert kandierte und frische Zitrusfrüchte par excellence. In der Nase und am Gaumen habe ich hier einen Mix aus Pampelmuse, Mandarine und kandierter Zitrusfrucht. Die Nase ist schön breitgefächert und lädt zum Verweilen ein, am Gaumen besitzt der Riesling eine schöne Fülle, wirkt etwas reifer als der Hipping.

 

  • Bürgel Spätburgunder 2012 - der Spätburgunder aus dem Bürgel hat eine schöne und klare, tiefrote Farbe mit leicht violetten Anklängen. Am Gaumen findet sich die  Struktur durch das Holz und ein Tannineinsatz, wie ich ihn von einem Spätburgunder erwarte, der gut zehn Jahre und mehr reifen soll und eine klar herausgearbeitete Pinotfrucht, die nicht eindimensional daherkommt, das sie von einer subtilen Würze begleitet wird. Ein kühler Spätburgundervertreter, der Zeit brauchen wird.

 

 

Restsüß:

  • Riesling Pettenthal Kabinett 2013 - meine mehr als unerwartete Überraschung. 2013 hat den Kellers einzigartig restsüße Rieslinge beschert. Pettenthal ist ein echter Bilderbuchkabinett. Nicht zu üppig, animierend und trotzdem komplex. Die Nase hat eine ausgeprägte Schieferwürze, am Gaumen finde ich grüne Apfel, Länge und eine Verspieltheit, wie sie nur ein Kabinett ins Glas zaubern kann.

 

  • Riesling Hipping Kabinett 2013 - Der Versteigerungskabinett ist noch nuancierter als der Pettenthal Kabinett und etwas druckvoller. Die Unterschiede sind in etwa zu vergleichen mit Egon Müllers Scharzhofberger Kabinett und der Alte-Reben-Version, die ebenfalls eine gleiche Aromatik besitzt aber noch druckvoller am Gaumen erscheint. Pettenthal bietet hier für mich mehr Wein im Verhältnis zum Preis. Die Überlegenheit des Hippings wird sich aber vermutlich vor allem nach 10-20 Jahren der Flaschenreife zeigen.

 

  • Rieslaner Spätlese 2012 - zugängliche Nase, verspielte und expressive Aromatik am Gaumen. Ein echter Spaßwein!

 

  • Pettenthal Spätlese 2013 - hat einen echten Prüm’schen Stinker wie alte Rieslinge aus Wehlen. Schöner Grip am Gaumen und ausbalancierte Säure.

 

  • Morstein Riesling Auslese 2013 - Länge und Klarheit kennzeichnen diese gelungene Auslese. Besitzt einen tollen Nachhall. Eine absolut saubere Auslese!

 

  • Pius Beerenauslese 2013 - Pius war meine erste Beerenauslese, die ich getrunken habe und der Einstieg ins Verständnis edelsüßer Weine. Für knapp 16€ ist das alljährlich eine der schönsten Beerenauslesen und eine spannende Möglichkeit, in die edelsüße Weinwelt einzusteigen. Nie ein großer Wein aber immer ein Paradebeispiel für die Verbindung aus edelsüßer Frucht und vibrierender Säure.

 

  • Morstein Riesling Trockenbeerenauslese 2013 - vielschichtige Nase von Honig, reifer Aprikose und Zitronenzeste. Enorm dichte Aromatik am Gaumen und feinste Säure, die der TBA Leichtigkeit verleiht. Langer Nachhall.

 

  • AbtsE Riesling Trockenbeerenauslese 2013 - die AbtsE überragt den Morstein nochmals. Faszinierender Wein und ultrarar. Ein Wein, bei dem man vergisst genaue Notizen zu machen, weil es überflüssig ist.

 

Terres et Vins de Champagne – 2014

•Mai 26, 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

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Die Winzerchampagnerbewegung kommt allmählich, dank der intensiven Arbeit einiger Botschafter, auch in Deutschland an. Neben den großen und global bekannten Champagnerhäusern, scheint das Selbstbewusstsein der kleinen Winzer der Champagne gewachsen zu sein. DEN Champagner gibt es hier nicht mehr. Dafür verschiedene Winzer, mit eigenständigen Ansätzen. Da wundert es natürlich nicht, wenn sich hier große Experimentierfreude und Innovation finden lässt.

Ein geeignetes Sprachrohr haben die Avantgardewinzer der Champagne mit den im April angebotenen Events gefunden. Mittlerweile in sechster Edition, findet alljährlich die sogenannte “Terres et Vins de Champagne” statt. Hierbei handelt es sich um eines der spannendsten Events der Champagne, bei dem sich die Avantgarde der Avantgarde der Winzerchampagner versammelt um gemeinsam zu zeigen, wohin die Champagne gehen könnte. Das Event fand so großen Anklang – und die Zahl der ambitionierten Winzerchampagner ist nicht minder gering- , dass sich um die Veranstaltung herum nun auch noch weitere Veranstaltungen tummeln. Mit weiteren Highlights bietet die Champagne an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine enorme Bandbreite an Winzerchampagnern an.

Ich war bereits letztes Jahr vor Ort und konnte mir einen guten Überblick verschaffen (Terres et Vins 2013). Nach diesem Event war klar, dass das Event zum festen Termin im Veranstaltungskalender wird. Die aktuelle Veranstaltung war erneut ein Erfolg und hat für mich persönlich bestätigt, dass hier eine enorme Bandbreite an Winzern permanent am eigenen Profil feilt.

Anbei einige Impressionen von der Veranstaltung:

The Barn – Brasilien: Sitio Canaa

•Mai 15, 2014 • 1 Kommentar

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Bohnen: 100% Arabica, Single Origin Sitio Canaa

Rösterei: The Barn (Berlin)

Produzent: Joao Hamilton & Ivan Dos Santos

Ziehzeit: 4- 4,5 min.

Mahlgrad: French Press, grob

Kaffeemenge: 55 g/l – 63 g/l

Kürzlich bin ich auf die Berliner Rösterei “The Barn” aufmerksam geworden. Dort scheint sich einiges zu tun. Also habe ich direkt drei verschiedene und frisch geröstete Kaffees geordert. Die Besprechung ist Teil zwei weiterer Kaffees, die bereits verkostet sind und in den nächsten Wochen folgen.

Los gehts mit diesem Single Origin. Die Bohnen stammen aus der brasilianischen Stadt Caconde (Farm Sitio Canaa). Die Besonderheit in diesem Kaffee liegt darin, dass die Kaffeekirschen nicht wie üblich vom Fruchtfleisch getrennt und anschließend gewaschen werden. Hier werden die Kaffeekirschen natürlich getrocknet. Dies geschieht über 14 bis 20 Tage. Dabei muss man sehr aufpassen, dass die Kirschen nicht fermentieren und unsaubere Aromen abgeben. Mit entsprechendem Qualitätsmanagement, bleibt aber so die feine Süße und Aromenbreite erhalten.

Das alles ergibt einen sehr schlanken Kaffee, der elgant und nicht kräftig ist. Er fällt eher zart aus. Die milde Röstung trägt dazu bei, dass der Kaffee nicht zu derb wird. Da steht der feinsäuerlichen Aromatik sehr gut. Bereits die Bohnen sind sehr trocken, glänzen nicht und sind nicht fettig. Die Tasse fällt überraschend hell aus, ist fast rotstichig. Ich rieche hier feine Aromen, die an Milchschokolade erinnern und an helles Karamell. Am Gaumen fällt der Sitio Canaa sehr klar aus, ist leicht nussig und insgesamt mild. Die Säure belebt den Kaffee. Ihr steht auch eine feine Süße entgegen, sodass er nicht unharmonisch wirkt. Insgesamt empfehle ich den Sitio Canaa aber denjenigen, die eine ausgeprägte Säure im Kaffee schätzen.

In Search of Pinot Noir: Oregon und Kalifornien

•Mai 12, 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

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Pinot Noir ist eines meiner Lieblingsthemen wenn es um Wein geht. Burgunder, Spätburgunder aus Deutschland und die kräftigen aber feinen Erzeugnisse aus der Schweiz sind mir dabei wohl bekannt. Doch was sich in der neuen Welt, insbesondere in den USA tut, war mir bislang immer nur punktuell bekannt.

Anders stehts da um einen guten Freund und Weinkollegen Christopher Strauss. Unter Wine-Zeit schreibt er regelmäßig über Weinregionen, die weniger im Rampenlicht stehen und nimmt sich dabei auch Weinexperimenten an, die nur für wissenschaftliche Zwecke interessant sind. Besonders der Pinot Noir hat es ihm hierbei angetan. Und ich glaube, es gibt nur wenige Weintrinker, die nahezu aus jedem Eck der Erde bereits Pinots verkostet haben.

Also war es an der Zeit, gezielt eine Oregon-Probe zu veranstalten. Die Weine wurden dabei vorab von Christopher ausgewählt. Er erzählt Euch auch ein wenig über die verschiedenen Regionen und Winzer. Verkostungsnotizen stammen wie immer von mir. Los geht die Zeitreise:

Der Nachwuchs -Artberry Maresh Dundee Hills Pinot Noir 2007 Dundee Hills AVA (Oregon)

2005! Nun endlich konnte Jim Maresh, gerade 21 Jahre alt geworden, die Weinlagen der Familien in den Dundee Hills ganz offiziell übernehmen. Schon davor half er bei Weinbergarbeit und Weinherstellung kräftig mit, doch mit der Gründung von Arterberry Maresh nahm der junge Jim den sich schon früh abzeichnenden logischen Schritt in die Selbstständigkeit. Damit repräsentiert er mittlerweile die dritte Generation von Mareshs, die sich dem Weinbau verschrieben haben. Jim’s Pinots heben sich durch ihre unkonventionelle Machart und ihre floral anmutende „Leichtigkeit“ von Weinen vieler seiner Nachbarn im Willamette Valley ab. Seine Weinberge bewirtschaftet Jim nach biodynamischen Vorgaben. Alle seinen Weine werden spontan für zwei bis vier Wochen in Holzfässern vergoren und mit kleinen Korbpressen abgepresst. Danach folgt eine bis zu 24 Monate andauernde Ausbauphase in in bis zu 10 % neuem französischem Barriques. Beim Dundee Hills Pinot Noir 2007 handelt es sich um den „Village Wein“ von Arterberry Maresh. Es ist ein Verschnitt jüngerer Pommard- und Wädenswilklon Parzellen aus den Einzellagen Maresh Vineyard, Holstein Vineyard und White Rose Vineyard. Gewachsen sind alle Trauben auf dem für die Dundee Hills und große Teile des ganzen Willamette Valley so wichtigen Jory-Böden. Dabei handelt es sich meist um ein mit Sedimenten und Basalt durchsetzten rötlichen Tonboden.

Der Pinot Noir hat ein pinottypisches, durchsichtiges Dunkelrot. Ein deutlicher Wasserrand ist erkennbar. In der Nase fällt der Rotwein ätherisch aus. Die Süßkirsche ist hierbei am ausgeprägtesten. Mit Luft kommt noch etwas Marzipan hinzu. Am Gaumen wirkt der Wein zunächst sehr frisch, fast floral. Mit Luftkontakt und steigender Temperatur wird er dann etwas derber. Auch die Frucht wirkt reifer. Neben Erdbeere und Waldbeere finde ich noch etwas Hagebutte und eine leicht an Waldfrucht-Sahne-Bonbons erinnernde laktisch-fruchtige Note. Insgesamt fällt der Wein sehr mild aus, wird keineswegs gekocht, sondern eher kühl und frisch. Blind würde ich den Wein als einen Mix aus Pinot Noir aus Graubünden und Franken einordnen.

 

 

Der Pionier - Eyrie Vineyards Dundee Hills Pinot Noir 2007 Dundee Hills AVA (Oregon)

1966! Durch die Gründung von „The Eyrie Vineyards“ wurde eine neue Ära im Willamette Valley eingeläutet. In besagem Jahr eröffneten der UC Davis Absolvent David Lett und seine Ehefrau Diana entgegen vielerlei professioneller Ratschläge von kalifornischen Experten das erste Weingut im Norden Oregons. Trotz großem Pioniergeist und Enthusiasmus dauerte es etwa zehn Jahre bis sich er erste Erfolg einstellte. Seit dem gehören seine Pinot Noirs und Chardonnays zu den bekanntesten und gesuchtesten Gewächsen in ganz Oregon. Nach David Lett’s plötzlich eingetretenem Tod im Jahr 2008 führt sein Sohn Jason das Weingut mit beständiger Handschrift weiter. Beim Dundee Hills Estate Pinot Noir 2007 handelt es sich um den Einstiegs Pinot Noir von The Eyrie Vineyards. Das Traubengut entstammt aus drei recht unterschiedlichen mit Basaltgestein stark durchzogenen Lagen in den Dundee Hills die in den frühen 1980er Jahren gepflanzt wurden. Vergoren wurden die zu zwei Dritteln entrappten ganzbeerigen Trauben mit wilden Hefen im Edelstahltank um anschließend weitere 11 Monate in gebrauchten französischen Barriques zu verbringen.

Der 2007er Pinot Noir besitzt ebenfalls einen Wasserrand, fällt aber etwas dichter aus als sein Flightpartner. In der Nase wirkt der Wein zunächst stark reduktiv, erhält dadurch eine rauchige Note. Mit viel Luftkontakt geht der Wein allmählich auf, öffnet seine fruchtige Seite. Am Gaumen wirkt der Wein zunächst rustikal. Speckige Noten, rote Früchte und eine angenehme Würzigkeit kennzeichnen den Wein. Dieser hat vermutlich ob der Rappen mehr Struktur. Schwarze Johannisbeere und Herzkirschen kommen mit Luftkontakt dazu. Der Wein ist sehr lang, hat sicher noch einige weitere Jahr vor sich. Für mich war das damit, nach dem eindrucksvollen gereiften Kalifornier aus 1992, der Wein des Abends!

Die Dynamische - Patricia Green Cellars Whistling Ridge Vineyard Pinot Noir 2007 Ribbon Ridge AVA (Oregon)

2000! In diesem Jahr gründete die äußerst tüchtige Patty Green mit ihrem Partner Jim Anderson in Ribbon Ridge im Yamhill County die Paticia Green Cellars. Je nach Jahrgang produzieren die beiden bis zu zwei Dutzend unterschiedliche Pinot Noir Abfüllungen aus Einzellagen und Verschnitten aus nahezu allen Sub-AVA’s des Willamette Valley. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Weinen sind Patty’s Weine immer etwas fleischiger und auf kräftige Fruchtaromen ausgelegt. So auch bei dem Einzellagen Pinot Noir Whistling Ridge 2007 aus dem Ribbon Ridge Vineyard. Der aus Pommard- und Wädenswilklonen bestehende ca. vier Hektar große Pinotanteil des Whistling Ridge Vineyard’s wurde 1990 von Paticia und Dick Alvord gepflanzt und noch heute gemanagt. Die Böden im Whistling Ridge Vineyard sind dominiert von schluffig-lehmigen Willakenzie Tonböden. Mit den Patricia Green Cellars gab es den letzten Pinot Noir aus Oregon.

Der Pinot Noir ist etwas trüb, ziegelrot im Glas, hat aber im Gegensatz zu den anderen Weinen keinen nennenswerten Wasserrand. Die Nase zeigt sich sehr offen. Der Pinot Noir fällt fast parfümiert in der Frucht aus. Pflaumige Noten und solche, die an deutlich kräftigere Rotweine erinnern, dominieren den Wein hier. Am Gaumen trinkt sich der Wein sehr charmant. Ingesamt ist der Wein sehr fruchtig und wirkt zwischen den anderen Weinen fast ein wenig verloren. Damit fällt der Pinot in etwa so aus, wie man sich an diesem Abend schlechten Pinot Noir aus der neuen Welt vorgestellt hätte. Unterm Strich enttäuscht der Wein dann.

 

 

Der Kalkbesessene - Calera Wine Company Mills Pinot Noir 1992  Mount Harlan AVA (Kalifornien)

1974! Josh Jensen, ein weiterer Absolvent der auf Landwirtschaft spezialisierten UC Davis, begann einiger Arbeitserfahrung im Burgund und Kalifornien in diesem besagten Jahr mit seiner unbeirrbaren Suche nach geeigneten Kalksteinlagen in Kalifornien. Weshalb? Ganz einfach! Er war und ist der unumstößlichen Meinung, dass herausragender Pinot Noir nur auf Kalksteinboden wachsen kann. Fündig wurde er am isolierten Mount Harlan im San Benito County. Dieser war bis dato für Weinbau entdeckt worden. Noch heute ist Calera das einzigste Weingut weit und breit. In der Nähe eines Jahrhunderte alten spanischen Kalkofens (Calera) begann er auf bis zu 670 m Höhe seine ersten aus dem Burgund importieren Pinot Noir Klone anzupflanzen. Zunächst in nur drei durch ihre Kleinklimata sich sehr unterscheidenden Parzellen. Mittlerweile verfügt er über sechs Einzellagen-Pinot auf insgesamt 36 Hektaren. Die wurzelechten Reben für den Mills Pinot Noir wurden im Jahr 1984 in einer eher heißen gen Süden gerichteten Lage am Mount Harlan angepflanzt. Dies führt dazu das der Mills zu seinen kräftigeren und üppigeren Lagen-Pinots zählt. Bei der Arbeit im Weinberg wie auch im Keller verfolgt Josh Jensen eine Herangehensweise die man als recht archaisch und zurückhaltend gegenüber modernen Techniken bezeichnen könnte. Kaltmazeration oder Entrappung kennen seine Pinots nicht. Alle seine Pinots werden mit eigenen Hefen ganzbeerig über mehrere Wochen vergoren. Sie zeichnen sich in ihrer Jugend meistens eher durch viel Tannin und ziemlich abweisende sowie kernige Aromen aus. Auf der Langstrecke können diese aber wunderbare komplexe und intensive Aromen entwickeln. Ausgebaut werden Josh’s Pinots eineinhalb Jahre lang in bis zu 30 % französischem neuem Holz.

Der Mount Harlan Pinot Noir besitzt ein gereiftes Ziegelrot im Glas das zum Rand hin verblasst. Ein wenig orangene Reflexe kann man bereits entnehmen. In der Nase riecht der Wein deutlich gereift. Etwas Cola, Rote Bete und Tabak fallen mir zunächst auf. Mit der Luft wird der Wein noch facettenreicher. Getrocknete Tomaten erweitern das Bukett. Eine für das Alter minimal acetige Note schwingt hier mit. Das aber im allerpositivsten Sinne, denn die Nase scheint komplex, gut gereift und wie aus einem Guss. Am Gaumen kommt der Tabak noch mehr zur Geltung. Das Tannin ist bereits mürbe aber eher seidig. Tabak und Pflaumenmarmelade wechseln sich hier ab. Lediglich in der Länge fehlt es dem Wein. Er war sicherlich vor gut fünf Jahren auf seinem Höhepunkt, trinkt sich aber immer noch sehr herrlich auch wenn er die frische Aromatik langsam vermissen lässt. Damit ist das aber ein eindrucksvolles Zeugnis für die Reifewürdigkeit kalifornischer Pinot Noirs und ein Wein, der sich an dem Abend sehr entspannt trinkt. Gealtert aber in Würde!

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Was bleibt nach dem Abend?

Die verkosteten Pinot Noirs haben großteils überzeugt. Hin und wieder hatte ich bereits Pinot Noir aus Oregon und Kalifornien auf Verkostungen im Glas. Dabei oft neben Spätburgundern aus Deutschland und Pinot Noir aus dem Burgund oder der Schweiz. Schön fand ich an diesem Verkostungsabend, dass nicht krampfhaft mit Burgundern verglichen wurde. Es hat sich herausgestellt, dass die Pinots aus Oregon und Kalifornien durchaus Finesse, Kraft und eine frische Frucht vereinen können. Und es hat sich gezeigt, dass die Weine auch reifen können. Dabei sind sie unterm Strich aber irgendwie anders als die französischen Kollegen. Das meine ich aber im positiven Sinn. Denn sie sind alle wiedererkennbar.

Bedenkt man, dass mitunter durch die Prohibition, in den Staaten grob gesagt erst wieder seit zwei Generationen ernsthaft Weinbau betrieben wird, lässt sich eigentlich nur mit Freude auf die kommenden Generationen blicken. Sicherlich waren die Weine gut ausgewählt und leider gibt es auch ganz andere Beispiele, die alle Klischees fetter, holzgeprägter Weine erfüllen. Zu behaupten, dass Pinot Noir und die Neue Welt sich aber grundsätzlich nicht vereinen können, wäre völlig falsch.

 
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