Im Portrait: Horst Hummel im WeinWisser 09/2014

•September 22, 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

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Im August konnte ich den leidenschaftlichen Winzer und Anwalt Horst Hummel in Berlin kennenlernen. Horst Hummel bringt Lebendigkeit in die ungarische Weinszene und fertigt erstklassige Portugieser in Villányi. Sie sind von einem Anspruch, den man hier in Deutschland nicht gewohnt ist. In der heute erscheinenden Ausgabe des WeinWissers, habe ich ihm ein Portrait gewidmet und stelle seine Weine vor. Es sind Weine mit Ecken und Kanten, die genau deshalb ein scharfes Profil besitzen!

Ich würde mich freuen, den ein oder anderen Leser für die Ausgabe begeistern zu können!

Domaine Fourrier: Gevrey-Chambertin Vielle Vigne 2002

•September 17, 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

fourrier_gevrey-chambertin_2002

Gevrey-Chambertin. Ich muss zugeben, wenn ich den Namen dieser an der Côte d’Or gelegenen Gemeinde höre, schlägt mein Herz höher. Das liegt auch daran, dass ich mit diesen Weinen einige wunderschöne Burgunder verbinde. Neben den selbst in kleinsten Jahren stets so brillanten und lagerungsfähigen Weinen der Domaine Armand Rousseau aus legendären Lagen wie dem Clos St. Jacques und Clos de Bèze, erinnere ich mich zurück an einige gereifte Pinot Noirs von Trapet, wie etwa den Chambertin aus 1998 oder die Weine Bruno Claveliers.

Seit Kurzem darf ich einen weiteren Winzer aus der Gemeinde hinzuzählen: Jean-Marie Fourrier.

Jean-Marie hat einen ganz besonderen Weinstil und eine klare Vinifikation: Neues Holz wird hier so dezent wie nur möglich verwendet und bevorzugt fast gar nicht eingesetzt. Das Vergären mit den Rappen lehnt der Winzer ab. Er möchte die klare Frucht des Pinot Noirs auf die Flasche zaubern und “falsches” Tannin aus dem Holz oder grünen Rappen im Wein vermeiden. Die Weine wandern unfiltriert und meist ungeschönt auf die Flasche, haben stets ein wenig natürliche Kohlensäure und sind deshalb auch niedrig im Schwefel eingestellt. So sieht das Konzept der 8,7 Hektar umfassenden Domaine aus.

Der Vielle Vigne-Village  trägt seine Bezeichnung nicht umsonst: Die Reben für den Wein sind im Schnitt rund 75 Jahre alt. Nach 12 Jahren fließt der Wein mit der Farbe von Herzkirschen ins Glas und besitzt einen leichten Rand. Er strahlt noch voller Lebendigkeit, ist sogar für einen Pinot Noir fast überdurchschnittlich dicht in der Farbe.

Direkt aus der Flasche braucht der Wein lange Zeit, um sich aufzubauen. Die Nase wechselt ständig. Anfangs fällt sie eher unangenehm aus. Ich notiere mir eine laktische Art, etwas Sauerkraut und Paprika. Der erste Schluck offenbart ein völlig gegensätzliches Aroma am Gaumen: Hier liegt ein wohlstrukturierter, feinfruchtiger Wein vor, der vor Lebendigkeit strotzt. Ich entscheide mich dazu, den Wein in die Karaffe zu geben und einige Minuten zu belüften. Die Entscheidung war genau richtig. Keine halbe Stunde später blüht der Wein zur Höchstleistung auf. Verschwunden sind die fast stinkigen Noten. Die Nase ist nun glasklar, voller Waldbeeren und typischer Pinotwürze.

Gaumen und Nase gleichen sich nun an. Der Wein hat durchaus noch Tannin. Dies ist samtig und zugleich strukturierend, ein wenig fleischig. Es trägt zum maskulinen Charakter des Gevreys bei, wengleich der Wein auch eine hochfeine rotfruchtige Aromatik besitzt, die mit ihrer klaren Sauerkirschnote und Frische auch ein wenig Chambolle-Musigny in sich trägt. Der Wein ist markant, hat Länge und ich bin überzeugt, dass er über die nächsten fünf Jahre problemlos weiter große Klasse zeigt. Insgesamt ein wunderbarer Wein, der auf ähnlichem Niveau wie der  Village von Rousseau aus selbigem Jahr ist.

getrunken im September 2014, aus dem Spiegelau Authentis Burgunderglas

Gereifte Rieslinge – 10 Jahre danach

•September 10, 2014 • 3 Kommentare

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Die Großen Gewächse des VDP sind dafür gemacht, die Größe der trockenen Rieslinge zu zeigen. Alljährlich findet in Wiesbaden die aufwändig angelegte Verkostung des aktuellen Jahrgangs statt. Dabei treffen Journalisten und Weinhändler aufeinander und verkosten Weine, die mitunter zu den besten trockenen Rieslingen des Jahrgangs gehören sollen und bewerten diese auf ihr Potential.

Doch wie zeigen sich die Weine tatsächlich nach einiger Zeit der Flaschenreife? Wie stehen sie nach zehn Jahren im Glas da? Und handelt es sich tatsächlich um große Weine?

Dem wollte ich schon lange auf den Grund gehen. Also wurden über Monate einige ausgewählte Weine aufgetrieben, um sie an einem Abend nebeneinander zu verkosten. Im Fokus stand der Jahrgang 2004. Ein anfangs schwieriger Jahrgang, der damals nicht so herausragend eingestuft wurde, wie er sich mittlerweile -bei einigen Weinen- entwickelt hat. Der Jahrgang 2004 zählt aus heutiger Sicht wahrscheinlich im trockenen Bereich der Rieslinge mit zum besten der vergangenen 10 Jahre. Er ist nicht überreif aber auch nicht zu kühl. Die Weine des kühl-feuchten Jahrgangs, bei dem die Trauben sich anstrengen mussten um reif zu werden, pendeln irgendwo dazwischen. Eine schöne Phenolik, die zu Beginn etwas sperrig erschienen sein muss, zeichnet sie meistens aus.

Um das ganze etwas spannender zu machen, wurden noch Weine außehalb des VDPs besorgt. Weine, die nicht als “Großes Gewächs” eingestuft sind, wie etwa der Berg Schlossberg von Georg Breuer. Und da die beste Einschätzung immer der Vergleich liefert, haben die Probe auch noch Weine aus Frankreich ergänzt, die ebenfalls zur Referenzklasse des Landes zählen. Als Ausblick und für eine weitere Perspektive gab es noch zwei Rieslinge aus 2005.

Die Verkostung deckt bei weitem nicht den Jahrgang ab und soll auch keine wissenschaftliche Analyse darstellen. Aber ich denke, sie gibt einen guten Einblick darüber, wie sich die Weine aus 2004 heute präsentieren, welche Klasse sie besitzen. Und um es vorab zu sagen: Sie präsentieren sich großartig! Im Vordergrund stand aber vor allem der Spaß. Deshalb wurden die Weine nicht nur verkostet, sondern bis zum letzten Tropfen ausgetrunken. Ein Aufgabe, die uns nicht all zu schwer erschien…

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Flight I: Rheingau wild vs. Elsass konventionell

Peter Jakob Kühn – Riesling Doosberg 3 Trauben 2004 (Rheingau)

Lage: Doosberg

Ort: Oestrich

Größe: 101,2 ha

Exposition: S-O, leichter Hang/ schiefe Ebene

Böden: humoser, toniger Lößlehm mit kiesigen Ablagerungen

Der erste und einzige Wein des Abends, der uns leider verlassen hat. Und locker gesehen auch der einzige enttäuschende, nicht herausragende Wein der Verkostung. Der 2004er Doosberg kam mit Kronkorkenverschluss daher und deutete bereits beim Ausgießen an, dass er schwierig werden würde. Im Glas lag der Wein zwar klar aber bernsteinfarben. Die Nase spielte sich auf einer dunklen Ebene ab. Pumpernickel, Schwarztee, schwarze Brotkruste und Honigwaben konnte ich hier herausriechen. Am Gaumen zog sich die Schwarzteearomatik weiter, erinnerte gar ein wenig an Matetee. Eine leicht bittere Note erstreckt sich vom ersten Schluck bis zum Ausklang, die Säure fällt überraschend niedrig aus. Reifer Pfirsich und Zuckerrübe ergänzen das Portfolio des leicht süßlich wirkenden Rieslings. Einer der Verkoster hatte den Wein kürzlich und meinte, dass er ähnlich ausfiel jedoch etwas hellfarbener war. Vermutlich eine Mischung aus Flaschenproblem und Riesling, der bereits über dem Zenit ist. In 2004 haben Kühns auch auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt. Es könnte also ein Übergangsproblem sein, denn teilweise fallen die Weine der Kühns heutzutage ja bei weitem expressiver und im Potential langlebiger aus. (drüber)


Trimbach – Riesling Cuvée Frédéric Emile 2004 (Elsass)

Lage: Cuvéé aus den Grand Crus Geisberg und Osterberg hinter dem Weingut

Ort: Ribeauvillé

Größe: 8 ha Geisberg + 24 ha Osterberg

Exposition: S bis S-O

Böden: Mergel-Kalk-Sandstein und Muschelkalk , 45 Jahre alte Reben im Schnitt

Als Gegenspieler gab es eine Cuvée aus dem Hause Trimbach. Die klassische Cuvée aus den beiden Grand-Cru-Lagen Geisberg und Osterberg gehört zur Referenzklasse elsässischer Rieslinge. Darüber hinaus gibt es nur noch den Clos Ste Hune, der aber im Schnitt mehr als doppelt so teuer ausfällt. Der Frédéric Emile war urfrisch, was auch nicht groß verwundert, denn Trimbach bringt die Cuvée stets bei Reifebeginn auf den Markt. Der aktuell verfügbare Jahrgang ist 2007. Ich hatte diese Flasche ebenfalls vor einigen Monaten und sie präsentierte sich auf selbigem Niveau. Der Riesling leuchtete hellgold und hatte noch silberne Reflexe. Die Nase war gar noch etwas verschlossen und eher subtil. Zitrone, eine leicht salzige Komponente und ein wenig Aloe Vera prägen die glasklare und zart florale Nase. Am Gaumen leitet eine feine Säure den Riesling. Er ist spannungsgeladen und im Abgang lang. Er hat einen mächtigen Zug und eine feine salzige Komponente. Ein enorm geradliniger Riesling, der noch keinerlei Reifearomen besitzt, sondern zitronig und frisch daherkommt. Knochentrocken. Er ist auf sehr hohem Niveau, ähnlich gut wie der jetzt trinkreife 2001er, kommt aber nicht an den herausragenden 2005er Jahrgang heran. In vier bis sieben Jahren wohl erst auf dem Höhepunkt. Besonders schön ist an dieser Cuvée, dass sie für einen Wein aus dem Elsass untypisch leicht ausfällt. Der Wein liegt meistens bei 12,5 Vol. %. (92P+)

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Flight II: Das Nahe-Duell

Emrich-Schönleber – Riesling Halenberg Lay GG Verst. 2004 (Nahe)

Lage: Halenberg „Lay“

Ort: Monzingen

Größe: 7,7 ha

Exposition:  kleine Parzelle aus dem Halenberg, jüngere Rebstöcke, Steilhang im Kern

Böden: hoher Schieferanteil in der Parzelle Lay

Sehr spannend war danach das Nahe-Duell zwischen den beiden Ikonen Emrich-Schönleber und Dönnhoff. Eine unterschiedliche Arbeitsweise und ein konstant hohes Niveau über die Jahrgänge ergeben folglich zwei stets unterscheidbare Weintypen im Glas. Der Versteigerungswein “Lay” wird so nicht mehr produziert, wenngleich er mit dem “AdeL” einen würdigen Nachfolger gefunden hat. Die 2004er Version leuchtet fast neonfaben im Glas und ist ganz klar. Besonders der Duft des Weins hatte es uns angetan. Hier fällt der Riesling immens komplex aus. Anfangs relativ fruchtig, offenbarte sich eine typische Schieferkomponente, die mit Luft fast ein wenig an Graphit erinnert und damit im schwarzen Glas bei so manch Verkoster gewiss als Rotwein durchgegangen wäre. Die Frucht fällt hier eher gelbfruchtig aus, erinnert an reife Mirabellen. Ganz anders erscheint der Halenberg hingegen am Gaumen. Hier herrscht eine ausgeprägte Fruchtigkeit. Diese ist exotisch, erinnert an Passionsfrucht. Der “Lay” ist sehr kräftig, fast opulent und hat eine schöne Saftigkeit. Der Abgang ist immens. Ich denke, der Wein ist seit 1-2 Jahren auf dem Höhepunkt und im Vergleich mit den anderen Weinen, schätze ich ihn etwas kurzlebiger ein. Was heißen soll, dass er wohl noch gut vier bis fünf Jahre Freude bereiten wird. Im Schnitt war dies übrigens von den aktuellen Wertungen unser Platz 2. (93P+)


Dönnhoff – Riesling Hermannshöhle GG 2004 (Nahe)

Lage: Hermannshöhle

Ort: Niederhausen

Größe: 8 ha

Exposition: S bis S-W nach Bergwerkstollen im Mittelteil benannt, 130-175 m über NN

Böden: schwarz-grauer Schiefer mit mit vulkanischem Eruptivgestein, Phorphyr und Kalkstein

Die Hermannshöhle hatte ich Glückspilz dieses Jahr bereits das zweite Mal im Glas. Diese Variante war der ersten Flasche aromatisch ebenbürtig, wenngleich diese rein von der Farbe her ein wenig matter war. Die erste besaß noch grüne Reflexe und leuchtete wie ein radioaktiv verstrahlter Wein. So frisch kann die Hermannshöhle also noch sein. Allein dies ist bemerkenswert! Der Dönnhoff überzeugte mit einer komplexen Kräuternote, die sich über reifem Steinobst erstreckte. Eine feine Würze kennzeichnet den Wein. Insgesamt wirkt der Wein seriös und schüchtern zugleich. Am Gaumen ist die Hermannshöhle dann expressiver, wenngleich sie niemals aus dem ernsten Rahmen fällt. Der Wein ist wie maßgeschneidert, noch voller Kraft und mit Potential für weitere Jahre ausgestattet. Alles am Gaumen ist verwoben und dicht. Ich finde auch, dass hier die Schieferaromatig glasklar durchkommt. Im Vergleich wirkt der Schönleber etwas dunkler, ja ein wenig dreckiger. Beide Weine sind aber im Grunde genommen auf dem selben Niveau. Sie sind nur völlig unterschiedlich. (93P+)

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Flight III: Wittmann vs. Keller

Wittmann – Riesling Morstein GG 2004 (Rheinhessen)

Lage: Morstein

Ort: Westhofen

Größe: 144 ha

Exposition: S, Südhang

Böden: schwerer Tonmergel mit Kalksteinschicht auf Kalkfelsen im Untergrund

Der Morstein zeigt sich auch ein Dreivierteljahr nachdem ich ihn verkostet habe noch genau so exzellent. Er zählt sicherlich mit zu den schönsten Rieslingen, die ich bislang gereift getrunken habe und ist für mich das Idealbild des Morsteins. Jetzt beweist er seine volle Stärke und wer seine Flasche nun nicht trinkt, ist selber Schuld, denn ich denke, er wird nicht besser. Auch der Morstein ist noch hellgelb, wenngleich auch etwas satter als die vorherigen Nahe-Klassiker. Auch hier würde ich sagen, dass der Wein gerade knapp seine grünen Reflexe verloren hat. Die Nase des Morsteins ist von allen GGs des Abends am weitesten fortgeschritten. Vanillin, Amaretto und eine nussige Note (vor allem Mandeln) ergänzen die Frucht. Am Gaumen hat man den gewohnt dichten und stark verwobenen Morstein. Der Jahrgang 2004 bringt eine schöne Grapefruitnote mit. Keine störende Bitterkeit, sondern eine den Wein bereichernde Bitternote, die mit der feinen Mineralik flirtet. Der Ausklang ist lang und nachhaltig. (94P+)


Keller – Riesling Hubacker GG 2004 (Rheinhessen)

Lage: Hubacker

Ort: Dalsheim

Größe: 21 ha

Exposition: S bis S-O, 25-30%ige Neigung des 4ha großen Hangteils

Böden: Tonmergel und Kalkstein

Einen tollen Vergleich lieferte der 2004er Hubacker, der für den nicht auftreibbaren Keller-Morstein als würdiger Ersatz herhalten musste. Der Hubacker ist hellgold im Glas, hat ein wenig Weinstein im Glas und besitzt einen leicht grünen Farbstich. Die Nase offenbart anfangs eine gelblich reife Frucht. Mit Luftkontakt kommt die mineralische Seite zunehmend heraus. So sinnfrei wie es klingen mag aber man meint förmlich den gelben Kalkstein riechen zu können. Ich konnte noch ein weiteres Glas am nächsten Tag verkosten, da trat die chablisartige Note noch deutlicher heraus. Der Hubacker besitzt von allen Weinen der Verkostung die ausgeprägteste Phenolik. Hier zeigt sich der Jahrgang am deutlichsten. Dies strukturiert den Wein immens, gibt ihm mächtig Grip und wie ich denke, Potential für weitere Jahre. Der Hubacker ist auch noch ziemlich jung. Ich würde ihn erst wieder in zwei Jahren trinken. Er fällt rheinhessisch-kräftig aus, doch die Säure hält ihn davor zurück, ermüdend zu werden. Für mich der Wein mit dem meisten Potential und sicherlich einer der schönsten Hubacker von Klaus Peter Keller. (94P+)

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Flight IV: Rheingau vs. Elsass satt

Georg Breuer – Riesling Berg Schlossberg 2005, (Rheingau)

Lage: Berg Schlossberg

Ort: Rüdesheim

Größe: 29 ha

Exposition: S, 70% Steigung, steilste Lage im Rheingau

Böden: Schiefer und Taunusquarzit

Zum Ausklang gab es ein Duell der kräftigen 2005er Rieslinge. Der Rheingau musste sich hier gegenüber dem Elsass behaupten. Eine Stilfrage, wenngleich der Berg Schlossberg glasklar gewann. Nicht nur das Duell, sondern auch die komplette Verkostung. Er trat nämlich als sicherer Sieger des Abends hervor. Für mich ist das einer der schönsten Rieslinge, die ich bislang getrunken habe. Er behauptet sich zwischen Größen wie dem 1985er Clos Ste Hune, einer fantastisch jugendlichen 2001er Auslese R trocken von Koehler-Ruprecht und dem beeindruckenden G-Max aus 2010. Auch intern zählt der 2005er Berg Schlossberg wohl zur Spitze des Hauses und toppt beispielsweise den ebenfalls sehr gelungenen 2001er Berg Schlossberg. Der Breuer leuchtete hellgold aber satt im Glas. Er ist ganz klar. Besonder die Nase weiß zu verführen. Es ist die kräutrige Komponente und die dunkelbeerige Frucht, die den Wein prägen. Ich finde hier Melisse, Eisenkraut und Kirsch-Bananensaft. Mit Luftkontakt verändern sich die Kräuter, es treten Pfefferminz hervor und Zitruszesten. Hinzu kommt die dunkle Frucht. Ja, ich rieche Brombeeren und eine Note, die ich so stümperisch dies klingen mag, bei Weingummis habe die nach Cola schmecken sollen. Es ist eine dunkel-kräutrige Komponente, die den Wein aber so sehr bereichert und nichts von der kitschigen Seite hat, die man jetzt damit assoziieren könnte. Am Gaumen ist der Berg Schlossberg aristokratisch. Etwas Kiwi, nicht ganz reifes Steinobst und Zitrusfrüchte zeichnen die Aromatik vor. Viel spannender ist aber wie hier alles zueinander steht. Die Säure ist präsent aber neben der Länge, der Kraft des Körpers und dem Verhältnis von Fruchtigkeit und Mineralik so gut eingeordnet, wie eines von vielen Büchern im Regal der Brockhausenzyklopädie. Dieser Breuer hat etwas erhabenes. Ein Monolith! Er ist von einer derartigen Zeitlosigkeit geprägt, dass er auch in fünf Jahren und vielleicht sogar in zehn Jahren noch auf höchsten Niveau dastehen wird. Viel besser geht trockener Riesling nicht. Wir mögen die 99+-Punktebewertung von Marcus Hofschuster in Hoffnung, dass es stets Weine gibt, die noch ein wenig besser sind nicht unterschreiben. Aber sie bringen schon ziemlich den Charakter und die Klasse des Weines auf den Punkt. (96P+)


Zind Humbrecht – Riesling Clos Windsbuhl 2005, (Elsass)

Lage: Clos Windsbuhl

Ort: Hunawihr

Größe: 5,2 ha

Exposition: S-O, Monopol

Böden: Kalkstein mit Lehm

Natürlich hat der Clos Windsbuhl es nach diesem Wein schwer. Der gewollt fette Riesling wirkt viel reifer und reichhaltiger als der Berg Schlossberg. Ein sattes dunkelgold unterscheidet die beiden Weine nebeneinander deutlich im Glas. Das Bukett pendelt zwischen Tabak, Vanille-Toast und Zimt, bleibt aber stets reif. Blind erinnert es auch an gereiften Blanc-de-Blancs-Champagner, wenn er langen Hefekontakt hatte und etwas milder im Glas wird. Der Gaumen zeigt sich vergleichsweise oxidativer. Der Clos Windsbuhl ist viel weiter und reifer. Tabak und Zimt prägen den Wein wieder. Er ist trocken, wirkt aber durch die assoziierten Aromen ein wenig süß. Auch etwas Oolong-Tee finde ich hier und im weitesten Sinne noch knackige Nektarinen und grüne Pflaume. Die Säure ist deutlich niedriger und der Wein dadurch opulenter. Er macht aber trotzdem Spaß, ist immer noch nicht zu sättigend. Im Alleingang ist er sogar durchaus gelungen. Man muss aber die mächtig opulente Art der Weien aus dem Hause Zind-Humbrecht schon schätzen. (91-92P)

alle Weine getrunken im September 2014, aus dem Zalto Unisversalglas

Neue Artikel auf Lobenbergs Blog

•September 9, 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

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Heute ist auf  “Lobenbergs Gute Weine” mein erster Artikel veröffentlicht worden. Ich freue mich besonders, zukünftig für Lobenberg gelegentlich Artikel beizusteuern. Der Bremer Weinhändler gehört für mich mit seinem authentischen, gut ausgewählten Sortiment mit zu den besten Weinfachhändlern in Deutschland und ich habe selbst als Kunde so schon den ein oder anderen spannenden Wein entdeckt. Deshalb war ich auch gleich überzeugt davon, als man mir das neue Projekt vorstellte. Die Webseite beinhaltet seit kurzer Zeit ein Blog. Hier berichtet Heiner Lobenberg vom Weinalltag als Händler, Verkostungen und stellt Weine vor. Neben diversen Einstiegsthemen, die Weinneulingen den Wein näherbringen sollen, werden auch diverse Journalisten und Leute aus der Branche einzelne Weine, Regionen oder Weingüter vorstellen.

Als ersten Tipp habe ich mir die Ex-Vero-Linie von Werlitsch ausgesucht. Einige kennen die Weine ja bereits, andere haben auch schon darüber berichtet. Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere Leser so Zugang zu den doch erklärungsbedürftigen Weinen bekommt.

Ihr könnt also gelegentlich auch auf dem Lobenberg-Blog Weintipps oder Entdeckungen von mir lesen.

Hier gehts zum ersten Artikel:

“Die neue Trinkbarkeit – Werlitsch”

 

Bestee Grüße

Markus

Atable – Ludwigshafen

•September 4, 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

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Obwohl ich mich ja permanent mit den Bewegungen in der Gastronomie auseinandersetze und ein halbes Jahr lang unweit von Mannheim verbracht habe, war Ludwigshafen bislang nicht wirklich auf meiner kulinarischen Karte vertreten. Das liegt wohl schlichtweg daran, dass mich Ludwigshafen als Stadt weniger reizt aber eben auch daran, dass andere Regionen oder Metropolen eine viel höhere kulinarische Dichte und Attraktivität besitzen. Wie dem auch sei, liegt dies sicherlich nicht am Restaurant Atable.

Das Paar, bestehend aus Sybille Herbst im Service und als Sommelière und Sven Bultmann in der Küche, arbeitet in einer ähnlich gelungenen Konstellation wie das Restaurant Bachmaier in Heilbronn. Das heißt, man bekommt ein anspruchsvolles aber ungezwungenes Essenserlebnis mit einer guten Portion herzlichem Service. Hinzu kommen vertretbare Preise.

Die Küche kann wohl als französisch-mediterran bezeichnet werden, entzieht sich aber auch nicht regionalen Einflüssen. Es ist kein Küchenstil mit Dogma, knallhartem Konzept, sondern viel mehr eine Genussküche, die ohne harte regionale Eingrenzungen raffinierte Gerichte auf den Teller zaubert. Selbstverständlich bleiben die Gerichte aber saisonorientiert. Die lediglich 35 Sitzplätze verwundern ein wenig, kennt man derartig kleine Konzepte doch mehr von der Spitzengastronomie. Dies lässt den Gast fast wie zu Hause fühlen. Lediglich das von Grautönen und schweren, schwarzen Lederstühlen geprägte Ambiente könnte ich mir etwas raffinierter, ja ein wenig wärmer vorstellen.

Bei meinem Besuch fiel die Wahl auf die ansprechenden à-la-carte-Gerichte. Als kalte Vorspeise hat mich der gebeizte Saibling mit Sauerrahm-Mousse überzeugt. Sven Bultmann serviert ihn mit geschmorten Radieschen und überzieht das im Quader angerichtete Mousse mit Amaranth. Der gebeizte Saibling besitzt hier eine angenehm feste Struktur und volles Aroma. Er fügt sich sehr gut im Kontext zur leichten Schärfe der Radieschen ein. Das Highlight des Menüs bildet der Hauptgang. Die enorme Tranche vom bretonischen Seeteufel wurde absolut à point serviert. Dazu gibt es Fenchel und kandierte Zitrone. Die Mischung aus dem ätherischen Fenchel und der Frische durch die Zitrone gibt ein spannendes Wechselspiel ab. Perfekt dazu passen nicht nur die Olivengnocchis, sondern auch der von Sybille Herbst zum Gericht empfohlene 2011er Burgweg Riesling von Ludi Neiss aus Kindenheim. Dieser jetzt trinkreife Wein besitzt schon eine fast petrolähnliche Note und erweist sich mit seiner ebenfalls feinen Limettenaromatik als kleiner Aromenkatalysator. Am meisten aber freut mich, dass im Atable die Desserts keineswegs abflachen. Gerade bei Restaurants, die knapp unterm ersten Michelinstern kochen, zeigt sich oft das Dessert als deutlich banaler gestrickt im Vergleich zur Küchenkunst. Das liegt oft an der fehlenden Patisserie. Der neu interpretierte “Rharbarberkuchen” gehört jedenfalls zu den schmackhaftesten und gelungensten Desserts, die ich in letzter Zeit in einem nicht besternten Restaurant gegessen habe. Es handelt sich hierbei um keine verkopfte Dekonstruktion, die am Ende schlechter als das Original schmeckt. Vielmehr serviert Bultmann hier ein derart schlotziges Dessert, dass man es gerne mit dem großen Löffel verzehrt. An der Oberfläche findet man ein  Nocke Hefe-Eis vor, die auf einer Schicht Butterstreusel trohnt. Sozusagen mit dem ersten Spatenstich offenbart sich die darunter befindliche Tahiti-Vanillecreme und reichlich Rharbarberkompott.

Die Portionen im Atable fallen wenn man von der Karte bestellt sehr reichlich aus, sodass ein 3-Gang-Menü eine angenehme Balance beschert. Insgesamt strahlen alle Gerichte ob ihres Wohlfühlfaktors, der auf einer perfekten Zubereitung und hochwertigen Produkte basiert, die kreativ und harmonisch zusammengefügt wurden. Das liegt auch an der Konzentration der Gerichte auf wenige Komponenten. Dazu kommt eine individuelle Weinkarte mit starkem regionalen Fokus. Schön finde ich, dass hier auch kleinere Winzer vertreten sind, die man so oft nicht auf Weinkarten findet. Aber auch wer überregional und länderübergreifend trinken möchte, wird mit der Flaschenauswahl problemlos fündig.

Man merkt bereits beim Lesen der Menükarte, was sich spätestens mit Erreichen des ersten Ganges bewahrheitet: Das Atable wird von zwei Persönlichkeiten geführt, die tief aus der Branche kommen, ihr Handwerk vollstens beherrschen und einen Ort gefunden haben, an dem sie sich selbst wohl fühlen. Dies strahlt natürlich auch auf die Gäste ab.

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Atable Restaurant /Welserstraße 25/ 67063 Ludwigshafen am Rhein

Côte-Rôtie: Domaine Jamet Côte Brune 1996

•August 25, 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

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Es gibt Weine, die haben ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Weine die markant und authentisch sind, solche die in Erinnerung bleiben und andere, die ausgezeichnet sind. Aber nur ganz wenige Flaschen legen noch eins drauf und berühren einen emotional. Sie bleiben damit unvergesslich!

Ein solcher Wein kommt beispielsweise aus Ampuis von der gerade einmal acht Hektar großen Kultdomäne Jamet. Jamet gehört zu den Vorzeigeweingütern der Region und steht für  Côte-Rôtie in etwa so wie Clos Rougeard an der Loire für Cabernet Franc von Weltrang steht, Egon Müller für langlebigen Saarriesling oder Coche-Dury für den perfekten Meursault. Ihre Syrahs sind ausgesprochen langlebig, stets präzise und von einer kühlen und noblen Stilistik, wie man sie mittlerweile nur von wenigen Weingütern an der nördlichen Rhône kennt. Dabei vertritt das Weingut die ursprüngliche, sehr filigrane Stilistik der Region, die keineswegs hochkonzentriert daherkommt und durch fleischiges Tannin und Holzausbau protzt.

Eigentlich ist es falsch, mit dem Spitzenwein von Jamet zu beginnen, denn das Weingut zeichnet vor allem eine kompromisslose und hochgradig gute Kollektion aus. Bereits der einfache Syrah besitzt Markanz, die Côtes-du-Rhône zählen für mich zu den schönsten Syrahs im Preisbereich unter 20 € und mit dem Côte-Rôtie-Blend hat man einen lagerungsfähigen und vielschichtigen Syrah in der Hand, der mit zehn und mehr Jahren Reife, bei in der Regel nicht mehr als 12,5% Vol. brilliert.

Der Wein, den ich hier vorstellen möchte, stammt von der Côte Brune, deren Böden von Glimmerschiefer geprägt sind und etwas kräftigeren Syrah ergeben sollen. Er hat erst vor wenigen Jahren den Keller der Domäne verlassen, da Jamet in kleineren Mengen immer wieder gereifte Jahrgänge freigibt. Jamet ist neben dezentem Holzeinsatz bekannt dafür, in reifen Jahren mit den Rappen zu vergären, damit die Weine über ihre lange Lagerung an Frische bewahren und nicht so hoch im Alkohol ausfallen. Genau das merkt man dem Wein an.

Der mittlerweile 18-jährige Côte-Rôtie besitzt ein kräftiges Blutrot mit ziegelsteinrotem Rand. Das Depot fällt nur gering aus. Die Nase zeigt sich zuerst etwas verschlossen, doch mit wenigen Schwenkern im Glas blüht der Wein auf und bleibt dabei stets elegant. Oliven fallen zunächst auf, der Charakter ist eher reduktiv. Etwas später kommt Erdbeere hinzu, auch ein wenig Cola und eine angenehme Würze in Form von frisch gemahlenem weißem Pfeffer. Die Kühle des Jahrgangs spiegelt sich in Form feiner Eukalyptusnoten wider und einer minimalen Spur grüner Paprika. Ohne einem entgegenzuspringen, finden sich immer wieder neue Aromen im Bukett des Jamets.

Am Gaumen gleitet dann die pure Eleganz über den Gaumen. Der Syrah ist mittlerweile schlank geworden und protzt nicht mit kantigem Tannin. Dies ist längst abgeschmolzen. Viel mehr baut er hinten am Gaumen mächtig Druck auf, um dort dann lange mit seiner Vielschichtigkeit zu verweilen. Neben typischen dunklen Beeren, wieder etwas Olive und einer minimal animalischen Note, besitzt der Wein die Aromatik von Austernpilzen. Man mag voreilig schreien der Wein sei “burgundisch”. Doch nein, dies ist er keinesfalls. Er ist Côte-Rôtie durch und durch. Das ist Côte-Rôtie in Bestform und wer es gerne technisch mag: Ein Referenzwein.

 getrunken im Juni 2014, aus dem Spiegelau Authentis Bordeaux-Glas

Languedoc: Zu Gast bei der Domaine d’Aussières

•August 18, 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

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Wie fühlt es sich an, ein ehemaliges und brachliegendes Weingut wiederzubeleben und zu einem völlig anderen Anspruch zu verhelfen?

Im Languedoc konnte ich das im Rahmen meiner Einladung der Domaines Barons de Rothschild (Lafite) selbst erfahren. Nach dem Aufenthalt in Pauillac auf Château Lafite, ging es weiter ins Languedoc, nach Narbonne. Unweit von der Stadt entfernt, in der Appellation Corbières, befinden sich 175 Hektar neu angelegte Reben. Sie gehören zur Domaine d’Aussières.

1995 hat man die Domaine d’Aussières völlig verlassen vorgefunden. Seit den 50er Jahren ging es mit dem Weingut bergab, die Winzer zogen fort und der Weinbau wurde vernachlässigt. Im Jahr 1999 beschließen die Domaines Barons de Rothschild (Lafite) die Grundstücke zu übernehmen. Man erkennt großes Potenzial in den Rebflächen und dem Ort an sich. Große Investitionen starten. Mit der Neubepfplanzung stehen 11 Rebsorten im Portfolio. Vorwiegend Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan aber auch Cabernet, Merlot und Chardonnay werden aufgenommen. Die ältesten Reben sind erst 15 Jahre alt, Flaschen vom Vorbesitzer fand man nicht vor. Es gibt also keine Referenz. Dafür erwarb man die Möglichkeit, eine völlig neue Domaine aus dem Nichts aufzubauen, an einem Ort der wie geschaffen scheint, um ein Spitzenweingut zu lancieren.

Das Projekt wird ernst genommen. Eric Kohler ist der technische Direktor für die Domaine. Ihm steht Aymeric Izard zur Verfügung, der für den Weinausbau maßgeblich verantwortlich zeichnet.

Eric erzählt von der Vision hier ein Weingut zu etablieren das fürs Languedoc stehen soll und jedem Weintrinker zuerst ins Gedächtnis gerufen wird, wenn der Begriff Languedoc fällt. Wenn Eric von der Domaine redet, merkt man sofort, dass es sein Baby ist. Er hat eine glasklare Vision und bei der Fahrt durch die Rebanlagen, erinnert er sich an die Bepflanzung jeder einzelnen Parzelle. Wir durchqueren das Massif de Fontfroide und an diesem Junimittag hört man überall zirpende Zikaden und Bienen summen. Es ist extrem warm und trocken und mit jedem Windstoß riecht man Rosmarin, der hier wächst. Mitte der 80er Jahre gab es hier einen großen Brand und auch heute noch ist es untersagt, an den wärmsten Tagen des Jahres das Massiv mit dem Auto zu durchqueren. Zu hoch ist die Gefahr einen Großbrand zu verursachen. Trotzdem zählt die Gegend fürs Languedoc zu den kühleren Regionen.

Es gibt erst rund zehn Jahrgänge an Erfahrung und der Aufbau gestaltet sich verständlicherweise auch trotz großer Investitionen schwierig. Nur ein weltweit agierender Konzern kann sich den Aufbau einer solchen Domaine in diesem Umfang leisten. Es bedarf eines langen Atems und klarem Konzepts. Natürlich wird auch darüber gesprochen, ob die Domaine d’Aussières als Spitzenweingut wie etwa Lafite positioniert werden soll. Darauf gibt es keine klare Antwort. Aktuell ist klar, dass die Qualitäten einen anderen Anspruch besitzen, die Reben noch nicht das Alter aufweisen und erst eine klare Linie für den Weinstil gefunden werden muss. Man arbeitet mit den Qualitäten und der Erfahrung, die man aktuell hat und bedient so den Markt. Dementsprechend sind auch die Preise. So liegt der Spitzenwein bei aktuell rund 20€. Aber es wird immer weiter am Qualitätsmanagement gefeilt. Aktuell arbeitet man beispielsweise noch konventionell. Doch bis 2016 hat sich Eric Kohler zum Ziel gesetzt, auf Herbizide zu verzichten. In einigen Jahrzehnten könnte die Domaine also durchaus ähnliches Renommee besitzen, wie Rothschilds Vorzeigeweingüter. Doch der Markt wir laufend bedient und die Weine wachsen mit der Erfahrung. Aktuell eignen sich die Qualitäten somit, um eine enorme Menge an Wein auf gleichbleibend hohem Niveau international zu vermarkten. Die Positionierung ist also vorerst breiter, entsprechend ist auch die Vinifikation. Es besteht kein Druck die Reputation des Weinguts künstlich aufzublasen.

Die Domaine d’Aussières ist vergleichbar mit einer Ameisenpopulation: Während das Anwesen noch etwas verlassen aussieht und die Oberfläche außerhalb der Rebanlagen wenig Leben zeigt, herrscht Untertage Hochbetrieb. Der komplette Keller der Domaine wurde erneuert und mit neuesten Maschinen ausgestattet. Betritt man diesen, so tut sich eine neue Welt auf. Die Kellerräumlichkeiten sind immens groß, lassen so erst die Dimension der Domaine erkennen. Daran angeschlossen ist eine riesige Lagerhalle für die zu verschickenden Paletten an Wein. Sie ist komplett neu.

Es gibt vier wichtige Weine der Domaine:

Die Basis bilden der ‘Aussières rouge’ und ‘Aussières blanc’. Die beiden Vins de Pays sind frisch und früh zugänglich. Der Rotwein ist eine Cuvée aus typischen Rebsorten der Region, der Weißwein ein reinsortiger Chardonnay ohne Holzcharakteristik. Darauf folgt der ‘Blason d’Aussières’, eine Cuvée von Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan, mit Ausbauzeit von 10 bis 12 Monaten. Die Weine sind allesamt empfehlenswert, bedienen aber ganz klar eine breite Masse an Weinkonsumenten. Schade finde ich, dass die Basisqualitäten mit Nomacorc ausgestattet werden, anstatt Schraubverschlüssen. Es gab eine spannende Diskussion über den Einsatz der Plastikkorken. Von Haus aus sei man zufrieden mit den Qualitäten. Man wäre durchaus Schraubverschlüssen aufgeschlossen, glaubt aber, eine Zielgruppe an Weinkonsumenten zu bedienen, die einen Korken erwarten. Man ist sich also durchaus bewusst, welchen Weintrinker man hier anspricht und inwiefern dessen Vorstellungen von einer Flasche Wein aussehen.

Der Spitzenwein des Hauses ist der ‘Château d’Aussières’. Von ihm werden im Durchschnitt etwa 6.000 Kisten erzeugt. Im Vergleich dazu liegt die Produktion des ‘Aussières rouge’ bei 50.000 bis 55.000 Kisten.  Die zumeist aus Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan bestehende Cuvée verbringt 12 bis 16 Monate in Eichenholzfässern. Davon sind 40% Erstbelegung. Ich hatte die Möglichkeit sechs Jahrgänge des Weines nebeneinander zu verkosten. Dabei kamen die unterschiedlichen Jahrgänge deutlich heraus. Aktuell gefällt mir der 2008er Jahrgang am besten. Daran schließt sich der 2012er mit gutem Potenzial für einige Jahre Flaschenreife an. Im Folgenden meine Verkostungsnotizen zu den Weinen:

Château d’ Aussières:

2007 –  Syrah 60%/ Grenache 10%/ Mourvèdre 30%

  • Aus einem ausbalancierten Jahrgang mit guten klimatischen Bedingungen und ausgereiften Mourvèdretrauben. Ziegelroter Rand, fleischig dunkles Rot. In der Nase zugänglich und offen. Etwas Bohnenkraut, fleischige Noten, Schokolade. Am Gaumen seidiges Tannin, typischer Languedocstil, etwas wärmer, leicht Mokka und trotzdem frisch. Noch jugendlich.

2008 – Syrah 58%/ Grenache 10%/ Mourvèdre 32%

  • Trockener Winter und Frühling, der durch Regenschauer im Mai gerettet wurde. Ein etwas kühlerer Jahrgang. Farblich ähnlich wie 2007, jedoch in der Nase etwas grüner mit viel Speck. Am Gaumen ist das Tannin hier zupackender, die Aromatik kräutriger ohne ausgeprägt grün zu sein. Jahrgang mit großem Potenzial. Insgesamt etwas strenger als 2007 aber für mich spannender. Mein Favorit.

2009 – Syrah 59%/ Mourvèdre 20%/ Grenache 8%/ Carignan 13%

  • Der erste Jahrgang mit Carignananteil. Noch sehr präsentes und zupackendes Tannin , insgesamt kräftiger Stil. Braucht noch viel Zeit. In der Stilistik etwas animalisch angehaucht, wärmer als 2008 und nicht so elegant. Der verschlossenste unter den Jahrgängen.

2010 – Syrah 65%/ Mourvèdre 18%/ Grenache 7%/ Carignan 10%

  • Ein kühler Jahrgang, der für einen späteren Austrieb und verlangsamte Reife sorgte. Besitzt eine ausgeprägte Amarenakirschnote in der Nase, wirkt gar ein wenig süßlich. Erinnert aber am Gaumen eher an 2008, fällt im Vergleich aber im Abgang kürzer aus. Sehr jung und verschlossen aktuell.

2011 – Syrah 66%/ Mourvèdre 10%/ Grenache 14%/ Carignan 10%

  • Der charmanteste Wein in der Reihe. Trinkt sich jetzt bereits ausgesprochen gut, besitzt weiche Tannine und eine ausgeprägte Frucht. Zugänglicher als 2010. Insgesamt der polierteste Wein, den man so wohl aber gut in der Gastronomie einsetzen kann.

2012 – Syrah 75%/ Grenache 20%/ Mourvèdre 5%

  • Aus dem fürs Languedoc sehr gelungenen Jahrgang 2012, der bei allen Rebsorten für gute Reife und volle Aromatik sorgte. Die Nase brilliert mit rotem Pfeffer und ist noch sehr offen. Am Gaumen wirkt der Château d’Aussières rund und komplex. Insgesamt der edelste Vertreter. Besitzt viel Potenzial für die Zukunft. Nach 2008 der gelungenste Wein, wie ich finde.

Es bleibt also spannend abzuwarten, für welchen Weg man sich entscheiden wird und wohin die Qualitäten die Domaine in den nächsten Jahrzehnten tragen werden. Es liegt in den Händen von Lafite-Rothschild und den natürlichen Gegebenheiten zu entscheiden ob d’Aussières zukünftig ein breite Masse von Weintrinkern anspricht, ein Vorzeigeweingut von Weltrang wird oder völlig andere Wege geht. Mit Eric Kohler als technischem Direktor, besitzt Rothschild-Lafite in jedem Fall eine hochcharismatische und leidenschaftsgetriebene Persönlichkeit an der Spitze. Wer zum Beispiel einmal im Elsass bei Trimbach von Jean Trimbach durchs Weingut geführt wurde und den geborenen Entertainer erleben durfte, einen Weinfreak wie Daniel Gantenbein, eine stimmige Nichtinszenierung im Scharzhof oder einen vom sportlichen Gedanken getriebenen Winzer wie Klaus Peter Keller erlebt hat, würde Eric Kohler sofort in diese Liga der Weinpersönlichkeiten einordnen.

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