Terres et Vins de Champagne – Winzerchampagnerverkostung in Aÿ

•Mai 22, 2013 • 2 Kommentare

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In der Champagne bewegt sich seit einigen Jahren, wie auch in anderen Weinbauregionen ziemlich viel. Die meisten Konsumenten bekommen davon allerdings wenig zu spüren, denn oft beschränkt sich der Konsum von Champagner auf feierliche und spezielle Anlässe.

Am deutlich spürbarsten scheint vor allem die Winzerchampagnerbewegung. Neben den großen Champagnerhäusern scheint auch das Selbstbewusstsein der kleinen Winzer der Champagne gewachsen zu sein. Genau diese betonen auch vermehrt den Winzeraspekt, anstatt sich hinter DEM Champagner zu verstecken. Da wundert es natürlich nicht, wenn sich hier große Experimentierfreude und Innovation finden lässt.

Ein geeignetes Sprachrohr haben die Avantgardewinzer der Champagne mit den im April angebotenen Events gefunden. Mittlerweile in fünfter Edition, findet alljährlich die sogenannte “Terres et Vins de Champagne” statt. Hierbei handelt es sich um eines der spannendsten Events der Champagne, beidem sich die Avantgarde der Avantgarde der Winzerchampagner versammelt um gemeinsam zu zeigen, wohin die Champagne gehen könnte. Das Event fand so großen Anklang – und die Zahl der ambitionierten Winzerchampagner ist nicht minder gering- , dass sich um die Veranstaltung herum nun auch noch zwei weitere Veranstaltungen tummeln. Mit “Les Artisans du Champagne” und “Terroirs et Talents de Champagne”, bietet die Champagne an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine enorme Bandbreite an Winzerchampagnern an.

Die “Terres et Vins” gehört für mich zu einer der authentischsten Veranstaltungen der Weinbranche. Das Event ist nur für angemeldete Fachbesucher zugänglich, jedoch so beliebt, dass jedes Jahr zahlreiche Absagen gemacht werden müssen. Beachtlich ist, wie viele Gesichter der Weinbranche hier weiteste Entfernungen aufnehmen, um sich ein Bild von den angebotenen Champagnern zu machen. Dabei herrscht vor Ort das absolute Gegenteil einer versnobten Weinverkostung. Neben der bilderbuchhaften Organisation des Events von Beginn der Buchung über einer Bestätigungsmail, die sämtliche Fragen, die aufkommen könnten beantwortet, tragen vor allem die anwesenden Winzer  zur wahnsinnig guten Stimmung bei. Ich kenne kaum eine Verkostung, bei der Winzer in einer feierlicheren Stimmung anzutreffen waren und derart offenherzig über einen Tag lang ihre Weine anboten, wie hier. Trotzdem handelt es sich um keine Party, sondern eine seriöse Veranstaltung, die ohne Gedränge auch Fragen an die Winzer stellen lässt.

Die Terres et Vins bietet insgesamt ein enorm hohes Niveau an Champagnern. Bei so viel individuellen Köpfen, bedarf es aber auch höchster Konzentration bei der Verkostung. Denn die geheime Absprache der Häuser, scheint in der minimalen Dosage zu liegen. Nahezu kein Haus bietet einen Brut-Champagner an und fast jeder Champagner enthält keinen bis wenige Gramm Zucker. Hinzu kommt, dass die meisten der Champagner keinen biologischen Säureabbau durchlaufen haben und somit eine markante Säure besitzen. Das zusammen lässt die Champagner ungemein puristisch und ungeschminkt daherkommen. Doch benötigt man hier auch deutlich mehr Zeit und Wachsamkeit beim Verkosten. Ein schneller Blick kann trügerisch sein und gibt wenig Einblick in den wahren Charakter des Champagners.

Auch benötigen die meisten der angebotenen Champagner noch ein bis zwei Jahre an Reife in der Flasche oder zumindest ist es für ihre Entfaltung zuträglich.

Deshalb möchte ich die einzenlen hervorgehobenen Champagner auch nicht als besondere Tips hervorstellen, sondern allenfalls als Beispiele für eine großartige Verkostung, die viel spannendes bot und nur eine Idee gibt, wie es um die jetzige Winzergeneration an der Spitze aussieht. Jeder Champagner bedarf weiterer und aufmerksamerer Betrachtung, als es eine solche Verkostung bieten kann.

Neben den Champagnern bot auch jeder Winzer aktuelle Stillweine an. Diese habe ich zwar teilweise verkostet, doch möchte ich sie hier nicht weiter erwähnen, da diese für mich in ihrem jetzigem Stadium kaum Verwendung finden. Es ergibt allenfalls Sinn, bei manchen Einzellagenchampagnern die  entsprechenden Stillweine zu verkosten, um eine Idee für die Charakteristika der Lage zu bekommen. Doch auch hier bedarf es viel Erfahrung aber auch Fantasie.

Zweifelsfrei höchstes Niveau zeigten für mich die Champagner von Kultwinzer David Léclapart. Der biodynamisch arbeitende Winzer füllt einige der individuellsten Weine der ganzen Champagne ab. Spannend empfand ich hier die unglaubliche Komplexität. Jeder Champagner veränderte sich permanent im Glas und zeigte je nach Luftkontakt, andere Facetten.

Zu meinem Highlight der Verkostung zählte Léclaparts Artiste (2008, Extra Brut, BdB). Ein eleganter aber unglaublich konzentrierter Champagner mit prägnanter aber angenehmer Säure und Prägung vom Tannin.

Etwas ruhiger dahingegen war der L’Apôtre (Extra Brut, BdB), dessen Trauben aus Davids ältesten Parzellen stammen. Deutlich kraftvollerer Körper, nach meinem Wissen auch in neuen Holz ausgebaut, sowie fülligeres Brioche. Großartiger Champagner, der vom Konsumenten einiges an Geduld  abverlangt.

Nicht ganz so viel anfangen konnte ich mit dem Alchimiste, Léclaparts Roséchampagner, dessen Trauben ganze zwei Tage mazerieren. Ein oxidativ geprägter Rosé, der mit etwas sherryartigen Noten und eingelegter Kirsche an Selosses Rosé erinnert. Hier fehlt mir etwas Lebendigkeit und Frische für einen großartigen Roséchampagner.

Einer der für mich etwas zu sehr auf Puristik getrimmten Champagner, stammte von Aurélien Laherte. Während der BdB Brut Nature des Winzers zwar unglaublich frisch aber auch tatsächlich zu sauer schien, wirkte der Les Empreintes stimmiger auf mich und insgesamt ausgewogener. Hier hat man eifnach mehr Trinkfluss und damit Freude.

Große Freude hatte ich auch an Agrapart et Fils Champagnern. Mit dem Minéral 2007 stand hier der für mich zugänglichste und (momentan) feinste Champagner im Glas. Er glänzt durch ein angenehmes Spiel von Toast und Säure. Weiter geht es mit, aus selbigem Jahr stammendem Avizoise. Dieser besitzt ebenfalls charakteristische Säure am Gaumen, jedoch nicht ganz die Länge des Kollegen. Vénus 2007 besitzt einen schönen Trinkfluss. Geschmeidige Champagner!

Olivier Paulet (Hubert Paulet) präsentierte auch den ein oder anderen spannenden Tropfen. Insgesamt etwas kantenlosere, vielleicht leicht geleckte Champagner, jedoch von erfrischend zugänglicher Stilistik. Hier möchte ich besonders die Cuvée Risleus herorheben, die durch Fülle, eine gut eingebundene Säure und Komplexität glänzt. In der Nase hat man eine an Milchkaffee erinnernde Nase.

Bei Françoise Bedel, einem 8,5 Hektar großen Haus, das seit 1998e biodynamisch wirtschaftet, gefällt mir vor allem der Entre Ciel et Terre besonders gut. Der aus 2005 stammende Champagner (PM+PN) wirkt am Gaumen fast schon schokoladig. Spannend auch der Comme Autrefois aus 2001, der ebenfalls durch mehr Fülle und Eleganz glänzte. Interessant die Tatsache, dass diese Flasche noch zehn Jahre unter Korkverschluss reifte und nicht mit Kronkoren abgedichtet wurde, wie es fast alles Häuser seit Jahrzehnten betreiben.

Ein gewohnt hohes Niveau fand ich auch erneut bei Champagne Tarlant, wo die beiden sympathischen Geschwister Melanie und Benôit Tarltant ihre Champagner ausschenkten. Hier möchte ich einfach auf meine Verkostungsnotizen und Infos zur ausführlichen Verkostung verweisen, die ich auf der ProWein in Düsseldorf bei den beiden machen konnte (->Link zum Artikel).

Champagner von Klasse fand ich auch bei Champagne Francis Boulard et Fille. Wenn ich hier einen Champagner herausstellen müsste, wäre es sicher der Petrea (XCVII -MMVII Nature). Hierbei handelt es sich um eine Cuvée, die nach dem Soleraverfahren vinifiziert wurde. Man hat in der Nase laktische Noten, die ein wenig an Buttermilch erinnern und am Gaumen ebenfalls schokoladige Fülle. Ein bisschen fehlt mir die Ausgeglichenheit, denn der Champagner wirkte auf mich extrem trocken und durch die üppigeren Aromen dadurch nicht ganz perfekt ausbalanciert. In jedem Fall kommt der Champagner nicht an die selossesche Klasse eines Substance heran. Der Vergleich hinkt ohnehin. Trotzdem gilt es den Champagner weiterhin zu beobachten!

Weitere erwähnenswerte Champagner fand ich beim Individualisten Vincent von Georges Laval, der für mich ungemein eigenständige, fast champagneruntypische Weine erzeugt, die leider auch preislich dramatisch gestiegen sind, da sie ihren Fankreis längst gefunden haben. Weiterhin möchte ich Olivier Horiots Champagner weiterempfehlen, der mit seinem auf dem Event nicht angebotenen “5 Sens” ähnlich wie Tarlants mit ihrem “BAM”, Champagner aus vergessenen Rebsorten vinifiziert, der sich zeigen lassen kann.

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Domori: Porcelana 70%

•Mai 17, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

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Domori als Schokoladenproduzent bedarf keiner weiteren Vorstellung. Das in Italien ansässige Unternehmen gehört mittlerweile zu den absoluten Topproduzenten der Schokoladenbranche.

Die für diese Porcelana-Tafel verwendeten Kakaobohnen stammen aus Venezuela. Genauer gesagt kommen sie von der Hacienda San José. Der Kakaoanteil bei dieser Tafel liegt bei genau 70%. Der Rest ist Kakomasse und Rohrzucker.

An dieser nuancenreichen Schokolade schätze ich besonders ihre sehr fruchtige Komponente. Bei kaum einer anderen Schokolade finde ich deutlicher Aromen von Früchten, als hier. Hinzu kommt ein bilderbuchhafter Schmelz und eine gewisse würzige Note. Eine sehr elegante, dunkle Schokolade, die ihren hohen Preis dank der unglaublichen Bündelung an Aromen wert ist.

Georg Bernardini hat die Tafel in seinem Buch “Der Schokoladentester” mit hohen 96,20 von 100 möglichen Punkten bewertet.

 

Paris: Burgund-Verkostung des Jahrgangs 2010 im Le Bristol (Les Domaines Familiaux de Tradition)

•Mai 13, 2013 • 2 Kommentare

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Alljährlich findet in Paris im März unter dem Namen “Les Domaines Familiaux de Tradition”eine kleine aber fantastische Burgunderverkostung statt. Deren zugehörige Weingüter zählen zweifelsfrei zu den renommiertesten Burgunds. Mit jedem Event wird stets ein kompletter Jahrgang in rot und weiß vorgestellt. Dieses Jahr stand der Jahrgang 2010 an.

Ich hatte das Glück, bereits das zweite Mal in Folge an der Verkostung teilnehmen zu können. Letztes Jahr konnte ich mir einen Eindruck vom Jahrgang 2009 verschaffen (-> Link zur Verkostung des Jahrgangs 2009). Im Nachhinein habe ich diesen grob so in Erinnerung, dass man hier im Rotweinbereich großartige und langlebige Pinot Noirs bekommt, die von reifer Frucht und viel Kraft geprägt sind. Für den Chardonnay würde ich 2009 eher als kleineren Jahrgang betrachten. Zwar bekommt man hier saftige, fruchtbetonte Weißweine, die früh zugänglich sind. Insgesamt wird sich der Jahrgang jedoch vermutlich nicht als Langstreckenläufer entpuppen, weshalb viele Winzer dazu raten, die Weine früher zu genießen.

 

Ganz anders zeigt sich der Jahrgang 2010.

Im Burgund zählt das Jahr zu den kühleren. Neben klirrend kaltem Winter der den Reben viel abverlangte und zu später und schwieriger Blüte führte, setzte der regnerische Juni den Weinbergen zu. Neben Verrieselung und somit geringen Ertägen war zudem eine strenge Selektion erforderlich um sauberes und gesundes Lesegut einzubringen. Kühle Nächte retteten glücklicherwiese viele Rebanlagen vor vermehrter Fäulnisverbreitung. Gerettet wurde dieser Jahrgang durch den traumhaften Sommer, der für eine entspannte Lese sorgte und fantastisches, gereiftes Material einbrachte, das für eine optimistische Stimmung sorgte.

Damit steht der Jahrgang dem eleganten Burgund außerordentlich gut. Wer auf geradlinige, präzise und stilistisch schlankere Burgunder steht, wird hier seine wahre Freude haben. Besonders die Rotweine können damit trumpfen. Auf der Verkostung habe ich feintanninige Pinot Noirs erlebt, die allesamt Frische auszeichnet. Eine lebendige Säure leitet die Burgunder und lässt auf langlebige Weine hoffen, die sich aber in der Jugend noch sehr verschlossen zeigen. Während ich bei den 1er Crus und Grand Crus sehr zuversichtlich bin, zeigt das kältere Jahr aber bei so viel symbolischem Sonnenschein auch Schatten. Denn bei den einfacheren Village-Weinen und darunter, drängte sich gerade die doch hohe Säure etwas zu sehr auf, während sie eine Qualitätsstufe drüber fantastisch eingebunden war.

Im Weißweinbereich habe ich auch viel gutes und stellenweise großartiges erlebt. In der Tendenz prägt auch hier die Chardonnays die Präzision und kühle Stilistik. Doch nicht bei allen Weinen funktioniert, was die großen Weine eben groß macht. In 2010 gibt es einige Kandidaten, die genau das an Säure zu viel haben, was man 2009 teilweise vermisst hat.

Im folgenden ein paar Impressionen zu einzelnen Winzern, Überraschungen und Enttäuschungen:

Meine erste Adresse war, wie auch schon im Jahr zuvor, der Stand von Raveneau (Chablis). Hier fand ich für 2010 eine riesige Überraschung.  Für mich gehört der Jahrgang bei Raveneau zu den ganz großen. Fast bei keinem anderen Winzer habe ich eine derartige Bank an erstklassigem Chardonnay verkostet, wie hier.

Einen guten Einstieg bot der <<1er Cru Butteaux>>. Ziemlich zugänglich fand ich in der Nase vor allem Blüten. Am Gaumen dann eine sich langziehende und tragende Säure, etwas Grapefruit und vor allem Filigranität. Der Abgang gestaltete sich hier lang und intensiv.

Mein Favorit war dann aber der <<1er Cru Montée de Tonnerre>>. Zwar hat der Wein momentan eine verhaltenere Nase, doch dafür eine viel filigranere und kalkgeprägtere, als sein Kollege. Hier hat man mehr Steine als Frucht. Außerdem war die Säure hier noch besser integriert, als beim <<Butteaux>>.

Der <<Grand Cru Valmur>> zeigt deutlich seine Orientierung auf Langlebigkeit. In der Nase leicht süßlich vanillig und floral, wirkt diese noch dezent und verschlossen. Am Gaumen überzeugt dann die pure Kraft, eine vibrierende Säure und Substanz ohne Ende. Das wird sicherlich mal ein ganz großer Chablis!

Großartigen Chardonnay füllte im Jahr 2010 auch Comtes Lafon ab. Während der einfach <<Meursault>> relativ fruchtgeprägt aber für einen Meursault doch filigran daherkommt, überzeugt der <<Clos de la Barre>> auf voller Linie. Der Meursault hat einfach mehr Länge und Substanz als der Village-Wein. Ein Mehr an Konzentration findet man dann noch beim <<1er Cru Charmes>>, der derartig steinig daherkommt, dass man meint den Wein vom Asphalt zu trinken. Die beiden letzteren sind momentan noch vom Holz geprägt und sehr verschlossen. Ich zweifle aber kaum an einem großen Reifeverlauf der Weine.

Nachdem mir in 2009 die filigranen und zarten Puligny-Montrachets der Domaine Leflaive so sehr zugesagt haben, war ich dieses Jahr etwas enttäuscht von der Kollektion. Hier zeigt sich nämlich oft eine brachiale Säure, die ich so kaum mit der Zeit eingebunden sehe. Außerdem wirkten die Weine schon jetzt etwas müde auf mich. Während der einfache Puligny-Montrachet etwas substanzlos daherkommt, kann ich den <<1er Cru Les Pucelles>> noch empfehlen. Der einzige Lefalive-Wein, bei dem mir die vordergründige Säure nicht so auffiel. Hier bleibt wohl abzuwarten, wie sich die Weine aus 2010 entwickeln.

Den <<Grand Cru Corton-Charlemagne>> der Domaine Bonneau du Martray fand ich im Anbetracht des Preises auch fragwürdig. Keine Frage ein gelungener Wein mit viel Substanz und dem nötigen Druck für einen Corton-Charlemagne. Doch neben opulenter Frucht finde ich hier kaum eine Spur von Eleganz und Mineralität.

Eine weitere Erkenntnis für das Jahr 2010 war, dass vor allem diejenigen Winzer spannungsvolle Weine auf die Flasche brachten, die nach modernerer Methodik arbeiten. Beispiel hierfür ist, wie ich finde, die Domaine Meo-Camuzet. Einen untypischen Nuits-Saint-Georges findet man hier mit dem <<1er Cru Murgers>>. Der Pinot zeigt sich kaum fleischig, sondern sehr filigran vielleicht eine Spur zu sehr auf Eleganz getrimmt, jedoch voller Aromatik und Frische. Großes Kino bleibt zweifelsfrei der <<Grand Cru Clos Vougeot>> der Domaine. Ausgestattet mit kraftvollem Tannin und feiner Kirschnote, besitzt der Grand Cru Frische und beweist Stil. Ein bemerkenswerter Wein!

Zum Niederknien und jedes Mal pures Vergnügen bieten die Weine von Rousseau und Trapet Père & Fils.

Während man mit dem <<Gevrey-Chambertin>> von Armand Rousseau einfaches aber pures Trinkvergnügen bekommt, zeigt sich der <<1er Cru Clos St. Jacques>> von außerordentlicher Größe. In der Nase leicht ätherisch und von Himbeeren geprägt, sich jedoch schnell im Glas in der Nase verschließend, strotzt der Gevrey vor Rase und Kraft. Pure Emotion fliest mit dem << Grand Cru Chambertin>> ins Glas. In der Nase komplett verschlossen, präsentiert der Chambertin Eleganz, Länge, Substanz und Finesse. All dies wird von einem Tanningerüst begleitet, welches wie meterdicke Mauern die Straße entlang leitet.

Im Gegensatz dazu wirkte Trapets <<Chambertin>> dieses Jahr eine spur intellektueller. Doch die Unterschiede auf diesem Niveau sind gering. Ebenso großartig empfand ich Trapets <<Grand Cru Chapelle-Chambertin>>. Ein edler Grand Cru, der viel Tannin besitzt und trotzdem jetzt schon große Freude bereitet. So sehr, dass ich um ein zweites Glas ringen musste.

Eine glasklare Empfehlung in 2010 ist für mich auch die Domaine G. Roumier aus Chambolle-Musigny. Natürlich gehört der <<Grand Cru Bonnes Mares>> zu den Leuchttürmen der Verkostung. Er zeigt sich saftig, mit überraschenden fruchtigen Noten von roten säuerlichen Beeren und sogar einer Spur Ananassaft. Vor allem prägt ihn aber die pure Harmonie bis zum Ausklang.

Doch selbst der <<Chambolle-Musigny>> bietet hier einen großartigen Wein voller Komplexität, wie nur wenige Village-Weine der Verkostung diese bieten konnten.

Urtypischen Nuits-Saint-Georges, wie ich ihn schätze, bietet die Domaine Henri Gouges aus dem gleichnamigen Dorf. Die Weine muss ich dieses Jahr jedoch mit Bedacht weiterempfehlen. Denn für den frühzeitigen Genuss bieten sich diese nur schwer an. Denn alle gezeigten Weine waren von unglaublich reduktiver Note geprägt, die in der Nase jeden Wein stark beeinflusste und in den feinen Nuancen durch den Stinker überlagerte. Am Gaumen macht sich dann aber eben doch die Klasse der Weine bemerkbar, die mit ihrer typischen fleischigen Note sehr rustikal daherkommen. Besonders stach hier der<<1er Cru Les Saint Georges>> heraus, was wenig überrascht, denn diese 1er Cru-Lage gehört zu den absoluten Toplagen.

Kein Geheimtip aber eine verlässliche Bank bieten die Weine der Domaine Simon-Bize, die von Patrick Bizes sympathischer Frau und Tochter  ausgeschenkt wurden. Die Domaine besitzt knapp 21,5ha und hat ihren Sitz in Savigny-Lès-Beaune. Neben Grand Cru Besitz im Corton-Charlemagne (0,2ha) und Latricières-Chambertin (0,3ha), beherbergt Patrick Bize auch zahlreiche 1er Crus im Dorf.

Leider habe ich hier keine Chardonnays verkostet. Doch alleine die Rotweine der Domaine sind höchst empfehlenswert in Anbetracht ihrer Klasse und Erschwinglichkeit. Ich kann hier <<Les Bourgeots>> un den <<1er Cru Les Marconnets>> nur wärmstens empfehlen.

Einen empfehlenswerten Volnay habe ich nicht bei Angerville gefunden, sondern überraschenderweise bei der Domaine de Montille. Der <<1er Cru Les Taillepieds>> vom Altmeister Hubert de Montille hat mich durch seine Typizität sehr überzeugt. Er zeigt sich saftig, frisch und tänzelnd leicht, ist dabei  von feinen eleganten Tanninen geprägt. Die Domaine besitzt aus diesem Climat ganze 1,51ha.

In diesem Jahr enttäuscht war ich leider vom Kultweingut Volnays, Marquis d’Angerville. So sehr ich hier ultrafeine Volnays erwartet habe, die durch den kühlen Jahrgang noch delikater und präziser zu erwarten gewesen wären, konnte ich dieses Jahr wenig überzeugende Weine verkosten. Vom Monopolbesitz, dem <<Clos des Ducs>> bis hin zum <<Champans>> und <<Caillerets>>: Alle Weine erschienen mir zu karg. Während ich sonst die Eleganz und Leichtigkeit der Weine liebe, kamen mir diese 2010 wie ein ausgehungertes Model vor. Die Tannine dahingegen zeigten sich trocken und à part, doch es fehlte an Substanz um einen ausgeglichenen Wein im Glas zu haben. Überraschend auch die leichte Bittermandelnote, besonders im <<Champans>>, die ich als störend empfand. Einzig und allein der <<Caillerets>> gefiel mir mit seiner anregenden Himbeernote. Insgesamt kein toller Eindruck, den ich hier mitnehmen konnte. Das mag ein subjektiver Natur sein, doch hat es mich ziemlich geprägt. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als diese Weine erneut zu verkosten.

Wie auch schon im letzten Jahr kann ich auch in 2010 die angenehmen Weine der Domaine de Villaine aus Bouzeron empfehlen. Die vom Neffen Aubert de Villaines geleitete Domaine erzeugt nicht nur erstklassigen Aligoté, sondern auch zugängliche, wenn auch einfache aber klare Chardonnays und Pinot Noirs mit viel Delikatesse. Hier möchte ich alle drei präsentierten Weine empfehlen: <<Bouzeron>>, <<Côte Chalonnaise Les Clous>> und den Pinot Noir <<La Digoine>> von der Côte Chalonnaise.

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Le Bristol | 112, rue de Faubourg Saint-Honoré|  75008 Paris

Pfalz: Friedrich Becker Kammerberg Spätburgunder 2006

•Mai 11, 2013 • 2 Kommentare

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Um es kurz zu machen:

Wenn jemand wissen will, wie großartiger und trinkreifer Spätburgunder aussehen kann, dann greife er zu dieser Flasche.

Auf der diesjährigen ProWein in Düsseldorf, konnte ich den aktuellen Kammerberg verkosten und war sehr angetan vom Wein, wenngleich bei genau diesem Spätburgunder stets Potenzialtrinken angesagt ist. Um so mehr habe ich mich gefreut, nachdem man mir vom Weingut aus mitteilte, dass sich der 2006er Jahrgang momentan auf dem Trinkhöhepunkt befinden dürfte.

Also habe ich nicht lange gezögert und die Flasche wenige Wochen später geöffnet.

Beckers Kammerberg befindet sich eigentlich genau genommen schon auf französischem Boden, nämlich im Schweigener Sonnenberg mit Südexposition Richtung Wissembourg-also im Elsass. Hier trifft man mittlerweile rund 45 Jahre alte Rebstöcke an, die auf Kalksteinböden mit tonig lehmiger Auflage wachsen. Beim Kammerberg werden die Trauben selbstverständlich handverlesen, was gerade im schwierigen Jahr 2006 einen enormen Ertragsverlust bedeutet haben dürfte um einen solchen Wein abzufüllen. Der Spätburgunder wird im offenen Eichenholzbottich vergoren und dann im Barrique aus größtenteils Pfälzer Eiche ausgebaut. Der Wein wandert dann unfiltriert in die Flaschen.

Im Glas zeigt sich der 2006er Kammerberg relativ dunkel, jedoch burgundertypisch leicht durchsichtig. Spannend wird es dann in der Nase, denn der Spätburgunder ist sofort präsent mit delikatem Aroma. Man findet ein Potpourri aus reifen roten aber auch schwarzen Beeren, keineswegs pflaumig konzentrierte Süße. Auch der Holzeinsatz macht sich nur dezent bemerkbar in Form von etwas Zedernholz und Tabak. Doch all dies wirkt sehr subtil mit Konzentration auf die Frucht.

Am Gaumen glänzt der angenehme und gut balancierte Einsatz von Holz und Tannin. Letzteres wirkt weich und elegant, sodass der Spätburgunder momentan auf der Zunge dahingleitet. Neben viel Beeren aber auch etwas dunkler Kirsche, wirkt der Wein keineswegs gezerrt auf burgundisch getrimmt. Man hat einen etwas leichteren Spätburgunder aus Deutschland im Glas, der doch voller Kraft steckt, ohne damit zu protzen. Das liegt sicherlich auch an den angenehmen 13 Vol %. Durch seine beachtenswerte Dichte und Komplexität, wirkt der Wein wie aus einem Guss, ja fast wie ein Maßanzug. Jede Naht sitzt perfekt. Das ergibt im Gesamtbild einen prächtig entwickelten Spätburgunder kühlerer Art und voller Komplexität aber bei gleichzeitiger Leichtigkeit und Delikatesse. Trotz der Tatsache, dass die Reben auf elsässischem Boden wachsen – das ist ein (echtes) Großes Gewächs aus Deutschland!

getrunken im April 2013, aus dem Zalto Burgunderglas

Mainzer Weinbörse 2013

•Mai 1, 2013 • 1 Kommentar

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Am 29. und 30. April fand in der Rheingoldhalle die Mainzer Weinbörse statt.

Die jährlich stattfindende Weinbörse des VDP zählt als die weltweit größte Fachmesse für Spitzenweine aus Deutschland.Insgesamt 175 Winzer aus den Anbaugebieten Ahr, Baden, Franken, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Sachsen und Württemberg präsentierten ihre Kollektion aus 2011 und den frisch abgefüllten 2012ern.

Hier ein paar Impressionen, Einschätzungen und Tips, die ich während meines Aufenthalts ansammeln konnte:

Rheingau

Das sich das Rheingau momentan in einem kompletten Wandel befindet und voller interessanter und experimentierfreudiger Winzer steht, scheint ja seit ein paar Verkostungen immer stärker durch.

Fast nirgendwo in Deutschland spürt man aktuell einen derart starken Willen, großartige Weine zu vinifizieren und einen eigenen Stil zu finden, wie hier.

Das Paradebeispiel hierfür ist das Weingut Balthasar Ress aus Hattenheim, das nicht nur mit der WineBank und eigener Weinbar & Vinothek, den Rheingau um zwei interessante Geschäftsideen bereichert hat, sondern spätestens seit der 2011er Kollektion einzigartige Weine erzeugt, die nicht umsonst aufmerksam beobachtet werden.

Auch mit der 2012er Kollektion scheint das Weingut an die hochspannende 2011er Kollektion anzuschließen. Lediglich mit dem in letzter Zeit in Onlinekreisen viel diskutierten Blanc de Blanc 2011 konnte ich nicht ganz so viel anfangen, wie mit den Ress Rieslingen. Der ausschließlich aus Weißburgunder erzeugte Wein bekam eine Maischestandzeit von ganzen sechs Tagen und wurde dann in neuer amerikanischer Eiche ausgebaut.

Momentan ist die Nase noch fast komplett vom Toast bedeckt. Am Gaumen zeigt sich der Wein dann schon schön stoffig und in der Tat in Anklängen burgundisch. Trotzdem besitzt der Weißburgunder den typisch kühleren Rheingautouch. Ein Experiment und spannender Wein aber für mich sicherlich nicht mit der Stilistik von Coche-Dury Chardonnays zu vergleichen, wie ab und zu angesrochen wurde. Trotzdem zeigt auch gerade ein Wein wie dieser, dass das Rheingau eben gerade Ort spannender Weinerzeugung ist und noch viel von sich hören lassen wird.

Großartige 2011er und 2012er habe ich auch bei Peter Jakob Kühn verkosten können. Hier möchte ich vor allem den 2011er St. Nikolaus Riesling (Erstes Gewächs) hervorheben. Der Riesling ist gepägt von der etwas längeren Maischestandzeit und dem BSA. Er zeigt sich cremig und in der Nase füllig reif und dabei am Gaumen spannungsvoll und keinesfalls ermüdend.

Etwas maskuliner wirkt dagegen der 2011er Doosberg (Erstes Gewächs) mit typisch kräutriger Note. Für mich einer der ganz großen Weine der Kollektion. Im Süßweinbereich faszinierte mich hier die 2012er Lenchen Auslese. Von der Aromatik überrascht diese nämlich durch eine leicht vegetabile Nase. Das äußerst sich vor allem durch eine an Radieschen erinnernde leichte Schärfe. Dies leichte Schärfe in Verbindung mit reinem Honig und trotzdem glasklarer und flüssiger Konsistenz, macht diese Auslese zu einer der interessantesten der Weinbörse.

Ein weiteres Weingut, welches ich zu beobachten empfehle ist das Weingut Baron von Knyphausen. Seitdem man durch einen neuen Investor dem Kellermeister alle Freiheiten gegeben hat und auch die finanziellen Mittel zu besitzen scheint, werden hier großartige Weine erzeugt, die so zahlreich sind, dass ich sie hier in vollem Umfang kaum erwähnen kann.

Eine feine Riesling Spätlese findet man hier beispielsweise aus der Lage Wisselbrunnen. Die 2011er Spätlese zeichnet eine prägnant kräutrige Aromatik aus, dass man sich ein wenig an den gelben Chartreuse-Likör erinnert fühlt. Eine ähnlich leicht medizinische Note besitzt auch die Constitutional Green Auslese aus 2011. Die am Gaumen fast trocken erscheinende Auslese fährt mit minzigen Aromen auf, zeigt sich dicht und lang im Abgang.

Getoppt wird all dies nur noch von der 2011er Imperial Yellow Auslese. Hierbei handelt es sich um eine auf wenige Flaschen limitierte Sonderedition, die ursprünglich durch Unaufmerksamkeit im Keller entstanden ist. Aus der im Barrique ausgebauten und als restsüß geplanten Auslese, entstand ein durchgegorener Riesling von brachialer Konzentration. Zukünftig wird es diesen Wein, sofern möglich, weiterhin geben.

Die trockene Auslese aus 2011 zeigt sich in der Nase momentan etwas verschlossener, als auf der Großen-Gewächs-Verkostung des VDPs in München, wo ich das erste Mal diesen großartigen Wein verkosten konnte. Am Gaumen hat man dann die pure Rieslingkonzentration, brachiale Säure, Kalkigkeit und eine enorme aromatische Dichte (35g/l Extrakt/ 11,8 g/l Säure). Ein Wein für die Ewigkeit!

Spannend war auch August Kesselers Jahrgangsanalyse für 2012. Hier berichtete er von Anfangs extrem hohen Säurewerten, die ihm in Gedanken an den Endkonsumenten Kopfschmerzen bereiteten. Glücklicherweise verbesserten sich die Werte zum Ende des Jahres hin, auch weil extrem viel Weinstein ausfiel, soviel wie fast noch nie, was zu regelrechten Wänden in den Fässern führte. So hat man im Glas zwar viel Säure, jedoch reife.

Eine Einschätzung, die ich gut nachvollziehen konnte, nachdem ich einige 2012er Weine probiert habe. Insgesamt erinnern mich momentan die 2012er an eine Mischung aus den Jahrgängen 2010 und 2011. Der Jahrgang besitzt die lebendige Säure der 10er, ohne deren Unreife zu haben und vereint die Reife und Frucht des 2011er Jahrgangs.

Pfalz

In der Pfalz bleibt alles wie gehabt größtenteils großartig. Die Von Winning Weine polarisieren noch immer auf jeder Messe und führen zu Gedränge am Stand. Auch wenn ich mir noch immer nicht ein komplettes Urteil von den Weinen bilden kann, so finde ich zwei Weine auf jeden Fall bemerkenswert. Es handelt sich um die 500er Kollektion des Weinguts. Beide Weine konnte ich auch schon auf der ProWein dieses Jahr verkosten und fand sie dort spannend. Der 2012er Riesling aus der Serie ist meines Empfindens nach noch besser gelungen als der 2010er Jahrgang, den ich ebenfalls sehr schätze. Für mein Empfinden besitzt der 2012er etwas weniger Holz als sein Vorgänger, was vielleicht aber auch nur Einbildung ist. In jedem Falle präsentiert er sich noch stoffiger. Auf selber Augenhöhe befindet sich auch der Sauvignon blanc aus 2011, der momentan noch deutlich vom Holzeinsatz geprägt ist. Ich hoffe, dass sich dies im Laufe der Jahre gut einbindet und etwas zurückgeht. Bei guter Entwicklung könnte das einer der spannendsten Sauvignon blancs Deutschlands werden!

Spannend zeigten sich auch die Klassiker Bürklin-Wolf und Friedrich Becker. Bei Ersterem sticht für mich der Kalkofen Riesling 2011 heraus. Interessant war es auch den Wein aus 2003 gegenverkosten zu können und somit dessen Entwicklung abzuschätzen. Bei den Becker Spätburgundern war die Fassprobe vom Rechtenbacher Herrenwingert aus 2011 bemerkenswert. Bei Knipsers fand ich ebenfalls eine gute Kollektion. Lediglich die Cuvée X aus 2008 flacht für mich dieses Jahr etwas ab. Im Vergleich zu 2004 und 2006, besitzt der Wein eine relativ prägnante grüne Note, die ich so in den bisherigen Bordeaux-Cuvées nie entdeckt habe. Das zeigt eben auch, dass die Rebsorten in Deutschland in kühleren Jahrgängen schwierig sein können und durchaus von wärmeren Jahren profitieren.

Nahe, Baden und Württemberg

Neben fantastischen Rieslingen von Emrich-Schönleber, fand ich es wie schon auf der ProWein sehr schwierig die frisch abgefüllten Rieslinge (und damals teilweise Fassproben) bei Dönnhoff abzuschätzen. Sie alle sind noch deutlich von der Abfüllung geprägt, wirken in der Nase leicht kitschig und am Gaumen teilweise noch etwas gestaucht, sodass ich mit hier nur schwer ein Urteil bilden konnte. In der Tendenz hat man aber wieder große Weine, die eine schöne Säure bei reifer Steinobstfrucht besitzen und die für mich charakteristische leichte Honignote in den meisten Rieslingen, sowie feine Kräuter. Trotzdem ist es auch hier schön zu sehen, wenn ein Winzer die Weine bis zur letzten Sekunde im Fass lässt und die Abfüllung nicht abhängig von bevorstehenden Weinmessen und Events macht.

In Baden und Württemberg kann man mit etwas Aufmerksamkeit immer noch einige der interessantesten Weine finden. Neben den Größen wie Huber, wo es sich auch definitiv lohnt neben den Spätburgundern, den 2006er Rosé-Sekt zu verkosten, fand ich auch eine gelungene Kollektion beim VDP-Neumitglied Kistenmacher-Hengerer aus Heilbronn.

Einen gelungenen Gelben Muskateller findet man hier mit dem trockenen 2012er Heilbronner Gelben Muskateller. Dieser besitzt eine intensive und angenehme Nase mit reifen Mirabellen und Rosenblättern. Am Gaumen hat man dann dank den 13,5 Vol. % einen kräftigen und aromatischen Muskateller, der rund und gut ausbalanciert wirkt, ohne durch Alkohol zu stören. Ein belebender Wein, der keinerlei kitschige Stilistik zeigt, wie man sie teilweise von der Rebsorte gewohnt ist.

Tolle Weine fand ich auch bei Dautel, wo mir neben dem Besigheimer Wurmberg Riesling aus 2012 (Steinobst, Birne, Frische und nicht zu fett) besonders die Kreation Weiss S aus 2012 gefiel. Due Cuvée besteht aus Riesling, Kerner und Weißburgunder und zeichnet sich durch eine volle Nase und kräftige Substanz am Gaumen aus.

Mosel und Franken

An der Mosel konnte ich dieses Mal nicht all zu viel probieren. Ebenfalls schwierig zu bewerten empfand ich die neuen Weine von Fritz Haag, die auch allesamt noch in der Nase schwierig zu differenzieren sind und zur genaueren Einschätzung einfach mehr Aufmerksamkeit und Zeit vom Verkoster abverlangen.

Neben starken Weinen aus Franken von Fürst, konnte ich erneut die Kollektion von Benedikt Baltes aus Klingenberg unter die Lupe nehmen. Einen spannenden Einstieg gibt hier der Klingenberger “R” Blanc de Noir, der zwischen burgundischer Fülle und roséartiger Frucht pendelt und einen erfrischenden BdN abliefert.

Die 2011er Spätburgunder zeigen, dass man hier mit Ernsthaftigkeit an das Thema Spätburgunder rangeht. Der Klingenberger zeigt sich in der Nase temperamentvoll, erinnert ein wenig an Nachbarn Fürst, dann aber am Gaumen differenziert sich der Baltes Spätburgunder durch eine etwas leichtere und elegantere Stilistik, ohne an Konzentration und stoffigem Tanningerüst zu verlieren.

Mit dem Klingenberger “R” zieht die Komplexität nochmals an und man hat mehr Substanz am Gaumen. Weiter so!

Abgerundet wurde die Weinbörse durch Catering von OTTO-Gourmet. Im Kontext spannend, war auch die Präsentation des aus dem Rheinland stammenden Schokoladenherstellers Coppeneur. Hier stand Oliver Coppener persönlich für Fragen zur Verfügung und zeigte eindrucksvoll durch eine Präsentation verschiedener Single Origin-Schokoladen, wie ähnlich auch die Philosophie der Weinwelt auf die der Schokoladenbranche zutrifft. Die verschiedenen Schokoladen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt, präsentierten starke aromatische Unterschiede und gaben Denkanstoss dazu, wie viel Feinheiten in jedem Produkt stecken können.

Kurz gesagt: Die Mainzer Weinbörse ist und bleibt eine der spannendsten Möglichkeiten, sich einen Überblick über den momentanen Stand deutscher Weine im Spitzensegment zu verschaffen.

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Zwiesel Event mit Nils Henkel im Schloss Lerbach

•April 29, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

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Am 11. und 12. April lud Zwiesel Kristallglas zur Vorstellung der neuen Gläserserie “Wine Classics” nach Bergisch Gladbach ins Schloss Lerbach.

Im Gourmetrestaurant von Nils Henkel (**), wurden die neuen Gläser mit von Thomas Sommer ausgesuchten Weinen vorgestellt, der erst kürzlich vom Gault Millau zum “Sommelier des Jahres 2013″ gewählt wurde.

Die neue Glasserie von Zwiesel 1872 besteht aus insgesamt dreizehn verschiedenen Gläsern, die sich nach den bedeutenden internationalen Rebsorten richten. Entstanden ist die mit dem ‘red dot award’ ausgezeichnete Serie in Zusammenarbeit mit dem ‘International Wine Institue’.

Wie auch die Gläserserie von ‘Zalto (Denk Art)’, zeichnet die Gläser vor allem der breite Oberflächenspiegel aus. Hier mündet das Glas jedoch stets in einen kleinen Kamin, der die Aromen bündeln soll.

Damit scheiden die Gläser zwar für Verkostungen oder Probeschlücke aus, denn hier geht der Wein regelrecht verloren. Doch eignen sich die Gläser bestens für Menübegleitungen und den privaten Gebrauch. Hier können sich die Weine aromatisch entfalten, wobei der Kamin für die Bündelung in der Nase sorgt.

Die Gläser der Wine Classics-Serie heben sich durch den modernen Entwurf, deutlich von den bisherigen eher klassischeren Serien der mundgeblasenen Linien, wie beispielsweise ‘Enoteca’ ab. Die Gläser wirken äußerst filigran, sind jedoch nicht ganz so federleicht, wie etwa die von Zalto, auch wenn man laut Vertriebsleiter (HoReCa) Patrick Nottebaum, die Gläser hätte ebenso dünnwandig produzieren können.

Da Zwiesel aber allgemein in der gehobenen Gastronomie Geschäftspartner pflegt, ergibt es Sinn, die Gläser etwas robuster zu designen, um eine Alltagstauglichkeit und die erforderliche Langlebigkeit für die Gastronomie zu gewährleisten. Die Gläser sind ohnehin ziemlich leicht und glücklicherweise nicht kopflastig.

Zur Entenleber servierte Thomas Sommer einen Rheingauer Riesling von Leitz aus dem Jahr 2006 (Rüdesheimer Berg Rottlang Spätlese). Die im Rieslingglas servierte, fast trockene Spätlese eignete sich ideal für das Glas, da der Wein in der Nase konzentriert rüberkam und auch etwas den Jahrgang kaschierte, der dem Riesling bei diesem Wein etwas seine Typizität nimmt. In ihrer breiteren Art, harmonierte die Spätlese aber genau deshalb so grandios mit der Vorspeise, weil sie durch ihre cremige Art, die erdig-fettige Leber aromatisch umspielte.

Sommer servierte über den Abend gekonnt Weine, die die Gerichte von Nils Henkel aromatisch bis ins letzte Detail herauskitzelten. Dabei wurden auch vorwiegend Weine ausgeschenkt, die nicht unbedingt die typischste Wahl für die Gläser gewesen wären. Genau so wurde aber auch klar, wie sich die verschiedenen Gläsertypen der neuen Serie einsetzen lassen.

Eine gelungene Kombination war etwa die im Chardonnayglas servierte Reserva Blanco der Kultkellerei Viña Tondonia. Der oxidativ geprägte Rioja aus 1996 mit feinen Ananasnoten hob gekonnt die Fischigkeit der Makrele hervor, wobei das Glas dafür sorgte, auch die feineren fruchtigen Nuancen des Weines in der Nase wahrnehmen zu lassen.

Großes Lob geht auch an die Küchenleistung Nils Henkels, der den Abend lang das hohe Niveau aufrechterhalten konnte und etwa mit Gerichten wie dem mit Amalfizitronen verfeinerten Lammrücken, ein stets erfrischendes Essen auf den Tisch zauberte, das sich in vielen Einzelheiten äußerte aber nie in einer unklaren Stilistik verlor. Der hierzu servierte Poeira 2008 von Jorge Nobre Moreira (Douro), ergänzte das Hauptgericht gekonnt. Mich erinnert der Wein in seiner Saftigkeit und Fruchtigkeit an so manchen Bandol. Besonders die Bitterkeit der Limone harmonierte mit dem Wein und lies die Aromatik von Essen und Wein im Mund elegant verschmelzen.

Die Westhofener Beerenauslese aus dem jungen Jahrgang 2010 präsentierte sich als treffende Dessertbegleitung. Durch den säuregeprägten Jahrgang und die jugendliche Frische, wirkt die Beerenauslese keinesfalls fett oder gar klebrig und könnte blind durchaus für eine Auslese gehalten werden. Trotzdem ist sie aber mit der nötigen Portion Restzucker ausgestattet um mit der Kraft der Schokolade umzugehen. Gekonnt betont sie die Nussigkeit des Kakaos und die Säure der Früchte, sodass dieser Abschluss eine angenehme Leichtigkeit mit sich bringt, die man so nicht erwartet hätte.

Am nächsten Tag, als kaum die kulinarischen Eindrücke des Gourmetabends verarbeitet waren, ging es fleißig weiter mit einem von Nils Henkel assistierten Kochkurs im Kochstudio des Hotels.

Nachdem in entspannter Atmosphäre drei Gänge zubereitet wurden, folgte noch ein mehrgängiges Amuse Bouche-Menü im Restaurant von Henkel, welches nochmals die Kochkünste des Großmeisters auf komprimierte Weise bestätigte.

Spannend war auch hier wieder die Weinbegleitung. Sommer schaffte es, die stets komplexen Gänge mit Wein zu begleiten, ohne den Esser sensorisch zu überfordern. Jeder Wein konnte die mehrteiligen Gerichte gut vervollständigen.

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Schloss Lerbach

Lerbacher Weg 2

51469 Bergisch Gladbach

 

Sachsen: Retzsch Gut Müller-Thurgau trocken 2011

•April 25, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

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Diese Flasche stammt aus Radebeul (Landkreis Meißen), genauer gesagt vom Weingut Klaus Seifert.

Seifert? Noch nie gehört?

Kein Wunder, denn Seifert besitzt mit einer Anbaufläche von winzigen 0,22 Hektar das kleinste eigenständige Weingut Sachsens. Seine Weine sind verhältnismäßig begehrt und werden weder versandt, noch bei Händlern vermarktet. Der Verkauf findet ausschließlich in der eigenen Straußwirtschaft statt.

Seifert hat ursprünglich für den Eigenbedarf Wein produziert und in den 60ern eine Streuobstwiese zum Weinberg umerzogen. Heute bauter Müller-Thurgau, Kerner, Weißburgunder Grauburgunder und Traminer an. Die wenigen Flaschen die er heute abfüllt  sind meist nach dem Weinfest ausgetrunken oder verkauft, sodass für den Rest des Jahres quasi keine Flasche mehr zum Verkauf steht.

Seifert produziert den trockenen Müller-Thurgau im Stahltank und verkorkt ihn “ab Hof” mit alten Gerätschaften, genau so, wie er auch noch eine alte Korbpresse in Betrtieb haben soll. Mittlerweile hilft auch Sohn Thomas eifrig mit.

Für einen Landwein erhält man auf dem Etikettt eine Menge an Informationen. So wurden die Trauben für den trockenen Müller-Thurgau bei 82 Grad Oechsele gelesen. Der Wein besitzt  6,1 g/l Säure bei 0,2 g/l Restzucker.

Im Glas ergibt das einen hellgelben fast farblosen Wein, der zu Beginn in der Nase relativ mild wirkte, nach etwas Zeit in der offenen Flasche aber ein deutlicheres Bukett von Zitrusaromen und leichten Blüten entwickelte. Spannend empfand ich bei diesem Wein, dass er nicht zu sehr in die muskattypische Richtung geht, sondern mehr Aromen von Pfirsich, Birne und etwas Kräutern am Gaumen hervorbringt. Die trockene Variante verleiht dem Wein in Verbindung mit der präsenten Säure ein rieslingartige Richtung.

Der Müller-Thurgau präsentiert sich sehr geradlinig aber dann doch für den Typus an Wein überraschend lang im Abgang. Das alles ergibt einen süffigen und nicht aufdringlichen trockenen Weißwein, der zu erfrischen weiß.

Es handelt sich hierbei um keinen Wein dem man nachreisen muss, doch wer zufällig dieser Flasche begegnet, dem kann ich nur raten zuzugreifen!

getrunken im Januar 2013, aus dem Zwiesel Standardweißweinglas

 
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