Chablis: Dauvissat – La Forest 2005

•April 23, 2013 • 6 Kommentare

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Chablis war mal der große Renner, auf jeder Karte groß vertreten und nachgefragt als gäbe es nichts anderes in der Weinwelt.

Heute sieht die Vielfalt so karg aus, wie die Kalksteinhänge, auf denen der Chardonnay wächst. Ja sicher gibt es viele kleine Häuser und auch eine jüngere Generation, die wieder eifrig daran arbeitet, den Chablis bunter zu gestalten. Doch scheint es, als ob man sich in den letzten Jahren stark auf die Côte d’Or konzentriert hat und den Norden vernachlässigt.

Zwei Namen treten aber immer wieder vor: Raveneau und Dauvissat.

Beide Häuser haben es über die Jahrzehnte geschafft, kaum an Faszination und Aufmerksamkeit einzubüßen. Wenn Weintrinker auch kaum Chablis kennen, die beiden Namen sind meistens prägnant.

Dauvissat steht für klassisch traditionellen Stil, also teilweise auch Eichenholzfässern ausgebauten Weißwein. Der 1er Cru ‘La Fôrest’ ist nicht der ganz karge, mineralische Chablis, wie zum Beispiel der Montée de Tonnere von Raveneau, sondern zeigt sich recht kraftvoll aber auch mit großer Tiefe.

Im Glas zeigt der Chablis aus 2005 ein kräftiges gelb. Etwas dezenter wirkt dann die Nase, die konzentrierte aber leichte Kalkigkeit kennzeichnet.

Die große Überraschung bringt der Wein dann am Gaumen hervor. Hier würde man blind einen Riesling vermuten, durch die Säure aber auch Fruchtpräsenz. Keinen leichten oder filigranen Riesling, sondern mehr den trockenen Stil der Koehler-Ruprecht Rieslinge. Durch die Säure getragen, besitzt der ‘La Fôrest’ aber auch eine große Länge. Erst mit etwas Luftkontakt weicht die Rieslingstilistik in den Hintergrund und übergibt der mineralisch-kalkigen Seite des Chardonnays die Bühne.

getrunken im März 2013

Sancerre: Pascal Cotat Les Monts Damnés 2009

•April 10, 2013 • 3 Kommentare

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Die “Monts Damnés” zeichnen sicherlich in Sancerre die bekannteste Lage. Die “verfluchten Berge” liegen in Chavignol und verdanken ihren Namen der anstrengenden Bewirtschaftung. Diese sagenumwobene Lage teilen sich mitunter drei ebenso grandiose Winzer: Didier Dagueneau, Gérard Boulay und die beiden Cotats.

Diese Sauvignon blancs, dessen Reben auf Kalksteinböden mit fossilen Ablagerungen wachsen, kennzeichnet eine grandiose Lebensspanne. Pascal Cotat besitzt nur etwas mehr als einen Hektar an Rebfläche in dieser Lage und nach meinem Wissensstand auch die ältesten Rebanlagen.

Der Sancerre aus 2009 besitzt ein helles transparentes gelb und zeigt sich farblich frisch. Die Nase wirkt verhalten, nicht so provozierend wie typische Sauvignon blancs aus Neuseeland. Ich rieche eine ganz leichte Petrolnote und grünen Tee.

Am Gaumen zeigt sich der Wein grandios. Er ist eher auf de mineralischen Seite, trocken, ja betont salzig. Außerdem wirkt er nussig und besitzt eine schöne Länge hinten raus. Des Weiteren schmecke ich eine minimale Bitterkeit in Richtung von Bittermandel. Spontan assoziiere ich auch grüne Nüsse, wie man sie am Haselnussbaum kennt, dessen Früchte noch nicht reif sind. Der Sancerre hat eine mittelkräftige aber ordentliche Säure und Zitrusaromatik. Er klingt frisch am Gaumen aus.

Seine wahre Größe zeigt sich in der fantastischen Kombination zum Essen mit dem Saibling in Butterlimonensauce mit Kartoffelblini und Saiblingskaviar. Es ist genau diese Unaufdringlichkeit, die diesen Wein auszeichnet und zum Essen aufblühen lässt.

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getrunken im Februar 2013, aus dem Zalto Weißweinglas

 

Gereifte Spätburgunder aus Deutschland -Rotweinwunder?

•April 8, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

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Letzte Woche gab es auf Captaincork einen mittelgroßen Aufschrei nachdem Maat Küblbeck dort das Rotweinwunder Deutschland als Fehlanzeige deklariert hat (hier gehts zum Artikel -> Klick).

Eine gute Gelegenheit also, mal eine weite Range an Spätburgundern aus dem Keller zu holen und den aktuellen Stand der Dinge zu überprüfen.

In der Auswahl befand sich eine bunte Mischung an Spätburgundern von unterschiedlicher Stilistik. Die meisten Rotweine stammen aus 2005. Weitere Jahrgänge waren 2006 und 2007. Die Spätburgunder kamen aus den Anbaugebieten Ahr, Baden, Pfalz. Darunter hat sich als Kontrast noch ein Burgunder von der Côte de Beaune geschlichen.

 

Baden, Bernhard Huber, Spätburgunder, Alte Reben, 2007

Hubers “Alte Reben” Spätburgunder stammt aus Anlagen mit einem Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Er wird 18 Monate lang im Barrique ausgebaut und kommt unfiltriert in die Flasche.

Der 2007er Spätburgunder strahlt ein dunkleres Rot aus, welches sogar leicht ins violette geht. Zum Rand hin wird der Wein dann ziegelrot.

Die Nase zeigt sich elegant, wobei ich die roten Früchte nicht ganz genau ausmachen kann. Alles wirkt sehr dicht und verwoben. Am Gaumen präsentiert sich der Wein kräftig. Er zeigt Komplexität und eine überraschende Frische der Frucht, die ich so von Hubers Weinen nicht immer gewohnt bin. Außerdem wirkt der Wein sehr elegant, da er seidig über die Zunge gleitet. Er besitzt eine tolle Länge. Der Spätburgunder ist momentan ein wahrer Genuss, hat aber sicher auch noch Fleisch für zwei weitere Jahre.

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Baden, Holger Koch, Pinot Noir, ***, 2005

Die Reben für diesen Wein stammen aus dem Burgund (Pinor Noir-Klone), deshalb auch der Verzicht auf die Deklaration als Spätburgunder.

Farblich zeigt sich der Pinot Noir in dunklerem Kirschrot das zum Rand hin an Farbe verliert.

Die Nase zeigt sich sehr delikat und intensiv. Ich finde Sauerkirschen und ein Potpourri an roten Beeren. Bereits vor dem Trinken macht der Wein schon große Freude durch seinen anziehenden Duft.

Am Gaumen zeigt sich dann die Klasse dieses Weines. Für einen Spätburgunder aus Baden wirkt dieser stilistisch kühlere Wein unglaublich frisch. Man findet hier keine Fruchtsüße und auch keine überreife Frucht und damit warme Note. Er besitzt eine tragende Säure, die fabelhaft integriert ist und wirkt sehr lang hinten raus weiter. Hier sind Frucht, Säure und Holz fabelhaft balanciert. Die Tannine wirken ultraseidig. Dadurch wirkt der Wein wie aus einem Guss. Der Wein ist momentan auf seinem Höhepunkt und gleichzeitig auch solcher der Verkostung. Hinzu kommt ein angenehmer Preis um knapp 20€. Stark!

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Baden, Duijn, Pinot Noir, SD, 2005

Aus der Toplage Duijns, dem Bühlertaler Engelsfelsen, stammt dieser Spitzenwein der durch Kordonschnitt und strenge Selektion mit einem Ertrag von 25hl/ha gelesen wird. Außerdem werden circa 20% Trauben mit Stielen verarbeitet. Duijns SD verbringt 24 Monate im Barrique und wird biodynamisch erzeugt.

Der Wein besitzt von allen Spätburgundern das kräftig-hellste ziegelrot im Glas.

In der sehr kräftigen Nase zeigt sich noch deutlich das Barrique und eine gewisse Rauchigkeit. Außerdem findet man helle rote Früchte, die jedoch noch etwas vom Holz überlagert werden und die Nase so würzig-toastig erscheinen lässt.

Am Gaumen wirkt der Holzeinsatz dann gekonnter. Insgesamt handelt es sich hierbei um einen sehr kräftigen Pinot mit viel roten Beeren, leichter süßer Frucht aber auch etwas gebratenem Speck. Die Tannine wirken schmelzig, sodass der Wein am Gaumen trotz aller Intensivität doch leicht daherkommt. Am Gaumen gefällt mir der Wein besser als in der Nase. Der Wein wurde im Laufe des Abends vielfach verkostet und hat sich immer wieder verändert. Für den Preis von knapp 50€ enttäuscht mich der Wein ein wenig. Er bräuchte noch etwas Zeit, doch hierfür fehlt mir die Substanz an Tanninen, die momentan wunderbar elegant daherkommen und etwas mehr an Konzentration.

Pfalz, Koehler-Ruprecht, Spätburgunder, Kallstadter Kronenberg, Spätlese trocken, 2005

Ein Spätburgunder aus dem Rieslinghaus Koehler-Ruprecht. Jedoch nicht aus der Philippi-Serie, sondern unter dem normalen Label veröffentlicht.

Farblich zeigt der Wein ein frisches kirschrot.

Die Nase wirkt nicht ganz sauber. Neben süßlicher Kirschfrucht, die jedoch eher an Kirschbrand erinnert, bleibt die Nase etwas hitzig. Außerdem kommen leichte Anklänge von Pilzen durch.

Am Gaumen ist der Wein etwas wässrig. Tannine sind quasi nicht existent. Dafür hat man relativ viel Säure. Viel mehr findet sich hier jedoch neben einer dropsigen Fruchtigkeit nicht. Der Wein wirkt extrem eindimensional und bereitet wenig Freude.

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Pfalz, Philipp Kuhn, Spätburgunder, Kirschgarten, 2005

Aus der Großes-Gewächs-Lage dem Laumersheimer Kirschgarten.

Farblich zeigt sich der Wein sehr kräftig dunkel und dichter als die meisten Spätburgunder.

In der Nase findet man reifere Früchte, viel Kraft und leichte Röstnoten.

Am Gaumen präsentiert sich der Kirschgarten mit starkem Holzeinsatz. Kaffeenoten und eine mächtige Reife der Frucht lässt den Spätburgunder sehr mächtig daherkommen. Man findet hier vor allem Kirsche und Pflaumen.

Der Wein präsentiert sich momentan in guter Reife, gehört für mich jedoch zu einer Stilistik des Spätburgunders, die ich nicht schätze. Für mich driftet der Wein zu sehr ins würzige ab. Außerdem sagt mir der präsente Holzeinsatz nicht zu. Es ist und bleibt aber Geschmacksfrage.

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Ahr, Meyer-Näkel, Spätburgunder, S, 2006

Werner Näkels Spätburgunder stammt aus dem für die Ahr großartigen Jahrgang 2006. Die Reben stehen auf Schiefer-Grauwacke-Verwitterungsgestein. Die Trauben werden mehrfach selektioniert und von Hand gelesen. Es werden zur Hälfte neue Barriques eingesetzt. Dort verweilt der Wein für etwa zehn Monate.

Die Nase zeichnet sich vor allem durch extreme Kräuternoten aus. Jedoch findet sich daneben nur wenig Frucht, sodass der Wein sehr aufdringlich würzig riecht.

Auch am Gaumen zieht sich diese Note weiter, hier geht das ganz in Richtung Brennessel. Die Tannine wirken reif und der Wein zeigt sich geschmeidig. Jedoch vermisst man hier die elegante Frucht und eine angenehme Balance. Zu kräuterlastig wirkt der Wein. Die Verbindung mit dem Barrique raubt dem Wein jegliche Finesse. Auch der Abgang gestaltet sich eher kurz.

Der Wein hat niemandem am Tisch Spaß gemacht. Für den Jahrgang eine große Enttäuschung, die so nicht erwartet wurde.

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Beaune, G. Prieur, Clos du Roy 1er Cru, 2005

Gegen Ende gab es dann noch eine Vergleichsflasche aus 2005, jedoch aus Frankreich und von der Côte de Beaune.

Der 1er Cru zeigt ganz deutlich eine andere Stilistik. Er wirkt viel kräftiger als alle Spätburgunder aus Deutschland. Das liegt vor allem auch an den noch präsenteren Tanninen. Gegen die Weine aus Deutschland, zeigt sich der Pinor Noir von G. Prieur noch unentwickelter, da er etwas dichter und kräftiger daherkommt.

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Fazit:

Die Spätburgunder aus Deutschland zeigen sich gerade im Jahr 2005 momentan zugänglich. Alle Weine strahlen eine angenehme Leichtigkeit und Eleganz aus. Die seidige Tanninstruktur der Spätburgunderr verleiht den Weinen einen angenehmen Trinkfluss. Überraschend war auch, dass einfachere Qualitäten unter dem Großen-Gewächs-Bereich sehr würdig gealtert sind. Im Vergleich zu den meisten Nachbarn aus Frankreich erscheint es aber so, dass die Weine einen schnelleren Reifeverlauf haben und früher zugänglich sind, was aber auch der anderen Stilistik zuzuschreiben ist. Hier muss man aber auch beachten, dass die gezeigten Weine nicht die absolute Spitze Deutschlands darstellen und eher im gehobenen mittleren Segment anzusiedeln sind. Die meisten Winzer bieten noch komplexere und auch preisintensivere Spätburgunder an.

Bei allen Abstrichen bleiben in der Menge delikate und fein nuancierte Weine, die über die Jahre eine wunderbare Aromatik entfaltet haben und  größtenteils gut balanciert sind.

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Rangliste:

1. Baden, Holger Koch, Pinot Noir, ***, 2005

2. Baden, Bernhard Huber, Spätburgunder, Alte Reben, 2007

3. Beaune, G. Prieur, Clos du Roy 1er Cru, 2005

4. Baden, Duijn, Pinot Noir, SD, 2005

5. Pfalz, Philipp Kuhn, Spätburgunder, Kirschgarten, 2005

6. Ahr, Meyer-Näkel, Spätburgunder, S, 2006

7. Pfalz, Koehler-Ruprecht, Spätburgunder, Kallstadter Kronenberg, Spätlese trocken, 2005

Ferran Adrià – Das Familienessen

•April 5, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

Ein Kochbuch von Ferran Adrià?

Wer denkt da nicht zuerst an molekulare Spielereien, technisch aufwändige Gerichte und einen Fuhrpark an Küchengeräten und Hilfsmitteln?

An eine einfache, schnelle und alltagsgeeignete, ja gar fast schon Studentenküche denkt man sicherlich kaum.

Dabei richtet sich das Buch “Das Familienessen” viel eher an eine derartige Zielgruppe.

Was ist der Hintergrund?

Eine riesige Küchenbrigade die täglich auf höchstem Sterneniveau gekoch hat und dabei eine ganze Branche revolutioniert, muss einiges an Organisationstalent besitzen.

Nichts liegt also näher, ein Buch aus der Feder des Ferran Adrià zu veröffentlichen, welches auf einfachstem Niveau zeigt, wie man zu Hause Küchenabläufe perfektionieren kann.

‘Das Familienessen’ beinhaltet nämlich keine unumsetzbaren Kreationen Adriàs, sondern 32 brachial reduzierte und einfach durchführbare 3-Gang-Menüs aus der Küchenbrigade des el bullis.

Dabei fährt das Buch mehrere Ansätze um dem Kochanfänger möglichst kurz aber präzise die wichtigsten Informationen zu geben, die benötigt werden.

So besteht jedes Menü aus einem kleinen Kapitel, welches nach dem immerselben Prinzip behandelt wird:

Auf der ersten Seite finden sich alle Zutaten für die Gänge feinsäuberlich fotografiert und aufgereiht. Daneben findet man eine Art “Timeline” des Kochablaufs. Das heißt, es werden kurz die Abläufe für das Menü besprochen. Damit richtet sich das Buch nicht etwa wie opulente Profikochbücher der großen Meister wie Ducasse an ambitionierte Hobbyköche oder Profiköche, in welchen die Gerichte nach den einzelnen Positionen der Küchenbrigade aufgeteilt sind, sondern an Amateure, die einen einlinigen Arbeitsstrang brauchen. Man findet also Anweisungen wie “3,5 Stunden vor dem Essen Frikadellen vorbereiten und kalt stellen, 30 Minuten vorher Dressing zubereiten,…”.

Auf den folgenden Seiten werden dann die einzelnen Gerichte vorgestellt. Dies geschieht Schritt für Schritt mit Bildern zu jedem wichtigen Vorgang. Auch hier findet sich wieder eine Tabelle die für jedes Rezept Mengenangaben für 2,6, 20 oder 75 Personen beinhaltet. Somit erspart man sich jedes hoch – oder runterrechnen. Außerdem gibt es in einem weiteren Kästchen für jedes Rezept Tips und alternative Vorschläge für den Ersatz von etwas exotischeren Zutaten.

Nie war Kochen leichter!

Die Rezepte sind alle sehr einfach gestaltet, bestehen aus wenigen Zutaten und solchen, die meist ohne größeren Aufwand beschaffbar sind. Außerdem sind sie fast immer günstig. Da es sich um das Mitarbeiteressen des el Bulli-Teams handelt, besitzen die Rezepte aber alle den nötigen Pfiff. Besonders herausstechen die Desserts. Sie sind stets simpel, jedoch raffiniert und innerhalb von wenigen Minuten zubereitet. Gelungene Gerichte sind zum Beispiel Orangen mit Honig, Olivenöl und Salz oder im Ofen gebackene Süßkartoffeln, die mit Honig bestrichen werden und mit einem Löffel Sahne gegessen. Oft bestehen die Desserts aus Obst und werden dann verfeinert, wie zum Beispiel die Ananasstreifen mit Sirup und Limettenhobeln oder die tatsächlich leicht molekular angehauchte Wassermelone, welche in Zitronensaft zieht, gekühlt wird und dann mit Mentholbonbonsplittern serviert.

Bei allen Rezepten bedient sich Adrià der Vereinfachung. Das heißt er holt das maximale aus wenigen Zutaten heraus. Deshalb werden Schritte vereinfacht und Gerichte auf die schnellste aber wirkungsstärkste Variante getrimmt. Dabei erkennt man als einigermaßen talentierter Koch auch durchaus die kleinen Abstriche, die gemacht werden, also die kleinen Zwischenschritte oder der Schritt mehr, der eben ein großartiges aber aufwändigeres Gericht beschert. Doch genau in dieser Vereinfachung liegt die Stärke des Buches. Denn nur so sind die Menüs in dem engen Zeitrahmen durchführbar und eben auch einfach umsetzbar, sodass man sich tatsächlich im Alltag an die Gerichte herantraut.

Den Menüvorschlägen ist noch ein allgemeiner Teil vorangestellt. Hier werden Grundregeln und Tips zum Kochen gegeben. Man findet die wichtigsten Grundrezepte, die für die meisten  Gerichte gebraucht werden oder immer nützlich sind, Erläuterungen zum Umgang und System des Buches, Tips für den Einkauf verschiedener Produkte und worauf man in Puncto Qualitäten achten sollte, das Anrichten und mehr Effizienz in der Küche, Bilder von verschiedenen Fischarten und die jeweiligen Rezeptvorschläge für die Fische, wichtige Küchengeräte, sowie eine Auflistung der wichtigsten Grundzutaten, die man immer im Haus haben sollte.

‘Das Familienessen’ ist das perfekte Alltagskochbuch. Es ist eines der Kochbücher, die eigentlich nie im Regal stehen, weil man sie wirklich täglich benützt. Ferran Adrià hat mal wieder Weitsichtigkeit und wahres Talent gezeigt, indem er eine weitere Facette des Kochens abdeckt und ein Buch herausbringt, welches sich an das Bedürfnis richtet bei keiner Erfahrungsbasis, simpel, schnell, günstig aber raffiniert im Alltag zu kochen.

Damit hat er auch geschafft, was viele Großmeister bislang schmerzlich vermisst haben:

Ein Buch herauszubringen, welches das Wissen des Genies herunterbricht, sich an ein breites Publikum richtet und somit einen Mehrwert schafft.

ProWein 2013 – Impressionen

•April 1, 2013 • 1 Kommentar

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Mit dem Heranbrechen des 27. Märzes ist auch die ProWein 2013 in Düsseldorf Vergangenheit. Drei Tage lang haben sich Massen von Fachbesuchern um das Angebot der weltgrößten Messe für Wein und Spirituosen geschlagen. 4783 Aussteller, 48 Nationen, über 44000 Besucher.

Drei Tage sind für eine solch gigantische Messe, die fast die ganze Weinwelt abzudecken versucht, recht wenig. Deshalb konnte ich nur kleine Ausschnitte abdecken. Aber die ProWein ist nicht nur ein Mekka der Verkostung, sondern auch eine der spannendsten Kontaktbörsen für die Weinwelt. Man lernt neue Leute kennen und trifft bekannte Gesichter wieder und stellt fest, wie klein die Branche genauer betrachtet ist.

Ich war jedenfalls von der diesjährigen ProWein sehr angetan und habe mich besonders gefreut, viele bekannte Gesichter an einem Ort zu treffen und auch solche, die ich lange schon ein mal treffen wollte. Dazu gab es zahlreiche Events, großartige Weine und viele packende Gespräche, die mir die Philosophie der Betriebe näher gebracht haben.

Ich möchte Euch also meine Eindrücke nicht vorenthalten und habe hier ein paar Impressionen herausgepickt:

Deutschland

Wie eh und je, musste man sich dicht drängen, um im Weinviertel der VDP-Winzer Weine verkosten zu können. Zwar hatten die Stände mehr Platz, doch das schmälerte nicht den Andrang an den Ständen. Eine besonders hohe Besucherfrequenz gab es am Stand von Benedikt Baltes, dem neuen Gesicht Frankens. Seine Spätburgunder mit Lagen wie dem Schlossberg waren 2010 schnell ausverkauft nachdem es ausschließlich nur positive Resonanz zu den Weinen gab. Nachdem ich Weine wie den Klingenberger Spätburgunder 2011 und den Spätburgunder R probieren durfte, würde ich sagen: zu Recht! Ich freue mich jetzt schon, hier ein paar Flaschen bestellt zu haben. Benedikts Weine haben viel Kraft und Substanz. Baltes ist nicht nur ein bodenständiger und mega sympathischer Winzer, sondern auch ein ehrgeiziger. Sein Klingenberger Spätburgunder R beeindruckt mich mit einer feinen Nase mit Kräutern, viel Druck am Gaumen, ätherischen Noten und saftiger Kirsche. Vor allem hat der Wein Substanz für eine lange Reife. Im Vergleich zu Fürsts grandiosen Spätburgundern würde ich Baltes Stilistik als etwas eleganter einstufen.

Allgemein konnte man in Deutschland dieses Jahr eine hohe Dichte an großartigen Spätburgundern wiederfinden. Eben so beeindruckend, wenn auch stilistisch ganz anders, waren die Rotweine von Jean Stodden an der Ahr. Stoddens 2011er Kollektion zeigt enorme Größe und man spricht selbst im Weingut von einem “fast perfekten” Jahrgang. Stoddens 2011er sind saftig, frisch, haben feine Kräuter und Eleganz am Gaumen. Ganz großes Kino war für mich hier der 2011er Recher Herrenberg Spätburgunder, welcher alle genannten Attribute besitzt. Zudem kommt eine fantastische Struktur und eine anziehende Brennesselnote.

Spannend war es auch erneut das Weingut Ziereisen aus Baden zu besuchen, nachdem ich hier vor etwa einem Monat das Weingut besucht habe. Selbstverständlich bekommt man hier als erstes einen Gutedel serviert. Hier bleibt mir vor allem der servierte 2003er Jaspis Alte Reben Spätburgunder im Kopf. Der Wein zeigt, wie gut sich Ziereisens Weine entwickeln können, hat noch viel Fleisch auf den Rippen aber zeigt einen wärmeren würzigeren Stil als die frischen 2010er. Hier spielt auch die Tatsache mit rein, dass dieser Wein noch nach einer etwas anderen Philosophie vinifiziert wurde, sprich er ist filtriert und es kamen Reinzuchhefen mit ins Spiel. Eindrücke und Notizen zu meinem Aufenthalt bei Ziereisen finden sich hier: Klick!

Gewohnt hohes Niveau zeigte auch Friedrich Becker mit guten Basisqualitäten (Grauburgunder Gutswein 2012) und einem glänzenden Kammerberg 2010 Spätburgunder, der kraftvolle Tannine besitzt, fleischige Struktur hat, aber auch durch den Jahrgang bedingt, elegant und kühl daherkommt. So kann großartiger ‘Vin de garde’- Spätburgunder aus Deutschland aussehen!

Schwierig in der Beurteilung empfand ich die hochwertigeren Weine Von Winnings. Sie zeigen sich allesamt sehr reduktiv und je nach Wein eben noch mit hohem Holzeinsatz, der in diesem Stadium viele feine Nuancen überstrahlt. Etwas unspannend empfand ich den Grainhübel 2011 Riesling. Dafür glänzt die Fassprobe vom 2012er Riesling 500: Rauchig, zitronig, salzig und mit viel aber passendem Holzeinsatz und einem  großartigen Kalkgerüst, welches sich am Gaumen entlangzieht. Einer der der spannendsten aber auch kontroversesten Sauvignon blancs wurde aus der Doppelmagnum angeboten. Es handelt sich hierbei um den 500er Sauvignon blanc, der rein gar nichts mit einem exotisch fruchtigen Sauvognon blanc zu tun hat, sondern die mineralisch kraftvolle Seite aus der Rebsorte herauszaubert. Auch wenn man kein Freund dieser Vinifikation ist, handelt es sich hierbei um einen Wein, den man probiert haben sollte.

In einer anderen Halle, am ‘Primum Familiae Vini’-Stand gab es aus Deutschland astreine Saarrieslinge von Egon Müller. Neben dem 2011er Kabinett vom Scharzhofberg, der sich momentan in einer etwas schwierigeren Phase befindet, glänzte die vom Jahrgang geprägte 2010er Spätlese mit einer Säure für Jahrzehnte.
Highlight bildete die 2009er Scharzhofberger Auslese Goldkapsel aus der Magnumflasche. In der Farbe noch jugendlich zart hellgelb glänzend, bot die ätherische Nase feine Kräuter und reife Pfirsiche. Am Gaumen strahlt eine packende Säure, starke Konzentration und ein Teppich an Aromen, der sich auf der Zunge ausbreitet aber wie ein fliegender Teppich am Gaumen entlanggleitet. Eine herrlich leichte Auslese von großer Länge, die es bei aller Konzentration schafft, fließend leicht, wie Wasser die Kehle runterzufließen. Bei einem solchen Wein wird man gerne poetisch!

Weitere Winzer Deutschlands fanden sich auch noch am Feinschmeckerstand, wo Huber und Helmut Dönnhoff ihre Kollektionen präsentiert haben. Dönnhoffs 2012er Fassproben zeigen sich durch die Abfüllung bedingt noch leider teilweise kitschig in der Nase und damit schwierig zu beurteilen, jedoch gewohnt großartig am Gaumen. Für mich Jahr für Jahr einer der Winzer, die durch die Bank eine konstant hohe Qualität fahren. Hier kann man beinahe bedenkenlos blind kaufen.

Champagner und andere Schaumweine

Großes Thema der diesjährigen ProWein waren auch die Schaumweine. Ich habe das Gefühl gehabt, dass 2013 eindeutig mehr Champagnerhäuser vertreten waren. Wie auch immer gab es großartige Vertikalen und Events. Neben größeren Häusern wie Pol Roger oder Billecart Salmon (Brut Sous Bois ist probierenswert!), konnte man auch viele Winzerchampagner verkosten und sehr gut ins Gespräch mit den Winzern kommen. Die Winzer sind hier eben stets in Champagnerlaune!

Großartige Champagner habe ich verkostet bei Janisson Baradon aus Epernay. Hier präsentierte Cyril Janisson, ein herrlich positiv aufgekratzter Typ, seine Champagner. Cyril sagt von sich selbst, dass er ein Rieslingliebhaber ist. Dies merkt man seinen Champagnern an. Er vermeidet meist die malolaktische Gärung, wodurch die Champagner bewusst säurebetont sind. Gigantische Champagner kann man hier mit dem Toulette 2006 (üppig, voll) und dem Tue Boeuf aus 2006 (geradlinig) bekommen. Auch sehr gut fand ich seinen Chemin des Conges (100% P. Meunier) aus dem gleichen Jahr, den ich zuvor noch nie probieren konnte.

Gewohnt gute Qualitäten durch die gesamte Kollektion fand ich am ‘Vin sur Vin’ – Stand von Sébastien Visentin. Hier wurde Champagner von Jacquesson präsentiert. Ein fantastisches Preisleistungsverhältnis bietet Jacquessons 700er- Reihe. Die jahrgangsgeprägten aber auch mit Reserveweinen versehene Linie bietet die gewünschte Konstanz und den hohen Wiederekennungsfaktor der Champagner. Ich habe hier nun Cuvée No. 734, 735 und 736 mehrmals verkostet und war stets angetan. Es gibt wenige Champagner die Jahr für Jahr in der Preiskategorie diese Qualität bieten. Jacquessons Rosée de Saignée gehört zu den wenigen Champagern aus dem Haus, die mir nicht so bedingungslos gefallen. Der Champagner ist wunderbar, jedoch finde ich, dass es hier interessantere Rosé-Champagner von Larmandier-Bernier und Egly-Ouriet gibt.

Mein persönliches Highlight habe ich bei Vinaturel gefunden. Hier haben Mélanie und Benoît Tarlant ihre Champagner herzlich präsentiert. Das Haus befindet sich in Oeuilly und verarbeitet 14 Hektar Rebfläche bei einer Jahresproduktion von 130.000 Flaschen. Spannend ist auch, dass Tarlant aus allen sechs Rebsorten der Champagne Schaumwein vinifiziert. Tarlant gehört für mich zu den absoluten Spitzenchampagnern. Das Haus verströmt einen modernen Esprit, Mélanie bloggt und kümmert sich intensiv um Social Media und bietet glänzende Champagner an, die höchsten Qualitätsansprüchen genügen und letztendlich noch bezahlbar sind. Es sind eben Champagner, die getrunken werden sollen!

Während die  Basisqualität, der Brut Tradition für mich etwas belanglos daherkommt, wenngleich auch für 29€ ein schöner Champagner, fängt alles über dieser Abfüllung hinaus an zu glänzen.

Tarlant dosiert seine Champagner äußerst moderat. So haben alle Champagner kaum mehr als 6 Gramm Restzucker, die meisten Cuvées sind undosiert. Die Cuvée Louis bietet eine tolle Nase, wirkt komplex und präsentiert einen fülligen aber nicht sättigenden Champagner aus Chardonnay und Pinot Noir. Die Trauben stammen aus 1999, dégorgiert wurde der Champagner 2013.

Mein persönlicher Favorit ist die Cuvée La Vigne d’Or aus 2003 (Extra Brut). Der Champagner besteht komplett aus Pinot Meunier-Trauben und wirkt so wunderbar reichhaltig und opulent. Er verströmt momentan kräftige Brioche Aromen und süßliche Honignoten. Es kommt einem vor, als würde man morgens beim Bäcker stehen. Für mich ein großartiger Champagner, den ich bereits im Jahrgang 2002 hatte. Ebenfalls großartig empfand ich die Cuvée La Vigne Royale aus selbigem Jahrgang.

Eine unkonventionelle Abfüllung findet man mit der neuen “Bam!”-Champagner von Tarlant. Er wurde aus den drei “vergessenen”-Rebsorten der Champagne vinifiziert. Das B steht für Pinot Blanc, A für Arbanne und M für Petit Meslier. Der Champagner hat exakt 0 Gramm Restzucker und eine Säure, die einem Schlag ins Gesicht gleicht. Ein hate it or love it Champagner. Ich liebe ihn.

Schweiz

Auch die Schweiz hatte dieses Jahr einiges zu bieten, wenn auch viele großartige Weine bereits zu einem Event am Tag vor Messebeginn präsentiert wurden.

Neben den Gantenbeins am Feinschmeckerstand, die aus 2011 Chardonnay und Pinot Noir persönlich ausschenkten und großartige Rebsortenweine von internationalem Stil vinifizieren, glänzten für mich noch einige Weine aus der Kollektion von Chandra Kurt.

Am meisten beeindruckt haben mich aber die Weine der Cicero Weinbau AG aus dem Bündnerland. Vielen bekannt durch den vor wenigen Jahren tragisch verstorbenen Thomas Mattmann, glänzt Kellermeister Marco Casanova weiterhin mit einzigartigen Weinen. Neben großartigem Chardonnay M 2011 (Blüten, leichtes Holz, Kalkigkeit, leichte Stilistik), exotisch fruchtigem und belebendem Sauvignon blanc (2011,M) , sind es die Pinot Noirs, die es mir angetan haben. Sie sind saftig, frisch, besitzen allesamt seidige Tannine und eine angenehme Leichtigkeit. Trotzdem handelt es sich um keine anspruchslosen Rotweine, sondern um großartige Abfüllungen mit Substanz, die auch Zeit benötigen.

Zu meinen Favoriten gehört hier der Pinot Noir M 2010 (knackig, saftig, beerig). Wer einen etwas wärmeren Stil bevorzugt, ist mit dem 2009er M Pinot Noir gut bedient, der sich am trinkreifsten präsentiert. 2008 ist großartig, benötigt jedoch mehr Zeit.

Österreich

Eine großartige Möglichkeit, sich über das Weinland Österreich einen breiten Eindruck zu verschaffen, bietet Jahr für Jahr die Österreich-Halle der Messe.

Hier findet man großartige Winzer vertreten. Besonders im Wachau-Bereich hat man eine einmalige Möglichkeit sich die verschiedenen Stilistiken der Spitzenwinzer vertraut zu machen. Neben gewohnt kräftigen Weinen von Knoll, F.X. Pichler und Hirtzberger, haben mich dieses Jahr ein wenig die Weine von Rudi Pichler enttäuscht, da diese in der Menge überraschend hoch im Alkohol ausgefallen sind (in der Regel 14- 14,5 Vol. %). Genau hier habe ich letztes Jahr herausragende Weine entdeckt, die ein Gegenstück zu den fetten Weinen der Wachau bieten. Spannender blieb es für mich hier auf Federspiel-Niveau, mit einem überragenden Grünen Veltliner aus 2012, der geradlinig, frisch und anziehend daherkommt. Hirtzbergers Riesling Singerriedel 2012 zeigt sich spannungsgeladen, druckvoll und mit exotischer Aromatik. Sehr gelungen ist auch der Steinterassen Federspiel Riesling 2012, der mit floraler Nase lockt.

Eine großartige Kollektion konnte man bei Vayder-Malberg verkosten. Peter Malbergs Weine wirken im Vergleich zu den kurvigen Smaragden Pichlers und Knolls ausgemergelt und zurückhaltend. Man braucht schon etwas Zeit, um die Nuancen im Glas herauszuarbeiten. Jedoch bleibt die ganze Kollektion ungemein spannend und wirkt an keiner Stelle ermüdend.

Große Freude haben mir aus dem Burgenland die Weine von Kollwentz und Heinrich bereitet.

Andi Kollwentz präsentierte mir einen druckvollen Chardonnay Tatschler 2009, der saftig und reif daherkommt und mit einer würzig intensiven Nase glänzt. Schön zeigt sich auch sein unglaublich kraftvoller Pinot Noir Dürr aus 2011. Er besitzt ein mächtiges Tanninpolster für weitere Jahre der Reife und steht für einen Pinot Noir mit viel Temperament und Würze.

Besonders imponiert haben mir aber seine Blaufränkisch. Setzt 2008 und Point 2008 stehen hier an der Spitze der Kollektion. Während Setz etwas heißer in der Stilistik ausfällt, mit samtigen Tanninen und Saftigkeit, glänzt der Point Blaufränkisch durch eine kühlere Note.

Gernot Heinrichs Weine bleiben mir vor allem durch die kühle Stilistik im Kopf. Alle von mir verkosteten elf Weine strahlten Eleganz aus. Leider konnte ich aus zeitlichen Gründen nur die Rotweine verkosten. Die Einstiegsqualitäten wie Blaufränkisch 2011 und Zweigelt 2011, präsentieren im preislichen Zusammenhang gut positionierte Weine, die rebsortentypisch sind. Einen großen Sprung stellte ich vom Blaufränkisch Leithaberg 2011 zum Alter Berg 2011 fest. Letzterer wirkt lebendiger und spannender und vor allem komplexer, was nicht weiter erwähnenswert wäre, denn die beiden Weine trennen knapp 20€. Doch genau ab hier wird es richtig spannend. Sehr schön präsentieren sich Pannobile 2010, eine kraftvolle Cuvée aus Zweigelt und Blaufränkisch und der Gabarinza 2010, dem noch Merlot hinzugefügt wurde. Letzterer fällt kräftig aus und benötigt Geduld, könnte sich aber zu einem ganz großen Wein entwickeln.

Die am Feinschmeckerstand positionierten Süßweine von Kracher bieten großartigen Genuss für Freunde von Beeren- und Trockenbeerenauslesen. Zwar wurden mir auch eine Hand voll an trockenen Weinen aus dem Haus präsentiert (z.b. Pinot Gris 2012, Zweigelt 2010 und Réserven), doch liegen für mich die wahren Qualitäten im Süßweinschatz des Hauses. Während die jungen Süßweine alle noch recht ähnlich und mit typisch leicht klebstoffartiger Nase ausfallen, zeigen die gereiften Weine wie 2003er Trockenbeerenauslese Cuvée Nummer 1 und Nouvelle Vague Nummer 7 1998 (Chardonnay und Welschriesling) , welcher großartiger Nektar hier vinifiziert wird und mit Geduld für relativ wenig Geld gzu bekommen ist.

Frankreich

Aus Frankreich konnte man eine gelungene Kollektion aus dem Bandol von der Domaine Tempier verkosten. Während mich Tempiers Rosé 2011 nicht vollends überzeugt, glänzt schon ab dem “einfachen” Bandol 2010 die Kollktion. Welch Potenzial in den Weinen steckt, zeigt der 2007er Bandol, der auch jetzt noch gigantisch unentwickelt daherkommt.

Fantastische Weine aus dem Elsass konnte ich wieder bei Albert Mann finden, den ich bereits vor einem Jahr vor Ort besucht habe. Infos zum Weingut und weiteren Weinen finden sich hier: Klick!

Maurice Bathelmé hat hat mir hier in jeder Preislage brilliante Weine gezeigt. Den Beginn macht ein einfacher und verständlicher Pinot Blanc/ Auxerrois 2012 (Vins de Terroirs), der frisch und lebendig daherkommt. Weiter geht es mit dem Riesling Rosenberg 2011, der mit 64g Restzucker und leichter Botrytis einen typischen Elsässer Riesling abliefert. Der Rosenberg ist bekannt dafür, mit der Zeit Petrolnoten zu verströmen.

Mein Lieblingswein von Albert Mann ist der Riesling Schlossberg Grand Cru, welcher großes Lagerpotenzial hat. Laut Maurice präsentiert sich momentan der Jahrgang 2002 optimal. Der Jahrgang 2011 glänzt mit Saftigkeit und feiner Minznote und überzeugt sicherlich jeden Freund Großer Riesling-Gewächse aus Deutschland. Der vor wenigen Tagen abgefüllte Pinot Gris Hengst Grand Cru wirkt noch gestresst und etwas gezerrt von der Abfüllung. Hier fällt mir eine Einschätzung schwer. Einen würdigen Abschluss bildet die Pinot Gris Vendanges Tardives vom Altenbourg aus 2004. Der Süßwein wirkt zu keiner Zeit schwer, sondern stets leicht und erfrischend, mit einer schönen Spur von Rosenblättern. Eine toller Süßwein für kleines Geld!

Spannungsvolle Sancerres fand ich auch am Stand von Vinaturel, wo die Domaine Vacheron ihre Weine präsentierte. Hier möchte ich besonders den Sancerre “Guignes Chevres” 2011 hervorheben, welcher pure Mineralik, starke Konzentration und Filigranität vereint. Ein Sancerre, der die pure Mineralik betont und die Frucht in den Hintergrund treten lässt.

Wer auf der Suche nach Vouvrays der Extraklasse war, fand sicherlich Genugtuung bei der Domaine Huet. Hier konnte man preiswerte Chenin Blancs verkosten, die in ihrer Ausdruckskraft nahezu unerreicht sind. Großes Glück hatte, wer auf einer Altweinprobe Vouvray bis ins Jahr 1919 zurückverfolgen durfte. Die trockenen Vouvrays besitzen enormes Lagerungspotenzial, auch aus dem Grund, weil sie mit etwas 6 Gramm pro Liter Restzucker ausgestattet sind. Huets Weine wirken filigran, schlank und geradlinig. Das Weingut spielt mit allen Möglichkeiten der Rebsorte und präsentiert trockene Vouvrays, halbtrockene, als auch Moelleuxs für kleines Geld. Besonders gelungen finde ich den 2011er Le Mont. Ein absoluter Spaßwein, der Leichtigkeit und Mineralik hervorhebt.

Süßwein und Diverses

Wer sich im Bereich Süßwein umschauen wollte, konnte auf der ProWein ebenfalls in Ungarn fündig werden. Typische Tokajer bot Royal Tokaji an. Das Weingut wurde in den 90ern gegründet und will die Region erneut an die Spitze des Süßweins bringen. Mitinvestor und Gründer ist niemand geringeres als Hugh Johnson.

In den letzten Jahren findet man auch immer öfters trocken ausgebaute Weißweine, den Furmint. Zeichen, dass es der Region noch nicht alle zu gut geht. Royal Tokaji und viele andere Betriebe bieten großartige und handwerklich höchst aufwändige Süßweine, die in Deutschland leider nicht den Markt finden, den sie qualitativ verdienen.

Empfehlen kann ich hier den trockenen Furmint 2010 vom Mézes Maly, von dem lediglich 2364 Flaschen existieren. Der Wein hat eine typisch apfelige Note und viel Säure, zeigt sich fast wie ein fetterer Riesling. Noch interessantere Furmints findet man aber meiner Meinung nach beim Spitzenwinzer Szepsy, der nicht auf der ProWein vertreten war.

Spannend wird es bei Royal Tokaji im süßen Segment. Einen süßen easy-drinking Wein findet man mit dem Late Harvest 2011, der aus 70% Furmint besteht. In der Nase reife Aprikosen, Frische und keine Anzeichen von Botrytis. Am Gaumen dann Leichtigkeit. Ein verständlicher Wein für ab Hof knapp 8€.

Einen ultraerschwinglichen Tokaji 5p findet man mit der Blue Label-Variante. Der Tokajer macht etwa die Hälfte der Produktion aus! Der 2008er ist eine wahre Botrytisgranate und zeigt sich buttrig rund. Hiervon werden etwas 250.000 Flaschen produziert. Ein guter Einstieg für den Interessierten.

Im Spitzensegment fährt man mit dem Betsek 2002 auf. Er zeigt sich würzig und mit viel Säure.

Eine etwas andere Stilistik an Tokaji findet man bei Tokaj Classic. Hier zeigt sich das Sortiment für mich jedoch etwas durchwachsener. Wenig anfangen konnte ich mit der Late Harvest 2005, die bitter-kräutrig daherkommt. Gute Qualität weist der 2008er 5P aus, der ebenfalls eine kräutrige Note besitzt.

Aus Mangel am obligatorischen Botrytisbefall hat Tokaj Classic seit 2006 keinen 6P Tokaji mehr vinifiziert. Wirklich schade, denn der sechspüttige 1999er Tokaji zeigt seine erste Reife und große Klasse. Er besitzt eine gigantische Länge und Komplexität.

Schweiz: Wallis – Simon Maye et Fils Syrah 2010

•März 29, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

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Vor ein paar Tagen habe ich bereits über den fantastischen Petite Arvine von Simon Maye berichtet (-> Klick).

Angetan davon holte ich mir auch direkt den Syrah aus dem gleichen Jahr. Es handelt sich hierbei um den “einfachen” Syrah des Weingutes. Maye et Fils produzieren auch noch einen Vieilles Vignes vom Syrah, der jedoch auch deutlich mehr kostet aber eben auch mehr Lagerpotenzial besitzt.

Der 2010er Syrah beeindruckt jedoch ebenfalls. Er besitzt ein tiefdunkles Rot mit zum Rand hin purpurfarbenen Auswüchsen. Zu Beginn der Flasche überrascht der Syrah mit seiner animalischen Note, die mächtig erscheint, jedoch mit der Zeit nicht mehr so hervorsticht. Das Pferd bekommt also seine Zügel.

Am Gaumen hat man einen eleganten Syrah. Er ist fruchtig und reintönig, gar saftig. Die Tannine präsentieren sich weich und elegant. Insgesamt wirkt der Syrah dicht und wie aus einem Guss. Blind würde man den Wein sicherlich an die Rhône setzen und im mittleren Feld ansiedeln. Für den ganz großen Wein fehlt mir ein wenig die Länge im Abgang. Das überrascht doch ein wenig, nachdem sich der Wein so dicht und konzentriert in der Aromatik zeigt und dann relativ früh ausklingt.

Dies muss aber als Meckern auf hohem Niveau verstanden werden. Denn mit dieser Walliser Abfüllung steht ein ernstzunehmender Wein am Tisch.

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Dieser Artikel ist Teil der Weinrallye. Alle weiteren Infos hierzu unter:

Winzerblog.de

Michel Cluizel – 1er Cru de Plantation Los Anconès

•März 23, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

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Diese Schokolade stammt vom Kultchocolatier Michel Cluizel aus Paris. Es handelt sich um eine Single Origin-Schokolade von der Plantages ‘Los Anconès’ aus Santo Domingo.

Die Schokolade besitzt einen Kakaoanteil von 67% und wiegt 70 Gramm.

Sie ist wie alle Produkte von Cluizel hochwertig verarbeitet, glänzt wunderbar und hat einen satten Bruch. Ihr Duft ist feingliedrig. Geschmacklich überzeugt sie mich durch ihre Intensität und die rassig herbe Note. Sie versprüht eine feine Aromatik und ich kann tatsächlich die von Cluizel beschriebenen grünen Oliven schmecken. Auch besitzt die Schokolade eine ausgeprägt säuerliche Note.

Insgesamt ist sie mir ein klein wenig zu mild, wenngleich sie auch zu einen der besten Single Origins gehört, die ich von Cluizel probiert habe. Es lohnt sich in jedem Fall, diese Tafel auszuprobieren, wenn sie einem begegnet.

Georg Bernardini, Autor von “Der Schokoladentester”, gibt der Tafel übrigens 93,25 Punkte.

 
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