Emrich-Schönleber: Frühlingsplätzchen, Großes Gewächs 2007

•Februar 28, 2017 • Schreibe einen Kommentar

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2007 erinnert mich an ein perfektes Bild, bei dem der Sättigungsregler ein wenig zu weit nach rechts gedreht wurde. Da liegt dieser atemberaubende Riesling von Emrich-Schönleber im Glas. Das Frühlingsplätzchen, der zugänglichere Halenberg (für mich). Ich ziehe die Flasche und entdecke einen farblich kaum gealterten Riesling. Die Nase haut mich fast um, so schön ist das Bouquet. Viel Limette, Schieferwürze, etwas Rosenblätter. Magisch. Ich karaffiere den Wein, nehme einen Schluck und lächle zufrieden. Das Große Gewächs ist wunderbar gereift, fast jugendlich. Man hat eine schöne Balance, eine zurückhaltende Restsüße aber doch leicht exotische Frucht, die mit Temperatur mehr herauskommt. Aber alles bleibt gezügelt, nicht so wie einige 2007er vor 2-3 Jahren waren. Nämlich nur gelbfruchtig. Das Bouquet ist wie gesagt atemberaubend. Im Mittelmund fehlt es diesem Riesling ein wenig, er baut kurz ab um dann im Ausklang sehr lange nachzuhallen mit reifer Amalfizitrone, etwas Kardamom und das weiße, leicht bittere der Zitronenschale. Sehr animierend, athletisch. Eine kleine Version von 2008, nur eben was die Fruchtausprägung angeht etwas zu sehr den Sättigungsregler auf Anschlag gedreht. Das wird sich einpendeln mit 2-3 Jahren mehr Reife. Denn dieser 2007er ist jung. 2007 kann ein schöner Jahrgang sein. Ich probiere die nächsten Wochen einige weitere. Aber Emrich Schönleber, der Meister puristisch-klarer Rieslinge, ist ein verheißungsvoller Start.

getrunken aus dem Zalto Universalglas, 93-94P,  Trinkfenster 2017-2025

Bernhard Huber: Bienenberg Chardonnay, GG 2014

•Januar 25, 2017 • 1 Kommentar

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An Jungweinen gefällt mir, dass sie grundsätzlich all die Spannung und Faszination am Thema Wein vereinen, die ich so liebe. Das Potenzial steht ihnen noch bevor, muss erahnt und eingeschätzt werden. Erst mit der Reife entscheidet sich alles und zeigt uns letztendlich wo wir mit unseren Urteilen Recht hatten oder meilenweit daneben lagen. Denn ein gereifter Wein, sofern er von einer gut gelagerten Flasche stammt, muss sich nicht mehr beweisen, er zeigt das finale Resultat ohne die Chance auf Aufstieg oder eben Abwertung. Man darf über ihn abschließend urteilen. Bei Jungweinen ist das ganz anders. Man schaut positiver in die Zukunft. Vermutlich deshalb haben die neusten Jahrgänge auch meist die höchsten Bewertungen.

Als ich letztes Jahr mit Freunden im Januar auf einen Kurztrip ins Burgund und an die Loire bei Julian Huber vorbeischaute, gab es den Malterdinger Bienenberg Chardonnay ins Glas. Erstmals also voraussichtlich als Großes Gewächs, aus dem Jahr 2014. Julian bat damals noch nicht über den Wein zu berichten. Dabei waren wir geflasht. Das war für mich der erste Chardonnay aus Deutschland, bei dem ich richtig neugierig wurde. Ich möchte nicht behaupten, dass ich keine anderen faszinierenden Chardonnays aus Deutschland getrunken habe. Aber bislang war die Rebsorte für mich in Deutschland eine Randnotiz, die allenfalls, wenn sehr gut gemacht, ihre Berechtigung hatte und an etwas heranreichte, was ich aus dem Burgund, Jura oder andernorts absolut schätze.

Denn Julians 2014er Bienenberg vereint so ziemlich all das, was ich an einem Ideal-Chardonnay schätze. Eine gewisse Reduktionsnote, die Stilmittel ist aber nicht aufgesetzt wirkt, eine klare weiße Frucht, die von einer feinen Säure getragen wird und eine Salzigkeit und innere Spannung, die fernab von buttrig-popcornigem Chardonnay anzusiedeln ist. Und  natürlich der präsente aber doch immer feine Holzeinsatz. Ende 2016 habe ich den Wein dann wieder probiert. Bei Meiningers Finest. Und wieder hat er mich gepackt. Persönlich fühlte ich mich darin bestätigt, dass der Bienenberg noch eine Spur über dem Schlossberg liegt. Für mich gesehen. Weil er weniger gelbe Frucht hat und nicht so brachial cremig daherkommt. Freilich reden wir hier von Nuancen. Aber ich sehe diesen Wein, auch wenn er günstiger ist trotzdem als leicht über dem Top-Chardonnay aus dem Hause Huber liegend.

Nun habe ich heute im Januar wieder diesen Wein im Glas. Und nun in aller Ruhe. Eine ganze Flasche über einen Abend und nur mit einer anderen Person geteilt. Der hellgolden, fast blasse Wein packt mich nach wie vor. Eine Mischung aus Boisson-Voidot-Reduktion, der Präzision neuer Etienne Sauzet-Jahrgänge und der Filigranität von Antoine Jobards Meursaults. Er braucht eine halbe Stunde, bis er voll aufblüht. Ich schätzte ihn zunächst als etwas zu kurz ein, doch er benötigte nur Luft um zu singen. Ich hab hier weiße Früchte, Rauchigkeit, Marzipan, auch grüne Ananas, frisch gekochte Kartoffeln und Thymian. Wieder fasziniert er mich. Weil ich so etwas aus Deutschland in der Perfektion noch andernorts nicht entdeckt habe. Auch nicht im Weingut Huber zuvor! Das liegt auch am Jahrgang, der hier die kühlen Noten einspielt. Und ja, trotzdem ist der Wein nicht perfekt. Ich denke, Julian wird ihn die nächsten Jahre perfektionieren. Wer jetzt schon denkt, dass hier ist das Ende der Fahnenstange, hat es nicht versucht. Aber es ist eine neue, spannende Richtung. Und ich bin sicher, in 10 und mehr Jahren wird man auch noch über diesen Wein aus 2014 und den Bienenberg Chardonnay allgemein reden. Prädikat: To watch out for.

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Willi Schaefer: Graacher Himmelreich Riesling 1972

•Januar 18, 2017 • Schreibe einen Kommentar

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Unverhofft kommt nicht oft. Aber bei diesem 1972er Riesling aus dem Graacher Himmelreich habe ich nicht mehr viel erwartet. Der Füllstand und die Farbe in der Flasche wirkten zwar ideal. Doch ohne Prädikatsangabe vermutete ich einen Riesling, der aus einem Jahr wie diesem, bereits weit seinen Zenit überschritten hat.

Im Glas liegt dann ein bernsteinfarbener Wein. Der Duft ganz typisch. Leicht rauchig, dahinter verwobene Aromen von Nektarine, Marillenkonfitüre und auch etwas Anis. Am Gaumen dann eine überraschende Vitalität. Die Süße ist noch präsent, die Säure ganz 1972 und vibrierend. Ich hab hier ganz viel reife Pflaume in Darjeelingtee aber eben auch Orangenzeste, reife Mirabellen und etwas Tabak. Der Wein tänzelt am Gaumen, wirkt harmonisch und in sich ruhend. Keine dicker Wein, keine 76er Auslese mit Druck und Tiefe am Gaumen. Der Wein ist mild und tänzelnd leicht. Aber nicht kurz oder gar austrocknend. Dabei wirkt alles, was ich als typisch für gute gereifte Weine empfinde, wie aus einem Guss.

 

getrunken aus dem Riedel Sommeliers Chiantiglas, 92+ P, austrinken – 2020+

Peter Lauer: Ayler Kupp Versteigerungsspätlese 2012

•Dezember 23, 2016 • 2 Kommentare

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Das tat dann doch weh: Im Keller beim Hochholen von Weihnachtsweinen diese leckende Flasche entdeckt. Die Versteigerungsspätlese von Florian Lauer aus 2012 aus der Ayler Kupp, selbst vor drei  Jahren in Trier zum damals so fairen Preis ersteigert. Am Korken vorbei hat sich der Wein gepresst, tröpfchenweise quasi zu Sirup eingetrocknet. Diesen Wein hätte ich bei aller Geduld in den nächsten 10 Jahren nicht öffnen wollen. Aber so lieber in den sauren Apfel beißen, als in einigen Jahren trauern. Man sagt ja, dass ein Großteil der Versteigerungsweine nicht getrunken wird. Also Flasche auf und rein ins Glas den noch fast farblosen Rieslingsaft. Tolle Spontinase, glühendes Streichholz. Dann zunächst eine gewisse tropische Fülle, die aber im Minutentakt klarer wird und in Richtung Birne und weiße Blüten geht. Erinnert mich stark an klassische Graacher Spätlesen von Prüm. Die Spätlese ist am Gaumen zart. Ich habe einen Biss in den Granny Smith notiert, auch diese gewisse Pektinsämigkeit und die danach matten Zähne. Die Säure ist aber reif. Dann kommen Limette, Schieferwürze und wieder Zitrusfrüchte. Die Spätlese ist so zart und schüchtern, will trotzdem kaum ausklingen. So viel Potenzial und trotzdem jetzt eine ungeheure Trinkigkeit. Am Ende also keinen Grund zur Trauer gehabt, denn der Wein war schön, ein tolles Erlebnis. Und so sehr der Versteigerungsaufkleber schreit „Trink mich noch nicht“, dieses Erlebnis hat mich auch wieder daran erinnert, wofür auch solche Weine gemacht sind: zum Trinken und genießen.

 

Für alle anderen: 2026-2035+, 94 P – getrunken aus dem Gabriel Goldglas

Barbera d’Alba: Giacomo Conterno, 2008

•November 20, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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Einstimmung auf „Meiningers Finest100“ am kommenden Dienstag mit dem Barbera d’Alba von Giacomo Conterno. Aus 2008. Ich habe den Jahrgang jetzt über 3 Jahre verfolgt, immer an Weihnachten getrunken. Der Wein war alljährlich ein Genuss und wird immer feiner. Giacomo Conterno bleibt mein Lieblingserzeuger im Piemont, dahinter knapp gefolgt Rinaldi und die beiden Mascarellos. Aber im Gesamtkontext ist Conterno was Müller für den Scharzhofberg ist oder Jean Louis Chave für den Hermitage. Mir gefällt auch immer sein Barbera. Dieser ist in der tat kein urtipischer Barbera. Aus dieser Rebsorte wird das maximal mögliche Potenzial herausgeholt. In 2008 ist es die Eleganz, die mich begeistert. Immer Sauerkirsche, etwas Joghurt, eine Finesse und Ausgewogenheit besonderer Güte. Der Wein summt im Glas, baut Druck auf und hat ganz feines Tannin, niemals austrocknend. Bei aller alkoholischen Schwere zeigt sich diese nicht am Gaumen. Toller Barbera mit dem typischen Kirschkernaroma und einer feinen Würzigkeit. Und ich werde ihn auch nächstes Weihnachten verfolgen, denn der geht noch einige Jahre weiter.

getrunken aus dem Zalto Burgunderglas, 2014-2019, 92+ Punkte

 

Montepulciano d’Abruzzo Teil 2: Zu Gast bei Emidio Pepe

•September 25, 2016 • 1 Kommentar

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Gastartikel von C. Strauss

Um von der Anteprima Montepulciano d’Abruzzo in Chieti zu einem der Leuchttürme der Weinbauregion Abruzzen zu gelangen, bedurfte es schon ein wenig mehr Durchhaltevermögen. Da war der dichte Urlaubsverkehr auf der Autostrada A 14 zu Beginn noch harmlos. Abgefahren in Teramo ging es für eine gefühlte halbe Ewigkeit auf kurvigen Landstraßen über Stock und Stein. Die am Fenster vorbeiziehende hügelig-pittoresk Schönheit der Landschaft zwischen Gran Sasso und Maiella half die kaum vorhandene Federung des Minibusses etwas auszublenden. Angekommen, und von der bewegten Fahrt ein wenig benommen, empfing uns sogleich die junge Chiara De Iulis Pepe, Enkelin von Emidio Pepe, auf der riesigen und einladend schön angelegten Terrasse des Weinguts. In eloquent gestikulierender Manier erzählte sie uns zur Beginn der Führung die Geschichte vom Anfang des Weinguts, als ihr Großvater im Jahr 1964 begann aus regionaltypischen Rebsorten wie Montepulciano und Trebbiano reinsortige Weine zu produzieren. Schon damals bevorzugte Emidio Pepe die klassische Pergola als Erziehungsmethode, die in dieser Zeit in Abruzzen nicht mehr all zu oft praktiziert wurde. Auch die eigentliche Arbeit im Weinberg läuft schon seit den 1960er Jahren unverändert nach biodynamischen Richtlinien ab. Wobei erst seit 2006 in zertifizierter Form.

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Direkt unterhalb der schon erwähnten Terrasse befindet sich das Herzstück des Weinguts: Der Keller. Im Keller angekommen machte uns Chiara auf das offensichtliche, aber von mir nicht sofort bemerkte, aufmerksam. Holz hat es im Keller von Emidio Pepe schwer. Abgesehen von den unterschiedlichen Presszubern (Weißweine per Fuss und der Rotwein per ungewöhnlicher Handpressung und Korbpresse, siehe Fotos), ist Holz im Keller von Pepe nicht aufzufinden. Alle Weine werden in mit Glas ausgekleideten Zementtanks vergoren und ausgebaut. Zielsetzung dabei ist es die pure und unverfälschte Ausdruckskraft der jeweiligen Rebsorte auf die Flasche zu bringen. Im Schnitt wird der Rotwein aus Montepulciano für 2 Jahre im Zement gereift. Der Trebbiano und der Pecorino für ca. 1 Jahr. Was das Thema der Schwefelung angeht, berichtete uns Chiara, dass je nach Jahrgang und Wein geschwefelt wird. Dies aber nur sehr moderat und so wenig wie absolut nötig (bis max. 40 mg/l). Da mir dieses oft kontrovers diskutierte Thema im allgemeinen nicht so am Herzen liegt, wendete ich mich für einen kurzen Moment von unserer kompetenten Führerin ab um einige Fotos vom Keller zu machen. Da sah ich auf einmal im Hintergrund einen sommerlich- leger gekleideten älteren Herrn mit Mütze zwischen den Betontanks vorbeihuschen. Einen Herrn der mir von so manchen Fotografien aus der einschlägigen internationalen Weinpresse bekannt war. Mir war fast so, als ob er selbst der Führung durch seinen Keller ein wenig lauschte.

Bevor es ans Verkosten einiger Weine ging, machten wir noch einen kleinen Abstecher zum eigentlichen Eye-Catcher des Weinguts: dem Flaschenlager. Hier lagern abertausende Flaschen, die bis in die Anfangszeit des Weinguts in der Mitte der 1960er Jahre zurückreichen. Dort, die überwältigenden Eindrücke der schieren Anzahl von Flaschen und deren einzigartigen Präsentation verarbeitend, begrüßte uns nun schließlich Emidio Pepe selbst auch ganz offiziell. Wenn ich behaupten würde das der mittlerweile 84 jährige auf mich einen noch rüstigen und recht wachen Eindruck machte, wäre das wohl eine glatte Untertreibung. Ich denke das Foto spricht für sich selbst.

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Mit unseren beiden Gastgebern die Treppe zur Terrasse wieder emporgestiegen, ging es nun in den beeindruckend großen Verkostungssaal zu einer wahrlichen Zelebrierung der Degustation. Zelebrierung deswegen, weil die Präsentation kaum durchdachter und andächtiger hätte ablaufen können. Die Spannung im Raum war mit Händen zu Greifen. Den Beginn machte der Trebbiano d’Abruzzo DOC 2013. Sein ganz leicht grün schimmerndes intensives Gelb überraschte mich ein wenig ob seiner satten Farbe. In der Nase zeigten sich Aromen, die mich an Holunder, Ingwer,
etwas unreife Grapefruit, weisse Blüten und getrocknetes Heu erinnerten. Daneben zeigte sich eine etwas streng wirkende salzig-mineralische Prägung, die dem Wein gewisse und meines Erachtens eine sehr gelungene Ernsthaftigkeit verlieh. Am Gaumen war der noch junge Wein sehr straff, beeindruckend kantig, leicht gerbstoffig, dicht, komplex und kaum von Frucht getragen. Aromen von Grünem Tee, Ingwer, weissen Blüten, Heu und verhaltene Grapefruit standen im Vordergrund. Seine prägnante Salzigkeit setzte sich am Gaumen natürlich wesentlich greifbarer fort. Mein Gesamteindruck vom eigentlichen Körper war für einen Trebbiano überraschend. Leicht, dabei überzeugend dicht, schlank und belebend frisch mögen es ganz gut treffen. Dabei dürfte die raffinierte und knackige Säure zu einem großen Anteil verantwortlich sein. Ein Trebbiano ohne mollig-breit anmutende Verwaschenheit oder gar alkoholischer Schwere. Im Moment sicherlich noch recht schüchtern. In wenigen Jahren dürfte dieser Trebbiano von Emidio Pepe jedoch viel Vergnügen bereiten.

Als nächstes folgte das jüngste Mitglied in der Weinfamilie von Pepe. Erst seit 2010 wird der Pecorino auf die Flasche gebracht. Verkostet wurde der Pecorino Colli Aprutini IGT 2014. Dieser erschien mir noch etwas farbintensiver als der Trebbiano. Seine Nase war pecorino-typisch füllig, fruchtgetragen und sehr direkt draufgängerisch. Eine gewisse florale Note zeigte er sicherlich ebenfalls. Am Gaumen setzte sich seine entschlossene und füllig, leicht wärmend anmutende, Art fort. Die nicht geizenden Aromen von weißen Früchten, Geißblatt und etwas Heu standen im Vordergrund. Im Vergleich zum Trebbiano war dieser viel offener und jetzt schon von Spaß erfüllt. Der Pecorino kam für mich an die Komplexität und Tiefe des Trebbiano sicherlich nicht ran. Doch für einen Wein aus dieser in Italien immer modischer werdenden Rebsorte, und das auch noch von sehr jungen Reben, zeigte er sich sehr beachtlich. Ich bin gespannt, wie der Wein sein wird, wenn die Reben etwas mehr Lebenserfahrung haben.

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Zum Abschluss gab es dann noch den Montepulciano d’Abruzzo DOC 2001. Dieser spielte nochmal in einer ganz anderen Liga. Seine Farbe erschien am Rand etwas ziegelig, zeigte sich im Kern aber sehr satt und farbintensiv. Seine Nase präsentierte sich zwar ein wenig ländlich- bodenständig aber auch bestechen elegant. Düfte von feinem Rauch, Blut, dunklen Kirschen, einer Spur Eukalyptus, Leder, nicht wenig laubiges Unterholz, etwas durchaus passender Mist und fein integrierende Pilze erfüllten mein Glas mit beeindruckender Komplexität. Das ganze wirkte in sich ruhend, straff, wunderbar schlank, schon reichlich balanciert und sehr kühl. Am Gaumen zeigte seine fast schon gewaltige Struktur und Dichte sein volles Ausmaß. Dies alles ohne fett, alkoholisch oder in irgend einer weise warm zu wirken. Ja, irgendwie wirkte er schon fast trinkig. Auf sehr hohem Niveau versteht sich. Sein Tannin zeigte sich immer noch sehr knackig-hart. Laut Chiara werden die Montepulcianos ab einem Alter von 10 bis 15 Jahren erst so langsam zugänglich. Doch ins Gesamtbild passte diese gewisse Härte schon sehr gut. Die Säure des Montepulciano wirkte super frisch, raffiniert, lebendig und harmonisierend. Die eigentlichen Aromen waren geprägt von nicht ganz schwarzen Kirschen, etwas rote Johannisbeere, Blut, Rauch, vielleicht Holzkohle, Erde, Leder, Brotkruste, einer Spur Lakritze sowie einem Hauch von Orangenschalen. Alle Aromen wirkten sehr klar und stimmig. Ich mache es kurz: ein schlichtweg großartiger und sehr eigenständiger Rotwein, der sich einen Platz in der Mitte der italienischen Spitzenweine wahrlich verdient hat.

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In den Minibus wieder eingestiegen und losgefahren realisierte ich so langsam, dass dieser Weingutsbesuch etwas nicht Alltägliches war. Da bleibt so manches hängen! So war es auch nicht ganz verwunderlich, dass sowohl Kurven als auch Federung auf der Rückfahrt über die gleichen Stöcke und gleichen Steine nicht annähernd so anstrengend und langweilig waren als auf der Hinfahrt.

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Emrich-Schönleber, Riesling Halenberg 2012, Großes Gewächs

•September 18, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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Halenberg 2012 von Frank Schönleber. Für mich immer einer der Pflichtkäufe unter den Riesling-GGs. In der Jugend und eben bei der Präsentation oft unscheinbar, schüchtern und zurückhaltend. Aber mit der Reife dann nahezu immer erste Reihe. Das 2012er GG zeigt was für ein wunderabrer Jahrgang 2012 sein konnte. Der Wein erinnert mich an Rilkes „Der Panther“. Die ganze Schönheit dieses Wesens versucht einzufangen aber im Prinzip fühlt er sich aktuell noch gefangen, ist nicht wie auf der freien Wildbahn. Der 2012er ist jetzt in einer schönen Phase bevor er wohl wieder verschließt. Aber wer z.b. den gigantischen 2004er mal getrunken hat weiß, dass der Wein für die lange Strecke gedacht ist. Schönes Bouquet, sehr präsent aber doch eher verwoben. Etwas grüne Mandarine, viel Salbei und ein Schuss Minze. Dann eine nicht ganz reif-saftige Nektarine und Salzwasserinfusion. Das Bouquet ist allgemein eher würzig und mineralisch als fruchtig. Man merkt die perfekte Reife des Jahrgangs nicht in Form einer gelblichen Frucht, sondern viel mehr in den perfekten Proportionen des Weins. Am Gaumen geradlinig, puristisch, von einer perfekten Säure getrieben die aber reif wirkt. Das ist knackig und fein balanciert, fast kristallin und eben eine innere Ruhe ausstrahlend. Halenberg 2012. Kurz doppeldekantiert und dann 3 Stunden im Kühlschrank ruhen gelassen. Wird in 4-5 Jahren ankommen aber nie so richtig auf der Erde landen. Schwebt. Ein großartiges, knochentrocken daherkommendes Großes Gewächs.

 

 
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