Emidio Pepe: Trebbiano d’Abruzzo 2012

•Mai 1, 2016 • 2 Kommentare

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Italien ist Rotweinnation. Basta. Das heißt aber bei Weitem nicht, dass hier keine großen Weißweine erzeugt werden. Auch wenn diese doch rarer gesät sind. Emidio Pepe ist weiß wie rot grandios und vor allem markant. Dieser Trebbiano begleitet nun bereits den zweiten Abend fabelhaft. Zunächst zu Steinpilzravioli im Sahnesößchen und dann heute zu nichts anderem als in Alufolie und mit ordentlich Butter gegartem Spargel mit etwas frisch gehobeltem Parmesan drüber. Der Pepe ist fast orangefarben, leicht trüb (keine Filtration) aber doch eher tieffarben gelb. Am ersten Tag habe ich hier wunderbare Kräuter, auch Minze, viel Pampelmuse und Ingwer. Am Gaumen ist der Wein dann bitter (!) und anregend. Verweilt auf der Bandbreite von Zitrusfrüchten, besonders Grapefruit und Chicorée und hat dann auch was wo man andernorts über Iodtöne streitet. Grenzgenial aber eben vor allem zum Essen gut. Am zweiten Tag geht alles über die Struktur. Der Wein, in sich ruhend und ausgewogen, definiert sich immer über die mundfüllende Art ohne alkoholische Schwere. Großartiger Trebbiano, den muss man mit den Jahren beobachten. Ein hoch feines Unikat. Braucht übrigens Luft und es lohnt sich mit der Temperatur zu spielen. Im Bordeauxglas von Zalto performte er etwas besser, weil die Fruchtaromen gebündelter erschienen. Das Burgunderglas hebt die Textur hervor. Ich würde ihn jetzt und über die nächsten 7-10 Jahre trinken.

 

getrunken im Mai 2016, aus dem Zalto Burgunderglas und Bordeauxglas

Castell’sches Domänenamt – Silvaner 1967

•April 25, 2016 • Schreibe einen Kommentar

IMG_0866Nach großartigen Tagen in der Champagne und im Burgund musste einfach ein Kontrast her, also gereifter Wein aus Deutschland. Über kuriose Zufälle hatte ich das unglaubliche Glück diese Flasche bereits drittmalig im Glas zu haben. Immer ein bezaubernder Wein, Zeugnis großer Winzerkunst. Aber am Wochenende gab es dann DIE perfekte Flasche. Das ist eines meiner bisherigen persönlichen Top-Erlebnisse in Sachen Wein. Silvaner aus dem Jahr 1967, also rund 50 Jahre später. Der Korken ganz kurz, weich. Beim Rausziehen machts dann aber satt plopp und die Augen mussten mehrmals gerieben werden. Diese Farbe, Vitalität im Glas. Kräftiges Strohgelb. Ich kenne manch Silvaner aus aktuellem Jahrgang der da hochfarbener ist. 50 Jahre und der Wein ist so jung. Im Bouquet dann ebenfalls die pure Frucht, richtig ausladend saftig, Nektarine, Zitrus, Hopfen usw. Das kann man blind nicht im Ansatz erraten. Am Gaumen ebenfalls hoch frisch und vital aber wie aus einem Guss. Viel Frucht, Würze und im Abgang super präsent, etwas bitter aber nicht störend. Mit der Luft baut der Wein dann immer weiter auf, zeigt verschiedene Facetten. Die Farbe bleibt über den Abend fast gleich, wird nur eine Nuance dunkler. Dann mit Luft zeigt sich mehr das Alter, da kommt einfach eine Spur Reife dazu, die man dann so im jungen Wein nie findet. Insgesamt sehr kräftig, ausladend, reichhaltig. Das Bouquet ist auch dezent süß aber reiflich süß im Sinne von gelben Früchten. War vielleicht in der Jugend nicht 100% trocken, ist es jetzt aber. Ich muss zugeben, einen solch vitalen Wein habe ich mit jenem Alter nur ganz wenige Male im Glas gehabt und ich glaube nicht, dass ein Silvaner nach diesem Alter auch nur ein bisschen jugendlicher dastehen kann als diese Flasche. Ich ziehe meinen imaginären Hut vor diesem Wein, jenen Personen die damals beteiligt waren, dem Kellermeister wie den Lesehelfern. Das ist pure Emotion!

 

getrunken im April 2016, aus dem Riedel Sommelier Chablisglas

Schnelle Teller aus der EFFILEE

•März 14, 2016 • Schreibe einen Kommentar

Die Effilee hat einen Relaunch erfahren. Die Website glänzt nun in neuem Design. Meine Lieblingskategorie, „Schneller Teller“ greift einige einfache Rezepte auf, die immer Pfiff besitzen. Während meiner Studienzeit habe ich fleißig danach gekocht und manch Gericht hat sich weiterhin im permanenten Portfolio für Notfälle bewährt. Hier geht’s zur aktuellen Webpräsenz und natürlich zu den Rezepten: EFFILEE.de

Effilee: Weintipp Homonna, Tokaj

•März 5, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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In der aktuellen Effilee-Frühjahrsausgabe habe ich wieder eine Weinkritik beigesteuert. Diesmal befasse ich mich mit dem Trockenweintrend im Tokaj. Die Frühjahrsausgabe ist, wie ich finde, überdurchschnittlich gut ausgefallen. Wer interessiert ist, wie das Handelsembargo Russlands Gastronomie verändert hat, Garmethoden für die Fischzubereitung perfektionieren will oder einfach mal in Puncto Fisch & Nachhaltigkeit auf den aktuellen Stand gebracht werden will, greift zu. Die Eff‘ bleibt für mich eines der ganz wenigen Magazine, die ich selbst noch von Anfang bis Ende durchlese. Immer mit großer Freude, einem Zugewinn und einer guten Stunde Entspannung.

Nachtrag:

Der Artikel ist nun auch online einsehbar: Effilee

 

Das Jahr 2006 – 10 years after mit Egon und Keller

•Februar 25, 2016 • Schreibe einen Kommentar

IMG_0625Ende und Lichtblick eines arbeitsintensiven Tages: Das Jahr 2006 im Vergleich. Links trockene Spitze Deutschland, rechts restsüße Spitze. Aus einem schwierigen Jahrgang. Kellers Kirchspiel war noch blutjung, so vibrierend am Gaumen. Für mich nach einem fantastischen 2006er Hubacker dezent abfallend, da weniger mineral, mehr gelbfruchtig und auch weniger strukturiert. Aber das ist trotzdem ein fantastisches Großes Gewächs, solch eines, bei dem die Bezeichnung authentisch ist. Viel gelbe Pflaume am Anfang, etwas Maracuja. Mit der Luft würziger, mineral, fast schon tabakig. Ein spannungsgeladenes Kirchspiel, kann 5+ Jahre ohne mit der Wimper zu zucken. Daneben Egon Müllers Spätlese, das Paradeprädikat. Regnerisches Jahr, Botrytisdruck. Ein Wein, nicht perfekt gelagert (vorletztes Jahr ab Weingut war er frischer). Tieffarben aber nicht orange. In der Nase hat man Kamille, grünen Tee, Toffee aber kein dunkles Karamell, etwas Birne. Später dann von der Botrytis etwas Blauschimmel. Am Gaumen glockenklar, komplex, mit Tiefgang, wirkt eher trocken aber gereift und doch verwoben komplex. Viel Ricola-Hustenbonbon, wieder Kamille, auch Aprikosenkonfitüre, leichter Körper, feine Säure, Botrytisraffinesse. Hallt lange nach, hällt an. Zeigt sich schön entwickelt aber immer noch eher jugendlich. Zwei Weine, im Ansatz bilderbuchhaft. Unterm Strich zwei schöne Facetten eines nicht herausragenden Jahrgangs.

 

getrunken im Februar 2016, aus dem Zalto Universalglas und Riedel Sommeliers Chianti

Weingut Keller, Großes Gewächs, Riesling Kirchspiel, 2006: 93+ (2016-2023+)

Egon Müller, Scharzhofberger Riesling Spätlese, 2006: 96+ (2016-2036)

Weinwisser: Albrecht Schwegler

•Februar 22, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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In der Weinwelt werden aktuell Weine geschätzt, die niedrige Alkoholwerte aufweisen, wenig Barrique-Einsatz zeigen und einen kühlen Charakter besitzen. Herkunftstypische Rebsorten liegen im Trend. Im Remstal in Württemberg produziert ein Betrieb genau gegen den Strom und bleibt damit seiner eigenen Linie treu: Weingut Albrecht Schwegler.Dort werden, so hat die Verkostung gereifter Weine gezeigt, einige der besten Rotweincuvées Deutschlands erzeugt. In der Februar-Ausgabe des Weinwisser, die ab sofort für Abonnenten online zugänglich ist und demnächst auch als Printversion erscheint, berichte ich über das Weingut.

Zur Online-Ausgabe geht’s hier: Weinwisser

 

Anbei ein Auszug der Verkostungsnotizen:

  • d’r Oifache, Weingut Albrecht Schwegler: Dieser Wein ist stets eine trollingerlastige Cuvée mit Beifügung der Grundweine, die es nicht in die Granatfüllung schaffen. Daher eine äusserst hochwertige Cuvée in der Literflasche, die bedenkenlos einige Jahre reifen kann, aber stets direkt nach Veröffentlichung Trinkfreude bereiten soll. Diese Füllung stammt aus den Jahrgängen 2012 und 2013, ist aber immer jahrgangslos. Dunkles Rubinrot. Die Nase verströmt Johannisbeeren und deren Kerne, auch grüne Paprika und etwas Graphit. Am Gaumen äusserst pralle Beerenfrucht mir fleischigem Kern und weicher Tanninstruktur. Eine feine Säure leitet den Wein mit mittlerem Körper und pfeffrigen Noten. Äusserst gelungene Basiscuvée. Ein Wein, der am grossen Tisch bei reger Diskussion wandern soll und dabei in grossen Schlucken genossen wird. 16/20 2016–2024
  • 1999 Granat, Weingut Albrecht Schwegler: Zweigelt, Lemberger, Cabernet Franc, Cabertin. Ausbau in 100% neuen Barriques, sehr dunkles, dichtes Rot. Im Bouquet strömt auf charmante Weise et- was Pferdestallgeruch entgegen, der Wein wirkt ätherisch, zeigt Brombeeren und dunkle Beeren, wirkt bei aller Kom- plexität aber immer noch extrem frisch und jung. Auch am Gaumen ist der Wein höchst vital, man könnte ihn auch 5 bis 8 Jahre jünger einschätzen, er wirkt so gut integriert und harmonisch. Die Proportionen sind perfekt, der Wein ist weich und hat eine ganz klare Blaubeernote, wieder Nelken und Lakritz. Elegant, auch dank der vitalen Säure. Ein ganz grosser Wein, der nie langweilig wird und zweifelsfrei noch Potenzial für die Reife besitzt!  19/20 2015–2025
  • 2003 Solitär, Weingut Albrecht Schwegler: Zweigelt, Cabernet Franc, Merlot. Ausbau in 100% neuen Barriques. Der Solitär ist die höchste Stufe der gutseigenen Klassifikation und immer ein Granat, der aber nur in allerbesten Jahren er- zeugt wird. Bislang gab es im Weingut lediglich zwei Abfüllungen: 1999 und 2003. Der Solitär verbrachte 6 Jahre im Fass. Dichtes Lila mit hellem Rand. Der Wein vereint die Frische des 1999er Granats mit der Kräftigkeit des warmen Jahrgangs 2003. Ausgeprägte Cassis- und Brombeernoten, Graphit und Zedernholz, aber überwiegend eine klare Frucht. Man spürt den langen Holzausbau, denn der Wein hat enormen Tiefgang und besitzt Potenzial für weitere Reife. Ein fast vollendeter Wein, dem es an nichts fehlt. Kann in 3-4 Jahren ein echter Klassiker werden. 19+/20 2017–2030

 

 

Rheinhessen: Keller Riesling Hubacker 2006 GG

•Februar 7, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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2006 war kein leichter Jahrgang in Deutschland. Besonders die trockenen Rieslinge konnten nur unter erschwerten Bedingungen erzeugt werden. Warum und feucht im Herbst, eine sich schnell ausbreitende Fäulnis und dadurch rasche Ernte. Viele trockene Weine kämpfen mit der Botrytis, einige sind sehr früh gereift oder bei späterer Lese dann enorm barock geraten. Kurzum: 2006 ist kein großer Jahrgang. Dementsprechend wurde er auch rasch herabgestuft. 10 Jahre später kann man über die damals erzeugten Großen Gewächse schon mal abschließend urteilen. Ich kenne ehrlich gesagt nicht viele GGs aus 2006, die mich emotional gepackt haben und die ich als extrem gut einschätze. Ich bin also an den kürzlich verkosteten Hubacker 2006 nur mit einer geringen Erwartung herangegangen. Was dann im Glas landete hat mich enorm überrascht und so möchte ich sagen, dass dieser Hubacker 2006 einen kleinen Phoenix aus der Asche verkörpert. Denn ich habe ihn über die Jahre mehrmals probieren können, doch so herausragend wie aktuell hat er sich noch nie präsentiert! Er zählt für mich zu den ganz großen trockenen Rieslingen des Jahres.

Erstaunlich war hierbei die Jugendlichkeit des Weines. Intensiv hellgold strahlend, sogar noch dezent grüne Reflexe zeigend, ließ der Wein gar keine Anzeichen von Reife vermuten. Auch im Bouquet strahlte eine herrliche Frische entgegen. Etwas Feuerstein-Touch, noch knackige Birne, auch Zitrone und ein insgesamt würziger Charakter. Aber im Prinzip war der Wein in der Nase noch verschlossen. Am Gaumen dann eine sehr fest verwobene Säure, kräftiger Körper und äußerste Ruhe ausstrahlende Art. Der Hubacker zeigt die ersten 30 Minuten gelbe Frucht, so wie es besonders in 2007 und 2005 der Fall ist, nur eben nicht so extrem ausgeprägt. Es ist eigentlich eine Note, die ich im Riesling nicht so sehr mag, denn der Wein wirkt dann schnell süßlich am Gaumen. Doch genau dieser Touch verschwand dann mit der Belüftung. Der Riesling wurde immer mineraler und gewann an Präzision. Unterm Strich ist das ein Vorzeige-GG-Riesling. Er ist elegant, zurückhaltend, zeigt frische Noten und auch einen kühlen Touch. Das absolute Gegenstück zu den ausladend barocken und doch mittlerweile sehr müden 2006ern, die Botrytis besitzen und wenig Trinkfluss besitzen. Auch am zweiten Tag schwebt der Wein auf seiner eleganten Schiene, bleibt jung. Das ist nicht nur ein gelungener 2006er Riesling, sondern ein Wein bei dem ich gerne noch nach einer weiteren Flasche Ausschau halte. Denn Potenzial für 5 weitere Jahre sehe ich bei guter Lagerung zweifelsfrei. Hier wurde das volle Potenzial des Jahrgangs ausgeschöpft!


 

Lage: Hubacker

Ort: Dalsheim

Größe: 35 ha, davon 4 ha im Besitz

Exposition: S bis S-O, 25-30%ige Neigung des 4ha großen Hangteils

Böden: Tonmergel und Kalkstein

getrunken im Februar 2016, aus dem Zato Universalglas

 
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