Rheinhessen: Keller Riesling Hubacker 2006 GG

•Februar 7, 2016 • Hinterlasse einen Kommentar

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2006 war kein leichter Jahrgang in Deutschland. Besonders die trockenen Rieslinge konnten nur unter erschwerten Bedingungen erzeugt werden. Warum und feucht im Herbst, eine sich schnell ausbreitende Fäulnis und dadurch rasche Ernte. Viele trockene Weine kämpfen mit der Botrytis, einige sind sehr früh gereift oder bei späterer Lese dann enorm barock geraten. Kurzum: 2006 ist kein großer Jahrgang. Dementsprechend wurde er auch rasch herabgestuft. 10 Jahre später kann man über die damals erzeugten Großen Gewächse schon mal abschließend urteilen. Ich kenne ehrlich gesagt nicht viele GGs aus 2006, die mich emotional gepackt haben und die ich als extrem gut einschätze. Ich bin also an den kürzlich verkosteten Hubacker 2006 nur mit einer geringen Erwartung herangegangen. Was dann im Glas landete hat mich enorm überrascht und so möchte ich sagen, dass dieser Hubacker 2006 einen kleinen Phoenix aus der Asche verkörpert. Denn ich habe ihn über die Jahre mehrmals probieren können, doch so herausragend wie aktuell hat er sich noch nie präsentiert! Er zählt für mich zu den ganz großen trockenen Rieslingen des Jahres.

Erstaunlich war hierbei die Jugendlichkeit des Weines. Intensiv hellgold strahlend, sogar noch dezent grüne Reflexe zeigend, ließ der Wein gar keine Anzeichen von Reife vermuten. Auch im Bouquet strahlte eine herrliche Frische entgegen. Etwas Feuerstein-Touch, noch knackige Birne, auch Zitrone und ein insgesamt würziger Charakter. Aber im Prinzip war der Wein in der Nase noch verschlossen. Am Gaumen dann eine sehr fest verwobene Säure, kräftiger Körper und äußerste Ruhe ausstrahlende Art. Der Hubacker zeigt die ersten 30 Minuten gelbe Frucht, so wie es besonders in 2007 und 2005 der Fall ist, nur eben nicht so extrem ausgeprägt. Es ist eigentlich eine Note, die ich im Riesling nicht so sehr mag, denn der Wein wirkt dann schnell süßlich am Gaumen. Doch genau dieser Touch verschwand dann mit der Belüftung. Der Riesling wurde immer mineraler und gewann an Präzision. Unterm Strich ist das ein Vorzeige-GG-Riesling. Er ist elegant, zurückhaltend, zeigt frische Noten und auch einen kühlen Touch. Das absolute Gegenstück zu den ausladend barocken und doch mittlerweile sehr müden 2006ern, die Botrytis besitzen und wenig Trinkfluss besitzen. Auch am zweiten Tag schwebt der Wein auf seiner eleganten Schiene, bleibt jung. Das ist nicht nur ein gelungener 2006er Riesling, sondern ein Wein bei dem ich gerne noch nach einer weiteren Flasche Ausschau halte. Denn Potenzial für 5 weitere Jahre sehe ich bei guter Lagerung zweifelsfrei. Hier wurde das volle Potenzial des Jahrgangs ausgeschöpft!


 

Lage: Hubacker

Ort: Dalsheim

Größe: 35 ha, davon 4 ha im Besitz

Exposition: S bis S-O, 25-30%ige Neigung des 4ha großen Hangteils

Böden: Tonmergel und Kalkstein

getrunken im Februar 2016, aus dem Zato Universalglas

Fürst: Spätburgunder Hundsrück 2013 und Centgrafenberg 2010

•Dezember 17, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Babymord aus Neugier: Zwei Meditationsweine, ohne Frage. Wer hier Burgund riecht, soll abhauen. Das hat rein nichts damit zu tun. Wir sprechen fränkisch! 2x Buntsandstein-Terroir vom Feinsten und so unterschiedlich. Selten wurde mir der Unterschied im Sinne Grand Cru vs. 1er Cru so bewusst. Denn der Hundsrück spielt einfach in einer anderen Liga und wurde nich umsonst bester Spätburgunder im Gault Millau. Doch zunächst zum Centgrafenberg, einer meiner Lieblingspinots von Fürst. Aus dem Knallerjahr 2010 (nur auf Rotwein bezogen). Zunächst sehr laktisch und reduktiv. Rahm, Sauerkirschjoghurt, geröstete Kakaobohnen. Dann kam eine Spur ’sous bois’ hinzu, besonders Champignons. An der Grenze zu pilzigen Noten einer regnerischen Lese. Dann blühte der Eleganzwein auf. Am Gaumen gibt es kein Tannin, dafür Säure und die gliedert den Wein gnadenlos gut ein. Mineral, karg und doch vielschichtig. Ein Pinot mit Tiefgang. Nicht zu strukturbetont aber dafür sehr elegant ohne auf der kühlfruchtigen Art zu schweben. Das hat Charakter, hat Stil, hat wenig mit Burgund zu tun, ist aber fein. Dann der Hundsrück 2013. Oh, mein Gott! Der Wein singt direkt aus der Flasche. Bisschen Dekantierzeit und schon dreht er gnadenlos auf. Hier steckt so viel mehr klare Frucht drin. Himbeere, Nelke und ein LKW voll welker Rosenblätter. Dann Cassis, etwas nasse Rinde, auch Amarena und Hagebutte. Am Gaumen ist dann endlich die Struktur da, die dem Centi zum perfekten Pinot gefehlt haben. Kräftiges Tanningerüst aber alles samtig fein. Gute, reife Säure, saubere Frucht. Tolle Balance, Finesse, rattenscharfes Bouquet. Diesen Wein möchte ich in 10 Jahren nochmals im Glas haben und das werde ich! Garantiert. Ganz großes Pinot-Kino aus Franken. Einer der feinsten Spätburgunder, die ich aus 2013 kenne. Die Große-Gewächs-Präsentation in Wiesbaden hat’s gezeigt und diese Flasche hat’s erneut bestätigt.

 

Trinkempfehlung:

Spätburgunder Centgrafenberg, 2010, GG: 2017-2020

Spätburgunder Hundsrück 2013, GG: 2015, dann wieder 2022-2028

Mario Scheuermann † 2015

•Dezember 3, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

Nachruf – Mario Scheuermann im Weinwisser

Barolo: Zu Gast bei Giacomo Conterno

•November 23, 2015 • 2 Kommentare

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Zeitlich komme ich leider nicht dazu, ausführlich von diesem faszinierenden Weingutsbesuch zu berichten. Die Bilder möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten.

 

 

 

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Mariage Frères – Tamaryokucha

•November 21, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Tamaryokucha bedeutet übersetzt so viel wie Jade-Grün-Tee. Ein geschmacklich wichtiges Element des Tees ist die Tatsache, dass die Blätter gut drei Wochen vor der Ernte abgedeckt werden. Er wird bei der Herstellung in eisernen Trommeln gewälzt, die von Dampf durchströmt werden. Anders als ein Sencha-Tee, wird er noch in der Trommel getrocknet, weshalb die Blätter nicht gerollt daherkommen, sondern eher gekräuselt.

Er leuchtet Smaragdgrün in der Tasse. Je nach Intensität erscheint er fast schon neonfarben.

Empfohlene Zubereitungsart:

Tee: Tamaryokucha, Japan

Produzent: Mariage Frères, Paris

Dosis: ca. 18-20g/l

Ziehzeit: 2min.

Temperatur: 70 Grad beim 1. Aufguss, bis 80 Grad beim 2. Aufguss

 

Weinempfehlung in der EFFILEE

•November 19, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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In der Printausgabe der Effilee empfehle ich regelmäßig Weine. Diesmal stelle ich einen Müller-Thurgau (im Ernst!) vor. Er stammt von Stefan Vetter aus Franken. Fairerweise muss man zugeben, dass ich den Wein nicht selbst entdeckt habe. Er wurde mir von Billy Wagner im Berliner Nobelhart & Schmutzig serviert. Was mich dazu bewogen hat, einen Müller-Thurgau vorzustellen, lest ihr in der gerade erschienenen Winterausgabe #35 der Effilee.

Weinwisser: Artikel zur Trierer Weinversteigerung 2015

•November 1, 2015 • 3 Kommentare

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In der Oktoberausgabe des Weinwisser.org berichte ich auf drei Seiten über die 128. Versteigerung des Großen Rings. Im Fokus stand der Jahrgang 2014 und die 2003er Scharzhofberger Trockenbeerenauslese von Egon Müller, die mit dem legendären Gebot von 12.000€ versteigert wurde. Die aktuellste Ausgabe des Weinwissers ist gerade erschienen. Mein Artikel enthält eine Einschätzung zum Jahrgang 2014 an Mosel, Saar und Ruwer sowie sämtliche Verkostungsnotizen und Bewertungen der versteigerten Weine inklusive Übersicht zu den erzielten Preisen.

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