Barbera d’Alba: Giacomo Conterno, 2008

•November 20, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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Einstimmung auf „Meiningers Finest100“ am kommenden Dienstag mit dem Barbera d’Alba von Giacomo Conterno. Aus 2008. Ich habe den Jahrgang jetzt über 3 Jahre verfolgt, immer an Weihnachten getrunken. Der Wein war alljährlich ein Genuss und wird immer feiner. Giacomo Conterno bleibt mein Lieblingserzeuger im Piemont, dahinter knapp gefolgt Rinaldi und die beiden Mascarellos. Aber im Gesamtkontext ist Conterno was Müller für den Scharzhofberg ist oder Jean Louis Chave für den Hermitage. Mir gefällt auch immer sein Barbera. Dieser ist in der tat kein urtipischer Barbera. Aus dieser Rebsorte wird das maximal mögliche Potenzial herausgeholt. In 2008 ist es die Eleganz, die mich begeistert. Immer Sauerkirsche, etwas Joghurt, eine Finesse und Ausgewogenheit besonderer Güte. Der Wein summt im Glas, baut Druck auf und hat ganz feines Tannin, niemals austrocknend. Bei aller alkoholischen Schwere zeigt sich diese nicht am Gaumen. Toller Barbera mit dem typischen Kirschkernaroma und einer feinen Würzigkeit. Und ich werde ihn auch nächstes Weihnachten verfolgen, denn der geht noch einige Jahre weiter.

getrunken aus dem Zalto Burgunderglas, 2014-2019, 92+ Punkte

 

Montepulciano d’Abruzzo Teil 2: Zu Gast bei Emidio Pepe

•September 25, 2016 • 1 Kommentar

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Gastartikel von C. Strauss

Um von der Anteprima Montepulciano d’Abruzzo in Chieti zu einem der Leuchttürme der Weinbauregion Abruzzen zu gelangen, bedurfte es schon ein wenig mehr Durchhaltevermögen. Da war der dichte Urlaubsverkehr auf der Autostrada A 14 zu Beginn noch harmlos. Abgefahren in Teramo ging es für eine gefühlte halbe Ewigkeit auf kurvigen Landstraßen über Stock und Stein. Die am Fenster vorbeiziehende hügelig-pittoresk Schönheit der Landschaft zwischen Gran Sasso und Maiella half die kaum vorhandene Federung des Minibusses etwas auszublenden. Angekommen, und von der bewegten Fahrt ein wenig benommen, empfing uns sogleich die junge Chiara De Iulis Pepe, Enkelin von Emidio Pepe, auf der riesigen und einladend schön angelegten Terrasse des Weinguts. In eloquent gestikulierender Manier erzählte sie uns zur Beginn der Führung die Geschichte vom Anfang des Weinguts, als ihr Großvater im Jahr 1964 begann aus regionaltypischen Rebsorten wie Montepulciano und Trebbiano reinsortige Weine zu produzieren. Schon damals bevorzugte Emidio Pepe die klassische Pergola als Erziehungsmethode, die in dieser Zeit in Abruzzen nicht mehr all zu oft praktiziert wurde. Auch die eigentliche Arbeit im Weinberg läuft schon seit den 1960er Jahren unverändert nach biodynamischen Richtlinien ab. Wobei erst seit 2006 in zertifizierter Form.

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Direkt unterhalb der schon erwähnten Terrasse befindet sich das Herzstück des Weinguts: Der Keller. Im Keller angekommen machte uns Chiara auf das offensichtliche, aber von mir nicht sofort bemerkte, aufmerksam. Holz hat es im Keller von Emidio Pepe schwer. Abgesehen von den unterschiedlichen Presszubern (Weißweine per Fuss und der Rotwein per ungewöhnlicher Handpressung und Korbpresse, siehe Fotos), ist Holz im Keller von Pepe nicht aufzufinden. Alle Weine werden in mit Glas ausgekleideten Zementtanks vergoren und ausgebaut. Zielsetzung dabei ist es die pure und unverfälschte Ausdruckskraft der jeweiligen Rebsorte auf die Flasche zu bringen. Im Schnitt wird der Rotwein aus Montepulciano für 2 Jahre im Zement gereift. Der Trebbiano und der Pecorino für ca. 1 Jahr. Was das Thema der Schwefelung angeht, berichtete uns Chiara, dass je nach Jahrgang und Wein geschwefelt wird. Dies aber nur sehr moderat und so wenig wie absolut nötig (bis max. 40 mg/l). Da mir dieses oft kontrovers diskutierte Thema im allgemeinen nicht so am Herzen liegt, wendete ich mich für einen kurzen Moment von unserer kompetenten Führerin ab um einige Fotos vom Keller zu machen. Da sah ich auf einmal im Hintergrund einen sommerlich- leger gekleideten älteren Herrn mit Mütze zwischen den Betontanks vorbeihuschen. Einen Herrn der mir von so manchen Fotografien aus der einschlägigen internationalen Weinpresse bekannt war. Mir war fast so, als ob er selbst der Führung durch seinen Keller ein wenig lauschte.

Bevor es ans Verkosten einiger Weine ging, machten wir noch einen kleinen Abstecher zum eigentlichen Eye-Catcher des Weinguts: dem Flaschenlager. Hier lagern abertausende Flaschen, die bis in die Anfangszeit des Weinguts in der Mitte der 1960er Jahre zurückreichen. Dort, die überwältigenden Eindrücke der schieren Anzahl von Flaschen und deren einzigartigen Präsentation verarbeitend, begrüßte uns nun schließlich Emidio Pepe selbst auch ganz offiziell. Wenn ich behaupten würde das der mittlerweile 84 jährige auf mich einen noch rüstigen und recht wachen Eindruck machte, wäre das wohl eine glatte Untertreibung. Ich denke das Foto spricht für sich selbst.

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Mit unseren beiden Gastgebern die Treppe zur Terrasse wieder emporgestiegen, ging es nun in den beeindruckend großen Verkostungssaal zu einer wahrlichen Zelebrierung der Degustation. Zelebrierung deswegen, weil die Präsentation kaum durchdachter und andächtiger hätte ablaufen können. Die Spannung im Raum war mit Händen zu Greifen. Den Beginn machte der Trebbiano d’Abruzzo DOC 2013. Sein ganz leicht grün schimmerndes intensives Gelb überraschte mich ein wenig ob seiner satten Farbe. In der Nase zeigten sich Aromen, die mich an Holunder, Ingwer,
etwas unreife Grapefruit, weisse Blüten und getrocknetes Heu erinnerten. Daneben zeigte sich eine etwas streng wirkende salzig-mineralische Prägung, die dem Wein gewisse und meines Erachtens eine sehr gelungene Ernsthaftigkeit verlieh. Am Gaumen war der noch junge Wein sehr straff, beeindruckend kantig, leicht gerbstoffig, dicht, komplex und kaum von Frucht getragen. Aromen von Grünem Tee, Ingwer, weissen Blüten, Heu und verhaltene Grapefruit standen im Vordergrund. Seine prägnante Salzigkeit setzte sich am Gaumen natürlich wesentlich greifbarer fort. Mein Gesamteindruck vom eigentlichen Körper war für einen Trebbiano überraschend. Leicht, dabei überzeugend dicht, schlank und belebend frisch mögen es ganz gut treffen. Dabei dürfte die raffinierte und knackige Säure zu einem großen Anteil verantwortlich sein. Ein Trebbiano ohne mollig-breit anmutende Verwaschenheit oder gar alkoholischer Schwere. Im Moment sicherlich noch recht schüchtern. In wenigen Jahren dürfte dieser Trebbiano von Emidio Pepe jedoch viel Vergnügen bereiten.

Als nächstes folgte das jüngste Mitglied in der Weinfamilie von Pepe. Erst seit 2010 wird der Pecorino auf die Flasche gebracht. Verkostet wurde der Pecorino Colli Aprutini IGT 2014. Dieser erschien mir noch etwas farbintensiver als der Trebbiano. Seine Nase war pecorino-typisch füllig, fruchtgetragen und sehr direkt draufgängerisch. Eine gewisse florale Note zeigte er sicherlich ebenfalls. Am Gaumen setzte sich seine entschlossene und füllig, leicht wärmend anmutende, Art fort. Die nicht geizenden Aromen von weißen Früchten, Geißblatt und etwas Heu standen im Vordergrund. Im Vergleich zum Trebbiano war dieser viel offener und jetzt schon von Spaß erfüllt. Der Pecorino kam für mich an die Komplexität und Tiefe des Trebbiano sicherlich nicht ran. Doch für einen Wein aus dieser in Italien immer modischer werdenden Rebsorte, und das auch noch von sehr jungen Reben, zeigte er sich sehr beachtlich. Ich bin gespannt, wie der Wein sein wird, wenn die Reben etwas mehr Lebenserfahrung haben.

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Zum Abschluss gab es dann noch den Montepulciano d’Abruzzo DOC 2001. Dieser spielte nochmal in einer ganz anderen Liga. Seine Farbe erschien am Rand etwas ziegelig, zeigte sich im Kern aber sehr satt und farbintensiv. Seine Nase präsentierte sich zwar ein wenig ländlich- bodenständig aber auch bestechen elegant. Düfte von feinem Rauch, Blut, dunklen Kirschen, einer Spur Eukalyptus, Leder, nicht wenig laubiges Unterholz, etwas durchaus passender Mist und fein integrierende Pilze erfüllten mein Glas mit beeindruckender Komplexität. Das ganze wirkte in sich ruhend, straff, wunderbar schlank, schon reichlich balanciert und sehr kühl. Am Gaumen zeigte seine fast schon gewaltige Struktur und Dichte sein volles Ausmaß. Dies alles ohne fett, alkoholisch oder in irgend einer weise warm zu wirken. Ja, irgendwie wirkte er schon fast trinkig. Auf sehr hohem Niveau versteht sich. Sein Tannin zeigte sich immer noch sehr knackig-hart. Laut Chiara werden die Montepulcianos ab einem Alter von 10 bis 15 Jahren erst so langsam zugänglich. Doch ins Gesamtbild passte diese gewisse Härte schon sehr gut. Die Säure des Montepulciano wirkte super frisch, raffiniert, lebendig und harmonisierend. Die eigentlichen Aromen waren geprägt von nicht ganz schwarzen Kirschen, etwas rote Johannisbeere, Blut, Rauch, vielleicht Holzkohle, Erde, Leder, Brotkruste, einer Spur Lakritze sowie einem Hauch von Orangenschalen. Alle Aromen wirkten sehr klar und stimmig. Ich mache es kurz: ein schlichtweg großartiger und sehr eigenständiger Rotwein, der sich einen Platz in der Mitte der italienischen Spitzenweine wahrlich verdient hat.

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In den Minibus wieder eingestiegen und losgefahren realisierte ich so langsam, dass dieser Weingutsbesuch etwas nicht Alltägliches war. Da bleibt so manches hängen! So war es auch nicht ganz verwunderlich, dass sowohl Kurven als auch Federung auf der Rückfahrt über die gleichen Stöcke und gleichen Steine nicht annähernd so anstrengend und langweilig waren als auf der Hinfahrt.

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Emrich-Schönleber, Riesling Halenberg 2012, Großes Gewächs

•September 18, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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Halenberg 2012 von Frank Schönleber. Für mich immer einer der Pflichtkäufe unter den Riesling-GGs. In der Jugend und eben bei der Präsentation oft unscheinbar, schüchtern und zurückhaltend. Aber mit der Reife dann nahezu immer erste Reihe. Das 2012er GG zeigt was für ein wunderabrer Jahrgang 2012 sein konnte. Der Wein erinnert mich an Rilkes „Der Panther“. Die ganze Schönheit dieses Wesens versucht einzufangen aber im Prinzip fühlt er sich aktuell noch gefangen, ist nicht wie auf der freien Wildbahn. Der 2012er ist jetzt in einer schönen Phase bevor er wohl wieder verschließt. Aber wer z.b. den gigantischen 2004er mal getrunken hat weiß, dass der Wein für die lange Strecke gedacht ist. Schönes Bouquet, sehr präsent aber doch eher verwoben. Etwas grüne Mandarine, viel Salbei und ein Schuss Minze. Dann eine nicht ganz reif-saftige Nektarine und Salzwasserinfusion. Das Bouquet ist allgemein eher würzig und mineralisch als fruchtig. Man merkt die perfekte Reife des Jahrgangs nicht in Form einer gelblichen Frucht, sondern viel mehr in den perfekten Proportionen des Weins. Am Gaumen geradlinig, puristisch, von einer perfekten Säure getrieben die aber reif wirkt. Das ist knackig und fein balanciert, fast kristallin und eben eine innere Ruhe ausstrahlend. Halenberg 2012. Kurz doppeldekantiert und dann 3 Stunden im Kühlschrank ruhen gelassen. Wird in 4-5 Jahren ankommen aber nie so richtig auf der Erde landen. Schwebt. Ein großartiges, knochentrocken daherkommendes Großes Gewächs.

 

Weinwisser: Riesling Kabinett – eine Kategorie für sich

•August 29, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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Dass der Riesling Kabinett eine Kategorie für sich ist und dabei extrem vielfältig aus­fallen kann, ist hinlänglich bekannt. Klassischerweise handelt es sich um einen Leichtwein, der mit Finesse, Rasse und verspielter Frucht viel Trinkfreude bereitet. Im Juni waren 12 Verkoster auf der Suche nach dem perfekten Riesling Kabinett des Jahrgangs 2015. Auch wenn die Farbpalette dieser Prädikatskategorie bunt er­ scheint, gab es trotzdem einen klaren Favoriten. In der Augustausgabe des Weinwisser finden Leser daher meinen Artikel über den Berlin-RieslingkabinettCup. Als Auszug gibt es hier schon mal die Top 3 der Jury:

 

2015 Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, Max Ferd. Richter, Mosel: Unglaublich, welch Ausstrahlung dieser Kabinett besitzt. Er kam in der Blindverkostung zur Mitte der Verkostung und konnte seinen Platz bis zum Ende verteidigen. Er setzte damit die Benchmark! Er zeigt ein komplexes Bouquet, leicht rauchig, von der Spontanvergärung geprägt. Dahinter klemmt sich Bratapfel und ein Hauch von Waldmeister. Am Gaumen ist der Kabinett kräftig, vielschichtig und ausgesprochen ausgereift, ohne eben an Spannung zu verlieren. Er baut enormen Druck am Gaumen auf, hallt lange nach und zeigt eine stahlige Säure, die ihm seine Frische verleiht. Besitzt die perfekten Proportionen. 17+/20 2016 – 2040

2015 Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, Schloss Lieser, Mosel: Das Weingut hat erst kürzlich Parzellen dieser legendären Lage erworben. Die fein ziselierte Frucht, die Filigranität und Verspieltheit der von Eleganz geprägten Weine, welche die Sonnenuhr hervorbringt, kommt hier bestens zur Geltung. Im Bouquet noch etwas vom Schwefel geprägt, dahinter reife Aprikose und saftige Nektarine, etwas weisse Blüten. Am Gaumen ausdrucksstark. Zunächst nimmt die Süsse überhand, dann dröselt sich alles ganz fein auf und die Nuancen kommen zur Geltung. Super austarierte Säure, viel Zitrusfrucht, etwas Ahornsiruparomatik, vermutlich durch einen ganz geringen Botrytisanteil. Es ist ein dickerer Kabinett, aber einer mit guten Proportionen. Wird Zeit benötigen. 16/20 2017 – 2040

2015 Saar-Riesling Kabinett, Von Hövel, Mosel: Das ist schon eine kleine Sensation für sich. Denn das ist ein Basis-Kabinett des Hauses, hinter dem eine hohe Flaschenproduktion steht. Und trotzdem konnte er enorm überzeugen. Wirkt im Bouquet noch etwas reduktiv, hat ebenfalls Bratapfelaromen, jedoch fällt er insgesamt sehr floral und verspielt aus. Feiner Kabinett, der nicht zu süss daherkommt, in bestem Sinne «kabinettig». Die feine und vibrierende Säure hält lange bis zum Ausklang an und verleiht ihm das Prädikat «federleicht». 17/20 2016 – 2030

 

Der Kabinett­Cup 2015:

Der Berliner Kabinett-Cup ist eine von Martin Zwick initiierte Blindverkostung. Sie fand diesjährig zum vierten Mal statt. Dabei verkostet stets eine Jury aus Sommeliers, Journalisten, Fachhändlern und privaten Weinliebhabern und kürt den besten Wein des Jahres. 2016 wurden 42 Kabinette blind serviert. Die Weine werden in 2-er-Flights verkostet. Bei der Wertung wird stets die höchste und niedrigste Wertung der Runde gestrichen.

Benedikt Baltes: Klingenberger Spätburgunder R 2011

•August 24, 2016 • 2 Kommentare

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Sowas aber auch. Gestern habe ich mit meiner Frau diesen 11er Klingenberg von Benedikt Baltes geöffnet. Das erste Glas war wunderbar. Man spürt den Jahrgang, den Aufwand und die Herausforderungen in 2011. Der Spätburgunder R riecht nach Herzkirsche, leicht ätherisch. Aber dann kommt auch Brennessel dazu, etwas Fichtennadeln oder Harz. Wirkt sehr kühl und schlank. Feines Bouquet! Am Gaumen gut integrierte 13,5% vol. Kraft ja aber nicht ganz die Tiefe. Mich würde interessieren, was ich annehme, dass 2011 ein bisschen chaptalisiert werden musste. Mir gefällt der R sehr. Aromen von dunklen Waldbeeren, Herzkirsche und etwas Schlehe. Er ist wunderbar elegant und harmonisch, immer kühl im Kern und präzise.Das Tannin ist kaum präsent, der Wein sehr weich und die Säure bombastisch vibrierend, richtig knackig.Das ist vielleicht das einzige Manko meinerseits. Ich würde mir etwas mehr Struktur und Tannin wünschen. Nicht aromatische Tiefe, die hat der Wein absolut. Es geht mir mehr ums Mundgefühl. Trinkt sich jetzt wunderbar, sicher auch noch in 2-3 Jahren und auch vor ebensolcher Zeit. Richtig verschlossen hat sich der Wein nie. Ein beeindruckender Baltes und im Kontext der Entstehung wunderbarer Spätburgunder. Aber Baltes hat sich drastisch Jahrgang für Jahrgang gesteigert. Chapeau für den damals erst zweiten Jahrgang! Was mir am Wein gefällt: Über das Thema Holz muss man gar nicht erst reden. Und ein anderen Beweis für den Trinkfluss des Weins: Nach dem ersten Glas rief mich ein Freund an und wir haben fast 2 Stunden gequatscht. Als ich dann wieder aus dem Zimmer zurückkehrte fand ich nur noch eine leere Flasche und eine glückliche Trinkerin vor.

Comte Liger-Belair: Vosne-Romanée La Colombière 2011

•August 20, 2016 • Schreibe einen Kommentar

 

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Von manch Wein bereut man die letzte Flasche, auch wenn man schon ausreichend getrunken hat. Dieser aus dem kleinen Jahrgang 2011 stammende Lieu-dit Vosne-Romanée von Comtes Liger-Belair hat es in sich. Flasche Nummer 3, alle zu fairem Preis gehandelt, was eine Seltenheit ist. Der Wein war in der Jugend vor 2 Jahren fantastisch, kürzlich wieder sehr gut und hat nun 5 Jahre nach dem Jahrgang auch das neue Holz zu 100% abgelegt, also völlig weggeschmissen. Was da im Glas ist erinnert an eine Mischung aus Chambolle-Musigny meets Enderle&Moll meets Louis XV meets Bachs Orgelkonzerte. Ein aristokratischer Burgunder, ausgewachsen, in sich ruhend. Sowas von gar nicht reißerisch. Wunderbar purpur, leicht trüb. Die Nase ist angequetschte Sauerkirsche. Mit der Luft kommt frische Erde raus (Vosne-Romanée), etwas Kräuter (der Jahrgang) und eine bezaubernde Ätherik. Am Gaumen abgeschmolzenes Tannin, feine Säure, dunkle Beeren. Von solch einem Erzeuger erwartet man eine Wucht an Wein, einen erhobenen Zeigefinger. Doch das ist ein ganz leichter, fast schon süffiger Stoff, der völlig unbeschwert daherkommt. Und er wirkt dabei so unbeschwert und erfahren, so ausgereift, lässt sich durch nichts beeindrucken. Ein echter, großartiger Wein, wenn man ihn in den nächsten 2-3 Jahren trinkt. Diesmal übrigens sowohl im Riedel Sommeliers Fishbowl als auch Zalto Burgunderglas atemberaubend. Auch wenn das Riedel am Gaumen in der Finesse gewinnt. Er hat sehr gut zum „Sinn des Lebens“ von Monty Python gemundet.

 

93P, getrunken aus dem Riedel Sommeliers Grand Cru, zwischen 2016 bis 2020 austrinken, benötigt übrigens keine Karaffe

Ein Wein, zwei Gläser: Zalto vs. Riedel

•August 13, 2016 • 1 Kommentar

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Kleines Feierabendprojekt: Zwei Gläser, ein Wein. Sowohl Wein als auch Winzer sind mir gut bekannt, mehrfach im Burgund besucht. Einer meiner Lieblinge. Und dann probiert man den Wein aus verschiedenen (bekannten) Gläsern und erkennt ihn kaum wieder.

 
Riedel Sommeliers, Grand Cru:
Das Fishbowlglas könnte eine ganze Flasche vom Volumen fassen. Ich finde es visuell ein wenig albern und auch ob der Proportionen halt ichs nicht für den größten ästhetischen Wurf. Aber sensorisch eine Granate, hier für diesen Wein. Der Marsannay duftet wunderbar fein, ätherisch, auch ein bisschen verwaschen. Es ist ein kompletter Duft, den man da wahrnimmt und doch entwickelt sich das. Man kann kaum aufhören daran zu riechen. Das Glas benötigt allerdings einen guten Füllstand von 0,2. Mit einem Probeschluck kann mans vergessen. Am Gaumen wirkt auch alles harmonisch, der Wein ist so schwebend und „burgundisch“. Das Tannin fein, viel Sauerkirsche, gut integrierte Säure. Wirkt jetzt trinkreif und zugänglich. Ich entdecke immer wieder Facetten, auch wenn der Wein etwas verwaschen daherkommt. Aber er wirkt so einzigartig schwebend am Gaumen.

Zalto, Burgunderglas:
Ein beliebtes Glas bei mir, permanent im Einsatz. Die gebündeltere Nase bringt etwas mehr den Alkohol bei höherer Temperatur zur Geltung, ohne ihn zu übersteuern. Aber das Bouquet ist sehr kompakt, engmaschiger und der Wein aber trotzdem feiner aufgedröselt. Ich nehme mehr die einzelnen Komponente wahr als das Gesamtbild wie beim Riedel. Der Wein wirkt auch intensiver, die würzigen Aromen sind etwas präsenter. Am Gaumen dann der krasse Unterschied. Der Marsannay von Sylvain ist noch jugendlich, das Tannin präsent und zupackend. Der Wein hat so viel mehr Wucht und Potenzialcharakter. Dafür nehme ich die Salzigkeit mehr wahr und vielleicht das, was man als mineralisch im Wein bezeichnen würde und sogar mehr Sous-Bois. Der Pinot ist prägnanter in der Säure, zeigt im Abgang eine leichte Verkürzung, vielleicht die einzige Schwäche des wunderbaren Pinots?

Ich bin mir noch nicht sicher, welches Glas aktuell für den Wein schöner ist. Das Riedel für den Trinkgenuss und das Zalto zur Analyse? Es ist auch ein wenig so, als ob man mit dem Zalto den Pinot mit der Lupe betrachten würde und mit dem Riedel-Pokal mehr aus der Entfernung und im Gesamtkontext sieht. Beide arbeiten sehr gut die Reife des Jahrgangs und die Konzentration heraus. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass der „Riedel-Pokal“ schnell mal einen einfacheren Wein versenken kann, der kommt dann gar nicht aus dem Glas heraus. Das Zalto ist manchmal zu gnadenlos. Ich nutze noch das Riedel Veritas Burgunderglas gelegentlich. Das ist dann meist ein guter Kompromiss, auch wenn das Glas nicht so detailgetreu ist. Aber es ist eben immer wieder faszinierend einen Wein aus neuen Facetten kennenzulernen und zu betrachten. Nur 3 Gläser an einem Abend zu spülen muss ja auch nicht sein…

 
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