Montepulciano d’Abruzzo Teil 2: Zu Gast bei Emidio Pepe

•September 25, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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Gastartikel von C. Strauss

Um von der Anteprima Montepulciano d’Abruzzo in Chieti zu einem der Leuchttürme der Weinbauregion Abruzzen zu gelangen, bedurfte es schon ein wenig mehr Durchhaltevermögen. Da war der dichte Urlaubsverkehr auf der Autostrada A 14 zu Beginn noch harmlos. Abgefahren in Teramo ging es für eine gefühlte halbe Ewigkeit auf kurvigen Landstraßen über Stock und Stein. Die am Fenster vorbeiziehende hügelig-pittoresk Schönheit der Landschaft zwischen Gran Sasso und Maiella half die kaum vorhandene Federung des Minibusses etwas auszublenden. Angekommen, und von der bewegten Fahrt ein wenig benommen, empfing uns sogleich die junge Chiara De Iulis Pepe, Enkelin von Emidio Pepe, auf der riesigen und einladend schön angelegten Terrasse des Weinguts. In eloquent gestikulierender Manier erzählte sie uns zur Beginn der Führung die Geschichte vom Anfang des Weinguts, als ihr Großvater im Jahr 1964 begann aus regionaltypischen Rebsorten wie Montepulciano und Trebbiano reinsortige Weine zu produzieren. Schon damals bevorzugte Emidio Pepe die klassische Pergola als Erziehungsmethode, die in dieser Zeit in Abruzzen nicht mehr all zu oft praktiziert wurde. Auch die eigentliche Arbeit im Weinberg läuft schon seit den 1960er Jahren unverändert nach biodynamischen Richtlinien ab. Wobei erst seit 2006 in zertifizierter Form.

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Direkt unterhalb der schon erwähnten Terrasse befindet sich das Herzstück des Weinguts: Der Keller. Im Keller angekommen machte uns Chiara auf das offensichtliche, aber von mir nicht sofort bemerkte, aufmerksam. Holz hat es im Keller von Emidio Pepe schwer. Abgesehen von den unterschiedlichen Presszubern (Weißweine per Fuss und der Rotwein per ungewöhnlicher Handpressung und Korbpresse, siehe Fotos), ist Holz im Keller von Pepe nicht aufzufinden. Alle Weine werden in mit Glas ausgekleideten Zementtanks vergoren und ausgebaut. Zielsetzung dabei ist es die pure und unverfälschte Ausdruckskraft der jeweiligen Rebsorte auf die Flasche zu bringen. Im Schnitt wird der Rotwein aus Montepulciano für 2 Jahre im Zement gereift. Der Trebbiano und der Pecorino für ca. 1 Jahr. Was das Thema der Schwefelung angeht, berichtete uns Chiara, dass je nach Jahrgang und Wein geschwefelt wird. Dies aber nur sehr moderat und so wenig wie absolut nötig (bis max. 40 mg/l). Da mir dieses oft kontrovers diskutierte Thema im allgemeinen nicht so am Herzen liegt, wendete ich mich für einen kurzen Moment von unserer kompetenten Führerin ab um einige Fotos vom Keller zu machen. Da sah ich auf einmal im Hintergrund einen sommerlich- leger gekleideten älteren Herrn mit Mütze zwischen den Betontanks vorbeihuschen. Einen Herrn der mir von so manchen Fotografien aus der einschlägigen internationalen Weinpresse bekannt war. Mir war fast so, als ob er selbst der Führung durch seinen Keller ein wenig lauschte.

Bevor es ans Verkosten einiger Weine ging, machten wir noch einen kleinen Abstecher zum eigentlichen Eye-Catcher des Weinguts: dem Flaschenlager. Hier lagern abertausende Flaschen, die bis in die Anfangszeit des Weinguts in der Mitte der 1960er Jahre zurückreichen. Dort, die überwältigenden Eindrücke der schieren Anzahl von Flaschen und deren einzigartigen Präsentation verarbeitend, begrüßte uns nun schließlich Emidio Pepe selbst auch ganz offiziell. Wenn ich behaupten würde das der mittlerweile 84 jährige auf mich einen noch rüstigen und recht wachen Eindruck machte, wäre das wohl eine glatte Untertreibung. Ich denke das Foto spricht für sich selbst.

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Mit unseren beiden Gastgebern die Treppe zur Terrasse wieder emporgestiegen, ging es nun in den beeindruckend großen Verkostungssaal zu einer wahrlichen Zelebrierung der Degustation. Zelebrierung deswegen, weil die Präsentation kaum durchdachter und andächtiger hätte ablaufen können. Die Spannung im Raum war mit Händen zu Greifen. Den Beginn machte der Trebbiano d’Abruzzo DOC 2013. Sein ganz leicht grün schimmerndes intensives Gelb überraschte mich ein wenig ob seiner satten Farbe. In der Nase zeigten sich Aromen, die mich an Holunder, Ingwer,
etwas unreife Grapefruit, weisse Blüten und getrocknetes Heu erinnerten. Daneben zeigte sich eine etwas streng wirkende salzig-mineralische Prägung, die dem Wein gewisse und meines Erachtens eine sehr gelungene Ernsthaftigkeit verlieh. Am Gaumen war der noch junge Wein sehr straff, beeindruckend kantig, leicht gerbstoffig, dicht, komplex und kaum von Frucht getragen. Aromen von Grünem Tee, Ingwer, weissen Blüten, Heu und verhaltene Grapefruit standen im Vordergrund. Seine prägnante Salzigkeit setzte sich am Gaumen natürlich wesentlich greifbarer fort. Mein Gesamteindruck vom eigentlichen Körper war für einen Trebbiano überraschend. Leicht, dabei überzeugend dicht, schlank und belebend frisch mögen es ganz gut treffen. Dabei dürfte die raffinierte und knackige Säure zu einem großen Anteil verantwortlich sein. Ein Trebbiano ohne mollig-breit anmutende Verwaschenheit oder gar alkoholischer Schwere. Im Moment sicherlich noch recht schüchtern. In wenigen Jahren dürfte dieser Trebbiano von Emidio Pepe jedoch viel Vergnügen bereiten.

Als nächstes folgte das jüngste Mitglied in der Weinfamilie von Pepe. Erst seit 2010 wird der Pecorino auf die Flasche gebracht. Verkostet wurde der Pecorino Colli Aprutini IGT 2014. Dieser erschien mir noch etwas farbintensiver als der Trebbiano. Seine Nase war pecorino-typisch füllig, fruchtgetragen und sehr direkt draufgängerisch. Eine gewisse florale Note zeigte er sicherlich ebenfalls. Am Gaumen setzte sich seine entschlossene und füllig, leicht wärmend anmutende, Art fort. Die nicht geizenden Aromen von weißen Früchten, Geißblatt und etwas Heu standen im Vordergrund. Im Vergleich zum Trebbiano war dieser viel offener und jetzt schon von Spaß erfüllt. Der Pecorino kam für mich an die Komplexität und Tiefe des Trebbiano sicherlich nicht ran. Doch für einen Wein aus dieser in Italien immer modischer werdenden Rebsorte, und das auch noch von sehr jungen Reben, zeigte er sich sehr beachtlich. Ich bin gespannt, wie der Wein sein wird, wenn die Reben etwas mehr Lebenserfahrung haben.

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Zum Abschluss gab es dann noch den Montepulciano d’Abruzzo DOC 2001. Dieser spielte nochmal in einer ganz anderen Liga. Seine Farbe erschien am Rand etwas ziegelig, zeigte sich im Kern aber sehr satt und farbintensiv. Seine Nase präsentierte sich zwar ein wenig ländlich- bodenständig aber auch bestechen elegant. Düfte von feinem Rauch, Blut, dunklen Kirschen, einer Spur Eukalyptus, Leder, nicht wenig laubiges Unterholz, etwas durchaus passender Mist und fein integrierende Pilze erfüllten mein Glas mit beeindruckender Komplexität. Das ganze wirkte in sich ruhend, straff, wunderbar schlank, schon reichlich balanciert und sehr kühl. Am Gaumen zeigte seine fast schon gewaltige Struktur und Dichte sein volles Ausmaß. Dies alles ohne fett, alkoholisch oder in irgend einer weise warm zu wirken. Ja, irgendwie wirkte er schon fast trinkig. Auf sehr hohem Niveau versteht sich. Sein Tannin zeigte sich immer noch sehr knackig-hart. Laut Chiara werden die Montepulcianos ab einem Alter von 10 bis 15 Jahren erst so langsam zugänglich. Doch ins Gesamtbild passte diese gewisse Härte schon sehr gut. Die Säure des Montepulciano wirkte super frisch, raffiniert, lebendig und harmonisierend. Die eigentlichen Aromen waren geprägt von nicht ganz schwarzen Kirschen, etwas rote Johannisbeere, Blut, Rauch, vielleicht Holzkohle, Erde, Leder, Brotkruste, einer Spur Lakritze sowie einem Hauch von Orangenschalen. Alle Aromen wirkten sehr klar und stimmig. Ich mache es kurz: ein schlichtweg großartiger und sehr eigenständiger Rotwein, der sich einen Platz in der Mitte der italienischen Spitzenweine wahrlich verdient hat.

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In den Minibus wieder eingestiegen und losgefahren realisierte ich so langsam, dass dieser Weingutsbesuch etwas nicht Alltägliches war. Da bleibt so manches hängen! So war es auch nicht ganz verwunderlich, dass sowohl Kurven als auch Federung auf der Rückfahrt über die gleichen Stöcke und gleichen Steine nicht annähernd so anstrengend und langweilig waren als auf der Hinfahrt.

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Emrich-Schönleber, Riesling Halenberg 2012, Großes Gewächs

•September 18, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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Halenberg 2012 von Frank Schönleber. Für mich immer einer der Pflichtkäufe unter den Riesling-GGs. In der Jugend und eben bei der Präsentation oft unscheinbar, schüchtern und zurückhaltend. Aber mit der Reife dann nahezu immer erste Reihe. Das 2012er GG zeigt was für ein wunderabrer Jahrgang 2012 sein konnte. Der Wein erinnert mich an Rilkes „Der Panther“. Die ganze Schönheit dieses Wesens versucht einzufangen aber im Prinzip fühlt er sich aktuell noch gefangen, ist nicht wie auf der freien Wildbahn. Der 2012er ist jetzt in einer schönen Phase bevor er wohl wieder verschließt. Aber wer z.b. den gigantischen 2004er mal getrunken hat weiß, dass der Wein für die lange Strecke gedacht ist. Schönes Bouquet, sehr präsent aber doch eher verwoben. Etwas grüne Mandarine, viel Salbei und ein Schuss Minze. Dann eine nicht ganz reif-saftige Nektarine und Salzwasserinfusion. Das Bouquet ist allgemein eher würzig und mineralisch als fruchtig. Man merkt die perfekte Reife des Jahrgangs nicht in Form einer gelblichen Frucht, sondern viel mehr in den perfekten Proportionen des Weins. Am Gaumen geradlinig, puristisch, von einer perfekten Säure getrieben die aber reif wirkt. Das ist knackig und fein balanciert, fast kristallin und eben eine innere Ruhe ausstrahlend. Halenberg 2012. Kurz doppeldekantiert und dann 3 Stunden im Kühlschrank ruhen gelassen. Wird in 4-5 Jahren ankommen aber nie so richtig auf der Erde landen. Schwebt. Ein großartiges, knochentrocken daherkommendes Großes Gewächs.

 

Weinwisser: Riesling Kabinett – eine Kategorie für sich

•August 29, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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Dass der Riesling Kabinett eine Kategorie für sich ist und dabei extrem vielfältig aus­fallen kann, ist hinlänglich bekannt. Klassischerweise handelt es sich um einen Leichtwein, der mit Finesse, Rasse und verspielter Frucht viel Trinkfreude bereitet. Im Juni waren 12 Verkoster auf der Suche nach dem perfekten Riesling Kabinett des Jahrgangs 2015. Auch wenn die Farbpalette dieser Prädikatskategorie bunt er­ scheint, gab es trotzdem einen klaren Favoriten. In der Augustausgabe des Weinwisser finden Leser daher meinen Artikel über den Berlin-RieslingkabinettCup. Als Auszug gibt es hier schon mal die Top 3 der Jury:

 

2015 Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, Max Ferd. Richter, Mosel: Unglaublich, welch Ausstrahlung dieser Kabinett besitzt. Er kam in der Blindverkostung zur Mitte der Verkostung und konnte seinen Platz bis zum Ende verteidigen. Er setzte damit die Benchmark! Er zeigt ein komplexes Bouquet, leicht rauchig, von der Spontanvergärung geprägt. Dahinter klemmt sich Bratapfel und ein Hauch von Waldmeister. Am Gaumen ist der Kabinett kräftig, vielschichtig und ausgesprochen ausgereift, ohne eben an Spannung zu verlieren. Er baut enormen Druck am Gaumen auf, hallt lange nach und zeigt eine stahlige Säure, die ihm seine Frische verleiht. Besitzt die perfekten Proportionen. 17+/20 2016 – 2040

2015 Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, Schloss Lieser, Mosel: Das Weingut hat erst kürzlich Parzellen dieser legendären Lage erworben. Die fein ziselierte Frucht, die Filigranität und Verspieltheit der von Eleganz geprägten Weine, welche die Sonnenuhr hervorbringt, kommt hier bestens zur Geltung. Im Bouquet noch etwas vom Schwefel geprägt, dahinter reife Aprikose und saftige Nektarine, etwas weisse Blüten. Am Gaumen ausdrucksstark. Zunächst nimmt die Süsse überhand, dann dröselt sich alles ganz fein auf und die Nuancen kommen zur Geltung. Super austarierte Säure, viel Zitrusfrucht, etwas Ahornsiruparomatik, vermutlich durch einen ganz geringen Botrytisanteil. Es ist ein dickerer Kabinett, aber einer mit guten Proportionen. Wird Zeit benötigen. 16/20 2017 – 2040

2015 Saar-Riesling Kabinett, Von Hövel, Mosel: Das ist schon eine kleine Sensation für sich. Denn das ist ein Basis-Kabinett des Hauses, hinter dem eine hohe Flaschenproduktion steht. Und trotzdem konnte er enorm überzeugen. Wirkt im Bouquet noch etwas reduktiv, hat ebenfalls Bratapfelaromen, jedoch fällt er insgesamt sehr floral und verspielt aus. Feiner Kabinett, der nicht zu süss daherkommt, in bestem Sinne «kabinettig». Die feine und vibrierende Säure hält lange bis zum Ausklang an und verleiht ihm das Prädikat «federleicht». 17/20 2016 – 2030

 

Der Kabinett­Cup 2015:

Der Berliner Kabinett-Cup ist eine von Martin Zwick initiierte Blindverkostung. Sie fand diesjährig zum vierten Mal statt. Dabei verkostet stets eine Jury aus Sommeliers, Journalisten, Fachhändlern und privaten Weinliebhabern und kürt den besten Wein des Jahres. 2016 wurden 42 Kabinette blind serviert. Die Weine werden in 2-er-Flights verkostet. Bei der Wertung wird stets die höchste und niedrigste Wertung der Runde gestrichen.

Benedikt Baltes: Klingenberger Spätburgunder R 2011

•August 24, 2016 • 2 Kommentare

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Sowas aber auch. Gestern habe ich mit meiner Frau diesen 11er Klingenberg von Benedikt Baltes geöffnet. Das erste Glas war wunderbar. Man spürt den Jahrgang, den Aufwand und die Herausforderungen in 2011. Der Spätburgunder R riecht nach Herzkirsche, leicht ätherisch. Aber dann kommt auch Brennessel dazu, etwas Fichtennadeln oder Harz. Wirkt sehr kühl und schlank. Feines Bouquet! Am Gaumen gut integrierte 13,5% vol. Kraft ja aber nicht ganz die Tiefe. Mich würde interessieren, was ich annehme, dass 2011 ein bisschen chaptalisiert werden musste. Mir gefällt der R sehr. Aromen von dunklen Waldbeeren, Herzkirsche und etwas Schlehe. Er ist wunderbar elegant und harmonisch, immer kühl im Kern und präzise.Das Tannin ist kaum präsent, der Wein sehr weich und die Säure bombastisch vibrierend, richtig knackig.Das ist vielleicht das einzige Manko meinerseits. Ich würde mir etwas mehr Struktur und Tannin wünschen. Nicht aromatische Tiefe, die hat der Wein absolut. Es geht mir mehr ums Mundgefühl. Trinkt sich jetzt wunderbar, sicher auch noch in 2-3 Jahren und auch vor ebensolcher Zeit. Richtig verschlossen hat sich der Wein nie. Ein beeindruckender Baltes und im Kontext der Entstehung wunderbarer Spätburgunder. Aber Baltes hat sich drastisch Jahrgang für Jahrgang gesteigert. Chapeau für den damals erst zweiten Jahrgang! Was mir am Wein gefällt: Über das Thema Holz muss man gar nicht erst reden. Und ein anderen Beweis für den Trinkfluss des Weins: Nach dem ersten Glas rief mich ein Freund an und wir haben fast 2 Stunden gequatscht. Als ich dann wieder aus dem Zimmer zurückkehrte fand ich nur noch eine leere Flasche und eine glückliche Trinkerin vor.

Comte Liger-Belair: Vosne-Romanée La Colombière 2011

•August 20, 2016 • Schreibe einen Kommentar

 

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Von manch Wein bereut man die letzte Flasche, auch wenn man schon ausreichend getrunken hat. Dieser aus dem kleinen Jahrgang 2011 stammende Lieu-dit Vosne-Romanée von Comtes Liger-Belair hat es in sich. Flasche Nummer 3, alle zu fairem Preis gehandelt, was eine Seltenheit ist. Der Wein war in der Jugend vor 2 Jahren fantastisch, kürzlich wieder sehr gut und hat nun 5 Jahre nach dem Jahrgang auch das neue Holz zu 100% abgelegt, also völlig weggeschmissen. Was da im Glas ist erinnert an eine Mischung aus Chambolle-Musigny meets Enderle&Moll meets Louis XV meets Bachs Orgelkonzerte. Ein aristokratischer Burgunder, ausgewachsen, in sich ruhend. Sowas von gar nicht reißerisch. Wunderbar purpur, leicht trüb. Die Nase ist angequetschte Sauerkirsche. Mit der Luft kommt frische Erde raus (Vosne-Romanée), etwas Kräuter (der Jahrgang) und eine bezaubernde Ätherik. Am Gaumen abgeschmolzenes Tannin, feine Säure, dunkle Beeren. Von solch einem Erzeuger erwartet man eine Wucht an Wein, einen erhobenen Zeigefinger. Doch das ist ein ganz leichter, fast schon süffiger Stoff, der völlig unbeschwert daherkommt. Und er wirkt dabei so unbeschwert und erfahren, so ausgereift, lässt sich durch nichts beeindrucken. Ein echter, großartiger Wein, wenn man ihn in den nächsten 2-3 Jahren trinkt. Diesmal übrigens sowohl im Riedel Sommeliers Fishbowl als auch Zalto Burgunderglas atemberaubend. Auch wenn das Riedel am Gaumen in der Finesse gewinnt. Er hat sehr gut zum „Sinn des Lebens“ von Monty Python gemundet.

 

93P, getrunken aus dem Riedel Sommeliers Grand Cru, zwischen 2016 bis 2020 austrinken, benötigt übrigens keine Karaffe

Ein Wein, zwei Gläser: Zalto vs. Riedel

•August 13, 2016 • 1 Kommentar

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Kleines Feierabendprojekt: Zwei Gläser, ein Wein. Sowohl Wein als auch Winzer sind mir gut bekannt, mehrfach im Burgund besucht. Einer meiner Lieblinge. Und dann probiert man den Wein aus verschiedenen (bekannten) Gläsern und erkennt ihn kaum wieder.

 
Riedel Sommeliers, Grand Cru:
Das Fishbowlglas könnte eine ganze Flasche vom Volumen fassen. Ich finde es visuell ein wenig albern und auch ob der Proportionen halt ichs nicht für den größten ästhetischen Wurf. Aber sensorisch eine Granate, hier für diesen Wein. Der Marsannay duftet wunderbar fein, ätherisch, auch ein bisschen verwaschen. Es ist ein kompletter Duft, den man da wahrnimmt und doch entwickelt sich das. Man kann kaum aufhören daran zu riechen. Das Glas benötigt allerdings einen guten Füllstand von 0,2. Mit einem Probeschluck kann mans vergessen. Am Gaumen wirkt auch alles harmonisch, der Wein ist so schwebend und „burgundisch“. Das Tannin fein, viel Sauerkirsche, gut integrierte Säure. Wirkt jetzt trinkreif und zugänglich. Ich entdecke immer wieder Facetten, auch wenn der Wein etwas verwaschen daherkommt. Aber er wirkt so einzigartig schwebend am Gaumen.

Zalto, Burgunderglas:
Ein beliebtes Glas bei mir, permanent im Einsatz. Die gebündeltere Nase bringt etwas mehr den Alkohol bei höherer Temperatur zur Geltung, ohne ihn zu übersteuern. Aber das Bouquet ist sehr kompakt, engmaschiger und der Wein aber trotzdem feiner aufgedröselt. Ich nehme mehr die einzelnen Komponente wahr als das Gesamtbild wie beim Riedel. Der Wein wirkt auch intensiver, die würzigen Aromen sind etwas präsenter. Am Gaumen dann der krasse Unterschied. Der Marsannay von Sylvain ist noch jugendlich, das Tannin präsent und zupackend. Der Wein hat so viel mehr Wucht und Potenzialcharakter. Dafür nehme ich die Salzigkeit mehr wahr und vielleicht das, was man als mineralisch im Wein bezeichnen würde und sogar mehr Sous-Bois. Der Pinot ist prägnanter in der Säure, zeigt im Abgang eine leichte Verkürzung, vielleicht die einzige Schwäche des wunderbaren Pinots?

Ich bin mir noch nicht sicher, welches Glas aktuell für den Wein schöner ist. Das Riedel für den Trinkgenuss und das Zalto zur Analyse? Es ist auch ein wenig so, als ob man mit dem Zalto den Pinot mit der Lupe betrachten würde und mit dem Riedel-Pokal mehr aus der Entfernung und im Gesamtkontext sieht. Beide arbeiten sehr gut die Reife des Jahrgangs und die Konzentration heraus. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass der „Riedel-Pokal“ schnell mal einen einfacheren Wein versenken kann, der kommt dann gar nicht aus dem Glas heraus. Das Zalto ist manchmal zu gnadenlos. Ich nutze noch das Riedel Veritas Burgunderglas gelegentlich. Das ist dann meist ein guter Kompromiss, auch wenn das Glas nicht so detailgetreu ist. Aber es ist eben immer wieder faszinierend einen Wein aus neuen Facetten kennenzulernen und zu betrachten. Nur 3 Gläser an einem Abend zu spülen muss ja auch nicht sein…

Montepulciano d’Abruzzo Teil 1: Anteprima 2016 in Chieti

•August 8, 2016 • Schreibe einen Kommentar

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Gastartikel von C. Strauss

Dank einer Einladung zur diesjährigen Anteprima Montepulciano d’Abruzzo konnte ich mir einen sehr guten Überblick über Weine aus der autochtonen Rebsorte Montepulciano verschaffen. Weine, die es sonst auf meine To-Drink Liste eher seltener schaffen. Wer schon öfters mal ein Glas Montepulciano zu sich genommen hat, weiß, das viele dieser Weine zu viel Kraft, erstaunlich viel Extrakt und öfters auch zu recht ungestüm harten Tannin neigen. Die mag mag eine Erklärung sein, warum Montepulciano es bei mir eher schwer hatte. Das Montepulciano auch ganz anders kann werden wir im Verlauf meines kleinen Verkostungsberichtes noch sehen können. Zunächst aber zu einigen allgemeinen Informationen über Montepulciano.

Die eigentliche Herkunft von Montepulciano ist nicht eindeutig geklärt. Manche Quelle gehen zwar davon aus das er ursprünglich aus der gleichnamigen Stadt in der Toskana stammt. Doch diese Annahme ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Auch eine mögliche Verwandtschaft zu Sangiovese ist gleichermaßen ungeklärt und zum teil sogar heftig umstritten. Eines ist sicher. Heute wird in der noblen Region um das toskanische Montepulciano kein Montepulciano mehr angebaut. Am meisten verbreitet ist er heutzutage in der zentralitalienischen Provinz Abruzzen. Belegt ist seine dortige Anwesenheit aber erst ab dem 18. Jahrhundert. Zudem ist erwähnenswert, dass erst ab den 1950iger Jahren die heute so begehrten und stark kultivierten Hügellagen (bis auf eine Höhe von 500 m bzw. 600 m bei Südausrichtung) zwischen Adria und Hochgebirge so richtig in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangen konnten. In dieser Zone zwischen See und Bergen herrscht ein eher gemäßigtes Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 12° C vor. Die verbreitetsten Bodenformationen in dieser Region sind sowohl sandig als auch stark tonhaltig. In Abruzzen wird Montepulciano auf insgesamt ca. 19000 ha angebaut. Mittlerweile gibt es für Weine aus Montepulciano fünf DOC und eine DOCG. Darüber hinaus mit Cerasuolo d’Abruzzo auch eine DOC für Rosé aus welcher nicht selten ziemlich anspruchsvolle und charakterstarke Roséweine hervorgehen.

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Am letzten Juniwochenende stellten im Archäologischen Museum La Civtella in Chieti über 35 Weingüter ihre unterschiedlichen Montepulcianos des Jahrgangs 2013 vor. Der Jahrgang 2013 in den Abruzzen zeichnete sich durch unterdurchschnittlich niedere Temperaturen und teilweise recht kräftige Regenfälle die bis in den Juni hineinreichten aus. Im Schnitt verzögerte sich die Ernte im Jahr 2013, verglichen mit anderen Jahren, um 10 bis 15 Tage. Dieser durchschnittlich etwas kühlere Jahrgang machte sich auch bei vielen der verkosteten Weine bemerkbar. Die Alkoholwerte zeigten sich oft etwas niederer und die Balance zwischen Säure und pH Werten zeigte sich fast durchgängig wesentlich ausgeglichener. Insgesamt wirken viele 2013er oft wesentlich fruchtbetonter, weniger reichhaltig und ebenfalls weniger vor Kraft strotzend wie es in heißeren Jahren, welche auch in Abruzzen mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme sind, der Fall ist.

Auf meine zwölf Favoriten der Anteprima Montepulciano d’Abruzzo 2016 möchte ich nun etwas näher eingehen. Bei der Verkostung habe ich mich hauptsächlich auf die Flaggschiffe bzw. Riserva Weine der einzelnen Weingüter konzentriert. Alle Weine stammten von Reben die in klassifizierten DOC Gebieten, bzw. einem aus dem DOCG Gebiet Colline Teramane, kultiviert wurden. Ebenfalls stammten alle Weine, bis wiederum auf einen – den selben, aus dem Jahrgang 2013. Da sich während der Verkostung viele unterschiedliche Stilistiken gezeigt haben, möchte ich um in meiner kleinen Aufstellung ein wenig Struktur zu verleihen, die Weine in drei grobe Kategorien einteilen. Beginnen möchte ich mit den helleren, insgesamt durchgängig leichter wirkenden, weniger extrahierten, kühleren und teilweise fast schon etwas elegant wirkenden Montepulciano d’Abruzzo. Sozusagen die Weine, die eher gen relativer „Leichtigkeit“ tendierten.

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Als erstes ist mir der La Riserva del Vicario Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 von Vini Mastrangelo aufgefallen. Farblich zeigte dieser ein ganz leicht matt wirkendes Granatrot mit erstaunlich viel Transparenz. Seine Nase wirkte sehr frisch, recht elegant, ein wenig verspielt und dennoch sehr zurückgefahren und keinesfalls angeberisch. Am Gaumen zeigte er sich sehr leichtfüßig, fein strukturiert und für ein Montepulciano Riserva erwähnenswert schlank. Seine durch eine sehr lebendige Säure gestützte Frische und sein viel versprechendes leicht kantiges Tannin sollte ich nicht unterschlagen. Von Seiten der Aromen zeigten sich feine und mehrheitlich kühl wirkende Schwarzkirschen, trockene braune Erde, feine Noten von Karamell und sogar ein Hauch an Lakritze. Seine kräuterige Prägung erschien mir bis dato etwas schwach ausgeprägt. Insgesamt ein wohl abgestimmter und fein-strukturierter Montepulciano wie man ihn nicht all zu oft auffinden dürfte.

Ein weiterer eher zu Leichtigkeit neigender Wein war Il Feuduccio’s Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013. Dieser zeigte sich noch transparenter, sehr strahlend und rein farblich gesehen von einem klassischen Rubinrot geprägt. Seine Nase wirkte sehr schlank, ziemlich kühl, angenehm würzig, leicht erdig, sehr präzise, entschlossen ausdrucksstark und von weihnachtlichen Aromen wie Zimt, Marzipan, dazu etwas Blut und Eisen sowie von alkoholarm eingelegten Kirschen mit einer gewisse Zugabe an Waldbeeren geprägt. Am Gaumen wirkte er in der Tat bestechend elegant, kühl, sehr würzig, trotz seiner Schlankheit recht intensiv, ganz sicher dicht und mehrheitlich eher von helleren roten Beeren geprägt. Seine Säure zeigte bestechende Qualitäten. Ähnlich zeigte sich das prägnante, aber nicht an Härte und Gewaltigkeit überbordende knackige Tannin. Ein sehr vielversprechender Wein der auch jetzt schon seine guten Qualitäten hinsichtlich Trinktfreude zeigen kann.

Auch Azienda Vinicola Torre Zambra’s Montepulciano d’Abruzzo Riserva DOC 2013 (Fassprobe) gehörte zu den eher gen Leichtigkeit und Eleganz tendierenden Montepulciano d’Abruzzo. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern zeigte sich dieser einiges opaquer und stärker gen rotem Lila gehend. Sehr strahlend und lebendig wirkte auch er. In der Nase präsentierte er sich zwar ebenfalls recht kühl und schlank, doch was Rauchigkeit und gewisse Fassprägung (trotz Ähnlichkeit beim Ausbau) betrifft, mangelte es ihm weniger. Auch seine schwarzbeerige Frucht war wesentlich intensiver. Am Gaumen wirkte er überraschend schlank, kühl und gewichtig animierend. Keinesfalls brecherisch oder dicklich. Auch hier zeigte sich seine stärkere und kühle Rauchigkeit und die schon erwähnten schwarze Beerenfrucht. Insgesamt wirkte er ein wenig einfach gestrickt und präsentierte sich verständlicherweise noch etwas nervös und unausgeglichen. Doch sein durchaus ansprechendes Potential kündigte diese Fassprobe schon mal an.

Der Eikos Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 von Cantina Agriverde war ebenfalls wesentlich dunkler und ärmer an Transparenz. Weniger ins Lila und mehr gen dunklem Schwedenrot gehend. Seine Nase wirkte angenehm zurückgefahren, fast schon ein wenig schüchtern und mit fein abgestimmter mediterran anmutender Würze ausgestattet. Am Gaumen fiel mir als erstes seine sehr lebendige und verspielte Säure auf. Insgesamt wirkte er wie die anderen schlank und recht kühl. Raffinesse und Eleganz waren bei ihm sicherlich nicht ganz so ausgeprägt. Seine Stärken lagen eher im Bereich seiner sich jetzt schon ankündigenden Ausgeglichenheit hinsichtlich Würze und dunkelbeeriger Frucht, seiner ansprechenden bescheidenen und zugleich überzeugenden Struktur und seiner respektabler Länge im Abgang. Ein unkomplizierter Wein der in nicht all zu ferner Zukunft schon Spaß machen dürfte.
Bei dem letzten Wein, den ich in die Kategorie „Leichtigkeit“ einordnen möchte, handelt es sich um den Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 von der Tenuta I Fauri in Chieti. Farblich zeigte dieser ein eindeutiges Granatrot inklusive eines einhüllenden, leicht trüb wirkenden, Schleiers. Auch er wirkte eher kühl und schlank. Vielleicht nicht ganz so offensichtlich wie die vorherigen. Auffällig war bei diesem seine recht intensive Würzigkeit von frisch geschnittenem Liebstöckel, hellbrauner Erde und einem Hauch von Trockenfleisch. Am Gaumen zeigte er sich schlank, nicht ganz so kühl, wesentlich weicher, samtiger und vielleicht schon etwas sehr schmeichlerisch (inkl. relativ mildem Tanningerüst) für einen jungen Montepulciano. Seine samtige rotbeerige Frucht konnte mich mehrheitlich schon überzeugen. Die Würzigkeit, welche sich in der Nase ankündigte, setzte sich nicht im gleichen Maße am Gaumen fort. Hier wirkte sie einiges flacher und fast schon ein klein wenig verwaschen. Alles in allem ein dennoch gelungener und stimmiger Wein der in den nächsten Jahren Freude bringen dürfte.

Um einen harten Schnitt nicht verlegen, komme ich nun zu den nächsten drei Weinen. Diese möchte ich mit dem Begriff „Volumen“ in Verbindung bringen. Alle drei Weine zeigten mehrheitlich kräftige Mengen an hartem Tannin, viel aufgepumpte Muskeln, waren gehörig extrahiert – und sicherlich auch ein wenig exaltiert, zeigten teilweise viel Alkohol, auch reichlich Eichenholz, aber auch enorme Dichte und überzeugende Komplexität. Da es sich bei allen drei Weinen um Fassproben handelte, dürfte dieser Umstand auch ein wenig zu meinen voluminösen Eindrücken geführt haben.

Der Montepulciano d’Abruzzo Inferi Riserva DOC 2013 (Fassprobe) von Vini Marramiero zeigte viel an Glanz und eine intensive dunkle gen Lila strebende Farbsättigung. Seine auffällige Viskosität war ebenfalls bemerkenswert. In der Nase zeigten sich kräftige Aromen die mich an Kakaopulver, mildem Tabak, Schwarzkirschen, Eichenholz und pfeffrige grüne Würze erinnerten. Alles sehr selbstsicher, auftrumpfend und um keinerlei Verlegenheit bemüht. Am Gaumen wirkte er ebenfalls sehr kraftvoll, vollmundig im klassischsten Sinne, sehr fruchtlastig ohne marmeladig zu wirken und äußerst saftgetrieben. Seine eigentliche Aromen zeigten sich deckungsgleich zur Nase. Sein Tanningerüst war nicht das extremste hinsichtlich der bei Montepulciano möglichen Härte. Eigentlich wirkte er relativ weich für einen Wein aus seiner Gewichtsklasse. Insgesamt sicherlich nicht der komplexeste Wein. Tendenziell zeigte er sich aber recht ausgewogen auf kräftig- konzentriertem Niveau ohne zu viel Holzaromen oder Alkohol-Süße verströmen zu wollen. Für Freunde kräftiger Weine ein sicherlich leicht zugänglicher und durchaus trinkanimierend Tropfen.

Cantina Tollo’s Flagschiff Cagiòlo Montepulciano d’Abruzzo Riserva DOP 2013 (Fassprobe) war ebenfalls von enormer Farbsättigung gen Lila geprägt. Hier war Transparenz nur noch vermutbar. Seine Nase war mächtig, dicht, schwer, von warmer schwarzbeeriger Frucht, einigen blumigen Heidekräutern und kräftigen Eichenholz getragen. Die 24 Monate in neuer slawonischer Eiche waren durchgehend spürbar. Doch die Substanz des Weines konnte mit dieser Holzprägung am Gaumen recht gut umgehen. Hier zeigte der Wein seinen Bombenextrakt, sein sehr kantiges und expressiv hartes Tannin, sein enormes Gewicht gepaart mit unbändiger Kraft und eine sehr respektable Dichte und Länge. Seine recht scharf wirkende Würze und die noch eben so gebändigt wirkende Fruchtfülle passte auch ins Gesamtbild. Ich muss zugeben das diese Schwere und „Gewaltigkeit“ nicht ganz meiner Präferenz entspricht. Doch umgesetzt wurde diese Stilistik beim Cagiòlo auf sehr stimmige Weise!
Ein ebenfalls erwähnenswerter „Voluminöser“ Montepulciano kam von der Cantina Dora Sarchese. Sein Name: Rosso di Macchia Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 (Fassprobe). Auch hier herrschten intensive Farbdichte und lila Farbsättigung vor. In der Nase zeigten sich mir Aromen von eher zurückhaltender schwarzbeeriger Frucht, Piment, etwas undefinierbar Balsamisches, Rauchfleisch, wenig herkömmliche Holznoten und etwas sehr Parfümiges, das mich an Moschus erinnerte. Ein insgesamt sehr komplexes und doch recht exaltiertes Nasenspiel. Am Gaumen wirkte er von Seiten seiner eigentlichen Aromen noch sehr zurückgezogen und verschlossen. Seine bemerkenswerte Säure und sein gewaltig firmes Tannin hinterließen bei mir Eindruck. Auch er wirkt sehr reich an Extrakt und Konzentration. Dazu aber auch recht fleischig. Ein dezidiertes Schwergewicht mit bestechendem Potential. Im Moment noch sehr verschlossen und adoleszent.

Meine vier letzten Favoriten der Anteprima Montepulciano d’Abruzzo möchte ich gerne mit dem bedeutungsüberladenen und viel zu oft genutzten Begriff des „mittlerer Weg“ umschreiben. In diesen Weinen sah ich sowohl Kraft, Konzentration, Komplexität, kernige Würze und fleischige Frucht als auch Raffinesse, Mut zur Zurückhaltung, überzeugende Frische und verhaltene Extraktion.

Der Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 der Cantina Bottari zeigte sich fast so hell wie die meisten von „Leichtigkeit“ geprägten Weine. Viel Transparenz und mehr Rubin- als Granatrot. In der Nase dominierten reife und ganz leicht angewärmte helle Beeren. Insbesondere das ergänzende Aroma von Erdbeeren ist mir aufgefallen. Recht ungewöhnlich bei einem Montepulciano. Am Gaumen konnte der Wein mehr Komplexität und momentane Präsenz zeigen. Neben hellen roten Beeren zeigten sich Aromen von Marzipan, Zimt, süßlichem Blut und mediterranen Kräutern. Von seiner Struktur her war er schon einiges barocker als es die schlank wirkende Nase anzukündigen versuchte. Auch Tannin und Säure wirkten eher etwas milder und weicher. Zweifelsohne einer der interessantesten Montepulciano d’Abruzzo auf der Anteprima 2016.

Cantina Frentana’s Rubesto Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 zeigte ebenfalls gewisse Transparenz. Nur rein farblich gesehen wirkte er etwas ungewöhnlich, da diese fast schon ein wenig ins Rotbraune abgleitete. In der Nase zeigte er viel weiche und warm erscheinende Kraft von Pflaumen, dunklen Beeren, hellbrauner Erde und leicht staubiger Milchschokolade. Insgesamt wirkte der Wein für sein jugendliches Alter schon sehr geschliffen, weich und in sich ruhend. So auch am Gaumen. Von einer harten Tanninattacke, wie man sie bei einem solchen Namen wie Rubesto erwarten könnte, war er meilenweit entfernt. Von seinen Aromen her zeigte er ein ähnliche Attribute wie die Nase. Für mich ein sehr solider, ausgeglichener, vielleicht etwas glatt wirkender und insgesamt eher unkomplizierter Montepulciano.

Sehr auffällig, schon alleine aufgrund des älteren – aber momentan aktuellen – Jahrgangs und seiner Herkunft aus der nördlichsten Ecke von Abruzzen, war Stefania Pepe’s Pepe Nero Montepulciano d’Abruzzo DOCG 2006. Dieser präsentierte sich ins Lila gehend, dunkel, undurchsichtig und wunderbar strahlend. In der Nase wirkte er immer noch ungemein jugendlich und verhalten. Viel dunkle Erde, feine Kräuter und schwarze Beeren die nur vor Frische strotzten machten sein Nasenspiel aus! Am Gaumen zeigte sich enorm viel Frische, wohl abgestimmte Intensität, feine Kantigkeit, kräftige mit getrockneten Kirschen und Holunder vermischte dunkelbeerige Frucht und hintergründige Würze von Blut, Salz – ja wirklich – und Erde. Mit viel Stoffigkeit, Dichte, Komplexität, Länge und auch jetzt schon ansprechender jugendlicher Balance konnte der Pepe Nero auftrumpfen. Einer weitergehende und sicherlich freudvollen Entwicklung in den kommenden Jahre dürfte nichts im Wege stehen. Großartig!


Als letzten Montepulciano d’Abruzzo möchte ich Speranza Vini’s Impeto Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 erwähnen. Farblich war dieser wieder etwas heller, aber nicht ganz so von glänzender Strahlkraft verwöhnt. In der Nase wirkte er sehr präzise, klar und durchaus kühl. Seine ausgewogen abgestimmte dunkelbeerige Frucht stand nicht im Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Momentan waren Düfte die mich an Heublumen, braune Erde, etwas Eisen und feinen Rauch erinnerten etwas ausgeprägter. Am Gaumen zeigte sich eine ansprechend gelungene Kombination aus fein wirkender dunkelbeeriger Frucht, einer sehr charaktervollen Würze und einer vortrefflich ergänzenden sowie wunderbar frisch wirkenden Säure. Sein Tanningerüst zeigte sich robust und kernig, aber keinesfalls übermäßig hart oder abweisend. Meiner Ansicht nach eine sehr stimmige Ausarbeitung von mit Kraft gepaarter Leichtigkeit. Nichts kam wirklich zu kurz, und nichts schob sich all zu sehr in den Vordergrund. Sehr schön!

Nicht nur Speranza’s Impeto Montepulciano konnte mich überzeugen. Auch die Weissweine dieses nur knapp 6 ha kleinen und nach biologischen Richtlinien bewirtschafteten Weinguts in Rosciano (Pescara) konnten mit Qualität punkten. Da wäre zum Beispiel der Impeto Trebbiano d’Abruzzo DOC 2015. Dieser hatte eine bestechend blumige und fein strukturierte Nase. Am Gaumen zeigte er für einen Trebbiano von eher schweren Sandböden eine ungewöhnlich feine Struktur mit expressiven weissfruchtigen Aromen und eine erstaunlich gute Säure. Sogar der erste Jahrgang des Luli Pecorino 2015 zeigte ansprechendes Potential. Auch hier war die Handschrift von Edoardo Speranza ganz klar ersichtlich. Nichts Aufgesetztes, nichts Angeberisches, eine feine Struktur, viel Frische und eher hintergründige Frucht. Ein spannender Pecorino! Wenn wir gerade beim Wort spannend sind. Auf den Rosé Così È Colline Pescaresi Rosato IGT 2015 aus 100% Montepulciano dürfte dieses Attribut erst recht zutreffen. Im Vergleich zu den anderen Weinen von Speranza wirkte die Handschrift hier etwas wilder und ungezügelter. Der Grund dafür dürfte in seiner Vinifikation begründet sein. Ein Natural Wine!

Glücklicherweise handelte es sich bei diesem um einen Natural Wine fern jeglicher Tendenz hin zur Mostigkeit oder Überoxigenierung. Seine sehr frisch wirkende und fein abgestimmte helle Beerenfrucht, seine sehr charaktervolle Würze, seine Klarheit und seine mich im besonderen Maße erfreuende entschlossene Trockenheit empfand ich sehr bemerkenswert. So kann sogar mir Rosé Spaß machen!

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In Teil 2 meines kleinen Verkostungsberichts möchte ich mich ganz auf einen wahrlich erinnerungswürdigen Ausflug zum Weingut von Emidio Pepe konzentrieren. Also bis in ein paar Wochen!

 
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