Wohlmuth – Sauvignon Blanc ohne Schubladendenken

•März 27, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Sauvignon Blanc ist ein Thema für sich. Zum einen weil es so viel banalen Sauvignon Blanc gibt, der bedenkenlos von den Karten bestellt wird, solange nur eben diese Rebsorte zu finden ist. Zum anderen, weil das in-Schubladen-stecken bei jeder Verkostung garantiert ist. Ich glaube, es gibt keine Rebsorte, die mehr von Amateuren und Profis automatisch zugeordnet wird.

Da gibt es den grünen Sauvignon Blanc Typ, der mit grüner Wiese und Stachelbeere umschrieben wird, oft aus Deutschland oder kühleren Regionen kommt, den Neue-Welt-Vertreter mit aufdringlichen Cassis- und grüner Paprikanoten, die einem ins Gesicht springen, den mineralisch-leicht-kühlen und eher subtilen Terroirsauvignon aus Sancerre und Co. und dann eben noch Weine, die einfach weltklasse sind. Oft, weil sie eben nicht “so sauvignontypisch” sind. Ich denke da an die großen fast exotisch-fruchtigen und doch so mineralisch geprägten Weine Dagueneaus, die Mont Damnés von Cotats oder G. Boulays Clos de Beaujeu, der auch heut noch aus 1997 oder 1998 große Freude ins Glas zaubert und Verkostergesichter strahlen lässt.

Manchmal fällt mir diese Kategorisierung schwer. Zum Beispiel bei den Sauvignons von Wohlmuth. Das  70 Hektar umfassende Weingut befindet sich in Österreich, genauer gesagt in Kitzeck im Sausal. Die Kompetenz ist klar: Weißwein, vorwiegend Sauvignon Blanc. Ganze 40% der Rebanlagen sind hiermit bestockt, erst dann folgen Gelber Muskateller, Weißburgunder und der klassische Welschriesling.

Die Weine besitzen eine reife Frucht, wie ich sie im Sauvignon Blanc suche und sind dabei trotzdem kühl und eher mineralisch geprägt. Aber sie sind eben nicht nur exotisch fruchtig, sondern haben auch den leicht grünen Part in sich, der gut dosiert eben nicht unangenehm ist, sondern so wie manch botrytisbehaftete Riesling Auslese eben für ein mehr an Komplexität sorgt.

Die Böden sind hier vorwiegend karg und schieferlastig. Rund 85% macht der rote, blaue oder grau-schwarze Schiefer aus, der Rest ist Muschelkalk. Da die größtenteils steilen Weingärten  gegenüber den restlichen Lagen der Südsteiermark etwas höher liegen, kann hier hervorragend die Cool-Climate-Karte gespielt werden. Die höchsten Einzellagen befinden sich bis zu 650 Meter über dem Meeresspiegel!

Sohn Gerhard Josef betreibt das Weingut mit seinem Vater. Das Weingut selbst besteht seit 1803. Ich habe die Weine erstmals vor rund zwei Jahren auf der Prowein ausgiebiger verkostet. In Österreich und speziell in der Steiermark gibt es eine Vielzahl hervorragender Sauvignons. Zu diesen zähle ich auch jene der Wohlmuths. Um so mehr habe ich mich gefreut, die Gelegenheit zu haben, die wichtigsten Weine der Kollektion in Ruhe zu verkosten. Anbei meine Eindrücke:

budisfoodblog_wohlmuth_edelschuh

Sauvignon Blanc Steinriegl 2013

Steinriegl ist eine Südwestlage auf 400 bis 540m. Dieser Sauvignon Blanc glänzt hellgold im Glas und besitzt silberne Reflexe. Die Nase fällt würzig aus, es zeichnet sich der Duft von grünen Bohnen und gelber Kiwi ab. Das Bukett ist damit weder grün noch exotisch reif, sondern immer changierend. Am Gaumen hat der Sauvignon eine ordentliche Substanz, saftige Frucht und wirkt reif. Dabei bleibt er aber verspielt und lebendig, da die Säure dem entgegensteuert. Ein eher opulenter Sauvignon mit langem Ausklang, der an kandierte Ananas erinnert. Schöner Sauvignon, der nicht zu expressiv daherkommt. 88P

Sauvignon Blanc Hochsteinriegl 2013

Hochsteinriegl ist die älteste Weinlage der Wohlmuths. Roter Schiefer mit Quarzeinschlüssen prägen hier die Lage. Der Hochsteinrigel liegt hellgold im Glas und erweist sich als dezenter und verschlossener Sauvignon Blanc. Mit etwas Belüftung rieche ich reife Kiwi, Sesam und Guave. Am Gaumen wirkt der Hochsteinriegl sehr straff und nicht so üppig wie der Edelschuh. Das Aroma hält enorm lang am Gaumen an. Der Wein wirkt am kühlsten, besitzt eine feine Säure und kommt sehr druckvoll am Gaumen daher. Trotzdem bleibt er auf der zarteren Seite. Für mich mit dem Edelschuh nahezu auf einer Ebene mit dem Topwein. Es ist eher eine Stilfrage ob man den intensiven und reifen Edelschuh bevorzugt oder der kargeren Hochsteinriegl. 89P- 90P

Sauvignon Blanc Edelschuh 2013

Die karge Lage Edelschuh wird stets spät aber immer botrytisfrei gelesen. Die Reben sind hier 30 bis 55 Jahre alt. Der Edelschuh 2013 ist hellgold und klar im Glas. Kandierte Ananas und etwas Kokos prägen das eher dezente Bukett. Am Gaumen hat man einen sehr reifen Sauvignon, der expressiv daherkommt. Ein hochkomplexer Vertreter, der schon fast eine erhabene Art hat. Sehr fein und lang im Ausklang. 90P

Sauvignon Blanc Kitzecker 2014

Dies ist eine Fassprobe. Der Kitzecker Sauvignon leuchtet hellgold im Glas. Grüne Bohnen, Birne und weiße Blüten zeichnen das Bukett. Am Gaumen wirkt der Wein transparent und sehr sauber. Man hat eine ganz klare Aromatik im Glas, der Wein wirkt ungemein gläsern. Besitzt ein schönes Spiel zwischen Fruchtigkeit am Gaumen und eher grünen Noten in der Nase. Ein ganz gelungener Sauvignon Blanc. 87P

Gelber Muskateller Steinriegl 2014

Hierbei handelt es sich um eine Fassprobe. Der Steinrigl Muskateller ist nahezu durchsichtig im Glas. Das Bukett fällt sehr klar und präzise aus. Keinerlei kitschige Noten finden sich hier. Am Gaumen ist der Wein enorm trocken für die Rebsorte. Genau dies gibt ihm seine Klasse. Ein ganz süffig, extrem weicher Wein mit frischen Mirabellen und einer feinen Säure. Ich wünsche mir mehr derartig trockene Muskateller! 85P

Riesling Edelschuh  2014

Der Riesling stammt aus dem Ried Edelschuh, der vom roten Schiefer geprägt ist und bis zu 78% Steilheit besitzt. Er glänzt blassgelb und klar im Glas. Zunächst wirkte er ein wenig verschlossen, roch nach Gummischlauch, was aber mit Belüftung glücklicherweise wegging. Dann kam ein glasklarer Riesling zum Vorschein, der mit Noten von grünem Pfirsich, Aprikose und grüner Birne und etwas Grapefruit einen sehr fruchtig-reifen Riesling verkörpert. Am Gaumen erinnert er an einen Rheinhessen-Typ, besitzt eine prägnante aber nicht scharfe Säure und Cremigkeit. Ein sehr exotischer Vertreter mit Noten von Johannisbeeren. Langer Ausklang. 87P

Chardonnay Edelschuh 2013

Der Chardonnay enttäuschte mich zunächst direkt aus dem Glas. Er wirkte leicht bitter und enorm fruchtig, als ich ihn direkt nach dem Öffnen verkostete. Also habe ich den wie von einem Grauschleier belegten Wein in eine Karaffe gegeben und einen halben Tag lang belüftet. Am ersten Tag habe ich Knete und viel Birne wahrgenommen. Erst mit der Luft blühte der Wein dann auf und zeigte etwas Aloe Vera aber auch mehr die eher milchig-holz-hefe-betonten Eigenschaften eines Chardonnays. Am Gaumen hat man eine überdurchschnittlich lebendige Säure, wenn man sich am burgundischen Chardonnaygeschmacksbild orientiert. Viel Grapefruit und eine saubere Art prägen den Edelschuh. Je mehr Luft der Wein bekommt, desto runder und cremiger wirkt er auf mich. Für mich könnte er einen Ticken weniger Alkohol besitzen. Ansonsten hat man einen höchst individuellen Chardonnay mit Charakter. Aber aktuell bitte unbedingt belüften! 86P

 

alle Weine verkostet im Februar 2015, aus dem Riedel Sommelier Chiantiglas bzw. Zwiesel 1872 Wine-Classics Chardonnayglas

Thinking on drinking – 11 Fragen

•März 23, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Jürgen Schmücking hat mich aufgefordert, 11 Fragen zu meinen Trinkgewohnheiten zu beantworten. Nein, Jürgen ist kein Arzt und arbeitet auch nicht für eine Krankenversicherung, sondern betreibt genuss.cc, ein Blog über sämtliche genussorientierte Themen.

Dieser Kettenbrief geistert gerade durch diverse Blogs und da ich aktuell wenig Zeit für Artikel habe, beantworte ich gerne diese kurzweiligen Fragen und hoffe, dass ihr vielleicht etwas damit anfangen könnt.

  •  Was ist dein liebster Drink?

Eigentlich ziehe ich dem Drink lieber ein Glas Wein vor. Aber auch die Barkultur ist nicht gänzlich an mir vorbeigegangen. Ganz klassisch mag ich den Old Fashioned mit großem, kantigen Eiswürfel drin. Mein absoluter Lieblingsdrink ist aber der Gin Basil Smash, ein Smash auf Basis von Gin und Basilikum, so wie er ursprünglich im Le Lion in Hamburg serviert wird.

  • Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken?

Ganz genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Es war sicherlich auch kein denkwürdiger Moment und schon gar kein genussorientierter. Vermutlich ein Tannenzäpfle mit 16 Jahren. Der erste Genussmoment kam wohl mit rund 17 Jahren, als ich mir meine erste Flasche Wein gekauft habe und Weingläser dazu. Der erste richtig faszinierende Wein trat dann nur wenige Wochen später ein. Es war eine Riesling Norheimer Dellchen Auslese Goldkapsel von Dönnhoff aus 2006. Das war auch der erste Kontakt mit Süßwein. Allerdings war mir dies erst danach bewusst…

  • Welchen Drink hast du am meisten bereut?

Ich erinnere mich an einen Martini Cocktail, den ich damals noch auf der Abitursfahrt mit Schulkollegen in einer Bar in Salzburg bestellte. Es war zwar warm draußen, doch dies entschuldigte keinesfalls den mit gecrushtem Eis durchzogenen und völlig verwässerten Cocktail mit Strohhalm.

  • Bar oder Beisl (Kneipe)?

Wie bereits erwähnt, bin ich weniger der Bargänger, sondern mehr der Weintrinker. Deshalb ziehe ich die Kneipe vor. Gerne auch urig, schmutzig und ganz banal. Dann aber in bester Gesellschaft: mit Freunden.

  • Champagner oder Schaumwein?

So politisch unkorrekt es auch klingen mag. Ich ziehe ganz klar den Champagner vor. Nicht, weil es nicht auch gute andere Schaumweine gibt, gerade auch von der Loire oder eben Winzersekt. Aber Champagner besitzt am meisten Sexappeal und bietet die breiteste Auswahl. Allein die Champagne mit ihren Winzerchampagnern und den traditionellen großen Häusern ist bereits nahezu unüberschaubar. Zumindest habe ich mit Champagner die schönsten Erinnerungen, auch wenn ich von journalistischer Seite aus immer den diplomatischen Nebensatz erwähnen muss, dass es auch gute andere Schaumweine gibt.

  • Mit wem würdest du gerne trinken?

Eigentlich trinke ich bereits mit den Leuten, mit denen ich eben gerne trinken möchte. Wenn es aber um eine berühmte oder nicht greifbare Persönlichkeit gehen soll, würde ich gerne mal einen gereiften Cros Parantoux mit Henri Jayer austrinken.

  • Bei wem würdest du gerne trinken?

Es gibt ziemlich viele Weinfreunde, mit ziemlich vielen Weinflaschen, die rasch ausgetrunken werden sollten. Aber bezüglich der Barszene, würde ich sehr gerne mal einen Drink im Artesian in London genießen, auch wenn ich mehr auf klassische Cocktails und Bars stehe.

  • Wie sieht deine Hausbar aus und was ist das Kostbarste darin?

Die Weinverwaltung nimmt genügend Platz und Aufmerksamkeit ein, deshalb schaut die Hausbar ziemlich spärlich aus. Neben Spirituosen aus dem Elsass-Besuch von Metté, ein paar Brände z.B. von Dirker, G Vine Nouaison für den Gin Basil Smash und vor allem Chartreuse V.E.P jaune, die einzige hochprozentige Flasche, die öfters bei mir in Verwendung ist und vermutlich auch die kostbarste sein dürfte.

  • Beschreib deine Eiswürfel?

Meine Traumeiswürfel sind glasklar, scharfkantig und groß, sodass sie den Drink nicht verwässern. Aber zu Hause besitze ich nur Eiswürfel für den Champagnerkühler…

  • Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung?

Ferdinands Saar Gin und Monkey 47 sind bereits Klassiker. Für mehr reicht mein Ginhorizont leider nicht aus.

  • Wie bekämpfst du deinen Hangover?

Ganz ungesund aber nach für mich bewährter Methode bereits am Vorabend: Ausreichend Wasser während des Trinkens und eine Kopfschmerztablette als Absacker zum Einschlafen. Der nächste Tag darf nie mit Erledigungen bestückt sein und keine alkoholhaltigen Getränke beinhalten. Dann klappts auch mit dem Durst ein paar Tage später…

Artikel in der aktuellen Effilee

•März 6, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Liebe Leser,

wer hier schon länger mitliest, weiß sicherlich von meiner Leidenschaft zum Magazin Effilee. Deshalb freue ich mich besonders, dass ich in meinem kulinarischen Lieblingsmagazin für die Frühjahrsausgabe gleich zwei Empfehlungen beisteuern konnte.

Für die Weintrinker empfehle ich einen Elbling von Abi Duhr aus Luxemburg und für die Gastrofreunde berichte ich von meinem letzten Besuch in der Köhlerstube, die direkt neben Harald Wohlfahrts Schwarzwaldstube gelegen ist.

Viel Spaß beim Lesen

Markus

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Barrique Forum Pfalz im Weinwisser

•Februar 19, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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In der Januarausgabe des Weinwisser habe ich einen Artikel zum Barrique Forum Pfalz verfasst. Er kann nun online eingesehen werden und ist unter folgendem Link erreichbar:

Barrique Forum Pfalz 2015

Zu Gast bei Sylvain Pataille in Marsannay

•Februar 17, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Im Januar war ich mit Freunden mehrere Tage im Burgund. Es wird noch ein wenig Zeit benötigen, bis ich die ganze Reise aufarbeiten kann. Aber ich werde definitiv davon berichten. Auf dem Lobenberg-Blog, wo ich gelegentlich Gastartikel schreibe und Weinempfehlungen gebe, habe ich den Besuch beim unverwechselbaren Charakter- und Lockenkopf Sylvain Pataille veröffentlicht. Ihr findet meine Impressionen und den kleinen Reisebericht hier:

Lobenbergs Gute Weine – Zu Gast bei Sylvain Pataille

 

Reise ins Piemont – Barolo 2011

•Februar 3, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Die aufmerksamen Leser des Blogs oder Follower auf Facebook haben sicherlich noch in Erinnerung, dass ich im November gemeinsam mit Heiner Lobenberg, Max Gerstl sowie Stéphane und Graeme von der Domaine Ogier im Piemont unterwegs war. Im Vordergrund stand der Jahrgang 2011, der – so viel möchte ich vorab sagen – unberechtigterweise im Schatten des enorm lagerungsfähigen 2010ers steht.

Heute startet die kleine Kolumne im Unternehmensblog von Heiner Lobenberg. Den Start gibt es hier:

Lobenberg – Gute Weine

Es folgen außerdem noch in den nächsten Wochen jeweils Eindrücke zu folgenden Winzern. Auch ich gebe immer wieder meine Meinung zu einzelnen Weinen ab und berichte euch von der Reise.

Auf folgende Winzerberichte könnt ihr euch freuen:

  • Giuseppe Mascarello
  • Luciano Sandrone,
  • Luigi Pira
  • Vietti
  • Bartolo / Maria Theresa Mascarello
  • Giacomo Conterno
  • Elio Grasso
  • Aldo Conterno
  • Roberto Voerzio
  • Azienda Agricola Brovia
  • Elio Altare

 

Soave – mehr als ein Zechwein?

•Januar 29, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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In der Sommerausgabe (07/08 -2014) des Weinwissers habe ich einen Artikel über Soave veröffentlicht. Mit dem Relaunch der Webseite ist dieser heute nun auch online erschienen und kann vollständig hier eingesehen werden:

Soave – mehr als ein Zechwein?

 

Viel Spaß beim Lesen!

 

Weitere Bilder gibts im Blog:

Soave – Galerie

 
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