Marquis d’Angerville: Volnay 1er Cru Taillepieds 2004

•August 15, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Schon im Winter 2013 habe ich diesen Wein getrunken. Damals wirkt er auf mich sehr gelungen. Zumindest wenn man den Jahrgang betrachtet. Er besaß ein charmantes Bukett, wies keine grünen Noten auf, war jedoch nicht zu komplex und das Tannin erwies sich noch als etwas zu hart, war nicht völlig integriert. Ich dachte mir damals, der Wein wäre gut, könnte aber auch mit der Reife nie großartig werden. Rund 1,5 Jahre später habe ich die zweite Flasche im Glas. Aus selbiger Quelle. Der Taillepieds, der im Jahrgang 2004 noch nicht biodynamisch bewirtschaftet wurde, glänzt auch heute noch mit transparentem Ziegelrot im Glas. Sofort zieht mich sein Bukett in den Bann. Wieder ist es so präsent, ätherisch duftend und mit glasklarer Sauerkirschrote und etwas Piment d’Esplette ausgestattet. Ungewöhnlich für die Weine der Domaine, überzeugt der Wein direkt aus der Flasche und ohne den Umweg über die Karaffe. Normalerweise kenne ich die Volnays von d’Angerville als enorm harte, belüftungsbedürftige Burgunder, die zudem viel Flaschenreife benötigen und zum falschen Zeitpunkt geöffnet, eher streng wirken können. Davon ist heute nichts zu spüren. Der Wein besitzt eine angenehme Frische. Man merkt ihm jedoch auch an, dass er schon gereift ist. Keine Tertiäraromen deuten dies hier an. Diese sind kaum existent. Es ist mehr die Balance, die gelassene Art, die der Volnay nun besitzt. Er bleibt schlank, ohne grünen Unterton und das Tannin ist nun besser integriert aber immer noch wie ein zartes Gerüst, verleiht dem Wein Struktur. Der Wein wird nie groß, ist für einen perfekten Taillepieds zu simpel. Trotzdem bleibt er charmant, macht Freude im Glas.

getrunken im August 2015, aus dem Zalto Burgunderglas

90P+, 2015- 2020

Keller: Silvaner Feuervogel 2011 (Rheinhessen)

•August 9, 2015 • 4 Kommentare

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Zu Unrecht habe ich diesen Silvaner in die typische Gemüsebegleiterschublade gesteckt. Denn die erdig-gemüsige Schiene fährt der Feuervogel gar nicht, machte also den Alleingang ohne Ratatouille. Der 2011er zeigt zudem noch, welch Sonnenseiten 2011 besitzen kann. Ein noch ganz jugendlich hellgoldener Silvaner im Glas. Anfang leichte Holznote in der Nase, etwas rauchig, Hefe und dann am Mund mit explodierender Exotik. Papaja, Mango und Passionsfrucht finden sich hier. Der Wein wirkt saftig, erzeugt enormen Druck am Gaumen und gibt nochmals richtig Schub im Abgang, wo er kaum ausklingt. Besonders gefällt mir hier die leicht bittere Pampelmuse im Abgang, die dem Wein Komplexität verleiht und ihn dann von der plump fruchtigen Seite weglenkt. Im Abgang zudem leicht cremig, ein wenig süßlich im Charakter, jedoch nicht durch Restsüße, sondern reife Frucht erzeugt. Am zweiten Abend empfinde ich ihn noch spannender. Er ist jetzt schlanker, besitzt einen mehr kräutrig-mineralischen Ton im Vergleich zu gestern. Bleibt unterm Strich noch blutjung aber bereitet mächtig Freude. Einer der ganz feinen und enorm vielschichtigen Silvaner Deutschlands.

getrunken im August 2015, aus dem Zalto Universalglas

92P+, 2015-2019

Alte Post (Martin Göschel), Nagold

•August 2, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Der Landkreis Calw tut sich in puncto Kulinarik schwer. Umso mehr freut man sich auf die wenigen Kontrastpunkte. Einen solchen setzt Martin Göschel (ehemals Paradies, Ftan 18 Punkte GM, ein Stern) mit seinem ersten eigenen Restaurant. Gemeinsam mit seiner Partnerin Sarah Hillebrenner betreibt er hier ein für die Region erfreulich modernes Konzept. Im Erdgeschoss befindet sich ein Bistro, einen Stock drüber kocht Göschel im Gourmetrestaurant. Das Ambiente weiß zu gefallen. Ein Mix aus ehemaligem Interieur der Alten Post und geschmackvoller Modernisierung mittels einiger Designklassiker, sorgt für Stimmung. Göschel bedient sich im ersten Stock der Produktvielfalt des Schwarzwalds, jedoch ohne Dogma, viel mehr mit einem augenzwinkernden Tribut an die Region. Das macht Spaß! So überzeugen die Schupfnudeln mir roter Beete, milder Senfcreme und dem herrlich schlotzigen pochierten Ei ob des Spiels mit der Süße und Schärfe genauso, wie die Roulade und das Medaillon vom Schwarzwälder Rind zur Bramata mit jungem Gemüse. Den Ausklang gibt ein ordentliches Württemberger Kirschsoufflé. Alles hat hier Charme! Wenn zukünftig auch die Weine aus würdigen Gläsern und auch im Sommer wohltemperiert serviert werden, freue ich mich schon aufs nächste Menü in meiner Heimat.

3/5 Wertet das kulinarische Angebot der Region deutlich auf!

Nachtrag: Die Alte Post zierte kurz nach dem Besuch sogar ein Stern. Zum Ende des Jahres hat Göschel mit seiner Partnerin das Restaurant leider verlassen.

Altepost-Nagold.de / Bahnhofstr. 2/ 72202 Nagold

Beitrag erstmalig erschienen in der Effilee

BerlinGutsrieslingCup 2014/ 2015

•Juni 22, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Wer macht den besten Gutsriesling?

Beim von Martin Zwick veranstalteten BerlinGutsrieslingCup, einer themenbezogenen Veranstaltung, die nun seit mehreren Jahren organisiert wird, traten 37 trockene Rieslinge gegeneinander an. 11 Weinprofis und Liebhaber kürten in der Blindverkostung die besten Rieslinge des Jahrgangs. Ich war bereits beim BerlinSpätburgunderCup in 2013 dabei und habe berichtet. Für alle, die den Ablauf nicht kennen, hier die Rahmenbedingungen:

Martin Zwick lädt jedes Jahr Persönlichkeiten aus der Weinbranche ein, darunter aber auch private Weinliebhaber. Die Mischung ist immer sehr ausgeglichen, sodass man quasi alle Meinungen einfängt. Die Weine werden blind verkostet. Zuvor ist nicht bekannt, welche Weine antreten. Natürlich sind immer die Klassiker dabei, die Blue Chips und heiß diskutierte Weine sowie Neuentdeckungen und eine Handvoll Weine von Jungwinzern. Jeder gibt Punkte ab, die höchste und niedrigste Wertung entfällt. Am Ende wird der Sieger ermittelt und alle Weine werden aufgedeckt.

Die Verkostung war dieses Jahr sehr ruhig und alle Teilnehmer sehr konzentriert. Man konnte zügig jeden Wein verkosten, ohne sich zu sehr von Kommentaren anderer beeinflussen zu lassen und am Ende waren alle noch fit genug, um einen weiteren Teilnehmer, die Nummer 37, zu verkosten.

Mit den Siegerweinen auf dem Treppchen waren sich nahezu alle Verkoster einig. Es waren würdige Sieger und gelungene Weine des Jahrgangs 2014. Bürklin Wolf hat mit einem Punkt Abstand klar gewonnen, Keller und Sankt Antony teilen sich quasi den zweiten Platz, sind nur Nuancen voneinander entfernt. Ab Platz 4 gehen die Meinungen und Urteile wie gewohnt weiter auseinander. Hier gab es Weine, die teilweise hoch gepunktet wurden und von anderen Verkostern Ablehnung empfingen. Insgesamt hat mich überrascht, dass ein Großteil der 14er Weine in der Basis sehr unfertig, teilweise kurz und eindimensional ausfiel. Die Weine waren dann säurelastig und unausgewogen. 2014 war kein einfaches Jahr, zumindest für viele Anbaugebiete. 2014 ist mitnichten ein schlechter Jahrgang!

Rheinhessen und die Pfalz lagen weit vorne. Es sind jene Anbaugebiete, die in 2014 wetterbedingt mehr Glück hatten, besonders während der Lese. Sicher wurden einige Weine früher als gewünscht gelesen. Ein Basiswein muss quasi jedes Jahr vorhanden sein, eine gewisse Menge abdecken und auch Geld einbringen. An der Spitze kann gespielt werden, in der Basis weniger. Vermutlich waren jene Weine, Weine die in der Nachbetrachtung zu früh gelesen wurden. Bevor man jetzt aber 2014 verurteilt, muss auch erwähnt werden, dass viele Weine gestrahlt haben. Zudem sei gesagt, dass anders als z.b. im Jahr 2010 wenige Weine ausgezehrt, platt oder bereits müde erschienen. Das ist ein ganz anderer Ansatz, als noch vor vier Jahren. Die Winzer haben aus 2010 gelernt und es sei gesagt, dass auch wenn manch Wein eine spritzige Säure aufweist, jener Jahrgang keineswegs mit 2010 zu vergleichen ist. Alles ist viel reifer, saftiger! Die ersten Flights haben eher enttäuscht, doch dann kamen auch Weine, die sehr ausgewogen waren, keinerlei Anzeichen von säurehaltigen, unreifen Weinen erkennen ließen und Freude bereitet haben. So soll es sein! Es bleibt jedem Verkoster selbst überlassen, was er sich unter einem idealen Gutsriesling vorstellt. Mein Idealbild ist ein einfacherer Trinkwein, der trotzdem den Anspruch nicht vermissen lässt. Er soll Charakter besitzen, markant sein aber eben unterm Strich Trinkfluss besitzen und flaschenweise trinkbar sein. Er soll die Visitenkarte des Winzers sein. Im Anhang die Gewinner und meine 10 höchst bewerteten Weine, dazu die jeweiligen Verkostungsnotizen. Zu den Punkten sei gesagt, dass sie so angelegt sind, dass sich die Bewertung im Rahmen eines Gutsrieslings abspielt. Ich denke, wenn ein Gutsriesling mit 89 Punkten dasteht, gibt es nicht mehr viel Spielraum nach oben – in diesem Bereich! Die Tatsache, dass einige Weine bei mir bei 87 Punkten liegen, hat einfach damit zu tun, dass sich viele Weine auf dem Level präsentierten und in so einem kurzen Zeitfenster der Verkostung treten die ganz feinen Facetten natürlich in den Hintergrund. Was also 87 Punkte bekommt, empfehle ich gerne weiter. In diesem Bereich muss man eben auch selbst herausfinden, welcher Stil einem mehr liegt, was man bevorzugt. Anbei die Impressionen:

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Platz 1: Bürklin-Wolf, Riesling trocken 2014:

Die Trauben stammen aus Anlagen in Wachenheim, Deidesheim und Ruppertsberg. Ausbau fand sowohl im Edelstahl, als auch Doppelstück-Holzfass statt. Helles gold mit Reflexen. Im Bukett reife Frucht, mürber Apfel, reife Nektarine und gelbe Pflaumen. Am Gaumen zieht sich eine angenehme Phenolik entlang des Weins, etwas Grapefruit gesellt sich dazu. Für mich ein ganz typischer Pfälzer Riesling. Er wirkt ob der Struktur und Länge im Abgang athletisch. Angenehmes Spiel mit der Reife und herben Art des Gutsrieslings, machen den Wein zugänglich. Sehr verständlicher Gutsriesling! Davon kann man eine Flasche trinken!

Platz 2: Keller, Riesling trocken, 2014:

Eher zartes hellgold mit silbernen Reflexen. Die Nase verkörpert Äpfel und satte Steinobstfrucht. Dann kommt noch Grapefruit hinzu, auch Zitronen, etwas Salz und helle Blüten. Am Gaumen geprägt von schlankem Körper, super ruhig und harmonisch. Dicht verwobene Aromatik, etwas Grüntee, reife Birne, wieder etwas Zitrusfrucht. Dahinter klemmt sich eine feine Würzigkeit und gut integrierte Säure. Wird geleitet von einer hauchfeinen, sehr dezenten Phenolik und erscheint wie aus einem Guss. Enorm saftige Frucht, die dem Wein seinen Trinkfluss verleiht. Ein ausgesprochen vielschichtiger Gutswein.

Platz 3: Sankt Antony, Riesling “Rotschiefer”, 2014:

Riesling aus alten Reben. Spontane Vergärung, Ausbau in alten Doppelstückfässern und Stahltank. Keine Maischestandzeit, langsames Pressen. Tieferes vollgold, im Bukett Grapefruit, auch kräutrige Anklänge, etwas Schieferwürze. Auch am Gaumen wirkt der Rotschiefer enorm komplex. Etwas Zitrus- und Orangenschale, Tee und Nektarine bescheren Trinkfluss und Saftigkeit. Sehr verspielt und trotzdem bestens balanciert, fast schon erhaben wirkend. Ein Riesling mit Profil!

89 Punkte:

Kai Schätzel, Riesling trocken, 2014: enorm lang am Gaumen, sehr harmonisch, etwas gelber Tee, reifes Steinobst, tief verwoben. Für mich eine enorme Überraschung!

88 Punkte:

A.J Adam, Riesling trocken, 2014: Für mich der spannendste Gutsriesling, den ich nicht am höchsten bewertet habe, da die Spontinase viel verdeckt hat. Man hat förmlich gemerkt, wie gut dem Riesling weitere Belüftung und Auseinandersetzung tun würde. Am Gaumen komplex, sehr dicht verwobene Aromatik, lang und gut integrierte Säure, etwas breiterer Typ. Ganz viel Wein für einen Gutsriesling!

Klaus Meyer, Riesling “Back to the roots”, 2014: Goldgelb, etwas Kohlensäure vorhanden. Im Bukett noch etwas bedeckt, kalkig, leicht rauchig-reduktiv. Auch am Gaumen spürt man noch die Kohlensäure, was nicht schlimm ist. Knochentrockener Riesling, lang im Nachhall (Zitrusaromen), sehr lebendig und auf der frischen Seite, viel Granny-Smith. Ein sehr präziser und lang am Gaumen verweilender Riesling. Stark. Eine Überraschung, da ich den Winzer noch nicht kannte!

Georg Mosbacher, Riesling trocken, 2014: Mittelhelles gold, etwas weicher am Gaumen als der Keller Gutsriesling, der im direkten Flight stand und auch üppiger, viel reife Birne und doch prägnante Säure. Hat mich ein wenig an Saar-Riesling aus der Fuder erinnert, da die Säure so stahlig erscheint.

87 Punkte:

Weedenborn, Riesling trocken, 2014: Sehr weich, ausgewogen. Ein balancierter Riesling am Gaumen, lang und harmonisch, mittelkräftiger Typ, ruhig und geschmeidig am Gaumen. Sehr typisch für einen Basisriesling. Man könnte allenfalls bemängeln, dass er etwas poliert daherkommt.

Wageck, Riesling Tertiär, 2014: Spontinase, die viele Verkoster irritiert hat. Krasse Säure am Gaumen, wirkt knalltrocken, frisch, etwas gerbig am Gaumen. Enorm fordernd, benötigt Zeit. Mir gefällt das!

Battenfeld-Spanier, Riesling trocken, 2014: Leichte Feuersteinnase, etwas schweflig, hat Substanz, erscheint ausgewogen, noch etwas unruhig, überzeugt dafür aber durch seinen langen Nachhall, viel Apfel und Birne, reife Säure.

Christmann, Riesling trocken, 2014: Noch etwas von der Kohlensäure verdeckt, sehr kräftig, substanzreich, dezente Phenolik. Fast schon monolithisch. Ein echtes Kraftpaket mit saftiger Frucht.

Dönnhoff, Riesling trocken, 2014: Saftiger Typ, reife Frucht, harmonisch. Blind auf Emrich-Schönleber getippt!

Diel, Nahesteiner Riesling trocken, 2014: Enorme Komplexität, warmer Typ, große Kraft, lang am Gaumen. Braucht wohl Luft.


Top 10 der Verkoster:

  1. Bürklin-Wolf Riesling trocken 2014
  2. Keller Riesling trocken 2014
  3. Sankt Antony Rotschiefer 2014
  4. Kai Schätzel Riesling trocken 2014
  5. Wittmann Riesling trocken 2014
  6. J.B. Schäfer Riesling trocken 2014
  7. A.J Adam Riesling trocken 2014
  8. A. Christmann Riesling trocken 2014
  9. Jülg Riesling trocken 2014
  10. Emrich-Schönleber Riesling trocken 2014

Jury:

Katharina Racek – Weingut Dr. Loosen

Paula Redes Sidore – Journalistin

Christoph Raffelt – Originalverkorkt.de

Frank Ebbinghaus – Stuart Pigott WEINHIER

Felix Bodmann – Schnutentrunker.de/ webweinschule

Tom Schramm – Belvini.de

Florian Moosbauer – Planet Wein, Berlin

Jürgen Klucken – Riesling-Liebhaber

Michael Rauscher – Riesling-Liebhaber

Johannes Baumann – Riesling-Liebhaber

Markus Budai – Weinwisser/ Budi’s Foodblog/ Gute Weine


Vinum: Carte Blanche – Was kommt nach dem Großen Gewächs?

•Mai 7, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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In der aktuellen Vinum Ausgabe Nr. 5 wurde mir eine “Carte Blanche” erteilt. Dort berichtet stets eine Weinstimme von einem Thema, welches sie aufregt, inspiriert oder erfreut. Als ich gefragt wurde, ob ich zur Vinum etwas beisteuern könnte, kam ich gerade aus dem Burgund, wo ich den aktuellen 2013er Jahrgang verkostet habe. Die konsequente Umsetzung der Qualitätspyramide hat mich sehr inspiriert und nachdenklich gemacht. Deshalb erläutere ich in der aktuellen Carte Blanche meine Gedanken zum VDP-Qualitätssystem, der Konsequenz mit der daran gearbeitet wird und der Vielzahl an neuen “Over the top” Weinen, die eins übers Große Gewächs setzen sollen.

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Mythos Mosel – Opus Kulturmagazin No. 49

•April 30, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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In der Mai/ Juni Ausgabe des OPUS Kulturmagazins berichte ich über die Mythos-Mosel-Veranstaltung, die vom 29. bis 31. Mai stattfinden wird. Aktuell gibt es noch Tickets für die Veranstaltung. Das Event findet bereits zum zweiten Mal statt und bei Teilnehmern wie Joh. Jos. Prüm, Willi Schaefer oder Stefan Steinmetz und Julian Haart, gibt es nur eine Empfehlung für Rieslingliebhaber: Vorbeischauen!

mythos-mosel.de

Wohlmuth – Sauvignon Blanc ohne Schubladendenken

•März 27, 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

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Sauvignon Blanc ist ein Thema für sich. Zum einen weil es so viel banalen Sauvignon Blanc gibt, der bedenkenlos von den Karten bestellt wird, solange nur eben diese Rebsorte zu finden ist. Zum anderen, weil das in-Schubladen-stecken bei jeder Verkostung garantiert ist. Ich glaube, es gibt keine Rebsorte, die mehr von Amateuren und Profis automatisch zugeordnet wird.

Da gibt es den grünen Sauvignon Blanc Typ, der mit grüner Wiese und Stachelbeere umschrieben wird, oft aus Deutschland oder kühleren Regionen kommt, den Neue-Welt-Vertreter mit aufdringlichen Cassis- und grüner Paprikanoten, die einem ins Gesicht springen, den mineralisch-leicht-kühlen und eher subtilen Terroirsauvignon aus Sancerre und Co. und dann eben noch Weine, die einfach weltklasse sind. Oft, weil sie eben nicht “so sauvignontypisch” sind. Ich denke da an die großen fast exotisch-fruchtigen und doch so mineralisch geprägten Weine Dagueneaus, die Mont Damnés von Cotats oder G. Boulays Clos de Beaujeu, der auch heut noch aus 1997 oder 1998 große Freude ins Glas zaubert und Verkostergesichter strahlen lässt.

Manchmal fällt mir diese Kategorisierung schwer. Zum Beispiel bei den Sauvignons von Wohlmuth. Das  70 Hektar umfassende Weingut befindet sich in Österreich, genauer gesagt in Kitzeck im Sausal. Die Kompetenz ist klar: Weißwein, vorwiegend Sauvignon Blanc. Ganze 40% der Rebanlagen sind hiermit bestockt, erst dann folgen Gelber Muskateller, Weißburgunder und der klassische Welschriesling.

Die Weine besitzen eine reife Frucht, wie ich sie im Sauvignon Blanc suche und sind dabei trotzdem kühl und eher mineralisch geprägt. Aber sie sind eben nicht nur exotisch fruchtig, sondern haben auch den leicht grünen Part in sich, der gut dosiert eben nicht unangenehm ist, sondern so wie manch botrytisbehaftete Riesling Auslese eben für ein mehr an Komplexität sorgt.

Die Böden sind hier vorwiegend karg und schieferlastig. Rund 85% macht der rote, blaue oder grau-schwarze Schiefer aus, der Rest ist Muschelkalk. Da die größtenteils steilen Weingärten  gegenüber den restlichen Lagen der Südsteiermark etwas höher liegen, kann hier hervorragend die Cool-Climate-Karte gespielt werden. Die höchsten Einzellagen befinden sich bis zu 650 Meter über dem Meeresspiegel!

Sohn Gerhard Josef betreibt das Weingut mit seinem Vater. Das Weingut selbst besteht seit 1803. Ich habe die Weine erstmals vor rund zwei Jahren auf der Prowein ausgiebiger verkostet. In Österreich und speziell in der Steiermark gibt es eine Vielzahl hervorragender Sauvignons. Zu diesen zähle ich auch jene der Wohlmuths. Um so mehr habe ich mich gefreut, die Gelegenheit zu haben, die wichtigsten Weine der Kollektion in Ruhe zu verkosten. Anbei meine Eindrücke:

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Sauvignon Blanc Steinriegl 2013

Steinriegl ist eine Südwestlage auf 400 bis 540m. Dieser Sauvignon Blanc glänzt hellgold im Glas und besitzt silberne Reflexe. Die Nase fällt würzig aus, es zeichnet sich der Duft von grünen Bohnen und gelber Kiwi ab. Das Bukett ist damit weder grün noch exotisch reif, sondern immer changierend. Am Gaumen hat der Sauvignon eine ordentliche Substanz, saftige Frucht und wirkt reif. Dabei bleibt er aber verspielt und lebendig, da die Säure dem entgegensteuert. Ein eher opulenter Sauvignon mit langem Ausklang, der an kandierte Ananas erinnert. Schöner Sauvignon, der nicht zu expressiv daherkommt. 88P

Sauvignon Blanc Hochsteinriegl 2013

Hochsteinriegl ist die älteste Weinlage der Wohlmuths. Roter Schiefer mit Quarzeinschlüssen prägen hier die Lage. Der Hochsteinrigel liegt hellgold im Glas und erweist sich als dezenter und verschlossener Sauvignon Blanc. Mit etwas Belüftung rieche ich reife Kiwi, Sesam und Guave. Am Gaumen wirkt der Hochsteinriegl sehr straff und nicht so üppig wie der Edelschuh. Das Aroma hält enorm lang am Gaumen an. Der Wein wirkt am kühlsten, besitzt eine feine Säure und kommt sehr druckvoll am Gaumen daher. Trotzdem bleibt er auf der zarteren Seite. Für mich mit dem Edelschuh nahezu auf einer Ebene mit dem Topwein. Es ist eher eine Stilfrage ob man den intensiven und reifen Edelschuh bevorzugt oder der kargeren Hochsteinriegl. 89P- 90P

Sauvignon Blanc Edelschuh 2013

Die karge Lage Edelschuh wird stets spät aber immer botrytisfrei gelesen. Die Reben sind hier 30 bis 55 Jahre alt. Der Edelschuh 2013 ist hellgold und klar im Glas. Kandierte Ananas und etwas Kokos prägen das eher dezente Bukett. Am Gaumen hat man einen sehr reifen Sauvignon, der expressiv daherkommt. Ein hochkomplexer Vertreter, der schon fast eine erhabene Art hat. Sehr fein und lang im Ausklang. 90P

Sauvignon Blanc Kitzecker 2014

Dies ist eine Fassprobe. Der Kitzecker Sauvignon leuchtet hellgold im Glas. Grüne Bohnen, Birne und weiße Blüten zeichnen das Bukett. Am Gaumen wirkt der Wein transparent und sehr sauber. Man hat eine ganz klare Aromatik im Glas, der Wein wirkt ungemein gläsern. Besitzt ein schönes Spiel zwischen Fruchtigkeit am Gaumen und eher grünen Noten in der Nase. Ein ganz gelungener Sauvignon Blanc. 87P

Gelber Muskateller Steinriegl 2014

Hierbei handelt es sich um eine Fassprobe. Der Steinrigl Muskateller ist nahezu durchsichtig im Glas. Das Bukett fällt sehr klar und präzise aus. Keinerlei kitschige Noten finden sich hier. Am Gaumen ist der Wein enorm trocken für die Rebsorte. Genau dies gibt ihm seine Klasse. Ein ganz süffig, extrem weicher Wein mit frischen Mirabellen und einer feinen Säure. Ich wünsche mir mehr derartig trockene Muskateller! 85P

Riesling Edelschuh  2014

Der Riesling stammt aus dem Ried Edelschuh, der vom roten Schiefer geprägt ist und bis zu 78% Steilheit besitzt. Er glänzt blassgelb und klar im Glas. Zunächst wirkte er ein wenig verschlossen, roch nach Gummischlauch, was aber mit Belüftung glücklicherweise wegging. Dann kam ein glasklarer Riesling zum Vorschein, der mit Noten von grünem Pfirsich, Aprikose und grüner Birne und etwas Grapefruit einen sehr fruchtig-reifen Riesling verkörpert. Am Gaumen erinnert er an einen Rheinhessen-Typ, besitzt eine prägnante aber nicht scharfe Säure und Cremigkeit. Ein sehr exotischer Vertreter mit Noten von Johannisbeeren. Langer Ausklang. 87P

Chardonnay Edelschuh 2013

Der Chardonnay enttäuschte mich zunächst direkt aus dem Glas. Er wirkte leicht bitter und enorm fruchtig, als ich ihn direkt nach dem Öffnen verkostete. Also habe ich den wie von einem Grauschleier belegten Wein in eine Karaffe gegeben und einen halben Tag lang belüftet. Am ersten Tag habe ich Knete und viel Birne wahrgenommen. Erst mit der Luft blühte der Wein dann auf und zeigte etwas Aloe Vera aber auch mehr die eher milchig-holz-hefe-betonten Eigenschaften eines Chardonnays. Am Gaumen hat man eine überdurchschnittlich lebendige Säure, wenn man sich am burgundischen Chardonnaygeschmacksbild orientiert. Viel Grapefruit und eine saubere Art prägen den Edelschuh. Je mehr Luft der Wein bekommt, desto runder und cremiger wirkt er auf mich. Für mich könnte er einen Ticken weniger Alkohol besitzen. Ansonsten hat man einen höchst individuellen Chardonnay mit Charakter. Aber aktuell bitte unbedingt belüften! 86P

 

alle Weine verkostet im Februar 2015, aus dem Riedel Sommelier Chiantiglas bzw. Zwiesel 1872 Wine-Classics Chardonnayglas

 
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