Joh. Jos. Prüm Rieslinge


Eines meiner Lieblingsweingüter hat seinen Sitz an der Mosel. Genauer genommen in Wehlen, Uferallee 19.

Vom Gault Millau mit 5 Trauben und als Winzer des Jahres 1996 ausgezeichnet, ist das Weingut J.J.Prüm eines der anerkanntesten Weingüter der Mosel. Letzte Woche habe ich mir einen genaueren Eindruck verschafft und mir das Weingut angeschaut. Leider gibt es hier, wie im Scharzhof keinen Abhofverkauf. Ebenso verläuft es mit Kellerbesichtigungen, welche für die meisten Leute wohl immer verschlossen bleiben, da keine Besucher zugelassen sind.

Die Prüm’schen Weine sind bekannt für den sog. prüm’schen Stinker, welcher durch die Spontanvergärung entsteht. Dieser verschwindet meist mir der Zeit. Bis jetzt, hatte jeder meiner Prümrieslinge einen leichten Stinker, bis auf eine 97er Auslese.

Bekannte Lagen des Weingutes sind vor allem Wehlener Sonnenuhr aber auch Graacher Himmelreich und Zeltinger Sonnenuhr, welche nur unweit vom Weingut entfernt sind. Alle drei Lagen sind mit dem Auto innerhalb von wenigen Minuten zu erreichen und Liegen gegenüber des Weingutes, welches direkt an der Mosel liegt.

Momentan sind die Inhaber Dr. Manfred Prüm und Wolfgang Prüm. Die Jahre wird das Weingut vermutlich an Dr. Katharina Prüm, der Tochter Manfred Prüms übergeben, welche seit einiger Zeit mitmischt.

Das Weingut besitzt momentan 22 Hektar Weinberge und produziert unter 180 000 Flaschen. Davon sind alle Weine ausschließlich auf Schieferböden gewachsene Rieslinge.

Die Rieslinge von Johann Josef Prüm zeichnen sich durch eine moseltypische Leichtigkeit und Balance zwischen Süße und Säure aus. Die meisten Weine besitzen eine dezente Restsüße und werden vor allem wegen ihrer extremem Lagerfähigkeit von Weinsammlern hochgeschätzt.

Mein erster Prüm Wein war ein einfacher junger feinherber Kabinett, ohne genauere Lagenbezeichnung. Dieser Wein trägt die charismatischen Züge der Weine in sich. Hier meine damaligen Verkostungsnotizen:

„Welch ein charismatischer Wein von der Mosel!

Die Farbe, blassgelb, schon fast glasklar.

Schnuppert man an diesem Gewächs, so kommt einem ein für einen Riesling ungewöhnlich unfrischer öliger Duft entgegen. Dann zeigen sich Nuancen von Kalk, Birne und etwas Pfeffer.

Geschmacklich ist der Wein wohl schwer zu beschreiben. Zuerst eine elegante gut eingebundene, nicht zu aufdringliche sehr ausgewogene Säure, etwas Salz, Limette und allgegenwärtig Grapefruitgeschmack und frische Kräuter. Im Grundton ein trockener Wein, wobei sich eine leichte Süße nicht verbergen lässt. Ein sehr mineralischer Riesling.

Der Riesling erinnert schon leicht an jungen Champagner, zeigt sich leicht und verspielt. Insgesamt ein erfrischender Wein der süchtig macht und vor allem durch seinen charaktervollen Geschmack und Duft zu betören weis.

91/100“

Daraufhin besorgte ich mir aus gleichem Jahr den Kabinettswein der Wehlener Sonnenuhr und war noch mehr angetan vom prümschen Weinstil:

„Von der Farbe her zeigt sich der junge Wein blass gelb. In der Nase übertönt momentan die Prüm’sche Spontanvergärung, wie es schon beim feinherben Kabinett aus 2007 war, fast alles.

Hier war es jedoch noch etwas schwerer, feinere Aromen wahrzunehmen. Der Wein hätte im Nachhinein besser eine Weile dekantiert werden sollen.

Man nimmt trotzdem etwas Apfel und Pfirsich wahr.

Der Wein an sich ist dann wieder grandios. Ein wahrhafter Moselwein mit einer schönen leichten Süße und einer dezenten Säure, welche wirklich schön eingebunden ist und überhaupt nicht dominiert. So wirkt die Süße nicht plump und der Wein ist bezaubernd trinkanimierend und leicht. Dazu kommt ein Geschmack, welchen man wohl gut mit gezuckerten Birnen vergleichen kann.

Über all dem steht die tiefe Mineralität des Weins, der vermutlich nach etwas Reife einen noch längeren vielschichtigeren Abgang hätte, als er ohnehin schon hat.

Für mich hat der Wein seine 91-92P. Das kann selbst der Prüm’sche Stinker nicht verhindern.

Alk:   vol.10%, Preis: ca. 19€ “

In Trier genoss ich dann endlich einen gereiften Prüm-Riesling. Es handelte sich hierbei um eine 1997er Graacher Himmelreich Auslese, die so gut war, dass ich mir gleich noch eine Flasche davon kaufte, welche seit Jahren im Keller schlummerte.

Diese Auslese hatte kaum noch einen prägnanten „Stinker“. Der Wein zeigt an der Nase deutliche Reifenoten, kandierte Früchte. Farblich ein sehr starkes tiefes goldgelb.

Am Gaumen springt einen der Wein direkt an mit Noten von Birne, Pfirsich, Marillen und viel Honig. An sich eher wenig Säure, sehr leicht, Noten von Apfel, reife Früchte. Der Wein ist äußerst leicht, wir tranken zu zweit eine ganze Flasche, trotzdem ein sehr facettenreicher Wein, mit einer Wucht, die überwältigt. Trotzdem ist der Wein nicht erlahmend, sondern herausfordernd.

Ein grandioser Wein, der überraschend frisch daherkommt. Mindestens 94P.

Einen Tag später hatte ich ebenfalls das Glück einen älteren Riesling vom Hause Prüm zu verkosten. Es handelte sich hierbei ebenfalls um eine Auslese. Eine 2001er Auslese aus der Toplage Wehelener Sonnenuhr. Dazu auch noch ein Versteigerungswein.

Die Flasche wollte ich eigentlich noch länger einlagern, jedoch erkannte ich, dass aus der Kapsel etwas Wein auslief. Somit musste ich den Wein sofort trinken. Der Korken war eingedrückt und steckte tief im Flaschenhals. Außerdem war er schon sehr eingeweicht, sodass der Korken beim Herausziehen zerbröckelte.

Wie durch ein Wunder war die Flasche aber gut und der Wein frisch.

Ebenfalls eine bezaubernde goldene Farbe, in der Nase anfangs etwas müffig, Noten von Bratäpfeln und Rosinen und eher eine matte Duftnote.

Am Gaumen zeigte sich die Süße im Vordergrund. Pfirsichnektar und Reifenoten waren dominant.

Nach ungefähr einer Stunde an der Luft, entwichen die müffigen Aromen und es kam eine überraschende frische zur Geltung. Der Wein hätte einfach vorerst dekantiert werden sollen.

Jedenfalls war er nach dem Atmen eine wahrliche Aromenbombe.

Definitiv eine der verführerischsten Auslesen, die ich je getrunken habe!

Momntan schlummert im Keller noch eine 2004er Wehlener Sonnenuhr Spätlese, welche direkt wenige Stunden vorher vom Weingut geliefert wurde, als ich sie kaufte, sowie eine weitere Flasche der 97er Graacher Himmelreich Auslese.

Ein absolutes Ausnahmeweingut, welches vor allem in Restaurants weniger Beachtung bekommt, als es verdient hätte. Die meisten Weine sollten jedenfalls erst nach vielen Jahren Lagerung getrunken werden. Dann zeigen sie ihre wahre Kraft!

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~ von budisfoodblog - August 17, 2010.

6 Antworten to “Joh. Jos. Prüm Rieslinge”

  1. Hallo,
    vielen Dank für Ihren schönen Bericht.
    ich bin durch Zufall auf Ihren Blog gestossen und habe gestern Abend auch mit Genuss die Berichte über den besuch bei Harald Wohlfahrt gelesen. Es läuft einem dann doch das Wasser im Munde zusammen.
    Wenn Sie ein fan von JJPrüm sind, kennen Sie vielleicht das Weingut Jos Christffel jun (Christoffel Prüm)? ich meine, dass Sie hier eine vergleichbare Qualität zu deutlich angenehmeren Kondiitonen bekommen. Außerdem werden Sie freundlich bewrirtet und dürfen auch ab Hof etwas kaufen. Die Preisliste fasst mindestens 100 Weine bis Anfang der Neunziger und es gibt auch noch 76er TBA.
    Guten Schluck
    Ihr
    Oinophilist

  2. Hallo Oinophilist,

    das Weingut Jos Christoffel Jun. sagt mir durchaus etwas. Lustigerweise bin ich sogar bei der Suche nach einem Restaurant (Bericht wird folgen) direkt daran vorbeigelaufen. Leider erst im Nachhinein gemerkt.

    Dazu kommt, dass ich gestern sehr viel über das Weingut gelesen habe und auch von den günstigen Preisen und der Vielzahl an verfügbaren gelagerten Weinen gehört.

    Gestern habe ich dann eine 1992er Auslese für sagenhafte 11€ gekauft. Der Wein kommt die Tage und wird dann probiert. Momentan kann ich selbst aber noch kein Urteil abgeben, da dies mein erster Wein hiervon wäre.

    Der Moselurlaub hat mir aber ingesamt so sehr gefallen, dass ich aufjedenfall wieder ein paar Tage dort verbringen will. Es sind auch ein paar Winzerbesuche geplant. Christoffel jun. werde ich dann aber bestimmt besuchen!

    Die Tage Folgen dann auch noch ein paar Berichte dazu (z.b. Karthäuserhof „Tag der offenen Türe“ mit F. Haag, Koehler-Ruprecht, Knipser und Dönnhoff u.a. !).

    • Hallo Budi,
      (darf ich das so schreiben?)
      mein Lieblingswein von Christoffel ist der 94er Graacher Domprobst Auslese * – m.E. das Ideal eines Moselrieslings. Die Rebflächen in Grach und Wehlen hat Kajo, wie ihn seine Fans nennen, ja mittelerweile abgegeben. Daer müssen Sie diesen Wein unbedingt haben – und es gibt ihn wohl auch noch.
      Erlauben Sie mir noch eine Frage: Waren Sie tatsächlich bei Müller und Prüm in der Vorhalle des Sancrosanctums, d.h. im Probierzimmer? Sie umschreiben das alles so elegant, als ob Sie die Weine auch in der Vinothek verkostet haben könnten.

      Im Karthäuserhof war ich am Samsstag auch (kurz, sozusagen auf der Durchreise). Ich teile Ihre Einschätzung der Weine von Herrn Tyrell und Herrn Haag sowie von Dönnhoff.
      Was mir nicht gemundet hat, waren die großen Gewächse des Karthäuserhofs und von Herrn Künstler (sowohl Rieling als auch Spätburgunder). Dagegen war das GG Riesling von Paul Fürst einsame Spitze. Aber ich bin generell kein Freund dieser überzüchteten, gedrechselten Weine. DAs is kein typischer Riesling mehr.
      Morgen geht es in den Urlaub nach Südtirol und da werde ich schöne Traminer, Goldmuskateller und Lagreins trinken.
      Auf einen guten Schluck
      Ihr
      Oinophilist

  3. Hallo,
    ja man kann mich so nennen ;)…

    Der Christoffel Prüm Wein wird morgen abend von mir verkostet. Ich bin schon seh gespannt und werde sicherlich schreiben. Es handelt sich dabei um eine 1992er Auslese aus dem Ürziger Würzgarten.

    Bei Müller und Prüm war ich leider nur stets vor dem Weingut, da man ja wie beschrieben als „Normalsterblicher“ eigentlich keinen Zugang hat.
    Somit bin ich wohl ein stiller Bewunderer 😉 …
    Ansonsten hätte es wohl viele Bilder gegeben 🙂

    Die Weine wurden auch nicht am Stück verkostet, sondern über längere Zeiträume.
    Viele Weine habe ich zu Hause getrunken, den 06er Scharzhofberg und die 97er Prüm Auslese habe ich z.b. auf dem Moseltrip im Eurener Hof in Trier getrunken.
    Für solche Fälle habe ich immer einen Notizblock dabei 🙂

    Für den Urlaub wünsche ich viel Spaß und gutes Wetter!

    Gruß

    Markus

  4. […] https://budisfoodblog.wordpress.com/2010/08/17/joh-jos-prum-rieslinge/ Teilen Sie dies mit:FacebookLinkedInTwitterE-MailGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. […]

  5. i love you

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