Landhaus Feckl, Ehningen (Franz Feckl *, 17GM-Punkte)


Über längere Zeit bin ich mehrmals auf das Landaus Feckl aufmerksam geworden. Des Öfteren wurde hier und da ein Artikel gelesen oder das Restaurant als Tip weitergegeben, bis ich dann letztendlich bewusst wahrgenommen habe, dass dieses seit 1987 mit einem Michelinstern ausgezeichnete und vom Gault Millau sogar mit 17-Hauben gedeckte Landhaus keine 20 Minuten von mir aus entfernt gelegen ist.

Nach der letzten eher enttäuschend ausfallenden Restaurantvisite, musste als mal wieder vernünftige Essenskultur mit Genussgarantie her.

Genau dies bekommt man hier auch geboten.

Von außen sieht das Landhaus Feckl, welches wirklich fast direkt an der A81 Richtung Singen an der Ausfahrt Ehningen liegt, nahezu unscheinbar aus und man könnte ein ganz normales moderneres Reihen- oder Mehrfamilienhaus vermuten, wäre da nicht der große „Feckl“ Aufdruck an der Hauswand.

Tritt man dann ein, wird man ziemlich überrascht sein über das Ambiente, welches dem Namen Landhaus wirklich gerecht wird. Wundervoll schöne und gemütliche Holzverkleidungen und ein großer Essensaal warten auf hungrige Gäste.

Die Bedienungen tragen schöne Trachten und man kann sich zwischen dem ruhigen und kleinen Wintergarten, dem größeren und lauteren aber feierfreudigeren Saal „Sonnenaue“, sowie der „Gewölbestube“, welche an den Saal anschließt entscheiden – sofern natürlich die Möglichkeit besteht, zwischen diesen Räumen auszuwählen. Das Restaurant ist nämlich am Samstag Mittag absolut voll. Das hat aber auch seinen Grund, wie man noch erfahren wird.

Wir entschieden uns jedenfalls für den wundervollen Saal, welcher sehr stilvoll und gemütlich ausgestattet ist, ohne kitschig oder überladen zu wirken. Hier ist es zwar durch die Größe bedingt, etwas lauter, jedoch animiert dies hier richtig seine Freude auszulassen und mit guten Freuden oder Gleichgesinnten einen schönen Nachmittag zu verbringen. Die zEit lässt sich hier prächtig verbringen!

In der Mitte des Saal findet man eine Spirituosenbar, mit allerlei Köstlichkeiten und Raritäten wie z.b. Obstbrände der Edelbrennerei Rochelt.

Der Eingangsbereich gewährt einen Blick auf den Weinschrank. Auf der Karte findet man dann ebendiese Kostbarkeiten wieder. Die Weinkarte ist allgemein sehr ausbalanciert. Man findet absolute Raritäten, Magnumflaschen und preiswerte gute Weine, Auch die offenen Weine lassen sich zeigen. Das Preisniveau ist ausgesprochen gut. Man findet zahlreiche Weine unter 50€, ohne Abstriche machen zu müssen.

Sehr schön und lobenswert ist die Salzbar. Schon bei Sackmann in Baiersbronn, blieb dies positiv in Erinnerung. Eine sehr schöne und interessante Auswahl an Gewürzmischungen und Salzen findet man hier vor. Dazu gibt es frisches warmes Brot (z.b. Olivenbrot) und Butter.

Wir wählten das Mittagsmenü, welches aus insgesamt drei Gängen plus Amuse Bouche besteht. Man kann zwischen einer Vorspeise oder Suppe wählen, sowie zwischen Fisch- oder Fleischgang. Hinzu kommt eine Dessertvariation und ein Kaffe für insgesamt knapp 40€.

Nach meinen Eindrücken handelt es sich hierbei um tagesspezifische Leckereien, die aus den saisonal frischsten Produkten bestehen und auch bodenständiger zubereitet werden. Ich denke, dass die ALC-Gerichte, sowie Gourmetmenüs differenzierter und edler sind. Das Tagesmenü ist also nicht im Sternebereich anzusiedeln, was keinesfalls als Kritikpunkt gedacht ist.

Man bekommt hier nämlich für wenig Geld ein absolut fantastisches Essen serviert, welches keinerlei Wünsche übriglässt und für mich Anreiz ist, das Landhaus auch zukünftig öfters zu besuchen.

Vorerst bekamen wir ein Amuse Bouche Leber und Sülze. Es handelte sich hierbei um ein eher unspektakuläres aber anständiges Amuse Bouche.

Ich wählte jedenfalls als Vorspeise “ Vitello Tonnato mit gebackenem Kapernapfel und herbstlichem Salat“. Das schön dünn aufgeschnittene Kalbsfleisch war hervorragend mit Zitrone abgeschmeckt. Die hauchdünngeschnittenen Champignons profitierten von ihrer Servierart und kamen sehr intensiv daher und verfeinerten den Salat. Die gebackenen Kapernäpfel wurden schön als Akzent eingesetzt und verliehen dem Vitello Tonnato seine Würzigkeit. Eine schöne Vorspeise an der es nichts zu bemängeln gibt.

Alternativ gab es eine „Kürbissuppe mit gerösteten Kernen und Kürbiskernöl“. Klassisch, frisch, einfach und gut. Das gefällt mir einfach. Man muss im Winter nicht zwangsweise exotisches Obst oder Gemüse einfliegen und man braucht auch nicht unbedingt Spargel, wenn eben keine Spargelsaison ist. Warum nicht eifnach aus dem saisonalen Angebot schöpfen und frischste Zutaten optimal servieren?

Als Fischgang gab es “ Eglifilet „Müllerin“ mit glasiertem Gemüse und Petersilien Kartoffeln“. Eglifilet oder einfach auch Barsch, ist ja ein eher kräftiger Fisch. Hierzu passte die eher feinere und leichtere Soße sehr schön dazu. Das glasierte Gemüse bestand auch aus Kürbis und hatte schön Biss.

Dazu gab es einen schönen trockenen jungen Riesling von Robert Weil aus 2008, welcher von den offenen Weinen gewählt wurde.

Doch vor allem bleiben bei mir die Petersilienkartoffeln in Erinnerung. Meistens sind Kartoffeln nämlich in Restaurants einfach Sättigungsbeilage und wenig spannend. Dies war hier ganz anders. Die Petersilie wurde dezent eingesetzt. Im Mittelpunkt standen wundersam aromatische schön erdige Kartoffeln, die ein wahrer Genuss waren. Wirklich fabelhaft!

Als Fleischgang gab es “ Rehgeschnetzeltes in Wacholderrahmsauce mit Serviettenknödel und Rahmkohl“. Für diesen Gang wurde ein interessanter afrikanischer Tinta Barocca empfohlen.

Die „Dessert-Komposition“ wusste ob ihrer Intensivität zu überzeugen. Zwetschgenvanillesaucenkranz, Passionsfruchtparfait (wenn ich mich recht erinnere), Terrine aus Zwetschgen und ein kräftiges Mousse au Chocolat. Besonders das Schokoladenmousse wusste zu gefallen. Schön herb schokoladig, mit Bitternoten, nicht zu süß.

Zum Abschluss gab es dann Kaffee und Petit Fours. Der Kaffee war perfekt, wobei dies wirklich in den meisten Häusern bereits so ist. Sehr schön, dass man in Deutschland einen intensiven Kaffee oder Espresso immer mehr zu schätzen scheint.

Für die detailbesessenen sei hervorzuheben, dass all dies auf sehr schönem Villeroy & Boch Porzellan serviert wird, welches den Landhausstil exzellent verfeinert. Das Silberbesteck kommt von Christofle und ist schlicht aber eleganz zugleich und sorgt für den Ausgleich zum eher schnörkeligen Porzellan. Das ganze Haus ist sehr fein abgestimmt und sehr angenehm und farbenprächtig.

Die Petit Fours waren ebenfalls exzellent. Sehr intensive Leckereienm, die nie zu süß waren.

Insgesamt verbrachte man schöne zwei Stunden in einem schönen Haus. Der Service ist hier etwas lockerer und alles geht etwas schneller zu, als man es von anderen Sternerestaurants eventuell gewohnt ist. Dies kann aber auch am abend ganz anders sein. Mittags geht es einfach lauter zu, was jedoch auch wieder ganz schön ist. Der Service passt sich den Gästen an, die kommunizieren wollen und schönes Essen genießen.

Man fühlt sich von Anfang an sehr willkommen und ab und zu in frühere Zeiten versetzt. Das Landhaus Feckl bietet übrigens auch sehr schöne Zimmer an. Kochkurse gibt es auch. Über das ganze Jahr gibt es sehr viele Events, wie ein Sommer-Menü im Juli oder ein Sommertrüffelmenü, bis hin zum Gänse-Menü im November. Das ganze Jahr ist man hier bemüht, die saisonalen Köstlichkeiten zu servieren. Ich kann mir vorstellen hier das ein oder andere mal kurzfristig für ein Mittagsmenü einzukehren oder an einem Thementag mich mit einem Menü beglücken zu lassen.

Jedenfalls sieht man mich hier nicht das letzte Mal – es bleibt abzuwarten, ob auch im Sternebereich ebenso gut gekocht wird und eine Steigerung besteht. Doch da mache ich mir wirklich keine Sorgen. Eher freue ich mich auf den nächsten Besuch. Der kommt sicher bald!

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~ von budisfoodblog - Oktober 17, 2010.

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