Landhaus Feckl, Ehningen (Franz Feckl *, 17GM-Punkte) (Dezember 2010)


Nachdem durchweg positiven Erstkontakt mit dem Landhaus Feckl im Rahmen des  äußerst rentablen Mittagsmenüs bei Franz Feckl, wurde der erste Weihnachtsfeiertag in größerer Runde in Ehningen verbracht.

Erneut wurde auch unter sehr stressigen Bedingungen und natürlich höchster Auslastung, ein flexibler und kompetenter Service, wunderbares Essen im schönen Landhausambiente geboten.

Für Weihanchten wurden die verschiedenen Räume des Landhauses weihnachtlich dekoriert. Anstatt des immensen Spirituosenregals im Hauptsaal, traf man einen überdimensionalen Weihnachtskranz an.

Zur Auswahl stand ein Weihnachtsmenü mit wahlweise 4 oder 5 Gängen. Jedoch entschied man sich in der großen Runde ALC zu wählen. Hier gab es ein verkürztes Angebot, jedoch mit für einen solchen Abend reichlicher und durchdachter Auswahl an weihnachtlichen Gängen.

Trotz der diversen Gänge, welche am Tisch bestellt wurden, bekamen wir die verlangten Gerichte zeitgleich und alle perfekt zubereitet auf den Tisch. Die verlängerte Wartezeit ist natürlich schon rein aus logistischen Gründen nachvollziehbar und somit auch nicht zu bemängeln.

Vorerst wurde und ein Amuse Bouche gereicht.

Auf der linken Seite ein Ochsenschwanzpraliné auf Kartoffelsalat, dann eine Kalbssülze und zum Schluss Paprikamousse.

Erwähnenswert war jedoch nur die Ochsenschwanzpraliné, welche etwas an den genau so saftigen Froschschenkel bei Wohlfahrts Amuse Boche erinnterte, welcher ebenfalls in Form eines panierten Kügelchens serviert wurde.

Von den Vorspeisen wählte ich die „Hausgemachte Nudeln mit weißem Trüffel“. Ein absolut klassischer Gang, der ohne überraschen zu wollen, exzellent zubereitet wurde und die kostbarste Zutat, nämliche den weißen Trüffel, in den Mittelpunkt stellte.

Die Trüffel waren jetzt, wo die weißen Trüffel langsam ihr saisonales Ende erreichen, sehr intensiv und einfach nur prächtig. Das tolle Buttersößchen unterstützte natürlich den feinen Pilz. Das allentscheidende, nämlich die Menge der Trüffel  – ausreichend.

Die Trüffel wurden wohlproportoniert und konnten somit ihren Geschmack gut entfalten.

Ein toller Gang der einen aber nicht besonders beeindrucken wird. Damit möchte ich sagen, dass dieses Gericht sowohl handwerklich einwandfrei ist, als auch große Gaumenfreuden zaubern kann, jedoch keines der ganz großen Würfe war, an die man sich lange zurückerinnern wird.

Für den Hauptgang wählte ich wieder ein klassisches und weihnachtliches Gericht:

„Knusprige Gans mit Apfelrotkohl, glasierten Maronen, Selleriepüree und Kartoffelknödel“.

Vorerst das Fleisch: Eine sehr große Menge an allerzartestem und schön knusprigem Fleisch von der Gans. Geschmacklich fein und prächtig.

Die Sauce, welche hier eine zentrale Rolle einnimmt, ebenfalls einfach nur köstlich. Sie hatte die komplexe Tiefe und Herzhaftigkeit und fiel trotzdem nicht zu üppig, im Sinne von schwer aus. Zu jeder Portion kam reichlich Sauce in der Saucière.

Die Maronen verfeinerten die Sauce, doch die knusprige Ente wusste von den Beilagen abzulenken, denn sie war einfach nur perfekt zubereitet.

Der Apfelrotkohl ebenfalls handwerklich makellos und toll serviert. Drei Scheiben trennten den Kohl schichtweise. Eigentlich die bessere Alternative. Denn so verlieren sich die Stückchen nicht im Kohl um man schmeckt die einzelnen Komponente deutlicher heraus, als beim gewohnten mit Apfelstückchen vermengten Rotkohl.

Wer selber Kartoffelknödel gekocht hat, wird die wohlproportionierten aalglatten Knödel schätzen – genau so wie ihre Konsistenz.

Der Hauptgang lässt sich aber auch einfacher und kürzer mit einem Wort Beschreiben: Harmonie

Das „Duett vom Reh in Pfefferjus mit Waldpilzen Birnen Preiselbeer-Gelee und handgeschabten Spätzle“ war mindestens eben so facettenreich und harmonsich, wie die Gans.

Zu den Hauptgängen gab es einen wunderbaren fruchtigen aber eleganten Chateauneuf-du-Pape von der Domaine de Villeneuve aus 2003.

Die Weinkarte ist gut selektiert und hat zahlreiche trinkreife Weine vorzuweisen. Man kann sowohl den ein oder anderen preiswerten Geheimtip anfinden, als auch mit dem nötigen Budget, die ganz großen Weine probieren.

Die Desserts flachten dann meiner Meinung nach etwas ab im Vergleich zu den makellosen Hauptgängen. Zumindest fehlte mir ein wenig das Konzept bei den Desserts. Während die einzelnen Bestandteile technisch einwandfrei sind, fehlt den Süßspeisen der nachhaltige Audruck, so wie bei einem facettenreichen und lyrisch überzeugendem Roman, dem dann am Ende die Aussage fehlt, sodass man dann am Ende des Werkes etwas enttäuscht ob der flachen Pointe, den Roman zwar gerne gelesen hat, ihn jedoch schnell wieder vergessen wird und somit keinen tieferen Wert aus der Lektüre zieht, wie bei den ganz großen Werken.

Mein „Weihnachtliches Dessert Potpourri“ lies natürlich schon von der Bezeichnung auf eine bunte Mischung an kleinen Schlemmereien schließen, jedoch vermisste ich hier ein wenig die Berechtigung ein solches Dessert auf die Karte zu setzen.

Alles feine und köstliche Sachen, doch die Tiefe fehlt einfach.

Die „Mohn-Schokoladen-Törtchen mit glacierten Birnen und Marzipan-Eis“ waren dann doch schon strukturierter. Während die Hauptgänge vollends durch ihre Harmonie zu überzeugen wussten, so wirkte bei diesem Dessert die Harmonie dann doch einfach zu banal. Wieder ein feines Dessert, welches niemand ablehnen würde, jedoch auch nicht mehr.

Zum Espresso gab es die gwohnten Petit Fours in guter Qualität. Lediglich die kleinen Weihnachtsplätzchen waren trocken und belanglos.

Ein wunderbarer Weihnachtsabend wurde hier verbracht, welcher die unterschiedlichsten Gemüter zufriedenstellen konnte. Von der Anspannung und dem Stress merkte man als Gast nicht fiel. Es wurde sehr viel im Voraus geplant und gut durchdacht, von den Zettelchen für die Mäntel und Jacken bis hin zum kurzfristigen Anruf bei den Gästen, ob alle angemeldeten Personen in angekündigter Form erscheinen werden.

Bei Franz Feckl können sowohl Sternefremdlinge gut speißen und sich wohlfühlen, als auch ambitionierte Gourmets zufriedengestellt werden.

Es gibt Gerichte, die hier im Schwabenland gut ankommen. Fernab von der Berliner-Avantgarde, wo stets neue Überraschungen und durchkomponierte und strukturierte Gerichte die Karten dominieren, damit das Klientel neue Gaumenkitzel erfährt.

Franz Feckl hat hier ein Wohlfühlambiente geschaffen, mit Kochschule, Hotel und feinem Landgasthof. Ich habe das Gefühl, dass man hier öfter als andernorts Menschen sieht, die ansonsten weniger mit Sterneküchen zu tun haben. Die Leute genießen hier einen schönen Mittag oder Abend und trotzdem kommt hier niemand zu kurz. Dabei findet man hier keine einzigartigen Gerichte vor, bei denen man manchmal erst Tage nach dem Genuss ihre Größe und Vielschichtigkeit versteht, sondern durchweg harmonische und einwandfreie Gerichte, denen wenn man es so will, zu ihrer vollen Größe, die Intelligenz fehlt. Feckl weiß, wie man die Ansprüche eines breiten Klientels erfüllen kann, ohne sich dabei stillos zu verlieren.

Das finde ich gut und werde deshalb auch öfters hier einkehren. Kurzfristig und ohne viel Überlegung. Einfach wenn ich wieder richtig gut Essen gehen möchte. Wenn es mir nach einem reinen Genusserlebnis dürstet.

Advertisements

~ von budisfoodblog - Januar 10, 2011.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: