Weingut Egon Müller (Scharzhof)


Für viele Weinliebhaber, vor allem aus dem Ausland ist Egon Müller der Inbegriff guten Saarweins!

Die Weine von Egon Müller sind sehr rar und werden auch nicht ab Hof in Wiltingen verkauft. Für Privatkonsumenten gibt es keinen Zugang zum Scharzhofberg, keine Führung, keine Antworten auf mails, nichts.

Egon Müllers Weine sind äußerst hochpreisig und ständig auf Aktionen kann man seine Weine antreffen. Die Jahresproduktion beläuft sich auf nur knapp 70.000 Flaschen. Lustigerweise ist es in Deutschland fast am schwersten einen Weinhändler zu finden, der seine Weine vertritt – die Weine werden vor allem im Ausland nachgefragt.

Besonders bekannt ist Egon Müller für seine Scharzhofberger Weine. Der bis zu ca. 300m hohe, nach Süden ausgerichtete Berg, an einer der kältesten Gegenden zeichnet sich durch Devonschieferverwitterungsböden aus. Der Boden bekommt Sonne am Tag und speichert diese  über die kalte Nacht, was den Weinen eine ausnahmslose Eleganz und Klasse verleitet.

Bei trockeneren Jahren spielt der Berg seinen Trumpf aus, da er Niederschläge bestens verteilt und die Reben lange mit Wasser versorgen kann, dank einer dicken Lehmschicht.

Die „bezahlbaren“ Hofweine wollte ich probieren und untereinander vergleichen. Dabei ist eine deutliche Leidenschaft zu den Weinen entstanden und die ein oder andere Flasche Wein hat sich angehäuft- hier das Resultat:

Als erstes Wurde der einfachste Wein Egon Müllers aus dem Scharzhof (Wiltingen) verkostet. Ein Wein aus dem Jahre 2007. Ich muss zugeben, der Preis von ca 15€ für einen einfachen Riesling, welcher eher ein guter Kabinett sein könnte, schreckt ab – doch dieser Wein hat Charakter! Der Wein schmeckte auf grandiose Weise süßlich und doch trocken zugleich. Man könnte fast meinen es handelte sich hierbei um einen Kabinett, würde man es nicht wissen. Ich habe von diesem Wein fast alleine die ganze Flasche verkostet. Der Wein hat eine schöne Leichtigkeit und ist sehr süffig:

Der 2008er Jahrgang ist im Vergleich in der Süße etwas zurückhaltender, jedoch immer noch ein halb trockener Riesling. Auch hier wieder die zitronige frische Note im Abgang.

Der 2009er Riesling (getrunken Januar 2011), gehört zu den besten der verkosteten Jahrgänge. Eine dominate grünliche Note ist ob der Jugendlichkeit betörend auf elegante Weise. Der Wein hat von den genannten Jahrgängen für mich die größte Tiefe.

Sehr interessant war hier die Farbe: Der Wein war beinahe durchsichtig wie Wasser.

Auch mit dem Jahrgang 2010 (verkostet November 2011) ist wieder ein bewundernswerter Riesling abgefüllt worden. Noch sollte man den Riesling aber etwas liegen lassen, sofern einen die hohe Kohlensäure stört. Der im Vergleich zu 2009, dunklere Riesling, zeigt sich etwas kantiger, mit dominanterer Säure, die sich bis zum Abgang hinauszieht und den Wein deshalb auch so anziehend macht. Vielleicht sogar der einzige der präsentierten Scharzhof Rieslinge, der dekantiert werden kann.

Der dritte Wein von Egon Müller, unter dem Weingutsnamen Le Gallais vermarktet, stammt aus Wiltingen, Lage Braune Kupp, wovon Egon Müller im Alleinbesitz 4 hektar vorzuweisen hat.

Der Kabinettwein aus dem Jahr 2008 lag bei etwa 20€. Dieser Wein schmeckt ganz anders als der Scharzhofer Riesling. Er war vor allem trockener und säuerlicher. Der Kabinett besitzt eine festere Struktur und ist vielschichtiger – man muss diesen Wein schon regelrecht erkunden um ihn in all seiner Vielfalt beschreiben zu können. Für mich ein sehr guter Kabinett, den ich gerne erneut probieren werde.

Während des Moselurlaubs ist mir dann noch eine Wiltinger Braune Kupp 2004er Spätlese als Versteigerungswein ins Auge gesprungen. Der Wein schlummert noch im Keller, wird aber demnächst verkostet!

Kommen wir nun zum wahren Scharzhofberger Kabinett aus 2007. Dieser Wein aus einer der besten Lagen der Saar kostet schon fast so viel wie ein solider Champagner, mit 29€, wobei ich ihn auch schon des öfteren um die 40€ entdeckt habe.

Verkostet habe ich den Wein mit einer Ofenforelle mit Petersilienkartoffeln. Dieser Wein entwickelte sich prächtig während des Trinkens. Anfangs dominierten klar frische, grüne, leicht säuerliche Früchte. Später traten dann eher überreife Früchte hervor, karamellisiert. Assoziationen von Bratapfel oder kandiertem Apfel ließen sich her nicht verbergen. Auch nicht in der Nase. Der Wein war einfach unglaublich komplex und vielschichtig, sodass er selbst nach der leeren Flasche noch nicht wirklich komplett begriffen werden konnte. Jedenfalls zeigte sich viel Potential im Kabinett, was ich so anfangs nicht gedacht hätte. Der Wein hat mich bislang von Egon Müllers verkosteten, am meisten beeindruckt.

In Trier hatte ich dann das Vergnügen in einem Lokal selbigen Wein vom Jahrgang 2006 zum fast lächerlichen Gastronomiepreis von 29,20€ zu verkosten.

Der 2006er Kabinett zeigt sich stilistisch sehr ähnlich wie der 2007er, hat vielleicht nur etwas mehr Süße. Ein ebenfalls bezaubernd fruchtiger und leichter Wein, mit blumigen Duftnoten. Ich würde ihn ganz knapp hinter dem 2007er einschätzen.

Im März 2011 konnte ich dann einen gereiften Kabinett vom Scharzhofberg genießen. Der 2000er Kabinett präsentiert sich grandios. Obwohl oder gerade weil das Jahr 2000 kein ganz großer Jahrgang für Mosel-Riesling war, kann ein Wein wie dieser nur von der einzigartigen Lage und Weinmacherkunst zeugen. Der Kabinett hat im Vergleich zu 2006 (9,5% vol.) und 2007 (10% vol.) den geringsten Alkoholanteil (8%vol.), zeigt aber in Perfektion die typisch stählerne Säure eines Saar-Rieslings. Ein großer Wein mit Rasse, voller Aromen und mit grandioser Frische und Lebendigkeit. Im Glas intensiv Honig-Gold-farben, wie manch Auslese und an der Nase Düfte von grünem Apfel, Honig und Aprikose. Der Kabinett zeigt seine wahre Größe, indem er ob seiner Vielschichtigkeit, sich im Mund entwickelt. Süße und Säure kämpfen gegeneinander an und fügen sich zu perfekter Harmonie an und all dies mit einer Leichtigkeit, die Seinesgleichen sucht. Süßlich reife Zitronen, Exotik pur und eine irrsinnig zarte Säure, die einen langen Abgang hinterlässt. Im Vergleich zum Kabinett aus 2006 und 2007, welche beide sehr ähnlich ausfallen, präsentiert sich der gereifte Kabinett hier etwas rassiger, mit mehr Säure, etwas mehr Limette und Grapefruit. Der Kabinett zeigt sich präzise und klar und ist trotzdem komplex. Ein ganz großes Weinerlebnis!

Als Finale nun eine Halbflasche von Egon Müllers Scharzhof, aus dem warmen Saar-Spitzenjahr 2003.

Es handelt sich um eine Auslese. Ab diesem Prädikat zeigt Egon Müller sein wahres Talent. Hierfür ist er bekannt.

Diese Auslese präsentiert die Vollendung eines perfekten Weines! Das Grundgerüst hierfür, sind die Kabinettweine. Die Auslese beinhaltet das Geschmacksprofil, zeigt es jedoch deutlicher, stärker und differenzierter. Ein unglaublich leichter und frischer Wein, als wurde er gerade eben erst abgefüllt. Geschmacklich jedoch entwickelt er sich bestens, reift und lässt zahlreiche Eindrücke entstehen.

Die perfekte Balance von Süße und Säure. Genau so wird der Scharzhofberg in allen Facetten wiedergegeben.

Insgesamt gibt es viele Gründe, von den verkosteten Weinen begeistert  zu sein. Man kann die Preise und den Kult um die Weine Egon Müllers nachvollziehen. Denn Weine haben in ihrer Einzigartigkeit und Beständigkeit absolut ihre Berechtigung, wenngleich sie auch keine Weine für jeden Tag darstellen. Die Art und Weise, wie E. Müller IV das Weingut Jahr für Jahr an der Spitze glänzen lässt, zeigt von wahrer Größe. Ein absolutes Vorzeigeweingut, das sich in seinem Erscheinen Richtung Frankreich orientiert.

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~ von budisfoodblog - März 27, 2011.

3 Antworten to “Weingut Egon Müller (Scharzhof)”

  1. Schön beschrieben! Übrigens hier der Scharzhofberg in der genaunen Abgrenzung http://www.weinlagen-info.de/?lage_id=1633

    Und hier die braune Kupp
    http://www.weinlagen-info.de/?lage_id=556

  2. Sehr interessantes Tool!

    Hätte ich das nur vor meinem Moselausflug entdeckt…schade nur, dass nicht die Aufteilung unter den Winzern ersichtlich ist, wobei dies wohl im großen Projekt zu komplex wäre.
    Die Seite kommt zu den Favoriten!

  3. […] Egon Müllers einfacher Saar Riesling, der “Scharzhof”, gehört für mich trotz des hohen Preises zu einem der interessantesten Gutsweine. Für mich spielt er meist an der Spitze der Gutsweine mit, wenngleich er auch nicht jedes Jahr dabei ist. Dafür ist der Wein Jahr für Jahr die Visitenkarte für die Saar (siehe weitere Notizen zu Egon Müller -> Klick). […]

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