Le Gavroche, London (**)


Das im attraktiven Stadteil Mayfair gelegene „Le Gavroche“  gehört mit Sicherheit zu einen der Restaurants, welches den Begriff „Gourmettempfel“ geprägt haben.

Ein einzigartig charmantes und stilvolles Ambiente aus einer Zeit, die längst verloren scheint und so allerhöchstens nur noch aus Filmen bekannt sein dürfte. Das „Le Gavroche“, welches mittlerweile an Miche Roux Jr. weitergegeben wurde, trägt den Geist des Hauses weiter.

Aus deutscher Sicht, hat das Restaurant viele Parallelen mit dem Münchner Tantris. Nein, es sind nicht die Zwei Sterne, die beide Restaurants seit geraumer Zeit für sich beanspruchen, sondern das prägnante Ambiente, der eigene Stil, der seit Jahren fast unverändert und gegen die Zeit ankämpfend, so geblieben ist, wie er immer schon war.

Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit (neben der Leistung und Stil der Küche, welche ich ähnlich einschätze). Sowohl Tantris als auch Le Gavroche  haben für die Wahrnehmung der gehobenen Gastronomie und Esskultur immens beigesteuert, sodass man gar ehrfürchtig beide Restaurants betritt und etwas von der Ära verspürt. Beide Restaurants haben den Gästen das gute Essen beigebracht, als es noch niemand anderen gab, der das hätte tun können.

Das Restaurant ist allgemein auch sehr klassisch ausgelegt. D.h. steife Hierarchien im Service oder auch keine Preise auf der ohnehin nur französischen Karte (außer für den Gastgeber oder Mann). Dies ist sicherlich sehenswert und passt ins Le Gavroche, doch mir erschien der Service leider etwas zu versteift und mit seiner emotionalen Zurückhaltung unherzlich.

Außerdem hat es hier eine enorme Mitarbeiteranzahl pro Tisch, was natürlich lobenswert ist, doch nie habe ich mich in einem Restaurant beobachteter gefühlt als hier.

Doch nun zum Hauptteil, dem Essen:

Während die Beigaben, die man mit der Karte gereicht bekommt, erst an Hausmannskost erinnern und  dann doch recht ordentlich munden, so fällt der Amuse aus kulinarischer Sicht nicht weiter auf.

Brot ist hier gut und frisch, auch wenn diese Aussage hier eventuell nicht ganz zu aussagekräftig erscheint, da wir fast ausschließlich das Baguette nahmen. Doch wir konnten einfach nicht anders – es war einfach so gut.

Einer der der Klassiker des Hauses, welcher nicht mehr wegzudenken ist, ist das Soufflé Suissese:

Ein zweifach gekochtes Käsesoufflé, welches zum Großteil aus Gruyere besteht und mit double cream angereichert wird.

Es ist wieder einmal einer dieser Gänge, die einen von Anfang an faszinieren und auf alle Zeiten im Gedächtnis bleiben. Das Soufflé erweckt den Anschein einer schweren und zähen Kalorienbombe, doch nimmt man einen Löffel, so erschließt sich einem eine Aromenwucht an Käse. Doch was ist das besondere an diesem Gang? Das Gericht ist keineswegs zäh und schwer. Ganz im Gegenteil: Jeder Löffel fühlt sich an wie ein kleines Wölkchen, fast ein Hauch von nichts und doch hat man einen intensiv salzigen und wunderbaren Käsegeschmack im Mund.

Dieses ALC-Gericht sollte uns zum Lunch-Menu einleiten, welches sicherlich zu einem der attraktivsten in London zählt. Es beinhaltet drei Gänge, eine halbe Flasche Wein pro Person, sowie eine halbe Flasche Wasser und Kaffe.

Der Spargelsalat mit  Speck und grüner Soße ist natürlich durch den knusprigen deftigen Speck in Verbindung mit frischem Spargelsalat interessant. Die gering dosierte grüne Soße jedoch, ist  weitaus wichtiger als gedacht. Der Intensive Kräutergeschmack, welcher den feinen Salat bereichert, duelliert sich mit der Würze des Specks.

Die Alternative zum Salat überraschte dann doch sehr, wenn man bedankt, dass dieses simple Gericht in einem Zwei-Sterne Etablissement gereicht wird. Königskrabbe mit Nordseegarnelen und Toast Melba.

Aromatisch liegt vor einem ein relativ simples Zusammenspiel, doch das Gericht ist dann doch vielschichtiger im Aufbau. Während die mit saftigen Tomatenstückchen gemischten Garnelen ein gewohntes Erlebnis bescheren, befindet sich darunter in der mousseartigen Crème noch einmal erneut in konzentrierter Form die Essenz der Verbindung aus gegrillten Tomaten und Garnelen. Dieses mediterrane Gericht besticht dann durch seine Klarheit und Einfachheit. Die interessante Aufstellung von weich-crèmig-knusprig, macht diese Vorspeise zu einem Gericht, welches auf das notwendigste reduziert wurde. Um so stärker seine Aussage.

Als Hauptgang gab es beim Lunch-Menu, ebenfalls wie am Tag davor bei Gordon Ramsay Schwein. Diesesmal war es Schweinefilet und eingelegte Brust mit süß-saurer Sauce. Anbei gab es noch Möhrchen und erneut pommes dauphine.

Während das Schwein bei Ramsay ausdrucksstark und klar erschien, so war der Hauptgang hier nicht so lebendig und anregend. Die Verbindung von Schwein mit süß-saurer Sauce funktioniert auch hier gut, doch im direkten Vergleich, wirkte das Gericht hier noch unvollständig und ungeschliffen.

Im Gegensatz dazu stand der alternative Hauptgang:

Rindfleisch als Minutensteak mit Mark und Rotweinsauce.

Das hauchdünne Steak präsentiert sich in Höchstform, nämlich butterweich und zart mit ausgeprtägtem Geschmack, wobei durch die oben aufgesetzten Stücke von rote Beete und Zwiebeln, mit jedem Schnitt ein neuer Akkord gebildet wurde. Umgeben von reichlich Rotweinsauce, welche schon eher an ein Konzentrat aus Wein und Gewürzen erinnerte, ergab sich so ein herzhaftes Gericht, welches verfeinert wurde mit einem stark pürierten Kartoffel-Karottenpüree. Dieses glänzte ob seiner Feinheit und Crèmigkeit.

An den Hauptgang wurde dann eher unspektakulär angeschlossen mit Mürbteig mit Mangoscheibchen und Ingwerconfit.

Das Dessert besticht durch eher flache Aromen. Vor allem die Soße erinnert geschmacklich an nichts weiteres als Erdbeerkonfitüre. Diesem fruchtig-leichten Geschmack stünde nichts im Wege, wenn der Mürbteig und die Mangostückchen sich nicht gleichem Geschmacksspektrum anschließen würden. Der Ingwer geht hier leider etwas unter.

Mit der Wahl Sorbet und Eis zu probieren, kann man eigentlich fast nie falsch liegen. Auch im Le Gavroche bekommt man hier wunderbare Sorbets, die mit ihrem kühlenden Effekt, Platz für weitere Speisen machen und den Gast erfrischen.

Vanilleeis, weiße Schokolade, sowie ein Bitterorangensorbet waren geschmacklich gut herausgearbeitet.

Nicht enttäuscht aber in etwas höherer Erwartung schwebend wurde ein weiterer Klassiker des Hauses bestellt, welcher auch starke Ähnlichkeit mit dem beliebten Soufflé Suissese hat. Das Omelette Rothschild.

Ebenfalls ein Soufflé, welches mit getrockneten Aprikosen serviert wird, welche mit Cointreau getränkt werden. Auf Wunsch gibt es noch eine warme flüssige double cream dazu. Herrlich, wie sich saftig-süße Aprikosen mit der reichhaltigen double cream vermischen, umhüllt von einem vanilligen Wölkchen mit Eigeschmack. Das Omelette Rothschild übt auf den Esser den selben faszinierenden Effekt aus, wie das salzige Soufflé Suissese: Intensive Süße breitet sich im Mund aus, während eine luftige, kaum vorhandene Konsistenz den Esser vorantreibt, das sehr üppig und süß ausfallende Dessert zu verschlingen.

Nach diesem Geniestreich wurden dann noch Petit Fours gereicht, welche es nach einem solchen grandiosen Dessert sicherlich schwer hatten, jedoch für sich alleine  allenfalls durchschnittlich waren. Die Macarons waren etwas zäh, standen aber auch schon eine Weile auf dem Tisch, während der Geschmack des Omelettes immernoch im Kopf präsent war.

Daraufhin gab es einen wunderbaren Tee, wie ich ihn lange nirgends so aromatisch und delikat serviert bekommen habe. Leider kann ich mich nicht mehr verlässlich an den Tee erinnern, meine aber es handelte sich hierbei um den „Blue of London“ Earl Grey.

Am Ende blieb ein Essen mit Höhen und Tiefen, wie ich es selten erlebt habe. In einem einzigartigen Ambiente wurden mehrere Stunden verbracht, anfangs noch in eher gedrückter Stimmung, ob der permanenten Beobachtung unseres Tisches, während sich dies mit dem immer voller werdenden Raum allmählich legte und die Atmosphäre in voller Pracht sich entfalten konnte. Das preiswerte Menü sticht für sich alleine immernoch heraus für Londoner Verhältnisse, während das Menü definitiv nicht auf **-Niveau war und im Vergleich zu den ALC-Gängen stark abflacht. Die bestellten Klassiker zeigen wunderbare Kochkunst und lassen erahnen wie das Essen abends hätte verlaufen können.

Insgesamt erlebten wir ein leicht irritierendes Essen und ein ähnliches Gefühl wie beim Tantris, welches ebenfalls durch seine Geschichte vorbelastet ist begleitete den Mittag. Eine Frage bleibt bei beiden Restaurants:

„Soll ich nun wieder kommen oder nicht?“

Le Gavroche
43 Upper Brook Street,
London W1K 7QR

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~ von budisfoodblog - Mai 7, 2011.

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