Borchardt, Berlin


Borchardt, Berlin. Genau.

Bevor ich versuche die unzähligen Klischees (welche teils auch berechtigt sind) nun wiederzukauen und dem Ambiente und den Leuten, die hier verkehren, mehr Aufmerksamkeit widme, als dem Essen, möchte ich trotzdem ein wenig davon erzählen.

Das Borchardt, welches sich direkt neben dem The Regent oder noch genauer, direkt neben Christian Lohses Fischers Fritz befindet und seitlich gegenüber vom französischen Edelkaufhaus Lafayette, ist mit Sicherheit ein Treffpunkt, an dem sich neben zahlreichen Geschäftsleuten und ab und an auch Politikern, eben so Prominente sehen lassen oder bestaunt werden.

Sicherlich ist das Borchardt aber auch eines der wohl stark von Touristen frequentierten Restaurants. Hätte man nicht die zahlreichen klischeebehafteten Beschreibungen des Borchardts im Hinterkopf, so würde man hier rein optisch erst einmal einer größere Kantine vermuten. Dies bestätigt nicht nur der Lärmpegel, sondern auch der Service und der ganze Ablauf des Essens von der Reservierung bis zum Bezahlen. Mit anderen Worten gesagt, findet man hier keinen um den Gast stark bemühten und sehr gut geschulten Service vor (zumindest ist dieser nicht nach den klassischen Regeln geschult). Viel mehr bekommt man das Gefühl, froh sein zu dürfen, hier überhaupt als Esser geduldet zu werden.

Doch da gibt es auch die andere Seite welche bei der ein oder anderen Restaurantbewertung durchsickert. Nämlich die, dass die meisten Gäste hier wohl entweder mit falschen Erwartungen hingehen oder eben gewisses Dinge erwarten. Denn wenn der ein oder andere Gast über Service herzieht, welcher in diesem riesen Esssaal eben schwer die Aufmerksamkeit jedem Gast entgegenbringen kann, die sich mancher wünscht oder sich vielleicht in manchen Situationen ignoriert fühlt, sei doch mal nicht ausgeschlossen, dass dies nicht nur an arroganten Kellnern und Personal liegen könnte, sonder vielleicht einfach auch an der Größe des meist vollen Lokals.

Prominente findet man hier viele vor, Wichtigtuer noch mehr. Da Ambiente ist nicht wirklich gemütlich, der Service hat einiges zu tun.

Das Borchardt ist aber vor allem eins: unkompliziert.

Während der eine Geschäftsmann hier zeitungslesend sein Tagesessen auftischen lässt, der andere Gast mit dem Iphone surft, ein Geschäftspärchen eine Konversation über Kollegen hat, Touristen, nach Promis suchend, ihr Schnitzel erkalten lassen, so kann man hier genau so problemloses Essen haben, ganz einfach, schnell und all dies mit einem gewissen Standard.

Gut Weine gibt es, offene Weine sind nicht fordernd aber versprechen Genuss (z.b. Robert Weil Qba).

Der Klassiker, das große Wiener Schnitzel, welches wirklich ein Wiener ist und nicht nur Wiener Art, wird einem schnell serviert. Es ragt über den Teller, ist schon flach, gut gewürzt, die Panade kross goldbraun und trieft nicht. Fleich von guter Qualität. Der lauwarme Kartoffelsalat ist auch in Ordnung. Nunja, als Schwabe kennt man da bessere Versionen als der leicht süßlich abgeschmeckte Salat, doch für Berliner Verhältnisse reicht das.

Saisonal gibt es momentan dazu Spargel, wer es sich leisten will. Auf der Karte sind weitere problemlose Gerichte, die eig. jeder kennt und viele mögen. Die Desserts schließen an das Niveau eine Schnitzels an (Mousse au Chocolat etc.). Auch wenn es nicht probiert wurde, so zweifle ich nicht daran, dass diese handwerklich eben so völlig okay sind.

Was bleibt also am Ende?

Jeder der hier das erste Mal essen war, ist sicherlich ein wenig enttäuscht. Auch wenn es nicht wirklich viel auszusetzen gibt, bleibt auch nicht viel herausragendes aber viel, das leicht über dem Durchschnitt liegt. Die Erkenntnis ist und bleibt die selbe, wie bei 99% aller angesagten In-locations:

Es sind die Leute, die hier verkehren, welche die Location interessant machen.

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~ von budisfoodblog - Juni 7, 2011.

2 Antworten to “Borchardt, Berlin”

  1. Tatsächlich ist es ein Problem der Leute mit welcher Einstellung Sie essen gehen. Der „Standardgastronom“ dupliziert mit seinem Geschäft oft nur andere – „schickes Designambiente“ was gerade angesagt ist – aber auch an jeder Ecke zu finden ist. Dabei sind es die ausgefallenen „Anderen“ die das Interesse mehr erwecken. Das Borchardts ist ein Wartesaal (schallend laut) – genau – deshalb gehe ich hierher, mit großem Promi- und Spinner-Faktor, genau wie ich vor vielen Jahren zu einem „Gino Carrone“ gegangen bin in Hamburg, der seine Sperrholzregale in der Halle als Großhändler etwas weiter auseinandergestellt und dazwischen Tische positioniert hat – mit feiner italienischer Küche – ausreserviert. Essen kaufen kann man auch im Supermarkt.

  2. Lieber Herr Doktor,

    Ich möchte dieses Schreiben heute an Sie richten, da ich nicht zuletzt durch das in ihrem Verlag er schienene Buch «BERLIN für Genießer« von Wolfgang Sievers auf das Restaurant BORCHERT aufmerksam gemacht worden bin, wo wir zu unserem grossen Bedauern eher anangenhme Erfahrungen machen mussten. Ich kann Vergleiche ziehen, weil wir anlässlich unserer GOLDENEN HOCHZEIT sowohl in Wien als auch in Berlin schöne Abende in schönen Restaurants erleben wollten.
    In Wien habe ich das «Sofitel« ausgesucht, in Berlin das «Borchart«.
    Die Erlebenisse waren in beiden Restaurants wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten.
    Vor Tischreservierung hatte ich im Internet die Publikumskritiken durchgesehen, und siehe da, beide Lokale waren von den Besuchern unisono ausserordentlich schlecht beschrieben.
    Da ich mir eine eigene Meinung bilden wollte, besuchten wir zunächst das «Sofitel« in Wien. Ich hatte dort, wie später auch im  «Borchart« anlässlich der Reservierung darauf hingewiesen, dass wir unser Jubiläum feiern wollten, und unsere Erlebnisse waren auch in dieser Hinsicht «unvergleichlich«!“ Während wir in Wien gleich beim Empfang herzlich begrüsst wurden, dann beim Essen vom Servierpersonal lieb gleichsam auf Händen getragen und mit grösster Aufmerksamkeit betreut wurden, sah das in Berlin ganz anders aus, dazu jedoch später. Es stellte sich also heraus, dass die Pub likumkritiken in keiner Weise zutrafen und wir einen wunderschönen Abend im«Sofitel« verbringen konnten. Als kleines Glanzlicht, und gleichzeitig als grosser Unterschied sei nur erwähnt, dass in Wien anlässlich des Services der Desserts ein Teller mit einem liebevoll dekorierten (nicht bestelltem) Eisbaiser serviert wurde, auf welchem uns mit schwungvoller Schokoschrift zur Goldenen Hochzeit gratuliert wurden. Wir waren vom «Sofitel« begeistert! Es war ein wunderbarer Abend!

    Und dann ging´s nach Berlin. Festlich gekleidet spazierten wir erwartungsvoll über den Gendarmenmarkt zum «Borchart«. Der Empfangschef nahm uns die Mäntel ab und brachte uns zu einem Tisch neben dem Durchgang, Als meine Frau unglücklick dreinschaute, wurde dem Personal ein Wink gegeben, worauf man uns fragte, ob wir lieber beim Fenster sitzten wollte, wir wollten. Später erfuhr ich, dass im Reservierungsbuch neben meinem Namen das Wort «Vorsicht« notiert war, deshalb der Wink an das Servierpersonal! Ja, leider war diese Bermerkung sehr zutreffend, jedoch in ganz anderer Hinsicht. Ich möchte hier nicht die Qualität unseres Essens beschreiben, es war guter Durchschnitt, nicht mehr und nicht weniger, die Preise ein wenig höher, die Art und Weise jedoch, wie man bei «Borchart« sich – erfolgreich – bemühte, uns (und auch vielen Gästen rund um uns) den Abend zu vermiesen, hat mich dazu bewogen, diesen, zugegeben längern Brief zu verfassen. Nun der Reihe nach:
    BORCHART IST IN MEINEN AUGEN UND NACH UNSEREN ERFAHRUNGEN DORT, KEIN RESTAURANT, SONDERN EINE GELDBESCHAFFUNGSMASCHINE. Eine offensichtlich sehr gut funktionierende! Die Tische sind von einer Größe, besser gesagt Kleinheit, wie ich dies noch nirgendwo in der Welt angetroffen habe, sind so eng gestellt, dass die Gäste an den Nachbartischen uns gleichsam auf dem Schoss gesessen sind. Essen in Privatsphäre, und wäre sie auch noch so klein gewesen, kam also nicht in Frage. Die Durchgänge zwischen den Reihen dieser Minitische waren so eng, dass sie vom Servierpersonal oft nicht einmal passiert werden konnten, sodass meine heisse Steinpilzsuppe ÜBER DEN KOPF MEINER FRAU VOR MIR AUF DEN TISCH GEHIEVT WERDEN MUSSTE, WO ICH DEN TELLER DANN IN DER LUFT ÜBERNAHM UND VOR MICH HINSTELLTE. Auch so etwas habe ich auch noch nirgendwo erlebt! Und so ging es dann weiter, aber wie gesagt, UNSER ESSEN will ich nicht kritisieren, sondern lediglich schildern, was dann rund um uns geschah:
    Links am «Tischchen« sass ein französisches junges Paar. Die Frau bestellte eine Fischsuppe, der Mann einen Thunfisch. Woraus die Einlage der Suppe bestand, konnte ich nicht definieren, auch wenn ich fast neben ihrem Teller sass und das Procedere hautnah mit«spüren«konnte.
    Am Ende jedenfalls, war der Teller «leer« und der gesamte Tellerrand bedeckt mit der Einlage. Wie genissbar sie war konnte nicht erkannt werden, ich jedenfalls vermute, dass wenn eine Französin eine Fischsuppe ordert, sie weiss, was sie erhält, und dies auch essen würde. Na ja.
    Der Mann knabberte an seinem Thunfisch, der arm und ohne irgendeine Garnitur einsam auf dem weissen Teller ruhte, sah eher unglücklich drein, und kaum hatten diese Gäste die Vorspeise verzehrt, begehrten sie zu zahlen, standen auf, und veschwanden. So hatten wir an der Seite wenigstens ein WENIG Luft, und sahen die Gäste am übernächsten Tisch, die rund einen kanppen halben Meter von uns entfernt sassen. Aufmerksam wurde ich, als der Herr etwas serviert erhielt, dass wie ein panierter Blumenkohl aussah. Eine appetitlich braun hochgwölbte Kuppel und irgendetwas darunter. Der Gast prüfte sein Essen, nahm das Messer, und löste die gesamte Kuppel ab, unter welcher sich ein «sogenanntes Wiener Schnitzel« hervorlugte, nun allerdings ohne Panade. Wir kamen über das Wiener Schnitzel ins Gespräch, die nette Familie stammte aus dem Hunsrück nördlich der Mosel, und es stellte sich heraus, dass man – auch die Frau war mit ihrem Essen unzufrieden – nicht sehr glücklich war, über diesen Restaurantbesuch.
    So plauderten wir enttäuschten «Borchart-Gäste« eine Weile, und waren einig darüber, dass wir dieses Restaurant eher nicht mehr besuchen wollten. Die Hinweise, dass in diesem «IN LOKAL« Zelebritäten, wie Nicholson, Merkl, Obama &Co zufrieden gespeist hätten, treffen wohl ins Leere, da man bei diesen Gelegenheiten ganz sicher diese Gäste nicht an «Liliput Tischchen« platziert, sondern vermutlich eine schöne grosse Tafel im Zentrum des Lokals aufgestellt hat. Eine Bestätigung meiner Vermutung, betreffend «Geldbeschaffungsmaschine« wurde mir am Ende zuteil, als wir unsere Mäntel suchten. Der zuvorkommende Geschäftsführer hatte grosse Mühe, unsere Mäntel unter einem Riesenberg von Kleidungsstücken hervorzukramen begannen, was mich zu folgender abschliessenden Überlegung verleitete:
    Der Architekt, welcher das «Borchart« projektierte, hatte ja vermutlich vom Restaurateur die Vorgabe der Gäste-Kapazität erhalten. Und auf dieser Grundlage des Lokals, das ja wahrscheinlich am Anfang eher ein Restaurant darstellen sollte, als eine MASSENAUSSPEISUNG, wie die das «Borchart« bei unserem Besuch sich präsentierte, hatte der Architekt die Kapazität, also die Länge der «Garderobenstange« links neben dem Eingang projektiert. Wir hingegen erlebten eine Gardeobenstange mit zumindest zwei bis drei«Etagen« überfüllt mit drüberliegenden Kleidungsstücken, welche die hängenden Mänteln zudeckten. Ein klares Zeichen der «Geschäftstüchtigkeit« des Besitzers, ohne Rücksicht auf seine Gäste!
    Als wir auf unserem Rückweg über den Gendarmenmarkt am AUGUSTINER vorbeispazierten, schauten wir sehnsuchtsvoll durch die grossen Auslagescheiben in das Lokal hinein, in welchem angenehm grosse Tische standen, zwischen denen die Kellner bequem durchgehen und an jeden Tisch ohne Verrenkungen und Luftakrobatik der Teller so zu servieren imstande waren, wie dies in unserer zivilisierten Welt üblich ist, wo Gastgeber sich bemühen, ihren Gäste die Zeit wärend ihres Besuches angenehmzu gestalten.
    Im «Borchart« erlebte man leider anderes.
    Ich bedaure, dieses Restaurant in Berlin bedauerlicherweise nicht empfehlen zu können!!
    Prof Gerhard Trumler

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