Grill Royal, Berlin


Nachdem in Berlin das Borchardt besucht wurde, entschied ich mich noch am selben Tag ins Gril Royal zu gehen. Schließlich soll dieses ja mittlerweile dem Borchardt den Rang ablaufen (was zu heftigen Konversationen zwischen alteingesessenen Borchardt-fans und Grill Royal-Gängern führen soll).

Das am Spreeufer gelegene Restaurant, welches erst seit 2007 hier anzutreffen ist, präsentiert sich vergleichsweise sehr schick und hat viel von einer club location.

Neben ausgestopften Pfauen, vielen Bildern und einem in rot-grau-Tönen gehaltenen Interieur, ist es vor allem der sehr abgespacte Gang zum WC, welcher mit seinem Schwarzlicht überrascht.

Ich muss zugeben, dass mir das Ambiente sehr gefallen hat. Man kann hier sehr angenehm viel Zeit verbringen.

Ein weiterer Anziehungsfaktor stellt neben einem riesen verglasten Weinklimaschrank, welcher viele große Weine wie Dom Perignon, ’95er Kurg, F.X. Pichler und co. beherbergt, die Präsentation der Waren dar. Das Grill Royal ist Treffpunkt für Steaks und Meerestiere. Man findet hier eine Großzahl an Premiumfleisch vor. Vom Roastbeef aus Irland über Entrecôte vom Angus Rind, T-Bone Steak, Bisonfilet, bis hin zum Wagyu, bekommt man hier jedes fleischliche Vergnügen.

Die Fischkarte präsentiert zum Beispiel eine im Pergament gegarte Dorade, Seezunge oder ganz klassisch den ganzen Hummer, welchen man relativ selten vorfindet (wenn man diesen nicht unbedingt im Fischers Fritz zu dreistelligem Preis genießen möchte).

Durch die Theken kann der Gast sich selber einen Überblick von der Frische und Qualität der Produkte überzeugen, welche sich zeigen lassen kann. Heinz Horrmann behauptet hier sein bestes Wagyu Steak Berlins gegessen zu haben, was die Internetpräsenz auch gerne vorzeigt. Lustigerweise findet sich hier auch eine Aussage aus dem Gault Millau 2009 wieder: „Grill banal“. Das Grill Royal ist eben ein absolut polarisierender und kontroverser Ort.

Doch im Grill Royal sind nicht nur die Leute auf Schau aus, was die Sicht auf die Arbeit in der Küche belegt. Hinter Glas kann man den Köchen beim Steaks auflegen zuschauen, was zugegeben sehr eindrucksvoll erscheint.

Was die Gäste und den Service angeht:

Das Grill Royal ist vorerst ein Szenetreff, wie das Borchardt. Man findet hier tatsächlich eine enorm hohe Zahl an Promis, vorwiegend aus der Medienbranche vor. Man kann Udo Jürgens genau so antreffen, wie z.b. Benjamin von Stuckrad-Barre. Im Vergleich zum Borchardt sitzen hier vermehrt schräge Vögel und gnadenlose Selbstdarsteller, weniger Touristen. Der Service ist bemüht, aufmerksam und wenn man den richtigen Kellner zugewisen bekommt, kann man hier einen zuvorkommenden Service erleben. Doch die Serviceleute können auch anders, sofern der Gast es so will.

Die Gerichte und Weine sind sorgfältig ausgewählt. Man bekommt, wenn man will, neben Wagyu auch mehrere Wochen luftgereiftes Färsenfleisch vom Rittergut Temmen in Bio-Qualität oder Käse vom Affineur Waltmann. Das Grill Royal schafft damit ein sehr lockeres Ambiente zum Genießen, wenn auch zu deftigen Preisen.

Dabei werden die hervorragenden Produkte nicht verfeinert, nicht zu vollem Ausdruck gebracht, wie man es von Sterneetablissements gewöhnt ist. Hier stehen einfach die Produkte an sich im Vordergrund.

Der ganze Hummer vom Grill wird simpel mit Cocktailsauce serviert. Anbei gibt es saftigen Blattspinat. Zum Steak kann man die tpischen Beilagen wählen, wie Vichy Karotten, Röstkartoffeln, pommes allumettes oder grünen Bohnen. Alle Beilagen werden in sehr heißen kleinen Gußeisenschüsseln serviert. Das Fleisch kommt auf dem großen Speiseteller, ohne Verzierung, nur das reine Stück Fleisch.

Steaks sind optimal zubereitet, was nicht wirklich verwunderlich ist, wenn Mitarbeiter mit Fleischqualitäten arbeiten müssen,die teilweise das Kilo im dreistelligen Preisbereich angesiedelt sind. Die Desserts sind überschaubar und bieten gewohntes, jedoch kommt man nach einem ordentlichen Steak nicht immer zum süßen Vergnügen.

Um auf die aktuelle Bewertung des Grill Royals im Gault Millau zurückzukommen:

Mit 12/20P wird das Restaurant hier ziemlich abgewertet. Auch wenn man zugibt, dass Gargrade und Qualitäten hier stets zufriedenstellend sind, wird von einer simplen Küche gesprochen, jedoch im abwertenden Sinne.

Gerade hier greift meinem Erlebnis nach das Bewertungssystem nicht. Der Guide stellt fest, dass hier eben so gekocht wird, wie es in einem Steakhouse üblich ist (mal abgesehen davon, dass man hier hervorragendes Fleisch bekommt). Dies dann abzuwerten ist jedoch völlig lächerlich. Denn das Grill Royal setzt diesen Küchenstil bewusst um, nur eben auf qualitativ sehr hohem Niveau. Man versucht hier gar nicht neue Geschmackserlebnisse zu bieten oder eigenständige große Kompositionen, geschweige denn Gourmetküche.

Doch daran ist nicht all zu viel auszusetzen, denn ist es nicht auch gut, wenn es auf einem hohen Niveau Restaurants gibt, die die Lücke zwischen Sternerestaurant und einfacher Wirtsstube schließen?

So kann man über das Grill Royal und sein Klientel zwar geteilter Meinung sein. Was das Speisen – und Weinangebot angeht, gibt es rein objektiv betrachtet jedenfalls (für ein Grillhouse), weniger zu bemängeln, als viele Bewertungen es auszudrücken scheinen.

Man findet hier vielleicht einen der attraktivsten Treffpunkte vor, welcher die Verbindung von guter Küche, In-location, Treffpunkt, lässigem Ambiente und Qualitätsbewusstsein gelingt. Leider sitzt man hier aber auch nicht gerade unter vielen Sympathisanten.

Grill Royal

Friedrichstraße 105b

10117 Berlin

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~ von budisfoodblog - Juni 14, 2011.

3 Antworten to “Grill Royal, Berlin”

  1. Ja – die besten Restaurants sollen ja sowieso die sein wo man ganz vergisst dass man eigentlich zum essen hergekommen ist…..

  2. Erstaunlich schlecht geschrieben, aber ist eines meiner Lieblingsrestaurants, daher schön, dass es ein positives Feedback gab..

    • Frau Merthens,

      da würde mich doch sehr interessieren, was sie anders (inhaltlich oder formal) geschrieben hätten oder vllt. auch anders sehen. Dafür ist die Kommentarfunktion ja schließlich da. 🙂

      Grüße

      Markus

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