Le Lion – Bar de Paris (Hamburg)


Eine kleine, ziemlich versteckte Türe und darüber eine mindestens eben so schnell übersehbare Tafel, sind die einzigen Insignien, die auf eine Bar hinweisen. Sehr zentral gelegen, wenige Meter vom Hamburger Rathaus entfernt, liegt jedenfalls eine der garantiert besten Bars Deutschlands!

Der Löwe, 2007 erst entstanden, dank Jörg Meyer (welcher sich im Internet viel für die Barszene und deren Netzwerke einsetzt) sprüht voller Charme.

Die Bar ist klein und fein. Man sollte reservieren um garantiert einen Platz zu bekommen und man muss klingeln. An sich setzt dies schon fast voraus, dass man in diese Bar eingeführt wird – denn von alleine und rein zufällig wird man kaum auf diese Bar stoßen.

Wenn man dann freundlich nach unten begleitet wird, kann man sich glücklich schätzen. Eine wundebare Atmosphäre erwartet einen. Die Bar ist von Kopf bis Fuß durchdesignt ohne eben den Charme von durchdesignten emotionslosen aber durchkonzipierten Gaststätten, Pubs oder Bars zu besitzen.

Hier könnte der nächste James Bond spielen – doch zum Glück ist dem nicht so.

Trotz des noblen Ambiente, findet man hier sehr angenehme Leute vor. Unter der Woche sind sie auf das Trinken fokusiert, auf die Barkultur und glücklicherweise bietet die Bar mit ihren Räumlichkeiten auch nur wenige Möglichkeiten für aufgezwängte Kontakte.

Es herrscht auch kein Dresscode und ja darüber kann man hier froh sein. Denn so bleibt es hier mittelfristig sympathisch.

Die Bar hat keine Fenster und eignet sich somit nur schlecht zum gesehen werden. Das geht in München. Doch hier ist Hamburg.

Man kann hier also völlig die Zeit vergessen, abschalten, Drinks genießen und mit dem Bartender plaudern. Alles hat unglaublich Stil, ist aber trotzdem unverklemmt. Es gibt zahlreiche Spirituosen und Piña Colada und Aperol Spritz findet man hier glücklicherweise nicht auf der Karte.

Über Hamburg hinaus bekannt (bis nach New York), ist ein Drink, der so gar nicht hätte berühmt werden sollen. Der Hausdrink, der „Coquetiez de Lion“ sollte die Bar eigentlich bekannt machen und zum Aushängeschild werden. Es ist nun aber der „Gin Basil Smash“ geworden, ein herrlicher Sommerdrink auf Basis von Gin. Hinzu kommt nicht viel, wie bei den meisten guten Drinks. Zucker und Zitronensaft, die sich ausbalancieren und wundebarer Basilikumduft und Geschmack.

Das die Bar ertklassige Drinks mixt und dies höchst professionell, braucht man kaum zu erwähnen. Doch lustigerweise ist dies nicht immer der Fall. In vielen Bars kann man da meist nur mit dem Kopf schütteln. Von Glaubensfragen wie Orangensaft im Whiskey Sour oder eben pur, möchte ich hier nicht reden. Viel mehr geht es schon um falsche Techniken, halbgeschmolzene Eiswürfel oder eben Bars ohne erkennbarem Konzept.

Ein weiterer, extrem wichtiger Teil des Konzeptes ist banal. Trotzdem wird er in vielen Bars, meist erst am nächsten Tag, schmerzlich vermisst:

Wasser.

Im Le Lion kommr zu jedem Drink schön gekühltes Wasser. Wie in einem guten Restaurant wird dieses Glas im Laufe des Abends auch nicht mehr leer, denn es wird ständig nachgekippt – auf Kosten des Hauses.

Eine wundebare Idee, die eigentlich in jeder Bar verpflichtend sein sollte. Wasser sollte in einer Bar aufs Haus gehen. Das hat nicht nur mit dem gesundheitlchen Aspekt etwas zu tun, sondern auch damit, dass der Abend nicht nur viel entspannter abläuft, sondern auch deutlich mehr Drinks geordert werden.

Ein eher rarer Drink wurde mit dann von Mario, dem Bartender empfohlen. Ein erfrischender Williams Sour. Wunderbar abgeschmeckt und eben auch wirklich der Bezeichnung „sour“ würdig.

Aber das „Le Lion“ wäre eine schlechte Bar, wenn es hier nur ausgezeichnete Drinks geben würde. Das Speisenangebot ist den Getränken ebenwürdig. So gibt es hier kleine Häppchen, wie die durchdacht belegten Canapées, mit Käse, Oliven, Sardellen, Feigensenf und Co.

Wem dies nicht zusagt, der kann sich an getrüffeltem Schweinefilet versuchen mit ausreichend Baguette.

Um dann den Abend ausklingen zu lassen, bestellte ich noch eine Cola. Heraus kam dann dabei natürlich keine gewöhnliche Coca Cola, sondern eine äußerst interessante Interpretation einer Cola von Fentimann’s. Eine mit Ingwer gebraute Cola, welche deshalb auch etwas Restalkohol besitzt (unter 0,5 Vol. %) und schon beim Riechen Assoziationen an Kindertage mit den Haribo-Colafläschchen in der Hand erweckt. Der Geschmack dann leicht zimtig, mit etwas Schärfe durch den Ingwer, sehr komplex, schon fast etwas an Weihnchten erinnernd, dank der Würzigkeit. Wunderbar!

Insgesamt verbrachte ich schließlich zwei wunderbare Abende hier und ging mit vielen Eindrücken und neuen Kenntnissen nach Hause. Das „Le Lion“ ist eine Bar, wie man sie aus Filmen kennt oder eben eine Bar, wie man sie sich immer vorstellt. Ruhig, mit wunderbaren Drinks, anstatt Obstschalen, kompetenten Bartendern, anstatt Artisten, viel Stil und Charme. Ein Ort, andem man die Zeit vergisst, abschält und an dem alle gleich sind.

Begleitet wurde ich hier durch den letzten Abend von Mario, der es wunderbar versteht, den Gast zu unterhalten. Außerdem kann man sich eine Menge an Fachinformation bei ihm einholen. Über 700km trennen mich zwar vom Löwen. Doch meine Bar, die habe ich hier gefunden!

Le Lion – Bar de Paris

Rathausstr. 3

20095 Hamburg

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~ von budisfoodblog - Juli 21, 2011.

5 Antworten to “Le Lion – Bar de Paris (Hamburg)”

  1. Auch absolute Cocktail-Dilettanten wie meine Wenigkeit erleben in dieser Perle Hamburgs die wahre Kunst des klassischen Cocktails… hier werden die Getränke nicht zubereitet, sondern komponiert… dabei zaubern die Bartender – die Architekten des Alkohols – auf erstaunlich ungezwungene, nahezu spielerische Weise Getränke – mal frisch, mal herb, mal vollmundig oder verführerisch – und kreieren gleichzeitig eine so unterhaltsame, familiäre, angenehme Atmosphäre, wie sie heute leider das Gros der (deutschen) Bars vermissen lässt… der Löwe öffnet eine verborgene Tür in eine Zeit und einen Ort, wo man einen guten Drink wieder genießen darf. Und wem nach einem langen Tag der Sinn einfach nach einem guten Bier steht, wird auch nicht enttäuscht, selbst, wenn es ein französisches ist.

  2. Wunderbar zusammengefasst!

    Wenn es hier eine mit Ingwer gebraute Fentiman’s Cola gibt, anstatt der gewohnten Coca Cola oder ein französisches Bier, freut mich dies um so mehr. Das zeigt ja gerade exemplarisch, wie detailverliebt hier gearbeitet wird. Selbst über eine Cola oder ein Bier macht man sich hier Gedanken, hinterfragt die gewohnten Getränke und serviert etwas neues!

    Ich finde diese Bar trifft sehr gut den Gedanken Schumanns Beschreibung von einer Bar.

    „Eine Bar ist ein Ort, den man als Wohnzimmer betrachtet. Wo man zu Hause ist und trotzdem gehen kann, wann man will.“

  3. Die Bar hört sich ja wirklich interessant an – ist bei unserem nächsten Hamburg-Besuch fest eingeplant!

    Und vorher geht es wieder in das Piment – meiner Meinung nach ein absolutes Kleinod mit einer Küchenleistung auf **-Niveau. Zudem eine sehr angenehme im positiven Sinne „kuschelige“ Atmosphäre ideal für den Besuch zu zweit mit Partner. Nur die Weinkarte ist noch ausbaufähig…

    • Unbedingt besuchen! Ich war gerade im Schumanns in MUC und nicht einmal dieser Kultort kommt dagegen an. Das bezieht sich nicht auf die Cocktails, sondern die viel ruhigere Atmosphäre und den direkteren Kontakt zum bartender. Im Schumann’s fühlt man sich weniger im Wohnzimmer als in Hamburg. Fürs Piment hatte ich beim letzten Besuch leider nicht die Zeit.

  4. […] Die Bar ist ein fensterloser, mit Teppich ausgelegter Raum, das Licht schimmert in einem warmen Gelbton und sorgt für ein elegante Gemütlichkeit, die dunklen Wände bilden einen Kontrast zum Löwen, der hinter der Bar thront. Es herrscht in der Bar auch so eine spezielle zurückhaltende Noblesse. Ich will das mal so beschreiben: Es gibt kein Dresscode. Wenn man ungeplant in die Bar stolpert, in Jeans und Sneakers und nicht mit dem feinsten T-Shirt – das ist egal, an der Tür wird einem freundlich die Jacke abgenommen und ich fühle mich sofort wohl dort, ich habe mich dort niemals over- oder underdressed gefühlt. Gut, ich würde dort nun nicht in Bermuda-Shorts und Flip Flops reinrauschen. Ob Anzug oder Jeans, ob Budapester oder Airmax – es mischt sich in diesem kleinem Raum auf angenehme Art und Weise. […]

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