Béla Hamvas: Philosophie des Weins


„Philosophie des Weins“, so heißt der Titel des ungarischen Schriftstellers Béla Hamvas.

In diesem kurzen Büchlein findet man ein Konzentrat vor oder vielleicht die Essenz des Weingenusses an sich. Hamvas schreibt im Stile eines Nietzsche, mit viel Ironie während erhobenem Zeigefinger, unzufrieden, zornig und doch amüsant zugleich. Über mehrere Kapitel widmet er sich dem Thema Wein, erläutert nach philosophischer Manier wann man Wein trinken sollte, wie, welchen und warum. Dabei nähert er sich Themen wie Frauen und Wein, Edelsteinen, Getränken für den Geist, Wein im Zusammenhang mit dem Mund und dessen zentrale Rolle und kritisiert verschiedenste Trinkerbilder. Béla Hamvas schreibt dabei stets vom Atheismus, der reinen Vernunft, sachlich nüchternen Lebensanschauungen und unter all dieser Maske der Lebensfreude, dem „Ja zum Leben“ und der Heiterkeit, bringt er noch geschickt eine Systemkritik unter.

Wenn Hamvas weg vom abstrakten Leben will, dann bejaht er den Wein und verschmäht die Nüchternheit. Dies gelingt ihm bestens, ohne auf banale Trinkfreuden abzudriften und eine Flucht in den Alkohol zu huldigen.

Das im Jahr 1947 erschienene „Gebetbuch für Atheisten“ berichtet ausführlich von vielen Rebsorten. Davon sind ein Großteil heute leider nicht mehr vorhanden. Doch die große Aussage bleibt abrufbar.

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~ von budisfoodblog - Juli 29, 2011.

4 Antworten to “Béla Hamvas: Philosophie des Weins”

  1. Hi Budi,

    Ohh, jetzt erst entdeckt. Das Buch kenn ich gar nicht! Eigentlich ziemlich peinlich ;-), in Anbetracht der im Buch behandelten Themen.
    Hört sich aber sehr interessant an! „Geistig flach“ scheint es auch nicht zu sein. Oder? Wein und Atheismus! Das muss ich kaufen 🙂

  2. Sehr bedeutendes Buch!
    Kannst unbedingt lesen – wobei es eben auch wie vllt. der Titel assoziiert keinerlei Stammtischniveau oder hohle Phrasen beinhaltet.

    Dahinter verbirgt sich auch eine ziemlich intelligente Kritik der Zeit. Wird aber auch im Anhang erläutert.

  3. Vorab erwähnt: mir gefällt das Buch und dessen Ansatz sehr! Ich denke es ist passend und legitim sich dem im Endeffekt hoch subjektiven zentralen Thema auf diese Art und Weise zu nähern. Durch die sehr lyrisch-herzblut-lastige Sprache wird die Begeisterung zum Objekt, aber auch natürlich seine biographische Situation, sehr stark deutlich. Auch das Abgleiten in mystisch-esotherische Formulierungen und die Transponierungen in das Alltagsleben finde ich sehr passend. Ich stoße mich ganz sicher nicht an der blumigen Radikalität bzw. an dem „auf den Putz hauen“, nun ja – auch sehr oft satirischen Art, seiner Formulierungen. Ein sehr emotionales, informatives und leider kurzweiliges Buch.
    Um auch etwas Kritisches zu vermerkten möchte ich sicher auf den Aspekt hinweisen wollen, dass es sich wohl weniger um eine für das 20. Jahrhundert typische philosophische Abhandlung bzw. methodische Herangehensweise handelt. Eine klare, strukturierte und scharf durchdachte Analyse, wie die meisten seiner zeitgenössischen Philosophenkollegen (z.B. Jaspers, Heidegger – HaHa, und so manch andere zumeist deutschen Denker) sie mehrheitlich anwendeten, oder zumindest von sich selbst annahmen, vermisse ich zwar überhaupt nicht, sie meiner Meinung nach in diesem Büchlein nicht wirklich vorhanden. Aufgrund der Thematik für mich absolut legitim. In Hinsicht bezüglich Sprachverwendung, Schreibstil und Aufbaus des Textes merkt man schon, dass er doch in erster Linie ein Lyriker/ Essayist/Novellist und kein „kalter-analytischer“ Philosoph war. Ich könnte mir vorstellen, dass sich so mancher „Hardcore-Philosophie-Freund-Akademischer-Prägung“ an diesem Zustand stoßen dürfte. Meiner Meinung nach macht eben diese spezielle Art des Schreibens den Text umso interessanter, wenn ich auch nicht mit allem was er zum Besten gibt einverstanden sein möchte.

    Beim weniger philosophierenden Abschnitt des Buches fand ich die Faktenaufstellung der einzelnen Weine und Rebsorten sehr informativ. Leider führte das dazu, dass ich ständig im Weinlexikon und im Internet nachschauen musste, was das nun wieder für eine Rebsorte bzw. Speise ist von der ich noch nie etwas gehört habe. Ach ja, ein Glas Schomlauer würd ich jetzt gerne auch mal trinken. Die Situationsbeschreibungen wann und mit wem man welchen Wein zu genießen hat fand ich sowohl amüsant als auch größtenteils imaginativ nachvollziehbar.

    Tolles Büchlein. Danke für den Tipp Budi!

    So, jetzt muss ich mal recherchieren ob, und wenn dann was, Slavoj Žižek, einer meiner Lieblinge ;-), über Béla Hamvas meint oder vielleicht sogar geschrieben hat. Die radikale, aber auch ganz sicher „augenzwinkerische Art“, hat mich beim Lesen der „Philosophie des Weines“ doch des Öfteren an ihn und seine philosophischen Texte erinnert, wenn seine Themen natürlich doch ganz anders gelagert sind. Ganz zu Schweigen von seiner Person 😉

  4. Das fasst das kleine aber feine Büchlein doch sehr prägnant zusammen!

    Ich musste auch öfters nachschlagen um dann ernüchtert festzustellen, dass viele Weine heute in dieser Form nicht mehr existieren. Doch die Gedanken und die Emotionen, mit denen hier der Weingenuss gelebt wird, zeigen schon in welche Richtung dies geht und machen genaue Rebsortenbeschreibungen hinfällig. Die Aussage kommt auch heute noch beim geneigten Leser an, was ja auch durch die vielen Anmerkungen bzw. Nachworte gesichert ist. 🙂

    Wie gesagt merkt man Hamvas Geisteshaltung und ungarischen Charakter durch die hitzige, emotionsgeladene, spöttisch-neckische Wortwahl an.

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