Van Nahmen – Privatkelterei seit 1917


Am Niederrhein gibt es ein Familienunternehmen, welchem besondere Wertschätzung und Beachtung gegeben werden sollte.

Es handelt sich hierbei um die Van Nahmens, die für mich (und viele andere) die bestmöglichen Säfte erzeugen. Hier wird in dritter und vierter Generation leidenschaftlich die Idee der Wertschätzung regionaler Produkte gelebt.

Doch das ganz besondere an der Privatkelterei ist die Art und Weise, wie sie sich für völlig vergessene und teilweise bedrohte Früchte einsetzt. Das dies auch seine Berechtigung hat, zeigt die unglaubliche Palette an sortenreinen Apfelsäften, welche mich am meisten beeindruckt hat.

Vom Jonagold Apfelsaft über bekanntere Apfelsorten, wie Topaz und Elstar bis hin zu Raritäten wie der roten Sternrenette, einer Sorte, die nur noch selten auf Streuobstwiesen anzutreffen ist und als höchst erhaltenswert bezeichnet werden muss.

Die Apfelsäfte werden zu 100%igem Direktsaft gekeltert. Damit sich die mühsame Rekultivierung lohnt, zahlt die Privatkelterei deutlich höhere Preise an ihre Obstwiesenbesitzer. Damit steigen zwar die Flaschenpreise auch deutlich im Vergleich zu den handelsüblichen Säften. Doch sie sind eben kein Vergleich dazu.

Mit den Säften wird sehr sorgfältig umgegangen, so sind die sortenreinen Säfte in der Gourmetflasche erhältlich, mit wunderbaren Motiven. Ausführliche Beschreibungen gehen auf die Sorten und ihre Typizität ein.

Das Familienunternehmen hat es mit seinen Säften schon weit gebracht. Neben dem Bundespräsidialamt finden die einzigartigen Säfte bei zahlreiche Restaurants der Spitzengastronomie Anklang.

Meine größte Erfahrung mit Van Nahmen Säften, habe ich mit den Apfelsäften gemacht. Hier habe ich sechs unterschiedliche Säfte geordert und täglich eine neue Flasche geöffnet. Dabei war ich sehr erstaunt darüber, wie sehr sich doch die einzelnen Sorten voneinander unterscheiden. Ich habe ursprünglich geplant, auf jede einzelne Sorte einzugehen und diese zu beschreiben. Doch habe ich festgestellt, dass die Beschreibungen auf den Etiketten die Geschmackseindrücke bestens beschreiben und ein Vergleich hier ohnehin nicht nötig wird, da ich keinen Apfelsaft dem anderen vorziehen würde. Jede Sorte hat ihre Berechtigung und mit jedem Öffnen einer Flasche, hatte ich einen neuen vermmeintlichen Favoriten.

Doch das Angebot der Van Nahmen Säfte geht deutlich über eine Mosterei hinaus. So befindet sich nahezu jeder erdenkliche Saft in der Angebotspalette. Dabei stets in Referenzqualität. Je nach Saft eignet sich das „verdünnen“ mit Sprudel oder Wasser mehr oder weniger. So verlieren die intensiven Säfte, wie Morellenfeuer und die Williams Christ Birne an klarem Geschmack, wobei letztere ihre wunderbare dickflüssige Konsistenz verliert.

Der Rharbarbernektar ist jedoch gerade dazu prädestiniert, um mit Sprudel aufgegossen zu werden. So entsteht einer der entspanntesten und erfrischendsten Sommergetränke.

Bei allen Säften möchte ich jedoch explizit darum bitten, den Säften ihre verdiente Wertigkeit zu geben und diese in Weingläsern zu genießen. Dies verleiht dem Produkt nicht nur oberflächlich eine gewissen Wertschätzung, sondern vergrößtert deutlich den Genuss. Als optimal haben sich bei mir Weißweingläser, wie z.b. für einen Riesling herauskristallisiert. Da die Säfte derartig intensiv und fein im Duft und Geschmack sind, lohnt es sich, diese bewusst zu verkosten. Gerade bei den Apfelsäften werden Unterschiede so deutlicher. Alle Säfte hatten den größten Genuss, als ich sie leicht gekühlt serviert habe.

Ein ganz besonderer Saft, bei dem die Weinglasthese deutlich wurde, war die „Konstantinopeler Apfelquitte“. Der Quittennektar stammt von bis zu 60 Jahre alten Bäumen aus Streuobstwiesen im Niederrhein und Münsterland. Es handelt sich hierbei um einen außergewöhnlichen Nektar, geprägt von einer enormen Intensität und Komplexität, wie bei einem Wein. Genau daran hat mich dieser Nektar auch erinnert. Denn das ungewohnte Bukett strahlt einen Duft von Quitten aus, wobei  eine leichte Note von Zuckerrüben diesen Duft begleitet. Geschmacklich kann man diesen Nektar, wenn noch nie verkostet, mit den Aromen von Eiswein oder einer Riesling Auslese vergleichen. Ein unglaublich komplexer Nektar! Erstaunlicherweise kehrt sich dies beim Aufgiessen mit Sprudel um und es entsteht, ähnlich wie beim Rharbarbernektar, ein erfrischend anderes Sommergetränk.

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~ von budisfoodblog - Oktober 2, 2011.

Eine Antwort to “Van Nahmen – Privatkelterei seit 1917”

  1. … toll geschrieben. Man selber traut sich das ja nicht so aufzuschreiben. Aber wir sind ganz bei Ihnen und es ist motivierend, Ihre Zeilen zu lesen. Wir werden uns bemühen noch besser zu werden und noch ein paar ausgefallene Sorten zu finden, die ein eigenes Geschmacksprofil haben. In diesem Jahr gibt es auch übrigens wieder Rote Sternrenette und Kaiser Wilhelm (ca. in 2 wochen). Wir sind schon gespannt, wie der in diesem Jahr schmeckt. Letztens hatten wir eine Vergleichsverkostung von 5 Jahrgängen Rote Sternrenette mit einem Redakteur der Zeitschrift VINUM. Wirklich spannend zu sehen, wie die Typizität der Frucht (Würzig, Zimtaromen) sich über die Jahre halten. Aber trotzdem jeder Jahrgang aufgrund der Vegetation unterschiedlich ist. Peter van Nahmen

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