Weinhandlung Kreis & Krämer, Stuttgart: Rhône-Verkostung


Am 17. Oktober fand in der Weinhandlung Kreis & Krämer in Stuttgart Süd eine große Rhône-Verkostung statt. Für 10€ konnte eine Großzahl an Weinen verkostet werden. Bei einem Aufpreis von 5€ kam man in den Genuss besonders hochwertiger Gewächse. Die Auswahl repräsentierte relativ gut, die Palette der Weinhandlung an Rhône Weinen. Neben vorwiegend Rotweinen, gab es auch diverse Weißweine (weißer Châteauneuf-du-Pape!) im Ausschank.

Von den insgesamt 28 verkosteten Weinen, möchte ich den ein oder anderen hervorheben, der mir besonders durch seine Einzigartigkeit aufgefallen ist. Dabei waren sowohl einfache Alltagsweine, sowie rare Gewächse und Flaschen, die noch Zeit brauchen.

Bei den Weißweinen wurde von der Domaine Bernard Gripa aus Mauves (nördliche Rhône), ein 2007er Saint-Joseph blanc angeboten. Dieser besticht zunächst durch sein atemberaubendes Bukett von Rosinen oder getrockneten Pflaumen. Am Gaumen ein unglaublich kräftiger Wein, mineralisch und sehr trocken. Aus dem Spitzenjahrgang 2009 stand von selbigem Winzer, der nahezu doppelt so teure Saint-Joseph „Le Berceau“ auf dem Verkostungstisch. Dieser begeisterte noch mehr durch seine Konzentration, wenngleich dieser auch noch lange nicht auf seinem Höhepunkt ist. Definitiv ein Wein, dem man Zeit geben sollte (Vorfreude ist ja bekanntlich die Schönste).

Deutlich trinkfreudiger zeigten sich bei den Rotweinen dann von „Mas de Libian“ aus Saint-Marcel d‘ Ardèche aus 2010 sowohl der Côtes du Rhône „Bout d’Zan“, als auch der „Villages Khayyâm“. Beide Weine liegen bei ungefähr 10€ und zeichnen sich neben mächtigem Bukett durch verständliche aber anziehende Aromen aus. Beide weine sind sehr mächtig (15,5%), wobei letzterer noch üppiger erscheint – aber auch etwas harmonischer. Beides attraktive Weine zu einem schweren Essen.

Von der Domaine Richaud aus Cairanne, beeindruckte mich der hochwertige  Côtes du Rhône Villages Cairanne Ebrescade aus 2006. Der CdR liegt bei knapp 30€, ist diese jedoch jetzt schon wert. Die Weine von Marel Richaud sind Naturweine, ungeschönt und gerade deshalb so wundervoll. Ein sehr harmonischer CdR, mit einer Vielzahl an Aromen und von einer edlen Struktur. Ein CdR im Smoking!

Auch dieses Jahr glänzte aus Orange die Domaine Villeneuve. Hier mit dem Jahrgang 2007. Der Châteauneu-du-Pape der Cuvée Vieilles Vignes zeigt sich erneut bombastisch gut. Enorm vielschichtig, aromatisch, wuchtig und trotzdem ausgewogen. Sowohl Jahrgang 2004, als auch 2005 waren Spitzenabfüllungen. Der 2007er schließt erneut an. Unbedingt probieren. Macht jetzt schon mächtig Freude und in ein paar Jahren eben noch mehr!

Eine weitere Offenbarung bei den Rotweinen gab es mit einem Cornas der Domaine Guillaume Gilles. Der „Cornas Combe du Chaillot“ aus 2009 sollte noch in den Keller, doch wenn man es jetzt schon nicht mehr abwarten kann, sei einem verziehen, denn die beerigen und pfeffrigen Duftnoten betören! Dazu kommt eine Eleganz, ausgelöst durch einen Hauch an Tannin. Die Fakten machen außerdem neugierig, denn heir handelt es sich um einen Einmannbetrieb mit 3 Hektar Rebflächen!

Ein Preisleistungsschnäppchen war auch anzutreffen. Meiner Meinung überraschenderweise bei der Domaine Jamet aus Ampuis! Der 2008er Syrah VdP hat pfeffrige Noten, viel Würze und trotzdem eine dominante Frucht. Der Vin de Pays besitzt samtige Tannine und fällt sehr leicht aus. Der 2008er Jahrgang liegt bei knapp über 9€.

Die beiden letzten Weine der Verkostung (Domaine Jamet), waren auch gleich die Highlights. Der etwas einfachere 2008er Côtes du Rhône für 15€ vereinte alle Faktoren für einen ausgewogenen Wein. Pfeffrige Duftnoten, pure Kraft am Gaumen, voller Frucht, keine harten Tannine, etwas wilde Aromen (Holz, Pilze), Eleganz und Trinkfreude ohne schwere Speisen. Ein wunderbarer CdR, den ich gerne alleine und für sich sprechen lasse.

Der 2006er Côte Rôtie für ca. 50€ legt hier noch eins drauf, wirkt noch eleganter, feiner. Hinzu kommen etwas Aromen von Kräutern. Der Wein wirkt geradliniger, jedoch noch etwas gezügelt und zurückhaltend. Bei diesem Côte Rôtie kann man momentan nur erahnen, wie groß er später wird. Einer der verschlossensten Weine des Abends, wenn auch ein ganz großer!

Die Weine im Überblick:

Weißweine:

Domaine Bernard Gripa (Mauves)

-2007 Saint-Joseph blanc à 22,20€

Rotweine:

Mas de Libian (Saint-Marcel d’Ardèche)

-2010 Côtes du Rhône Bout d’Zan à 8,10€

-2010 Côtes du Rhône Villages Khayyâm à 10,90€

Domaine Richaud (Cairanne)

-2006 Côtes du Rhône Villages Cairanne Ebrescade à 29,40€

Domaine Villeneuve (Orange)

-Châteauneuf-du-Pape Cuvée Vieilles Vignes à 31€

Domaine Guillaume Gilles (Cornas)

-2009 Cornas Combe du Chaillot à 29,50€

Domaine Jamet (Ampuis):

-2008 Syrah Vin de Pays à 9,30€

-2008 Côtes du Rhône à 15€

-2006 Côte Rôtie à 49,00€

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~ von budisfoodblog - Oktober 18, 2011.

14 Antworten to “Weinhandlung Kreis & Krämer, Stuttgart: Rhône-Verkostung”

  1. Hey. Ich war auch bei der Verkostung. Schöner Zufall. Ich kann den Beschreibungen nur beipflichten. Sehr erstaunlich fand ich, dass auch einige 2008er sich trotz des sehr fraglichen Jahrgangs, hervortun konnten. Im speziellen der Saint-Joseph von Gripa und die Leichten von Jamet. Die Weine von Mas Libian fand ich zwar relativ einfach und bodenständig, aber sehr gelungen. Interessant das die beiden doch so viel Volt hatten. Ist mir bei der Probe gar nicht so sehr aufgefallen. Die Weine von Richaud und Guillaume zeigten meiner Meinung nach ebenfalls sehr viel Potential und zukünftig viel Trinkfreude. War mal wieder eine sehr interessante und lehrreiche Weinprobe bei Herrn Kreis. Zu den aus meiner Sichtweise „interessanten Weine“ hab ich noch eine kleine Frage an Dich. Wie haben Dir die Weine von der Domaine Les Bruyères gefallen? LG

  2. Klasse! Hätte nicht gedacht, dass es den ein oder anderen „Mitverkoster“ erreicht!
    Freut mich natürlich sehr, wenn meine Tips noch Zustimmung finden!

    Ich habe gerade mal die Liste herausgekramt:

    Die Weine von Jamet haben mir sehr zugesagt und neben dem Vin de Pays, hat mich vor allem der Côtes du Rhône aus 2008 fasziniert. Davon habe ich mir auch noch den 2007er besorgt, der schon trinkfreudiger sein soll.

    Die Mas de Libian Weine haben mich auch überrascht im Kontext Preis/ Leistung, da die Weine ja nun wirklich erschwinglich sind. Solche Weine kann ich mir sehr gut im Sommer draußen beim Grillen mit Freunden vorstellen. Unkomplizierte Spaßweine, ohne anspruchslos zu sein!

    Die Weine von Richard habe ich nicht ganz so glänzend gesehen, außer dem 2006er CdR Villages Cairanne Ebrescade, für knapp 30€.
    Dafür haben mich aber die Weine von Guillaume um so mehr überzeugt (liegen aber preislich auch kaum vergleichbar).

    Von der Domaine „Les Bruyères“ habe ich mir nichts auffallendes notiert, bzw. kaum etwas notiert, wie ich sehe. Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich den 21er dem 20er vorgezogen habe (Crozes-Hermitage vor Syrah Vin de Pays), was aber schwer zu vergleichen ist. Außerdem liegen die Weine ja auch preislich auseinander.
    Gibt es da was bestimmtes, dass Dir gefallen hat oder schlecht sein sollte?

    Insgesamt kann ich da nur zustimmen: Tolle Weinauswahl, klasse Ablauf und Sortierung der Weinstationen. Freue mich auf die Champagnerprobe im Dezember!

    • Eigentlich hatte keine besonderen Hintergedanken. Bei den beiden „Les Bruyères“ hätte mich nur noch mal eine Zweit- bzw. Drittmeinung interessiert. Beim Verkosten währe ich nicht in 100 Jahren darauf gekommen, dass dies 100%ige Syrah Weine sein sollen. Ich hätte schwören können, dass da ne Menge Grenache drin ist. Na ja, dieser etwas seltsam/penetrant fruchtige Stil scheint wohl für das Weingut typisch zu sein. Habe schon einmal die No. 20 vor einem guten Jahr aus einem anderen Jahrgang gehabt. Damals war der bei einer Privatverkostung auch sehr polarisierend. Ich muss gestehen, dass mir die beiden nicht sonderlich geschmeckt haben. Dennoch denke ich, dass solche Weine auch etwas Interessantes haben. Es gibt viel zu viele Weine die nach Einheitsbrei schmecken. Auch an der Rhone.
      Ja die Champagner Probe dürfte schön werden. Letztes Jahr war wirklich super. Mal schauen ob ich es hin schaffe. Von den Egly-Ouriet Weinen bin trotz ihrer frechen Preise sehr begeistert. LG

      PS: Falls du Weinbetriebswirtschaftstudent in HN sein solltest. Da gibt es Mitte November auch eine große und interessante Weinprobe. Weiß gerade bloß nicht wann. Muss mal im Kalender nachschauen.

  3. Wie gesagt, habe ich bei den beiden Weinen kaum etwas notiert. Ich meine auch, dass ich/ wir da schnell weitergegangen sind (bei so vielen Weinen muss man auch Prioritäten setzen).

    Egly-Ouriet gefällt mir auch wunderbar. Der Rosé schmeckt etwas wie eingekochte Erdbeeren und hat eine anziehende Mineralität.
    Aber es gibt bei Kreis fast nur charaktervolle und teilweise sehr rare Champagner in einzigartiger Zusammenstellung (C. Bouchard, E. ouriet, Larmandier-Bernier, Billecart-Salmon,…)!

    Jap ich studiere momentan WB in Heilbronn (1. Semester).
    Da bin ich doch mal gespannt, was es hier gibt! Studierst Du auch hier oder wie kann ich das verstehen?

    Grüße

    Markus

  4. Stimmt. Beim Kreis gibt es meistes Sachen die es sonst kaum gibt. Auf C. Bouchard bin ich mal gespannt. Den hat er wohl neu im Programm.

    Ne ich studiere nicht in HN. Hab mein Studium seit wenigen Jahren hinter mir. Hab mir nur gedacht, dass es nicht so viele WB Studiengänge geben dürfte. Dann lag ich ja richtig.

    Hab noch nachgeschaut. Das Winzerforum ist am am 11.-12. November von 14 – 20 Uhr in der Winery in HN. Vielleicht stellen sie noch online ein wer da alles zu Gast sein wird. Meistens doch einige große Namen primär aus Deutschland. LG Chris

  5. Der Inflorescence ist auch bei mir im Blog zu finden!

    Sehr gut, dann werde ich da sehr wahrscheinlich vorbeischauen! Danke fürs Nachschauen!

    Grüße

    Markus

  6. Kann den Bewertungen nur zustimmen. Auch bei mir sind die hochpreisigen Saint-Joseph blanc von Gripa, sowie der Châteauneuf von Villeneuve und Cornas Combe du Chaillot von Gilles ganz oben auf der Liste.
    Außerdem der Crozes-Hermitage „Georges Reynaud“ von Les Bruyères, der Côtes du Rhône Villages Cairanne von Richaud und für „jeden Tag“ den Côtes du Rhône von des Amouriers.
    Generell waren aber fast alle angebotenen Weine von sehr guter Qualität. Hatte schon lange keine so ausgeglichen gut besetzte und wenig polarisierende Weinprobe bei Kreis mehr erlebt.

    • „Hatte schon lange keine so ausgeglichen gut besetzte und wenig polarisierende Weinprobe bei Kreis mehr erlebt.“

      Das interessiert mich jetzt genauer! 🙂

      • Naja, Kreis und Krämer wären nicht so gut, wenn sie immer nur Mainstream anbieten würden.
        Beide haben einen sehr guten, aber häufig auch sehr eigenwilligen Geschmack und egal ob es die Riesling, Chardonnay oder was auch immer Verkostungen waren: Es sind immer ein paar typische Kreis-Perlen dabei, die man entweder toll oder furchtbar findet. Geschmäcker sind (zum Glück) ziemlich verschieden und gerade bei den Kreis-Verkostungen gibt es immer ein paar Weine über die leidenschaftlich debattiert wird.
        Diese Rhone-Verkostung war fast schon langweilig Mainstream (aber verdammt guter), lediglich die Syrah Collines Rhodaniennes von Les Bruyéres wurde überwiegendd kontrovers beurteilt.
        Ich kann mich noch an Verkostungen erinnern, wo ich nach 30 Weinen nur 2-3 Weine hatte, die ich mir in den Keller legen würde. Dieses mal muß ich mir eher überlegen welche Bank ich ausraube…

  7. Stimmt , die Auswahl ist extrem individuell und sehr subjektiv. Das finde ich aber klasse und das ist mitunter ein Punkt, den ich mir teilweise mehr wünsche (bei Weinhandlungen als auch auf Weinkarten in Restaurants). Nichtsdestotrotz fehlen somit auch viele Weine, die bei anderen Händlern eine feste Bank bilden. Zum Beispiel vermisse ich eines meiner Lieblingsweingüter J.J. Prüm hier sehr. Dafür erfreue ich mich wiederrum an mir teilweise unbekannten Weingütern, die ich so niemals entdeckt hätte und die auch vielen anderen Weinhändlern total fremd sind.

    Die Champagnerprobe wird insofern für viele befremdlich, die die „großen“ Namen suchen. Kreis hat hier wahre Perlen der Champagne im Angebot, die aber nur sehr wenige Leute kennen.
    Ich bin mir sicher, dass diese Probe durch die Bank positiv aufgenommen werden wird (und freue mich riesig!).

  8. Nachdem ich den Bericht zur Loire-Verkostung entdeckt und dort etwas ausführlicher gepostet habe hier meine „Gewinner“ der Rhone-Verkostung:

    Jamet, Cote Rotie
    Weltklasse. Als ich diesen Wein zum ersten Mal probieren durfte sah ich mich beim ersten Schluck staunend in Florenz stehen, in der Accademia vor Michelangelos „David“. Dieser Wein vereint wie das Kunstwerk Kraft und Eleganz. Ein seidener, feinsinniger Monolith. Zum schwelgen.

    Gripa, weiß und rot
    Der „einfache“ blanc war auf den Punkt, den habe ich uns gleich zum ersten Weihnachtsgang gesichert. Beim Berceau das Holz noch viel zu sehr im Vordergrund, der muss noch geraume Zeit liegen. Der Rote sehr pikant und elegant – ein Musterbeispiel, weshalb ich die Weinhandlung Kreis so liebe.

    Gilles
    Beide Cornas eine Offenbarung. Feiner, strukturierter, frischer momentan der Combe du Chaillot. Mächtig, dicht, lang aber noch etwas verschlossen der Conas.

    Preis-Leistung
    Bruyeres Rhodaniennes (zum gegrillten Lamm)
    Richaud terre de Galets (zum Osterlamm)
    Beides leicht rauchige, unbeschwerte Essensbegleiter

    Villeneuve ist nicht mein Ding. Mir persönlich zu Grenachebetont, schwer, animalisch, leicht stallig.

  9. Das geht aber schnell hier mit dem Kommentaren! 😉

    Jamet C-R ist narürlich keine Überraschung. Wunderbarer Wein, der eben auch noch Zeit braucht und dann ungemein gut.

    Im Nachhinein eine der gelungensten Weinproben auf denen ich bislang war (Im Bezug auf Weinauswahl, Aufbau und Variation).
    Warst Du auch auf der Champagner-Verkostung?

    Für Spanien hatte ich leider keine Zeit…

  10. Leider nein, die Champagner-Probe ist mir inzwischen zu überfüllt. Zuletzt vor drei, vier Jahren dagewesen. Hier sind unsere Favoriten der Larmandier-Bernier Extra Brut Blanc de Blancs und wenns gehaltvoller sein darf der Egly-Ouriet Tradition GC. Natürlich hat die Weinhandlung weitere interessante Flaschen im Programm, die sprengen aber weitgehend unser Budget.

    Spanien hatte ich ebenfalls keine Zeit, kaufe mir aber hier und da ein Einzelfläschchen in der Münzstrasse. Mein Favorit hier bisher der Petalos von Palacios. Zum Hirschgulasch hatten wir diesen Winter einen Sottorondero von Jimenez-Landi, ebenfalls ein toller Erfolg.

    • Ja klar – die Champagnerprobe ist immer sehr gut besucht!

      Kenne beide Champagner und mag beide. Besonders der E-Ouriet Tradition Grand Cru gehört zu den interessantesten Champagnern, die ich kenne!

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