Zalto – Denk’Art Weingläser


Als 2009 im „Stern“ ein Artikel über einen groß angelegten Gläsertest erschien, wurde ein neuer Star am Gläserhimmel geboren.

Dieser Test erinnert ein wenig an das „Judgement of Paris“, einer Verkostung die 1976 vom Weinhändler Steven Spurrier organisiert wurde und die größten französischen Gewächse mit den damals noch unbekannteren kalifornischen Weinen vergleichen sollte. Das damals nicht die Franzosen die Höchstnoten bekamen war ein Skandal und sollte die Weinwelt in erheblichem Maße verändern…

Beim Stern-Test waren sowohl Laien als auch eine Fachjury mit etablierten Fachleuten der Weinbranche vorhanden. Sommeliers wie Hendrik Thoma oder Gerhard Retter, Weinjournalisten als auch die Geschäftsührer und Vertreter der Glashütten selbst. So waren Georg Riedel, Eberhard Eisch, Gerhard Frank (Zwiesel), Johann Nagl (Stölzle) und auch Josef Karner (für Zalto) anwesend.

Dabei wurde ähnlich wie beim „Judgement of Paris“ blind verkostet. Es gab Augenbinden und Handschuhe. Unter den Gläsern waren sowohl einfache Gläser ab 5€, wie auch feinste mundgeblasene Gläser bis 55€.

Am Ende landeten auf den ersten Plätzen (Riesling/Burgunder/Bordeaux) stets Zalto Gläser.

Seitdem gibt es in einschlägigen Foren und allgemein in der Weinbranche viele Diskussionen über diese Gläser. Die Gläser werden in der Sternegastronomie (z.b. Juan Amador) genau so geschätzt wie von zahlreichen professionellen Verkostern und Weinjournalisten, sowie Winzern.

Grund genug für mich, sich die dargebotenen Gläser und das Unternehmen mal genauer anzuschauen.

Das junge Unternehmen mit seinen Gläsern gibt es so erst seit 2006. Entworfen hat die Gläser „Weinpfarrer“ Hans Denk, der in Österreich aus dem Fernsehen und Fachbüchern bekannte Weinexperte.

Als Inspiration für das Design diente der Neigungswinkel der Erde. So entstehen Gläser von neuartigem kantigem Design, ohne wirkliche Kanten zu haben.

Im Gegensatz zu den Glasserien von Riedel ist das Sortiment bei Zalto stark reduziert. Lediglich sechs verschiedene Weingläser decken den ganzen Bereich ab. Die Serie teilt sich auf in Burgunder, Bordeaux, Universal, Weisswein, Süsswein und Champagner. Solch Einfachheit findet man selten. Denn die meisten Unternehmen sind mit ihren Premiumlinien den Weg der Vielfalt von Riedel gefolgt. Sicherlich einer der Gründe warum die Gläser einen so starken Anklang finden.

Bereits optisch wirken die Gläser sehr filigran. Doch in der Hand tritt die wahre Filigranität ans Tageslicht. Jedes Glas wirkt ungemein federleicht. Stellt man ein Glas auf den Tisch, meint man ganz leicht zu merken wie das Glas etwas nachgibt und nachhallt. In ihrer Filigranität unerreicht, fasziniert, wie stabil die Gläser dann doch sind. Wenn man zum Beispiel beim Burgunderglas mit den Fingerspitzen etwas Druck auf die Oberkanten gibt, kann man das Glas gummiartig etwas zusammendrücken.

Bei allen Gläsern fällt mir auf, wie ausbalanciert die Gläser sind. Keines wirkt kopflastig. Selbst das voluminöse Burgunderglas hält seine Balance durch den etwas größeren und dadurch schwereren Fuß.

Als ehemaliger Gitarrenspieler fällt mir nicht nur diese Parallele zur Musik ein. Denn die mundgeblasenen Kelche produzieren beim Einschenken und Schwenken des Weins, durch ihre Dünnwandigkeit ganz andere, ausgewogenere Geräusche. Die Gläser wirken wie Resonanzkörper.

Durch diese Leichtigkeit entsteht beim Weingenuss eine Zurückhaltung, wie ich sie bei anderen mundgeblasenen Gläsern noch nicht entdeckt habe. Man vergisst bei nahezu das Glas, da es sich in seiner Leichtigkeit derartig zurückdrängt und den Wein in den Vordergrund rückt. Es ist ein bisschen so, als könnte man den Wein anfassen.

Im folgenden meine Eindrücke zu den einzelnen Gläsern:

Universal-Glas – der Verstärker und allrounder

Das Universalglas eignet sich laut Zalto für „ausdrucksstarke Weine mit feiner Mineralität und subtiler Aromatik“.

Man kann das Glas von Form und Größe  in etwa aus einer Symbiose von Bordeaux – und Rieslingglas einordnen. Es ist größer als die üblichen Weißweingläser, gibt dem Wein mehr Fläche zur Entfaltung. Viele Weinliebhaber haben entdeckt, dass dieses Glas wunderbar für große Rieslinge geeignet ist. Besonders die Großen Gewächse blühen hier richtig auf. Allgemein eignet sich das Glas für tiefe, mineralische und gehaltvolle trockene Weißweine. Die meisten Weine, die ich aus diesem Glas probiert habe, konnte man in der Nase viel differenzierter wahrnehmen. Im Vergleich zu kleineren Weißweingläsern gliedert es die einzelnen Gerüche und Nuancen eines Weines viel feiner auf und lässt einen Aromen deutlicher wahrnehmen.

Es ist vielleicht das beste Zaltoglas, weil es so viele Weine zur optimalen Entfaltung bringt und stets bei Unklarheiten die erste Wahl ist. Mit 530ml passen in das Universalglas 130ml mehr als in das Weissweinglas hinein.

Weissweinglas- Naturtalent

Für „charmante fruchtbetonte, jugendliche Weiß- und Rotweine“.

Neben dem Universal ist dies mein bevorzugtes Weißweinglas und allgemein Lieblingsglas. Es ist in Form, Ausgewogenheit und Größe vollendet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass restsüße Weine und besonders Riesling Spätlesen hier optimal zu Ausdruck kommen. Das Glas fasst 400ml.

Bordeaux-Glas- Muskelprotz

Zalto empfiehlt das Glas für „körperreiche Weine, mit kräftigen Tanninen und hohem Extrakt“. Genau das trifft zu. In der Tat gehen Weißweine, selbst die zugeknöpftesten und größten großen Gewächse, hier an der Nase etwas unter. Ich habe den Test mit einem GG Dellchen von Dönnhoff aus 2007 gemacht. Der Wein schnitt im Universalglas am besten ab, während man hier viele Aromen nur noch schwach wahrnehmen konnte. Bordeaux eignet sich natürlich optimal für das Glas. Auch Syrah, Blaufränkisch oder ein wuchtiger Bandol ist hier sehr gut aufgehoben. Ins Bordeaux passen satte 765ml.

Süßweinglas – gespaltene Persönlichkeit?

„Für klassische Dessertweine wie auch im Fass gereifte Destillate“. Letzteres konnte ich nicht testen. Für Süßwein ist dieses Glas jedenfalls eines der besten auf dem Markt. Meine Heymann-Loewenstein Röttgen Auslese aus 2006 zeigte sich hier wunderbar feingliedrig. Ich hatte auch den Eindruck, dass das Glas etwas die vordergründige Süße und Schwere der Dessertweine zurücknimmt und die fruchtigeren und floraleren Aromen hervorhebt. Es ist zudem eines der schöneren Süßweingläser auf dem Markt. Auch hier gewinnt der Wein durch die haptischen Faktoren des leichten Glases. Es fasst insgesamt 320ml.

Viel interessanter könnte aber die Verwendung dieses Glases als Champagnerglas sein. Es stellt nämlich die Eigenschaften eines Weissweinglases heraus, welches sich in letzter Zeit zunehmend als geeigneteres Champagnerbehältnis herauskristallisiert hat. Zudem erhält es weitgehend den glamourösen Aspekt der Champagnergläser durch seine Optik bei, der beim Weissweinglas leider verloren geht. Mein einziger Verdacht ist, dass das Glas hierzu vielleicht zu kurz geraten wäre um die Bläschen genügend aufsteigen zu lassen. Ich konnte bislang leider noch keine Tests mit Champagner machen.

Champagnerglas – der Klassiker

Das Champagnerglas selbst hat bis auf das etwas eckigere Design, die Grundzüge eines typischen Champagnerglases. Ich muss zugeben, dass ich hier fast die klassischere Variante optisch bevorzuge. Aber im Vergleich zu meinem ehemaligen bevorzugten Champagnerglas, wirkt dieses so viel filigraner und somit passender. Ich würde dieses Glas für frische, leichtere Champagner benutzen. Vintage Champagner oder vollmundige Blanc de Noirs sind im Weissweinglas sehr gut aufgehoben.

Burgunderglas – pure Eleganz

Das Burgunderglas fasst mit 960ml fasst einen kompletten Liter. Es ist wundervoll ausbalanciert und trotz seiner immensen Größe ästhetisch geraten.

Ganz einfache schwache Burgunder könnten etwas in diesem Glas verlieren, da es sehr aromenintensive und große Weine bedarf, um dieses Volumenverhältnis auszufüllen. Es eignet sich aber auch für die gehaltvollsten Weißweine. Ein konzentrierter Chardonnay fühlt sich hier pudelwohl! F.X. Pichler empfiehlt sogar seinen Grünen Veltiner aus diesem Glas zu trinken!

Lange Zeit galten die Sommeliergläser von Riedel allgemein als das Nonplusultra der Glasmanufaktur. Zalto ist es mit seinen Gläsern nicht nur gelungen, durch ein schlankeres Sortiment für mehr Klarheit und Einfachheit zu sorgen. Ihnen ist auch gelungen, das Produkt Glas qualitativ derartig zu verbessern, wie man es sich zuvor nicht hätte denken können. Durch die Dünnwandigkeit wird eine neue Dimension der Glaskultur geschaffen. Die Gläser sind Instrumente um den Wein zur vollen Entfaltung zu bringen und geben jedem Weinliebhaber das letzte Quäntchen „mehr“, nachdem es ihm dürstet.

Das die Gläser frei von Bleioxid sind und damit sogar spülmaschinengeeignet, sei nur am Rand erwähnt. Ich persönlich spüle und poliere jedes einzelne Glas ehrwürdig um es dann in die Vitrine zu stellen, bis es von da wieder für ein weiteres großes Werk der Weinkunst herausgeholt wird.

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~ von budisfoodblog - März 7, 2012.

8 Antworten to “Zalto – Denk’Art Weingläser”

  1. Ich hab ja auch gedacht, noch mehr geht nicht, ist Voodoo, bis ich in einem Restaurant zum ersten Mal einen Pinot Noir im Zalto Burgund (mein absolutes Lieblings-Zalto) serviert bekommen habe. Jetzt ist der Plan, die jeden-Tags-Gläser in die Urlaubskiste zu sortieren, die Riedels für jeden Tag zu nehmen und die Zalto-Kollektion aufzubauen.

    Die aktuelle Jedentagskollektion, tja, was soll ich mit der jetzt anfangen?

    Ach was, ich kauf nen neuen Gläserschrank – Gläser kann man doch nie genug haben ;).

    • Haha – so ähnlich sah mein Plan auch. Hier stehen unglaublich viele Riedel Gläser und Zwiesel 1872 Varianten rum, die ich alle schätze. Vom Zalto habe ich je eins und beim Universal zwei und nutze diese wie Werkzeug um Weine zu verkosten. In größerer Runde greife ich dann, ob der Harmonie auf die gleichen Gläser von RIedel oder Zwiesel zurück. Nur bereue ich dies immer mehr, wenn ich weiß, wie viel mehr Spaß mir der Wein im filigraneren Zalto bereiten würde.

      Die Zaltos sind allerdings nichts für jedermanns Geschmack. Einer vollgedeckte Tafel stehen da klassischere Gläser mehr als der Minimalismus der Zaltos.

  2. Hätte gar nicht gedacht, dass du erst jetzt auf Zalto hängen geblieben bis. Dachte bereits früher…
    Meiner Einer nutzt oft das Zalto Bordeaux, bei meinen Eltern das Universal. 😉

    Gruß Alex

  3. Na Zalto war mir schon lange bekannt. Nur hatte ich bislang nicht das Vergnügen die komplette Serie zu testen, sondern bin am Weißweinglas und Universalglas hängengeblieben.

  4. Ich liebe das Burgunderglas. Auch andere aromatische Weine (kürzlich bei mir eine Reserva aus dem Rioja) füllen es mE locker aus, das Glas fordert nicht, es gibt. Es gibt eine Plattform, es gibt Entfaltungsspielraum, es braucht dafür aber keine Monsterweine.

  5. Hi Torben,

    das Burgunderglas ist in der Tat der Wahnsinn! Für mich ist es optisch und haptisch ohnehin eines der schönsten Gläser auf dem Markt.
    Ich bin aber der Meinung, dass für etwas „schwächere“ Weine das Universalglas einen Tick besser geeignet ist.
    Aber das muss man eben immer ausprobieren. Ich werde beim nächsten Champagner aufjedenfall mal deinem Tip nachgehen!

  6. Sehr schöner Artikel! Habe selbst schon aus Zalto getrunken, aber mich nie näher mit den Gläsern befasst. Diesen Post werde ich für meinen nächsten Gläserkauf bookmarken. Aber bis dahin muss es noch ein paar Scherben geben! Gruss!

    • Danke Alex!

      Freut mich sehr, wenn ich einigen Leuten die Gläser näherlegen konnte mit diesem Artikel! Mir erging es nämlich anfangs ähnlich: Ich habe mich nie so richtig an mundgeblasene Gläser rangetraut. Im Nachhinein sind die Bedenken nicht berechtigt. Bislang sind mir mehr Pressgläser kaputtgegangen als mundgeblasene. Vielleicht auch, weil man mit hochwertigen Gläsern vorsichtiger umgeht. Wenn es passiert, dann passiert es sowieso und da halten dann beide Glastypen gleich viel aus.
      Es macht ungeheuer Spaß aus solchen Gläsern zu trinken. Das einzig blöde ist vielleicht, dass man nach so einem Upgrade nur schwer mit minderwertigen Gläsern auskommt. Aber das ist ja bei allen Dingen so!

      Ich empfehle anfangs von jedem Typus nur ein Glas zu kaufen. Dann schätzt man es mehr und lernt es kennen. Der Rest kommt von selbst 😉

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