Pfalz-Exkursion: Weingut Koehler Ruprecht


Vor wenigen Tagen war ich mal wieder in der Pfalz. Dieses mal habe ich mir drei Weingüter angeschaut und werde die nächsten Wochen darüber berichten.

Dies ist der erste Teil einer Pfalz-Triologie. Der Start ist das renommierte Weingut Koehler-Ruprecht!

Das Weingut Koehler-Ruprecht hat seinen Sitz direkt an der Weinstraße in Kallstadt. Hier werden einige der individuellsten aber auch kontrovers diskutiertesten Rieslinge der Pfalz produziert.

Die Rieslinge aus der Lage „Kallstadter Saumagen“ genießen Kultstatus und insbesondere die raren, trockenen mit „R“ gekennzeichneten Auslesen sind schnellstmöglich und Jahr für Jahr vergriffen.

Mit dem 2010 realisierten Verkauf geht eine Familienära zu Ende, die 1680 begann! Doch Bernd Philippi, Hauptverantwortlicher für die spezielle Stilistik bleibt dem Weingut noch für einige Jahre erhalten.

Die Weine von Koehler-Ruprecht sind von Kraft und Körper geprägte Weine mit doch hoher Eleganz. Insbesondere die Langlebigkeit der Weine und ihre Eigenwilligkeit, macht dieses Weingut zu einem der interessantesten Deutschlands.

Im Verkostungsraum hatte ich die Möglichkeit einen breitgefächterten Eindruck von den Weinen zu bekommen. Darunter waren auch ältere Jahrgänge und solche, die man momentan eigentlich nur ab Hof noch erhält.

Den Einstieg lieferte ein Weisser Burgunder (Kabinett trocken) aus dem Jahr 2010 der mit mit seiner begleitenden Säure positiv auffiel (ab Hof für gerade einmal 6€). Die vom Kallstadter Annaberg gereichte Spätlese (trocken) aus selbigem Jahr, welche teils im Barrique ausgebaut wurde, erscheint noch einen Ticken breiter und aromatischer.

Beide Weine liefern einen gelungenen Einstieg. Doch da ist noch mehr zu erwarten!

Weiter geht es mit dem einfachen Riesling Kallstadter Kabinett (trocken), der ebenfalls aus 2010 stammt. Der Kabinett hat Schmelz, Fruchtaromen von Pfirsich, eine gewisse Kalkigkeit und zeigt sich betörend cremig. Für 2010 kommt die hohe Säure hinzu. Preis ab Weingut 6€!

Den nächsten Wein werde ich mir dann später noch in den Kofferraum legen. Der Riesling Kallstadter Saumagen Kabinett (trocken) 2010 zeigt sich, was nicht verwundert, deutlich voluminöser und komplexer in der Nase. Dieser Wein ist jetzt schon da mit einer wunderbaren Dichte und Aromen wie Toffee und Haselnüssen, sowie Apfel und zeigt sich von den bisherigen Weinen am trinkfreudigsten.

Die daraufhin gereichte Riesling Kallstadter Saumagen Spätlese (trocken) 2010 braucht noch so deutlich Zeit und zeigt sich momentan auch leicht süßlich.

Auch die Kallstadter Saumagen Auslese (trocken) von 2010 sollte vor 5 Jahren Reifezeit nicht geöffnet werden, dann kann man sich aber auf einen wunderbar opulenten Riesling freuen!

Dann kommt ein gereifter Wein aus dem weniger herausragenden Jahrgang 2006. Die Kallstadter Saumagen Auslese trocken präsentiert sich nun wunderschön zu trinken. Der Wein war schon 1-2 Tage geöffnet und ist für sagenhafte 15€ noch ab Hof erhältlich. Ein Wein der deutlich rauchige Noten hat und von Botrytis gekennzeichnet ist. Wer sich hierfür offen zeigt, erhält einen wunderbaren „Weinwert“ und einen jetzt genießbaren Wein.

Ganz klar zählen zu den Highlights der Verkostung die präsentierten und längst vergriffenen R-Spätlesen. Wenigstens ab Hof hat man die Möglichkeit einen Hauch dieser Größe zu erleben – das sind Weine, bei denen man nicht spucken kann!

Die dargebotenen Weine waren eine Kallstadter Saumagen Spätlese (trocken) R aus 2008, sowie eine RR Spätlese (trocken) aus 2007.

Hierbei handelt es sich um Wein-Monumente, bei denen es schwer fällt nüchtern zu berichten und zu urteilen, weshalb ich mir hier Notizen ersparen will. Momentan – und das sieht man auch im Weingut so – zeigt sich die 08er R Spätlese grandios! Zukünftig könnte der Wein auch etwas mehr die Nase vorn haben, als der RR. Doch dies sind nur leichte Tendenzen, die bei solch großartigen Weinen einfach kaum ins Gewicht gehen. Auch die 2007er ist momentan offen, wenn beide Weine auch noch Potential für viele Jahre haben.

Dann ist auch schon Schluss mit den Rieslingen. Denn viel mehr ist auch ab Hof nicht zu haben. Zu viele verrückte Weinfreaks kaufen jährlich die wenigen Flaschen auf und verschwinden dann mit schwerbeladenen Kofferräumen. Außerdem geht mit dem Verkauf auch ein beträchtlicher Teil der Weine mittlerweile in die USA.

Dafür bekommt man nun die Spätburgunder präsentiert, die unter dem Label „Philippi“ vermarktet werden.

Hier gibt es fast nur alte Pinots – so wie den „R“ 2003er Pinot Noir, der gehaltvoll und buttrig daherkommt und für den Jahrgang 2003 keinerlei von verkochter oder marmeladigen Aromen hat und damit später auch  den Weg nach Heilbronn aufnimmt um demnächst getrunken zu werden!

Interessant auch der Vergleich zwischen dem 2004er Pinot Noir und dem „R“ gekenneichneten 04er Rotwein. Hier zeigt sich nämlich der einfachere Wein noch etwas grün, während mir die „R“ Version schon etwas mehr zusagt. Beide Weine sind nicht immens fruchtbetont und haben relativ kräftige Tannine.

Auch der 2006er zeigt großes Potential – meiner Einschätzung nach aber erst in den nächsten Jahren vollends zu genießen!

Die Spätburgunder werden übrigens nur als Tafelweine bezeichnet, weil die Weine früher nicht immer Prüfnummern bekamen, da man sie als „gebiets- oder rebsortenuntypisch“ bezeichnete.

Nach solch großen Weinen und einer solch offenherzigen Verkostung musste man sich natürlich anschauen, welcher Lage diese Individualisten entspringen.

Der Kallstadter Saumagen liegt nur wenige Minuten vom Weingut entfernt. Die ca. 40ha große Einzellage liegt ca. 160-220m über Normalnull und ist ein nach Süden ausgerichteter Kessel. Größtenteils handelt es sich um eine Hanglage. Nur ein geringer Teil kann als Steillage bezeichnet werden. Der Boden der berühmten Lage besteht aus durchlässigem Löss-Lehm- und Kalkmergel. Über den Ursprung der Lagenbezeichnung herrscht Uneinigkeit.

Weingut Koehler-Ruprecht GmbH | Weinstraße 84 | 67169 Kallstadt/Weinstr. 

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~ von budisfoodblog - März 25, 2012.

2 Antworten to “Pfalz-Exkursion: Weingut Koehler Ruprecht”

  1. Auf den RR Riesling bin ich trotz seiner Jugentlichkeit neidisch ;-). Sehr schöne Fotos. Die Stühle im Verkostungsraum sehen nett aus :-).
    War bestimmt eine tolle Verkostung.
    Welcher der Spätburgunder hat dir am besten gefallen?

  2. Der Verkostungsraum hat in der Tat etwas und ist relativ neu. Handelt sich um Anfertigungen aus Portugal, wenn ich mich recht erinnere. Es ist aber relativ kalt dort, sodass die Weine gut temperiert sind 😉

    War in der Tat eine gelungene Verkostung. Das Weingut ist mir auch eines der sympathischsten, die ich kenne!

    Spätburgunder war schwierig einzuschätzen. Mitgenommen habe ich den 03er „R“, den ich auch irgendwann dieses Jahr trinken werde. Die 4er waren auch gut aber eben noch etwas grün, sodass man hier bisschen warten sollte.

    Die 06er war auch fantastisch, nur ebenfalls zum Einlagern (kommt jetzt in der Burgunderflasche).

    06er ist vielleicht der best-buy, wenn man warten kann. Und 03 jetzt am zugänglichsten!

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