Frankreich: Restaurant Taverne Alsacienne (Ingersheim)


Etwas weniger als  eine viertel Autostunde westlich entfernt von Colmar, befindet sich im Elsass ein weitgängig bekanntes Restaurant.

Hierbei handelt es sich um die „Taverne Alsacienne“, die von der Familie Guggenbuhl geführt wird.

Im Restaurant herrscht eine Atmosphäre, wie man sie in Deutschland nur ganz selten in einem Etablissment dieser Art bekommt. Das heißt, das Ambiente ist ein feierliches, die Tische reichlich gedeckt und das Essen anspruchsvoll aber sich im Hintergrund haltend während die Weine hohen Ansprüchen genügen.

Wo man in Deutschland oftmals eine sterile und sachliche Atmosphäre beobachten kann, herrscht hier eine lebendige Leichtigkeit der Besucher, wie man sie sich nur wünschen kann. Damit will ich sagen, dass die Gäste sich unterhalten, lachen und den Abend genießen ohne auch nur den Hauch von Steifheit zu versprühen.

Die Küche selbst ist eine interessante, wenn auch in ihrer technischen Vollendung eingegrenzte. Eben so zeigt sich der Service, der in jeder Hinsicht bemüht ist aber auch hier teilweise nicht die fachliche Kompetenz aufweist, wie man sie manchmal vermutet. So wird zwar zu zweit eingesetzt, was nicht immer ganz klappt aber dann die servierte Gänseleber nach Bestellung am Tisch daneben eine viertel Stunde offenstehend vorabserviert, bis die Weine ausgewählt wurden.

Das klingt nun viel schlimmer als es ist, denn genau diese Leichtigkeit und diese kleinen Fehler, an denen sich hier kaum jemand stört, verwandeln das Restaurant in ein beschwingliches Erlebnis. Im Verhältnis zum gebotenen Aufwand in Form von Speisen, Ambiente und Wein zu den Preisen, handelt es sich hier um einen wunderbaren Tip.

Wir entschlossen uns am Tisch das 5-Gang-Menü zu wählen, welches mit 54€ bepreist ist.

Zu Beginn wurden ein paar rustikale Snacks serviert, die uns auf den Abend einstimmen sollten.

Das eigentlich besondere an diesem Restaurant, was ledigliche Unausgewogenheiten beim Essen nivelliert, ist die gigantisch gute Weinkarte. Hier wird für den Weinenthusiasten ein Kleinod aufgefahren, da es hier nicht nur sämtliche begehrbaren Weine Frankreichs gibt, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Elsass. Weiter begeistert die Karte durch teilweise vergriffene alte Jahrgänge und ein für Deutschland nahezu unbegreifbares Preisverständnis. Der Großteil der Weine wird hier lediglich wenige Euro über dem Preis ab Hof angeboten. Wenn man dann auch noch gereifte Flaschen haben will, gibt es ein fast lächerliches markup. Das führt natürlich dazu, dass hier auch mehr getrunken wird und wenn, dann gut. Man bekommt hier Champagner von Selosse, mehrere Grange des Pères Jahrgänge (1999), eine breite Auswahl an Burgundern von Leflaive über Coche-Dury bis Romanée Conti, die auch hier noch tief in die Tasche greifen lassen, was aber in keinem Verhältnis zu en üblichen Kalkulationsweisen von dreifachem Einkaufspreis steht. So bekommt man hier einen Echezeaux von der DRC aus 1996 für 380€ oder wunderbare Tokajer bis hin zur Essenz im zweistelligen Bereich. Das Elsass ist wie bereits gesagt sehr gut vertreten und ebenfalls sehr fair bepreist. Die Weinkarte kann man auch online einsehen, was ich jedem empfehlen kann.

Zum ersten Gang, der hausgemachten Gänseleber, wählten wir einen Tokajer von Disznókö (5p) aus dem grandiosen Jahrgang 1993. Dieser wirkt überraschend leicht, dank seiner gut eingebundenen feinen Säure. In der Nase riecht er sehr buttrig-vanillig, was sich auch in der Konsistenz und am Gaumen wiederspiegelt. Ein feiner Wein, der eine gelungene Begleitung zur Gänseleber darstellt.

Die Gänseleber selbst war überraschenderweise sehr gut temperiert, obwohl sie doch einige Zeit neben uns stand. Diese rustikale Art war zwar nicht kreativ aber harmonisch und wohlschmeckend. Das gereichte getoastete Brioche von ebensolch guter Qualität. Die verschiedenen Saucen und Gelees (Mango und co.) gaben der Gänseleber eine fruchtig exotische Note.

Den Fischgang begleitete eine wahre Offenbarung des Elsass: Der Riesling aus dem Grand Cru Sommerberg, von Albert Boxler, kam aus dem Jahrgang 2004 und zeigte sich noch überraschend frisch aber wunderbar trinkbar. Ein Wein, der den Nerv der Mineralität getroffen hat und wunderbar geradlinig daherkommt.

Der Glattbutt, welcher noch mit einem Gambaspieß und einer Jakobsmuscheln serviert wurde, war von guter Qualität. Die Zitronen-Buttersauce hatte eine ordentliche Tiefe und auch die Karottennocke, welche dem Gang eine leichte Süße verlieh, die mit der gut servierten Jakobsmuschel harmonierte, konnte überzeugen. Lediglich die Gestaltung des Tellers wirkte etwas unstrukturiert und überladen, was für die geschmackliche Qualität keine Rolle spielt aber eigentlich schade ist.

Den Hauptgang begleitete ein Nuits-St-Georges (Burgund) der Domaine Henri Gouges. Der aus 1999 stammende Burgunder überraschte durch seine Jugendlichkeit. So fand man nahezu keine Altersspuren im Glas, was etwas schade war. Nichtsdestotrotz eine gelungene Begleitung.

Als Hauptgang wurde Rind serviert, welches mit einer tiefdunklen Sauce und Morcheln daherkam. Anbei gab es eine Kartoffelnocke und eine mediterrane Nocke aus Paprika, Zucchini und co.

Das Fleisch war von ordentlicher Qualität und hatte eine wunderbare Tiefe durch die Morchelsauce, wirkte für mich aber geschmacklich etwas überladen und den Gaumen überfordernd. Die Morcheln waren lediglich von ordentlicher Qualität, wenngleich auch prägend für das Geschmacksbild des Ganges. Die Kartoffelpüree-Nocke war herrlich buttrig-crèmig, während das Gemüse meiner Meinung nach etwas zu dominant war.

Das Dessert bestand aus Himbeer- und Melonensorbet, welches auf kleinen Biskuit-Plätzchen (sablés) drappiert wurde. Das ganze wurde gewürzt mit etwas Pistazie.

Dieser Gang war lediglich durchschnittlich im Vergleich zum Fischgang und der Vorspeise. Das Sorbet war gelungen, jedoch waren die Biskuits derart trocken, dass man den Gang nur mit Mühe essen konnte, ohne ein Plätzchen beim Anschnitt zum Nachbarstisch zu befördern. Abseits davon fehlte dem Dessert ledigliche Tiefe und Komplexität.

Die gereichten petit fours, in Form von frischem Erdbeerjoghurt und Schokoladenmadeleines waren von ähnlichr Qualität wie das Dessert.

Wie bleibt der Besuch in Erinnerung?

Nachdem beschriebenen Verlauf des Essens mag man meinen, dass das Restauranterlebnis sich im durchschnittlichen Bereich abspielt, doch dem ist bei aller Kritik nicht so.

Die Kritik bezieht sich auf Details und im Verhältnis zum Menüpreis und dem Ambiente steht dieses Restaurant wunderbar dar. Selten hatte ich eine derartig entspannte Stimmung in Verbindung mit hohem Genuss. Die präsentierten Weine waren grandios, das Essen auf einem guten, wenngleich auch verbesserungsfähigem Niveau mit viel Luft nach oben und der Service, wie das Ambiente liebenswürdig.

Wer einen Gang auf die Toilette wagt, kann sich den wohl besten Eindruck vom der Taverne Alsacienne verschaffen, denn die im Treppengang positionierten Flaschen, wie alte Jahrgänge des Clos Ste  Hune, Silexansammlungen von Didier Dagueneau oder ein 1990er Montrose aus dem Bordeaux, sind wohl die besten Zeugen vergangener großer Abende!

Taverne Alsacienne/ 99 rue de la République/ 68040 Ingersheim/ France

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~ von budisfoodblog - April 23, 2012.

4 Antworten to “Frankreich: Restaurant Taverne Alsacienne (Ingersheim)”

  1. Sehr schöne Weinkarte, in der Tat. Die Adresse muss ich mir merken! Vielen Dank!

  2. So. Tisch ist reserviert und die Vorfreude groß.
    Jetzt gibt es nur noch das „Problem“ mit der Qual der Wahl- die Weinkarte listet einfach viel zu viel interessante Tropfen.

    Du konntest bei Trimbach nicht ganz zufällig Clos Sainte Hune oder Frédéric Emile probieren? Das würde mir einiges erleichtern 😉

    Bei rot ist die Entscheidung auch nicht leichter…

    Danke und Grüße,
    Niko

  3. Coole Sache!
    Wünsche Dir viel Spaß dort!

    Na es mus ja nicht Alsace sein. Dort gibt es auch zu fantastischen Preisen DRC, Dagueneau, Coche-Dury, Clos Rougeard und vieles mehr 😉

    Bei Trimbach hatte ich diverse Frédéric Emile, die ich sehr gut in Erinnerung habe. Sind auch eine sichere Nummer. Clos Sainte Hune hatte ich auch. War aus 2005 und fantastisch. Das besondere an diesem Wein war für mich seine ungemeine Stärke und Tiefe, trotz ungeheurer Leichtigkeit. Fabelhafter Riesling, den man einfach mal probiert haben muss. Aber das ist jetzt auch nicht wirklich der Preis-Leistungs-Knaller 😉 ….von Albert Boxler gibt es interessante GCs aus 2004 dort oder Albert Mann Schlossberg Riesling usw.

    Bei rot gibt es meiner Meinung nach außerhalb des Elsass interessanteres auf der Karte…

  4. da werd ich anfragen – hab dann auch gesehen, dass du schon drüber geschrieben hast – scheint wirklich ne top adresse zu sein ! 🙂 lg hannes

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