Paris: Burgunder-Verkostung im Ledoyen (Les Domaines Familiaux de Tradition)


Alljährlich findet in Paris, traditionell im Pavillon Ledoyen, eine kleine aber fantastische Burgunderverkostung statt. Die als „Les Domaines Familiaux de Tradition“ beschriebenen Weingüter gehören mitunter zu den renommiertesten Burgunds. Mit jeder Verkostung wird ein Jahrgang präsentiert. 2012 gab es somit Weiß- als ach Rotweine des Jahres 2009 zu verkosten.

Diese Verkostung liefert mitunter einen der besten Überblicke über die Entwicklung der Jahrgänge im Burgund und zeigt sehr deutlich die verschiedenen Stilistiken der Regionen.

Das eigentlich schöne an der Verkostung ist die, für die Anzahl der präsentierten Spitzenweine familiäre Atmosphäre. An nahezu jedem Stand sind die Winzer persönlich mit dem Ausschank beschäftigt und es eignet sich hier Fragen zu den Weinen zu stellen, wie man sie kaum direkter und fachlicher bekommen könnte.

Das Wetter war fantastisch an diesem Tag und man hatte ausführlich Zeit die einzelnen Weine zu genießen. Ich wollte mir zu Beginn einen Eindruck von Raveneaus Chablis verschaffen.

Hier präsentierte Jean-Marie Raveneau drei seiner raren Weine:

Der 2009er Chablis Butteaux (1er Cru) zeigt momentan eine relativ präsente und kalkige Nase. Am Gaumen hat man typisch keine Frucht aber dafür eine packende Präzision und Klarheit der Mineralität, die hier wirklich Salzigkeit meint. Ein wunderbar konzentrierter Wein, den man in 6-8 Jahren bestens genießen sollte. Dann, wenn er noch rarer geworden ist.

Ebenfalls 1er Cru, gab es noch einen Montée de Tonnerre.

Dieser Chablis zeigte sich in der Nase im Vergleich zum Butteaux noch verschlossener. Am Gaumen zeigt sich eine markante Buttrigkeit.

Sehr gespannt war ich natürlich auch auf den Grand Cru Valmur.

Der 2009er Valmur zeigt sich im Vergleich zu den beiden 1er Crus komplexer und überraschend offen mit in der Nase leicht floranen Noten. Im Abgang hat er markante Grapefruitaromen. In den wenigen Minuten, die ich den Wein im Glas hatte, öffnete sich der Wein relativ stark.

Die Domaine Trapet Père et Fils stammt Gevrey-Chambertin besitzt ca. 13ha.

Hier überzeugte bereits der einfache „Gevrey Chambertin“, wobei die Begeisterung relativ schnell übertrumpft wurde vom Grand Cru Chapelle-Chambertin.

Der zeigt sich rund und besitzt eine klare Frucht. Die Tannine sind momentan noch etwas zu ruppig, weshalb dieser Wein noch viel Zeit benötigen wird. Diese Lage besteht aus Mergel-Kalk und Ton, wobei der obere Teil mit weißem Mergel durchsetzt ist, was das Wachstum erschwert. Hierdurch verlängern sich die Zyklen, was dem Wein eine erstklassige Ausgeglichenheit gibt.

Der zweite Grand Cru, der Latricieres-Chambertin begeisterte in gleicher Stärke und zeigte sich in der Nase noch etwas offener und unglaublich dicht mit Kirscharomen.

Ebenfalls anwesend und aus Gevrey-Chambertin stammen war die Domaine Armand Rousseau. Auch hier kann man seinen Spaß haben. Im direkten Vergleich wirkt Rousseaus Gevrey-Chambertin aus 2009 noch kräftiger und muskulöser. Der Wein hat feine Anklänge von Lakritz, zeigt deutliche SPuren von Reduktion und eine fantastische Länge.

Der 1er Cru Clos Saint Jacques zeigt rote Früchte und hat eine fantastische Ausgeglichenheit. Auch hier zeigt sich enorme Kraft und Saftigkeit.

Der Grand Cru Chambertin präsentiert sich mit etwas dunklerer Frucht und mehr Erdigkeit. Ein etwas burschenhafter wirkender Wein.

Bei allen drei Weinen begeistert ihre Gegensätzlichkeit: Kraftvolle und komplexe Weine, die doch fein und elegant wirken.

Weiter ging es zur Domaine Meo-Camuzet aus Vosne-Romanée.

Der Einstieg mit dem Nuits-Saint-Georges gestaltet sich einfach: Ein genialer Wein, der jetzt schon unter den verkosteten Rotweinen zu den zugänglichsten gehörte.

Der 1er Cru Les Chaumes aus Vosne-Romanée, welcher am Fuße des legendären La Tache liegt, zeigt schöne dunkle Früchte. Der Les Chaumes zeigt sich sehr elegant. Ein nobler Wein der auch jetzt schon relativ zugänglich ist.

Der Clos de Vougeot (Grand Cru) hat dahingegen wieder hellere Früchte im Portfolio, die sogar ins leicht künstliche gehen. So entdecke ich hier eine Spur Kirsch-Bonbons, anstatt echten Kirschen. Dafür zeigt sich der Wein aber am rundesten von allen Méo-Camuzets.

Bei der Domaine Bonneau du Martray empfand ich den Chardonnay Corton-Charlemagne Grand Cru interessanter als den roten Kollegen Corton.

Der Corton-Charlemagne hat eine anziehende Marzipannase!

Eines der Highlights (wenn man im Rahmen einer solchen Verkostung davon sprechen kann) bildeten die Weine der Domaine Leflaive. Das Kultweingut aus Puligny-Montrachtet hatte eine grandiose Kollektion im Angebot. Alle drei Chardonnays waren wunderbar zugänglich und bereiteten in solch jugendlichem Stadium einen fantastischen Trinkgenuss.

Der Puligny-Montrachtet aus 2009 zeigte sich hier gefällig, rund und am offensten. Ein fantastisch langanhaltender Abgang und pure Mineralität kennzeichnen diesen großen und so frisch wirkenden Wein!

Der 1er Cru Le Clavoillon zeigte eine noch kalkigere Nase, mehr Eleganz und weniger Kraft. Dafür hat er eine wunderbare Spannung und einen komplexen Abgang, der von einer feinen Säure dahingetragen wird.

Den Le Clavoillon mit dem Les Pucelles zu vergleichen, fällt nicht schwer. Schwer fällt es einem aber, sich zwischen den beiden zu entscheiden. Beide Weine sind groß und zeigen Mineralität in ihrer reinsten Form. Der Les Pucelle ist vielleicht eine Spur klarer und geradliniger.

Die Domaine des Comtes Lafon aus Meursault zeigten ebenfalls schon große Ausdruckskraft.

Hier stach vor allem der Clos de la Barre hervor. Der Chardonnay zeigt in der Nase Noten von Ananas und Kräutern und hat eine leicht als rauchige empfundene Aromatik, die mit dezenten Holzaromen verwoben sind.

Der Meursault Les Charmes wirkt knackiger und zeigt leichte Menthol-Noten.

Die Pinot Noirs habe ich leider nicht mehr verkostet!

Aus Meursault war noch Pierre Morey anwesend. Die gezeigten Weine präsentierten sich gut, wenn auch den Chardonnays ein wenig die Tiefe fehlte.

Sein Bourgogne „Chardonnay“ als auch dem Meursault, welcher florale Noten hat fehlte ein wenig der letzte Feinschliff.

Die Rotweine habe ich auch verkostet, leider habe ich hier keine Notizen gemacht und kann mich nicht mehr genau erinnern, wie die Pinot Noirs im Detail aufgetreten sind.

Etwas ähnlich erging es mir mit den Weinen der Domaine Bruno Clair aus Marsannay La Cotte. Hier wurden sogar vier Weine präsentiert, die allesamt durchaus gelungen waren und Trinkfreude bereiten werden. Doch sowohl bei den 1er Crus als auch dem Grand Cru Chambertin Clos de Beze, welcher zu 50% in neuem Holz ausgebaut wurde, fehlte das letzte Quäntchen um Begeisterung hervorzurufen. Diese Weine gehören definitiv zu den besseren Burgundern und überragen auch einen Großteil der Gewächse, wenn auch jedem Gewächs ein wenig Komplexität oder Finesse fehlt. Am spannendsten erschien mir der 1er Cru Clos Saint Jacques (Gevrey Chambertin). Dieser zeigte Noten von Eykalyptus und Marzipan. Alle Weine sind gekennzeichnet von tiefer Farbe und einem sehr volumigen Körper.

Neben den meist absolut hochpreisigen Weingütern, gab es auch die ein oder andere etablierte aber nicht ganz so Prestigeträchtige Domaine.

Eine wahre Offenbarung waren die Weine der Domaine de Villaine aus Bouzeron. Die relativ günstig bepreisten Weine sind von erstaunlicher Qualität und haben hohen Wiedererkennungswert. Dies wurde international bereits vielfach erkannt. Die Weine des im Besitz von Aubert Villaine (DRC) befindlichen Weingutes finden sich nicht nur in den Spitzenrestaurants wieder, sondern werden auch von Sommeliers (und Sommelièren) wie Paula Bosch und Natalie Lumpp gelobt.

Bereits der Bouzeron aus 2009, welcher kein Chardonnay ist, sondern aus Aligoté hergestellt wird, hat mich absolut begeistert. Der Bouzeron riecht in der Nase nach Apfelmus und Grapefruit. Dies zeigt sich auch am Gaumen. Den Wein begleitet die spannende Säure von Anfang bis Ende und macht diesen Wein so zu einem wahren Erlebnis!

Neben dem Bouzeron, den man ab Hof für etwa 10€ bekommt (und in Paris für 18€/ Deutschland ca. 14€), notierte ich mir auch große Zustimmung beim Rully Les Saint Jacques.

Der Wein hat florale Noten als auch ein Vielerlei an exotischen Früchten. Es handelt sich hierbei um einen sehr harmonischen und bereits jetzt trinkreifen Weißwein für wenig Geld.

Bei den Pinot Noirs stach für mich der Mercurey Les Montots heraus, welchen ich mir gleich für den Keller besorgte aber noch einige Jahre weglegen werde (was übrigens auch auf dem Rückenetikett empfohlen wird).

Von der Domaine Marquis d’Angerville aus Volnay wurden drei Weine angeboten. Das 1er Cru Trio Clos des Ducs/ Champans/ Fremiet zeigte konstant hohe Qualität. Die Weine brauchen aber aufgrund der straffen Tannine noch allesamt Zeit. Mir persönlich gefiel der Volnay Champans am meisten. Er hatte verführerische Haselnuss-Noten und eine packende Struktur. Der Clos des Ducs erschien mir am verschlossensten.

Für Liebhaber des von hellen roten Früchten geprägten Pinot Noirs sind die Weine der Domaine Georges Roumier aus Chambolle Musigny eine Offenbarung.

Der Chambolle Musigny zeigt sich rund, befreit von Tanninen und mit betont fruchtigem Einschlag, ohne jedoch Struktur zu vermissen. Noch einen Tick runder erscheint mir der 1er Cru Clos de la Bussière (Morey Saint Denis). Der Grand Cru Bonnes Mares hat eine unglaubliche Würzigkeit, ist gezeichnet von perfekter Ausgewogenheit und hat dabei eine enorme Kraft, mit der er den Verkoster verwöhnt. Im Vordergrund steht vor allem die pure Frucht und Ausgewogenheit in allen Facetten. Ein grandioser Wein!

Einen im Vergleich zu den meisten weißen Weinen ganz andere Stilistik hatten die Weine der Domaine Joseph Drouhin aus Beaune.

Der Beaune 1er Cru Clos des Mouches (blanc) zeigte sich von einer enorm fruchtigen Seite mit hoher Säure und interessanter Komplexität. Dieser Wein erinnerte mehr an GG Rieslinge aus Deutschand.

Der Chablis Les Clos (GC) macht schon enorm Spaß und zeigt sich kraftvoll.

Unter den besprochenen Weinen waren noch bedeutend mehr Weingüter anwesend. Dabei waren auch nicht minder ansprechende Weine, die aber in der Zeit nicht alle bis ins letzte Detail verkostet werden konnten. So gibt es nicht zu jedem Wein Notizen, was angesichts der fantastischen Weine und der einmaligen Gelegenheit eine Vielzahl an bedeutenden Weinen des Burgunds verkosten zu können, sehr schade ist.

Zu den anwesenden Domaines gehörten z.b. noch die Domaine Bonneau du Madtray, Domaine Chandon de Briailles, Domaine Dujac, Domaine Faiveley, Domaine Michel Gaunoux, Henri Gouges, Jean Grivot, Chateau de la Tour, Michel Lafarge, Domaine de Montille, Jacques Frédéric Mugnier, Domaine Comte Senard, Eric de Suremain und die Domaine Tollot-Beaut.

Insgesamt zeigt sich der von viel Sonne und Wärme geprägte Jahrgang 2009 als sehr gelungen. Besonders die Chardonnays sind bereits sehr früh zugänglich und bereiten enormen Trinkspaß. Bei den Rotweinen muss man sich noch gedulden, da viele Pinot Noirs starke Tannine aufweisen, die sich harmonisieren müssen. Die Weine besitzen beeindruckende Kraft und bescheren uns fantastisch ausgewogene Weine über die noch lange gesprochen werden wird.

Pavillon Ledoyen|  1 avenue Dutuit|  Paris 8ème 

~ von budisfoodblog - April 30, 2012.

8 Antworten to “Paris: Burgunder-Verkostung im Ledoyen (Les Domaines Familiaux de Tradition)”

  1. Toller Artikel Markus! Macht Lust auf Frankreich. 🙂

  2. Danke!
    Bei mir weckt es leider auch die Sehnsucht – Paris wie Burgund – beides leider ein teures Vergnügen! 😦

  3. Hab mir eben nochmals deinen Bericht durchgelesen. Mein Gott war das eine Anhäufung von fantastischen Namen. So konzentriert hab ich das auch noch nicht erlebt :-(. Deine Sehnsucht und das Bedauer die am Ende genannten nicht richtig verkosten zu haben verstehe ich 100%ig. Naja, den Vorletzten der Aufgelisteten vielleicht nicht ;-). Nochmals Danke für den schönen Bericht 🙂

  4. Schon Erfahrungen gemacht? 😉

    Demnächst habe ich in ganz kleinem Rahmen an der Hochschule eine Burgunder Verkostung. Denke, dass ich darüber berichten werde.

  5. Erfahrungen mit Eric de Suremain bzw. Chateau de Monthelie?
    Jep, nicht gerade die besten im Weissen Bereich aus 05, 06 😉
    Was für welche schreibe ich hier lieber nicht … He, He, He 😉

  6. Naja Jungs, mal ehrlich, Eric de Suremain muss man doch als Gesamtkunstwerk sehen. Das ist der einzige Adlige, der sich nicht zu schade ist, richtig zu malochen und sich die (sicheren) Hände bei der Arbeit schmutzig zu machen (sorry für den Kalauer ;)). Ansonsten: fantastische Namen der der Präsentation, da wäre ich auch gern dabei gewesen…

  7. […] teilnehmen zu können. Letztes Jahr konnte ich mir einen Eindruck vom Jahrgang 2009 verschaffen (-> Link zur Verkostung des Jahrgangs 2009). Im Nachhinein habe ich diesen grob so in Erinnerung, dass man hier im Rotweinbereich großartige […]

  8. […] Das Jahr 2009 zeigt sich bislang im Chardonnaybereich Burgunds als gutes und sehr früh zugängliches Jahr. Zwar wird es vermutlich nicht zu den ganz großen Jahren gehören, die extrem lagerfähige Weine hervorbringen. Doch dafür kann man momentan ziemlich viel Genuss mit Weinen aus dem Jahr haben (eine grobe Einschätzung zum Jahr findet sich hier Klick! und hier Klick!). […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: