Burgund-Verkostung an der Hochschule Heilbronn


Am 15. Mai fand an der Hochschule Heilbronn im kleinen Rahmen eine Verkostung für Studierende des Studiengangs Weinbetriebswirtschaft statt. Absicht der Präsentation war es, den Teilnehmern das Burgund und seine unterschiedlichen Stile näher zubringen.

Die Auswahl und Präsentation geschah durch Sommelier Tom Schramm und wurden von den zwei weiteren Sommeliers und WB-Studenten der Hochschule,  Christian Leyh und Matthias Stütz unterstützt.

Darunter fand sich eine feine und erstklassige Auswahl an verschiedenen Premier Crus, die ich hier kurz vorstellen möchte:

Zu Beginn gab es einen Chardonnay von Pierre-Yves Colin-Morey aus Chassagne-Montrachet. Die ohne Filtration und von Hand abgefüllten Weine Von PYCM begegnete ich das erste Mal in Form eines Saint-Aubin <<Champlots>> aus 2007, den ich verkosten durfte und der in der Stilistik sehr ähnlich ausfällt.

Hier gab es aber einen 2009er <<La Chatenière>>.

Dieser zeigt sich im Glas blassgelb und riecht vor allem primär nach starkem Holzausbau. Dabei kommt auch eine feine rauchige Komponente hinzu, die man vielleicht auch in Richtung Feuerstein interpretieren könnten. Dann finden sich noch Aromen von weißem Pfeffer.

Am Gaumen dann ein klarer Chardonnay, ohne Frucht aber mit charismatischem Holz und präsenter Säure. Das alles aber auf eine spannende Art, die die pure Mineralik transportiert.

Ein feiner Wein, den ich mir in ein paar Jahren als sehr schönen Saint-Aubin vorstellen kann.

Nach einer kurzen Begegnung mit Chardonnay aus dem Burgund, startete die eigentliche Pinot Noir Verkostung.

Der Premier Cru „Clos de la Perrière“ von Joliet Père & Fils (Fixin) stammt aus 2008.

Joliet besitzt hier den berühmtesten Berg Fixins, der ursprünglich zu höheren Preisen gehandelt wurde als heute.

Im Glas zeigt sich der Wein purpurrot und in der Nase trotz karaffierens noch sehr verschlossen. Am Gaumen sind vor allem rote Früchte präsent und der Wein geht insgesamt in eine fruchtbetontere Richtung. Die Tannine zeigen sich hier noch straff und auch die Säure ist hier hoch, was wohl dem Jahrgang zu verschulden ist.

Ein Wein, den ich jetzt schwierig zu verkosten finde, der aber einen feinen geradlinigen Stil repräsentiert.

Weiter ging es mit einem Pinot Noir von der Domaine Arlaud aus Morey-St-Denis. Der 1er Cru <<Aux Cheseaux>> war aus 2009.

Die Domaine wird seit einigen Jahren von zwei Brüdern geleitet, die den elterlichen Betrieb übernommen haben. Hier wird noch Pflügearbeit  mit Pferden auf einer Rebfläche von ca. 15ha vollzogen.

Eine blutrote Farbe mit ganz leichten braunen Tönen fällt mir hier im Glas auf. Der Wein wirkt sehr duftig und wirkt relativ fortgeschritten am Gaumen für einen solchen Wein. Der Abgang fällt mir ein wenig zu kurz aus, jedoch vertritt der Wein in der Reihe den bislang „typischsten“ Burgunder durch seine Ausgeglichenheit und Schlankheit. Ein schöner harmonischer und filigraner Burgunder, der sicherlich abseits einer Verkostung und in vollem Umfang einer Flasche genossen, attraktiver erscheinen würde.

Nebenbei hat dieser Wein ein angenehmes Preis-Leistungs-Verhältnis mit ca 35€ pro Flasche.

Mit einem Chambolle-Musigny 1er Cru <<Aux-Beaux Bruns>> aus 2004, wurde ein gereifterer Burgund von der Côte de Nuits angeboten. Der Wein stammt von Ghislaine Barthod.

Das war vielleicht der polarisierendste Wein der Verkostung, der bei vielen auf Ablehnung stieß.

Der Wein zeigte sich farblich schon ein wenig gereift, mit kraftvollem rot und leichten braunen Nuancen zum Rand hin. In der Nase fanden sich zuerst vegetabile Noten. Viele erinnerte der Wein geruchlich an Spargel oder gar Rosenkohl. Mit der Zeit kamen aber auch fruchtigere und feine Noten wie die von Waldbeeren und Himbeeren hervor. Am Gaumen zeigt sich der Wein wunderbar füllig und elegant. Hinzu kommen dezent kräuterige Noten aber auch etwas von roter Beete.

Ein höchst kontroverser Wein, der aber sicherlich eine fantastische Essensbegleitung abliefern kann!

Von der ca. 18ha großen Domaine Chantal Lescure gab es den 1er Cru <<Les Suchots>> aus Vosne-Romanée (Côte d’Or), Jahrgang 2009.

Die seit 1975 bestehende Domaine der verstorbenen Chantal Lescure wird von ihren Kindern weitergeleitet und beherbergt viele Lagen.

Dieser Burgunder war vielleicht in der Verkostung der Wein, der den meisten Verkostern gefiel. Das liegt auch daran, dass dieser Wein völlig harmonisch und in sich ruhend daherkam. Der Wein kann von allen Burgundern vermutlich am besten ohne Essensbegleitung auskommen. Farblich hat man ein tiefes undurchsichtiges rot im Glas, was wohl den tiefgründigen und lehmreichen Böden zu verschulden ist. In der Nase zeigt sich der Wein zurückhaltend, während er am Gaumen eine schöne Harmonie aus Tanninen, Säure und Frucht wiedergibt, ohne Biss zu verlieren. Der Wein hat Körper und zeigt sich auch schön fleischig.

Als Pirat wurde ein Spätburgunder aus Franken von Fürst eingestreut. Hier gab es den „R“ Centgrafenberg 2007, der in der Runde dann schnell als andersartig eingestuft wurde und im starken Kontrast zu den französischen Weinen stand.

Der Centgrafenberg zeigt einen ganz anderen Stil, der nicht den typischen Spätburgunder aus Deutschland repräsentiert. Der Wein ist noch sehr jung, zeigt sich trotzdem im Vergleich zu den Burgundern reifer und etwas fortgeschrittener. Im Glaus rot, mit leichten braunen Anklängen und am Gaumen kräftiger und weniger fruchtig. Bei den fruchtigen Komponenten driftet dies eher in Rumtopf-Früchte ab.

Ein hochwertiger und eigenständiger Wein, wenn auch kompliziert!

Den Abschluss der Verkostung bildete ein Nuits-St-Georges <<Clos des Agrillières>>(PC) von Vincent Dureil aus 2007.

Die eisenhaltigeren Böden bringen hier die kräftigere Stilistik ins Glas.

Der blutrote und mit leicht orangenen Rändern versehene Nuits-St-Georges duftet fleischig und blutig und zeigt sich mit seiner Würzigkeit rustikaler als die vorangestellten Weine. Hinzu kommt ein etwas gröberer Stil, der trotzdem Finesse zeigt und nicht so reißerisch wie z.b. ein Syrah wirkt.

Diese Verbindung der Kontraste macht diesen Wein zu einem absolut interessanten Partner deftiger Speisen.

Der Favorit von vielen Anwesenden und auch mein persönliches Highlight der  Verkostung kam vom Nordende der Côte d’Or: Ein Gevrey-Chambertin 1er Cru. Der aus der insgesamt 2,2ha großen Lage <<Le Poissenot>> von Geantet-Pansiot stammt ebenfalls aus dem Jahrgang 2009.

Der Pinot Noir zeigt in der Nase bezaubernde dunkle Früchte, wie Sauerkirschen und auch fantastische Pflaumennoten. Am Gaumen fließt der Wein wunderbar, hat seidige Tannine, einen mittleren Körper und wirkt rund und ausgewogen und zeigt sich herrlich fleischig. Interessante Aromen, die eine rauchige Komponente aufweisen kommen hinzu, ebenso wie der berühmte Rumtopf.

Dieser Wein zeigte optimal die Stärken eines Gevrey-Chambertin: Kraft, Komplexität und Tiefe.

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~ von budisfoodblog - Mai 18, 2012.

2 Antworten to “Burgund-Verkostung an der Hochschule Heilbronn”

  1. ist ja alles schön und gut und interessanter Bericht, nur verstehe ich nicht das man euch von Sommeliers die es eigentlich Wissen sollten zum einen Premier Cru ‚ s die gerade mal 3-4 Jahre auf dem Buckel haben zum verkosten gibt. Erstens halte ich die Weine für viel zu jung und nicht zugänglich und sie sind noch nicht einmal richtig in Ihrer Entwicklungsphase zum anderen brauchen Sie eine sehr lange Dekantierzeit in diesem Stadium und ich glaube nicht das die mindestens 10-12 Stunden vorher karaffiert hat, zum Teil gibt es sogar Burgunder die bis zu 24 Stunden brauchen um sich zu entfalten. Der weiße Burgunder mit dem präsenten Holz und ohne Frucht hätte auch noch einiges Zeit benötigt
    und war in der Phase, wo die Frucht in den Hintergrund ist, in einer weiteren Entwicklungsphase wäre sie dann in den Vordergrund gekommen oder man hätte Ihn einfach wenn es ein Premier Cru ist, ebenso länger Vorher dekantieren sollen. Also irgendwie habe ich das Gefühl das die Sommeliers hier nicht sehr gut vorbereitet waren und gerade mit so jungen Burgundern die noch total verschlossen und nicht mal richtig in einer entsprechenden Entwicklungsphase sind.

    • Hallo Herr Ruckmich,

      vielen Dank für die kritische Rückmeldung!

      Selbstverständlich war bekannt, dass alle Weine in der Theorie noch zu jung waren. Letztendlich scheitert so etwas in der praktischen Durchführung. Allein diese Weine in jeweils ausreichender Menge zu beschaffen liegt in einem Preisrahmen der ins vierstellige gegangen ist. Würde man jetzt noch gereifte Burgunder für eine Verkostung besorgen, so ginge der Preis drastisch hoch und damit hätte sich eine Verkostung erledigt.

      Ich kann Sie beruhigen – nahezu alle Weine wurden vorher ausreichend im Dekanter gelassen.

      Das Problem mit den zu jungen Weinen besteht doch bei nahezu jeder Probe. Mir ist kaum eine größer angelegte Verkostung bekannt, wo man die Weine nicht hätte durch die Bank noch liegen lassen können.

      Der angesprochene P-Y-C-Morey hat übrigens richtig Spaß gemacht. Wie beschrieben, hatte ich ja von selbigem Winzer kürzlich aus 2007 einen Saint-Aubin (ebenfalls aus der Karaffe vorbereitet). Da war der Unterschied nicht so groß, wie man vermuten mag.

      Im Vordergrund dieser Verkostung stand ja vor allem Neulingen und Interessierten das Anbaugebiet näherzubringen, mit seinen verschiedenen Terroirs und den daraus resultierenden völlig verschiedenen Burgundern. Das ist – denke ich – sehr gelungen!

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