Elsass: Besuch Domaine Trimbach


Zu meiner letzten Station der Elsass-Exkursion gehörte eines der ganz großen Häuser: Die Domaine Trimbach.

Trimbach befindet sich in Ribeauvillé wo Jean und sein Bruder Pierre Trimbach das Haus leiten, dessen Geschichte bis 1626 zurückgeht. Während Pierre für die Kellerarbeit zuständig ist, hat sich Jean auf die Vermarktung und Präsentation der Weine spezialisiert, was wenn man ihn einmal kennenlernen durfte, für jedermann verständlich wird. Eine Führung und Leitung mit Jean Trimbach durch das Weingut wird zum absoluten Erlebnis. Selten habe ich ein Weingut besser präsentiert bekommen, als hier. Jean ist nämlich der geborene Entertainer!

Trimbach hat etwa 40ha Weinberge im eigenen Besitz und kauft noch einen großen Teil an Trauben dazu, für die einfacheren Weine.

Im Gegensatz zu den meisten Domaines im Elsass, ist Trimbach bekannt dafür, die Weine vorwiegend trocken auszubauen. Den Stil des Hauses würde ich als auch als trocken, rassig, fruchtig und ausgewogen bezeichnen.

Betritt man den Verkostungsraum des Hauses, entdeckt man vielleicht an der Bar den markanten Spruch „Say no to oak -help put the fruit back in wine“. Dieses Zitat verkörpert vielleicht am besten die Philosophie des Hauses.

Trimbach verwendet keine Eichenfässer zur Alterung, da dies die Typizität der Rebsorten, die sie verwenden in Puncto Frische und Reinheit einschränken würde.

Der Keller, sowie Trimbachs Lagerhalle sind atemberaubend groß. Hier ein paar Eindrücke zu den Räumlichkeiten des Hauses:

Die erste Flasche der von Jean geleiteten Vekostung war ein Pinot Blanc aus 2008.

2008 war für Jean ein fantastisches Jahr. Auf die Frage nach den letzten Jahrgängen würde Jean an die Spitze 2010 mit 2008 stellen. 2010 musste man zwar mit enormen Ausfällen rechnen, das Ergebnis waren aber großartige Weine. Darunter würde Jean 2009 und 2007 setzen und erst dann den Jahrgang 2011, der aber ebenfalls einen sehr guten Jahrgang im Elsass darstellt.

Die Cuvée des einfachen P. Blanc besteht aus 70% Auxerrois und 30% Pinot Blanc.

Im Glas ergibt dies dann einen trockenen und eleganten Wein, der sehr saftig daherkommt und viele exotische Früchte transportiert. Ein einfacher aber trinkanimierender Pinot Blanc, den Jean deshalb auch als „Glu-Glug-Wine“ bezeichnet.

Weiter geht es mit dem Riesling 2009.

Ebenfalls eine einfache Qualität, die sehr fruchtig erscheint. Ein klarer und damit präziser Riesling, der im Abgang an Ananassaft erinnert und eine angenehme Leichtigkeit besitzt. So funktioniert bei Trimbach die Basisqualität.

Im Vergleich dazu wirkt die eine Stufe höher angesiedelte Qualität, nämlich der Riesling Réserve 2009 noch verschlossen. Zwar erkennt man hier den druckvolleren und längeren Abgang, doch bleibt es abzuwarten, wie der Wein in den nächsten Jahren dasteht.

Danach öffnet Jean eine Flasche, die er direkt aus den Lagerräumen mitgenommen hat, nachdem er uns den Weinkeller präsentiert hat. Es handelt sich um etwas ganz spezielles, nämlich eine Flasche Cuvée Frédéric Emille des Jahrgangs 2008.

Die Trauben für diesen Wein stammen aus den beiden Grand Cru Lagen Osterberg und Geisberg.

Farblich zeigt sich der Wein noch jugendlich blass, in der Nase aber schon reif und am Gaumen wunderbar mineralisch und druckvoll. Der Wein hat unter 1g Restzucker und präsentiert Aromen von Orangen und Limonen. Sehr kraftvoll. Davon hätte ich mir gerne eine Flasche weggelegt.

Dann besteht die Möglichkeit auf einen Jahrgangsvergleich. Das ist immer was ganz besonderes. Denn nie wird klarer, wie wichtig der Jahrgang für das Endresultat ist und wie unterschiedlich ein Wein von Jahr zu Jahr ausfallen kann.

Die 2006er Cuvée Frédéric Emille zeigt sich nämlich völlig anders. In der Nase hat man Marzipan, dann am Gaumen kommt auch Botrytis zur Geltung, die begleitet wird von Blutorangen und einer feinen karamelligen Note. Der Wein wirkt weniger mineral, dafür cremig und füllig. Für 2006 ein sehr guter Wein, der aber in eine ganz andere Richtung geht, als sein fantastischer junger Bruder aus 2008.

Ein ganz besonderes Fläschchen ist dann der Riesling Clos Ste Hune 2005.

Die Reben des legendären Clos Ste Hune stammen aus Hunawihr. Im Herzen des Grand Crus Rosacker werden auf 1,67ha die edlen Trauben gelesen. Die Reben sind im Schnitt 50 Jahre alt und erzeugen etwas 6000 Flaschen pro Hektar.

Wer die Lage besichtigen will, wird lange nach dem „Clos“ suchen. Hier ziert nämlich keine Ummauerung die legendäre Lage.

Der Wein ist noch jung, knochentrocken und hat jetzt schon eine wunderbare Finesse. Atemberaubend am Wein ist jedoch vor allem die unglaubliche Leichtigkeit die der Riesling an den Tag legt, die völlig im Kontrast zum Tiefgang des Weines steht.

Ein großartiger Wein, der noch lange nicht seine wahre Größe erreicht hat. Dazu müsste man ihn erst einmal im Keller vergessen.

Weiter geht es nicht mit Riesling, sondern mit einer Pinot Gris Réserve 2008.

Der Wein hat schon eine gute Reife und dabei eine schöne Fülle bei etwas Restsüße, die in der Balance jedoch gut ausgeglichen wird. Der Wein ist ok.

Etwas interessanter finde ich da die 2005er Réserve Personelle des Pinot Gris.

Der Wein hat eine leichte Erdnussnote am Gaumen, ist süß aber hat Unmengen an Frucht, die dem entgegenstehen. Ein ordentlicher Pinot Gris.

Darauf folgt aus 2005 ein Gewürztraminer der „Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre“.

In der Näse von Kräutern dominiert, mit etwas Torf. Am Gaumen dann eine angenehme Süße mit Rauchigkeit, ohne wie Jean es treffend sagt „heavy+rich+sweet“ zu sein.

Ganz große Klasse sind dann die letzten beiden Weine.

Der 2005er Gewürztraminer VT trägt erneut die Grundzüge eines gelungenen Süßweins in sich. Er ist süß aber nicht schwer.

Mein Coup de Coeur geht aber an den 1997er Pinot Gris VT.

Der Pinot Gris hat 40g Restzucker, die aber über die Reife fast völlig verblasst sind. Jean beschreibt den Wein als „liquid foie gras“ und niemals hatte ich eine passendere und prägnantere Weinbeschreibung in so wenigen Worten wie hier. Der Wein riecht genau so und hat eine ähnliche Textur. Ein wunderbarer Begleiter und ein großer Wein!

Domaine Trimbach/15 Route de Bergheim/ 68150 Ribeauville

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~ von budisfoodblog - Juli 19, 2012.

4 Antworten to “Elsass: Besuch Domaine Trimbach”

  1. Wie immer ungemein lesenswert, Budi. Das erinnert mich an 2001 Clos St. Hune, was für ein atemberaubender Riesling.

    Gute Woche………

  2. Sehr schöner Bericht. Hast Du auch Dom. Marcel Deiss ganz in der Nähe besucht? Aufregend andere Weine gibt es da! Gruß

  3. Danke! 🙂
    Leider hatte ich dazu keine Zeit. Zum Elsass folgt lediglich noch ein Bericht zu den Spirituosen von Metté.
    Andere Artikel bezüglich Elsass habe ich zu Albert Mann, Albert Boxler, Zind-Humbrecht und Josmeyer im Blog.

  4. Alles interessante Adressen. Nur Boxler kenne ich nicht, das muss ich mir mal anschauen!

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