Tasting: Julian Haart – Kollektion 2011


Letzte Woche hatte ich die Möglichkeit, fünf Rieslinge aus Julian Haarts aktueller Kollektion zu verkosten.

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben:

Julian Haart aus Piesport ist einer der in letzter Zeit meistdiskutierten Newcomer der Mosel. Der noch junge Julian hat neben Kochstationen bei Harald Rüssel und Klaus Erfort, Stationen bei einigen der interessantesten und größten Winzer abgelegt und erzeugt mittlerweile in Piesport eigene Rieslinge.

Stationen bei Heymann-Löwenstein (1 Jahr), Emrich Schönleber (2 Jahre), Egon Müller (1 Jahr) und Keller (2,5 Jahre) aus Rheinhessen lesen sich wie ein Bilderbuchlebenslauf.

Julian besitzt momentan lediglich 1,5 Hektar. Diese verteilen sich aber auf die grandiose Lagen Piesporter Schubertslay, Piesporter Goldtröpfchen und Ohligsberg (0,5 Hektar).

Letztes Jahr wurden damit, dank dem guten Jahrgang, circa 12.000 Flaschen erzeugt bei einem Ertrag von 60hl. Im Jahr 2010 waren es gerade einmal 12hl.

Julian ist darauf bedacht, bereits im Weinberg höchste Qualität zu erzielen und man merkt ihm hier die Prägung der Stationen deutlich an („Das wichtigste sind die Weinberge und das im Herbst nichts gelesen wird, was auch nur ansatzweise nicht perfekt ist“).

Was den Einsatz der Hefen angeht, so verfolgt Julian keine dogmatische Philosophie. Die 2011er Rieslinge sind zwar alle komplett spontanvergoren, doch nur weil dies so möglich war. Ansonsten agiert man im Keller klassisch, ohne geheime Methoden. Die Weine vergären relativ zügig bei warmen Temperaturen, bleiben anschließend auf der Hefe liegen und werden erst kurz vor dem Füllen filtriert („Wenn man gute Trauben hat, hat man auch guten Most und dann hat man auch guten Wein, sagt Egon Müller“).

Mosel Riesling 2011

Dieser Riesling hat schon für viel Gesprächsstoff gesorgt, nachdem Julian Haarts einfacher Mosel Riesling beim Berliner Gutsrieslingcup den zweiten Platz belegte (1. Platz ging an Wittmanns fantastischen QbA). Für den Mosel Riesling verwendet Julian die Trauben, die es nicht in die Lagenweine geschafft haben.

Der Riesling hat einen hellen Gelbton und ein fantastisches Bukett. Dieses ist geprägt von weißem Pfeffer und erinnert schon ein wenig an Grünen Veltliner. Außerdem kommt noch etwas an Birnenschale und wenig später auch mehr Fruchtigkeit hinzu, jedoch sehr dezent. Die Nase ist fantastisch!

Am Gaumen wirkt der Riesling nicht ganz so komplex, wie die Nase es anzugeben scheint. Der Wein ist nicht ganz so druckvoll, wie erwartet, eher gefälliger, was auch an der relativ hohen Restsüße liegt, die dem Wein einen tollen Trinkfluss gibt, ihn aber auch etwas simpel erscheinen lässt.

Etwas später verkostet, hat sich der Wein dann etwas verändert und wurde auch zunehmend komplexer und anziehender.

Für mich aber nicht ganz die große Offenbarung, wie erwartet.

Piesporter Riesling 2011

Ab diesem Wein zieht die Qualität dann aber deutlich an und es zeigen sich fantastische Moselrieslinge.

Der Piesporter Riesling hat fast die gleiche Nase, wie der Mosel Riesling. Sie fällt etwas herber und mineralischer aus. Im Glas ist noch leicht Kohlensäure, was nicht störend wirkt.

Am Gaumen wirkt der Piesporter Riesling spannender, denn die Säure ist hier prägnanter und der Riesling schlägt eine deutlichere Mineralik ein. Insgesamt ein schöner feingliedriger Wein.

Wintricher Riesling 2011

Der Wintricher Riesling hat in der Nase mehr Frucht, die vor allem animierende Walddbeeren und Pfirsich präsentiert. Im Ungeschwenkten Glas steigt die rauchige mineralische Seite des Rieslings auf, beim Schwenken kommt die zarte Frucht zum Vorschein. Hinzu kommt eine angenehme Würzigkeit.

Am Gaumen findet man diese Würzigkeit wieder. Der Riesling wirkt komplex, hat aber wie bislang alle Weine von Julian einen wunderbaren Trinkfluss, Frische und Leichtigkeit.

Auch besitzt der Wintricher Riesling einen wunderbar langen Abgang, der lange nachhallt.

Diesen Riesling kann man momentan wunderbar trinken.

Piesporter Goldtröpfchen Riesling 2011

Neben dem Ohligsberg ist das Piesporter Goldtröpfchen mein Favorit unter den verkosteten 2011ern.

Das Goldtröpfchen hat zusätzlich eine kräutrig-florale Komponente in der Nase, die sich auch im Abgang wiederfinden lässt. Vor allem kommt hier aber die Fruchtigkeit des Rieslings durch. Das Goldtröpfchen ist vielleicht der filigranste Riesling aus Julians Kollektion und besitzt ebenfalls einen langen Abgang.

 

Ohligsberg Riesling 2011

Mit dem Ohligsberg tritt der trockenste (aber nicht völlig trockene) Haart-Riesling in die Runde. Der Wintricher Ohligsberg hat zum Lagern vermutlich das größte Potenzial. Ihm schadet auch etwas Zeit oder Belüftung keinesfalls. In der Nase wirkt er elegant, am Gaumen voller Energie geladen, dicht, dabei nicht erschlagend. Für mich Julians größter Wein!

Insgesamt zeigt Julian eine fantastisch gelungene Kollektion an 2011er-Rieslingen. Was die Weine kennzeichnet, sind – typisch für den Jahrgang – eine frühe große Trinkfreudigkeit, Betonung der Frucht und große Ausgewogenheit.

In der Nase ähneln sich die Rieslinge anfangs etwas, am Gaumen zeigt sich aber Flasche für Flasche eine große Eigenständigkeit und Typizität. Die Nase ist dabei von Würzigkeit, Kräutern und Frucht geprägt.

Die Mosel-Rieslinge zählen für mich zu einer der gelungensten Kollektionen des Jahres und ich bin gespannt, ob sich diese Größe in den kommenden Jahren wiederholen wird.

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~ von budisfoodblog - August 22, 2012.

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