Kern’s Pastetchen, Stuttgart


Manchmal befindet sich Österreich eben auch in Baden-Württemberg. Zum Beispiel, wenn man in Stuttgart die Hohenheimer Straße hochfährt. Wer hier einen Parkplatz ergattern kann, hat gute Chancen auf ein paar angenehme Stunden österreichische Küche und Gastfreundschaft bei Josef Kern.

Das Restaurant und Weindepot bietet ein gemütliches Ambiente. Man sitzt in einem von dunklen Holzbalken getragenen Ambiente, dessen strahlende Rauhputzwände mit Bildern geschmückt sind. Im circa 70 Plätze fassenden Restaurant befindet sich eine anschauliche Ansammlung an Spirituosen auf einem Tisch. Dem geneigten Freund fallen gleich die ziervollen Rocheltflaschen auf.

Da Kern’s Pastetchen nicht nur Restaurant, sondern auch Weindepot ist, lohnt sich ein Blick in die Weinkarte hier besonders. Natürlich liegt der Schwerpunkt bei einer anschaulichen Auswahl an Gewächsen aus Österreich. Doch nicht nur hier, sondern auch bei den Deutschen Weinen findet sich schnell ein schöner (und gereifter) Tropfen, wie zum Beispiel eine 2003er Morstein von Wittmann oder die ein oder andere trockene Spätlese von Laible. Auch wenn man sich nach Frankreich begibt, glänzt die Karte mit echten Raritäten und zeugt von beachtlicher Auseinandersetzung mit dem Thema Wein, wenn man beim Champagner Tropfen von Ulysse Collin findet. Um so liebenswerter wird auch Josef Kern im Service, wenn er die Freude der Gäste an seinen Weinen ansieht.

Ansonsten agiert der Service unauffällig aber stets mit wachsamem Auge und sorgt so für einen angenehmen Abend im gemütlichen Ambiente.

Neben Klassikern, wie dem Wiener Schnitzel auf der Karte, gibt es ein Fisch-Menü und ein Österreichisches-Menü zur Auswahl. Letzteres besteht aus fünf Gängen zu 68€, die angemessen sind.

Nach dem gereichten Amuse Bouche erreicht mich ein“Gebratenes Kalbsbries mit Paradeiser-Topfenmousse Zucchini, Brandade und Salatbouquet“ als Vorspeise.

Eine herrlich leichte Komposition, die dem sehr guten aber minimal trockenen Bries eine schöne Frische gibt.

Die darauf folgende „Tomatenessenz mit Basilikumnockerl“ gibt eine klassische, in ihren Aromen konzentrierte Suppe ab, die bei aller aromatischen Stärke, eine Leichtigkeit der Konsistenz bewahrt. Die Basiliumnockerl harmonieren selbstverständlich mit der Tomatenaromatik. Wer aber von der Klarheit bei aller Aromatik einer Essenz nun nicht mehr überrascht ist, für den wird dieser Gang ein wenig ermüdend ausfallen.

Interessanter empfinde ich da den Fischgang, der als „Zanderfilet mit gerauchten Berglinsen und Kren“ daherkommt. Hier hat man eine Mischung aus Schärfe des Rettichs (Kren), Deftigkeit der Linsen und Luftigkeit der Sauce, die das Zanderfilet aromatisch intensiv umspielt. Noch interessanter wird der Gang, indem sich noch durch die kross-knusprige Haut, eine weitere Konsistenz hinzugesellt. Ein rundum gelungener Gang!

Mit  „Zweierlei vom Milchkalb auf Erbsenrisotto und Sommergemüse“ serviert man einen harmonischen Hauptgang. Das Milchkalb ist von bester Qualität und durchgehend rosa, wobei es den fleischigen Geschmack wunderbar bewahrt hat und sich dabei butterweich schneiden lässt. Das Erbenrisotto hat eine schöne Schlotzigkeit ohne im Kern an Konsistenz verloren zu haben. Die Tomaten – und Zucchinispalten geben dem ganzen Gericht eine schöne Saftigkeit. All dies wird umspielt von einem schön konzentrierten jus.

Mit dem Dessert fährt man weiter die klassische Schiene, die ich hier dann auch keinesfalls vermissen möchte. Denn als Dessert wird eine meiner  Lieblingssüßspeisen der Kindheit serviert: „Marillenknödel mit Marillenröster und Vanilleeis“.

Der Marillenknödel kommt in Bestform daher und geht mit den Marillenröstern  eine nie ermüdenden und stets traumhafte Liaison ein. Das Vanilleeis ist aromatisch makellos, nur schon ein wenig zu saucenartig, was nicht weiter schlimm ist. Nur mit den überflüssigen Erdbeeren und dem noch überflüsssigeren Schokoladenstäbchen, welches das komplette Gericht verunstaltet und an die 80er Jahre denken lässt, komme ich nicht klar. Solche vermeintlichen Verschönerungen, genau so wie Balsamicoglace auf dem Teller, lassen ein Gericht doch schnell amateurhaft aussehen. Ein Koch, der meint, seine Gerichte damit zu verzieren, erscheint mir ein wenig so, wie ein Weinkenner, der den edlen Tropfen im Glase hat und sein Glas mit den fettigen Fingern am Kelch hält.

Insgesamt kann man einen wunderbar gemütlichen Abend im Kern’s Pastetchen verbringen. Dazu trägt vor allem der Service bei und das schicke aber nicht einschüchternde Ambiente. Die Speisen haben eine sehr gute Produktqualität und sind gut zubereitet. Manchmal fehlt den klassischen Gerichten eine letzte Nuance um ein neues Geschmackserlebnis herauszukitzeln. Wer aber eine unaufgeregte aber glänzende Österreichische Küche erwartet, ist hier genau richtig. Manche Speisen wirken aber in der Anrichtung etwas angestaubt, wobei die Küche dann letztendlich geschmacklich überzeugt. Alle anderen Kleinigkeiten bügelt die fantastische Weinkarte gekonnt aus.

Kerns PastetchenHohenheimer Straße 64 / 70184 Stuttgart

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~ von budisfoodblog - Oktober 1, 2012.

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