Balthasar Ress – Verkostung 2011


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Bei diesen vier Weinen aus dem Rheingauer Haus Balthasar Ress (seit 2011 unter Betriebsleitung von Dirk Würtz) handelt es sich um eine kontrovers diskutierte Kollektion. Nicht nur die Tatsache, dass von den vier Weinen, die als „Erstes Gewächs“ angestellt wurden, zwei Rieslinge von der Prüfkommission abgelehnt wurden, sondern auch weitere unter Weintrinkern hitzig geführte Gespräche, machen diese vier Rieslinge wohl zu absoluten hate-it -or -love-it – Weinen.

Da bleibt nur eins übrig: Selbst probieren und ein Urteil bilden!

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Zunächst möchte ich die beiden „Ersten Gewächse“ besprechen, die vielleicht auch weniger kontrovers diskutiert wurden und typischer ausfallen:

 

Riesling Hattenheimer Nussbrunnen Erstes Gewächs 2011, Rheingau

Sattes gelb im Glas, minimale Kohlensäure beim Einschenken. Anfangs zeigt sich die Nase etwas herber und vor allem sehr rauchig ausgeprägt. Außerdem stinkt die Nase ein wenig nach Sponti aber auch ein wenig nach Keller. Die unangenehmen Noten verschwinden jedoch relativ schnell im Glas. Am Gaumen zieht sich diese Aromatik fort und es kommen noch Grapefruit und Aprikose hinzu. Das Gesamtpaket wirkt sehr kräftig, pendelt sich dann mit zunehmendem Luftkontakt ein, sodass der Nussbrunnen ruhiger und harmonischer wirkt. Der Riesling hat eine schöne Dichte und Tiefgang.

Hier bin ich sehr gespannt, wie sich der Wein entwickeln wird!

 

Riesling Rüdesheimer Berg Schlossberg Erstes Gewächs 2011, Rheingau

Aus der legendären Lage Berg Schlossberg besitzt der Riesling von allen Weinen das satteste gelb im Glas. Direkt nach dem Einschenken strömt einem ein sehr fruchtreifer und reintöniger Riesling entgegen. Allein die Nase bietet schon weniger Stoff zur Diskussion mit ihren reifen Steinobstfrüchten und Zitrusnoten.

Am Gaumen zeigt sich der Wein rund, rieslingtypisch und fruchtbetont. Durch den hohen Alkohol von 14 Vol.% gesellt sich eine ganz leichte Süße zur Frucht hinzu. Besonders am zweiten Tag spricht mich der Wein an. Eine vibrierende Säure, Kraft und Länge zeichnen diesen würzig-fruchtigen Riesling aus, der mich ein wenig an die trockenen Rieslinge aus dem Elsass erinnert.

Für mich ist das der ansprechendste Wein der Kollektion mit mächtig Potenzial für viele Jahre Lagerung!

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Rüdesheimer Berg Rottland Riesling  2011, Rheingau

Weiter geht es mit dem Rüdesheimer Berg Rottland, der keine „Erstes Gewächs“-Bezeichnung bekommen hat.

Hier nun ein Riesling mit etwas blasserem gelb. Die Nase zeigte sich am ersten Tag noch zurückhaltend, wenn auch schon eine sehr individuelle Nase erkennbar war. Ein Mix aus würzigen Aromen und einem ausgeprägteren Brennessel-Ton und Sesam bei insgesamt kaum anwesender Frucht. Am Gaumen zeigt sich der Berg Rottland dann wieder als ein kräftigerer Rieslingtyp von hoher Komplexität. Im Abgang sind ganz leicht medizinische Noten dabei. Direkt aus der Flasche wirkt der Wein aber im Abgang noch etwas kurz und insgesamt verschlossen.

Viel spannender dann der Flaschenrest am zweiten Tag. Nun hat man immer noch die würzig-vegetative Aromatik, die aber auch mit einer angenehmen Frucht einhergeht. Vor allem kommt aber nun die mineralische Seite des Rieslings zur Geltung. Der Riesling erscheint mir völlig atypisch im Vergleich zu den üblichen Rheingauer-Gewächsen, jedoch nicht uninteressant und damit eigenständig. Die Cremigkeit und Mineralik verleiht dem Berg Rottland durchaus Charakter.

Auch hier zeigt sich, dass die Weine allesamt noch sehr jung sind. Da dieser Riesling aber so eigenwillig ist, wage ich keine Prognose für die zukünftige Entwicklung. Auch hier wird es interessant zukünftig ein Auge auf den Wein zu werfen!

 

Riesling Hattenheimer Engelmannsberg 2011, Rheingau

Der Engelmannsberg zeigt sich im Vergleich zum Berg Rottland dann schon deutlich fruchtiger. Ein Riesling von reduktivem Typ. In der Nase hat man fruchtige Aromen von reiferen Äpfeln und Steinobst, die dezent von Kräutern begleitet werden. Auch eine zart florale Note zeigt sich bei diesem Riesling. Mit etwas Luft kommt bei dem am Gaumen leicht hefigen Riesling auch eine schöne Mineralik zur Geltung. Das Kräuterthema wird wieder aufgenommen und eine leichte Adstringenz untermauert die mineralische Komponente des Rieslings. Für mich ein relativ typischer Rheingauriesling, der nicht wirklich aus dem Raster fällt.

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Ich hatte das Glück, die Rieslinge im kleineren Kreis zu verkosten, sodass man sich austauschen konnte. Auch in der Gruppe fielen die Urteile sehr kontrovers aus und manche Weine schwankten zwischen Begeisterung und Abneigung, je nach Verkostungzeit. Bei allen Rieslingen fiel mir auf, dass die Weine mit zunehmendem Luftkontakt attraktiver wurden und meist erst am zweiten Tag aufblühten und sich harmonischer zeigten. Zeichen, dass die Weine Substanz für die nächsten Jahre haben. Letztendlich bleibt es sehr spannend, die Weine in ihrer Entwicklung zu beobachten. Die Ress-Kollektion bekennt ganz klar Farbe und will nicht jedem Gaumen schmeicheln. Man wird die Weine lieben oder nichts mit ihnen anfangen können. Wenn sich diese klare Linie nun über die kommenden Jahre konstant weiterzieht, kann ich mir durchaus vorstellen, dass die Weine ihre Anhänger finden werden und sich die Frage der Atypizität relativiert. Den Sprung haben ja beispielsweise auch die Weine Philippis aus Kallstadt geschafft.

Auch spannend bleibt die Zukunft in Betracht auf die Entwicklung dieses Weinstils. Werden diese Rieslinge es schaffen dem Rheingau ein neues klares Gesicht zu verleihen oder wird hiermit eine Nische bedient werden?

Massentauglich wird diese Stilistik dann wohl eher nicht. Viel mehr handelt es sich um absolute Freak-Weine, die man gerne unter weinaffinen Leuten verkostet. Hier findet man ja auch ordentlich Gesprächsstoff. Mit anderen Worten: Die aktuelle Ress-Kollektin könnte eigentlich nicht passender sein, für einen Jahrgang der unter Leitung eines Weinbloggers entstanden ist.

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~ von budisfoodblog - Dezember 17, 2012.

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