Champagner: Jacques Selosse – Tasting


Anfang diesen Monats hatte ich die nahezu einmalige Gelegenheit, eine ganze Bandbreite an Selosse-Champagnern an einem Abend verkosten zu dürfen. Die champagnerfreudigen Jungs von Trinklaune.de luden nämlich zu einem entspannten Abend ein, dem übergeordnet die Verkostung der raren Flaschen stand.

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Über die Stilistik und Methoden Jacques Selosses, findet man allerlei Artikel, weshalb ich nur kurz auf das Haus selbst eingehen möchte:

Das in kleinste Parzellen eingeteilte, lediglich knapp 7,5ha umfassende Champagnerhaus wird vom charismatischen Winzer Anselme Selosse in zweiter Generation geführt. Selosse befindet sich im Zentrum der Côte de Blancs, genauer gesagt in Avize.

Dort produziert er mit Ausnahme seines Rosé-Champagners ausschließlich Champagner aus Chardonnay-Trauben. Selosse hat nicht nur Anteile an fünf Grand-Cru-Lagen in der Champagne, sondern auch noch alte Rebstöcke, die im Schnitt circa 50 Jahre alt sind.

Im Keller bedient man sich keiner Reinzuchthefen oder ausgiebiger Schönung. Die malolaktische Gärung wird bei den Champagnern vermieden, dafür wird die bâtonnage mehrmals durchgeführt, was mitunter für fülligere Weine sorgt. Auch die Dosage hält sich durch alle Champagner (mal vom demi-sec Exquise ausgenommen) sehr gering. Weiterhin ist Selosse für seinen konsequenten Holzeinsatz bekannt, der sich aber immer sehr dezent gestaltet. Die Fässer sollen von der Domaine Leflaive aus Puligny-Montrachet stammen.

Nun aber zum ersten Wein des Abends:

Initial:

Hierbei handelt es sich um Selosses „Einstiegswein“. Er macht das Gros der Produktion aus, was in diesem Fall heißt, dass etwa 33 000 Flaschen jährlich hiervon produziert werden.

Der blanc de blancs besteht aus einer Cuvée von drei Grand Crus (Avize, Cramant, Oger). Das ist kein Jahrgangschampagner, sondern eine Assemblage aus drei aufeinanderfolgenden Jahrgängen. Dieser Brut Champagner wurde im Juli 2012 dégorgiert und war somit im Januar noch sehr jung.

Selosse Flaschen selbst, ziert auf dem Rücketikett der Hinweis, alle Flaschen mindestens noch ein halbes Jahr liegen zu lassen, damit der Wein sich wieder ausbalancieren kann.

Im Glas zeigt sich der Initial goldgelb und mit einer gleichmäßigen, sehr feinen Perlage. Anfangs prägen den Champagner zarte Kräuternoten in der Nase und ein Hauch Zitrone.

Am Gaumen wirkt der Wein erst leicht aber durchaus stoffig, elegant. Da der Wein keinen BSA vollzogen hat, besitzt er Kraft in der Säure. Diese gibt dem Champagner sein Rückgrat. Er besitzt Frische, zeigt sich präzise und nicht fruchtlastig. Mir fällt hier noch auf, wie wunderbar die Perlage gestaltet ist, da die ultrafeinen Bläschen den Mund nicht fluten und der Initial sich ingesamt sehr weinig zeigt.

Mit etwas Zeit im Glas wirkt der Champagner auch deutlich breiter, profitiert von der Luft. Das macht sich auch in der Nase bemerkbar, die nun etwas fülliger erscheint.

Ich kann mir vorstellen, dass der Champagner nach etwas Lagerung noch an Komplexität und Fülligkeit gewinnt. Trotzdem macht er jetzt schon sehr viel Freude und bietet einen tollen Einstieg in die Kollektion.

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Version Originale:

Der V.O. ist ebenfalls ein blanc de blancs. Er unterscheidet sich im Vergleich zum Initial durch seine Dosierung und etwas längere Flaschenreifung. In diesem Fall keine Dosage. Die Flasche wurde im April 2012 dégorgiert. 3600 Flaschen wurden abgefüllt.

Man muss sagen, dass sich die geringen Unterschiede zu den beiden Champagnern nicht nur im Preis äußern. Welcher der beiden Champagner nun zu bevorzugen ist, hängt wohl maßgebend von den geschmacklichen Präferenzen des Verkosters ab. Ich empfand den V.O. als einen Ticken authentischer, konzentrierter und puristischer. Das mag aber auch mit der etwas längeren Flaschenreife zusammenhängen.

Der V.O. zeigt sich ebenfalls goldgelb im Glas und bildet eine feine gleichmäßige Schaumkrone. Der Gelbton ist hier ein wenig tiefer. In der Nase hat man ebenfalls wieder feine Kräuternoten, Frische aber auch ein fülligeres, hefegeprägtes Bukett.

Am Gaumen liegt der Champagner nahe am Initial, wobei der Abgang sich intensiver und länger gestaltet. Auch die Säure kommt nun deutlicher zur Geltung. Auch hier zeigt sich wieder ein kraftvoller Champagner. Mir gefällt, wie der Champagner mit Luftkontakt in eine nussig-röstige Richtung geht.

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Rosé:

Der Roséchampagner bildet die einzige Ausnahme de chardonnaygeprägten Betriebes. Trotzdem ist der Rosé ebenfalls deutlich chardonnaybetont. Nur ein geringer Anteil von Pinot Noir (10%) kommt hier hinzu. Die Trauben kommen hier aus Grand Cru Lagen aus Ambonnay. Die Dosage is als brut gehalten. Dieses Exemplar wurde im Oktober 2011 dégorgiert. Hiervon gibt es lediglich 6000 Flaschen pro Jahr.

Der Rosé besitzt eine wunderbar schöne Farbe. Es geht in die Richtung von hellrosanem Kupferton. Jedenfalls glänzt der Roséchampagner wunderschön platinfarben im Glas.

Das Bukett zeigt sich ganz anders als zum Beispiel beim frischfruchtigen Roséchampagner von Larmandier-Bernier, den ich ebenfalls sehr schätze. Hier hat man in der Nase den Duft von Kakaobohnen und eine subtile, zurückhaltende Frucht.

Am Gaumen zieht sich meiner Meinung nach diese Kakaonote weiter und endet im Abgang mit Aromen von eingelegten Sauerkirschen. Dazwischen hat man auch keine stark ausgeprägte Frucht, fast eher schon ganz leicht oxidative Anklänge in Richtung Sherry. Der Rosé zeigt sich völlig unaufdringlich und elegant. Mein einziger Kritikpunkt wäre hier, dass ihm im Vergleich zu den anderen Champagnern ein wenig die Kraft im Ausklang fehlt.

Der Rosé wurde zwar von vielen am Tisch als positiv wahrgenommen, es gab aber durchaus aus Meinungen, dass dieser Champagner ein wenig abfällt.

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Substance:

Der Substance ist mitunter eines der Flagschiffe von Selosse und hat besonders durch sein aufwändiges Solera-Verfahren für viel Beachtung gesorgt. Das Solera-Verfahren kennt man meistens von der Sherryherstellung. Hier werden mehrere Reihen Fässer übereinandergestapelt, wobei sich unten die ältesten Weine befinden. Das Prinzip funktioniert so, dass stets mit neuen Weinen ältere Fässer aufgefüllt werden und der junge Wein so von oben nach unten lagert. Dies garantiert nicht nur, dass der Jungwein die Aromen der alten Weine aufnimmt und weiterträgt, sondern sorgt auch für eine konstante Qualität. Die Flasche vereint somit die Jahrgänge ab 1986. Der reine Chardonnay-Champagner, dessen Trauben ausschließlich aus Avize stammen, wurde im Juni 2012 dégorgiert. Die Jahresproduktion beträgt 3000 Flaschen.

Im Glas wieder ein goldener Gelbton (ein wenig dunkler als bisher ), welcher von feinsten Bläschen durchwoben wird. Der Substance macht seiner Bezeichnung alle Ehre. Bereits die Nase zeigt sich üppig, hat Substanz. Man hat einen präsenten aber gut eingebundenen Holzeinsatz, nussige Aromen und eine leicht sherrylastige Nase, die mit viel Brioche ausstaffiert wird.. Dem steht aber auch eine Frische entgegen, die in Form von Granny Smith Äpfeln daherkommt.

Am Gaumen fällt mir gleich die toll eingebundene und kraftvolle Säurestruktur auf. Der Apfel ist hier die dominierende Frucht. Das passt gut zu der am Gaumen so präsenten Frische. Bei aller Üppigkeit in der Nase, hat der Champagner einen guten Zug, wirkt nicht müde, sondern ausbalanciert und sorgt somit für einen belebenden Champagner der Extraklasse, der ebenfalls frisch ausklingt.

Das ist ein wunderbarer lebendiger Champagner, von dem ich sehr gerne noch eine Fläschchen im Keller hätte, um die Entwicklung dieses Tropfens zu beobachten.

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Jacques Selosse 1999:

Nachdem der Substance ganz deutlich auf einer eigenen Liga spielt und auch eine Steigerung zu den vorherigen Champagnern darstellte, war die Ausgangssituation natürlich spannend, nachdem noch ein Jahrgangschampagner von Selosse parat stand.

Jahrgangschampagner bei Selosse sind ohnehin sehr rar und werden nur in besten Jahren vinifiziert. Außerdem lagern die Weine stets lange und werden erst zu Beginn ihrer Reife ausgeliefert. Anselme stellt das klar, indem er auf sein Etikett schreibt, dass je nach Jahrgang 0 bis 6000 Flaschen abgefüllt werden. Der Champagner stammte aus 1999 und wurde als extra brut dosiert. Die Trauben stammen wie beim Substance aus Avize. Auch hier handelt es sich um einen blanc de blancs. Dégorgierdatum: April 2010.

Der tief  goldgelbe Champagner hat ein wahnsinns opulentes Bukett, wie ich es bislang nur von zwei Champagnern kenne: Egly-Ouriet blanc de noirs und Dufour ligne 39, einem blanc de blancs aus 1988, der 2008 dégorgiert wurde.

Man hat reichlich Honig in der Nase aber eben wieder auch eine deutliche Frische, die das ganze ausbalanciert.

Am Gaumen zeigt sich der Champagner edel, mit seiner noblen Perlage. Ich würde sagen, der 1999er ist momentan perfekt reif. Ein in sich stimmiger Wein voller reifer Noten von Brioche und Mandeln. Fülle, Üppigkeit, Reichhaltigkeit an Aromen. All diese Eigenschaften wären nichts ohne die Eleganz, Balance und Leichtigkeit, die diesen Champagner auszeichnen und letztendlich zu einem ganz großen Champagner machen, der niemals ermüdend wirkt und trotzdem voller Facetten steckt.

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Der Abend hat ganz deutlich gezeigt, dass die Champagner von Selosse in einer eigenen Liga spielen können. Durch die Bank besitzt jeder Champagner seine eigene Anziehungskraft. Insbesondere fällt hierbei auf, wie ausbalanciert und harmonisch die Champagner sind. Trotz teils brachialer Kraft, kennzeichnet alle Champagner von Selosse auch eine Lebendigkeit, wie man sie in den üppigeren Champagnern nicht immer findet, sodass man in der Tat von burgundischen Champagnern sprechen kann.

Alle Champagner haben mit der Zeit auch vom Luftkontakt profitiert, sodass man nicht oft genug betonen kann, dass sich auch hier etwas Geduld ausbezahlt.

Hier findet ihr noch den Link zu weiteren Notizen und Eindrücken von diesem Abend:

Trinklaune.de – Selosse-Tasting Teil I

Trinklaune.de – Selosse-Tasting Teil II

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~ von budisfoodblog - Januar 16, 2013.

4 Antworten to “Champagner: Jacques Selosse – Tasting”

  1. Sehr schöner, ausführlicher Bericht. Habe bisher leider noch keinen Selosse probieren können. Steht aber alles auf der To-Drink-Liste .

    Das mit dem Solera-Verfahren bei dem Substance ist äusserst interessant. Das heisst dann wohl, dass die Weine erst jahrzentelang im Fass lagern, bevor Sie die Zweitgärung in der Flasche durchmachen. Doch wie lang bleiben Sie dann auf der Flasche, bevor Sie degorgiert werden?

    VG

  2. Hallo Alex,

    vielen Dank!

    Exakt- die ältesten Weine stammen beim Substance aus 1986. Die Fässer werden Jährlich stets wieder aufgefüllt, sodass diese Flasche quasi 1986- heute
    Der Substance wurde ja am 26.06. 2012 dégorgiert. Allerdings bleibt unklar seit wann er sich in der Flasche befindet.

  3. […] 左:Vega Sicilia, “Unico”, Reserva Especial 右:Jacques Selosse SUBSTANCE(イメージ:VinblogとBudi’sFoodblogより) […]

  4. […] Das in kleinste Parzellen eingeteilte, lediglich knapp 7,5ha umfassende Champagnerhaus wird vom charismatischen Winzer Anselme Selosse in zweiter Generation geführt. Selosse befindet sich im Zentrum der Côte de Blancs, genauer gesagt in Avize und darf sich anders als die beiden oben aufgeführten Häuser als Récoltant Manipulant (RM) bezeichnen. Weitere Infos und Verkostungsnotizen zu Selosse finden sich im Blog (->Klick.) […]

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