Baden – Exkursion


Anfang März war ich mit einer kleineren Truppe in Baden auf Exkursion. Dabei haben wir drei Weingüter besucht, die alle mitunter große Weine aus den Burgunderrebsorten vinifizieren. Hier ein paar Eindrücke zu den Weinen, Winzern und Weingütern:

Erste Station war  das Weingut Karl H. Johner in Vogtsburg am Kaiserstuhl. Hier werden seit 1985 Weine produziert. Karl Heinz Johner hat in Geisenheim studiert und danach einige Jahre in England verbracht, die ihn sicherlich stark geprägt haben. Das Weingut bewirtschaftet mittlerweile 17 Hektar Rebfläche und beliefert zu großen Teilen die Gastronomie mit ihren idealen Speisebegleitern. Gesicht des Weinguts ist mittlerweile Sohn Patrick Johner, der auch viel online aktiv ist und regelmäßig zu allen Themen der Weinwelt bloggt.

Patrick hat uns auch durch das Weingut geführt und den aktuellen Jahrgang präsentiert. Es gab viele Weine als Fassproben und Rotweine, die ihre malolaktische Gärung noch vor sich haben, weshalb eine Einschätzung und endgültige Beurteilung schwer fällt. Bei den noch nicht abgefüllten Weinen kann ich mich sehr gut an einen Sauvignon blanc erinnern, der gar nicht so typisch für Deutschland erschien in seiner Maracuja und weiteren von Südfrüchten geprägten Aromatik und lebendigen Säure. Patrick hat uns sicherlich über vierzig Weine gezeigt, teilweise auch Chardonnay aus verschiedenen Barriques, die dann in die Cuvée eingehen. Interessant fand ich seine Äußerung zur berühmten Chardonnay-Weißbrugunder-Cuvée. Bei Johners wird außerhalb der Selection Johner Chardonnay und Weißburgunder nur als Cuvée angeboten. Hintergedanke ist, dass man das feine Aroma des Chardonnays mit der Kraft des Weißburgunders kombiniert um so einen idealen Wein zu erhalten. Außerdem sieht Patrick seine Philosophie von einem großartigen Wein in einer Abfüllung, die einem bewegten Bild entspricht. Sogenannte „Standbilder“ bei Weinen, also solche bei denen sich im Glas keine Entwicklung vollzieht, findet er langweilig. Das Weingut Johner steht für eine glasklare Position und in Patricks Worten zeigt sich ein eigenständiger und selbstbewusster Winzer. Die konsequente Abfüllung von Weinen mit Schraubverschlüssen ist eines der vielen Beispiele.

Nächste Station war das in Bad Krozingen gelegene Weingut Fritz Wassmer. Fritz Wassmer bewirtschaftet 26 Hektar Rebflächen im Markgräflerland und betreibt im Hauptgeschäft eigentlich Erdbeer- und Spargelanbau. Dafür vinifiziert er teilweise Weine von beachtlicher Qualität. Seine Weingärten liegen vorwiegend im Breisgau, wo er 1998 das Weingut gründete. Fritz Wassmer selber orientiert sich an den großen Burgundern und wurde dieses Jahr vom Gault Millau mit drei Trauben ausgezeichnet.

Wassmer erntete 1999 seine ersten Trauben. Beeindruckend ist die dichte Bepflanzung von 10-12.000 Rebstöcken pro Hektar. Die Trauben für die besten Weine werden in 10 Kilogramm fassenden Kisten gelesen. Es wird Grünlese praktiziert was zu einem Ertrag von 20-40hl/ha führt. Wassmer arbeitet bei den Rotweinen mit offener Maischevergärung, vergärt spontan und teils mit burgundischen Hefen bei maximal 33 Grad Celsius. Hier werden etwas 10-20% ganze Trauben verarbeitet. Alle Rotweine werden im Barrique ausgebaut.

Viele Praktiken erinnern an die Arbeit der Winzer im Burgund. Das liegt mitunter daran, dass Wassmer durch einen Zufall Einblicke in die Domaine de la Romanée-Conti bekam, sein großes Vorbild. Nicht umsonst stehen im Verkostungsraum eine beachtliche Anzahl an Grand Crus der weltbekannten Domaine.

Ich konnte insgesamt zwanzig Weine bei Wassmer verkosten. Fritz Wassmer ist ein sehr sympathischer und bodenständiger Winzer. Er wirkt fast ein wenig schüchtern.

Die Weißweine waren allesamt von einer ordentlichen Qualität. In der Menge fehlte mir ein wenig die Konsequenz in der Linie und der Wiedererkennungswert. Sein Weißer Burgunder R aus 2010 wirkt kräftig, besitzt eine tolle Säure und lebt von der Frische. Der mir Reinzuchthefen vergorene Weißer Burgunder aus 2011 wirkt dagegen simpler, frischer aber auch belangloser. Trotzdem bildet er eine ordentliche Basis. Wenig anfangen konnte ich mit den Sauvignon blancs, sowohl der bewusst neuseeländisch geprägte 2011er, der brachiale grüne Paprika in der Nase verströmt, als auch der etwas reifer vinifizierte 2010er Sauvignon blanc R (bei 103 Oechsle gelesen), welcher von bis zu zehnjährigen Reben stammt, wirken auf mich zu aufdringlich und grün.

Dafür ganz spannend empfinde ich seinen 2011er Viognier, der in der Nase florale Noten verströmt und ein wenig nach Babycreme riecht. Beeindruckend ist hier auch, dass Wassmer nur den Mittelteil der Weinrebe weiterverarbeitet. Eine wahnsinnige Mehrarbeit!

Wirklich interessant wird es für mich bei Wassmer erst mit seinen Spätburgundern. Diese unterscheiden sich lediglich durch die Höhe des Ertrags und die Lagen.

Einen soliden Einstieg bietet der 2009er Spätburgunder QbA, ein typischer Vertreter Badens. Überrascht bin ich vom aus dem gleichen Jahr stammenden Spätburgunder M. Dieser wurde komplett im neuen Holz ausgebaut, was sich sensorisch ehrlich gesagt gar nicht bemerkbar macht. Der Wein hat die Kraft fürs Holz und zeigt Charakter. Für 16,50€ bekommt man hier ab Hof einen anschaulichen Spätburgunder.

Die Krönung stellt sicherlich der Spätburgunder XXL aus 2010 dar. Dieser Wein ist leider ab Hof ausverkauft. Er liegt bei 38€ ab Hof und zeigt die größte Komplexität aller Weine. Die Trauben stammen vom Kenzinger Roter Berg.

Für mich ist das Weingut Fritz Wassmer eine gelungene Empfehlung für all diejenigen, die ordentliche Weine suchen und auf Spätburgunder bedacht sind, die eine attraktives Preisleistungsverhältnis bieten. Für die Spitze fehlt mir noch die konstante Qualität in der Linie und eine eigenständigere Note. Es bleibt aber sicherlich spannend, hier die weitere Entwicklung zu beobachten.

Letzte Anfahrtsstelle in Baden war das Weingut Ziereisen in Efringen-Kirchen. Das Weingut befindet sich am untersten Zipfel Deutschland mit größter Nähe zu Schweiz und Frankreich.

Die Ziereisens besitzen von den drei besuchten Winzern das kleinste Weingut mit grob 10 Hektar Rebfläche. Das Weingut ist spezialisiert auf Spätburgunder, Syrah und beim Weißwein dem Gutedel, der meist belanglosen und in Deutschland fast völlig untergegangenen Rebsorte.

Aus allen drei Rebsorten vinifiziert Hanspeter hier grandiose Weine. Die Philosophie des Weingutes ist es jahrgangsbetonte und herkunftbetonte Weine zu keltern.

Hier könnten sich auch schon die Geister scheiden. Denn man muss differenzieren zwischen herkunftstypischen und herkunftsbetonten Weinen. Für mich produziert kaum ein Weingut in Deutschland Spätburgunder die näher am Burgund dran sind als hier. Das liegt aber auch an der Tatsache, dass die klimatischen Bedingungen kaum ähnlicher sind als in diesen Gefilden.

Typisch badische Spätburgunder sind es nicht, die hier abgefüllt werden. Das etwas wärmere Anbaugebiet sucht man im Glas vergebens, genau so wie oft markante und typische Aromen von Pflaumen oder Hagebutte. Bei all dieser verkopften Diskussion sollte man nicht vergessen, dass hier in der Spitze einfach grandiose Weine erzeugt werden.

Bei Ziereisen findet man keine dogmatische Betriebsphilosophie. Grob kann man sagen, dass im Keller biodynamisch gearbeitet wird um im Berg konventionell.

Aus den Fässern konnte ich einige grandiose Weißweine verkosten. Sehr beeindruckt hat mich auch der Gutedel aus dem Fass, welcher blind als Chardonnay eingestuft wurde – das ist kein Witz! Ein Besuch des Weingutes lohnt sich in jedem Fall. Beeindruckend sind die verwinkelten und sich über den Hof erstreckenden kleinen Keller, die auf mehrere Räume aufgeteilt sind.

Wie sehr man hier im Weingut um eine eigene Handschrift und die Erzeugung großartiger Weine bemüht ist, zeigen auch die vielen ausgetrunkenen Flaschen einiger der größten Winzer, die im Hof und Verkostungsraum stehen. Überall stapeln sich Flaschen von Friedrich Becker über Comtes Lafon bis hin zu Egon Müller, Gantenbein und vielen weiteren Klassikern.

In der Menge haben mich alle Weine durch ihre Konzentration, Frische und Spannung beeindruckt. Deshalb möchte ich keinen Wein herausstellen Die stilistisch burgundische Nähe bei Ziereisen ist sicherlich auch dem kühleren Jahrgang 2010 und 2008 zu verdanken, der sich hier positiv in die verkosteten Weine einbringt. Spannend finde ich, dass man hier mit dem Tschuppen 2010, einem Wein von 22 Monaten Fassreife, für 12€ einen großartigen Spätburgunder verkauft. Weiter geht es mit dem aus dem gleichen Jahr stammenden Schulen, ebenfalls unfiltriert. Der Sprung auf 22€ spiegelt präzise die Qualitätssteigerung wieder. Ganz großes Kino gab es mit dem Jaspis 2010 Pinot Noir und dem 2008er Alte Reben Jaspis, einem Spätburgunder der grandios Freude bereitet und dies so sehr, dass man Angst haben muss, seine vermutlich grandiose Entwicklung nicht mitzuerleben.

Große Winzerkunst zeigen auch der Jaspis Syrah und der Graue Burgunder Alte Reben.

Sehr löblich finde ich die Entscheidung einen Großteil der Weine auch in Halbflaschen anzubieten. Selbst die Spitze findet man in den kleinen Flaschen. Das erleichtert nicht nur die Qual der Wahl bei den Weinen, sondern regt auch deutlich dazu an, selbst die Spitze zu kaufen. Das wünsche ich mir von anderen Winzern auch!

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~ von budisfoodblog - März 20, 2013.

Eine Antwort to “Baden – Exkursion”

  1. […] Spannend war es auch erneut das Weingut Ziereisen aus Baden zu besuchen, nachdem ich hier vor etwa einem Monat das Weingut besucht habe. Selbstverständlich bekommt man hier als erstes einen Gutedel serviert. Hier bleibt mir vor allem der servierte 2003er Jaspis Alte Reben Spätburgunder im Kopf. Der Wein zeigt, wie gut sich Ziereisens Weine entwickeln können, hat noch viel Fleisch auf den Rippen aber zeigt einen wärmeren würzigeren Stil als die frischen 2010er. Hier spielt auch die Tatsache mit rein, dass dieser Wein noch nach einer etwas anderen Philosophie vinifiziert wurde, sprich er ist filtriert und es kamen Reinzuchhefen mit ins Spiel. Eindrücke und Notizen zu meinem Aufenthalt bei Ziereisen finden sich hier: Klick! […]

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