Mainzer Weinbörse 2013


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Am 29. und 30. April fand in der Rheingoldhalle die Mainzer Weinbörse statt.

Die jährlich stattfindende Weinbörse des VDP zählt als die weltweit größte Fachmesse für Spitzenweine aus Deutschland.Insgesamt 175 Winzer aus den Anbaugebieten Ahr, Baden, Franken, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Sachsen und Württemberg präsentierten ihre Kollektion aus 2011 und den frisch abgefüllten 2012ern.

Hier ein paar Impressionen, Einschätzungen und Tips, die ich während meines Aufenthalts ansammeln konnte:

Rheingau

Das sich das Rheingau momentan in einem kompletten Wandel befindet und voller interessanter und experimentierfreudiger Winzer steht, scheint ja seit ein paar Verkostungen immer stärker durch.

Fast nirgendwo in Deutschland spürt man aktuell einen derart starken Willen, großartige Weine zu vinifizieren und einen eigenen Stil zu finden, wie hier.

Das Paradebeispiel hierfür ist das Weingut Balthasar Ress aus Hattenheim, das nicht nur mit der WineBank und eigener Weinbar & Vinothek, den Rheingau um zwei interessante Geschäftsideen bereichert hat, sondern spätestens seit der 2011er Kollektion einzigartige Weine erzeugt, die nicht umsonst aufmerksam beobachtet werden.

Auch mit der 2012er Kollektion scheint das Weingut an die hochspannende 2011er Kollektion anzuschließen. Lediglich mit dem in letzter Zeit in Onlinekreisen viel diskutierten Blanc de Blanc 2011 konnte ich nicht ganz so viel anfangen, wie mit den Ress Rieslingen. Der ausschließlich aus Weißburgunder erzeugte Wein bekam eine Maischestandzeit von ganzen sechs Tagen und wurde dann in neuer amerikanischer Eiche ausgebaut.

Momentan ist die Nase noch fast komplett vom Toast bedeckt. Am Gaumen zeigt sich der Wein dann schon schön stoffig und in der Tat in Anklängen burgundisch. Trotzdem besitzt der Weißburgunder den typisch kühleren Rheingautouch. Ein Experiment und spannender Wein aber für mich sicherlich nicht mit der Stilistik von Coche-Dury Chardonnays zu vergleichen, wie ab und zu angesrochen wurde. Trotzdem zeigt auch gerade ein Wein wie dieser, dass das Rheingau eben gerade Ort spannender Weinerzeugung ist und noch viel von sich hören lassen wird.

Großartige 2011er und 2012er habe ich auch bei Peter Jakob Kühn verkosten können. Hier möchte ich vor allem den 2011er St. Nikolaus Riesling (Erstes Gewächs) hervorheben. Der Riesling ist gepägt von der etwas längeren Maischestandzeit und dem BSA. Er zeigt sich cremig und in der Nase füllig reif und dabei am Gaumen spannungsvoll und keinesfalls ermüdend.

Etwas maskuliner wirkt dagegen der 2011er Doosberg (Erstes Gewächs) mit typisch kräutriger Note. Für mich einer der ganz großen Weine der Kollektion. Im Süßweinbereich faszinierte mich hier die 2012er Lenchen Auslese. Von der Aromatik überrascht diese nämlich durch eine leicht vegetabile Nase. Das äußerst sich vor allem durch eine an Radieschen erinnernde leichte Schärfe. Dies leichte Schärfe in Verbindung mit reinem Honig und trotzdem glasklarer und flüssiger Konsistenz, macht diese Auslese zu einer der interessantesten der Weinbörse.

Ein weiteres Weingut, welches ich zu beobachten empfehle ist das Weingut Baron von Knyphausen. Seitdem man durch einen neuen Investor dem Kellermeister alle Freiheiten gegeben hat und auch die finanziellen Mittel zu besitzen scheint, werden hier großartige Weine erzeugt, die so zahlreich sind, dass ich sie hier in vollem Umfang kaum erwähnen kann.

Eine feine Riesling Spätlese findet man hier beispielsweise aus der Lage Wisselbrunnen. Die 2011er Spätlese zeichnet eine prägnant kräutrige Aromatik aus, dass man sich ein wenig an den gelben Chartreuse-Likör erinnert fühlt. Eine ähnlich leicht medizinische Note besitzt auch die Constitutional Green Auslese aus 2011. Die am Gaumen fast trocken erscheinende Auslese fährt mit minzigen Aromen auf, zeigt sich dicht und lang im Abgang.

Getoppt wird all dies nur noch von der 2011er Imperial Yellow Auslese. Hierbei handelt es sich um eine auf wenige Flaschen limitierte Sonderedition, die ursprünglich durch Unaufmerksamkeit im Keller entstanden ist. Aus der im Barrique ausgebauten und als restsüß geplanten Auslese, entstand ein durchgegorener Riesling von brachialer Konzentration. Zukünftig wird es diesen Wein, sofern möglich, weiterhin geben.

Die trockene Auslese aus 2011 zeigt sich in der Nase momentan etwas verschlossener, als auf der Großen-Gewächs-Verkostung des VDPs in München, wo ich das erste Mal diesen großartigen Wein verkosten konnte. Am Gaumen hat man dann die pure Rieslingkonzentration, brachiale Säure, Kalkigkeit und eine enorme aromatische Dichte (35g/l Extrakt/ 11,8 g/l Säure). Ein Wein für die Ewigkeit!

Spannend war auch August Kesselers Jahrgangsanalyse für 2012. Hier berichtete er von Anfangs extrem hohen Säurewerten, die ihm in Gedanken an den Endkonsumenten Kopfschmerzen bereiteten. Glücklicherweise verbesserten sich die Werte zum Ende des Jahres hin, auch weil extrem viel Weinstein ausfiel, soviel wie fast noch nie, was zu regelrechten Wänden in den Fässern führte. So hat man im Glas zwar viel Säure, jedoch reife.

Eine Einschätzung, die ich gut nachvollziehen konnte, nachdem ich einige 2012er Weine probiert habe. Insgesamt erinnern mich momentan die 2012er an eine Mischung aus den Jahrgängen 2010 und 2011. Der Jahrgang besitzt die lebendige Säure der 10er, ohne deren Unreife zu haben und vereint die Reife und Frucht des 2011er Jahrgangs.

Pfalz

In der Pfalz bleibt alles wie gehabt größtenteils großartig. Die Von Winning Weine polarisieren noch immer auf jeder Messe und führen zu Gedränge am Stand. Auch wenn ich mir noch immer nicht ein komplettes Urteil von den Weinen bilden kann, so finde ich zwei Weine auf jeden Fall bemerkenswert. Es handelt sich um die 500er Kollektion des Weinguts. Beide Weine konnte ich auch schon auf der ProWein dieses Jahr verkosten und fand sie dort spannend. Der 2012er Riesling aus der Serie ist meines Empfindens nach noch besser gelungen als der 2010er Jahrgang, den ich ebenfalls sehr schätze. Für mein Empfinden besitzt der 2012er etwas weniger Holz als sein Vorgänger, was vielleicht aber auch nur Einbildung ist. In jedem Falle präsentiert er sich noch stoffiger. Auf selber Augenhöhe befindet sich auch der Sauvignon blanc aus 2011, der momentan noch deutlich vom Holzeinsatz geprägt ist. Ich hoffe, dass sich dies im Laufe der Jahre gut einbindet und etwas zurückgeht. Bei guter Entwicklung könnte das einer der spannendsten Sauvignon blancs Deutschlands werden!

Spannend zeigten sich auch die Klassiker Bürklin-Wolf und Friedrich Becker. Bei Ersterem sticht für mich der Kalkofen Riesling 2011 heraus. Interessant war es auch den Wein aus 2003 gegenverkosten zu können und somit dessen Entwicklung abzuschätzen. Bei den Becker Spätburgundern war die Fassprobe vom Rechtenbacher Herrenwingert aus 2011 bemerkenswert. Bei Knipsers fand ich ebenfalls eine gute Kollektion. Lediglich die Cuvée X aus 2008 flacht für mich dieses Jahr etwas ab. Im Vergleich zu 2004 und 2006, besitzt der Wein eine relativ prägnante grüne Note, die ich so in den bisherigen Bordeaux-Cuvées nie entdeckt habe. Das zeigt eben auch, dass die Rebsorten in Deutschland in kühleren Jahrgängen schwierig sein können und durchaus von wärmeren Jahren profitieren.

Nahe, Baden und Württemberg

Neben fantastischen Rieslingen von Emrich-Schönleber, fand ich es wie schon auf der ProWein sehr schwierig die frisch abgefüllten Rieslinge (und damals teilweise Fassproben) bei Dönnhoff abzuschätzen. Sie alle sind noch deutlich von der Abfüllung geprägt, wirken in der Nase leicht kitschig und am Gaumen teilweise noch etwas gestaucht, sodass ich mit hier nur schwer ein Urteil bilden konnte. In der Tendenz hat man aber wieder große Weine, die eine schöne Säure bei reifer Steinobstfrucht besitzen und die für mich charakteristische leichte Honignote in den meisten Rieslingen, sowie feine Kräuter. Trotzdem ist es auch hier schön zu sehen, wenn ein Winzer die Weine bis zur letzten Sekunde im Fass lässt und die Abfüllung nicht abhängig von bevorstehenden Weinmessen und Events macht.

In Baden und Württemberg kann man mit etwas Aufmerksamkeit immer noch einige der interessantesten Weine finden. Neben den Größen wie Huber, wo es sich auch definitiv lohnt neben den Spätburgundern, den 2006er Rosé-Sekt zu verkosten, fand ich auch eine gelungene Kollektion beim VDP-Neumitglied Kistenmacher-Hengerer aus Heilbronn.

Einen gelungenen Gelben Muskateller findet man hier mit dem trockenen 2012er Heilbronner Gelben Muskateller. Dieser besitzt eine intensive und angenehme Nase mit reifen Mirabellen und Rosenblättern. Am Gaumen hat man dann dank den 13,5 Vol. % einen kräftigen und aromatischen Muskateller, der rund und gut ausbalanciert wirkt, ohne durch Alkohol zu stören. Ein belebender Wein, der keinerlei kitschige Stilistik zeigt, wie man sie teilweise von der Rebsorte gewohnt ist.

Tolle Weine fand ich auch bei Dautel, wo mir neben dem Besigheimer Wurmberg Riesling aus 2012 (Steinobst, Birne, Frische und nicht zu fett) besonders die Kreation Weiss S aus 2012 gefiel. Due Cuvée besteht aus Riesling, Kerner und Weißburgunder und zeichnet sich durch eine volle Nase und kräftige Substanz am Gaumen aus.

Mosel und Franken

An der Mosel konnte ich dieses Mal nicht all zu viel probieren. Ebenfalls schwierig zu bewerten empfand ich die neuen Weine von Fritz Haag, die auch allesamt noch in der Nase schwierig zu differenzieren sind und zur genaueren Einschätzung einfach mehr Aufmerksamkeit und Zeit vom Verkoster abverlangen.

Neben starken Weinen aus Franken von Fürst, konnte ich erneut die Kollektion von Benedikt Baltes aus Klingenberg unter die Lupe nehmen. Einen spannenden Einstieg gibt hier der Klingenberger „R“ Blanc de Noir, der zwischen burgundischer Fülle und roséartiger Frucht pendelt und einen erfrischenden BdN abliefert.

Die 2011er Spätburgunder zeigen, dass man hier mit Ernsthaftigkeit an das Thema Spätburgunder rangeht. Der Klingenberger zeigt sich in der Nase temperamentvoll, erinnert ein wenig an Nachbarn Fürst, dann aber am Gaumen differenziert sich der Baltes Spätburgunder durch eine etwas leichtere und elegantere Stilistik, ohne an Konzentration und stoffigem Tanningerüst zu verlieren.

Mit dem Klingenberger „R“ zieht die Komplexität nochmals an und man hat mehr Substanz am Gaumen. Weiter so!

Abgerundet wurde die Weinbörse durch Catering von OTTO-Gourmet. Im Kontext spannend, war auch die Präsentation des aus dem Rheinland stammenden Schokoladenherstellers Coppeneur. Hier stand Oliver Coppener persönlich für Fragen zur Verfügung und zeigte eindrucksvoll durch eine Präsentation verschiedener Single Origin-Schokoladen, wie ähnlich auch die Philosophie der Weinwelt auf die der Schokoladenbranche zutrifft. Die verschiedenen Schokoladen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt, präsentierten starke aromatische Unterschiede und gaben Denkanstoss dazu, wie viel Feinheiten in jedem Produkt stecken können.

Kurz gesagt: Die Mainzer Weinbörse ist und bleibt eine der spannendsten Möglichkeiten, sich einen Überblick über den momentanen Stand deutscher Weine im Spitzensegment zu verschaffen.

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~ von budisfoodblog - Mai 1, 2013.

Eine Antwort to “Mainzer Weinbörse 2013”

  1. […] Budi’s Foodblog […]

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