Paris: Burgund-Verkostung des Jahrgangs 2010 im Le Bristol (Les Domaines Familiaux de Tradition)


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Alljährlich findet in Paris im März unter dem Namen „Les Domaines Familiaux de Tradition“eine kleine aber fantastische Burgunderverkostung statt. Deren zugehörige Weingüter zählen zweifelsfrei zu den renommiertesten Burgunds. Mit jedem Event wird stets ein kompletter Jahrgang in rot und weiß vorgestellt. Dieses Jahr stand der Jahrgang 2010 an.

Ich hatte das Glück, bereits das zweite Mal in Folge an der Verkostung teilnehmen zu können. Letztes Jahr konnte ich mir einen Eindruck vom Jahrgang 2009 verschaffen (-> Link zur Verkostung des Jahrgangs 2009). Im Nachhinein habe ich diesen grob so in Erinnerung, dass man hier im Rotweinbereich großartige und langlebige Pinot Noirs bekommt, die von reifer Frucht und viel Kraft geprägt sind. Für den Chardonnay würde ich 2009 eher als kleineren Jahrgang betrachten. Zwar bekommt man hier saftige, fruchtbetonte Weißweine, die früh zugänglich sind. Insgesamt wird sich der Jahrgang jedoch vermutlich nicht als Langstreckenläufer entpuppen, weshalb viele Winzer dazu raten, die Weine früher zu genießen.

 

Ganz anders zeigt sich der Jahrgang 2010.

Im Burgund zählt das Jahr zu den kühleren. Neben klirrend kaltem Winter der den Reben viel abverlangte und zu später und schwieriger Blüte führte, setzte der regnerische Juni den Weinbergen zu. Neben Verrieselung und somit geringen Ertägen war zudem eine strenge Selektion erforderlich um sauberes und gesundes Lesegut einzubringen. Kühle Nächte retteten glücklicherwiese viele Rebanlagen vor vermehrter Fäulnisverbreitung. Gerettet wurde dieser Jahrgang durch den traumhaften Sommer, der für eine entspannte Lese sorgte und fantastisches, gereiftes Material einbrachte, das für eine optimistische Stimmung sorgte.

Damit steht der Jahrgang dem eleganten Burgund außerordentlich gut. Wer auf geradlinige, präzise und stilistisch schlankere Burgunder steht, wird hier seine wahre Freude haben. Besonders die Rotweine können damit trumpfen. Auf der Verkostung habe ich feintanninige Pinot Noirs erlebt, die allesamt Frische auszeichnet. Eine lebendige Säure leitet die Burgunder und lässt auf langlebige Weine hoffen, die sich aber in der Jugend noch sehr verschlossen zeigen. Während ich bei den 1er Crus und Grand Crus sehr zuversichtlich bin, zeigt das kältere Jahr aber bei so viel symbolischem Sonnenschein auch Schatten. Denn bei den einfacheren Village-Weinen und darunter, drängte sich gerade die doch hohe Säure etwas zu sehr auf, während sie eine Qualitätsstufe drüber fantastisch eingebunden war.

Im Weißweinbereich habe ich auch viel gutes und stellenweise großartiges erlebt. In der Tendenz prägt auch hier die Chardonnays die Präzision und kühle Stilistik. Doch nicht bei allen Weinen funktioniert, was die großen Weine eben groß macht. In 2010 gibt es einige Kandidaten, die genau das an Säure zu viel haben, was man 2009 teilweise vermisst hat.

Im folgenden ein paar Impressionen zu einzelnen Winzern, Überraschungen und Enttäuschungen:

Meine erste Adresse war, wie auch schon im Jahr zuvor, der Stand von Raveneau (Chablis). Hier fand ich für 2010 eine riesige Überraschung.  Für mich gehört der Jahrgang bei Raveneau zu den ganz großen. Fast bei keinem anderen Winzer habe ich eine derartige Bank an erstklassigem Chardonnay verkostet, wie hier.

Einen guten Einstieg bot der <<1er Cru Butteaux>>. Ziemlich zugänglich fand ich in der Nase vor allem Blüten. Am Gaumen dann eine sich langziehende und tragende Säure, etwas Grapefruit und vor allem Filigranität. Der Abgang gestaltete sich hier lang und intensiv.

Mein Favorit war dann aber der <<1er Cru Montée de Tonnerre>>. Zwar hat der Wein momentan eine verhaltenere Nase, doch dafür eine viel filigranere und kalkgeprägtere, als sein Kollege. Hier hat man mehr Steine als Frucht. Außerdem war die Säure hier noch besser integriert, als beim <<Butteaux>>.

Der <<Grand Cru Valmur>> zeigt deutlich seine Orientierung auf Langlebigkeit. In der Nase leicht süßlich vanillig und floral, wirkt diese noch dezent und verschlossen. Am Gaumen überzeugt dann die pure Kraft, eine vibrierende Säure und Substanz ohne Ende. Das wird sicherlich mal ein ganz großer Chablis!

Großartigen Chardonnay füllte im Jahr 2010 auch Comtes Lafon ab. Während der einfach <<Meursault>> relativ fruchtgeprägt aber für einen Meursault doch filigran daherkommt, überzeugt der <<Clos de la Barre>> auf voller Linie. Der Meursault hat einfach mehr Länge und Substanz als der Village-Wein. Ein Mehr an Konzentration findet man dann noch beim <<1er Cru Charmes>>, der derartig steinig daherkommt, dass man meint den Wein vom Asphalt zu trinken. Die beiden letzteren sind momentan noch vom Holz geprägt und sehr verschlossen. Ich zweifle aber kaum an einem großen Reifeverlauf der Weine.

Nachdem mir in 2009 die filigranen und zarten Puligny-Montrachets der Domaine Leflaive so sehr zugesagt haben, war ich dieses Jahr etwas enttäuscht von der Kollektion. Hier zeigt sich nämlich oft eine brachiale Säure, die ich so kaum mit der Zeit eingebunden sehe. Außerdem wirkten die Weine schon jetzt etwas müde auf mich. Während der einfache Puligny-Montrachet etwas substanzlos daherkommt, kann ich den <<1er Cru Les Pucelles>> noch empfehlen. Der einzige Lefalive-Wein, bei dem mir die vordergründige Säure nicht so auffiel. Hier bleibt wohl abzuwarten, wie sich die Weine aus 2010 entwickeln.

Den <<Grand Cru Corton-Charlemagne>> der Domaine Bonneau du Martray fand ich im Anbetracht des Preises auch fragwürdig. Keine Frage ein gelungener Wein mit viel Substanz und dem nötigen Druck für einen Corton-Charlemagne. Doch neben opulenter Frucht finde ich hier kaum eine Spur von Eleganz und Mineralität.

Eine weitere Erkenntnis für das Jahr 2010 war, dass vor allem diejenigen Winzer spannungsvolle Weine auf die Flasche brachten, die nach modernerer Methodik arbeiten. Beispiel hierfür ist, wie ich finde, die Domaine Meo-Camuzet. Einen untypischen Nuits-Saint-Georges findet man hier mit dem <<1er Cru Murgers>>. Der Pinot zeigt sich kaum fleischig, sondern sehr filigran vielleicht eine Spur zu sehr auf Eleganz getrimmt, jedoch voller Aromatik und Frische. Großes Kino bleibt zweifelsfrei der <<Grand Cru Clos Vougeot>> der Domaine. Ausgestattet mit kraftvollem Tannin und feiner Kirschnote, besitzt der Grand Cru Frische und beweist Stil. Ein bemerkenswerter Wein!

Zum Niederknien und jedes Mal pures Vergnügen bieten die Weine von Rousseau und Trapet Père & Fils.

Während man mit dem <<Gevrey-Chambertin>> von Armand Rousseau einfaches aber pures Trinkvergnügen bekommt, zeigt sich der <<1er Cru Clos St. Jacques>> von außerordentlicher Größe. In der Nase leicht ätherisch und von Himbeeren geprägt, sich jedoch schnell im Glas in der Nase verschließend, strotzt der Gevrey vor Rase und Kraft. Pure Emotion fliest mit dem << Grand Cru Chambertin>> ins Glas. In der Nase komplett verschlossen, präsentiert der Chambertin Eleganz, Länge, Substanz und Finesse. All dies wird von einem Tanningerüst begleitet, welches wie meterdicke Mauern die Straße entlang leitet.

Im Gegensatz dazu wirkte Trapets <<Chambertin>> dieses Jahr eine spur intellektueller. Doch die Unterschiede auf diesem Niveau sind gering. Ebenso großartig empfand ich Trapets <<Grand Cru Chapelle-Chambertin>>. Ein edler Grand Cru, der viel Tannin besitzt und trotzdem jetzt schon große Freude bereitet. So sehr, dass ich um ein zweites Glas ringen musste.

Eine glasklare Empfehlung in 2010 ist für mich auch die Domaine G. Roumier aus Chambolle-Musigny. Natürlich gehört der <<Grand Cru Bonnes Mares>> zu den Leuchttürmen der Verkostung. Er zeigt sich saftig, mit überraschenden fruchtigen Noten von roten säuerlichen Beeren und sogar einer Spur Ananassaft. Vor allem prägt ihn aber die pure Harmonie bis zum Ausklang.

Doch selbst der <<Chambolle-Musigny>> bietet hier einen großartigen Wein voller Komplexität, wie nur wenige Village-Weine der Verkostung diese bieten konnten.

Urtypischen Nuits-Saint-Georges, wie ich ihn schätze, bietet die Domaine Henri Gouges aus dem gleichnamigen Dorf. Die Weine muss ich dieses Jahr jedoch mit Bedacht weiterempfehlen. Denn für den frühzeitigen Genuss bieten sich diese nur schwer an. Denn alle gezeigten Weine waren von unglaublich reduktiver Note geprägt, die in der Nase jeden Wein stark beeinflusste und in den feinen Nuancen durch den Stinker überlagerte. Am Gaumen macht sich dann aber eben doch die Klasse der Weine bemerkbar, die mit ihrer typischen fleischigen Note sehr rustikal daherkommen. Besonders stach hier der<<1er Cru Les Saint Georges>> heraus, was wenig überrascht, denn diese 1er Cru-Lage gehört zu den absoluten Toplagen.

Kein Geheimtip aber eine verlässliche Bank bieten die Weine der Domaine Simon-Bize, die von Patrick Bizes sympathischer Frau und Tochter  ausgeschenkt wurden. Die Domaine besitzt knapp 21,5ha und hat ihren Sitz in Savigny-Lès-Beaune. Neben Grand Cru Besitz im Corton-Charlemagne (0,2ha) und Latricières-Chambertin (0,3ha), beherbergt Patrick Bize auch zahlreiche 1er Crus im Dorf.

Leider habe ich hier keine Chardonnays verkostet. Doch alleine die Rotweine der Domaine sind höchst empfehlenswert in Anbetracht ihrer Klasse und Erschwinglichkeit. Ich kann hier <<Les Bourgeots>> un den <<1er Cru Les Marconnets>> nur wärmstens empfehlen.

Einen empfehlenswerten Volnay habe ich nicht bei Angerville gefunden, sondern überraschenderweise bei der Domaine de Montille. Der <<1er Cru Les Taillepieds>> vom Altmeister Hubert de Montille hat mich durch seine Typizität sehr überzeugt. Er zeigt sich saftig, frisch und tänzelnd leicht, ist dabei  von feinen eleganten Tanninen geprägt. Die Domaine besitzt aus diesem Climat ganze 1,51ha.

In diesem Jahr enttäuscht war ich leider vom Kultweingut Volnays, Marquis d’Angerville. So sehr ich hier ultrafeine Volnays erwartet habe, die durch den kühlen Jahrgang noch delikater und präziser zu erwarten gewesen wären, konnte ich dieses Jahr wenig überzeugende Weine verkosten. Vom Monopolbesitz, dem <<Clos des Ducs>> bis hin zum <<Champans>> und <<Caillerets>>: Alle Weine erschienen mir zu karg. Während ich sonst die Eleganz und Leichtigkeit der Weine liebe, kamen mir diese 2010 wie ein ausgehungertes Model vor. Die Tannine dahingegen zeigten sich trocken und à part, doch es fehlte an Substanz um einen ausgeglichenen Wein im Glas zu haben. Überraschend auch die leichte Bittermandelnote, besonders im <<Champans>>, die ich als störend empfand. Einzig und allein der <<Caillerets>> gefiel mir mit seiner anregenden Himbeernote. Insgesamt kein toller Eindruck, den ich hier mitnehmen konnte. Das mag ein subjektiver Natur sein, doch hat es mich ziemlich geprägt. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als diese Weine erneut zu verkosten.

Wie auch schon im letzten Jahr kann ich auch in 2010 die angenehmen Weine der Domaine de Villaine aus Bouzeron empfehlen. Die vom Neffen Aubert de Villaines geleitete Domaine erzeugt nicht nur erstklassigen Aligoté, sondern auch zugängliche, wenn auch einfache aber klare Chardonnays und Pinot Noirs mit viel Delikatesse. Hier möchte ich alle drei präsentierten Weine empfehlen: <<Bouzeron>>, <<Côte Chalonnaise Les Clous>> und den Pinot Noir <<La Digoine>> von der Côte Chalonnaise.

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Le Bristol | 112, rue de Faubourg Saint-Honoré|  75008 Paris

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~ von budisfoodblog - Mai 13, 2013.

3 Antworten to “Paris: Burgund-Verkostung des Jahrgangs 2010 im Le Bristol (Les Domaines Familiaux de Tradition)”

  1. Sehr schöner Artikel der einem einen tollen Gesamteindruck gibt. Burgund find ich durchaus interessant allerdings find ich hier oft die Qualität im Verhältnis zum Preis nicht gerechtfertigt. (klingt ja bei dir auch das ein oder andere Mal an) In der Spitze bietet das Burgund sicherlich Weingenuss der Spitzenklasse.

    • Danke!
      In der Tat spiegelt Preis hier nicht immer Qualität wider. Grand Cru bedeutet eben auch nur, dass Potenzial für einen Grand ru gegeben ist. Die kuriose Sache daran ist, dass eben diese Lagen von unbezahlbarem Wert sind. Da spielt die Arbeit des Winzers eben erst an zweiter Stelle eine Rolle.
      Deshalb sind solche Verkostungen großartig um sich einen breiten Eindruck zu verschaffen. Habe dort definitiv Weine zum Niederknien verkostet aber auch solche, die ich schweren Herzens bezahlen würde. Man muss eben fast alles getrunken haben, um sich ein urteil bilden zu können. Siehe Leflaive. 2010 teilweise enttäuschend und 2009 in der ganzen Palette begeisternd….

  2. […] viel Genuss mit Weinen aus dem Jahr haben (eine grobe Einschätzung zum Jahr findet sich hier Klick! und […]

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