Terres et Vins de Champagne – Winzerchampagnerverkostung in Aÿ


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In der Champagne bewegt sich seit einigen Jahren, wie auch in anderen Weinbauregionen ziemlich viel. Die meisten Konsumenten bekommen davon allerdings wenig zu spüren, denn oft beschränkt sich der Konsum von Champagner auf feierliche und spezielle Anlässe.

Am deutlich spürbarsten scheint vor allem die Winzerchampagnerbewegung. Neben den großen Champagnerhäusern scheint auch das Selbstbewusstsein der kleinen Winzer der Champagne gewachsen zu sein. Genau diese betonen auch vermehrt den Winzeraspekt, anstatt sich hinter DEM Champagner zu verstecken. Da wundert es natürlich nicht, wenn sich hier große Experimentierfreude und Innovation finden lässt.

Ein geeignetes Sprachrohr haben die Avantgardewinzer der Champagne mit den im April angebotenen Events gefunden. Mittlerweile in fünfter Edition, findet alljährlich die sogenannte „Terres et Vins de Champagne“ statt. Hierbei handelt es sich um eines der spannendsten Events der Champagne, beidem sich die Avantgarde der Avantgarde der Winzerchampagner versammelt um gemeinsam zu zeigen, wohin die Champagne gehen könnte. Das Event fand so großen Anklang – und die Zahl der ambitionierten Winzerchampagner ist nicht minder gering- , dass sich um die Veranstaltung herum nun auch noch zwei weitere Veranstaltungen tummeln. Mit „Les Artisans du Champagne“ und „Terroirs et Talents de Champagne“, bietet die Champagne an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine enorme Bandbreite an Winzerchampagnern an.

Die „Terres et Vins“ gehört für mich zu einer der authentischsten Veranstaltungen der Weinbranche. Das Event ist nur für angemeldete Fachbesucher zugänglich, jedoch so beliebt, dass jedes Jahr zahlreiche Absagen gemacht werden müssen. Beachtlich ist, wie viele Gesichter der Weinbranche hier weiteste Entfernungen aufnehmen, um sich ein Bild von den angebotenen Champagnern zu machen. Dabei herrscht vor Ort das absolute Gegenteil einer versnobten Weinverkostung. Neben der bilderbuchhaften Organisation des Events von Beginn der Buchung über einer Bestätigungsmail, die sämtliche Fragen, die aufkommen könnten beantwortet, tragen vor allem die anwesenden Winzer  zur wahnsinnig guten Stimmung bei. Ich kenne kaum eine Verkostung, bei der Winzer in einer feierlicheren Stimmung anzutreffen waren und derart offenherzig über einen Tag lang ihre Weine anboten, wie hier. Trotzdem handelt es sich um keine Party, sondern eine seriöse Veranstaltung, die ohne Gedränge auch Fragen an die Winzer stellen lässt.

Die Terres et Vins bietet insgesamt ein enorm hohes Niveau an Champagnern. Bei so viel individuellen Köpfen, bedarf es aber auch höchster Konzentration bei der Verkostung. Denn die geheime Absprache der Häuser, scheint in der minimalen Dosage zu liegen. Nahezu kein Haus bietet einen Brut-Champagner an und fast jeder Champagner enthält keinen bis wenige Gramm Zucker. Hinzu kommt, dass die meisten der Champagner keinen biologischen Säureabbau durchlaufen haben und somit eine markante Säure besitzen. Das zusammen lässt die Champagner ungemein puristisch und ungeschminkt daherkommen. Doch benötigt man hier auch deutlich mehr Zeit und Wachsamkeit beim Verkosten. Ein schneller Blick kann trügerisch sein und gibt wenig Einblick in den wahren Charakter des Champagners.

Auch benötigen die meisten der angebotenen Champagner noch ein bis zwei Jahre an Reife in der Flasche oder zumindest ist es für ihre Entfaltung zuträglich.

Deshalb möchte ich die einzenlen hervorgehobenen Champagner auch nicht als besondere Tips hervorstellen, sondern allenfalls als Beispiele für eine großartige Verkostung, die viel spannendes bot und nur eine Idee gibt, wie es um die jetzige Winzergeneration an der Spitze aussieht. Jeder Champagner bedarf weiterer und aufmerksamerer Betrachtung, als es eine solche Verkostung bieten kann.

Neben den Champagnern bot auch jeder Winzer aktuelle Stillweine an. Diese habe ich zwar teilweise verkostet, doch möchte ich sie hier nicht weiter erwähnen, da diese für mich in ihrem jetzigem Stadium kaum Verwendung finden. Es ergibt allenfalls Sinn, bei manchen Einzellagenchampagnern die  entsprechenden Stillweine zu verkosten, um eine Idee für die Charakteristika der Lage zu bekommen. Doch auch hier bedarf es viel Erfahrung aber auch Fantasie.

Zweifelsfrei höchstes Niveau zeigten für mich die Champagner von Kultwinzer David Léclapart. Der biodynamisch arbeitende Winzer füllt einige der individuellsten Weine der ganzen Champagne ab. Spannend empfand ich hier die unglaubliche Komplexität. Jeder Champagner veränderte sich permanent im Glas und zeigte je nach Luftkontakt, andere Facetten.

Zu meinem Highlight der Verkostung zählte Léclaparts Artiste (2008, Extra Brut, BdB). Ein eleganter aber unglaublich konzentrierter Champagner mit prägnanter aber angenehmer Säure und Prägung vom Tannin.

Etwas ruhiger dahingegen war der L’Apôtre (Extra Brut, BdB), dessen Trauben aus Davids ältesten Parzellen stammen. Deutlich kraftvollerer Körper, nach meinem Wissen auch in neuen Holz ausgebaut, sowie fülligeres Brioche. Großartiger Champagner, der vom Konsumenten einiges an Geduld  abverlangt.

Nicht ganz so viel anfangen konnte ich mit dem Alchimiste, Léclaparts Roséchampagner, dessen Trauben ganze zwei Tage mazerieren. Ein oxidativ geprägter Rosé, der mit etwas sherryartigen Noten und eingelegter Kirsche an Selosses Rosé erinnert. Hier fehlt mir etwas Lebendigkeit und Frische für einen großartigen Roséchampagner.

Einer der für mich etwas zu sehr auf Puristik getrimmten Champagner, stammte von Aurélien Laherte. Während der BdB Brut Nature des Winzers zwar unglaublich frisch aber auch tatsächlich zu sauer schien, wirkte der Les Empreintes stimmiger auf mich und insgesamt ausgewogener. Hier hat man eifnach mehr Trinkfluss und damit Freude.

Große Freude hatte ich auch an Agrapart et Fils Champagnern. Mit dem Minéral 2007 stand hier der für mich zugänglichste und (momentan) feinste Champagner im Glas. Er glänzt durch ein angenehmes Spiel von Toast und Säure. Weiter geht es mit, aus selbigem Jahr stammendem Avizoise. Dieser besitzt ebenfalls charakteristische Säure am Gaumen, jedoch nicht ganz die Länge des Kollegen. Vénus 2007 besitzt einen schönen Trinkfluss. Geschmeidige Champagner!

Olivier Paulet (Hubert Paulet) präsentierte auch den ein oder anderen spannenden Tropfen. Insgesamt etwas kantenlosere, vielleicht leicht geleckte Champagner, jedoch von erfrischend zugänglicher Stilistik. Hier möchte ich besonders die Cuvée Risleus herorheben, die durch Fülle, eine gut eingebundene Säure und Komplexität glänzt. In der Nase hat man eine an Milchkaffee erinnernde Nase.

Bei Françoise Bedel, einem 8,5 Hektar großen Haus, das seit 1998e biodynamisch wirtschaftet, gefällt mir vor allem der Entre Ciel et Terre besonders gut. Der aus 2005 stammende Champagner (PM+PN) wirkt am Gaumen fast schon schokoladig. Spannend auch der Comme Autrefois aus 2001, der ebenfalls durch mehr Fülle und Eleganz glänzte. Interessant die Tatsache, dass diese Flasche noch zehn Jahre unter Korkverschluss reifte und nicht mit Kronkoren abgedichtet wurde, wie es fast alles Häuser seit Jahrzehnten betreiben.

Ein gewohnt hohes Niveau fand ich auch erneut bei Champagne Tarlant, wo die beiden sympathischen Geschwister Melanie und Benôit Tarltant ihre Champagner ausschenkten. Hier möchte ich einfach auf meine Verkostungsnotizen und Infos zur ausführlichen Verkostung verweisen, die ich auf der ProWein in Düsseldorf bei den beiden machen konnte (->Link zum Artikel).

Champagner von Klasse fand ich auch bei Champagne Francis Boulard et Fille. Wenn ich hier einen Champagner herausstellen müsste, wäre es sicher der Petrea (XCVII -MMVII Nature). Hierbei handelt es sich um eine Cuvée, die nach dem Soleraverfahren vinifiziert wurde. Man hat in der Nase laktische Noten, die ein wenig an Buttermilch erinnern und am Gaumen ebenfalls schokoladige Fülle. Ein bisschen fehlt mir die Ausgeglichenheit, denn der Champagner wirkte auf mich extrem trocken und durch die üppigeren Aromen dadurch nicht ganz perfekt ausbalanciert. In jedem Fall kommt der Champagner nicht an die selossesche Klasse eines Substance heran. Der Vergleich hinkt ohnehin. Trotzdem gilt es den Champagner weiterhin zu beobachten!

Weitere erwähnenswerte Champagner fand ich beim Individualisten Vincent von Georges Laval, der für mich ungemein eigenständige, fast champagneruntypische Weine erzeugt, die leider auch preislich dramatisch gestiegen sind, da sie ihren Fankreis längst gefunden haben. Weiterhin möchte ich Olivier Horiots Champagner weiterempfehlen, der mit seinem auf dem Event nicht angebotenen „5 Sens“ ähnlich wie Tarlants mit ihrem „BAM“, Champagner aus vergessenen Rebsorten vinifiziert, der sich zeigen lassen kann.

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~ von budisfoodblog - Mai 22, 2013.

2 Antworten to “Terres et Vins de Champagne – Winzerchampagnerverkostung in Aÿ”

  1. Parallel zu Facebook auch hier noch einmal mein Kommentar:

    Leclapart war auch mein Favorit – wenn auch der Apôtre, Markus. Agraparts Mineral der meines Mitreisenden. Ich selbst war von Agraparts Kollektion ganz leicht enttäuscht, was aber sicher damit zu tun hat, dass ich sie im Jahr zuvor – der Venus allen voran – um so überwältigender fand. So oder so aber gebe ich dir recht: eine wirklich großartige Veranstaltung, die den Weg gen Westen mehr als lohnt…

    Deine Zustimmung vorausgesetzt hier der Link herüber zu meiner Short-List von der T&VdCh…

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