Schweiz: Können Graubündner Pinot Noirs reifen?


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Die Bündner Herrschaft weist zwar nur eine geringe Fläche von 400 Hektar auf, doch was in den Orten Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans in den letzten Jahren erzeugt wird, verdient große Aufmerksamkeit.

Graubünden bekommt stets relativ viel Sonne übers Jahr ab. Charakteristisch für den Kanton sind der durch das Rheintal blasende Föhnwind, der den Anbau diverser Rebsorten erst ermöglicht und die hohen Temperaturen abmildert, jedoch in zu heißen Jahren auch abschätzig als Traubenkocher bezeichnet wird. Die hierdurch bedingte hohe Zuckerbildung in den Trauben, sorgt für etwas kräftigere Pinot Noirs, die von ambitionierten Winzern ins Barrique gelegt werden und dichte und lagerfähige Pinot Noirs erzeugen wollen.

Mit dem Vinotiv-Verband hat sich vor einigen Jahren eine zwölfer-Gruppe an talentierten, kleinen aber ehrgeizigen Winzern zusammengeschlossen, die allesamt nicht viel mehr als drei Hektar Rebflächen beherbergen aber konsequent auf Qualität setzen. Dementsprechend schnell sind die Flaschen auch ausverkauft, sodass die wenigsten Flaschen das Land verlassen.

Umso spannender fand ich es, eine Reihe gereifter Pinot Noirs aus Graubünden am Sück zu verkosten und der Reifeprobe zu unterziehen.

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Der erste Wein stammt aus Jenins. Genauer gesagt von Annatina Pellizatti.

Pellizatti führt den etwa 3 Hektar großen Betrieb, den sie von ihren Eltern übernommen hat. Ihren ersten Wein hat sie 1997 abgefüllt.

Der Pinot Noir Barrique 2005 stellt sich in der Verkostung als der filigranste und leichteste Pinot Noir heraus.

Im Glas leuchtet sein dunkleres Rubinrot, welches zum Rand hin durchsichtig wird. Ganz am Anfang wirkt die Nase etwas speckig, hinzu kommt etwas Marzipan. Diese Note verflüchtigt sich jedoch, sodass nach etwa einer halben Stunde die reine Frucht zur Geltung kommt. Himbeere und Cassis prägen die Nase.

Am Gaumen wirkt der Rotwein dicht, jedoch durch das quasi inexistente Tannin leichtgängig. Erst notiere ich etwas Kakao, später scheint auch, wie schon in der Nase, die Frucht deutlicher durch. Außerdem trägt den Pinot Noir eine angenehme aber deutliche Säure, die dem Wein deutliche Verlängerung im Abgang gibt.

Der Pellizatti ist ein eleganter, fruchtbetonter, sehr subtiler Pinot Noir von elegant-leichter Stilistik. Hier spielt vor allem die Säure eine tragende Rolle. Spannend empfinde ich, dass der Wein trotz 13,5 Vol. % ungemein leichtfüßig daherkommt. Außerdem hat er den Barriqueeinsatz glänzend vertragen. Es hat lediglich dazu gedient, dem Wein seine Kraft und Langlebigkeit zu geben anstatt ihm die Frucht zu rauben und dominiert an keiner Stelle.

Einschätzung: 2012-2014

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Weiter geht es mit dem „Eichholz“ 2005 vom Weingut Eichholz.

Das Weingut wird ebenfalls von einer Frau geleitet. Irene Grünenfelder hat den in Jenins ansässigen Betrieb 1995 auf den Weinbau umgetrimmt, nachdem sie als Grundschullehrerin und Journalistin tätig war. Mit dem Eichholz hat sie sich einen Namen geschaffen, nachdem der Wein den ersten Platz unter über 400 Weinen gewann.

Der Eichholz besitzt ein dunkles, dichtes Kirschrot und schreckt mich in der Nase direkt aus der Flasche erst ab. Hier macht sich eine leichte Note nach Brühwürfel bemerkbar, die dann glücklicherweise komplett verschwindet. Dann strahlt der Pinot Noir mit einer würzigen Nase und einem Bukett an dunklen Früchten, sowie etwas Erdbeere.

Am Gaumen wirkt der Wein deutlich kräftiger als der Pellizatti. Er besitzt nicht nur mehr Tannin, sondern einfach mehr Druck am Gaumen. Ingesamt wirkt der von dunklen Früchten geprägte Pinot Noir kühl, selbstbewusst und maskulin. Für mich gehört der Eichholz – und dies zeigt sich besonders am nächsten Tag- ganz oben an die Spitze der Verkostung. Ein ernsthafter und robuster Pinot Noir von Größe!

Einschätzung: 2013-2016

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Aus Malans stammt der Pinot Noir „Passion“ 2006 vom Weingut Donatsch. Das Weingut gehört zu den Traditionsbetrieben und wird in fünfter Generation geführt. Mit etwa 6 Hektar Rebfläche, zählt der Betrieb fast schon zu den größeren in Graubünden.

Der Passion besitzt ein kräftiges granatrot. Auch hier rieche ich direkt nach dem Öffnen der Flasche erst etwas unangenehme Gummitöne, die jedoch blitzschnell verschwinden. Dann kommt ein typischer Rumtopf zur Geltung.

Am Gaumen besitzt der Pinot Noir viel Substanz, sowie das in der Verkostung prägnanteste Tanningerüst. Bereits hier macht sich bemerkbar, dass dieser Wein auf Langlebigkeit vinifiziert wurde. Er wirkt von allen Weinen am strukturiertesten und dichtesten. Die lebendige Säure, eine enorme Saftigkeit, etwas Holz und kräftiges Tannin, lassen auf weitere Jahre freuen.

Ein komplexer Pinot Noir, der noch Potenzial besitzt. Toll!

Einschätzung: 2013-2016+

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Letzter Wein der Verkostung war der Pinot Noir Reserve 2005 von Christian Hermann aus Fläsch. Das nur wenige Meter von den Gantenbeins entfernte Weingut, dürfte ab dem Jahrgang 1990 den ersten anspruchsvollen Pinot Noir erzeugt haben. Hier hat nämlich Christian Hermann die Leitung übernommen, der den Betrieb auf Topniveau trimmen wollte.

Der  Reserve besitzt ein dichtes rubinrot das zum Rand hin blasser wird und ins leicht ziegelrote übergeht.

In der Nase wirkt der Pinot kräftig, mit brombeerigen Noten. Auch ist noch etwas vom Toasting in der Nase zu erahnen. Auch am Gaumen dominiert ein kräftiger Gesamteindruck. Der Wein besitzt viel Druck bei dunkelbeerigen Aromen. Von allen Weinen hat der Pinot Noir von Hermann für mich am längsten gebraucht, bis ich einen Zugang finden konnte. Anfangs wirkt er auf mich ein wenig zu alkoholisch. Der Eindruck legte sich am nächsten Tag, als mehr Frucht ins Spiel kam. Unterm Stricht hat man auch hier einen spannenden Pinot Noir im Glas, der würdig gereift ist.

Einschätzung: 2012-2015

Ebenfalls in der Verkostung war auch der Fläscher Pinot Noir 2009 vom Weingut Davaz. Auf den Wein kann ich leider nicht genauer eingehen, da er vermutlich einen leichten Korkschmecker hatte. Er wirkte aber relativ kräftig, sowie von einer leicht limonigen Note geprägt.

~ von budisfoodblog - Juni 13, 2013.

2 Antworten to “Schweiz: Können Graubündner Pinot Noirs reifen?”

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  2. […] Können Schweizer Pinot Noirs reifen? […]

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