Schweiz – Graubünden-Exkursion Part I: Besuch bei Donatsch und Studach (Malans)


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Ende Mai diesen Jahres war ich mit drei guten Freunden und Weinfreaks unterwegs in der Schweiz, genauer gesagt in Graubünden.

Die Schweiz an sich ist bereit ein Kleinod für Weinliebhaber, sofern man Geduld und Interesse aufbringt. Ganz spannend wird es in Graubünden.

Im in den Alpen gelegenen Kanton wachsen auf gerade einmal 420 Hektar Rebfläche einige der großartigsten Weine, die ich in letzter Zeit getrunken habe. Graubünden ist gerade dazu prädestiniert, großartigen Pinot Noir hervorzubringen.

Graubünden ist geschützt von Nordwinen und profitiert vom warmen Föhn, der durch das Rheintal fegt. Das allgemein sonnige Weinbaugebiet, dessen Reben oft in Hanglagen wachsen, erzeugt reife Trauben, die in heißen Jahren durch den abschätzig betitelten „Traubenkocher“ alkoholisch und schwer ausfallen können. In guten Jahrgängen werden hier jedoch grandiose Pinot Noirs erzeugt, die meist im Barrique ausgebaut werden und eine hervorragende Lagerfähigkeit besitzen.

In den Gemeinden Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans finden sich dichtgedrängt ambitionierte Winzer, die versuchen das Beste aus der anspruchsvollsten Rebsorte zu erzeugen.

Doch sind die Weine der Eidgenossenschaft  international kaum bekannt. Das liegt auch daran, dass die meisten Winzer in Graubünden nicht viel mehr als drei Hektar bewirtschaften. Dementsprechend sind die Weine im Inland bereits schnell vergriffen. Ins Ausland schaffen es meist nur wenige Flaschen. Der schlechte Wechselkurs und ein allgemein höheres Preisniveau sorgen nicht gerade für einen Anreiz. Und trotzdem lohnt es sich enorm einen Blick auf die Region zu werfen.

Leitfigur und Pionier Graubündens sind sicherlich die Gantenbeins in Fläsch. Deren Weine besitzen mittlerweile internationales Renommée und können mit einigen der großartigsten Pinot Noirs und Chardonnays mithalten. Daniel und Martha Gantenbein haben Graubünden international bekannt gemacht und viele weitere Winzer der Umgebung profitieren davon. Doch mittlerweile haben, wie sich gezeigt hat, auch diese ihre Qualitäten angezogen und in ständigem Besteben nach ernstzunehmenden Weinen, Konkurrenz geschaffen.

In meiner vierteiligen Serie möchte ich über die sieben interessantesten Winzer Graubündens berichten und meine Eindrücke schildern. Den Anfang mache ich mit zwei Winzern aus Malans:

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Weingut Donatsch

Das Weingut Donatsch wird vom weltoffenen und jungen Martin Donatsch geführt. Mit sechs Hektar Rebfläche gehört es für Graubünden schon zu den größeren Weingütern. Von der Gesamtrebfläche werden 1,5 Hektar an Trauben zugekauft, die jedoch um die Qualitätsansprüche zu halten nicht nach Ertrag, sondern nach Rebfläche bezahlt werden.

Der Rebsortenspiegel ist im Weingut etwas breiter gefächert. Man findet Pinot noir, Pinot blanc, Pinot gris und Chardonnay, aber auch  Completer, Sauvignon blanc und Cabernet Sauvignon. Auf die Erhaltung des Completers ist Martin Donatsch besonders stolz.

Im Weinberg, sowie im Keller arbeitet man naturnah. Alle Weine werden hier im  Holz (neu und gebraucht) ausgebaut. Der biologische Säureabbau wird ebenfalls konsequent eingeleitet. Das Weingut verfügt über einen fantastischen Keller. Auf drei modernen Räumlichkeiten und sieben alten Gewölbekellern verteilen sich die Stahltanks und Barriques.

Die Weine sind im Inland bereits so gesucht, dass es keinen Sinn macht die Weine zu exportieren. Das fällt schwer, wenn Toprestaurants wie das Noma oder Blumenthals Fat Duck Flaschen anfragen. Die Donatschs agieren auf einem Verkäufermarkt und haben Wartelisten für die besten Abfüllungen. Das Sortiment ist nach dem burgundischen Prinzip aufgeteilt. Es gibt drei Stufen an Weinen: Tradition, Passion und Uniqe. Diese entsprechen  Village-Weinen, 1er Crus und Grand Crus.

Die Donatschs betreiben nebenbei auch noch die Winzerstube „Zum Ochsen“. Hier kann man nicht nur Gutsweine probieren, sondern auch einige gereifte und gesuchte Burgunder, sowie Bordeaux zu angenehmen Preisen trinken.

Den Einstieg in die Verkostung liefert der Pinot Blanc 2011. Ein leichter und floraler Weißwein, der eine angenehme Crèmigkeit besitzt. Kräftiger und ernsthafter wird dann der Chardonnay Passion aus 2011, der mir besonders in der Nase gefällt.

Hervorheben möchte ich jedoch besonders den Completer aus 2011. Die Rebsorte wird ausschließlich in der Schweiz angebaut, findet sich jedoch nur noch in kleinsten Mengen. Martin baut seinen Completer leicht restsüß aus. Diese Restsüße puffert die unglaubliche Säure des Weißweines gekonnt ab, ohne wirklich spürbar am Gaumen zu sein. Der Wein wirkt komplex mit einer markanten salzigen Note. Ich finde etwas Quitte und Mandeln. In der Nase wirkt der Wein verhalten, wie auch am Gaumen. Ein Wein für trainierte Gaumen, der ultra karg und geradlinig daherkommt. Martin empfiehlt den Wein zu salzigem Käse oder Hummer. Laut Donatsch zeigt sich Dirk Niepoort von der Rebsorte derartig begeistert, dass er momentan in Portugal Versuchflächen angelegt hat.

Die hochkarätigsten Weine des Weinguts sind jedoch die Pinot Noirs. Aus der Passion-Linie habe ich die Jahrgänge 2009, 2010 und 2011 verkosten können. Während der 2009er Pinot jahrgangsbedingt kräftig und tanninbetont daherkommt, zeigt sich der 2010er eleganter und saftiger. Er fällt mir jedoch etwas zu säurebetont aus. 2010 war für das Weingut ein klassischer Jahrgang. Es gab Ausfälle durch Mehltau.

Ganz großes Kino liefert der aktuellstes Jahrgang: 2011. Der Passion wirkt in Nase und am Gaumen ungemein dicht, besitzt kräftige Tannine und glänzt am Gaumen durch ungemeinen Druck.

Noch eine Schippe legt drauf legt jedoch der 2010er Unique. Man kann dem Wein regelrecht ansehen, dass hier die ganze Topqualität des Jahrgangs  in die Flasche gewandert ist. Der im komplett neuen Barrique ausgebaute Wein besitzt eine feinwürzige Nase. Er ist momentan noch vom Barrique beeinflusst, doch dieses zeigt sich gut integriert. Ein Burgunder der Kraft und Finesse vereint und durch eine frische Frucht glänzt. Für mich einer der spannendsten Pinot Noirs, die ich in Graubünden verkostet habe. Hier muss man sich jedoch ob des Potenzials geduldig zeigen.

 

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Thomas Studach

Thomas Studach gehört vielleicht zu den eindrucksvollsten Winzern der Region. Seine Weine sind derart rar, dass man sie ab Hof nicht kaufen kann, wenn man sich nicht vorab zeitig in die Bestellliste eingetragen hat. Studach verteilt die Flaschen an seinen Abholtagen. Selbst in der Schweiz muss man die Weinhändler zeitig abklappern, um noch in den Genuss einiger Flaschen zu kommen, die mengenbedingt rasch ausverkauft sind und nicht mehr nachbestellt werden können.

Studach gehört zu den typischen Garagenwinzern. Der spärliche Weinkeller befindet sich weit entfernt vom Weingut, wo wir ihn an einem seiner Abholtage besuchen konnten. Dort hat er uns seine 2011er Kollektion präsentiert, die fantastisch war.

Studach selbst betreibt quasi ein Ein-Mann-Unternehmen seit 1988. Davor hat sein Vater Weine von einfacher Qualität erzeugt. In der Zwischenphase hat der gelernte Winzer seine eigenen Reben nach Feierabend gepflegt, während er bei Winzern wie Fromm tagsüber arbeitete. 1991/1992 ist er in den Vollerwerb eingestiegen.

Der sympathische und humorvolle Studach – Daniel Gantenbein hat ihn uns als Adriano Celentano des Weinbaus vorgestellt- vergärt seine Weine meist spontan, lehnt aber auch den Einsatz von Reinzuchthefen nicht ab. Die Vergärung findet in offenen Bottichen statt, wobei der malolaktische Säureabbau im Barrique geschieht. Die Weißweine werden im Holz vergoren und als ganze Trauben gepresst. 2013 arbeitet er biologisch, was er in den letzten Jahren nicht konsequent umsetzen konnte, da ihm schlichtweg die Zeit fehlte.

Aktuell hat Studach Pinot Noir, Chardonnay und Complèter im Besitz. Aufgrund der geringen Rebfläche hat er vergangenen Herbst seine Merlotparzellen gerodet und mit Complèter bepflanzt.

Dieser zeigt sich ganz ansprechend im Glas. Der 2011er Completer besitzt eine vanillige Nase und Salzigkeit am Gaumen. Dabei wirkt er crèmiger und nicht so geradlinig wie der Complèter vom Weingut Donatsch.

Ganz großes Kino bekommt man mit einer Flasche des Malanser Chardonnays aus 2011. Studach hat ihn in 50%iger neuer Eiche ausgebaut. Der Chardonnay zeigt sich reif, hat viel Schmelz, florale Aromen und eine moderate aber tolle Säure. Er wirkt unglaublich konzentriert und schlank am Gaumen. Spannend empfand ich, dass Thomas Studach mit seinem Chardonnay noch nicht ganz zufrieden ist. Für ihn hätte er etwas kräftiger in der Säure sein können und noch trockener. Der Wein besitzt circa 0,5-0,8 Gramm Restsüße, die man jedoch nicht annähernd wahrnimmt. Studach hat versucht den Chardonnay mit Sekthefen komplett durchgären zu lassen, was mislang. Für mich ist das einer der besten Chardonnays der Bündner Herrschaft!

Auf gleichem Niveau spielt sich der 2011er Pinot Noir ab. Er hat einen Alkoholgehalt von 13,1 Vol.% und glänz im Glas hellrot. Studachs Pinot Noir gehört zu den leichteren Pinots Graubündens. Er zeigt sich duftig und voller Würzigkeit, sowie von ausdrucksstarker Pinotfrucht bei samtigen Tanninen. Die Nase wirkt feurig und dicht und erinnert unvermeidlich an großartigen Burgunder. Leichtigkeit und Spannung geben sich die Hand. Der Wein ist grandios!

Insgesamt schätze ich die Weine wegen ihrer enormen Leichtigkeit und Ruhe. Keiner der Weine wirkt überextrahiert oder protzig. Dabei empfinde ich die Kollektion insgesamt als enorm zugänglich, wobei Chardonnay und Pinot Noir eindeutig den Extrakt besitzen, um grandios zu reifen. Wer ernstzunehmende Weine von Weltformat sucht, die sich niemals aufdrängen, wird hier fündig!

In den kommenden Artikeln folgen Berichte zu folgenden Weingütern:

Jenins: Weingut Eichholz, Annatina Pelizzatti

Fläsch: Daniel & Martha Gantenbein, Christian Hermann

Zizers: Cicero Weinbau AG

Anbei noch ein Bericht zur Entwicklung gereifter Pinot Noirs aus Graubünden:

Können Graubündner Pinot Noirs reifen?

~ von budisfoodblog - Juni 18, 2013.

2 Antworten to “Schweiz – Graubünden-Exkursion Part I: Besuch bei Donatsch und Studach (Malans)”

  1. […] Der zweite Part der Graubünden-Exkursion widmet sich zwei Winzerinnen aus Jenins. Den Artikel über die Malanser Winzer findet ihr hier: Klick! […]

  2. […] Schweiz-Exkursion Part I: Donatsch und Studach (Malans) […]

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