Schweiz – Graubünden-Exkursion Part II: Besuch bei Eichholz und Pelizatti (Jenins)


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Der zweite Part der Graubünden-Exkursion widmet sich zwei Winzerinnen aus Jenins. Den Artikel über die Malanser Winzer findet ihr hier: Klick!

Die Gemeinde Jenins befindet sich lediglich 3,5 Kilometer nördlich von Malans entfernt. Hier führen zwei Winzerinnen Weingüter, die Qualitäten abfüllen, die auch internationale Beachtung verdienen. Mein erster Aufenthalt in Jenins war beim Weingut Eichholz:

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Weingut Eichholz

Das Weingut Eichholz, ein Ein-Frauen-Betrieb, wird von Irene Grünenfelder geführt. Das Weingut befindet sich etwas außerhalb der Ortschaft in einem renovierten Hof, der vermutlich ehemals als Pferdewechselstelle diente. Irene Grünenfelder  gehört zur Fraktion der Quereinsteiger. Bevor sie das Weingut 1993 gründete, arbeitete sie als Lehrerin und Journalistin. Große Teile der Rebflächen hat sie in selbigem Jahr mit neuen Reben bestockt. Heute besitzt Sie circa 5,5 Hektar. Einen Teil der Reben, darunter auch 50 Jahre alte, hat sie zugepachtet.

Irene Grünenfelder vinifiziert Weine aus Sauvignon blanc, Pinot noir und Pinot blanc. Außerdem wird noch zukünftig ein Chardonnay dazukommen. Berühmt wurde Sie durch Ihren Topwein, den Eichholz. 2004 gewann Ihr Wein unter mehr als 400 Konkurrenten aus Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich im Wettbewerb des Fachmagazins „WeinGourmet“.

Die Verkostung der Weine findet um den imposanten Ziehbrunnen statt, der bei der Renovierung aufwändig entrümpelt werden musste, da er fast zugeschüttet war.

Der erste Wein der Verkostung ist ein 2012er Pinot Blanc. Er wurde im Stahltank ausgebaut und besticht durch eine frische Nase, Cremigkeit am Gaumen und für die Schweiz relativ straffe Säure, die dem Wein jedoch, wie ich finde, sehr gut steht. Das liegt auch daran, dass der Wein keinen BSA vollzogen hat. Weiter geht es mit dem Sauvignon blanc aus dem gleichen Jahr. Dieser macht mit den Pinot Noirs den Hauptanteil des Sortiments aus. Anders als der Pinot blanc, wurde dieser jeweil zu 50 Prozent im Stahltank und Holz ausgebaut.

Eine reine Nase, kräftigere Frucht und Weichheit am Gaumen beschreibt den Sauvignon blanc, der nichts von Exotik zeigt, sondern eher grüne Aromen, so wie es Irene Grünenfelder bei Ihrem Sauvignon blanc-Stil schätzt. Darauf folgt dann eine gereifte Flasche aus 2006 oder 2007. Der Sauvignon benötigt anfangs Luft im Glas, hat eine leicht spargelige Nase, die mich ein wenig stört. Dafür glänzt er durch seine weiche Textur und Mineralik. Ein fülligerer Sauvignon, der so gereift hervorragend als Essensbegleiter fungieren könnte und beweist, dass man die Eichholz Sauvignons durchaus lagern kann.

Dann zeigt uns Irene Grünenfelder ihre erste Füllung des 2011er Chardonnays. Mit dem im kleinen Holzfass ausgebauten Chardonnay ist die Winzerin selbst noch nicht ganz zufrieden. In den Anklängen zeigt der Chardonnay jedoch schon, dass er in die richtige Richtung geht. In der Nase leicht toastig, fehlt ihm hinten raus im Abgang noch etwas der Druck. Doch Grünenfelder bestätigt: „Die Reben sind noch jung“. Hier könnte sich die Geduld auszahlen!

Für mich selbst liegt das Highlight jedoch in den grandiosen Pinot Noirs. Sie alle zeigen sich dicht, komplex und durchaus kräftiger. Bei aller Konzentration vermisse ich hier jedoch nie die Frische Pinotfrucht. Während der einfachste Pinot Noir etwas leichter ausfällt und durchaus an Spätburgunder aus Deutschland erinnert, präsentiert sich die Version der Alten Reben aus 2011 mit mehr Potenzial und Finesse. Insgesamt noch jung und verschlossen, verführt die elegante Stilistik des langsam ausklingenden Pinot Noirs. Zweifelsfrei als erhaben beweist sich der Eichholz 2011. Die Reben stammen von Burgunderklonen aus den besten Parzellen. Der Wein reift ein Jahr lang in kleinen Eichenfässern, wurde spontan angegoren und später mir Reinzuchthefen durchgegoren. Es handelt sich hierbei um den lagerfähigsten Pinot Noir, wie es auch auf einer anderen Verkostung der fantastische Eichholz aus dem Jahr 2005 eindrucksvoll bewiesen hat.

Beim 2011er Eichholz zeigt sich eine tolle Komplexität und Kraft. Trotzdem wirkt der Wein noch eleganter als die Alten Reben. Noch in der Nase verschlossen, präsentiert sich eine satte und frische Pinotfrucht am Gaumen. Die Eleganz verdankt der Wein seiner frühen Lese bei 95 Grad Oechsle. Dadurch fällt er glücklicherweise nicht zu alkoholisch aus. Für mich ein wahres Pinot-Monument!

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Weinbau Annatina Pelizzatti

Eine ganz andere Stilistik und einen völlig anderen Charme verströmen die Weine Annatina Pelizzattis.

Das Weingut befindet sich zentraler im Ort und relativ versteckt in einer der verwinkelten Gassen Jenins. Annatina führt das Weingut seit 1997 im Elternhaus. Dieses fungierte davor als Landwirtschaftsbetrieb. Die heutigen Kelleranlagen waren früher Stallräume des Bauernhofes und somit strahlt das Weingut seinen ganz eigenen Flair aus.

Annatina besitzt aktuell 3,5 Hektar Rebfläche, wobei Sie von drei Betrieben Trauben zukaufen muss. Somit kommt Sie dann auf eine jährliche Flaschenproduktion von circa 20 000 Flaschen. Obwohl zwischen Pelizatti und Irene Grünenfelder reger Austausch herrscht, vinifizieren beide völlig unterschiedliche Weine, die jeweils für sich großartig sind. Während die Eichholz Pinots strammer wirken, bezauber Pelizattis Pinot Noirs durch eine unaudringliche Leichtigkeit und feine Frucht. Überraschend, dass Pelizatti als einer der Vorbilder die Weine von Marie Thérèse Chappaz (Wallis) nennt, die ich doch deutlich kräftig und expressiv im Gedächtnis habe.

Zuerst gießt uns Annatina ihren 2012er Pinot Blanc ein. Er war zu der Zeit erst drei Wochen in der Flasche. Ausgebaut hat Sie den Wein im Stahltank. Mit 14 Vol. % handelt es sich hierbei deutlich um einen kräftigeren Weißwein. Annatina ist mit dem Wein nicht komplett zufrieden, da ihrem Empfinden nach die Lese der Trauben etwa eine Woche zu spät stattfand. Für mich hält sich der Wein noch im ordentlichen Rahmen. Die exotische Frucht, gepaart mit der Kraft des Weines macht diesen so eben zum Essensbegleiter.

Überrascht bin ich dann vom Schiller-Wein (2012) aus dem 1000-Liter-Fass. Bislang kannte ich das Gemisch von roten und weißen Trauben die miteinander eingemaischt werden, nur als süßlich-dünnes Gebräu von minderwertigster Qualität. Zu 80% Pinot Noir und 20% Pinot Blanc, hat man hier aber einen echten Spaßwein im Glas. Der erdbeersaftfarbene Wein zeigt eine frische und klare Frucht, Kraft und ist vor allem trocken. So sehr ich die Bezeichnung auch hasse, doch das ist für mich in der Tat der ideale Sommer- oder Terrassenwein. Gerne auch zu kräftig abgeschmeckten Krustentieren oder ähnlichem.

Doch natürlich ist unser Verkostungsteam nicht nur wegen herrlich süffigen Weinen hier, sondern auch auf der Suche nach seriösem Wein und vor allem Pinot Noir.

Den bekommen wir auch gleich mit dem Pinot Noir 2012 (klassik). Ein leichter, eleganter aber trotzdem kräftiger Pinot. Doch bevor ich all zu viele Worte über den gelungenen Pinot Noir verliere: Mit dem 2011er Pinot Noir Barrique befindet sich eindeutig noch mal eine Stufe über dem ersten Rotwein im Glas. Der granatrote Wein wurde in Barriques mittlerer Toastung ausgebaut und ist in der Nase momentan noch merkbar vom Holz geprägt. Am Gaumen zeigt sich doch schon eine klare Frucht und gut eingebundenes Holz. Auch fällt der Einsatz nicht zu extrem aus. Es wurden lediglich 40% neue Barriques eingesetzt. Die leicht trübe Farbe rührt daher, dass der Wein unfiltriert abgefüllt wurde.

Außerdem probierten wir im Keller noch diverse Fassproben vom Pinot Noir und Chardonnay. Besonders hervorheben möchte ich den 2012er Eichholz, zu dem ich mir leider keine andere Notiz außer einem riesigen Smiley gemacht habe. Am liebsten hätte ich das Fass mitgenommen. Spricht das genügend für sich?

Verglichen mit den besuchten Winzern der Bündner Herrschaft, wirken Annatina Pellizattis Weine unglaublich zugänglich. Im Glas hat man pure Leichtigkeit und die gewisse weibliche Finesse. Hinzu kommt die Tatsache, dass alle Weine relativ erschwinglich sind und man bereits für knapp unter 30€ den Top Pinot Noir erhält. Somit zählt das Weingut mitunter zu den sympathischsten und charakterstärksten der Region. Chapeau!

Im nächsten Schweiz-Artikel besuchen wir das Weingut Gantenbein in Fläsch.

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Schweiz-Exkursion Part I: Besuch bei Donatsch und Studach (Malans)

Schweiz-Exkursion Part III: Daniel und Martha Gantenbein (Fläsch)

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Können Graubündner Pinot Noirs  reifen?

~ von budisfoodblog - Juni 27, 2013.

Eine Antwort to “Schweiz – Graubünden-Exkursion Part II: Besuch bei Eichholz und Pelizatti (Jenins)”

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