Die vergessenen Rebsorten der Champagne – Vinocamp 2013


Vom 29. – 30. Juni fand am Campus Geisenheim das dritte Vinocamp Deutschland statt.

Über die Veranstaltung muss nicht mehr viel gesagt werden, denn mittlerweile gehört diese für viele zum festen Inventar an Veranstaltungen der Weinbranche und Social Media-Szene. Dieses Jahr waren an die 140 Teilnehmer in Geisenheim, um sich auszutauschen, kennenzulernen und über Themen zu diksutieren, die sie bewegen.

Dieses Vinocamp stand, vor allem dank großartiger Verkostungen von Champagnerpapst Boris Maskow, im Zeichen des Schaumweines.

Gemainsam mit Nicola Neumann von noblewine München habe ich eine Session zum Thema „Vergessene Rebsorten der Champagne“ veranstaltet.

Für all diejenigen, die leider keine Zeit hatten an der Session teilzunehmen oder an einer der anderen spannenden Sessions teilgenommen haben, hier noch mal eine kleine Zusammenfassung der präsentierten Weine:

 D7005_RKW4930-2400

Jeder kennt die typischen Rebsorten der Champagne: Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay. Das darüber hinaus vier weitere Rebsorten zugelassen sind, wissen nur die wenigsten. Das liegt daran, dass diese Rebsorten nach der Reblauskatastrophe nahezu komplett verschwunden sind.

Heute finden sich von den 34.000 Hektar Rebfläche der Champagne lediglich circa 90 Hektar wieder. Damit werden diese Randerscheinungen zu Recht als „vergessene Rebsorten“ bezeichnet. Doch in den letzten Jahren findet man besonders bei den Champagnerwinzern, die allgemein recht experimentierfreudig sind, immer wieder mal wenige Flaschen.

Man mag von Pinot Blanc, Petit Meslier, Arbane und Pinot Gris halten was man mag. Winzer, die sich diesen finanziell unrentablen und nahezu bedeutungslosen Rebsorten noch widmen, gehört etwas Aufmerksamkeit geschenkt. In jedem Hinblick, tragen derartige Champagner zum besseren und erweiterten Verständnis der Champagne bei.

budisfoodblog_vergessene_champagnerrebsorten_vcd13_vinocamp_1

Cuvées

Den Anfang bildete ein Flight aus drei Cuvées.

Aubry Le Nombre d’Or Campanae Veteres Vites Brut 2002 

Das Haus Aubry hat seinen Sitz in Jouy-lès Reims und gilt als als Wiederbeleber der vergessenen Rebsorten. Den Anstoß lieferte das 200 jährige Bestehen des Hauses im Jahre 1991. Man wollte zur Feier einen Champagner vinifizieren, der die Rebsorten beinhaltete, die sich zur Gründung im Bestand befanden.

Hierfür mussten jedoch zuerst wieder Rebsorten angepflanzt werden, sodass die erste Cuvée erst 1994 auf den Markt gebracht werden konnte.

Der Nombre d‘ Or beinhaltet Pinot Gris, Petit Meslier, Pinot Noir, Pinot Meunier, Arbanne und Chardonnay. Damit fehlt ihm lediglich der Pinot Blanc, um alle erlaubten Rebsorten in einer Flasche zu vereinen. Der Champagner wurde im Holz ausgebaut, verbrachte 4-5 Jahre auf der Hefe und ruhte nach dem Degorgieren noch circa 5 Monate in der Flasche. Die Dosage beträgt 5g pro Liter.

Typisch für einen Champagner aus den autochtonen Rebsorten, wirkt er etwas rustikaler. Dabei besitzt er viel Kraft, die nicht von einer groben Perlage herrührt, denn diese gestaltet sich sehr fein. Neben einer gewissen Würzigkeit, sowie etwas Unterholz, gibt eine minimal oxidative Note dem Champagner Komplexität. Für den Jahrgang, wirkt er  auch ansprechend frisch.

 

Olivier Horiot, Cuvée “5 Sens” Brut Nature 2008 Non Dosé 

Der Côte des Bars- Winzer Olivier Horiot könnte genau so gut aus dem Burgund stammen. Er baut Parzellen und Rebsorten einzeln aus und verfolgt zielstrebig den Terroirgedanken. Der Jungwinzer übernahm vor der Jahrtausendwende den Betrieb seines Vaters. Seitdem wirtschaftet der Betrieb organisch und biodynamisch.

Neben den rei typischen Rebsorten, beinhaltet der 5 Sens auch noch Arbane (20%) und Pinot Blanc (20%). Des Weiteren stammen die Trauben aus fünf verschiedenen Terroirs, sowie fünf verschiedenen Fässern.

In der Nase zeigt der Champagner eine blumige Note aber auch mineralische Aspekte, sowie einen leicht an Sherry erinnernden Duft. Er fällt sehr elegant aus, mit feinen Apfelaromen. Die 0 Gramm Dosage lassen den Wein geradlinig und ungeschminkt daherkommen.

 

Tarlant Bam ! – Brut Nature (2008/2007) 

Die Geschwister Mélanie und Benoît Tarlant haben mit dem BAM für viel Aufmerksamkeit in den letzten Monaten gesorgt. BAM steht sowohl für Benôit And Mélanie, als auch für die verwendeten Rebsorten Pinot Blanc, Arbane und Petit Meslier. Die Grundweine haben keinen BSA vollzogen, zudem ist der Champagner völlig undosiert.

Diese Kombination macht den Champagner zum absoluten und kompromisslosen Freakchampagner. Mit einer krassen Säure, fordert er den geübten Gaumen. Für die Säure verantwortlich, ist auch der hohe Petit Meslier-Anteil von 64%. Die Rebsorte fällt besonders hoch in der Säure aus.

budisfoodblog_vergessene_champagnerrebsorten_vcd13_vinocamp_3

Reinsortige Champagner

Der nächste Flight widmete sich den reinsortigen Champagnern. Sie sollten die einzelne Rebsortencharakteristik veranschaulichen.

 

Moutard Pére et Fils Cuvée  Arbane Vieilles Vignes 2006

Moutard ist vermutlich der einzige Winzer, der einen reinsortigen Arbane vinifiziert. Zur Erinnerung: Es gibt nur noch lediglich etwa 2 Hektar an Arbane-Rebstöcken in der Champagne!

Das seit über 400 Jahren bestehende Haus greift auf Rebanlagen zurück, die seit 1952 bestehen. Die im Stahltank ausgebauten Weine verbringen sechs Jahre auf der Hefe. Von diesem Wein werden jährlich nicht viel mehr als 3.500 Flaschen abgefüllt.

Er duftet in der Nase sehr zart nach Babycreme und besitzt florale Anklänge. Damit erinnert er ein bisschen an einen Viognier. Am Gaumen zieht sich die ruhige Linie weiter. Es fehlt dem Champagner vielleicht ein wenig an Druck um einen Abend spannungsvoll begleiten zu können.

 

Duval-Leroy brut Authentis 2005

Das Champagnerhaus Duval-Leroy befindet sich in Vertus, also an der Côte des Blancs. Mit 200 Hektar, zählt es zu den größten Betrieben der Champagne.

Mit dem Authentis brut 2005, bietet man den einzig reinsortigen Petit Meslier an. Leider ist diese Flasche nicht mehr käuflich erwerbbar. Die bereitgestellte Flasche stammte aus Familienbesitz.

Der Champagner besitzt eine fantastische Nase, die sich am Gaumen wiederholt. Er besitzt Ecken und Kanten und zieht genau deshalb den Verkoster an. Kakaoige Noten, sowie etwas Weizenkleie machen diesen Champagner zu einem höchst spannungsvollen, reinsortigen Champagner, mit tollem Holzeinsatz.

 

Pierre Gerbais Cuvée L’originale

Pierre Gerbais fungierte als Vertreter für einen reinsortigen Pinot Blanc.

Man besitzt einen sehr großen Bestand an Pinot Blanc. Die Reben wurden im Jahre 1904 gepflanzt. Der Champagner wurde im Stahltank ausgebaut, hat den BSA durchlaufen und 48 Monate auf der Hefe gelegen. Die Dosage beträgt etwa 5-6g.

Insgesamt handelt es sich um einen frischen, floralen, sowie leicht fruchtigen Champagner, der eine typische Pinot Blanc-Aromatik als Champagner wiedergibt und den Schwerpunkt auf die Harmonie legt.

budisfoodblog_vergessene_champagnerrebsorten_vcd13_vinocamp_2_stillweine

Stillweine

Der dritte Flight widmete sich den Stillweinen der Champagne und sollte zeigen, welche Qualitäten hier abgefüllt werden und wie die Stilistik eines Stillweines aus der Champagne aussieht.

Bruno Paillard »Côteaux Champenois Grand Cru« 2008

Mit dem „Côteaux Champenois“ liegt hier ein Stillwein aus der Top Grand Cru Lage „Le Mesnil“vor. Der von der Côte des Blancs stammende Chardonnay wurde im gebrauchten Barrique ausgebaut und besitzt 2g/l Restzucker. Der Hefesatz wurde regelmäßig aufgerührt.

In der Tat erinnert der Stillwein an großartige Burgunder. Doch dies vorerst nur in der Nase. Hier hat man eine konzentrierte Mineralität und eine gewisse Kalkigkeit, die an einen Chablis erinnert.

Am Gaumen besticht die Präzision des Weines, der ganz leicht buttrig erscheint , jedoch immer noch klar und präzise nachwirkt. Die Champagne zeigt sich dann an der zitronigen Note, sowie der kräftigen Säure. Man hat quasi keine Frucht am Gaumen, sondern nur puren Lagenausdruck. Ein wahres Unikat und großer Stillwein!

Bruno Paillard beweist hiermit eindrucksvoll, welch großartige Grundweine das Haus besitzt. Es handelt sich hierbei jedoch um einen Wein, der für Winzer und Weinfachleute gemacht ist und wohl mehr als Anschaungs- und Lernobjekt steht. Ein Wein, der die Grenzen verschwimmen lässt!

 

David Léclapart “Trépail Rouge / l’Eden” 2008

David Léclapart gehört mit Jacque Selosse und Egly-Ouriet zu den absoluten Kultwinzern der Champagne. Er bewirtschaftet drei Hektar Rebfläche biodynamisch und ist für laissez-faire und geringen Schwefeleinsatz bekannt. Um so neugieriger war ich, diesen Pinot Noir zu verkosten.

Dieser stammt von Parzellen, dessen Reben 1957 und 1968 gepflanzt wurden. Der Wein wurde in gebrauchten Burgunderbarriques ausgebaut und wird nicht in jedem Jahr produziert. Es dürfte hiervon eine quasi inexistente Menge an Flaschen geben.

Anfangs präsentierte sich der Wein verschossener und animalisch. Neben einer feinen Johannisbeernote, etwas animalischen Noten und einer etwas bäuerlichen Art, erinnerte der Wein etwas an einen Beaujolais (Gamay). Über die Zeit kommen dann noch feine Yuzu-Noten hinzu, sowie eine stark ausgeprägte Nase, die an mit Mandeln gefüllte grüne Oliven erinnert. Wie nicht anders erwartet, besitzt der Wein eine ausgeprägte Säure. Der Stillwein erinnert keineswegs an einen roten Burgunder. Dafür ist er zu animalisch, zu säurelastig und zu bäuerlich. Blind könnte man in der Nase auch an einen Weißwein denken. Ein durchweg spannender Stillwein, der einem die Champagne näher bringt!

budisfoodblog_vergessene_champagnerrebsorten_vcd13_vinocamp_4_bedel_autrefois

Außerdem:

 

Francoise Bedel Cuvee Comme Autrefois Blanc de Noirs Brut

Bedels „Comme Autrefois“ (=wie einst) steht für den ursprünglichen Champagnerstil, wie man ihn heute wohl kaum noch findet. Er wurde zu 100% in Eichenfässern ausgebaut. Zudem reifte die Flasche noch auf Naturkorken, wie es vor Zeiten der Kronkorken üblich war. Dadurch erfährt der Wein eine ausgeprägtere Oxidation. Als Kuriosum wurden die Korken noch, wie ursprünglich von Hand verschnürt. Zehn Jahre an Reifung auf der Hefe, sowie eine Flaschenreife von 2,5 Jahren, machen diesen Champagner absolut einzigartig.

Der reinsortige Pinot Meunier wirkt typisch für die Rebsorte, etwas fülliger. Die ausgeprägtere Mikrooxidation, sowie lange Hefestandzeit geben ihm Finesse, sowie Komplexität. Spannend ist auch die deutlich süßliche Note, trotz der geringen Dosage von 5g/l Restzucker. Ein Unikat und Zeitreise zurück zu den Ursprüngen der Champagne.D7005_RKW4923-2400

Die verkosteten Champagner im Überblick:

Aubry Le Nombre d’Or Campanae Veteres Vites Brut 2002 

Olivier Horiot, Cuvée “5 Sens” Brut Nature 2008 Non Dosé 

Tarlant Bam ! – Brut Nature (2008/2007) 

Moutard Pére et Fils Cuvée  Arbane Vieilles Vignes 2006

Duval-Leroy brut Authentis 2005 (nicht mehr erhältlich)

Bruno Paillard »Côteaux Champenois Grand Cru« 2008

David Léclapart “Trépail Rouge / l’Eden” 2008

Francoise Bedel Cuvee Comme Autrefois Blanc de Noirs Brut

 

Ich möchte mich natürlich auch bei den großzügigen Sponsoren der Schaumweine bedanken, ohne die eine solche Session nicht möglich gewesen wäre.

~ von budisfoodblog - Juli 3, 2013.

6 Antworten to “Die vergessenen Rebsorten der Champagne – Vinocamp 2013”

  1. Solltest Du irgendwann die Gelegenheit haben, den Blanc de Blancs La Bolorée von Cedric Bouchard/Roses de Jeanne zu probieren, tu es! Hier mein Eindruck: http://www.originalverkorkt.de/2011/09/blanc-de-blancs-champagne-teil-4-cedric-bouchards-roses-de-jeanne-und-der-weisburgunder/

    • Kenne ich bereits aus einer Verkostung🙂

      PS: Den angesprochenen und leider korkenden Dufour P. Blanc habe ich noch zu Hause…hoffe meiner korkt nicht😉

      • Ah, ok.🙂 ich habe den Dufour auch noch mal ohne Kork probieren können. Hat mich aber nicht so umgehauen.

  2. http://www.noblewine.de/Verkostung/Die%20vergessenen%20Rebsorten%20der%20Champagne%20–%20Verkostung%20auf%20dem%20VinoCamp.pdf

  3. […] beiden Organisatoren dieser Sesssion. Eine sehr schöne Zusammenfassung dieser Probe ist auch auf Budi’s Foodblog zu […]

  4. Hallo, ich durfte auch schon ein paar mal alte Rebsorten aus der Champagne probieren – voll toll!
    Zweimal sogar 100%igen Arbane…
    Jetzt habe ich gesehen, dass es auch einen 100%igen Petit Meslier gibt *jam jam*
    LG Michael^^

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: