Prestige Champagner: Dom Pérignon vs. Roederer Cristal vs. Selosse


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Kann man drei Spitzenerzeugnisse miteinander vergleichen die unterschiedliche Vinifizierungsverfahren aufweisen, aus verschiedenen Jahrgängen stammen und sowohl preislich variieren als auch aus Betrieben unterschiedlichster façon entspringen?

Kann man schon, wenn alle drei als Toperzeugnisse angesehen werden und als etablierte Unikate der Champagnerwelt zählen.

Alle drei Champagner haben jedenfalls letzte Eigenschaft gemeinsam und tummeln sich auch preislich im Spitzensegment. Sicher,  Anselm Selosses „Initial“ bildet nicht die Spitze seiner Kollektion, sondern viel mehr den Einstieg und Dom Pérignon fertigt noch rarere Abfüllungen wie die Oenothequen-Versionen. Doch hier handelt es sich um eine reine Momentaufnahme: Wie schmecken und unterscheiden sich drei Topchampagner im direkten Vergleich?

 

Dom Pérignon Vintage 2003, Brut

Die Luxuschampagnermarke aus dem Hause Moët & Chandon. Vom aus Epernay stammenden Haus entspringen jährlich bis zu zwei Millionen Flaschen, wobei fiese Zungen behaupten, die Menge läge weit höher. Der Dom Pérignon besteht aus der  Cuvée der beiden Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir. Er wurde als Brut-Champagner dosiert. Trotz des extremen Jahres hat man sich anders als viele Häuser für einen Jahrgangschampagner entschieden und 2003 einen Vintagechampagner herausgebracht.

Im Hause selber vermutet man, dass sich der 2003er Jahrgang nicht ewig halten wird und etwas früher ausgetrunken werden sollte.

Im Glas funkelt der Champagner silbrig-hell und zeigt sich noch frisch. In der Nase findet man eine Mischung aus Kalkigkeit und Hefe. Insgesamt zeigt sich das Bukett jedoch relativ eindimensional.

Am Gaumen bekommt man dann die breite und reife Art des Jahrgangs zu spüren, die sich in der Nase noch versteckt. Ananas und Kokos geben exotische Noten vor, die von frischem Gebäck begleitet werden. Anfangs wirkt der Champagner fast karg und erinnert an Chablis. Später kommt dann die Fülle durch und offenbart die Schwachstelle des Champagners: Die fehlende Säure.

Der 2003er Dom Pérignon trinkt sich momentan sehr gut, macht Freude, fordert jedoch nicht heraus und belebt nicht.

 

Louis Roederer Cristal Vintage 2002, Brut

Obwohl Louis Roederer zu den größten Häusern der Champagne zählt, befindet es sich noch immer in Familienbesitz. Die Prestigecuvée „Cristal“ wurde ursprünglich 1876 für den Zaren Alexander II. produziert und wird seitdem in der durchsichtigen Kristallfalsche abgefüllt, die einen flachen Boden besitzt. Der Cristal besteht aus den beiden Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir. Der 2002er Jahrgang soll als einer der besten der letzten Jahre zählen.

Goldfarben im Glas, fällt sofort die buttrig-toastige Note in der Nase auf, die sich für mich durch die gesamte Kollektion des Hauses zieht. Diese wird untermauert durch etwas Honig, jedoch auch feine Blüten in der Nase.

Am Gaumen wird wieder die feine Röst-Brioche-Note aufgenommen, die ich am Cristal schätze. Insgesamt wirkt der Cristal klar, besitzt eine reife Aromatik in der Frucht und angenehme Säure. Trotzdem wird der Champagner am Tisch noch als zu jung empfunden.  Die Perlage zeigt sich momentan noch etwas grob. Dadurch werden die subtileren Noten verdeckt und der Champagner wirkt etwas proletig. Insgesamt zeigt sich jedoch die Größe des Jahrgangs. Sicherlich ein großartiger Champagner, den es in seinem weiteren Verlauf zu Beobachten gilt.

 

Jacques Selosse Initial, BdB, Brut

Das in kleinste Parzellen eingeteilte, lediglich knapp 7,5ha umfassende Champagnerhaus wird vom charismatischen Winzer Anselme Selosse in zweiter Generation geführt. Selosse befindet sich im Zentrum der Côte de Blancs, genauer gesagt in Avize und darf sich anders als die beiden oben aufgeführten Häuser als Récoltant Manipulant (RM) bezeichnen. Weitere Infos und Verkostungsnotizen zu Selosse finden sich im Blog (->Klick.)

Beim „Initial“ handelt es sich um Selosses “Einstiegswein”. Er macht das Gros der Produktion aus, was in diesem Fall heißt, dass etwa 33 000 Flaschen jährlich hiervon produziert werden.

Der blanc de blancs besteht aus einer Cuvée von drei Grand Crus (Avize, Cramant, Oger). Das ist kein Jahrgangschampagner, sondern eine Assemblage aus drei aufeinanderfolgenden Jahrgängen. Dieser Brut Champagner wurde im Dezember 2010 dégorgiert und hat somit auch von der Flaschenreife profitiert.

Im Glas zeigt sich der Initial von allen Champagnern am dunkelsten. Die Farbe geht in ein kräftiges goldgelb.

Bereits die Nase offenbart atemberaubende Komplexität. Toffee und Honig dominieren. Dann zieht sich noch eine exotische Note von Piña Colada hindruch.

Am Gaumen wirkt der Selosse in sich ruhend. Dazu trägt vor allem die etwas niedrigere Perlage bei, die ohnehin extrem fein ausfällt. Nussige Noten wechseln sich ab mit Melisse und grünem Tee. Der Initial wirkt lange nach und zeigt sich edel. Ich habe bereits eine Flasche Initial getrunken, die Mitte 2012 dégorgiert wurde. Damals zeigte sich der Champagner noch durchaus kräftiger in Säure, sowie verschlossener und frischer. Hier offenbart sich, wie grandios bereits Selosse Einstiegschampagner sein kann und wie sehr dieser von etwas Flaschenreife profitiert.

 

Fazit:

Das Tasting fällt nicht ganz eindeutig aus. Als klarer Verlierer geht der Dom Pérignon aus 2003 hervor, der jedoch auch einer der untypischsten Abfüllungen aus dem Hause bildet und beispielsweise mit den Jahrgängen 2002 und 2004 hätte besser abschneiden können, wenngleich auch diese es schwer gehabt hätten bei derartiger Konkurrenz. Der 2002er Cristal gehört zu den großartigen Champagnern, die jedoch noch zu sich finden müssen. Momentan wirkt er etwas grob und weiß nicht so Recht, wie er seine Kraft auf subtilere Art unterbringen kann. Hier zahlt sich Geduld sicher aus. Klarer Sieger des Abends ist sicherlich Selosses Einstiegschampagner, der hier als verhältnismäßig günstigster Champagner deutlich mit beiden Prestigecuvées nicht nur mithalten konnte, sondern diese nach perfekter Flaschenreife sogar übertrumpft hat.

~ von budisfoodblog - August 12, 2013.

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