Schweiz – Graubünden-Exkursion Part IV: Besuch bei Christian Hermann und Cicero


budisfoodblog_christian_hermann_graubuenden_keller

Der vierte und letzte Part der Graubünden-Exkursion und Pinot-Noir-Tour widmet sich zwei Weingütern, wie sie stilistisch unterschiedlicher kaum sein könnten.

Den Anfang bildet Christian Hermann, der sein Weingut im nördlichsten Teil des Kantons Graubünden betreibt. Außerdem folgen noch Impressionen zur Cicero Weinbau AG im etwa 15 Kilometer südlich entfernten Zizers.

Christian Hermann

Christian Hermanns Weingut befindet sich in der selben Gemeinde, wie auch die über die Landesgrenzen hinaus bekannten Gantenbeins. Trotz einer ebenfalls enormen Nachfrage, die für die Spitzenerzeugnisse des Hauses Zuteilung erforderlich macht, sind seine Weine international weniger bekannt.

Wie fast alle qualitätsbestrebten Winzer Graubündens, besitzt auch Hermann nur winzige Rebflächen (4,3 Hektar), die eine geringe Menge an Flaschen erlauben, dafür jedoch den vollen Charakter des Winzers widerspiegeln.

Hermann hat 1990 seinen ersten Jahrgang abgefüllt und produziert Pinot Noir, Chardonnay und etwas Riesling. Roséwein erzeugt er keinen, den er nach eigenen Angaben, genau so wie Federweißer „hasst“. Sein Ziel ist es „kompromisslose Weine“ zu erzeugen, die „starke Charaktere“ “ besitzen.

Wer Christian Hermann persönlich kennenlernen durfte, versteht auch sofort die Weine, die eine glasklare und kompromisslose Handschrift des Winzer selbst zeigen. Hermann ist ein absoluter Charakterkopf mit klaren Standpunkten. Im Gespräch zeigt sich auch, dass er sich wenig von anderen Winzern leiten lässt, sondern zielstrebig seine Vorstellungen verfolgt. Von der ständigen Orientierung Richtung Burgund und derartigen Vergleichen hält er nur wenig. Wichtiger ist es für ihn, Graubünden ein eigenes Gesicht zu verleihen.

Und so findet man bei Hermann auch einen völlig eigenständigen Keller vor, der nur wenig an das traditionelle Burgund erinnert.

Das Weingut selbst befindet sich quasi in der Garage des Hauses. Über die schmale Wendeltreppe gelangt man hinunter zum eigentlichen Weinkeller, wo sich auf engstem Raum übereinander Barriques stapeln. Hermann vergärt im Ganimede-Gärtank, einem Edelstahlgärtank, der auf natürliche Weise die Gase bündelt und die Maische durchmischt. Zudem setzt Hermann für einen Teil seiner Weine auf kleine neue Holzfässer, die nur halb so groß sind wie burgundische Barriques.

Hermanns Pinot Noirs fallen allesamt eher kräftig aus. Sie sind gekennzeichnet von Feinwürzigkeit, Potenz und seidigen aber deutlich spürbaren Tanninen. Wer frischfruchtig-filigrane Pinot Noirs schätzt, wird mit Hermanns dichten Burgundern, die ein wenig reifere Frucht aufweisen, wenig anfangen können.

Wir probierten zuerst den 2011er Chardonnay, der zu 70-80% aus neuem Holz stammt. Er besitzt eine frische und florale Nase, zeigt sich rund und wird nicht vom Holz bedrängt. Momentan noch mit verhaltener Frucht, gehört der Chardonnay zu den besseren Graubündens, wenngleich er für mich ein wenig trockener hätte ausfallen können. Mit Studachs und Gantenbeins 2010er Chardonnay zur Spitze zählend, sehe ich dafür die 2012er Fassprobe des Chardonnays, der großartige Konzentration besitzt und eine wunderschöne Länge. Mit seiner Kraft erinnert er an feinste Meursaults.

Den Einstieg in die Rotweinwelt liefert Hermanns 2011er Pinot Noir. In der Nase momentan etwas reduktiv, zeigt sich am Gaumen bereits die klare Frucht und feine Säure. Ebenfalls in der Nase fällt der 2011er Rèserve aus, der jedoch am Gaumen deutlich mehr Struktur besitzt. Ein kräftiger Pinot Noir mit rassiger Rauchigkeit.

Die Spitze der Pinot Noirs bildet der legendäre „H“, den wir aus 2011 verkosten durften. Die Trauben hierfür stammen aus dem Stritaberg, dessen Reben 1991 gepflanzt wurden. Er reift zu 70% in den kleinen „Zigarrenfässern“, die 114 Liter fassen und verweilt dort zehn Monate.

In der Nase toastig vom Barrique, jedoch gut integriert, fällt dieser Pinot rassig aus. Voller Kraft, jedoch eine Spur Eleganz nicht vermissend, greift er das Holz am Gaumen kaum auf und präsentiert dafür dichte süßliche Pinotfrucht. Ein Kraftpaket von großartigem Format. Hier zahlt sich Geduld aus!

Überwältigt von den markanten Pinots sollte man Hermanns Riesling nicht unterschätzen. Hermann, der beim Riesling die Mosel favorisiert, hat hier einen bemerkenswerten 2012er Riesling auf die Flasche gebracht. Fruchtig, etwas dropsig, zieht sich eine feine Säure durch den Wein, der von Frische, Klarheit und exotischer Frucht gekennzeichnet ist und eine leichte Restsüße besitzt, die dem Wein die nötige Balance verleiht.

budisfoodblog_cicero_weinbau_graubuenden_weingut

Cicero Weinbau AG

Eine völlig andere Welt erschließt sich einem im direkten Vergleich beim Gutsbesuch der Cicero Weinbau AG.

Mit grob 10 Hektar Rebfläche (davon 6ha im Besitz, 4ha im Zukauf), zählt das Weingut für Graubündner Verhältnisse zu den größeren Betrieben der Region. An die Spitze getrieben wurde das Weingut durch den 2011 tragisch verstorbenen Thomas Mattmann. Weitergeführt wurde das Weingut von Marco Casanova, der auch schon die Jahre zuvor im Betrieb tätig war. Seit wenigen Monaten hat Marco Casanova den Betrieb verlassen. Neuer Betriebsleiter ist somit der langjährige Mitarbeiter Uwe Schneider, der uns auch durch den Betrieb und die Rebanlagen in Zizers führte.

Cicero gehört in der Region wohl zu den dynamischsten Betrieben. Seit 2006 setzt man hier bis auf die Premiumlinie auf Glasverschlüsse. Der Sauvignon Blanc wird gleichteilig im Stahltank und im Betonei ausgebaut. Dies gibt dem Sauvignon eine leicht crèmige Art und eine authentische, nicht aufgesetzt-dropsige Frucht. Der Sauvignon Blanc M 2012 besitzt eine tropische Frucht zeigt sich knackig frisch und hinten raus crèmig. Hier liegt man nahe am Sancerre und meilenweit entfernt vom New-Zealand-Sauvignon.

Anders als beispielsweise Christian Hermann, Studach oder die Gantenbeins, ist das Rebsortenportfolio hier breiter gestreut. Neben Pinot Noir und Chardonnay, erzeugt man hier auch Riesling-Sylvaner, Sauvignon Blanc und Pinot Gris.

Sehr empfehlenswert finde ich auch den Pinot Saignée 2011, der aus den Abzugssäften der Rotweinmaische gewonnen und dann in gebrauchtem Holz von 3-4. Belegung ausgebaut wird. Dies ergibt einen kräftigen aber völlig trockenen, sehr süffigen Rosé voller Charakter, der es mit Fisch und Krustentieren aufnehmen kann und einen ernstzunehmenden Rosé darstellt.

Angenehm ist auch der Chardonnay M 2011, der einen intensiven Chardonnay mit gut eingebundenem Holz verkörpert, wenngleich er für meinen Geschmack etwas zu sehr auf der alkohollastigen Seite schwebt.

Mit der M-Serie sind quasi die besten Weine gekennzeichnet. Sie wurden vinifiziert aus älteren Rebanlagen, den besten Trauben und ausgewählten Fässern. Erinnerungswürdig bleibt hier vor allem die beeindruckende Verkostung dreier Jahrgänge des Pinot Noir M aus 2008, 2009 und 2010.

Hier bestechen nicht nur alle Weine durch hervorragende Qualität. Vielmehr zeigen die Weine ihre Größe, indem sie glasklar die unterschiedliche Jahrgangsstilistik in sich tragen. Während der 2008er durch eine schöne Säure getragen wird, frische Frucht und eine delikate Nase zeigt, sowie eine enorme Länge besitzt, zeigt sich der wärmere 2009er Jahrgang als kraftvoller aber nicht ganz so feingliedriger Pinot, wie der 2008er M. Zudem kommt hier mehr die rauchige Seite des Pinot Noirs zur Geltung. Viel Potenzial steckt im 2010er M, der noch am meisten Zeit vor sich hat und eine enorme Spannnung am Gaumen erzeugt. Momentan ist das Holz noch relativ präsent, zeigt sich aber gut eingebunden und lässt in Verbindung mit dem griffigen Tannin Vorfreude auf einen großartigen Pinot Noir aufkommen.

Alle Ciceroweine sind geprägt von einer eher unaufdringlichen Leichtigkeit und Frische. Dies kommt besonders gut bei den eleganten Pinot Noirs zur Geltung. Besonders gut gefällt mir hier am Weingut nicht nur die Vielfalt, sondern die klar definierte und präzise eingeteilte Qualitätspyramide des Sortiments. Dabei besitzen auch die Basisweine eine hohes Niveau und wissen zu begeistern. Damit gehört der Betrieb für mich zu den wenigen, bei denen man nahezu blind beim kompletten Sortiment zugreifen kann und stets niveauvolle Weine bekommt.

budisfoodblog_cicero_weinbau_graubuenden_kollektion

Weitere Artikel, die Euch interessieren könnten:

Schweiz-Exkursion Part I: Donatsch und Studach (Malans)

Schweiz-Exkursion Part II: Eichholz und Pelizatti (Jenins)

Schweiz-Exkursion Part III: Daniel und Martha Gantenbein (Fläsch)

Können Schweizer Pinot Noirs reifen?

~ von budisfoodblog - August 19, 2013.

3 Antworten to “Schweiz – Graubünden-Exkursion Part IV: Besuch bei Christian Hermann und Cicero”

  1. Als ehemaliger Betriebsleiter der Cicero Weinbau AG (der durch eine unsaubere Art das Weingut verlassen musste, infolge einer Betrieblichen Neuausrichtung ! ) muss ich ein paar Anmerkungen zu Text und Bilder angeben:
    Das Weingut besitzt keine 10ha, sondern bewirtschaftet lediglich knappe 6ha Reben! Dazu werden Trauben aufgekauft. Gehört somit somit zu den mittleren Grössen der Bündner Weinbetrieben.
    Auch besitzt Cicero keine Burgunder Anlage. Die Burgunderanlage auf dem Photo gehört einem Zizerser Winzerkollege!
    Auch ist mir nichts offizielles bekannt, dass der soeben mit der Winzerlehre abgeschlossene Uwe Schneider der Betriebsleiter sein soll.
    Mit freundlichen Grüssen
    Marco Casanova

    • Vielen Dank Herr Casanova für die Anmerkungen!
      Die Burgunderanlagen wurden uns auch als solche vorgestellt, wie von Ihnen beschrieben.

      Die Angaben zum neuen Betriebsleiter habe ich von Lobenberg entnommen, der diese Info aufführt. Ich habe auch, da ich nirgendwo anders Informationen hierzu finden konnte am Weingut direkt nachgefragt, doch kurzfristig noch kein Feedback erhalten.

      Als ich vor Ort war, war auch von einem Leitungswechsel noch nichts bekannt, soweit ich informiert bin.

      Alles andere wurde bereits editiert.

  2. […] Schweiz-Exkursion Part IV: Christian Hermann und Cicero Weinbau  […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: