Château Pichon-Longueville-Comtesse de Lalande, 1928


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Das Château Pichon-Longueville-Comtesse de Lalande stammt aus Pauillac und wurde als Deuxième Grand Cru Classé eingestuft. Es befindet sich direkt gegenüber vom fast gleichnamigen Gut Château Pichon-Longueville-Baron. Die Namensnähe haben beide Weingüter durch die ehemalige Zusammengehörigkeit. Ganz klassisch wurde durch Aufteilung des Besitzes ein Weingut zweigeteilt. Mit Latour und Léoville-las-Cases, sowie Poyferré befindet  sich das Weingut in angenehmer Nachbarschaft und wird regelmäßig hoch bepunktet. Gelegentlich gibt es aber auch Ausreißer nach unten, trotz allgemein guter Jahrgänge.

Über die Jahzehnte entstand eine bewegte Besitzergeschichte. Mittlerweile ist das Château mehrheitlich im Anteilsbesitz vom Champagnerhaus Roederer.

Spannender ist jedoch die Rebsortenzusammensetzung des Weines. Dieser Pauillac ist nämlich durch einen recht hohen Merlotanteil gekennzeichnet, was ihn früher trinkreif machen soll und für eine angenehme Geschmeidigkeit bereits in der Jugend sorgt.

Um so spannender war es also, die Flasche aus 1928 zu öffnen, nachdem der Wein über 80 Jahre und damit fast schon mehr als ein durchschnittliches Menschenleben in der Flasche verbracht hat. Der Füllstand war für das Alter entsprechend in Ordnung aber nicht gerade hoffnungserweckend. Genauer gesagt sah es so aus, als hätte sich im Laufe der Jahre bereits jemand ein Gläschen aus der Flasche genehmigt. Die Erleichterung war jedenfalls groß, als der Korken an einem Stück herauskam und noch fit wirkte.

Überraschenderweise bekommt man trotz dem hohen Alter gelegentlich die ein oder andere Flasche Bordeaux aus 1928. Hintergrund mag sicher sein, dass mit der 1929 aufgekommenen „Great Depression“ und damit einhergehenden Weltwirtschaftskrise viele Châteaubesitzer auf ihren Weinen sitzen geblieben sind und große Mengen auch Jahre danach noch im Umlauf waren.

Das Jahr 1928 gehört nicht zu den Jahrhundertjahrgängen im Bordeaux, ist allgemein jedoch als sehr gutes  Jahr bekannt, auch wenn es etwas im Schatten vom besseren 1929er Jahrgang steht. 1928 ist geprägt von einem warmen und trockenen Sommer.

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Im Glas sah das dann so aus:

Enormes Depot, dadurch etwas trüb im Glas. Farblich überraschend fit mit einem dunklen orange-rot ohne wirkliche Brauntöne.

In der Nase schön entwickelt in Form angenehmer Paprika, Leder und etwas Tabak. Am Gaumen wird die ledrige Note wieder aufgegriffen. Erst mit etwas Luftkontakt im Glas, kommt eine feine Brombeernote hindurch. Die Tannine zeigen sich süffig weich, jedoch immer noch strukturierend, Vor allem kennzeichnet den Wein seine unvergleichliche Eleganz. Der  Pauillac ist noch wunderbar trinkbar, macht Freude und wirkt komplex. Wahrscheinlich hatte der Wein seinen Zenit bereits vor 10, 20 oder gar 30 Jahren, doch die Zeit hat seinen Genusswert nicht unbedingt geschmälert. Noch immer ist der Wein gekennzeichnet von einer gewissen Frische. Dabei pendelt sich ein überraschender Trinkfluss ein, wie man ihn selten bei gereiften Weinen findet, die doch oft etwas sättigend wirken. Zudem beweist der Wein Standhaftigkeit im Glas und überlebt den Luftkontakt im Glas wie ein junger Wein. Insgesamt zählt der Wein nicht zu den Jahrhundertweinen, kann  aber ganz gewiss als großartiger Wein angesehen werden, der erahnen lässt, welch ungemeine Leichtigkeit und Eleganz frühere Bordeauxweine ausgezeichnet hat. Außerdem ist er auch ein kleiner Gegenbeweis für die Behauptung, dass Bordeaux mit hohem Merlotanteil für kurzlebigere Weine sorgen würde.

getrunken im Juni 2013, aus dem Zwiesel Enoteca-Chiantiglas

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~ von budisfoodblog - September 19, 2013.

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