BerlinSpätburgunderCup 2013 – Deutschlands Spätburgunderspitze aus 2010 und 2011


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Vergangenen Samstag fand bei Martin Zwick (BerlinKitchen) eine große Spätburgunderverkostung statt. Im Zentrum standen 33  Spätburgunder aus dem aktuellen Jahrgang 2011, sowie einige Flaschen aus 2010 und 2009, die allgemein als Deutsche Spitze bezeichnet werden. Neben Klassikern waren auch einige Geheimtips, sowie Newcomer vertreten. Dabei standen nicht nur Große Gewächse des VDPs zur Verkostung.

Die Weine wurden allesamt blindverkostet und von insgesamt elf Personen bewertet. Darunter waren Blogger, Weinfachhändler, Weinmarketingler, Winzer, Sommeliers, sowie Weinliebhaber. Nach zehn verkosteten Weinen, wurden die Bewertungen nach dem 100-Punkte-System abgegeben und aufgedeckt. Die zweier-Flights wurden von Caro Maurer (MW) zusammengestellt.

Zum Jahrgang 2011

Der Jahrgang 2011 gehört in Deutschland sicherlich nicht zu den einfachsten, wenn man hochwertige Spätburgunder erzeugen wollte. Sicherlich spielte hier die Hitze in Verbindung mit niedrigen Säurewerten eine zentrale Rolle. In der Verkostung hat sich gezeigt, das es manche Weine schwer hatten, eine gute Balance zu finden. Spannend war, dass der Großteil der Spitzenspätburgunder den Sprung von verholzt-speckigen und mit überreifem Lesegut erzeugten Spätburgundern geschafft hat. Somit gab es viele Spätburgunder, die präzise, klar und von kühler Frucht geprägt waren und dabei Spannung besaßen. Typische Amarena-Kirschnoten oder Hagebutte finden sich jedoch in vielen Spätburgundern, wobei manchen Winzern die Ausgewogenheit von süßlicher Frucht, Säure und Holz gelungen ist. Wenn man etwas an vielen gezeigten Spätburgundern kritisieren könnte, dann ist es vielmehr die Struktur und oft fehlende Mineralik. Der oft gestellte Vergleich zum Burgund kam an diesem Abend glücklicherweise kaum auf, sodass die Spätburgunder aus Deutschland als eigenständige Kategorie standen.

Die Ergebnisse:

Anbei möchte ich meine eigenen Notizen und Bewertungen veröffentlichen, die etwas dabei helfen sollen die verschiedene Stilistiken der gezeigten Burgunder und ihre Bewertung nachvollziehbar zu machen. Die Reihenfolge der Weine bezieht sich jedoch auf die Gesamtwertung der Veranstaltung und nicht auf meine persönliche Rangliste. Die Punkte stammen jedoch von mir.

1. 2011 Rings „Saumagen“ 93P

Der überraschende Gewinner des Abends vom Pfälzer Weingut Rings. Die Trauben kommen aus dem für Riesling berühmten Kallstadter Saumagen. Um so spannender, dass einer der Verkoster den Wein als weißweinartig beschreibt. In der Tat zeigt sich der Rings Spätburgunder mineralisch geprägt und eher schlank. In der Nase etwas kräutrig, kommt hier die klare Frucht zur Geltung, ohne vom Holz erschlagen zu werden. Der Spätburgunder lag zu 50% in neuen Barriques und wurde bei 98° Oechsle gelesen. Am Gaumen empfinde ich den Wein als geradlinig, frisch und äußerst transparent. Die filigrane Stilistik überzeugt hier in Verbindung mit der angenehm lebendigen Säure und kommt auch durch das milde Tannin besonders zur Geltung.

2. 2010 Gutzler „Morstein“ 93P

Erst vor wenigen Tagen im Glas gehabt, überzeugt der Rheinhesse ebenfalls durch seine Mineralik. Eine knackig-frische Frucht und leichte Salzigkeit prägen den Wein, der ebenfalls präzise ausfällt. Insgesamt zeigt sich der Gutzler Morstein etwas kräftiger durch das Tannin und auch im Holzeinsatz etwas höher.

3. 2011 Huber „Schlossberg“ 93P

Wohlverdient sichert sich Bernhard Huber mit seinem Schlossberg GG den dritten Platz. Im Glas dicht und in der Nase kräftig, wirkt der Schlossberg noch sehr verschlossen, zeigt aber bereits alle Anzeichen für einen Spätburgunder der Extraklasse. Im Mund voll aber trotzdem trinkig, mit dicht gepackter Frucht und Kraft, klingt hier eine feine Pinotfrucht langsam aus. Mir gefällt hier die Kraft des Spätburgunders und die doch klare und sofort erkenntliche Handschrift eines Spätburgunders aus Deutschland in gelungener Variante.

4. 2011 Meyer-Näkel „Pfarrwingert“ 91P

Der Spätburgunder von der Ahr zeigt sich noch sehr verschlossen in der Nase. Angenehme Frische und Mineralik paaren sich hier. Für mich wirkt der Wein einen Ticken zu alkoholbetont.

5. 2011 Stadt Klingenberg-B. Baltes „Schlossberg“ 90P

Benedikt Baltes Schlossberg besitzt ein authentisch leicht transparentes Burgunderrot und gefällt mir ob seiner feinen und leicht ätherisch geprägten Nase. Am Gaumen wirkt der wein schlank, säurebetont und von mittelkräftigem Tannin geprägt. Da ich den Wein vor einigen Wochen ausführlich verkostet habe, weiß ich, dass er absolut von der Luft profitiert. Eigentlich sehe ich diesen Wein deutlich 2-3 Punkte höher, als an diesem Abend.

6. 2011 Friedrich Becker „St. Paul“ 93P

Für mich neben Rings Spätburgunder der Wein des Abends. Im Glas mutig trüb, verrät die Nase momentan noch nicht viel von der eigentlichen Größe dieses Spätburgunders. Beckers St. Paul wird von einer fantastisch saftigen Frucht getragen, die niemals künstlich wird. Frische, großartige Länge und eine beachtliche Balance aller Komponenten geben diesen exzentrischen aber in sich stimmigen Spätburgunder ab. Ein großartiger Wein!


7. 2011 Diel „Caroline“ 93P

Derartig guten Spätburgunder hätte ich ehrlich gesagt nicht aus dem Hause Diel erwartet. Carloline ist ein mineralischer Spätburgunder, der etwas kräftiger ausfällt und Spannung und Präzision vereint.

8. 2011 Huber „Bienenberg“ 89P

Hubers Bienenberg gefällt mir eigentlich auch bei offenen Verkostungen oft nicht so gut, wie die anderen großen Weine aus dem Hause. Das liegt an der meist auffällig süßlicheren Stilistik. In der Nase irritiert mich ein wenig die Süßholznote. Am Gaumen kommt dann schöne Kirschfrucht durch, etwas Mandel aber auch leicht speckige Noten. Der Abgang überzeugt jedoch.

9. 2011 Thörle „Hölle“ 90P

Mein erster Spätburgunder vom Weingut. Ein etwas fordernder Spätburgunder und definitiv kein Charmeur. Klare Frucht und feine ätherische Noten fallen mir hier auf, wenngleich ich am Gaumen vor allem das etwas mehlige Tannin spüre. Dafür klingt der Wein sehr lange aus.


10. 2011 Wöhrwag „Kreidenstein“ 89P

In der Nase sehr konzentriert, fällt hier vor allem die Kaffeenote auf. Am Gaumen zeigt sich eine süßliche Frucht in Form von Amarena und Cassis, die dem Wein steht, jedoch von der prägnanten Röstnote etwas aus der Balance gerät.

11. 2011 Keller „Bürgel“ 89P

Klare erdbeerige Nase, am Gaumen zu Beginn eine süßliche Frucht, dann kommt mehr Kirsche durch. Der Wein wirkt nicht so kühl, sondern etwas rosiniger, jedoch klar und etwas mager. Dabei erinnert er mit seinen schneidenden Tanninen etwas an einen schlanken Volnay. Der Wein ist momentan noch extrem verschlossen.

12. 2011 Krebs „Musikantenbuckel“ 88P

Ebenfalls einer der verschlosseneren Spätburgunder. Ein grober Bursche. Das heißt: Üppigkeit, viel Säure und gröbere Tannine.


13. 2010 Knipser „Burgweg“ 90P

Knipsers Burgweg fällt etwas dunkelfarbiger aus. Am Gaumen wirkt der Spätburgunder elegant, rund und besitzt eine dichte dunkle Frucht. Im Holz unaufdringlich und mit lebendiger Säure ausgestattet wirkt der Wein trotzdem unaufdringlich. Es fehlt vielleicht das letzte Quäntchen Genialität und Finesse.

14. 2011 Ziereisen „Jaspis“ PN 89P

Am Gaumen klar, wirkt der Jaspis schlank und frisch. Dazu gesellt sich kräftiges aber nicht grünliches Tannin und eine feine Kirschfrucht, die für mich etwas zu sehr in die süßliche Frucht abdriftet. Ansonsten ein angenehmer Vertreter.

15. 2011 Keller „Frauenberg“ 90P

Ein geradlinger und präziser Spätburgunder mit guter Länge. Wirkt aber etwas sehr hart und damit unpoliert.

16. 2011 Aldinger „Marienglas“ 89P

Der letzte Wein des Abends hat es natürlich immer sehr schwer. Nach dem Aufdecken bin ich etwas überrascht. Es scheint so, als ob die Aldinger Spätburgunder in den letzten Jahren tatsächlich eleganter vinifiziert werden und auch das neue Holz vorsichtiger eingesetzt wird.

17. 2011 Jean Stodden „Rosenthal“ 92P

Ein kraftvoller und ausgewogener Spätburgunder. Die leichte Toastung ist präsent, spielt sich aber gekonnt im Hintergrund ab. Stodden, wie ich es mag.

18. 2011 August Kesseler „Schlossberg“ 89P

Kräutrig-pflaumige Nase, am Gaumen viel Extrakt, Kräuter und eine süßliche Frucht. In Verbindung mit weichen Tanninen und der insgesamt kühleren Stilistik aber doch ganz leichten Schärfe durch den Alkohol, meine ich die Handschrift Kesselers zu erkennen, ohne mich jedoch auf Lagen festzulegen. Ein ganz eigenständiger aber auch eigenwilliger Typ Spätburgunder. Eine Stilfrage.

19. 2011 Fürst „Hundsrück“ 86P

Im Glas violett und dicht, fällt die sehr röstige Nase auf. Am Gaumen zieht sich die Toastung weiter. Von guter Struktur, zeigt sich der Hundsrück lange, jedoch momentan vom Holz überlagert und sehr reduktiv. Aus anderen Jahrgängen fasziniert mich der Wein regelmäßig. Ich bin gespannt, ob sich das Holz hier jemals noch einfügt. Aktuell hat es der Wein jedenfalls sehr schwer.

20. 2011 Jean Stodden „Herrenberg“ 92P

Stodden scheint mir in diesem Jahr sehr gut zu gefallen. Auch hier wirder deutliches aber gut integriertes Holz. Vor allem verträgt es der kräftige Typ Wein. Der Wein wirkt noch sehr jung. Blind erinnert mich der Herrenberg ein wenig an den Fürst-Stil.

21. 2010 R&C Schneider „Engelsberg“ 88P

Wieder ein etwas üppigerer Typ. Für eine höhere Bepunktung fehlt mir hier die Struktur. Der Spätburgunder ist gut, wirkt aber etwas breiig und für meinen Geschmack zu sehr an hitzige Pinots aus Baden erinnernd.


22. 2011 August Kesseler „Höllenberg“ 89P

Wieder von unverkennbarer Stilistik. Amarenakirsch, etwas kräftigere Struktur, hohe Säure, Frische und die Abwesenheit von Holz. Tatsächlich steht hier die hochreife Frucht stark im Vordergrund und überschminkt für mich für einen Spätburgunder von ganz großem Wesen, etwas die feine Mineralik.

23. 2011 Jülg Pinot Noir 89P

Der erste Wein des Abends. Im Glas rubinrot-durchsichtig, zeigt die Nase eine wärmere Stilistik in Verbindung mit Kräutern und sauren Beeren.

Am Gaumen Stilistik der Marke Deutschland. Hinten raus kommen die Gerbstoffe zur Geltung.  Schöne Säure, jedoch hinten raus von mittlerem Abgang und markant im Alkohol.

24. 2011 Dr.Heger „Schlossberg“ 89P

Ein eher dunklerer Typ im Glas, dafür in der Nase gegensätzlich himbeerig. Am Gaumen kühl, wieder himbeerig und schön lang. Die Frucht wirkt hier aber sehr unnatürlich und erinnert, wie einer am Tisch es gut zusammenfasst, an die künstliche Frucht von Süßigkeiten. Dadurch wirkt die Frucht sehr eindimensional. Eventuell ein Zeichen übertriebener Kaltmazeration?

25. 2011 Chat Sauvage „Kapellenberg“ 88P

In der Nase sehr fruchtig, wird diese von Vanille begleitet. Am Gaumen frisch, dank der Säure, jedoch etwas schnell abflachend.

26. 2009 Duijn SD 92P

Dichtes rot, jedoch ohne violette Töne. Aus der ersten Flasche käsig-verbrannt. Die Konterflasche sorgt für Aufklärung. Eine würzige Nase die kraftvoll daherkommt, mit feinem Piment. Momentan wirkt sie aber eher undefiniert. Am Gaumen starkes Aroma, Kraft und eine krasse Tanninstruktur mit viel Grip. Ein Wein der deutlich Richtung Burgund geht und momentan sehr verschlossen ist und sich über die Struktur definiert. Bleibt abzuwarten wie sich der Wein entwickelt.

27. 2011 Enderle&Moll „Muschelkalk“ 90P

Farblich dicht, in der Nase dezente Kräuter und eine markante reife Frucht Insgesamt jedoch in der Nase verschlossen. Am Gaumen kommt der Muschelkalk ausgewogen daher, mit schöner Frucht, die aber leicht an Fruchtdrops erinnert. Der Wein wirkt in sich geschlossen, besitzt kräftigeres Tannin und wirkt etwas grün.


28. 2011 Enderle&Moll „Buntsandstein“ 84P

Etwas trüb im Glas, in der Nase kaum fruchtig, eher an Brennnessel erinnernd. Auch am Gaumen kommt die ätherisch-minzige Schiene zur Geltung. Hinten raus trocknen die Tannine etwas aus. Momentan weiß ich nicht so Recht, ob mir der Wein zusagt oder nicht.

29. 2011 Chat Sauvage „Schlossberg“ 86P

Sehr kräftig mit reifer Frucht, jedoch leicht alkoholisch. Vor allem aber von einer Bitternote geprägt.

30. 2011 Fürst „Schlossberg“ 84P

In der Nase stark toastig. Am Gaumen ebenfalls sehr holzig, fast verbrannt toastig. Die Toastung überdeckt momentan alles. Derart krass habe ich diesen Wein noch nie probiert. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sich das Holz hier jemals einfügen wird.


31. 2011 Keller „S“ 85P

Der einfache Spätburgunder von Klaus Peter Keller. Besitzt ein typisch transpartenes pinotrot. In der Nase aber etwas zu würzig an Liebstöckel erinnernd. Am Gaumen eine schöne Säure und viel Rauch. Doch wo bleibt die klare Frucht? Insgesamt ein sehr simpler Spätburgunder, der zwischen den Giganten ein wenig untergeht.

32. 2011 Steinmetz „Paulinsberg“ 83P

Im Glas trüb rot, in der Nase Erdbeermarmelade. Hinten raus wird der Wein etwas karamellig, wirkt auf mich etwas unsauber.

33. 2011 Ziereisen „Jaspis“ Spätburgunder Alte Reben 75P

Farblich violett-dicht. In der Nase stark rosinig, gar an Rumrosinen erinnernd. Im Mund dann ebenfalls eine Miscung aus Rosinen, Rum und Espresso. Der Wein ist extrem überholzt. Dabei besitzt er kräftiges Tannin, angenehme Sauerkirsche und eine eigentlich kraftvolle Struktur. Ich bin sehr enttäuscht vom aktuellen Jahrgang, nachdem ich Anfang des Jahrers vor Ort fantastisch frische und klaren Jaspis Alte Reben aus 2008 und 2010 verkostet habe (siehe Artikel).

Anbei noch weitere kurze und prägnante Verkostungsnotizen, von einem der Verkoster auf: Verkostungsnotizen.net

Zur besseren Nachvollziehbarkeit noch ein Excel-Datei mit den Bepunktungen der einzelnen, anonymisierten Verkoster:

Punkteskala-Verkostung

~ von budisfoodblog - Oktober 2, 2013.

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