Armand Rousseau: Vom Village bis zum Grand Cru


budisfoodblog_armand_rousseau

Die Domaine Rousseau gehört zu denjenigen im Burgund, die in einem Atemzug mit der Domaine de la Romannée-Conti, Leroy oder Roumier genannt werden können. Auf etwas weniger als 14 Hektar verteilen sich sechs Grand Cru Lagen und drei weitere Premier Crus. Darunter auch der Clost St-Jacques, der für viele ähnlich wie der Les Saint-Georges in Nuits-Saint-Georges Grand Cru- würdig ist.

Die Domaine Armand Rousseau gehörte zu den ersten, die ihre Weine selbst abfüllte und nicht mehr ablieferte. Man arbeitet traditionell, wobei das Hauptaugenmerk auf die Arbeit im Weinberg gelegt wird. Somit befindet sich hier auch kein Sortiertisch. Die komplette Selektion findet bei der Lese im Weinberg statt.

Die drei vorgestellten Weine boten sich natürlich nicht nur ideal dafür an, einen Eindruck über die Stilistik und Qualitätsabstufungen zu bekommen, sondern auch für den spannenden Vergleich von Village, 1er Cru und Grand Cu sowie den Einfluss der unterschiedlichen Jahrgänge und Lagen.

budisfoodblog_rousseau_2002

Gevrey-Chambertin Village – 2002

Der 2002er Gevrey-Chambertin von Armand Rousseau gibt den Einstieg ins Sortiment und liefert ein Abbild von Gevrey-Chambertin.

Das Jahr 2002 gehört im Burgund und im Speziellen an der Côte de Nuits zu den ganz großen Rotweinjahrgängen der letzten Dekade. Ein warmer Sommer ohne extreme Schwankungen oder Ausfälle durch Hagel. Als eine länger andauernde Regenphase eintrat, hatten die meisten Winzer bereits alle Trauben gelesen. Dabei ist hervorzuheben, dass 2002 durch die Bank gelungen ist. Das hat zur Folge, dass bereits ab Village-Level anspruchsvolle und hochwertige Weine abgefüllt werden konnten.

Rousseaus Village Gevrey-Chambertin wird aus neun Parzellen abgefüllt und ist dafür bekannt gut zu reifen.

Der 2002er Village bewies dies auf voller Linie:

Im Glas strahlt er tief rot und dicht mit himbeerfarbenem Rand. Die Nase offenbart vor allem Sauerkirsche, wirkt über die Zeit aber ein klein wenig eintönig,  jedoch ohne zu langweilen.

Am Gaumen besticht die typische lebendige – aber gut integrierte – Säure. Dem steht eine konzentrierte Frucht entgegen, sowie reifes ultrafeines Tannin. Von der säuerlichen Frucht wie Sauerkirsche und Dosenananas getragen, gesellt sich neben der Saftigkeit eine feine Würze hinzu.

Für mich ein wahnsinnig animierender Burgunder. Ein wahrer Essensbegleiter, der das volle Village-Niveau ausreizt.

budisfoodblog_rousseau_1992_clos_st_jacques

Gevrey-Chambertin 1er Cru Clos St. Jacques – 1992

1992 –  welch chaotisches Jahr. Auf einen feuchen Juni folgte ein heißer August, die Trauben wuchsen, doch fehlte oft die nötige Konzentration. Die ’92er ergeben oft fruchtig-simple Weine ohne die nötige Konzentration für eine lange Reife. Insgesamt profitierten solche Winzer, die konsequente Ertragsreduzierung betrieben.

Dem entgegen steht die Lage Clos St. Jacques. Für viele eine der potenziellen Lagen für Grand-Cru-Niveau. Leider deshalb auch vom Preisniveau nicht unweit davon entfernt. Die Rousseaus besitzen hier insgesamt 2,22 Hektar. Die ältesten Rebstöcke wurden 1935 gepflanzt.

Im Glas tief rot, etwas trüb vom Depot herrührend, jedoch auch am Rand hin schon etwas entwickelt, fast ein wenig bräunlich. Insgesamt aber nicht verwunderlich für einen Pinot, der bereits 21 Jahre hinter sich hat.

Die Nase offenbart dann eine pure, höchst ehrliche Pinot-Frucht. Zu keiner Zeit driftet diese ins Kitschige oder Vordergründige ab.

Am Gaumen findet sich dann auch die erhoffte mineralische Komplexität, Kraft und Ausgewogenheit. Der St. Jacques wirkt elegant, ungemein unaufdringlich in seiner Art und regelrecht trinkig dank der abgeschmolzenen Tannine. Am Gaumen wirkt der Wein noch so frisch und spannungsgeladen, wobei hier der entspannende Charakter, den dieser Wein auf den Trinker ausübt betont werden muss.

Kurzum: Pure Pinot-Freude!

budisfoodblog_rousseau_chambertin_1997_clos_de_beze

Gevrey-Chambertin Grand Cru Chambertin-Clos De Bèze – 1997

1997 gehört im Burgund zu den kleineren Jahren – es gab eine geringe Ausbeute, die Reben kämpften ob der Trockenheit und viele Weine werden als verkocht, säurearm und alkoholisch umzeichnet.

Der Clos de Bèze besitzt ein dunkleres rubinrot und wird zum Rand hin ziegelrot. Anfangs zeigt sich der Wein in der Nase relativ verhalten, fast verschlossen. Man hat wenig Frucht, dafür aber eine leicht würzige Nase mit einem süßlichen Hauch.

Am Gaumen zeigt sich der Wein dann viel zugänglicher. Das Holz ist gut eingebunden (100% neues Holz) und die Tannine wirken seidig aber nicht komplett abgeschmolzen. Zuerst kommt einem einem eine Wucht an Gewürzen entgegen. Piment d’Esplette und Cayennepfeffer sind hier zu betonen. Darauf folgt eine Spur von Ananas, etwas rote Bete und Himbeeren. Die bestimmende Frucht, welche den Ton am Gaumen angibt, ist jedoch die Hagebutte, die im langen Nachhall nicht weichen will.

Insgesamt wirkt der Wein nicht nur enorm frisch, sondern fast noch jugendlich. Mit einem Alkoholgehalt von 13 Vol. % macht sich hier auf überraschende Weise der Jahrgang nur auf untergeordnete Art bemerkbar. Der Wein wirkt elegant, leicht und besitzt Spannung und Saftigkeit am Gaumen. Die Hitze des Jahrgangs zeigt sich mehr in der würzigeren Aromatik, die hier aber glücklicherweise vor der marmeladigen Note gerettet wurde. Besonders attraktiv an diesem Weine finde ich hier seine Leichtigkeit, die dieser Grand Cru an den Tag legt. Damit erinnert er an die Unbefangneheit kleiner Kinder – und fast so jugendlich erschien er mir auch noch.

budisfoodblog_rousseau_trio_2013

Welche Eindrücke bleiben also nach einem solchen Tasting?

Die Weine der Domaine Rousseau beeindrucken mich insgesamt aufgrund ihrer unaufdringlichen und klassischen Art. Die Burgunder können reifen, sind auch dafür gemacht. Mit der Reife entwickeln sie einen ungeschminkten und anziehenden Charakter, der meist unvergessliche Momente mit sich bringt. Die Aufteilung von Village bis zum Grand Cru ist schlüssig.

Was mich jedoch am meisten beeindruckt ist die wahre Größe, die sich besonders in den schwachen Jahrgängen zeigt. Während der aus dem großartigen Jahrgang 2002 stammende Village wunderbar trinkig und frisch daherkommt und so in seiner Klasse Vorzeigecharakter besitzt, zeigen 1er Cru und Grand Cru was einen großen Wein definiert.

Eine wahre Offenbarung war bei dieser Verkostung der Clos St. Jacques, der momentan eine zugängliche Phase hatte, die vermutlich nicht mehr lange anhält. Dahingegen besitzt der Clos De Bèze selbst aus dem miesen Jahrgang 1997 noch Kraft und Potenzial für weitere Jahre.

Bei allen Weinen findet sich als markantes Erkennungszeichen der ungemeine Trinkfluss. Burgunder von Rousseau bescheren den größten Genuss, weil sie den Spagat zwischen Verkostungswein und Genusswein schaffen.

 

Weinlagen-Info:

Gevrey-Chambertin

Clos St. Jacques

Chambertin – Clos De Bèze

~ von budisfoodblog - November 24, 2013.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: