UGM: Verkostung in der Französischen Botschaft, Berlin


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Am 25. November fand eine umfassende Verkostung französischer Weine statt. In die Französische Botschaft in Berlin, luden insgesamt 19 Winzer sowie die Weinhandlung Sébastien Visentins (Vin sur Vin Diffusion) ein.

Alle Winzer haben gemeinsam, dass sie der Gruppe UGM angehören. UGM steht für „Union des Gens de Métier“. Die Gruppe liest sich wie das „Who is Who“ der französischen Weinszene. Größen wie Clos Rougeard, Jacques Selosse, die Domaine Roulot aus Meursault oder die Domaine de Trévallon gehören zur Gruppierung. Gründer war niemand geringeres als der viel zu früh verstorbene Didier Dagueneau.

Anders als Verbände in Deutschland, die sich zusammenschließen um gemeinsame Ideale zu erarbeiten, fordert die UGM keine Einschränkungen. Die Weingüter sehen sich mehr als ein spiritueller Verband gleichgesinnter Freunde, akzeptieren die Wirtschaftsweisen der einzelnen Betriebe und deren Philosophie. Geminsam haben jedoch alle den Gedanken, Wein und Region kompromisslos nach vorne zu treiben.

Jede Weinregion wird durch ein Mitglied vertreten. Im Laufe der Zeit haben sich auch weinferne Betriebe angeschlossen, die mit ähnlicher Passion das Produkt herausarbeiten. So finden sich in der UGM mittlerweile auch ein Bäcker, Obstbauern und Affineure.

Die Französische Botschaft bot natürlich ideales „Terroir“ um derartige Betriebe vorzustellen. Begleitet wurde die exzellent gestaltete, wenn auch dicht gedrängte Veranstaltung von hervorragenden Produkten aus Frankreich und den Weinen würdigen Zalto Weißweingläsern (die nebenbei für eine Verkostung mit kleinen Probeschlücken idealer geeignet sind als die mächtigen Universalgläser). Über den Zeitrahmen von fünf Stunden, konnte man sich ein ausführliches Bild von den einzelnen Domaines machen.

Eine spannende Kollektion bot Jean-Marc-Roulot aus Meursault an. Trotz des etwas schwierigeren Jahrgangs 2011, glänzten seine Weißweine vom einfachen und doch überzeugenden Bourgogne blanc, bis hin zum 1er Cru Meursault „Clos des Bouchères“. Dieser, im Glas hellblasse Meursault zeigt sich in der Nase noch am verschlossensten, lässt aber feine geröstete Mandeln erahnen und performt mit gut eingebundener Säure am Gaumen. Alle Weißweine sind geprägt von Konzentration, ausgeprägter Mineralik und gekonntem Holzeinsatz.

Eine spannende Verkostung bot Eloi Dürrbach von der Domaine De Trévallon an. Hier konnte man seinen Rotwein aus den Jahren 2011, 2004, 2003 und 1999 auf beeindruckende Weise bei der Reife verfolgen. Die etwa 20 Hekar große Domaine füllt mit ihrer aus Cabernet Sauvignon- und Syrahtrauben bestehenden Cuvée einen der wohl langlebigsten Weine Frankreichs ab. Der aktuelle Jahrgang strotzt nur so von Tannin, wartet mit würziger Paprikanase auf und fällt doch eleganter aus als zunächst vermutet. Die 2004er Cuvée überrascht dann insofern, dass der Wein kaum Entwicklung vollzogen hat. Die Tannine sind immer noch mächtig und präsent und stehen der von Preiselbeeren geprägten Frucht entgegen. 2003 zeigt sich dann fruchtig-ölig und stets kraftvoll mit präsentem Tannin. Mit der 1999er Abfüllung kommt dann erstmals ein vollharmonischer, entwickelter Wein ins Glas, auf den es sich zu warten gelohnt hat. Feine Frucht, eine angenehme Öligkeit und feine Tertiäraromen in Form von Leder und getrockneten Früchten entfalten sich hier.

Ganz großes Kino bot auch die in Saumur-Champigny ansässige Domaine Clos Rougeard. Die Foucault Brüder betreiben hier seit Jahrzehnten biodynamischen Weinbau. Ihre Rebanlagen haben noch nie eine andere Bewirtschaftung erlebt und trotzdem stellen die Winzerbrüder diesen Fakt völlig in den Hintergrund.

Jahr für Jahr entstehen hier die elegantesten, fast burgundischen Cabernet Francs der Welt. Dabei entfalten die auch in der Jugend herrlich noblen Weine ihr volles Potenzial meist erst mit vielen Jahren der Reife. Alle Weine verbringen mindestens zwei Jahre im Fass. Darauf folgen zwei weitere Jahre Reifezeit in der Flasche, bis die Weine zur Auslieferung freigegeben werden. Der Saumur-Champigny fällt von allen Weinen immer etwas rustikaler aus, besitzt festeres Tannin. Die Einzellage „Ley Poyeux“ besitzt großartige Eleganz, ein unglaubliches Reifefenster und feines Tannin. Der Spitzenwein „Le Bourg“ erscheint dann auch mit der Reife immer am intensivsten und besitzt das größte Reifepotenzial. Die Kollektion 2009 ist hier gigantisch gut ausgefallen! Chapeau!

Ebenfalls charismatischer Cabernet Franc kommt von der Domaine Philippe Alliet aus Chinon. Sein Cabernet Franc fällt im Vergleich für mich immer etwas rustikaler, etwas gröber aus. Das heißt bei Weitem nicht, dass die Weine keinen Charme besitzen. Sein „Coteau de Noiré“ kann herllich reifen, der „Vieilles Vignes“ besitzt fast immer eine leicht animalische Note und einen dezenten Bret-Ton. Dieser verflüchtigt sich jedoch mit einigen Stunden in der Karaffe, wie ich kürzlich bei einer Flasche aus 2010 feststellen konnte. Dann zeigt sich ein herrlich frischer Chinon, der beispielsweise ein Entrecôte herrlich begleiten kann.

Mächtig Andrang war auch am Stand von Jacques Selosse. Der vermutlich meist gesuchte Champagnerwinzer Anselme schank hier zwei seiner Champagner aus. Die erst kürzlich dégorgierte Version Originale besticht mit hellfarbiger, klarer Nase, leicht toastiger Aromatik und sehr eleganter Perlage. Ein langer Champagner, dessen purer Charakter jedoch erst mit weiterer Reife herauskommen wird. Spannend auch der 2003er Vintagechampagner: intensiv gelb im Glas, in der Nase etwas opulenter und am Gaumen kräftiger, zeichnet auch ihn ultrafeine Perlage und Eleganz aus. Weitere Eindrücke zu den großartigen Weinen finden sich hier Klick! und hier Klick!

Von der schäumenden Abteilung war auch Éric Bordelet vertreten. Der ehemalige Sommelier des Pariser 3-Sterne-Restaurants L’Arpège vinifiziert auf dem Obsthof seiner Eltern in der Normandie seit 1992 die vermutlich anspruchsvollsten Erzeugnisse aus Birnen- und Äpfeln. Die über sechzig Sorten Äpfel und Birnen wachsen auf Schiefer- und Granitböden und fallen in der trockenen Variante in der Tat intensiv mineralisch aus. Sein Sydre Argelette fällt dunkel bis kupferfarben im Glas aus, zeigt sich präzise, trocken und mit dem puren Aroma herber Apfelschale. Große Kunst zeigt auch der Poiré Granit, ein fülliger und ebenfalls präziser Schäumer von der Birne, der sehr saftig ausfällt.

Als einzige Vertretung für das Burgund war die Domaine Charlopin anwesend. Philippe Charlopin und Sohn, beide extrem charismatische Winzer,  boten leider fast ausschließlich Chablis an. Dabei beweist der 2011er Gevrey-Chambertin, wofür diese Domaine doch vorallem steht: Herrlichen Pinot Noir. Der 2011er zeigt sich schön würzig, dicht und kraftvoll, am Gaumen fleischig und mit viel Fett für die Reife.

Einem Erzeuger dem ich immer wieder positiv begegne, ist die Domaine Alain Graillot. Die an der Rhône gelegene Domaine wird mittlerweile auch von Sohn Maxime unterstützt. Die Crozes-Hermitage fallen stets schlank aus und besitzen eine frische Frucht, lassen jedoch die betont animalisch–würzige Seite des Syrah nie vermissen. Sehr gefallen hat mir hier der salzig ausfallende 2008er der den würzigeren, dafür aber etwas hitzegeprägteren und kräutrigen 2007er hinten anstehen lässt. 2011 glänzt mit viel Eleganz, Frucht und Säure, zeigt aber auch Unterholz, Waldfrüchte und rohes Fleisch.

Von der Domaine Élian Da Ros aus dem Südwesten Frankreichs stammen konzentrierte Rotweine. Besonders ist mir jedoch der Coucouc Blanc aus 2011 im Gedächtnis geblieben. Der Weißwein besteht überwiegend aus Sauvignon Blanc, dazu kommt etwas Sémillon. In der Nase zurückhaltend und verschlossen, gibt sich der Wein als kraftvoller, mineralisch geprägter Sauvignon, im Stile Dagueneaus.

Animierende Weißweine entdeckte ich auch bei der Domaine Arretxea. Die im Baskenland ansässige Domaine betreibt Biodynamie und füllt kräftig aber doch feinfruchtige Weißweine auf die Flasche (die roten sagen mir auch zu, sind aber etwas rustikaler und sehr tanninbetont). Sehr gut gefällt mir der „Hegoxuri“ aus dem Jahrgang 2012. Ein in der Nase apfliger Weißwein mit Kraft, Frische und markanter Säure. Hier freue ich mich noch eine Flasche aus 2009 im Keller zu haben, die ich vor einiger Zeit blind gekauft habe. Ähnlich, jedoch etwas schlanker fällt der „Schistes“ aus.

Anspruchsvollen Beaujolais präsentierten Pierre-Marie und Martine Chemette von der Domaine Du Vissoux. Hier vinifiziert man aus bis zu 90 Jahre alten Reben eleganten Gamay, der durch die Bank zu überzeugen weiß.

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Unterm Strich eine exzellente Verkostung, die nicht nur Berliner anzog, sondern auch Sommeliers, die teilweise bis aus München anreisten um das Potpourri an Kultwinzern zu bestaunen, Austausch zu betreiben und auch Weine kennenzulernen.

~ von budisfoodblog - Dezember 9, 2013.

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