Champagne Vilmart und Billecart-Salmon: Vintage 1999 vs dégorgiert 1999


Wie unterscheidet sich ein Champagner aus dem Jahrgang 1999 von einem Champagner, der im Jahre 1999 dégorgiert wurde?

Die Möglichkeit dies nachvollziehen hatte ich dank schaumweinfreudiger Feiertage zum Jahresende.

Um die Hintergründe zu beleuchten also vorneweg ein klein wenig Theorie:

Champagner wird nach der klassischen Méthode champenoise hergestellt. Diese schreibt vor, dass die zweite Gärung, nämlich die nachdem der Grundwein mit Hefe und etwas Zucker auf die Flasche gefüllt wurde, in eben jener ablaufen muss. Die zweite Gärung geschieht somit also in der selben Flasche, die auch letztendlich beim Konsumenten landet.

Die Lagerung auf der Hefe in der Flasche gibt dem Wein somit nicht nur mehr Komplexität und Finesse, sondern hält ihn auch frisch. Der Punkt ab dem der Champagner degorgiert wird, also der mittels Rüttelpult zum Flaschenhals angesammelte Hefepfropfen entfernt wird, stellt somit die Geburt des fertigen Champagners dar. Wenn der mit Kronkorken verschlossene Schaumwein seine Dosage erhalten hat, die den Wein an das gewünschte Geschmacksprofil anpasst (Brut Nature, Brut, Demi-Sec…), ist er in der Regel trinkreif und verliert zunehmend an Frische.  Einige Champagner profitieren jedoch durchaus von weiterer Flaschenreife, manche blühen erst nach gut einem Jahr in der Flasche richtig auf und brauchen Zeit um sich wieder zu finden.

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Zum Vergleich standen zwei Champagner aus unterschiedlichen Häusern an. Der Cuvée Nicolas François Billecart aus dem Hause Billecart-Salmon zählt zur Kategorie der Jahrgangschampagner. Für den brut dosierten Champagner wurden ausschließlich  Chardonnay- und Pinot Noir-Trauben des Jahrgangs 1999 verwendet. Der Grundwein der Grand Cru-Trauben wurde hier partiell im Holz vergoren. Die Cuvée gibt es so seit 1964 und ist eine Hommage an den Gründer des Hauses. Leider schreibt das Haus kein Dégorgierdatum auf die Flasche, sodass man dieses nur vermuten kann. Die aktuellen 2000er-Abfüllungen wurden in der Regel um 2011 degorgiert, sodass ich schätze, dass diese Flasche circa im Jahre 2010 frisch degorgiert auf den Markt kam. In jedem Fall hat der Champagner etwas 2-3 Jahre Flaschenreife, nachdem er bis zur Abfüllung vor wenigen Jahren auf der Hefe lag.

Im Glas glänzt die Cuvée mit einem vollen goldgelb und silbernen Reflexen. Die Perlage ist sehr fein und die Schaumbildung gleichmäßig.

Bereits die Nase verheißt ein voluminöses Bukett. Ein feines Briochearoma bildet die Grundlage. Vor allem riecht der Champagner sehr frisch und fein. Momentan zeigt er sich im Bukett völlig offen und deutet etwas Apfel und Steinobst an.

Am Gaumen pure Lebendigkeit dank gut eingebundener Säure. Die Cuvée wirkt füllig, schwebt in totaler Harmonie und kommt extrem elegant daher. Es ist die Frische der Frucht, die von einer puren Eleganz begleitet wird. So finden sich hier viele Aromen die für Tiefgang sorgen. Neben dem frischen Steinobst gesellen sich noch etwas Pflaume und diverses Dörrobst dazu. Auch eine leichte Honignote schwebt mit.

Aktuell empfinde ich die Cuvée Nicolas François als auf dem Punkt. Die Frische wurde erhalten, geht aber dank der langen Standzeit auf der Feinhefe und einer mittleren Reifezeit in der dégorgierten Flasche mit Tiefgang, Finesse und Komplexität einher. Ein großer Champagner, den ich in seiner Opulenz auch als geeigneten Begleiter eines Menüs sehe!

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Im Gegensatz dazu stand der 1999 dégorgierte Vilmart „Grand Cellier“ Brut aus Premier Cru Lagen. Das Champagnerhaus Vilmart & Cie hat seinen Sitz im Süden von Reims. Es ist bekannt für den gekonnten Holzeinsatz im Champagner und reiht sich damit stilistisch in die Kategorie der Krug-Champagner ein. Diese Cuvée besteht aus 70% Chardonnay und 30% Pinot Noir. Der Fokus liegt hier mehr auf dem Chardonnay, dem der Holzeinsatz sehr gut tut. Bei der Cuvée aus dem Hause Billecart-Salmon sind die beiden Rebsorten zu gleichen Teilen enthalten. Beim Grand Cellier handelt es sich um keinen reinen Jahrgangschampagner. In der Regel sind drei aufeinanderfolgende Jahrgänge assembliert. Der Champagner reift zehn Monate in Eichenholzfässern. Man versucht in der Regel die malolaktische Gärung zu verhindern.

Der Champagner wurde 1999 dégorgiert und kam erst kürzlich auf den Markt. Er lag also gut 13 Jahre lang in den Kreidekellern des Hauses und reifte vor sich hin.

Beim Einschenken glänzt der Champagner vollmundig gelb. Keine orangenen Farbnoten finden sich hier, eher ein dunkleres, intensiveres goldgelb. Die Perlage ist noch deutlich vorhanden, trotz der Flaschenreife und fällt mittelfein aus. Auch hält die Perlage über den Abend an, wenngleich sie nicht derart prägnant im Vordergrund steht, was positiv zu vermerken ist.

In der Nase erschien mit der Champagner anfangs extrem verschlossen. Mit der Zeit entfalteten sich leichte Noten von Brioche, etwas Schwarzbrot und Apfelschale. Auch Lakritz kann man hier erahnen. Insgesamt wirkt die Nase jedoch noch frisch und fast schüchtern verhalten.

Am Gaumen schätze ich das dezente Mousseux. Keine groben und überbordenden Perlen verschleiern hier die Aromatik. Zuerst dominiert eine zitronige Note und die prägnante Säure. Vermutlich ein Überbleibsel und Grund für die Lange Zurückhaltung der Abfüllung vor Freigabe? Der Champagner fällt mittelschlank aus und hat eine eher frischere Art. Er ist überraschend frisch geblieben und besitzt am Gaumen keinerlei Tertiäraromen, wie man hätte vermuten können. Eher ist er leicht salzig-stahlig. Neben Zitrusfrucht und etwas Apfel findet man hier aber keine komplexere Aromenfülle. Der Champagner wirkt herb, fast leicht adstringierend und puristisch. Er ist sehr gut und klingt langsam aus. Vor allem im Kontext der enormen Flaschenreife konnte er sich über die Jahre beweisen, doch hat hier das Endergebnis auch gezeigt, dass eine Flaschenreife alleine nicht ausreicht, um Komplexität in den Wein zu bringen.

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~ von budisfoodblog - Februar 7, 2014.

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