Zu Gast im Scharzhof bei Egon Müller


budisfoodblog_scharzhof_egon_mueller_2013

Dienstag Mittag, 4. Juni 2013. Zusammen mit Sommeliers habe ich einen Termin im Scharzhof. Die Freude ist riesig und dementsprechend hoch sind die Erwartungen. Ursprünglich haben wir eine Tour durchs Rheingau geplant, doch dort steht in diesen Tagen das Wasser hoch und lässt die Winzer ob der Überflutungen verzweifeln. Keine Zeit für Verkostungen, es geht um Existenzen.

Ganz anders sieht es in Wiltingen an der Saar aus. Dort herrscht eine fast drückende Hitze und die Trockenheit soll zumindest in den nächsten Tagen anhalten. Natürlich sind wir viel zu früh da und so ergreifen wir vorab die Gelegenheit, den Scharzhofberg selbst zu bezwingen. Dieser ist direkt hinter dem Scharzhof gelegen und ziert seit Jahrzehnten das Etikett des weit über die Grenzen Deutschland hinaus bekannten und agierenden Weinguts.

Wir begeben uns zum Berg, wo wir bei voller Sonnenbestrahlung ein Team von etwas mehr als einem halben Dutzend in den Rebanlagen entdecken. Die Arbeiter harken dort von Hand die kargen Böden der Steillage. Sie stehen mittlerweile etwa auf der Hälfte des Berges und die Spuren im Boden lassen erahnen, wie schweißtreibend die letzten Stunden hier verbracht wurden. Wir laufen vorbei und fragen für welchen Winzer sie arbeiten und voller Stolz und Freude erklingt fast synchron ein „Egon Müller“. Es handelt sich fast ausschließlich um Frauen, kräftige und motivierte. Als wir den Berg komplett bestiegen haben sind wir nicht nur völlig außer Atem, sondern auch geplättet von der starken Sonneneinstrahlung. Um so mehr missfällt der Gedanke, hier wieder herabsteigen zu müssen. Und umso beeindruckender empfinden wir die pure Knochenarbeit, die das Team hier in dieser Lage vollzieht.

Zur Historie

Das Weingut existiert quasi mit dem Jahr 1797. Damals erwirbt Jean-Jacques Koch das kürzlich von der französischen Republik konfiszierte Kloster St. Marien ad Martyres. Dessen Tochter heiratete Felix Müller deren zweiter Sohn 1852 das Licht der Welt erblickte und mitunter den Ruf des Weinguts prägte.  Heute erinnert noch die Erwähnung auf dem Etikett an die im Jahre 1900 auf der „Exposition  Internationale Paris“ erhaltene Auszeichnung. Egon Müller III (1919-2001) übernahm den Scharzhof 1945 und ist bekannt für legendäre Versteigerungen der Weine auf der VDP-Versteigerung in Trier. Diese haben seitdem im Haus Tradition. Der Scharzhof gehört damit zu den wenigen Erzeugern, die auch noch heute einen wesentlichen Anteil der Weine über das Event absetzen. Seit 1991 verwaltet Egon Müller IV alleinig das Weingut, der im Jahre 1959 geboren wurde. Dieses Jahr steht auch für die erste im Scharzhof erzeugte Trockenbeerenauslese. Das Weingut ist heute international orientiert, was auch Egon Müller zu verdanken ist, der die Weine im Ausland beworben und präsentiert hat. Wichtige Märkte sind heute die USA aber auch zunehmend Japan und Fernost. Besonders stolz ist Müller, dass die Weine mittlerweile auch in Frankreich vertrieben werden. Dabei befindet man sich im edlen Status, ähnlich wie im Burgund oder Bordeaux auf einem Verkäufermarkt zu agieren. Die Weine werden überproportional nachgefragt, dementsprechend über Fachhändler vertrieben und es geschieht kein Ab-Hof-Verkauf.

Als wir den Scharzhof betreten empfängt uns Egon Müller schon vor der Türe. Es herrscht Stille, denn Egon Müller gehört nicht zur Sorte der extrovertierten Winzer. Er wirkt ruhig, fast schüchtern und innerlich freuen wir uns wie kleine Kinder vor der Bescherung. Die Weine stehen schon in der Eingangshalle des Herrenhauses verteilt. Auf dem Marmortisch breitet sich die komplette Kollektion aus. Es herrscht wieder diese Stille und während wir aufmerksam Wein für Wein verkosten ohne den profilaktisch aufgestellten Spucknapf zu benutzen, steht der Winzer im Hintergrund und lässt uns verkosten. Die Kollektion 2012 fällt zwar in der Sortimentsbreite gut aus, doch die Mengen sind gering. Wildfraß hat mitunter die Erträge drastisch gesenkt. Leider hat es den Scharzhof 2013 noch schlimmer getroffen. Neben Verrieselung waren die Rebanlagen wieder von Wildfraß betroffen. So sehr, dass man sich dazu entschied, allnächtlich eine Person in den betroffensten Parzellen patroullieren zu lassen. Lediglich 11hl/ha konnten gelesen werden. Damit geht 2013 hier als kleinster Jahrgang seit 1945 in die Geschichte ein. Die Goldkapsel Auslese wird lediglich versteigert, von der Monopollage Braune Kupp wird es keine Weine geben.

2012 wird als Spitzenjahrgang eingehen. 2012, 2011 und 2010 bilden ein Trio an fantastischen Rieslingen. Im Gegensatz zu 2010 zählen erstere nicht als Botrytis-Jahr. Die Kollektion 2012 strahlt durch die Bank ob ihrer Präzision, Klarheit und feinen Frucht. Der Eiswein zählt zu den interessantesten, die mir bekannt sind und die Auslese Goldkapsel stellt eindeutig die Spitze eines makellosen Sortiments dar. Doch festlegen wollte ich mich nicht. Denn alle Weine sind großartig in ihrer Kategorie und erst die Zeit wird zeigen, welch Größe in den langlebigen Rieslingen steckt, die quasi immer für die kommende Generation vinifiziert werden.

Wir plaudern etwas über die Vinifikation, den Jahrgang und die einzelnen Weine, doch Müller hält sich in der Beurteilung der einzelnen Weine stets zurück und lässt die Verkoster sprechen. Dann fragt er ob wir noch etwas altes probieren wollen und nie hätte es sich eindeutiger um eine rhetorische Frage handeln können. Im Verkostungszimmer des Scharzhofs befindet sich auch die Bibliothek des Hauses mit uralten Originalausgaben, dem aus Paris mitgebrachten Kamin und die mit Blumenmuster bezogene antike Stühle. Wir trinken aus tschechischen Gläsern die das bekannte Initialien-Signet eingraviert haben. Die Weine kommen direkt aus dem Keller uns sind unetikettiert. Jede Flasche wird ausgetrunken, bis eine neue an den Tisch gebracht wird und im Vordergrund steht das Erraten der Jahrgänge.  Alles ist derartig schlüßig und entspricht den Vorstellungen, dass es einen fast erschrickt.

Am meisten haben uns aber die Gespräche beeindruckt. Es war spannend über die beiden Unterschiede der Kellermeister Horst Frank, der bis 1999 den Scharzhof prägte und Stefan Fobian zu reden. Fobian hat für ein Weingut derartigen Renommees quasi als Newcomer begonnen. Geht anders an manche Umstände heran. Es klang so, als hätte Fobian freie Hand über den Keller und als würde Müller dessen Herangehensweise und andere Denke schätzen. Allgemein verharrt man hier weniger in Tradition als man vermuten könnte, agiert jedoch sehr überlegt. Zum Thema Korkverschluss äußert sich Müller klar. Er würde die Weine auch auf Schrauber umstellen, sofern es seine Kunden wünschen. Jedoch ausschließlich mit der Konsequenz die ganze Kollektion umzustellen. Auf die Aussage, dass die Weine sich so teilweise ja noch langsamer entwickeln würden, entgegnet Müller nur mit trockenem Humor: „Da bleibt nur eine Möglichkeit- man muss  eben einfach älter werden“. Mit gleichem verschmitzten Lächeln  antwortet er auch auf die Frage, welches Essen zu seinen Weinen passe mit einem kurzen „Ich koche nicht“, bevor er dann von gereiften Auslesen zur Ente à l’Orange aus seiner Jugend erzählt. Wir plaudern noch etwas über seine Projektarbeit mit Château Béla, der Familie die ihn dazu brachte und der Studienzeit mit Aufenthalten in Sauternes aber auch den Veränderungen im Scharzhof, die Flurbereinigung in der Wehlener Sonnenuhr und die Ruwer. Dazu trinken wir gereifte Weine und weil es nicht schöner hätte kommen können, bedanken wir uns trotzdem, auch wenn Müller sich freundlich mit einem „nichts zu danken“ verabschiedet.

Über die Lagen

Das Weingut Egon Müller verkörpert den Scharzhofberg wie kein anderes an der Saar. Das liegt auch daran, dass man konsequent nur zwei Lagen auf die Flasche bringt. Welch Stellung dabei der Scharzhofberg besitzt, verdeutlicht allein die Tatsache, dass sämtliche Weine der Braunen Kupp aus Wiltingen nicht nur mit einem anderen Etikett ausgestattet werden, sondern auch als „Erzeugerabfüllung Le Gallais“ vermarktet werden. Die Denkweise ist hier klar an französischen Vorbildern angelehnt. Der „Scharzhofberger“-Schriftzug ziert das Etikett wobei der Erzeuger nur klein benannt wird. Es ist die Lage, die im Vordergrund steht. Mit dem Jahrgang 2009 ist dies noch deutlicher geworden. Stand bisher stets „Mosel-Saar-Ruwer Riesling“ auf dem Etikett, hat man sich mit dem allgemeinen Beschluss, nur noch „Mosel“ als Anbaugebiet zu vermarkten nun auch die Angabe „Riesling“ ausgelassen. Damit ist ganz klar: Der Scharzhofberg ist Riesling par excellence, wie auch ein La Tâche für Pinot Noir steht.

Das 16 Hektar große Weingut teilt sich auf 8,5 Hektar im Scharzhofberg und 4 in der Monopollage Wiltinger Braune Kupp auf. Der Rest geht in den „Scharzhof“-Riesling.

Der Scharzhofberg hat eine klare Südausrichtung und  ist nicht direkt an der Saar gelegen. Der bis zu circa 300 Meter hohe Berg steht in einer der kältesten Gegenden. Größtenteils Devonschieferverwitterungsböden  machen die Lage aus. Der Boden bekommt Sonne am Tag und speichert diese über die kalte Nacht, was den Weinen eine ausnahmslose Eleganz und Klasse verleitet. Bei trockeneren Jahren spielt der Berg seinen Trumpf aus, da er Niederschläge bestens verteilt und die Reben lange mit Wasser versorgen kann, dank einer dicken Lehmschicht. Scharzhofberger Rieslinge zählen zu den subtilsten ihrer Art. Die Weine sind elegant, besitzen die typisch stahlige Saar-Säure und haben eine eigene, nuancierte und kühle Charkteristik.

Im Gegensatz dazu stehen die Weine aus der Braunen Kupp, die sich weiter nördlich vom Weingut befindet. Wie der Name es bereits vermuten lässt, prägen  bräunliche, eisenhaltige Schieferböden die Lage sowie etwas Ton. Die in Südsüdwest-Ausrichtung stehenden Parzellen erzeugen deutlich kräftigere Weine als im Scharzhofberg. In der Jugend nehme ich die Weine als körperreicher wahr. Oft dominiert üppiges Steinobst die Rieslinge. Die Zeit zeigt aber auch, dass  sich eben diese Weine ähnlich finessenreich und nuanciert entwickeln können. Die Lage hat Egon Müllers Vater 1954 erworben und seitdem im Keller des Scharzhofs ausgebaut.

Der Weinstil

Über die Herstellung der Weine gibt es quasi keine Gehemnisse. Wir stellten viele Fragen und natürlich versucht man immer wieder eine Art Geheimrezept zu herauszuhören, doch im Scharzhof geht man sehr offen mit dem Thema Vinifikation um. Dinge wie Traubenteilung, Abfüllung einzelner Parzellen auf spezielle Fässer und ähnliche Methoden habe man selbstverständlich ausprobiert, jedoch keine nennenswerten Unterschiede feststellen können. Das Geheminis liegt wohl schlicht und ergreifend in der aufwändigen Weinbergsarbeit, der Einzigartigkeit der Lage und einer gekonnten, schonenden Kellerarbeit. Aber auch die allgemeine Klimaveränderung ist zumindest für die Qualität im Scharzhofberg dienlich gewesen und so könne man quasi in den letzten Jahren kaum noch von schlechten Jahrgängen sprechen. Die Qualität lag vermutlich nie höher!

Allgemein ist die Herangehensweise im Scharzhof minimalistisch. Der berühmte und oft zitierte Spruch von Egon Müller III  (Die Qualität des Weines entsteht zu 100% im Weinberg. Im Keller ist es nicht möglich, auch nur auf 101% zu kommen. Aber es ist eine grosse Leistung, das ganze Potential der Trauben in die Flasche zu bringen) bleibt Kredo.

Des Weiteren sind die alten und teilweise noch wurzelechten Reben maßgebend für die Qualität der Weine. Müller wäre auch bereit für eine Flurbereinigung, denn die Bewirtschaftbarkeit aktuell ist wie wir selbst erfahren konnten zeit- und arbeitsaufwändig. Dagegen sprechen jedoch die wurzelechten Reben, die wie Kraut und Rüben im Weinberg verteilt stehen. Solange es der Qualität aber zuträglich sei und man finanziell unter diesen Bedingungen arbeiten könne, wird man auch weiterhin von Hand harken, bis zu sechs mal im Jahr pflügen und auf Herbizide wie auch Insektizide verzichten. Fungizide werden so gering wie möglich eingesetzt und auch hier spricht es wieder für das Weingut, wenn man trotz allem Aufwand offiziell konventionell arbeitet, da man sich aufgrund der klimatischen Bedingungen alle Möglichkeiten offen halten will. Die Qualitätsmaximierung hat man dabei immer fest im Blick.

Die Weine werden bis auf den Scharzhof-Riesling nicht chaptalisiert und mit Schwefel abgestoppt, sofern sie nich von selbst im Keller stoppen. Auf Schönung wird verzichtet. Die Rieslinge werden in Fudern ausgebaut und spontan vergoren, der Gutsriesling sieht nur Stahltanks. Besondere Fässer werden einzeln abgefüllt. Im März oder April werden dann die Weine durch Kieselgur filtriert  und  früh abgefüllt.  Bis dahin sind die Weine meistens aber schon langst an alle Händler verkauft.

Anbei meine Verkostungsnotizen vom Weingutsbesuch im Juni 2013:

Scharzhof Riesling 2012

  • weiße Blüten und eine saftige Frucht. Leicht, im Aroma fast blumig jedoch etwas dick.

Wiltinger Braune Kupp Kabinett 2012

  • etwas kräftiger, deutlich länger im Ausklang aber auch etwas opulenter in der Aromatik

Scharzhofberger Kabinett 2012

  • leichte Kohlensäure im Glas, in der Nase dezent floral, eher verschlossen. Am Gaumen sehr saftig und fruchtbetont. Ein glasklarer Kabinett voller Leichtigkeit und Spannung.

Scharzhofberger Kabinett Alte Reben 2012

  • blind verkostet und direkt im Vergleich ein Mehr an Druck und Vielschichtigkeit festgestellt. Der Alte-Reben-Kabinett besitzt einfach nochmals mehr Tiefgang. Für mich kann man aus einem Kabinett nicht mehr herausholen ohne ihn in seinem ursprünglichen Charakter zu verfälschen. Hat nicht umsonst trotz der enormen Menge einen Rekordpreis auf der Versteigerung erzielt.

Wiltinger Braune Kupp Spätlese 2012

  • noch mit etwas Kohlensäure im Glas, in der Nase sehr verschlossen, elegant und leicht, für eine Spätlese sehr trocken wirkend. Aktuell aber sehr verschlossen.

Scharzhofberger Spätlese 2012

  • aromatisch dicht, festes Gerüst, sehr straff ob der knackigen Säure transparent und leichtfüßig.

Scharzhofberger Auslese 2012

  • Starke Auslese, sehr lang, ausgewogen und enorm nachhallend.

Scharzhofberger Auslese Goldkapsel 2012

  • Was für ein Wein! Die „einfache“ Auslese nochmals deutlich an Komplexität und Druck überbietend ohne dabei Eleganz einzubüßen. In der Nase sehr offen, komplexer und noch dichter gepackt. Am Gaumen pure Spannung und Geschmacksvielfalt. Sehr klar, brillant. Man kann sich ein Grinsen kaum verkneifen. Auch in der Nachverkostung während der Trierer Versteigerung die selben Eindrücke hinterlassend.

Scharzhofberger Eiswein 2012

  • Glücklich kann sich schätzen, wer eine der Flaschen erwerben konnte. Trotz der für Eiswein relativ großen Menge hat sich der Wein verkauft, bevor die meisten ihn probieren konnten. Laut Müller waren diejenigen, die es getan haben aber zufrieden und wollten stets mehr. So ergeht es auch mir. Der Eiswein wurde quasi als Auslese gelesen. Deshalb zeigt er sich auch so gebirgsbachklar. In der Nase etwas an Grapefruit erinnernd und so skurril es klingt assoziiert man Fleischsaft mit dem Eiswein. Entwickelt sich im Mund unglaublich, kommt immer wieder mit der für Eiswein ordentlichen Säure. Dabei so klar und strahlend, niemals erschlagend, sondern immer leicht, wie man es von einer Auslese gewohnt ist. Ganz großer Wein!

Scharzhofberger Kabinett 1990

  • klar und frisch im Glas. In der Nase gereift mit leichten Botrytisnoten. Am Gaumen sensorisch trocken mit einer anziehenden Note die an Kakaobohnen erinnert. Sehr komplex und doch ruhig wirkend. Einer der besten gereiften Kabinette aus dem Scharzhofberg. Ein Bilderbuch-Kabinett. Laut Müller einer der Weine, die enorm Zeit brauchten ob der stahligen Säure in der Jugend.

Wiltinger Braune Kupp Auslese 1989

  • brillierende goldgelbe Farbe, fast urangrün reflektierend. In der Nase und am Gaumen ultrafein. Hat die üppige Steinobstfrucht der jungen Rieslinge aus der Wiltinger Kupp abgelegt. Noten von Fenchel und Anis unterlegt von einer leichten Rauchigkeit. Konnte den Wein im September 2013 aus einem Privatkeller nochmals probieren. Hier zeigte sich immer noch die Größe der Flasche, wenngleich der Wein auch etwas an Frische in der Farbe verloren hatte gegenüber selbiger vor Ort. Aber auch hier feine Anisnoten, etwas Minze und die Eleganz eines trocken erscheinenden Weines. Für mich fast auf Augenhöhe mit der 1989er Auslese vom Scharzhofberg.

budisfoodblog_egon_mueller_iv_wiltingen_scharzhof_2013

Kürzlich verkostete Scharzhof-Rieslinge:

Scharzhofberger Kabinett 2007

  • Schon in der Jugend auffallend exotisch und von reifer Frucht geprägt, zieht sich diese Aromatik auch mit fünf Jahren Reife weiter. Passionsfrucht mit zarten Blüten, am Gaumen treffen dann Süße und Säure in gleichen Anteilen aufeinander, wirkt aromatisch reif und exotisch mit reifer Melone, Pfirsichen, nicht jedoch sirupig und überreif. Klar, schlank und extrem lang klingt er auf der Zunge aus und hinterlässt den mineralischen Touch, der auch in der Nase bemerkbar ist. Völlig frisch, stets knackig und jung. Lässt sich mit seiner reifen Frucht und zugänglichen Nase ideal als Aperitif einsetzen. Noch deutlich von der Restsüße geprägt, jedoch durch die Säure wunderbar ausbalanciert und erfrischend, wirkt der Kabinett belebend. (verkostet im Mai 2013)

Scharzhofberger Kabinett 2003

  • hellblasser und klarer Gelbton, in der Nase fast unentwickelt frisch mit Noten von Birnen und knackigen Äpfeln. Am Gaumen noch leicht restsüß aber schon fast trocken erscheinend. Sehr harmonisch und vollständig wirkend, gut integrierte Säure. Sehr gut gereift und noch jugendlich. Besitzt eine tolle Länge und kommt verspielt daher. Man findet sowohl Blüten als auch Birne und Granny Smith Apfel. Der Kabinett wirkt hinten raus leicht adstringierend und im positiven Sinne herb. Mit Luftkontakt kommen Noten von reiferen Früchten in Form von Bratapfel und Aprikose zur Geltung. Gehörte für mich auf der 2003er-Nachverkostung während der Trierer Versteigerung zu den besten 2003ern. Im Dezember 2013 idealer Begleiter zu Rote-Bete-Salat mit karemellisierten Walnüssen, Ziegenfrischkäse und Orangen-Vinaigrette gewesen. (verkostet im September und Dezember 2013)

Scharzhofberger Spätlese 2003

  • Hier gab es aufgrund der Menge eine Vielzahl an Abfüllungen mit abweichenden Alkoholgraden. Die AP-Nr lautet hier 09-04.  Im Glas helles gelb mit silbrigen Reflexen. In der Nase reifere Äpfel. Am Gaumen noch deutlich süß. Ein wenig fehlt die Säure, wie 2003 zu erwarten war. Dafür besitzt die Spätlese eine immense Dichte an Aromen und enormen Abgang. Momentan noch total frisch. Für mich fast uninteressanter als der Kabinett aus gleichem Jahr. Die Zeit wird zeigen, wie sich die 2003er Spätlesen entwickeln. (verkostet im Juni 2013)

Scharzhofberger Kabinett 2001

  • Aus einer Flasche mit erstklassigem Füllstand. Der zweite Jahrgang des Kellermeisters Stefan Fobian. Im Glas überraschend hochfarben. Deutlich entwickelte Nase mit Noten von Butter, Karamell und Orangenzesten. Am Gaumen direkt aus der Flasche zuerst geradlinig und etwas drucklos erscheinend. Völlig trocken in der Wahrnehmung, leichtes Unterholz im Aroma, Orangenschale. Nach einer guten Stunde in der Karaffe hat sich der Wein aufgebaut, zeigt sich zwar gereift aber mit seiner geradlinigen Art und präzisen Säure finessenreich. Aus dieser Flasche am Zenit angekommen. (verkostet im Dezember 2013)

Scharzhofberger Auslese 1994

  • Besitzt ein intensives, bernsteinfarbenes Orange wie manch Beerenauslese aus dem Jahr. In der Nase feine Botrytis-Rauchigkeit und vielschichtige Würze. Am Gaumen schon deutlich entwickelt und für eine Scharhofberger Auslese ungewöhnlich kräftig-fett. Die Botrytis wurde hier gut eingepackt. Die Auslese hat bis auf die Viskosität fast Beerenauslese-Charakter mit getrockneten Aprikosen und einer irren Vielschichtigkeit. Keine typische Auslese aus dieser Lage aber für sich ein erstklassiger Wein.  (verkostet im September 2013)

Scharzhofberger Auslese 1989

  • Hellgelb und klar im Glas. Fantastische Nase, sehr frisch und knackig am Gaumen, daher vermutlich früh gelesen. Quasi als trockener Wein zu werten. Sehr klar, leicht und von feiner Aromatik. Eine mineralisch-puristische Auslese mit vielen Kräuter hinten raus. Wirkt sehr jugendlich, fast introvertiert und zeigt eine große Leistung für den Botrytis-Jahrgang. Eine großartige Auslese! (verkostet im Januar 2014)

Scharzhofberger Auslese Goldkapsel 2009 aus der Magnum

  • In der Farbe noch jugendlich zart hellgelb glänzend, bietet die ätherische Nase feine Kräuter und reife Pfirsiche. Am Gaumen strahlt eine packende Säure, starke Konzentration und ein Teppich an Aromen, der sich auf der Zunge ausbreitet aber wie ein fliegender Teppich am Gaumen entlanggleitet. Eine herrlich leichte Auslese von großer Länge, die es bei aller Konzentration schafft, fließend leicht, wie Wasser die Kehle runterzufließen. Tolle Cremigkeit. Bei einem solchen Wein wird man gerne poetisch! (verkostet im März 2013)

Wiltinger Braune Kupp Auslese 2012 (Versteigerung)

  • im Vergleich zur Versteigerungsauslese aus dem Scharzhofberg deutlich kräftiger und intensiver. Viel Steinobst am Gaumen und insgesamt robusterer Charakter. Auch etwas dicker bei klarer Frucht aber weniger Schieferwürze. Sicherlich ein Langstreckenläufer. (verkostet im September 2013)

budisfoodblog_scharzhof_gallais_mbudai

Egon Müller/ Scharzhof/ 54459 Wiltingen/ Saar/ www.scharzhof.de

~ von budisfoodblog - Februar 14, 2014.

2 Antworten to “Zu Gast im Scharzhof bei Egon Müller”

  1. Wirklich sehr umfangreicher und guter Blog-Post!

    Ein paar Fragen hätte ich aber noch gerne gestellt:
    – gären bei Müller alle Weine durch? Wahrscheinlich nicht wenn alle spontan vergoren sind?
    – Welche Fassgrößen werden verwendet?

    mfg G

    • Danke!

      Du meinst ob quasi mit Reinzuchthefen nachgeimpft wird?
      Soweit ich weiß, werden alle Weine komplett spontanvergoren. Ausnahme bildet nur der einfache Scharzhof-Gutsriesling.
      Bei den Kellerbedingungen kann ich mir gut vorstellen, dass ein Teil von selbst abstoppt, ansonsten wird mit Schwefel nachgeholfen. Verstehe aber die Frage nicht 100%ig – die Weine sind ja alle restsüß.

      Im Keller war ich leider nicht, kenne aber Fotos. Ich weiß nur, dass die Weine in Fudern landen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: