Pfalz: Knipser Cuvée X 2006


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Es ist Januar und draußen klirrend kalt. Zum Abendessen gibt es Steak. Anders als sonst, wo das Steak immer Vorwand für das Öffnen einer gereiften Flasche Bordeaux ist, steht heute tatsächlich das Essen im Mittelpunkt.

An diesem Tag habe ich irgendwie nicht so wirklich Gelüste, gereiften Bordeaux zu trinken. Also begebe ich mich in den Keller und siehe da, es findet sich ein Pfälzer Rotwein mittleren Alters.

Die Cuvée stammt vom Laumersheier Weingut Knipser. Die Knipsers sind für mich in Deutschland ein klares Rebsortenweingut. Es ist weniger die Lage, die hier im Vordergrund steht. Mehr bleiben mir deren Weine aufgrund der rebsortentypischen Weine im Gedächtnis und natürlich des Rebsortenportfolios wegen, mit Rebsorten die man vor einigen Jahren so noch nicht in Deutschland vermutet hätte. Stichpunkt Syrah oder eben jener Wein, der heute im Glas landen wird.

Es handelt sich um eine Flasche Cuvée X aus dem Jahrgang 2006. Diese Cuvée zählt zu den wenigen Flaschen aus Deutschland, die sich ganz klar Bordeaux auf die Fahne geschrieben haben. Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot finden sich hier in der Flasche. Damit hat man eine klassische Bordeaux-Cuvée vorliegen. Die Abfüllung reift erst immer im Weingut, die aktuellen Flaschen werden bei Beginn der Trinkreife ausgeliefert. Darüber steht noch die Cuvée XR, die sich nicht in jedem Jahr erzeugen lässt.

Ich habe vor gut zwei Jahren bereits die Cuvée X 2004 getrunken. Die war damals noch sehr jung, etwas verschlossen aber insgesamt doch stimmig und ein anspruchsvoller Wein zu angemessenem Preis. Aus kälteren Jahren wie 2008 hat mich der Wein stets ein wenig enttäuscht. Gerade dort findet sich doch eine für meinen Geschmack zu dominant grüne Note im Wein. So würde ich doch zumindest aus meiner Erfahrung behaupten, dass dem Wein die wärmeren Jahre ideal stehen, auch wenn er aus der Pfalz kommt.

Diese Flasche zeigte sich dicht und dunkel im Glas. Zum Rand hin erkennt man einen leicht lilafarbenen Kreis. In der Flasche blieb ein minimales Depot übrig.

Anfangs zeigt sich der Wein nicht wirklich in der Nase, wirkt noch verschlossen. Ich gebe ihn in eine Karaffe und lasse ihn dort zwei Stunden vor dem Essen verweilen. Dann rieche ich deutlich ausgeprägt Paprikapulver, etwas Piment d’Esplette, Pflaume und Lorbeeren. Dahinter schieben sich dann ein bisschen schwarze Oliven, wie man es bei manch Cornas hat, nur nicht so ausgeprägt. Dann ist da noch Schwarze Johannisbeere und etwas Cassis.

Die ersten Schlücke lassen es erahnen – der Wein ist noch relativ jung. Dabei wirken die Tannine etwas austrocknend. Ich nehme eine reife Frucht wahr, keinerlei grüne Noten wie beim 2008er in der Jugend. Insgesamt ein kräftiger Rotwein, konzentriert am Gaumen und viel Grip. Vor allem nehme ich Paprikapulver wahr, etwas Brombeere und die etwas gröbere Tanninstruktur. Ich denke, in 3-4 Jahren wird sich der Wein gefunden haben. Bleibt aber abzuwarten, wie das Tannin mitreift. In der Nase gefällt mir die Cuvée X aktuell deutlich besser als die Performance am Gaumen. Insgesamt aber ein empfehlenswerter Wein, ein würdiger Essensbegleiter und eine ernstzunehmende Bordeaux-Cuvée. Der Jahrgang 2006 schließt damit für mich nahtlos an die Qualität von 2004 an.

Die Cuvée X schwankt bei mir immer zwischen Bewunderung und Ratlosigkeit. Es ist kein Wein, den ich stets mit Begeisterung trinke und bei weitem keiner, den ich für langweilig halte. Aber so richtig hat der Wein bei mir noch nie „gesungen“, wie man es bei einem großen Wein erwarten würde. Es ist vielleicht die beste Deutschland-Bordeaux-Cuvée doch kein großer Bordeaux. Wie sich die Abfüllung in den nächsten Jahren entwickeln wird und wohin uns dieser als Experiment angefangene Wein tragen wird, kann nur die Zeit zeigen. Unter Beobachtung stehen die Weine jedenfalls bei mir. Man darf also gespannt sein!

getrunken im Januar 2014, aus dem Zwiebel 1872  Enoteca Syrahglas

~ von budisfoodblog - Februar 27, 2014.

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