Die Schokoladenmanufaktur Zotter im Test


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Es lebe die Vielfalt! Diesen Spruch hat sich der Österreicher Josef Zotter wohl als Leitbild genommen als er sich 1999 ganz dem Thema Schokolade widmete. Josef Zotter, gelernter Koch und Konditor, gründete die Schokoladenmanufaktur nach Insolvenzanmeldung seiner Konditorei-Filialen.

Seitdem hat man sich dem Erfolg verschrieben und mit der Zotter Schokoladenmanufaktur steht nun ein Bilderbuchunternehmen auf den Füßen. Dabei ist Zotter mit seinen vielfältigen Kreationen derart erfolgreich, dass man das Unternehmen in den Lehrplan der Harvard University aufgenommen hat.

Das Produktportfolio von Zotter scheint schier undendlich. Eine der Erfolgsstrategien des Unternehmens liegt vor allem darin, erfolgreiche Produkte wieder vom Markt zu nehmen und durch neue Erzeugnisse zu ersetzen. Das klingt in der Tat komisch, funktioniert hier aber. Immer wieder tauchen neue Kreationen auf, die auch saisonal abhängig sind. Der bean-to-bar Produzent fertigt alle Produkte zudem in bio- und Fair-Trade-Qualität. Das mag heutzutage nicht mehr atemberaubend erscheinen, doch steckt der Teufel hier im Detail, wenn man überlegt welchen Aufwand es erzeugt, jede Zutat für einen neuen Riegel (und die Zutaten sind durchaus ungewöhnlich) in dieser Qualität zu beschaffen.

Georg Bernardini hat Zotter in seinem Werk Der Schokoladentester gar mit der Höchstwertung ausgezeichnet. Damit steht der Produzent noch vor Produzenten wie Amedei, Domori, Corallo oder Valrhona. Auch sonst unterscheidet sich das Unternehmen deutlich von den eher konservativ und edel angehauchten Premiumherstellern der Schokoladenbranche. Die Produkte von Zotter sind bunt, laut, verrückt und exzentrisch. Sie sprechen Kinder wie Erwachsene an und verbinden Innovation mit dem höchsten Qualitätsanspruch. Ob Schokotiergarten mit Schoko-Melkmaschinen, Schokoladen mit Wein und Schweinsgrammeln gefüllt oder einfach puristische Single-Origin-Tafeln: Zotter schafft es auf innovative Weise das Thema Schokolade zu bespielen.

Um die Produktvielfalt kennenzulernen, habe ich mir vor einigen Monaten eine Auswahl verschiedener Zotter-Riegel zusammengestellt. Dabei bin ich nicht strategisch vorgegangen, sondern habe mir einfach die aktuellen Riegel bestellt. Über einige Wochen habe ich dann immer wieder einen Riegel verkostet und bewertet. Das war eine hochspannende Angelegenheit und – wie man sich vielleicht denken kann – auch keine unangenehme Aufgabe.

Im Folgenden möchte ich Euch also die einzelnen Riegel vorstellen. Die Bewertungen sind verständlicherweise subjektiv wobei ich versucht habe die Qualität der Schokolade sowie die Fertigungsqualität nach objektiven Kriterien zu bewerten. Bei solch kontroversen Schokoladenfüllungen entscheidet letztendlich aber immer der persönliche Geschmack. Deshalb kann ich nur dazu raten auch die ein oder andere minder bewertete Schokolade selbst zu verkosten. Im Vordergrund stand hier nämlich auch für mich vor allem der Spaß am Ausprobieren, der Vielfalt und der Abwechslung. Genau das macht die verrückten Kreationen aus.

Hauszwetschke – 7,5/10 Punkten

Eine Nobelbitterschokolade die mit Zwetschgenbrand-Crème gefüllt wurde. Typischer Duft nach Zwetschgenbrand. Dieser vermählt sich mit dem Duft der Bitterschokolade. Der Alkohol ist hier sehr gut integriert und dezent eingesetzt. Sehr ansprechende Schokolade, die meiner Meinung nach gar etwas intensiver nach Zwetschke schmecken könnte.

Wein-Duo – 5/10 Punkten

Dunkle Bergmilchschokolade, gefüllt mit Weiß- und Rotweincanache. Aufgeteilt in zwei Hälften, die aus Blaufränkisch und Grünem Veltliner bestehen, vermisse ich hier doch den „weinigen“ Geschmack. Die Süße liegt im Vordergrund, Wein schmecke ich hier keinen. Dafür beerenfruchtige Aromatik und Schärfe. Die Schokolade ist ganz ok aber wenig aufregend. Wäre sie anders deklariert worden, würde die Bewertung eventuell höher ausfallen. So habe ich mir einfach etwas anderes darunter vorgestellt.

Bergkäse-Walnüsse-Trauben – 7,5/10 Punkten

Extradunkle Milchschokolade, gefüllt mit Bergkäse, Walnüssen und Trauben. Die Schokolade duftet süßlich, man kann den Apfelbalsamessig wahrnehmen der hier verwendet wurde. Die Konsistenz ist marzipanähnlich. Dann schmeckt mann die Süße der  Trauben. Insgesamt fällt der Geschmack überhaupt nicht ungewöhnlich aus, wie man es erwarten würde. Blind würde ich hier keinen österreichischen Bergkäse erwarten. Einzig und allein die Konsistenz wird hierdurch verändert. Kam so etwas der Pferdefleischskandal zustande?

Monté Limar – 8,5/10 Punkten

Extradunkle Milchschokolade, gefüllt mit Nougat, Pistazien und Haselnüssen. Schön saubere Optik des Riegels. Im Duft sehr süßlich und voluminös. Der Nougat ist hier wunderbar fluffig-weich und bindet sich gut in die Schokoladenaromatik ein. Eine Schokolade die so gar nicht klebrig-schwer ausfällt, sondern sehr weich erscheint und trotzdem intensiv ist. Einer der gelungensten Riegel!

 

Arabische Dattel-Minze – 6/10 Punkten

Extradunkle Milchschokolade, gefüllt mit Datteln und Minze. Die Dattelwürfel wurden hier fein eingearbeitet. Mir strömt ein mentholiger Duft entgegen. Die Konsistenz ist hier fest bis schaumig. Die Minze überlagert ein wenig die Aromatik. Das verwendete Minzöl erscheint mir ein wenig zu dominant. Ein bisschen muss ich deshalb an Zahnpasta denken. Die Konsistenz unterstützt dies auch. Hiermit tue ich mich schwer.

Weiße Schokolade mit Krokant – 7,5/10 Punkten

Weiße Schokolade, gefüllt mit Walnusskrokant. Der Riegel ist nicht hellweiß sondern eher bräunlich-crèmefarben. Der Riegel riecht sehr süßlich-nussig und erinnert mich ein wenig an süßen Mandelcrèmeaufstrich. Die Schokolade fällt sehr süß aus, hat eine crèmig-fettige Konsistenz wobei der Krokant sehr fein ist und deshalb nicht so sehr ins Gewicht fällt. Eine gelungene Schokolade die aber sehr reichhaltig daherkommt.

Maroni in & out– 7/10 Punkten

Maroni-Milchschokolade, gefüllt mit Maronicrème. Helle Vollmilchkuvertüre die mit winzigen roten Pünktchen bestreut ist. Riecht deutlich nach Rum mit einer süßlichen Note. Schmilzt leicht dahin, besitzt aber eine deutliche Alkoholnote. Die Konsistenz ist weich und crèmig. Die Aromatik ist hier schön kräftig. Doch sorgen die Maroni hier eher für die Konsistenz. Im Vordergrund liegt der Alkohol. Anfangs gefällt mir der Riegel, doch zum Ende hin wirkt der Riegel zu dominant alkoholisch auf mich.

HoneyBunny – 7,5/10 Punkten

Weiße Schokolade, gefüllt mit Honig-Caramel-Crisps. Farblich wieder eher dunkel. Ich rieche vor allem Mandeln. Der Riegel schmeckt ein wenig wie Kamillentee mit Honig. Die Konsistenz ist hier crèmig. Auch diese Tafel ist ansteckend gut aber sehr süß.

GrammelNussn – 9/10 Punkten

Extradunkle Milchschokolade, gefüllt mit Haselnussnougat und Schweinsgrammeln. Allein die Idee ist göttlich. Es kostet vielleicht etwas Überwindung, doch lohnt sich diese mit dem ersten Biss. Der Duft ist verführerisch zimtig. Die Konsistenz des Riegels weich. Dazwischen befinden sich immer wieder knusprige Stückchen. Außerdem wirkt die Schokolade leicht ölig. Sehr reichhaltig im Geschmack. Das Salz arbeitet hier exzellent die Aromen heraus. Das ist eine der verrückten Sorten, die ich immer wieder probieren würde!

ButterKaramell – 8,5/10 Punkten

Dunkle Bergmilchschokolade, gefüllt mit Butterkaramellcrème. Glänzt schön und ist sauber verarbeitet. Die Tafel duftet nach Karamell und brauner Butter. Beim Aufschneiden fällt die sehr saubere Trennung der Schichten auf. Hat eine wunderbar crèmige Konsistenz und dicht gepackte Aromatik. Durch die Butter erscheint die Schokolade fast fettig. Eine sehr sättigende Schokoade die aber nicht klebrig daherkomt. So sieht die pure Sünde aus!

Labooko 50% Nicaragua Vollmilchschokolade – 9/10 Punkten

Entsprechen dunkle Farbe durch den hohen Kakaoanteil. Wunderschön erdig-süßlicher Duft beim Brechen. Im Geschmack sehr lang anhaltend. Schmeckt wie eine dunkle Schokolade nur ohne einen Spur Bitterkeit. Auch findet man hier keinen geringsten Ansatz von Schärfe durch das Milchpulver. Sehr betont schokoladig-kakaoig. Fühlt sich an wie die feste Form einer Trinkschokolade. Für mich zählt diese Vollmilch mit zu den besten, die es auf dem Markt gibt. Ich sehe hier lediglich die Variante von Pralus ein wenig weiter vorne.

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Labooko 70% Peru Criollo –  16 Stunden vs. 20 Stunden Conche

Wo liegt der Unterschied in der Conchierzeit bei Schokolade? Das kann man mit diesem kleinen Experiment selbst herausfinden. Die Criollo-Schokolade ist in jedem Fall ein purer Genuss, mit 16 wie 20 Stunden Conche. Die kürzer behandelte Variante fällt würzig und intensiv aus, die 20-Stunden-Version einfach ausgewogener und harmonischer. Interessanter empfinde ich aber die erste Variante.

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Labooko 100% Peru

Die Schokolade zeigt sich etwas fester und bröckeliger. Ich habe schon einige 100% Schokoladentafeln probiert. Meistens haben sie mir nicht so zugesagt. Diese Variante fällt gar nicht so anstrengend aus, zeigt sich fast schmeichlerisch samtig. Ansprechend herb, wenn ich auch etwas niedriger dosierte Schokoladen stets bevorzuge.

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Labooko Erdbeer  – 8/10 Punkten

Die Schokolade hat einen überraschend poppigen Rotton. Der Geruch ist süßlich-erdbeerig und auch der Geschmack von der Frucht geprägt. Die Schokolade hat einen guten Schmelz und fällt nicht kitschig aus da sie auch leicht säuerlich ist. Eine sehr ansprechende Kreation.

~ von budisfoodblog - März 13, 2014.

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