In Search of Pinot Noir: Oregon und Kalifornien


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Pinot Noir ist eines meiner Lieblingsthemen wenn es um Wein geht. Burgunder, Spätburgunder aus Deutschland und die kräftigen aber feinen Erzeugnisse aus der Schweiz sind mir dabei wohl bekannt. Doch was sich in der neuen Welt, insbesondere in den USA tut, war mir bislang immer nur punktuell bekannt.

Anders stehts da um einen guten Freund und Weinkollegen Christopher Strauss. Unter Wine-Zeit schreibt er regelmäßig über Weinregionen, die weniger im Rampenlicht stehen und nimmt sich dabei auch Weinexperimenten an, die nur für wissenschaftliche Zwecke interessant sind. Besonders der Pinot Noir hat es ihm hierbei angetan. Und ich glaube, es gibt nur wenige Weintrinker, die nahezu aus jedem Eck der Erde bereits Pinots verkostet haben.

Also war es an der Zeit, gezielt eine Oregon-Probe zu veranstalten. Die Weine wurden dabei vorab von Christopher ausgewählt. Er erzählt Euch auch ein wenig über die verschiedenen Regionen und Winzer. Verkostungsnotizen stammen wie immer von mir. Los geht die Zeitreise:

Der Nachwuchs -Artberry Maresh Dundee Hills Pinot Noir 2007 Dundee Hills AVA (Oregon)

2005! Nun endlich konnte Jim Maresh, gerade 21 Jahre alt geworden, die Weinlagen der Familien in den Dundee Hills ganz offiziell übernehmen. Schon davor half er bei Weinbergarbeit und Weinherstellung kräftig mit, doch mit der Gründung von Arterberry Maresh nahm der junge Jim den sich schon früh abzeichnenden logischen Schritt in die Selbstständigkeit. Damit repräsentiert er mittlerweile die dritte Generation von Mareshs, die sich dem Weinbau verschrieben haben. Jim’s Pinots heben sich durch ihre unkonventionelle Machart und ihre floral anmutende „Leichtigkeit“ von Weinen vieler seiner Nachbarn im Willamette Valley ab. Seine Weinberge bewirtschaftet Jim nach biodynamischen Vorgaben. Alle seinen Weine werden spontan für zwei bis vier Wochen in Holzfässern vergoren und mit kleinen Korbpressen abgepresst. Danach folgt eine bis zu 24 Monate andauernde Ausbauphase in in bis zu 10 % neuem französischem Barriques. Beim Dundee Hills Pinot Noir 2007 handelt es sich um den „Village Wein“ von Arterberry Maresh. Es ist ein Verschnitt jüngerer Pommard- und Wädenswilklon Parzellen aus den Einzellagen Maresh Vineyard, Holstein Vineyard und White Rose Vineyard. Gewachsen sind alle Trauben auf dem für die Dundee Hills und große Teile des ganzen Willamette Valley so wichtigen Jory-Böden. Dabei handelt es sich meist um ein mit Sedimenten und Basalt durchsetzten rötlichen Tonboden.

Der Pinot Noir hat ein pinottypisches, durchsichtiges Dunkelrot. Ein deutlicher Wasserrand ist erkennbar. In der Nase fällt der Rotwein ätherisch aus. Die Süßkirsche ist hierbei am ausgeprägtesten. Mit Luft kommt noch etwas Marzipan hinzu. Am Gaumen wirkt der Wein zunächst sehr frisch, fast floral. Mit Luftkontakt und steigender Temperatur wird er dann etwas derber. Auch die Frucht wirkt reifer. Neben Erdbeere und Waldbeere finde ich noch etwas Hagebutte und eine leicht an Waldfrucht-Sahne-Bonbons erinnernde laktisch-fruchtige Note. Insgesamt fällt der Wein sehr mild aus, wird keineswegs gekocht, sondern eher kühl und frisch. Blind würde ich den Wein als einen Mix aus Pinot Noir aus Graubünden und Franken einordnen.

 

 

Der Pionier – Eyrie Vineyards Dundee Hills Pinot Noir 2007 Dundee Hills AVA (Oregon)

1966! Durch die Gründung von „The Eyrie Vineyards“ wurde eine neue Ära im Willamette Valley eingeläutet. In besagem Jahr eröffneten der UC Davis Absolvent David Lett und seine Ehefrau Diana entgegen vielerlei professioneller Ratschläge von kalifornischen Experten das erste Weingut im Norden Oregons. Trotz großem Pioniergeist und Enthusiasmus dauerte es etwa zehn Jahre bis sich er erste Erfolg einstellte. Seit dem gehören seine Pinot Noirs und Chardonnays zu den bekanntesten und gesuchtesten Gewächsen in ganz Oregon. Nach David Lett’s plötzlich eingetretenem Tod im Jahr 2008 führt sein Sohn Jason das Weingut mit beständiger Handschrift weiter. Beim Dundee Hills Estate Pinot Noir 2007 handelt es sich um den Einstiegs Pinot Noir von The Eyrie Vineyards. Das Traubengut entstammt aus drei recht unterschiedlichen mit Basaltgestein stark durchzogenen Lagen in den Dundee Hills die in den frühen 1980er Jahren gepflanzt wurden. Vergoren wurden die zu zwei Dritteln entrappten ganzbeerigen Trauben mit wilden Hefen im Edelstahltank um anschließend weitere 11 Monate in gebrauchten französischen Barriques zu verbringen.

Der 2007er Pinot Noir besitzt ebenfalls einen Wasserrand, fällt aber etwas dichter aus als sein Flightpartner. In der Nase wirkt der Wein zunächst stark reduktiv, erhält dadurch eine rauchige Note. Mit viel Luftkontakt geht der Wein allmählich auf, öffnet seine fruchtige Seite. Am Gaumen wirkt der Wein zunächst rustikal. Speckige Noten, rote Früchte und eine angenehme Würzigkeit kennzeichnen den Wein. Dieser hat vermutlich ob der Rappen mehr Struktur. Schwarze Johannisbeere und Herzkirschen kommen mit Luftkontakt dazu. Der Wein ist sehr lang, hat sicher noch einige weitere Jahr vor sich. Für mich war das damit, nach dem eindrucksvollen gereiften Kalifornier aus 1992, der Wein des Abends!

Die Dynamische – Patricia Green Cellars Whistling Ridge Vineyard Pinot Noir 2007 Ribbon Ridge AVA (Oregon)

2000! In diesem Jahr gründete die äußerst tüchtige Patty Green mit ihrem Partner Jim Anderson in Ribbon Ridge im Yamhill County die Paticia Green Cellars. Je nach Jahrgang produzieren die beiden bis zu zwei Dutzend unterschiedliche Pinot Noir Abfüllungen aus Einzellagen und Verschnitten aus nahezu allen Sub-AVA’s des Willamette Valley. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Weinen sind Patty’s Weine immer etwas fleischiger und auf kräftige Fruchtaromen ausgelegt. So auch bei dem Einzellagen Pinot Noir Whistling Ridge 2007 aus dem Ribbon Ridge Vineyard. Der aus Pommard- und Wädenswilklonen bestehende ca. vier Hektar große Pinotanteil des Whistling Ridge Vineyard’s wurde 1990 von Paticia und Dick Alvord gepflanzt und noch heute gemanagt. Die Böden im Whistling Ridge Vineyard sind dominiert von schluffig-lehmigen Willakenzie Tonböden. Mit den Patricia Green Cellars gab es den letzten Pinot Noir aus Oregon.

Der Pinot Noir ist etwas trüb, ziegelrot im Glas, hat aber im Gegensatz zu den anderen Weinen keinen nennenswerten Wasserrand. Die Nase zeigt sich sehr offen. Der Pinot Noir fällt fast parfümiert in der Frucht aus. Pflaumige Noten und solche, die an deutlich kräftigere Rotweine erinnern, dominieren den Wein hier. Am Gaumen trinkt sich der Wein sehr charmant. Ingesamt ist der Wein sehr fruchtig und wirkt zwischen den anderen Weinen fast ein wenig verloren. Damit fällt der Pinot in etwa so aus, wie man sich an diesem Abend schlechten Pinot Noir aus der neuen Welt vorgestellt hätte. Unterm Strich enttäuscht der Wein dann.

 

 

Der Kalkbesessene – Calera Wine Company Mills Pinot Noir 1992  Mount Harlan AVA (Kalifornien)

1974! Josh Jensen, ein weiterer Absolvent der auf Landwirtschaft spezialisierten UC Davis, begann einiger Arbeitserfahrung im Burgund und Kalifornien in diesem besagten Jahr mit seiner unbeirrbaren Suche nach geeigneten Kalksteinlagen in Kalifornien. Weshalb? Ganz einfach! Er war und ist der unumstößlichen Meinung, dass herausragender Pinot Noir nur auf Kalksteinboden wachsen kann. Fündig wurde er am isolierten Mount Harlan im San Benito County. Dieser war bis dato für Weinbau entdeckt worden. Noch heute ist Calera das einzigste Weingut weit und breit. In der Nähe eines Jahrhunderte alten spanischen Kalkofens (Calera) begann er auf bis zu 670 m Höhe seine ersten aus dem Burgund importieren Pinot Noir Klone anzupflanzen. Zunächst in nur drei durch ihre Kleinklimata sich sehr unterscheidenden Parzellen. Mittlerweile verfügt er über sechs Einzellagen-Pinot auf insgesamt 36 Hektaren. Die wurzelechten Reben für den Mills Pinot Noir wurden im Jahr 1984 in einer eher heißen gen Süden gerichteten Lage am Mount Harlan angepflanzt. Dies führt dazu das der Mills zu seinen kräftigeren und üppigeren Lagen-Pinots zählt. Bei der Arbeit im Weinberg wie auch im Keller verfolgt Josh Jensen eine Herangehensweise die man als recht archaisch und zurückhaltend gegenüber modernen Techniken bezeichnen könnte. Kaltmazeration oder Entrappung kennen seine Pinots nicht. Alle seine Pinots werden mit eigenen Hefen ganzbeerig über mehrere Wochen vergoren. Sie zeichnen sich in ihrer Jugend meistens eher durch viel Tannin und ziemlich abweisende sowie kernige Aromen aus. Auf der Langstrecke können diese aber wunderbare komplexe und intensive Aromen entwickeln. Ausgebaut werden Josh’s Pinots eineinhalb Jahre lang in bis zu 30 % französischem neuem Holz.

Der Mount Harlan Pinot Noir besitzt ein gereiftes Ziegelrot im Glas das zum Rand hin verblasst. Ein wenig orangene Reflexe kann man bereits entnehmen. In der Nase riecht der Wein deutlich gereift. Etwas Cola, Rote Bete und Tabak fallen mir zunächst auf. Mit der Luft wird der Wein noch facettenreicher. Getrocknete Tomaten erweitern das Bukett. Eine für das Alter minimal acetige Note schwingt hier mit. Das aber im allerpositivsten Sinne, denn die Nase scheint komplex, gut gereift und wie aus einem Guss. Am Gaumen kommt der Tabak noch mehr zur Geltung. Das Tannin ist bereits mürbe aber eher seidig. Tabak und Pflaumenmarmelade wechseln sich hier ab. Lediglich in der Länge fehlt es dem Wein. Er war sicherlich vor gut fünf Jahren auf seinem Höhepunkt, trinkt sich aber immer noch sehr herrlich auch wenn er die frische Aromatik langsam vermissen lässt. Damit ist das aber ein eindrucksvolles Zeugnis für die Reifewürdigkeit kalifornischer Pinot Noirs und ein Wein, der sich an dem Abend sehr entspannt trinkt. Gealtert aber in Würde!

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Was bleibt nach dem Abend?

Die verkosteten Pinot Noirs haben großteils überzeugt. Hin und wieder hatte ich bereits Pinot Noir aus Oregon und Kalifornien auf Verkostungen im Glas. Dabei oft neben Spätburgundern aus Deutschland und Pinot Noir aus dem Burgund oder der Schweiz. Schön fand ich an diesem Verkostungsabend, dass nicht krampfhaft mit Burgundern verglichen wurde. Es hat sich herausgestellt, dass die Pinots aus Oregon und Kalifornien durchaus Finesse, Kraft und eine frische Frucht vereinen können. Und es hat sich gezeigt, dass die Weine auch reifen können. Dabei sind sie unterm Strich aber irgendwie anders als die französischen Kollegen. Das meine ich aber im positiven Sinn. Denn sie sind alle wiedererkennbar.

Bedenkt man, dass mitunter durch die Prohibition, in den Staaten grob gesagt erst wieder seit zwei Generationen ernsthaft Weinbau betrieben wird, lässt sich eigentlich nur mit Freude auf die kommenden Generationen blicken. Sicherlich waren die Weine gut ausgewählt und leider gibt es auch ganz andere Beispiele, die alle Klischees fetter, holzgeprägter Weine erfüllen. Zu behaupten, dass Pinot Noir und die Neue Welt sich aber grundsätzlich nicht vereinen können, wäre völlig falsch.

~ von budisfoodblog - Mai 12, 2014.

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