Bordeaux: Zu Gast auf Château Lafite in Pauillac


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Als Charles Chevalier, Direktor der Domaines Barons de Rothschild, uns auf der Terrasse des Anwesens empfängt, kommt sowohl eine entspannte, als auch fröhliche Stimmung auf. Chevalier  zeichnet verantwortlich für vier Châteaux des Imperiums: Lafite und Duhart-Milon in Pauillac, Rieussec in Sauternes und L’Evangile in Pomerol.

Der gebürtige Franzose im hellrosanen Karohemd, besitzt Humor und ist überraschend unprätentiös. Nie versucht er mit leeren Marketingphrasen vom Weinbau zu sprechen, sondern agiert überraschend offen, wenn es um Detailfragen geht. Charles Chevalier hat keine wirklichen Gehemnisse.

Schaut man sich das Château genauer an, wird man auch keinerlei unbekannten Gerätschaften oder ausgefallene Methoden feststellen. Im Gegenteil. Die Vinifikation auf Lafite ist minimalistisch und der Keller entsprechend leer. Die Hauptarbeit geschieht in den 112 Hektar Weinanlagen. Auf Lafite besitzen die Reben im Schnitt ein Alter von 41 Jahren. Wobei für den Erstwein keine Trauben von Rebanlagen verwendet werden, die jünger als 10 Jahre sind. Alljährlich werden 1-2% erneuert. Während der 8 bis 9 Tage der Lese sind mehrere hunderte Lesehelfer vor Ort. Die Lese geschieht äußerst schnell, die Helfer werden aufgefordert, sämtliches Material zu lesen. Erst am Sortiertisch werden die Vollzeitmitarbeiter eingesetzt, die mit ihrem Know-How das erwünschte Material selektionieren.

Chevalier erzählt auch, dass wie für ein Spitzenchâteau diesen Kalibers und mit entsprechender finanzieller Unabhängigkeit üblich, auch eine optische Selektierung eingesetzt werden kann. Komplett überzeugt von der Technik zeigt er sich jedoch noch nicht. So war der Versuch im schwierigen Jahr 2013 wenig erfolgreich, wie er berichtet. Damit eignet sich für ihn dieses Tool eher für „sorgenfreie“ Jahre.

Chevalier zeigt zwar großen Respekt vor der Tradition. Doch Lafite, wie auch die anderen Projekte der Domaines Barons de Rothschild, verfolgen einen sehr technischen Ansatz. Eric Kohler, der Direktor der Domaine d’Aussières, erzählt, Rothschild-Lafite würde nichts machen, bei dem man sich nicht sicher sei, wie es funktioniert und es begreifen würde. Somit ist man auch technischen Neuerungen durchaus aufgeschlossen, sofern sie vollständig erforscht und vorteilhaft sind.

Beim Spaziergang durch die imposanten Kelleranlagen, bleiben wir auch vor den großen Bottichen aus Eichenholz stehen. Hier mazerieren die Moste zwischen 18 und 25 Tagen. Es folgt ein Keller mit Zementtank, der für die Merlots reserviert ist und eine Keller mit Stahltanks, für die malolaktische Gärung. Die Barriques stammen aus der eigenen Küferei. Weniger wichtig als die Herkunft des Holzes, ist für Chevalier der Prozess des Toastings. Für den Erstwein werden ausschließlich neue Fässer verwendet, die mittel getoastet sind. Die Besonderheit liegt hier in der verhältnismäßg kühleren und längeren Röstung der Fässer. Für den Carruades de Lafite, dem Zweitwein des Hauses, wird auch ein Anteil gebrauchter Barriques verwendet.

Besonders beeindruckend ist der Gang durch die Barriquekeller, die tausende Barriques hintereinandergereiht vorfinden lassen. Im vom Architekten Ricardo Bofill kreierten Gewölbekeller, sind die Fässer kreisrund ausgerichtet. In der Mitte befinden sich 16 Säulen, die die immens hohe Halle tragen und auf rund 2200 Fässer blicken lassen. Die Kellerräume wirken riesig und beim Gang durch das mit Kerzen beleuchtete Flaschenlager, kann man etwas vom Geist und der Geschichte des Hauses mittragen, die Lafite so geprägt hat.

Das 1855 zum Premier Cru Classé erhobene Château gehört von außen nicht unbedingt zu den imposantesten im Bordelais. Es sind die Innenräumlichkeiten und der riesige Barriquekeller, der imponiert.

Der heiß diskutierte Jahrgang 2013 ist auch in Pauillac schwierig ausgefallen. Es war kein einfaches Jahr für Lafite. Das Jahr startete mit einem sehr nassen und kalten Winter, der die Blüte etwa um drei Wochen nach hinten raus verschob. Die potentiellen Erträge wurden bereits im Vorfeld durch Verrieselung und ungleichmäßige Trauben bedingt. Ende des Junimonats gab es einen harten Kontrast und es wurde rasch warm. Mitte des Septembermonats war es sowohl regnerisch als auch warm, die Trauben waren jedoch noch nicht voll ausgereift. Zum Ende des Monats gab es vor allem Probleme ob der Botrytis und die Lese musste schnell beginnen, um den Pilzbefall einzudämmen. Ich hatte nicht die Möglichkeit, Bordeaux in seiner ganzen Bandbreite auf der Primeurverkostung genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch wie man den Winzern vor Ort und vielen Kommentaren entnehmen kann, spricht man relativ offen über den herausfordernden und im Schnitt doch kleineren Jahrgang.

Während die kleineren Weine für mich teilweise etwas hart erschienen, war ich überrascht von der Eleganz der beiden Lafiteweine, die sehr dicht und ausgewogen daherkommen und keine grünlichen Noten erkennen ließen. Entspannter sieht die Situation im Sauternes aus. Auf Rieussec hat man in 2013 einen herrlich klaren und erfrischenden Süßwein abgefüllt, wie ich finde. Der Wein ist sehr verspielt und präzise am Gaumen. Es gab übrigens einige nette Anekdoten von Charles Chevalier bezüglich der Speisenkombinationen mit Sauternes. Für ihn, eignet sich der edelsüße Vertreter zu nahezu allen Speisen. Außerdem trinkt er ihn gerne in jedem Stadium, jung wie alt.

Verkostungsnotizen:

2013 Blason de L’Evangile

  • 92% Merlot/ 8% Cabernet Franc: Dunkelviolett mit leichtem Wasserrand, in der Nase viel Brombeere, etwas Kirsche und ein Anflug Kakao, sehr sämiges Tannin, minimaler Überhang im Alkohol.

2013 Château L’Evangile

  • 87% Merlot/ 13% Cabernet Franc: Dichtes dunkelviolett, ebenfalls leichter Wasserrand, etwas präsenteres Tannin, insgesamt strenger in der Art, komplexer. Aktuell noch sehr harsch. Klare Steigerung in der Komplexität.

2013 Moulin de Duhart

  • 67% Merlot/ 33% Cabernet Sauvignon: Eingelegte Paprika, fleischiger Geruch, am Gaumen anfangs samtig, dann zupackendes Tannin, mittellanger Ausklang. Noch sehr hart.

2013 Château Duhart-Milon

  • 80% Cabernet Sauvignon/ 20% Merlot: In der Nase gerade komplett verschlossen, ein wenig Paprikapulver, am Gaumen schön mollig, trotzdem elegant. Ein echter Charmeur. Gut im Kontext zum Preis!

2013 Carruades de Lafite

  • 64% Cabernet Sauvignon/ 29% Merlot/ 4% Cabernet Franc/ 3% Petit Verdot: Ebenfalls verschlossen aktuell, etwas Zedernholz und dunkle Beeren, am Gaumen viel weicher und fülliger als alle bisherigen Weine, frische rotbeerige Frucht, gute Länge. Keine grüne Aromatik. Sehr zugänglich.

2013 Château Lafite

  • 98% Cabernet Sauvignon/ 2% Merlot: Dunkelviolett, violetter Rand mit minimalem Wasserrand, in der Nase zugenagelt, verwobene Frucht in Form von Sauerkirschen und Johannisbeere, mit etwas Luft kommt allenfalls noch zart das Holz durch, am Gaumen keinerlei grüne Aromatik, samtiges Tannin, enorme Dichte, große Eleganz. Im Vergleich zum Carruade aus 2013 etwas strenger, vermutlich durch den geringen Merlotanteil. Gelungene Abfüllung des Jahrgangs!

2013 Carmes de Rieussec

  • 83% Semillon/ 9% Muscadelle/ 8% Sauvignon: Vollgold und klar, reduktives Bukett, fruchtig-klar, wenig UHU, am Gaumen mittelsüß, mittlere Viskosität. Easy Drinking und frühe Zugänglichkeit!

2013 Château Rieussec

  • 95,5% Semillon/ 4,5% Sauvignon: In der Nase verschlossen, etwas herberes Bukett, weniger vordergründige Frucht, am Gaumen sehr klar, präzise und nur leicht dick, ausgesprochen gute Länge. Gebirgsbachklarer und floraler Sauternes!

In den nächsten Wochen geht es thematisch weiter ins Languedoc. Hier habe ich mir auf Einladung der Domaines Barons de Rothschild einen Überblick zum aktuellen Stand der Domaines d’Aussières verschaffen können. Diese wird seit 1999 quasi mit dem Anspruch wiederaufgebaut, sich als einen der führenden Betriebe der Region Languedoc-Roussillon zu etablieren.

~ von budisfoodblog - Juli 1, 2014.

2 Antworten to “Bordeaux: Zu Gast auf Château Lafite in Pauillac”

  1. „Als Charles Chevalier, Direktor der Domaines Barons de Rothschild, uns auf der Terrasse des Anwesens empfängt, kommt sowohl eine entspannte, als auch fröhliche Stimmung auf.“

    Was ist das denn für ein Dünnpfiff. Lern mal schreiben, das ist doch kein Klassenfahrtsbericht. Mann, mann, mann. Wie konnten die bei Kork jemals einen Artikel von Dir veröffentlichen? Oder hast Du gar nicht selbst geschrieben?

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