Arretxea – Hegoxuri (Irouléguy) 2009


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Auf der Suche nach authentischem Wein oder so ähnlich könnte der Titel zu dieser Flasche lauten.

Als ich die Flasche vor fast über drei Jahren in den Keller gelegt habe, hatte ich noch keinen einzigen Wein aus dem Baskenland getrunken und damit auch keine Flasche von der Domaine Arretxea. Ich habe einfach blind den Beschreibungen zweier Weinhändler vertraut, die diesen Wein in Deutschland -nach meinem Wissensstand- vertreiben. Das war die Weinhalle von Martin Kössler und die in Berlin ansässige Weinfachhandlung von Sebastien Visentin.

Ich habe damals davon gelesen, dass diese Weißweincuvée langlebig ist und nach gut fünf Jahren noch mehr Freude bereitet, man sie also getrost weglegen kann und dann zu schwarzen Trüffeln trinken kann. Die fünf Jahre Geduld hatte ich, den Trüffeln musste etwas Weißbrot weichen. Das hat dem Wein keinen Abbruch getan, er war auch im Alleingang bemerkenswert!

Das Ehepaar Thérése und Michel Riouspeyrous fertigt Wein in Irouléguy. Man wirtschaftet biodynamisch, was in der feucht-warmen Region nicht ganz leicht ist. 8 Hektar befinden sich im Besitz der beiden. Es gibt Rotwein und Weißwein. Die tannatlastigen Rotweine fallen eher etwas rustikal und maskulin aus. Man braucht viel Geduld, denn es dauert bis sich ihr straffes Tannin einbindet. Die Weißweine machen auch jung schon viel Freude, wie ich Anfang des Jahres bei einer Verkostung feststellen konnte (Link). Dort habe ich auch Michel Riouspeyrous kennengelernt, der ob seiner buschigen Augenbrauen unverkennbare Winzer, der ganz schüchtern agiert aber hocherfreut ist, wenn man sich für dessen Weine interessiert. Das Baskenland, an der südwestlichen Grenze Frankreichs und in Spanien gelegen, ist ja nicht die bekannteste Adresse und in Deutschland wohl weintechnisch eine tote Zone. Ich kann mich noch erinnern, wie er regelrecht aufgeblüht ist, nachdem ich den Namen des hier besprochenen Weins richtig ausgesprochen habe.

Die Cuvée Hegoxuri besteht aus 60% Gros Manseng, 35 % Petit Manseng und 5 % Petit Courbu, alles regionale autochthone Rebsorten. Die Maische wird spontan vergoren, anschließend verbringt der Wein gut neun Monate auf der Vollhefe im Demi-Muid (600l).

Ich habe den Hegoxuri gut eine halbe Stunde vorab dekantiert. Er leuchtet hellgold und obwohl er nicht filtriert wurde fällt er in der Karaffe klar aus. Die Nase war anfangs etwas verschlossen, hat Feuersteinnoten offenbart. Mit etwas Temperatur kommt noch Honig dazu, ein wenig Mango und etwas kräutrige aber dezente Würze. Am Gaumen finde ich kandierte Orange und Zitrone, ein klein wenig an Petrol erinnernde Noten, etwas Apfelmost und vor allem Kamille. Der Wein ist eher gelbfruchtig, nicht aber opulent sättigend und trotzdem sehr kraftvoll. Eine feine Säure gibt ihm die Verspieltheit. Der Abgang ist lang und der Wein besitzt eine enorme Intensität, die aber nicht durch eine hitzige Aromatik erzeugt wird, wie man es vielleicht vermuten würde. Durch den Wein zieht sich eine feine Mineralik, die den Wein von einer platten eindimensionalen fruchtigen Reife wegbringt.

Für mich war das höchst individueller Stoff und ein Wein dessen Aromatik ich so andernorts noch nicht gefunden habe, die sich wohl auch nicht reproduzieren lässt. Ein individueller Wein, ein Erzeugnis mit Charakter das es hierzulande nicht geben würde, wenn da nicht Händler wären, die sich für solche Individualisten einsetzen. Danke dafür!

~ von budisfoodblog - Juli 29, 2014.

2 Antworten to “Arretxea – Hegoxuri (Irouléguy) 2009”

  1. kleine ergänzung: hegoxuri heißt auf baskisch „weisser wein“, was die beiden importeure (k&u, pdp) vor ca. 12 jahren wohl nicht wussten und den wein unisono als „hexoguri“ anpriesen😉 . (der eine schrieb damals gerne vom anderen ab, so auch diesen buchstabendreher.)

  2. […] Irouléguy on Stage 17 of our Tour de France blog posts and lo and behold, today we ran across tasting notes for Arretxea Hegoxuri 2009 by Markus Budai. We read it in German, but if you can’t, try Google […]

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