Modern Greek Cuisine – Malathounis (Joannis M.), Kernen


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Im schwäbischen Remstal, unweit von Stuttgart entfernt und mit Blick auf die in den Hang gebaute Yburg, kocht Joannis Malathounis. Gemeinsam mit seiner Frau, die den Service übernimmt, betreibt das Ehepaar seit zwei Jahrzehnten das Restaurant Malathounis. Die Küche des griechischstämmigen und in Deutschland geborenen lockt besonders. Joannis selbst bezeichnet die Stilistik als „Modern Greek Cuisine“, was freilich ein selbstgewählter Begriff ist, der viel Spielraum lässt. Vor allem aber will und soll er sich von dem differenzieren, was hierzulande meist unter griechischer Küche verstanden wird. Joannis bedient sich in großen Teilen typisch mediterraner Zutaten, fügt diese mit einzelnen Komponenten, die man aus der griechischen Küche kennt zusammen und schafft dabei Gerichte von hohem Anspruch.

Bei der Vorspeise, dem Ouzo-Saibling mit Gurken-Erbsenfond und Kalamata-Oliven, findet man beispielsweise kandierte Tomaten, etwas Saiblingsrogen und ein in der Mitte des Tellers angerichtetes Limetten-Selleriesorbet vor. Die Vorspeise spielt mit der Knackigkeit der rohbelassenen Produkte, wie den fleischigen, zu kleinen Röllchen gedrehten Gurken. Die feine Säure und punktuierte Bitternoten durch einige Kräuter, strukturieren die sommerliche und kühl servierte Vorspeise. Ein opulenter Klassiker, das Seehechtfilet mit Skordaliá, einer Art Knoblauchcrème mit Kartoffeln, wird spielerisch leicht, dank der Zitronensäure. Die Artischocken und der Retsinaschaum rücken das Gericht in eine oxidative Richtung, die dann zum Beispiel mit einem gereiften Wein, wie dem 1995er Vouvray Demi-Sec der Kultdomaine Huet ideal harmoniert.

Da wären wir auch schon bei einem weiteren Pluspunkt des Hauses angelangt, der Weinkarte. Diese ist nicht nur fair bepreist, sondern lässt Weinliebhaber lediglich ob der großen Auswahl an gereiften Weinen ins Schwitzen kommen. Neben Raritäten wie einer 76er Auslese von Christoffel Jr., gereiften Weinen der Domaine Huet oder selten anzutreffenden Weinen, wie der Rotweincuvée „Haitza“ der Domaine Arretxea aus dem Baskenland, wird auch der regional verliebte Weintrinker mit einem breiten Sortiment an Württembergern glücklich. Selbstverständlich ist die Weinkarte auch mit Wein aus Griechenland reichlich bestückt.

Beim  Spanferkel mit Pfifferlingen im Beerenfond wird als apart gratinierte Kichererbsencreme gereicht, welche die erdige Komponente der Pfifferlinge weiter herausarbeitet. Lediglich etwas mehr Salz könnte man sich hier wünschen, da die Creme sehr mild ausfällt. Das sowohl als Ragout, als auch àpart  kalt servierte Spanferkel überzeugt ob der einwandfreien Qualität und perfekter Garstufen.  Zum Abschluss gibt es Mokkacreme mit Kirschen und Rote Bete in Rosenwasser, einem  Mandelbaiser und Vanillerahmeis. Das Dessert spielt mit der Leichtigkeit, die durch die Anrichte und prickelnde Perlchen erreicht wird. Schade, dass die Petit fours daran nicht anschließen können, da sie allesamt zu trocken ausfallen.

Bei einem Preis von 54€ für das Menü, einer ebenso fair kalkulierten Weinkarte und der Tatsache, dass lediglich das Ehepaar ohne weitere Unterstützung das komplette Restaurant bedient, fällt die auch nicht weiter ins Gewicht. Ein wenig könnte man es erahnen, da die Wartezeiten je nach Auslastung ein wenig länger ausfallen können. Das betrübt aber nicht wirklich beim richtigen Wein im Glas. Zudem hat man die Gewissheit, dass jeder Teller den hohen Ansprüchen des Küchenchefs standhalten muss.

Das Ambiente ist sehr einfach gehalten, wie man es von einer typischen Wirtsstube erwarten würde. Das Holz ist dunkel, die Decke etwas bedrückend. Ein Lichtblick der Moderne sind die über den Raum verteilten Kartell-Designer-Leuchten. Damit bekommt die anspruchsvolle Küche nicht die Bühne, die sie verdient. Wenn das Ambiente aber dem ein oder anderen Gast im Remstal die Hürde nimmt hier einzutreten, bin ich um jeden Neuzugang froh. Für Stammgäste spielt die Musik ohnehin auf dem Teller.

Kurzum: Ausgezeichnete Qualität auf dem Teller mit Abstrichen im Ambiente und Service. Dafür sehr faire Preise, beim Essen sowie der Weinkarte. Mit dieser Preis-Leistungs-Mentalität setzt das Restaurant Malathounis im Schwabenländle dann wiederum absolut richtig an und liefert eine authentisch griechische Autorenküche, die man so hierzulande nirgendwo antrifft.

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Malathounis.de /Gartenstraße 5/ 71394 Kernen im Remstal

~ von budisfoodblog - August 8, 2014.

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