Languedoc: Zu Gast bei der Domaine d’Aussières


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Wie fühlt es sich an, ein ehemaliges und brachliegendes Weingut wiederzubeleben und zu einem völlig anderen Anspruch zu verhelfen?

Im Languedoc konnte ich das im Rahmen meiner Einladung der Domaines Barons de Rothschild (Lafite) selbst erfahren. Nach dem Aufenthalt in Pauillac auf Château Lafite, ging es weiter ins Languedoc, nach Narbonne. Unweit von der Stadt entfernt, in der Appellation Corbières, befinden sich 175 Hektar neu angelegte Reben. Sie gehören zur Domaine d’Aussières.

1995 hat man die Domaine d’Aussières völlig verlassen vorgefunden. Seit den 50er Jahren ging es mit dem Weingut bergab, die Winzer zogen fort und der Weinbau wurde vernachlässigt. Im Jahr 1999 beschließen die Domaines Barons de Rothschild (Lafite) die Grundstücke zu übernehmen. Man erkennt großes Potenzial in den Rebflächen und dem Ort an sich. Große Investitionen starten. Mit der Neubepfplanzung stehen 11 Rebsorten im Portfolio. Vorwiegend Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan aber auch Cabernet, Merlot und Chardonnay werden aufgenommen. Die ältesten Reben sind erst 15 Jahre alt, Flaschen vom Vorbesitzer fand man nicht vor. Es gibt also keine Referenz. Dafür erwarb man die Möglichkeit, eine völlig neue Domaine aus dem Nichts aufzubauen, an einem Ort der wie geschaffen scheint, um ein Spitzenweingut zu lancieren.

Das Projekt wird ernst genommen. Eric Kohler ist der technische Direktor für die Domaine. Ihm steht Aymeric Izard zur Verfügung, der für den Weinausbau maßgeblich verantwortlich zeichnet.

Eric erzählt von der Vision hier ein Weingut zu etablieren das fürs Languedoc stehen soll und jedem Weintrinker zuerst ins Gedächtnis gerufen wird, wenn der Begriff Languedoc fällt. Wenn Eric von der Domaine redet, merkt man sofort, dass es sein Baby ist. Er hat eine glasklare Vision und bei der Fahrt durch die Rebanlagen, erinnert er sich an die Bepflanzung jeder einzelnen Parzelle. Wir durchqueren das Massif de Fontfroide und an diesem Junimittag hört man überall zirpende Zikaden und Bienen summen. Es ist extrem warm und trocken und mit jedem Windstoß riecht man Rosmarin, der hier wächst. Mitte der 80er Jahre gab es hier einen großen Brand und auch heute noch ist es untersagt, an den wärmsten Tagen des Jahres das Massiv mit dem Auto zu durchqueren. Zu hoch ist die Gefahr einen Großbrand zu verursachen. Trotzdem zählt die Gegend fürs Languedoc zu den kühleren Regionen.

Es gibt erst rund zehn Jahrgänge an Erfahrung und der Aufbau gestaltet sich verständlicherweise auch trotz großer Investitionen schwierig. Nur ein weltweit agierender Konzern kann sich den Aufbau einer solchen Domaine in diesem Umfang leisten. Es bedarf eines langen Atems und klarem Konzepts. Natürlich wird auch darüber gesprochen, ob die Domaine d’Aussières als Spitzenweingut wie etwa Lafite positioniert werden soll. Darauf gibt es keine klare Antwort. Aktuell ist klar, dass die Qualitäten einen anderen Anspruch besitzen, die Reben noch nicht das Alter aufweisen und erst eine klare Linie für den Weinstil gefunden werden muss. Man arbeitet mit den Qualitäten und der Erfahrung, die man aktuell hat und bedient so den Markt. Dementsprechend sind auch die Preise. So liegt der Spitzenwein bei aktuell rund 20€. Aber es wird immer weiter am Qualitätsmanagement gefeilt. Aktuell arbeitet man beispielsweise noch konventionell. Doch bis 2016 hat sich Eric Kohler zum Ziel gesetzt, auf Herbizide zu verzichten. In einigen Jahrzehnten könnte die Domaine also durchaus ähnliches Renommee besitzen, wie Rothschilds Vorzeigeweingüter. Doch der Markt wir laufend bedient und die Weine wachsen mit der Erfahrung. Aktuell eignen sich die Qualitäten somit, um eine enorme Menge an Wein auf gleichbleibend hohem Niveau international zu vermarkten. Die Positionierung ist also vorerst breiter, entsprechend ist auch die Vinifikation. Es besteht kein Druck die Reputation des Weinguts künstlich aufzublasen.

Die Domaine d’Aussières ist vergleichbar mit einer Ameisenpopulation: Während das Anwesen noch etwas verlassen aussieht und die Oberfläche außerhalb der Rebanlagen wenig Leben zeigt, herrscht Untertage Hochbetrieb. Der komplette Keller der Domaine wurde erneuert und mit neuesten Maschinen ausgestattet. Betritt man diesen, so tut sich eine neue Welt auf. Die Kellerräumlichkeiten sind immens groß, lassen so erst die Dimension der Domaine erkennen. Daran angeschlossen ist eine riesige Lagerhalle für die zu verschickenden Paletten an Wein. Sie ist komplett neu.

Es gibt vier wichtige Weine der Domaine:

Die Basis bilden der ‚Aussières rouge‘ und ‚Aussières blanc‘. Die beiden Vins de Pays sind frisch und früh zugänglich. Der Rotwein ist eine Cuvée aus typischen Rebsorten der Region, der Weißwein ein reinsortiger Chardonnay ohne Holzcharakteristik. Darauf folgt der ‚Blason d’Aussières‘, eine Cuvée von Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan, mit Ausbauzeit von 10 bis 12 Monaten. Die Weine sind allesamt empfehlenswert, bedienen aber ganz klar eine breite Masse an Weinkonsumenten. Schade finde ich, dass die Basisqualitäten mit Nomacorc ausgestattet werden, anstatt Schraubverschlüssen. Es gab eine spannende Diskussion über den Einsatz der Plastikkorken. Von Haus aus sei man zufrieden mit den Qualitäten. Man wäre durchaus Schraubverschlüssen aufgeschlossen, glaubt aber, eine Zielgruppe an Weinkonsumenten zu bedienen, die einen Korken erwarten. Man ist sich also durchaus bewusst, welchen Weintrinker man hier anspricht und inwiefern dessen Vorstellungen von einer Flasche Wein aussehen.

Der Spitzenwein des Hauses ist der ‚Château d’Aussières‘. Von ihm werden im Durchschnitt etwa 6.000 Kisten erzeugt. Im Vergleich dazu liegt die Produktion des ‚Aussières rouge‘ bei 50.000 bis 55.000 Kisten.  Die zumeist aus Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan bestehende Cuvée verbringt 12 bis 16 Monate in Eichenholzfässern. Davon sind 40% Erstbelegung. Ich hatte die Möglichkeit sechs Jahrgänge des Weines nebeneinander zu verkosten. Dabei kamen die unterschiedlichen Jahrgänge deutlich heraus. Aktuell gefällt mir der 2008er Jahrgang am besten. Daran schließt sich der 2012er mit gutem Potenzial für einige Jahre Flaschenreife an. Im Folgenden meine Verkostungsnotizen zu den Weinen:

Château d‘ Aussières:

2007 –  Syrah 60%/ Grenache 10%/ Mourvèdre 30%

  • Aus einem ausbalancierten Jahrgang mit guten klimatischen Bedingungen und ausgereiften Mourvèdretrauben. Ziegelroter Rand, fleischig dunkles Rot. In der Nase zugänglich und offen. Etwas Bohnenkraut, fleischige Noten, Schokolade. Am Gaumen seidiges Tannin, typischer Languedocstil, etwas wärmer, leicht Mokka und trotzdem frisch. Noch jugendlich.

2008 – Syrah 58%/ Grenache 10%/ Mourvèdre 32%

  • Trockener Winter und Frühling, der durch Regenschauer im Mai gerettet wurde. Ein etwas kühlerer Jahrgang. Farblich ähnlich wie 2007, jedoch in der Nase etwas grüner mit viel Speck. Am Gaumen ist das Tannin hier zupackender, die Aromatik kräutriger ohne ausgeprägt grün zu sein. Jahrgang mit großem Potenzial. Insgesamt etwas strenger als 2007 aber für mich spannender. Mein Favorit.

2009 – Syrah 59%/ Mourvèdre 20%/ Grenache 8%/ Carignan 13%

  • Der erste Jahrgang mit Carignananteil. Noch sehr präsentes und zupackendes Tannin , insgesamt kräftiger Stil. Braucht noch viel Zeit. In der Stilistik etwas animalisch angehaucht, wärmer als 2008 und nicht so elegant. Der verschlossenste unter den Jahrgängen.

2010 – Syrah 65%/ Mourvèdre 18%/ Grenache 7%/ Carignan 10%

  • Ein kühler Jahrgang, der für einen späteren Austrieb und verlangsamte Reife sorgte. Besitzt eine ausgeprägte Amarenakirschnote in der Nase, wirkt gar ein wenig süßlich. Erinnert aber am Gaumen eher an 2008, fällt im Vergleich aber im Abgang kürzer aus. Sehr jung und verschlossen aktuell.

2011 – Syrah 66%/ Mourvèdre 10%/ Grenache 14%/ Carignan 10%

  • Der charmanteste Wein in der Reihe. Trinkt sich jetzt bereits ausgesprochen gut, besitzt weiche Tannine und eine ausgeprägte Frucht. Zugänglicher als 2010. Insgesamt der polierteste Wein, den man so wohl aber gut in der Gastronomie einsetzen kann.

2012 – Syrah 75%/ Grenache 20%/ Mourvèdre 5%

  • Aus dem fürs Languedoc sehr gelungenen Jahrgang 2012, der bei allen Rebsorten für gute Reife und volle Aromatik sorgte. Die Nase brilliert mit rotem Pfeffer und ist noch sehr offen. Am Gaumen wirkt der Château d’Aussières rund und komplex. Insgesamt der edelste Vertreter. Besitzt viel Potenzial für die Zukunft. Nach 2008 der gelungenste Wein, wie ich finde.

Es bleibt also spannend abzuwarten, für welchen Weg man sich entscheiden wird und wohin die Qualitäten die Domaine in den nächsten Jahrzehnten tragen werden. Es liegt in den Händen von Lafite-Rothschild und den natürlichen Gegebenheiten zu entscheiden ob d’Aussières zukünftig ein breite Masse von Weintrinkern anspricht, ein Vorzeigeweingut von Weltrang wird oder völlig andere Wege geht. Mit Eric Kohler als technischem Direktor, besitzt Rothschild-Lafite in jedem Fall eine hochcharismatische und leidenschaftsgetriebene Persönlichkeit an der Spitze. Wer zum Beispiel einmal im Elsass bei Trimbach von Jean Trimbach durchs Weingut geführt wurde und den geborenen Entertainer erleben durfte, einen Weinfreak wie Daniel Gantenbein, eine stimmige Nichtinszenierung im Scharzhof oder einen vom sportlichen Gedanken getriebenen Winzer wie Klaus Peter Keller erlebt hat, würde Eric Kohler sofort in diese Liga der Weinpersönlichkeiten einordnen.

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~ von budisfoodblog - August 18, 2014.

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