Côte-Rôtie: Domaine Jamet Côte Brune 1996


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Es gibt Weine, die haben ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Weine die markant und authentisch sind, solche die in Erinnerung bleiben und andere, die ausgezeichnet sind. Aber nur ganz wenige Flaschen legen noch eins drauf und berühren einen emotional. Sie bleiben damit unvergesslich!

Ein solcher Wein kommt beispielsweise aus Ampuis von der gerade einmal acht Hektar großen Kultdomäne Jamet. Jamet gehört zu den Vorzeigeweingütern der Region und steht für  Côte-Rôtie in etwa so wie Clos Rougeard an der Loire für Cabernet Franc von Weltrang steht, Egon Müller für langlebigen Saarriesling oder Coche-Dury für den perfekten Meursault. Ihre Syrahs sind ausgesprochen langlebig, stets präzise und von einer kühlen und noblen Stilistik, wie man sie mittlerweile nur von wenigen Weingütern an der nördlichen Rhône kennt. Dabei vertritt das Weingut die ursprüngliche, sehr filigrane Stilistik der Region, die keineswegs hochkonzentriert daherkommt und durch fleischiges Tannin und Holzausbau protzt.

Eigentlich ist es falsch, mit dem Spitzenwein von Jamet zu beginnen, denn das Weingut zeichnet vor allem eine kompromisslose und hochgradig gute Kollektion aus. Bereits der einfache Syrah besitzt Markanz, die Côtes-du-Rhône zählen für mich zu den schönsten Syrahs im Preisbereich unter 20 € und mit dem Côte-Rôtie-Blend hat man einen lagerungsfähigen und vielschichtigen Syrah in der Hand, der mit zehn und mehr Jahren Reife, bei in der Regel nicht mehr als 12,5% Vol. brilliert.

Der Wein, den ich hier vorstellen möchte, stammt von der Côte Brune, deren Böden von Glimmerschiefer geprägt sind und etwas kräftigeren Syrah ergeben sollen. Er hat erst vor wenigen Jahren den Keller der Domäne verlassen, da Jamet in kleineren Mengen immer wieder gereifte Jahrgänge freigibt. Jamet ist neben dezentem Holzeinsatz bekannt dafür, in reifen Jahren mit den Rappen zu vergären, damit die Weine über ihre lange Lagerung an Frische bewahren und nicht so hoch im Alkohol ausfallen. Genau das merkt man dem Wein an.

Der mittlerweile 18-jährige Côte-Rôtie besitzt ein kräftiges Blutrot mit ziegelsteinrotem Rand. Das Depot fällt nur gering aus. Die Nase zeigt sich zuerst etwas verschlossen, doch mit wenigen Schwenkern im Glas blüht der Wein auf und bleibt dabei stets elegant. Oliven fallen zunächst auf, der Charakter ist eher reduktiv. Etwas später kommt Erdbeere hinzu, auch ein wenig Cola und eine angenehme Würze in Form von frisch gemahlenem weißem Pfeffer. Die Kühle des Jahrgangs spiegelt sich in Form feiner Eukalyptusnoten wider und einer minimalen Spur grüner Paprika. Ohne einem entgegenzuspringen, finden sich immer wieder neue Aromen im Bukett des Jamets.

Am Gaumen gleitet dann die pure Eleganz über den Gaumen. Der Syrah ist mittlerweile schlank geworden und protzt nicht mit kantigem Tannin. Dies ist längst abgeschmolzen. Viel mehr baut er hinten am Gaumen mächtig Druck auf, um dort dann lange mit seiner Vielschichtigkeit zu verweilen. Neben typischen dunklen Beeren, wieder etwas Olive und einer minimal animalischen Note, besitzt der Wein die Aromatik von Austernpilzen. Man mag voreilig schreien der Wein sei „burgundisch“. Doch nein, dies ist er keinesfalls. Er ist Côte-Rôtie durch und durch. Das ist Côte-Rôtie in Bestform und wer es gerne technisch mag: Ein Referenzwein.

 getrunken im Juni 2014, aus dem Spiegelau Authentis Bordeaux-Glas

~ von budisfoodblog - August 25, 2014.

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