Atable – Ludwigshafen


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Obwohl ich mich ja permanent mit den Bewegungen in der Gastronomie auseinandersetze und ein halbes Jahr lang unweit von Mannheim verbracht habe, war Ludwigshafen bislang nicht wirklich auf meiner kulinarischen Karte vertreten. Das liegt wohl schlichtweg daran, dass mich Ludwigshafen als Stadt weniger reizt aber eben auch daran, dass andere Regionen oder Metropolen eine viel höhere kulinarische Dichte und Attraktivität besitzen. Wie dem auch sei, liegt dies sicherlich nicht am Restaurant Atable.

Das Paar, bestehend aus Sybille Herbst im Service und als Sommelière und Sven Bultmann in der Küche, arbeitet in einer ähnlich gelungenen Konstellation wie das Restaurant Bachmaier in Heilbronn. Das heißt, man bekommt ein anspruchsvolles aber ungezwungenes Essenserlebnis mit einer guten Portion herzlichem Service. Hinzu kommen vertretbare Preise.

Die Küche kann wohl als französisch-mediterran bezeichnet werden, entzieht sich aber auch nicht regionalen Einflüssen. Es ist kein Küchenstil mit Dogma, knallhartem Konzept, sondern viel mehr eine Genussküche, die ohne harte regionale Eingrenzungen raffinierte Gerichte auf den Teller zaubert. Selbstverständlich bleiben die Gerichte aber saisonorientiert. Die lediglich 35 Sitzplätze verwundern ein wenig, kennt man derartig kleine Konzepte doch mehr von der Spitzengastronomie. Dies lässt den Gast fast wie zu Hause fühlen. Lediglich das von Grautönen und schweren, schwarzen Lederstühlen geprägte Ambiente könnte ich mir etwas raffinierter, ja ein wenig wärmer vorstellen.

Bei meinem Besuch fiel die Wahl auf die ansprechenden à-la-carte-Gerichte. Als kalte Vorspeise hat mich der gebeizte Saibling mit Sauerrahm-Mousse überzeugt. Sven Bultmann serviert ihn mit geschmorten Radieschen und überzieht das im Quader angerichtete Mousse mit Amaranth. Der gebeizte Saibling besitzt hier eine angenehm feste Struktur und volles Aroma. Er fügt sich sehr gut im Kontext zur leichten Schärfe der Radieschen ein. Das Highlight des Menüs bildet der Hauptgang. Die enorme Tranche vom bretonischen Seeteufel wurde absolut à point serviert. Dazu gibt es Fenchel und kandierte Zitrone. Die Mischung aus dem ätherischen Fenchel und der Frische durch die Zitrone gibt ein spannendes Wechselspiel ab. Perfekt dazu passen nicht nur die Olivengnocchis, sondern auch der von Sybille Herbst zum Gericht empfohlene 2011er Burgweg Riesling von Ludi Neiss aus Kindenheim. Dieser jetzt trinkreife Wein besitzt schon eine fast petrolähnliche Note und erweist sich mit seiner ebenfalls feinen Limettenaromatik als kleiner Aromenkatalysator. Am meisten aber freut mich, dass im Atable die Desserts keineswegs abflachen. Gerade bei Restaurants, die knapp unterm ersten Michelinstern kochen, zeigt sich oft das Dessert als deutlich banaler gestrickt im Vergleich zur Küchenkunst. Das liegt oft an der fehlenden Patisserie. Der neu interpretierte „Rharbarberkuchen“ gehört jedenfalls zu den schmackhaftesten und gelungensten Desserts, die ich in letzter Zeit in einem nicht besternten Restaurant gegessen habe. Es handelt sich hierbei um keine verkopfte Dekonstruktion, die am Ende schlechter als das Original schmeckt. Vielmehr serviert Bultmann hier ein derart schlotziges Dessert, dass man es gerne mit dem großen Löffel verzehrt. An der Oberfläche findet man ein  Nocke Hefe-Eis vor, die auf einer Schicht Butterstreusel trohnt. Sozusagen mit dem ersten Spatenstich offenbart sich die darunter befindliche Tahiti-Vanillecreme und reichlich Rharbarberkompott.

Die Portionen im Atable fallen wenn man von der Karte bestellt sehr reichlich aus, sodass ein 3-Gang-Menü eine angenehme Balance beschert. Insgesamt strahlen alle Gerichte ob ihres Wohlfühlfaktors, der auf einer perfekten Zubereitung und hochwertigen Produkte basiert, die kreativ und harmonisch zusammengefügt wurden. Das liegt auch an der Konzentration der Gerichte auf wenige Komponenten. Dazu kommt eine individuelle Weinkarte mit starkem regionalen Fokus. Schön finde ich, dass hier auch kleinere Winzer vertreten sind, die man so oft nicht auf Weinkarten findet. Aber auch wer überregional und länderübergreifend trinken möchte, wird mit der Flaschenauswahl problemlos fündig.

Man merkt bereits beim Lesen der Menükarte, was sich spätestens mit Erreichen des ersten Ganges bewahrheitet: Das Atable wird von zwei Persönlichkeiten geführt, die tief aus der Branche kommen, ihr Handwerk vollstens beherrschen und einen Ort gefunden haben, an dem sie sich selbst wohl fühlen. Dies strahlt natürlich auch auf die Gäste ab.

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Atable Restaurant /Welserstraße 25/ 67063 Ludwigshafen am Rhein

~ von budisfoodblog - September 4, 2014.

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