Domaine Fourrier: Gevrey-Chambertin Vielle Vigne 2002


fourrier_gevrey-chambertin_2002

Gevrey-Chambertin. Ich muss zugeben, wenn ich den Namen dieser an der Côte d’Or gelegenen Gemeinde höre, schlägt mein Herz höher. Das liegt auch daran, dass ich mit diesen Weinen einige wunderschöne Burgunder verbinde. Neben den selbst in kleinsten Jahren stets so brillanten und lagerungsfähigen Weinen der Domaine Armand Rousseau aus legendären Lagen wie dem Clos St. Jacques und Clos de Bèze, erinnere ich mich zurück an einige gereifte Pinot Noirs von Trapet, wie etwa den Chambertin aus 1998 oder die Weine Bruno Claveliers.

Seit Kurzem darf ich einen weiteren Winzer aus der Gemeinde hinzuzählen: Jean-Marie Fourrier.

Jean-Marie hat einen ganz besonderen Weinstil und eine klare Vinifikation: Neues Holz wird hier so dezent wie nur möglich verwendet und bevorzugt fast gar nicht eingesetzt. Das Vergären mit den Rappen lehnt der Winzer ab. Er möchte die klare Frucht des Pinot Noirs auf die Flasche zaubern und „falsches“ Tannin aus dem Holz oder grünen Rappen im Wein vermeiden. Die Weine wandern unfiltriert und meist ungeschönt auf die Flasche, haben stets ein wenig natürliche Kohlensäure und sind deshalb auch niedrig im Schwefel eingestellt. So sieht das Konzept der 8,7 Hektar umfassenden Domaine aus.

Der Vielle Vigne-Village  trägt seine Bezeichnung nicht umsonst: Die Reben für den Wein sind im Schnitt rund 75 Jahre alt. Nach 12 Jahren fließt der Wein mit der Farbe von Herzkirschen ins Glas und besitzt einen leichten Rand. Er strahlt noch voller Lebendigkeit, ist sogar für einen Pinot Noir fast überdurchschnittlich dicht in der Farbe.

Direkt aus der Flasche braucht der Wein lange Zeit, um sich aufzubauen. Die Nase wechselt ständig. Anfangs fällt sie eher unangenehm aus. Ich notiere mir eine laktische Art, etwas Sauerkraut und Paprika. Der erste Schluck offenbart ein völlig gegensätzliches Aroma am Gaumen: Hier liegt ein wohlstrukturierter, feinfruchtiger Wein vor, der vor Lebendigkeit strotzt. Ich entscheide mich dazu, den Wein in die Karaffe zu geben und einige Minuten zu belüften. Die Entscheidung war genau richtig. Keine halbe Stunde später blüht der Wein zur Höchstleistung auf. Verschwunden sind die fast stinkigen Noten. Die Nase ist nun glasklar, voller Waldbeeren und typischer Pinotwürze.

Gaumen und Nase gleichen sich nun an. Der Wein hat durchaus noch Tannin. Dies ist samtig und zugleich strukturierend, ein wenig fleischig. Es trägt zum maskulinen Charakter des Gevreys bei, wengleich der Wein auch eine hochfeine rotfruchtige Aromatik besitzt, die mit ihrer klaren Sauerkirschnote und Frische auch ein wenig Chambolle-Musigny in sich trägt. Der Wein ist markant, hat Länge und ich bin überzeugt, dass er über die nächsten fünf Jahre problemlos weiter große Klasse zeigt. Insgesamt ein wunderbarer Wein, der auf ähnlichem Niveau wie der  Village von Rousseau aus selbigem Jahr ist.

getrunken im September 2014, aus dem Spiegelau Authentis Burgunderglas

~ von budisfoodblog - September 17, 2014.

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